æderîn
Adj.
‘aus Sehnen gefertigt’
wer ich [Samson] gebundin / [...] mit sibin seilen ederin, / [
septem nerviceis funibus ligatus Idc 16,7]
[...] so wer ich [...] betwungen gar RvEWchr
20982
MWB 1 105,13; Bearbeiter: Plate
âderlâʒære
stM.
1
‘jmd., der das Gewerbe des Aderlasses betreibt’
2
‘jmd., der sich Blut abnehmen lässt’
1
‘jmd., der das Gewerbe des Aderlasses betreibt’
ich Hainreich Walich der aderlazzer, purger ze Wienne UrkWSchott
120
(a. 1307)
2
‘jmd., der sich Blut abnehmen lässt’
auch soll der leitgeb uber jar lautern wein haben kintlpetterin und aderlassern WeistÖ
2,1:92,16
MWB 1 105,17; Bearbeiter: Plate
âderlâʒe, -læʒe
stF.
‘Aderlass’
ze der aderlaze [Überschrift] . swer an dem ersten tag des maien [...] daz blut let an swederm arm er wil, dem schadet dehein viber in dem iar BenRez
24;
pfruend win chauffen und geben [...] ze ir aderlêz UrkAugsbBt
2,71
(a. 1339)
MWB 1 105,23; Bearbeiter: Plate
âderlâʒen
stN.
‘Aderlass’
jst aber he [eine Augenkrankheit] uon dem blute. so ist daz ader lazen gut SalArz
35,52;
âderlâzen und getranc / machent den gesunt, der ê was kranc Renner
20505;
Secret
1810
MWB 1 105,29; Bearbeiter: Plate
âderlâʒmâʒ
stN.
Menge des nach dem Aderlass zugeteilten Weins:
von den zweien embern [mit Wein] sol man gebn einem jechlichem herren ein aderlaz maz UrkCorp (WMU)
3204,3
MWB 1 105,34; Bearbeiter: Plate
âderlâʒphrüende
stF.
Pfründe für bessere Kost an Aderlasstagen:
[wir geben ihm] von unserm siechhauz vier stundem in dem iar aterloz phruent [...] zwier in den tag wein und chuchen phruent UrkObAltaich
166
(a. 1325)
MWB 1 105,38; Bearbeiter: Plate
æderlîn
stN.
Dimin. zu âder.
‘kleine Sehne, kleiner Muskel’
er slug [einem Ungetüm] sy [die Krebsschere] ab pey dem knie, / das sy an ainem äderlein hie HvNstAp
10060.
–
‘kleines Blutgefäß’
etwenne geschit iz ouch von der aderleyn zwischen den lenden vnde der blater blasen SalArz
58,15.
–
‘Maser im Stein’
absyntus ist ain swarzer stain durchmischet mit snêweizen æderleinn BdN
435,14.
432,21.
444,33.
–
~
an Pflanzen:
diu weiz nieswurz ist gestalt an den pletern sam diu swarz, ân daz si an dem stengel weizeu æderl hât BdN
400,11.
41,18
MWB 1 105,43; Bearbeiter: Plate
ædern
swV.
nur als Part.Prät. belegt: ‘gemasert’
Hector mitt sinne / vand ain sper in dem tan, / geädertt wol als es gezan / ze fürend ainem helden werd GTroj
11726;
zwelf clafter lanc was der stil, / gadert und gehuͤrnet WhvÖst
11945.
MWB 1 105,55; Bearbeiter: Plate
âderslac
stM.
1
‘Pulsschlag’
2
‘Peitschenhieb’
1
‘Pulsschlag’
dô der den siechen man ersach, / sîn urîne im verjach / und sîner kraftâdern slac [La. krefte âderslac
] , / daz sîn dehein siecheit phlac RvEBarl
7487;
uf die erde viel si nider, / vor laide sturbent ierú lider, / aͮn aͮtmen und aͮn aderschlag / fúr tot si lange also da lag WernhMl
10115
2
‘Peitschenhieb’
do hiez er im dye zende / mit hämern aus dem mund slan, / der gotes laide Lysian, / und mit ader slegen villen gar, / so das ein fleisch nicht für war / an dem jungelinkch pelaib Märt
1235
MWB 1 105,60; Bearbeiter: Plate
âderslahen
stN.
‘Pulsschlag’
Morphêâ [...] markte flîzeclîchen sân / mitten vingern sîn âderslân. / [...] sîn âder im ze rehte sluoc Eracl
3216;
daz daz âderslahen des rehten arms grœzer und vollekumener ist BdN
40,34
MWB 1 106,7; Bearbeiter: Plate
âderstôʒ
stM.
‘heftiger Pulsschlag’?:
höfsch, mit zühten wîs ein man, / mit triwen milte ân âderstôz [ohne dass sich sein Pulsschlag belebte (Nellmann, Parz., S. 788)]
Parz
825,9
MWB 1 106,12; Bearbeiter: Plate
âdersuht
stF.
‘Gelenkerkrankung, Arthrose’
daz ist guot den kranken glidern, diu dâ âdersuht habent, die dâ haizent ze latein artetica BdN
327,28.
455,16.
466,30
MWB 1 106,16; Bearbeiter: Plate
âderzoc
stM.
‘Äderung, Maserung’
ein sper [...] mit listen wol gezehet [gehärtet] , / halp horne und mit ader zog JTit
1263,2
MWB 1 106,20; Bearbeiter: Plate
admirât
M.
auch admirate, atmerat, amerat, ammirat u.a.; aus mlat. admiratus (vgl. 2DWB 1,1517f. und Vorderstemann, Fremdw., S. 26-29); s. a. amiral.
– Titel des obersten heidnischen Herrschers:
owi chunc Admirate, / chomestu nu drate / zeschirmen diniu riche, / so tetestu herliche Rol
6725.
7298;
swer den keiserlîchen namen hât, / den die heiden nennent admirât Wh
434,2;
der admirât al der Sarrazîne Tit
93,2;
atmerat der Sarrazine JTit
772,2;
dar nach zwene kuͤnge kamen, / die wol zu dienste zamen / Terramer dem admirat Rennew
12905
(sonst stets atmirat, s. Glossar);
Loheng
4521
u.ö.;
ez was alsô komen, / daz diu kristenheit / ein herten strît streit / mit dem admirat der heiden Ottok
44615
u.ö.
MWB 1 106,23; Bearbeiter: Plate
admirâtinne
stF.
‘Frau des admirât’:
nu kumt diu atmerinne mit tusent werden vrowen, / der hundert kuniginne waren JTit
2842,1
u.ö., vgl. Suolahti 2,201
MWB 1 106,38; Bearbeiter: Plate
âduht, eizuht
M.
zu Formen und Herkunft vgl. DRW 1,418f.
‘Abzugsgraben’
aiduͦth UrkKölnSchr
1,313
u.ö.;
oder daz in [Kläger, gemeint: Grundstück oder Gebäude des Klägers] sin [des Nachbarn] aizucht trenkit [nass macht] oder sin rinne oder waz iz ist StRFreiberg
31,29
MWB 1 106,41; Bearbeiter: Plate
advent
stM.
‘Adventszeit’
di vier wochen di vor weinochten sint in dem advent UrkCorp
1522,36;
unde wêre ir crankeit sô grôz, sô mohte man ez [Fleischgenuss] in in dem advente erlouben StatDtOrd
70,23;
an dem virden suntage des adventes schribit sente Johannes EvBerl
4,1.
2,5.
–
‘Adventsfeier’
gegen einen wîhennehten / sprach der apt sunder wân: / wir süln einen advent hân / gein dirre lobelîchen zît Mönchl
50
MWB 1 106,47; Bearbeiter: Plate
aequinoctium
MN.
‘Äquinoktium, Tag- und Nachtgleiche’
zuo merzen so ist der lenzeliche equinoccium. equinoccium daz ist, so diu naht unde der tac gelich lanc sint MNat
6,27;
unde so ist equinoccium autumpnale, daz winterliche equinoccium. so sint tac unde naht gelich lanc ebd.
7,16
MWB 1 106,56; Bearbeiter: Plate
affalter
F.
‘Apfelbaum’
álso díu áffaltera scôner ist danne ander uuáltholz. uuánte síu dîe scônon unte dîe sûozen épfele bíret Will
28,2;
die wilde afphalter [...] do wahsent nüwent houlczepfel uffe PrEls
31B,244;
do stund ein affalter und blut unmezlichen schon EbnerChrist
21,18
MWB 1 106,62; Bearbeiter: Plate
affalterboum
stM.
‘Apfelbaum’
vnter démo áffalter bôume irquíchta ích dích Will
136,1
MWB 1 107,4; Bearbeiter: Plate
affaltërîn
Adj.
‘von Apfelholz’
alles holz ane funf holzer: eichen, buͤchin, tennin, birbomin vnde affolterin UrkCorp (WMU)
244A,6;
diu stange [des Speers] was apfalterîn / unde alsô gebunden / mit îsen oben und unden KvWPart
5288
MWB 1 107,6; Bearbeiter: Plate
affære, effære
stM.
‘Betrüger, Scharlatan’
wil dû dem troumær [Joseph] / gelouben? der ist ein effær! EnikWchr
6484;
daz [...] ein helt sô furstlîcher tât / sich abgote triegen lât, / [...] an Machmeten geloubet, / der der werlde ein affêre / hie was und ein trugenêre Kreuzf
7749;
sît sich diser man daz rîche / wider reht an zuge / und die liut betruge / als ein rehter effære Ottok
32566;
BdN
217,33;
KvHelmsd
4047.
–
‘Possenreisser’
pautel sneyder habent den sit / daz si ein aeffer furent mit / der gar wunderleichen tuͤt, / daz dw toren dunchet guͤt Teichn
86,32
MWB 1 107,11; Bearbeiter: Plate
affe
swM.
‘Affe’
1 eigentl. 2
‘Tor, Narr’
1
eigentl.:
ûf den boumen sâzen affen / und wilde merekatzin / und freislîch gefugele SAlex
5829.
5008;
und brahten [...] dem kúnege [Salomo] kleinoͤdis vil, / dú dannoh bi dén jaren / dem lande vromde waren: / affin und helfande, / die nieman da bechande RvEWchr
33145;
von dem affen. simia haizt ain aff. daz ist ain tier dem menschen gar geleich nâhent an allen gelidern BdN
158,19.
– mit Bezug auf best. Eigenschaften und Verhaltensweisen (häufig in Vergleichen):
im gênt diu ougen umbe als einem affen Walth
82,20;
der luhs wol siht, daz swîn wol hœrt ze walde, / diu spinne cleine grîfet unde balde, / der gîr riucht, affe smackt: der sinne / hât ieslîchez den einen baz / dan der mensch RvZw
164,9;
BdN
158,23;
swie der affe sî gar wilde, doch sô vâhet in sîn schîn, / so’r im spiegel siht sîn bilde KLD:BvH
2: 3,1;
wol fuogt den affen tôren spil KLD:Kzl
16: 13,15.
– besonders mit Bezug auf die Nachahmungslust:
mide die tumben, swa si gen, / swa si sitzen oder gesten. / wan der affe sicht den toren an / untz er nach im gebarn kan ErzIII
36,155;
swaz man dem affen vor tuot / daz tuot er nâch und dunkt in guot Helbl
1,453;
swaz der affe vor im sicht, daz tut er allez nach JMeissn
A 3:2,5;
Ammenh
10828.
– phras.:
die witen schuͦhe [...] sint ungeschaffen; / man sprichet, er wuͦlle affen / fahen, der si ane treit MinneR 52
112
(zur Erklärung vgl.:
dar umb nement die jäger hantschuoh und schuoh und legent die an in den wälden, daz ez die affen sehent, und ziehent si dan wider ab und lâzent si ligen. sô koment die affen und tuont sam; alsô væht man si BdN
158,28)
2
‘Tor, Narr’
affen, esel und gouch, / also nennet man die liute ouch. / die drie habent niht wan einen namen; / des mugen sich wol die toren schamen. / ich wæne daz dehein tore si, / ern habe die namen alle dri StrKD
46II,3;
da von sint sie wol affen / die dar in vorbaz caffen / unde dar abe mer wollen kunnen / dan in got hir wil gunnen HeslApk
9355.
7697;
nu sin wir hie der tuͦfel spot / und dez valandes affen HvNstGZ
7402;
die hant sú vor affen und verkerte lúte Tauler
78,11.
–
ein ~ , ze einem ~ werden:
sus schuof er daz ein affe / uz einem wisen manne wart StrAmis
2182;
StrKD
58(A),120;
des wirt er ze einem affen ebd.
29,64.
– (jmdn. ze einem) ~ machen:
di mvniche vnde di paffen / di machte ih ouh zaffen Glaub
1805;
ich gemache in wol zeinem affen, / mînen herrn, swie wîse er ist Eracl
2066;
sus macht er mangen affen StrAmis
1499;
StrKD
107,281
MWB 1 107,23; Bearbeiter: Plate
affeclich
Adj.
‘töricht’
ich rat dez ich niht selber tuon / daz ist ein affeclicher ruon / min selbis ich gespotet han Martina
22,72
MWB 1 108,10; Bearbeiter: Plate
affeht, affehte
Adj., Adv.
‘töricht’
ob ich es niht enwolde, / so tet er affechte, / swelich uwer es gedechte Herb
16550;
dißer affechte ritter Lanc
329,6;
tumbe affehte lúte Tauler
121,26
MWB 1 108,13; Bearbeiter: Plate |