adelar, adelære
swstM.
seit dem 12. Jh. belegte Zusammensetzung von adel und ar; die Form adelær(e) stM. gebildet in Anlehnung an mûsære und sperwære (vgl. Suolahti, Vogelnamen, 352f.); häufig in (durch Bibel und Physiologus vermittelten) metaphor.-allegor. Bezügen
1
‘Adler’
1.1 allgemein 1.2 mit Bezug auf einzelne Eigenschaften. 2 der Adler als Wappentier 3 in Beinamen
1
‘Adler’
1.1
allgemein:
die adelaren / dar zu gewenit waren, / daz si scate baren Rol
658;
dô kômen [...] vier adelar geflogen, / der ieglicher was des geil, / daz er des lîchnams einen teil / in sîn klô vazte Ottok
21497;
aquila haizt ain adelar, und spricht Augustînus, daz er der edelst vogel sei und sei ain küng aller vogel BdN
166,6
1.2
mit Bezug auf einzelne Eigenschaften.
– hoher Flug:
diu milte ob andern tugenden swebt / sam der adelar ob allen vogeln sô nu lebt SM:JvR
1: 14,5;
sîn werdez lop / in allen swebet ob / als der krâ der adelar Ottok
39222;
das der adeler also hohe vlúget, das darf er nit der úwelen danken [sondern Gott]
Mechth
6: 2,7.
–
milte (Freigebigkeit):
[Turnus war] milde unde êrhaft, / ein adelar sînes gûtes, / ein lewe sînes mûtes, / ein ekkestein der êren En
12619;
nû muoz gelîche ich / tuon dem adelar: / sô der bejeit sîn nar, / die wîle er die zert, / deheinem vogel er wert, / er læt in ezzen mit / mit gedultigem sit Ottok
89359;
Mügeln
28,16.
– Fähigkeit zur Verjüngung (Ps 102,5):
[Gott] wil dir núwen dine iugint alse deme adilære PrGeorg
284,27 App.;
der din jugent hat ernerret und ernuwret als ein adlers Seuse
549,31.
– starke Sehkraft und Fähigkeit, in die Sonne zu sehen:
der adelær flivget dvrh die lvfte zvͦ der svnnen vnde wartet wol allen tak in den schin der haizen svnnen Spec
28,11;
do er [der Evangelist Johannes] tieffer in div gotes toͮgen sach, da behielt er des aren site, der tieffer uor allen uogelen in den scîn der berhtelen sunnen sihet ebd.
118,22;
ob ez [Adelerjunges] niht in die sunnen siht, [...] von neste lât erz vallen Wh
189,2;
ainen nebell er spechen / begunde der was so dike: / aines adel arn blike / möchten da nitt han gewegen GTroj
9856
2
der Adler als Wappentier:
ein banier swarz als ein kol / mit einem wîzen adelar / swebt ob der pôlânischen schar Ottok
7228;
und was von zobel rehte drîn [in das Wappen] / geleit ein halber adelar KvWSchwanr
1055;
halsper, platt, kürsitt / das waz von gold liechtt gevar, / dar inne manig schwartzer adlar GTroj
994.
– das Wappentier steht für den Wappenträger:
dem adelarn von Rôme werdeclichen ist gelungen, [...] daz mag in Pülle erschrecken wol die rappen und die gîre KvWLd
32,316
3
in Beinamen:
Cvͦnrat Bletz zem Adelar UrkCorp
3559,1;
zem Adeler ebd.
1593,31
MWB 1 101,1; Bearbeiter: Plate
adelbære
Adj.
‘adlig’
getihte schœne / den liuten adelbære / billichen lieber wære KvWTroj
55
(vgl. ze hove ebd. 30)
MWB 1 101,54; Bearbeiter: Plate
adelecheit, adelkeit
stF.
1
‘Adelswürde’
2
‘edle Gesinnung’
1
‘Adelswürde’
Wilhelm der junge / Avenises tohter nam [...] / si warent edel und rich, / guͦtes, adelkait gelich, / in hoher wirdi wol geborn RvEWh
15500;
hêr Löwe [sagt die Maus] , lânt mich gân! / ez gezimt nicht iuwer [...] hôhen adelkeit, / [...] üb ir mich tœdent [...] waz êren mag ein küng bejagen / üb von im wirt ein knecht erslagen Boner
21,4
2
‘edle Gesinnung’
gern ich daz [Name und Herkunft] von üch verston, / sid üwer grosse adelkaitt / an mir suss ist worden braitt GTroj
7561.
– Vgl. auch edelecheit
MWB 1 101,57; Bearbeiter: Plate
adelhaft
Adj.
1
‘adlig’
2
‘edel’
1
‘adlig’
wær ich von hôher art geborn, / als ir von hôhem adel sît, / [...] ir, künec adelhaft KvWPart
19980;
so fraug ich nit die adelhaft, / ich fraug arm luͤt da neben Teichn
489,20
2
‘edel’
met mancher doegent adelhaft / han ich [Frau Ehre] si [auserwählte Ritter] geczieret MinneR 481
82.
– Vgl. auch edelhaft
MWB 1 102,4; Bearbeiter: Plate
adelheit
stF.
‘Adelswürde, adliges Ansehen’
du [Königskrone] hast vil mer der adilheit / an dir wen der selikeit PfzdHech
256,13;
als Bezeichnung für die Gottesmutter
Frl
1:12,37
(vgl. dazu FrlWB).
– Vgl. auch edelheit
MWB 1 102,11; Bearbeiter: Plate
adelhêrre
swM.
‘adeliger Herr’
den adel herren [Christus] / der durch suntare geborn wart Rol
6882
MWB 1 102,16; Bearbeiter: Plate
adelkeit
stF.
→ adelecheit
MWB 1 102,18; Bearbeiter: Plate
adelkint
stN.
‘eheliches Kind freier Eltern’ (vgl. adelsun):
ein wîb mac gewinnen êliche kint, adelkint, eigenkint und kebeskint SSp(W)
1:51,2;
Abraham [...] hatte zwene suͦne. einen bi siner dirnen. den andern bi sinem adelwibe. [...] do daz adelwibe gesach daz sie die dirne versmahte. vnd daz ir svn spilte mit dem adelkinde PrLpz(L)
132,10
(vgl.
edilu kint SuTheol
283
für Abrahams Kinder von Sarah);
din sun [Christus] he hat sich underwunden / der werld, [...] wand ’t adelkint is he aleine, / des alle dinc sint algemeine MarlbRh
58,19
MWB 1 102,19; Bearbeiter: Plate
adelkleit
stN.
‘Adelskleidung’
swâ sich gemischet vil untugende zuo dem adel, / dâ mag daz adelkleit wol werden zeinem hadel [Lumpen]
KLD:SvT
1:1,5
MWB 1 102,31; Bearbeiter: Plate
adellich, adellîche(n)
Adj., Adv.
auch adenlich.
‘adlig, edel, ausgezeichnet, herrlich’
1 Adj. 2 Adv.
1
Adj.:
dô sprach der ritter wol gezogen / ‘genâde, vrowe hêre, / durch got und durch dîn êre / und durch dîn adelîche site / geêre mich des ich dich bite’ UvZLanz
1765;
mîn muot dien valken tuot gelîch, / die durch ir adellichen art / sich geilent mit der sunne SM:Tu
3: 1,2;
sein gepare die sind adelich; / an alle rede zaigt es sich / das er ist ain edell kintt HvNstAp
1552;
fúr alles adel adellich / warent sú [die Hände Jesu] , schoͤn und wunneklich WernhMl
5975;
nun söllen wir beginnen / mitt adenlichen sinnen / frömde aventüre sagen GTroj
24032
2
Adv.:
sin nase dú ist och gezalt / ze der aller besten gestalt: / vor nider adenlich gebogen, / gegen dem munde also gezogen / nach adelers schnabel wise, / indem hoͤsten prise WernhMl
5855;
die ime nu aller werlichest nach volgent [...] und sich blos haltent von aller minlichheit und annemlicheit, die koment aller adellichest und luterlichest dar do das rich entecket und funden wirt Tauler
364,7;
wie adellichen sich haltet ein reht gelazsener mensch in allen dingen. Seuse
357,10
MWB 1 102,35; Bearbeiter: Plate
adelmuoter
stF.
‘wahre, vollkommene Mutter’
bescheidenheit ist aller tugent ein adelmuͦter Meissner
15:3,2;
vgl. auch:
si [Maria] ist den weisen ein adelmuder [Hs. adermuder
] , / si ist ein schif und ouch ein ruder / und ein adelanker zu der not Brun
12488
MWB 1 102,58; Bearbeiter: Plate
adelrîche
Adj.
‘von sehr vornehmer Abstammung’
kunne adelrîche [Noahs Söhne] / mit freise do gedeilit wart JMeissn
B 1:2,10;
diu künegîn ûz den megeden las / zwelf juncvrouwen adelrîche: / die wâren hôher vürsten kint Virg
313,3.
131,11
MWB 1 103,1; Bearbeiter: Plate
adelsarc
stM.
‘edler Schrein’, übertr.:
der zarte gotes adelsarc, die meit wart muter Cristes Frl
10:3,3
MWB 1 103,6; Bearbeiter: Plate
adelshalbe
Adv.
‘wegen, hinsichtlich des Adels’
und waer er niur dar zuo geborn, / daz sîn lop niht adelshalbe waer verlorn Loheng
6925
MWB 1 103,9; Bearbeiter: Plate
adel|spar
swM.
‘edler Sperling’ (wortspielend mit adel-ar), hier als mariologisches Sinnbild am ehesten Stieglitz/ Diestelfink/ Goldfink:
dû durteldûbe, adelspar, / dû fênix und dû adelar Erlös
2551
MWB 1 103,12; Bearbeiter: Plate
adelsun
stM.
‘ehelicher Sohn freier Eltern’ (vgl. adelkint):
Thelamon / vnd Priamvs son, / Sisileus [...] quamen zvsamne gerant. / [...] Thelamon der sige vacht / an dem bastharte. / sin bruder zv karte, / Deiphebus der adelson Herb
11589;
ArnoltSieb
50,18
MWB 1 103,16; Bearbeiter: Plate
adelunge
stF.
‘adlige Abkunft; edle Gesinnung’
do wolde ouch der edele man / in sine leben wizzen lan / [...] uf daz der gast wurde irlost / von aller ergerunge / swan sine adelunge / im da wurde vor gezalt Vät
20432;
daz ist der adelunge stam. / er ist edele swer des pflit / daz er den sin den im got git, / in gots gebote wil neigen ebd.
27618
MWB 1 103,22; Bearbeiter: Plate
adelvater
stM.
‘ehelicher Vater’
wan en dat were scheyn, / dat der konynck Pypin / syn [Karls] adel vader were KarlGalie
7920
MWB 1 103,29; Bearbeiter: Plate
adelvrî
Adj.
‘aus freiem Geschlecht’
sît du mînes mannes für eigen hâst verjehen, / [...] du muost daz hiute schouwen, daz ich [Kriemhild] bin adelvrî, / unt daz mîn man ist tiwerr, danne der dîne sî NibB
828,1.
– Vgl. auch edelvrî
MWB 1 103,32; Bearbeiter: Plate
adelvrouwe
swF.
‘Herrin’ (im Ggs. zur Magd):
gotis brut, du seli adilvrowi [die Herrin Seele]
[...] der lichami ist der seli chamerwib SuTheol
275
MWB 1 103,37; Bearbeiter: Plate
adelvruht
stF.
‘edles Geschöpf’
du adel fruht [Anrede an die Geliebte]
WhvÖst
6712
MWB 1 103,40; Bearbeiter: Plate
adelwîp
stN.
‘rechtmäßige Ehefrau’ (im Ggs. zur Kebse):
Abraham [...] hatte zwene suͦne. einen bi siner dirnen. den andern bi sinem adelwibe PrLpz(L)
132,3
MWB 1 103,42; Bearbeiter: Plate
adenlich
Adj., Adv.
→ adellich
MWB 1 103,46;
ader
Konj.
→
ode
MWB 1 103,47;
âder
F.
1 Gefäß oder Band im Körper, besonders Sehnen, Muskeln, Blutgefäße 1.1
‘Sehne’ , ‘Muskel’ (nicht immer deutlich zu trennen) 1.2
‘Blutgefäß’
1.3 phras. 2
‘Wasserlauf’
3 unterirdische Ader, Ader im Gestein. 4 pflanzliche
~
1
Gefäß oder Band im Körper, besonders Sehnen, Muskeln, Blutgefäße
(aber auch die Luftröhre:
diu luftrœr ist ain grôziu âder und haizt ze latein trachea BdN
18,3)
1.1
‘Sehne’, ‘Muskel’ (nicht immer deutlich zu trennen)
after des er [Jakob] iemmer hanch fur daz er mit deme engele geranch. / die âdare sich zesamine chrumphen, danen begunde er limphin Gen
1549;
der helt die banier dô gevienc / und gurtez geweide wider în, / als ob in ninder âder sîn / von deheinem strîte swære Wh
25,28;
mac aber ich iu ze trôste komen, / daz enwil ich niht nider legen, / unz ich ein âder mac geregen StrDan
1200;
der hôchgelobt Uolschalch mir stach / einen vinger ûz der hant [...] der vinger an einer âder hie UvLFrd
108,17;
die dritten âdern [nach Arterien und Venen] sint pantâdern und haizent ze latein nervi. mit den pint diu nâtûr diu herten pain in den glidern zesamen BdN
35,32.
– gebraucht als Schnur, Seil, Peitsche:
ein dir gat in Libano, / daz heiz du dir giwinnin, / di adirin bringin. / [...] dar uz werchi eini snuir, / du wirt scarf undi was LobSal
92.
114;
Dalila / hiez sibin seil gewinnen sa / von adirn starch [...] damite der degin vrech gemuͦt / gebundin wart alda er lag RvEWchr
20992;
du hieze dine knehte / mit geislen in von aderen villen HeslNic
4335;
mit adernn er in slahen hiez Märt
17078;
dô liz her si slahen mit âderen von den rinderen HvFritzlHl
12,27
1.2
‘Blutgefäß’
die âdere alle wurden bluotes folle Gen
203;
lege iz [Heilpflaster] alsô uber daz wange an die âdere, sô sihstû michel wunder Barth
139,20;
wan ime sîn âder ûf brach Tr
15191;
mîn âder brast ebd.
15216;
da uon di aderen brestin di in der nasen sin SalArz
5,23;
die selben âdern estent sich überal zuo den andern glidern reht als die est an ainem weinreben BdN
24,27;
sîn âder im ze rehte sluoc / als er wære wol gesunt Eracl
3218.
–
slahen, slac der
~
‘Puls’
vnde sal di adere an deme arme haben uollen slac SalArz
43,3;
zwuo slahend âder, der slahen man enpfint auzwendig auf etleichen glidern BdN
36,23.
– (jmdm.) die, eine ~ (be)grîfen
‘(jmdm.) den Puls fühlen’
meister Reinhart, der artzat, / greif ein adern, die zem herzen gat ReinFu
K,2018;
ez wart nie man in langer frist / so krank, dem sî die âdern wolte begrîffen, / des dörfte niemer arzât mê gehüeten SM:Wi
9: 10,5;
do kam ain wiser artzet [...] und do er ir audren gegraif, do sprach er sy het en kainen siechtagen Stagel
66,32.
–
die, eine ~ slahen
‘öffnen’
da hette der kvnic gelazzen [zur Ader gelassen] . / do horte Antenor sagen, / daz im [dem König] die ader were geslagen Herb
1984;
an eime iechelichen arme / liez er im ein aderen slan PassI/II
194,18.
– (jmdm.) die ~ , an der / ûz der/ zuo (der) ~ lâzen
‘zur Ader lassen’
denne laz im uor dem houbite di mittel adern SalArz
29,49;
daz man im an der âder lieze bluot WernhSpr
39,14;
der laze rechtirhalbin uz der ader an deme kinne SalArz
31,23;
wir lazin in [Kindern] aber zu adirn hinderwertis zu beidin orin ebd.
28,26;
die die wirtschaft dâ besâzen, / den was almeistic lâzen / zer adern Wh
449,3;
swenne ein man zu ader leet SalArz
24,6;
in einem tage er zâder liez Tr
15117;
swenne si siech sint oder ze ader hawent gelazen SpitEich
15,3
1.3
phras.
–
ir arme unde ir hande / wâren âdern unde vel [ ‘(nichts als) Haut und Knochen’]
En
2741.
–
nû merke, wie daz möhte ergân, / daz ein lîp dâ möhte erstân, / dâ vleisch noch bein noch âder ist RvEBarl
8257;
weder vleisch noch bein / noch âder ebd.
12857.
–
wan diz lút herttir ader ist [
durae cervicis ‘halsstarrig, verstockt’ Ex 33,3]
RvEWchr
12250.
12117
2
‘Wasserlauf’
ein brunne da mitten enspranc, / beide clar vnd kalt. / vber allen den walt / sine adern klungen Herb
2189;
der lebenden wazzer odir Cranc
Jer 17,13;
die sele Jhesu Christi, die ist als ain brunne, das ewig wort als ain ader in dem brunnen Gnadenl
1,289
3
unterirdische Ader, Ader im Gestein.
–
‘Erzgang’
dyz sylber ertz [...] daz [...] den urspring / syner odern [
venarum suarum principia Iob 28,1]
[...] hat bin der erden Hiob
10625.
10628;
do ist eyn odere odir eyn gank in der erdin swarczer steyne MarcoPolo
28,8;
wie die edeln stain wahsen in der erden âdern BdN
427,13.
427,16.
– Ader, die Schwefel führt:
daz kummet sunderlichen dar / von odern dy sint swevels var. / und wen dy odern werden / intzundet in der erden, / [...] wirt da eyn ertbybunge Hiob
10698
4
pflanzliche
~
:
diu swarz nieswurz hât ainen kurzen stengel, der hât an im swarz âdern und ist der stengel an im selber etswie vil purpervar BdN
399,20
MWB 1 103,48; Bearbeiter: Plate |