abstinent
Adj.
‘enthaltsam’, subst.:
da vor hett man all geistlich lut geheißen abstinenten, das ist als viel als die sich vor sunden húten Lanc
348,24
MWB 1 93,17; Bearbeiter: Plate
ab|turni
Adj.
→ abetrünne
MWB 1 93,20;
âbulge
swF.
‘Zorn’
odin, prodin, loshait, boshait: / dem ist daz gotes wort leit, / daz muoz allez samt sin / in der gotes abulgin Hochz
82
MWB 1 93,21; Bearbeiter: Plate
âbunst
stFM.
‘Missgunst’
ich han mich firwarth [l. verworht ‘vergangen’] leider / mith avunste unde mith nide, / mith hazze unde mit girede SüklU
19;
daz von schite des nidis vnd habvnstis flamma diu sele icht burne BrHoh
65;
daz ist die maniger hande sunde [...] nit und haz, [...] giricheit und abunst PrLpz
212,30;
PrLpz(L)
67,14.
123,8
MWB 1 93,24; Bearbeiter: Plate
âbunsticheit
stF.
‘Missgunst’
die mich lesent sunder auunsticheit, / die muogen bit irer guotlicheit / entsculdigen mine vnwizzenheit FünfzGrade
103v,11
MWB 1 93,31; Bearbeiter: Plate
abyss
FM.
aus griech.-lat. abyssus.
‘Abgrund, Tiefe (besonders des Meeres); Hölle’
daz mer und die abysse / und ouch swaz darinne lebet, / beide swimmet unde swebet Pass III
420,72;
ich bin der gemachet hat / der werlde rinc [...] die tufe der abisse, / daz liecht, daz vinsternisse Vät
36863;
da mit misset sie [Geometrie] die lant / und dez firmamentes stege / und dez wilden meres wege / und der abyssen straze. / sie kan alle maze HvNstGZ
873.
–
si ilent in die abysse / in die ewige vinsternisse Lilie
54,37;
mit hochvart [...] vervielen hin die engele / in des abyssen tiefen giel Pass III
524,19;
in der abissen giel Vät
16176;
du weldes mit gewelden / der tuvele dez vinsternisses / und der tufe des abysses HeslApk
94
u.ö.
MWB 1 93,35; Bearbeiter: Plate
ach
Interj.
nasaliert anch
RvEWh
1912 u.ö.
Ausdruck von Schmerz, Klage, Erstaunen, Bewunderung, Sehnsucht; im Dialog als Anrede- und Aufmerksamkeitssignal; oft mit anderen Interj. verbunden (vor allem mit wê, ôwê; mit
wênc
Parz
104,21 und RvEGer
3079 La.).
1 mit folgendem Kasus (Vokativ unten unter
2
). 2 mit folgendem Satz (dem eine Anrede vorausgehen kann).
1
mit folgendem Kasus (Vokativ unten unter
2
).
– Nom.:
ach, ich arme svnderin Herb
16462;
ach ich vreuden arm man Wh
217,9;
ach ich vil unselig wip Lanc
332,33.
– Gen.:
ach ach dînes troumes! Gen
1974;
ach mîner tage! MF:Mor
17: 3,8;
ach wê der armen weisen, die dâ ze Bechelâren sint NibB
2314,4;
ach mînes lîbes! Tr
1215;
ach, der nôt! SM:HvStr
2: 1,6.
– Dat.:
anch mir armen und oͮwe, / das ich dich herren ie gesach! RvEWh
1938.
– Akk.:
ach mih armen vnde ujl armen Litan
1205;
anch mich, wen han ich nu genant, / wes hat min herze mich ermant! RvEWh
12565
2
mit folgendem Satz (dem eine Anrede vorausgehen kann).
– Ausrufesatz:
ach, daz der mensche ie geborn wart, der so groze not liden muͦz Lucid
130,1;
ach, ach, daz ich in lâzen muoz / umbe sölhe geschiht! UvZLanz
3668;
ach herre, waz hânt ir geseit! KvWHvK
452;
die wîle lâgen mîn arme ûf ir schôz: / ach, wie suozze mir daz dur mîn herze gie! SM:Had
2: 4,6;
ach herre got, wie schœne ein wîp! KLD:GvN
8: 3,1;
mangez spricht: ‘ach, wie ain guot predig der herr heut tet!’ BdN
118,24.
– Wunschsatz:
ach, / vriunt lieber, got gesegen dich Tr
788;
genâde, minneclîchez wîp: / ach hæte ich iuwer süeze minne tougen! KLD:GvN
23: 2,6;
Augustînus spricht, got hât des menschen herz gar tewr gekauft [...] dar umb besitzet er ez pilleich ain und niemant mêr. ach, wær dem alsô! BdN
179,21.
– Aufforderungssatz:
ach, reiniu frucht, / dur dîn vil wîblîch stênden zucht / erbarme dich / noch uber mich: / hilf mir ûz sendem schaden SM:Had
39: 4,8;
frowe, hilf, êst an der nôt, / ach, hilf, lâ mich niht verderben! SM:KvL
14: 5,8;
ach helferinne, hilf! BdN
84,14;
ach diu [Maria] benem uns unser lait und füer uns in daz êwig leben ebd.
494,26
MWB 1 93,50; Bearbeiter: Plate
ach
stN.
‘Seufzen, Klagen; Leid, Qual, Kummer’
ê dîn muoter dich geber / mit sêre unt mit ache Erinn
487;
di heizit er in daz ewige fur gen, / da nit inist dan ach, weinin unde we JGerichtH
6,11;
dar uon der tueuel gewan / daz ime nimer zeran / ochis noch achis / noch allis ungemachis / des hat he immer genuch Roth
4565.
–
ach unde we geschehe dir! Rol
1388;
si dolten ach und wê, / die mit Poydwîz kômen in den strît Wh
392,10;
mit roube und mit fiur / tet er ach unde wê / dem goteshûse von Kiemsê Ottok
5491
MWB 1 94,28; Bearbeiter: Plate
achâtes, achât(e)
M.
auch agat(h)es, agant.
‘Achat, ein Edelstein’ (s.a. agestein):
ein ligurius was geschoben / in daz golt mit liste. / da bei lag ein amatiste, / ein achates zwischen den zwæin Serv
561;
Parz
791,11;
BdN
432,17;
Mügeln
139,1;
der ahte stein heizt achât, / der wol in dem golde stât Volmar
191;
HvNstAp
18145 La.;
von dem achaten [Überschrift]
BdN
432,16;
agates Ottok
69275;
agathes BdN
190,15;
Erlös
402;
agant HvNstAp
18145.
MWB 1 94,39; Bearbeiter: Plate
achen
swV.
zu ach Interj.
‘seufzen’
ze trank und ouch ze spîse / gap sî im siuften achen, / für slâfen strengez wachen / für schallen blüendez trûren HvBer
5350;
HeslApk
18457 App.
MWB 1 94,49; Bearbeiter: Plate
achilon
M.
ein Vogel:
der rab hât den fuchs liep von nâtûr, und dar umb hilft er im wider die vogel, die achilen haizent, wan der achilon ist des raben veint BdN
177,26
MWB 1 94,53; Bearbeiter: Plate
achmardî
stN.
‘arabisches Seidengewebe von grüner Farbe’, bei Wolfram ( Parz
14,23 u.ö.;
Wh
426,8)
und in seiner Nachfolge belegt; s. Vorderstemann, Fremdw., S. 25f.; Brüggen, Kleidung, S. 268
MWB 1 94,57; Bearbeiter: Plate
achstein
stM.
→ agestein
MWB 1 94,61;
achter
Adv., Präp.
→ after
MWB 1 94,62;
achter-, ahter-
→ after─
MWB 1 94,63;
achwent
Part.Präs.?
zu einem sonst nicht belegten swV. achwen
‘ach rufen, jammern’ (so Lexer)?
sît ich muoz [...] ein achwent allen liuten sîn KvWTroj
41182;
oder ist ein achwênc ( →
ach
Interj.,
wênc
Interj.) zu lesen, ‘ein Bejammernswerter’?
MWB 1 95,1; Bearbeiter: Plate
achzen, echzen
swV.
‘ächzen’
doch wen ich daz du ringest / mit tode, so tustu ehtzen Minneb
5027;
aller herzen wetuͦndes herzleid, aller wunden smerzen, aller siechen ahzen Seuse
91,2
MWB 1 95,6; Bearbeiter: Plate
ackeln
swV.
Bedeutung unklar, zu acken
‘schmerzen’? (so Glossar; zu acken vgl. BWB 1,84 s.v. äcken1
):
sô kumt mir [
frouwe Minne
] zuo gevære / diu Ungebitikeit mit île / unde læt mir niht der wîle ─ / vil tiwer ich daz ackel ─ / daz ich mit mîner vackel / des wîbes herze und des man / stôz mîner tugent fiwer an Ottok
18217
MWB 1 95,10; Bearbeiter: Plate
acker
stM.
1
‘Ackerland’ und ‘Acker’ (ein einzelnes Stück Ackerland), oft nicht voneinander zu unterscheiden 1.1 im Unterschied zu anderen Arten von Kulturland 1.2 abhängig von Mengenangaben 1.3 in Verbindung mit bestimmten Verben 2 als Maßeinheit 2.1 als Längenmaß 2.2 als Flächenmaß 3 als Kampfplatz
1
‘Ackerland’ und ‘Acker’ (ein einzelnes Stück Ackerland), oft nicht voneinander zu unterscheiden
1.1
im Unterschied zu anderen Arten von Kulturland:
daz dorf [...] vnd svaz darzuͥe hort, es sige holz, wise, æker / wasser oder velht UrkCorp
1859B,4;
swaz wir da haben in veld und in holz, in wis vnd in akker ebd.
682,5;
dit gut [...] mit ackere [...] mit wiesen, mit welden, mit weide, mit wazzere ebd.
1508,2;
gisce iz abir uzirtalp dir stat uf enimi ackiri edir in enimi gartin Mühlh
109,7;
lant unde eckere, wîngarten StatDtOrd
30,12;
acker, wisen unde velt / het er ze Kempten KvWHvK
386;
hûs, acker, wîngarte / het sie schiere hin gegeben Eracl
602.
– als (für Ackerbau genutzter) Teil eines veldes:
vnd gat diz velt von der núwen staigen durch den gebuwenen akker [...] hin vnz an den wasserval / da sich die akkere schaident UrkCorp
1127,8;
czwu garbin von itzlichim ackir des gantzin feldis das dor gehort zcu der stad Reichenbach ebd.
222A,3
(vgl. auch 2.2)
1.2
abhängig von Mengenangaben:
in dem selben dorf git man von æime ivhart ackirs æin spec swin UrbBayÄ
746,c
(vgl. ackerjiuchart);
ahttehalben morgen ackers UrkCorp (WMU)
1391,11;
zv siben rindern ackers ebd.
2166,28;
dri juche aggers ebd.
2636,25
1.3
in Verbindung mit bestimmten Verben:
etw. ze ~ machen
‘durch Roden usw. Ackerland gewinnen’
vnd ist auh min gvt wille / daz si mit dem selben holtz / vnd mit den ækchern / datz Obernwalde allen ir frvm schaffen sullen / ze ræuten [...] vnd auh ze akcher machen / vnd ob iz in gevellet wider ze holtz lazzen werden UrkCorp
2218,38.
–
ze ~ gân, varn, ziehen
‘den Acker bearbeiten’ (vgl. ackerganc):
also die guoten gemaren, [zwei Bauern, die zusammen anspannen] / die rehte zachere wellent varen VRechte
441;
swer an dem suntage z’acker gêt, der tuot tœtlîche sünde PrBerth
1:269,30;
ouch sullen die zcyns liͮte [...] alle jar eyn tag zcu ackir zcyhe UrkCorp
N407,2;
übertr.:
der gotes kneht daz mer dô lie, / uf der erden er ze acker gie / er sætez gotes wort her unt dar LvRegFr
2323
2
als Maßeinheit
2.1
als Längenmaß:
ern vüert sî sunder mînen danc / nimmer eines ackers lanc Iw
4646.
5325;
mit manlichir mannis wer / sluͦgin si der heidin sa / in einis akirs lenge da / zwenzig manne RvEWchr
23356;
von ieglichem [Zelt] ans ander was / das wol ains akers lenge swain RvEWh
7303
(Var. ackerlenge, s. dort)
– übertr. auf die Zeit, die für das Abschreiten einer Ackerlänge benötigt wird:
siede denne die selben wirtz [Metwürze] gein eime acker lanc hin vnd wider BvgSp
14
(vgl. das Glossar z.St.)
2.2
als Flächenmaß:
ovch hab ich achtenhalben acker veldes in dem ban zvͦ goggeswilre UrkCorp
N392,34
(u.ö., vgl. WMU)
3
als Kampfplatz:
die kômen her und dar gehurt, / ûf acker und in mangem vurt / dâ Larkant daz wazzer vlôz Wh
58,10;
und swen daz dunk unmugelich, / der enkegen [trete entgegen] hern Uolrich / von Walsê ûf dem acker / und sî dâ gar wacker Ottok
77498.
16255;
die Sarrazîne [...] enwolden fliehen niht. / ir zimierde von steinen lieht / dâ rîhten acker unde furch. / beneben ûz und wider durch / der Cristen banier fûr mit craft Kreuzf
1985
MWB 1 95,17; Bearbeiter: Plate
ackeram, ecker(e)n
stMN.
‘Buchecker, Eichel’; ‘von Bucheckern oder Eicheln besätes Waldstück zur Schweineweidung’
were ouch, daz der walt eicheln truͤge oder ander gewer genant eckern, so soͤllent er eigene swin fri sin [...] ze gende in allem kirspel UrkCorp (WMU)
1047,45;
swaz froͤmder swine in den walt ze Kencingen ze akeram gat ebd.
679,9;
vnd der akeram ze Oteswant [...] ist sin vnze sancte Andreas mes ebd.
679,10;
recht als dy hungerygen swin / [...] wen man sy trybet in / eycheln oder in dis ecker Hiob
11301
MWB 1 96,18; Bearbeiter: Plate
ackerbreites
Adv.
‘so breit wie ein Acker’
ir puneiz alsô schœn ergie, / daz beide dise unde die / wichen [...] vil nâch ackerbreites wît UvLFrd
85,32
MWB 1 96,29; Bearbeiter: Plate
ackerganc
stM.
‘Ackerbau, Feldbestellung’
swer an dem suntage z’acker gêt, der tuot tœtlîche sünde. der tanzet, der tuot daz selbe. der ackerganc ist aber nütze: sô ist daz tanzen nieman nütze. PrBerth
1:269,31;
er gert niht heim [aus dem Kriegsdienst] umb daz snit: / ob sîn herr ein jâr bit, / von im getæt er nimer wank / heim durch sînen ackerganc Helbl
1,897;
Litan
854;
KvWTroj
9758;
Winsb
51,10
MWB 1 96,33; Bearbeiter: Plate
ackergrille
swM.
‘Ackergrille, Zikade’
der gäuch spaichel pringet ackergrillen, die werdent dar auz BdN
179,5
MWB 1 96,42; Bearbeiter: Plate
ackerhöuwe
stN.
‘Heu’
zuschanden sint si wurden, si sint wurden als ein ackerheu [
foenum agri
] , als ein weydegras, als ein dachcrut, daz do dorret e den iz rife Cranc
Jes 37,27
MWB 1 96,45; Bearbeiter: Plate
ackerjiuchart
stN.
‘Joch’ (Feldmaß):
ich wene nit daz din liebes wip [...] gebe umb dich schiere / [...] funf acker jochart [
quinque jugera terrae
]
HvNstVis
141
MWB 1 96,49; Bearbeiter: Plate |