arcwænlich
Adj., Adv.
‘verdächtig’
stab ald stein ald ander ding, daz argwenlich were iemen ze serenne UrkCorp (WMU)
26AB,26;
daz si nv̂t wider keret, alde begriffen wirt mit mannen an offenlichen vnde argwanlichen stetten ebd.
N373AB,10.
– Adv.:
wirt aber des ieman gecihen, daz er arkwenlih scheide [verdächtigend, voreingenommen urteilt ] ald sine gunst gebe me dem einen teile denne dem andern UrkCorp (WMU)
26AB,16,17
MWB 1 351,8; Bearbeiterin: Baumgarte
arcwânsam
Adj.
‘mißtrauisch, argwöhnisch’
er en si nit trubesam oder angistsam, er en si nit vmmezzic vnd ce herte vnd ce vil arcwansam, wande er en geruwit nimer BrHoh
64
MWB 1 351,18; Bearbeiterin: Baumgarte
arcwânunge
stF.
‘Mißtrauen, Verdacht’
der chnecht swuͦr pei got er west nichtz dar vmb. nu het der chnecht arkwanung von dem herrn vmb daz guͦt GestRom
103;
suspicio: arcwan / arcwenunga SummHeinr
2:490,1.89
MWB 1 351,22; Bearbeiterin: Baumgarte
arcwillec
Adj.
‘böswillig’
so mac man gute werk getuon / und wirt der arcwillige geist / von der gotlichen volleist / den sibenvalden gaben eben [das Widerständige wird durch Gottes Mithilfe glatt, empfangsbereit]
HeslApk
1009.
10329.
15863;
Pilgerf
12216;
übertr.:
du salt nicht strite wonen bi, / wen der mand arcwillic [missgünstig] si; / wen er aber stet alsus / daz man sihet mercurius / mit gutlichem aneblic, / so kumt vom himele der sic Secret
2910
MWB 1 351,27; Bearbeiterin: Baumgarte
ardell
Subst.
ein Edelstein (Sarder?, vgl. Engelen, Edelsteine, S. 365 Anm. 1):
in des brunnen grieze vindet man edel steine, / [...] iz sint saphir, smaragd, [...] ardell, achat, die sint an kreften michel JTit
6154,4
MWB 1 351,37; Bearbeiter: Schnell
ardîse(n)
Subst.
ein Edelstein (Sarder?, vgl. Engelen, Edelsteine, S. 365 Anm. 1):
alkonfone, rubine, kornvel [...] klarisian, ardisen. / edelkeit der steine kan ich an aller tugent nicht volprisen JTit
363,3
MWB 1 351,42; Bearbeiter: Schnell
areweiʒ
stF.
auch erweiz.
‘(Frucht der) Erbse’
1 als getrockneter Samen 2 als gekochtes Gericht 3 übertr. in Wendungen, die Geringfügigkeit ausdrücken
1
als getrockneter Samen:
ich brachte vch dannen daz korn / [...], / erweiz vnde bonen Herb
16628;
daz was des reinen spise: crut, fave [d.i. faba
] und bise [d.i. pisa
] , daz sprichet erweiz und bone Rennew
36359;
ein teil ephel er nam / und luczel arbais nam er da / und gen dem walt chert er sa Märt
5355;
HvBurg
5549.
– in Vergleichen:
vnde mache cleine kornil also di erweize SalArz
42,52;
ein edel stein der als ein erweiz wære PrBerth
2:178,3;
ez vallent auch oft körnlein, allermaist in dem lenzen, diu sint sinbel sam die arwaiz und sint herter an dem griff wan der snê und waicher wan der reif BdN
85,32
2
als gekochtes Gericht:
man braht im fur die hunger not / bonen, arweiz und brot StrKD
5,126;
über tisch si sassent dar. / ain grosz wirtschaft truog man in har: / arwis unde krut, / dez fröt sich dü prut Bauernh
345
3
übertr. in Wendungen, die Geringfügigkeit ausdrücken:
wizzet: dem menschen wæren alliu dinc als lîhte ze lâzenne als ein erweiz oder ein linse oder als niht [oder wie ein Nichts]
Eckh
2:305,11;
arweiz, bône, linse / setzet er [der Emporkömmling] ze zinse Freid
122,15;
und waͤr halt der wider streit / umb ain arwais Teichn
405,43;
der sich nicht in laster waiz / der gaͤb nicht ein arbaiz [gar nichts] / chainem schelter auf noch ab ebd.
179,14
MWB 1 351,47; Bearbeiter: Schnell
areweiʒsperc
M.
‘Feldsperling’
passer agri: arbaisperck SummHeinr
1:165,738
MWB 1 352,10; Bearbeiter: Schnell
areweiʒstrô
stN.
‘Erbsenstroh’
under sin hobt fúr ein kússi leit er ein seckli gefúllet mit erwisstro Seuse
45,2
MWB 1 352,12; Bearbeiter: Schnell
areweiʒwaʒʒer
stN.
‘dünne Erbsensuppe (als Fastenspeise)’
sie azz furbaz nimer dann ein erbizwazzer und nam all tag ein disciplin und wacht alle naht vor mitin EbnerChrist
17,38
MWB 1 352,15; Bearbeiter: Schnell
areweiʒwisch
stM.
‘ein Bündel von Erbsenstroh’, hier Geringfügigkeit ausdrückend:
einen læren arweizwisch / gæb ich niht umb ir aller kunst Helbl
2,1294
MWB 1 352,19; Bearbeiter: Schnell
arg-
s.a. erg-
MWB 1 352,23;
argelôs
Adj.
zu arc stN. oder erge stF.
hier subst.: ‘deren Bosheit entfesselt ist’ (vgl. Anm.z.St.):
nû cluogen hin, nû cluogen her! / swâ cluokeit ist mit valscher ger, / diun zimet nicht wol wan den argelôsen RvZw
123,12
MWB 1 352,24; Bearbeiterin: Baumgarte
argen
swV.
zu arc Adj.
1
arc machen, ‘(jmdm.) verdächtig werden, (jmdn.) mißtrauisch machen’ (oder zu 2.1) 2
arc werden 2.1
‘jmdm. beschwerlich werden’ (mit Dat.d.P.) 2.2
‘böse, unmoralisch werden’
1
arc machen, ‘(jmdm.) verdächtig werden, (jmdn.) mißtrauisch machen’ (oder zu 2.1):
– mit Dat.d.P.:
do hôrten sie / die liute clagen [über Tristans Tod]
[...] daz argete in und vrâgten sân / daz volc um ern Tristan HvFreibTr
6509.
– unpersönl., mit Akk.d.P.:
dô her sô lange dinne was, dô arget iz die gesellen, und warteten hin în; dô funden si in tôt HvFritzlHl
68,22
2
arc werden
2.1
‘jmdm. beschwerlich werden’ (mit Dat.d.P.):
Pafuncius irschrac dar abe, / im argeten die mere. / swie sie im weren swere, vurbaz vragete er in idoch Vät
5247;
vnd vorchte, im argete daz leben MarLegPass
21,135;
dô er der krefte wart sô laz, / daz im der lîp begunde argen Ottok
38752
2.2
‘böse, unmoralisch werden’
sus hân ich dik genomen war / daz man bî swachen kranket / und bî unstæten wanket / und bî den argen arget / [...] geselleschaft diz machet Reinfr
10711
MWB 1 352,29; Bearbeiterin: Baumgarte
arguieren
swV.
‘räsonnieren, argumentieren’
in der ander schule lernette ich / verstentenisse und underwijsette sij / arguieren und disputieren Pilgerf
2892;
arguierent nit me wieder mich ebd.
1845;
uwer arguieren hilffet wenig ebd.
1815;
das ich mit uch nit gearguieren kan ebd.
1703.
1711
MWB 1 352,48; Bearbeiter: Diehl
argument
stN.
‘Argument, Beweis’
[der Meister] lêre si [Schüler] denne ein argument / [...] / mit dem si gar sich selber triegen Renner
17569;
wan uns was in diseme vlîze des argumentis niht zu swîgene den sûchinden EvBeh
8;
Aristotyles [...], / der warheit durch argumente / gar wol hait erkennet Pilgerf
1618;
obe ich durch argumente / die lude wolde dun verstan und wenen / das ein palast odir eyn muͤnstere / eyn kleyn notstalle were ebd.
2811
u.ö.
MWB 1 352,54; Bearbeiter: Diehl
argumentelîn
stN.
Dimin. zu argument:
swenne die ein argumentelîn / gelernent larfen [stottern oder verschrieben aus laufen ?] oder zwei, / der driu doch gülten niht ein ei, / sô wöllen si meisters meister sîn Renner
16590
MWB 1 353,1; Bearbeiter: Diehl
argumentiste
swM.
‘jmd., der sich auf Argumente, Beweise bezieht’ (vgl. LexMA 1,924 ‘argumentum II’), hier negativ ‘Pseudo-Gelehrter, der die richtigen Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt’
man vant bi armen auctoristen / vor tûsent jâren bezzer kristen / denne bî sûren argumentisten / [...] / die mit worten und mit listen / manigen gevangen ûz einer kisten / in ein ander kisten brengent Renner
8687
MWB 1 353,6; Bearbeiter: Diehl
aritmeticâ, arismeticâ
Subst.
‘Arithmetik’ (als ‘Rechenkunst’ Teil der Mathematik im System der artes liberales, vgl. LexMA 6,381ff.):
so ist diu viunfte [der artes] aver sa / geheizen aritmetica ArnoltSieb
34,10;
Arismetica. / die selbe kuͤnst hat die wal / daz sie pfliget aller zal. / sternen und des meres griz / zelet sie an wider driz HvNstGZ
846;
Ottok
38833;
wie sich die zal gebirt, / wer an der lere si verirrt, / von arismetrica er wirt / bescheiden ganz der meisterschaft, / wie zwei uß einem gan, / wie viere fort ir steigen han Mügeln
284,3;
aresmatica MinneR 481
821
MWB 1 353,15; Bearbeiter: Diehl
arke
stswF.
(stM. AristPhyll
388, vgl. 2.1); auch erich (vgl. 2.4).
‘verschließbarer Behälter, Kiste’ (aus lat. arca)
1
‘kastenähnliches Schiff’ , meist die Arche Noahs 2
‘Behältnis’
2.1
‘Kiste, Truhe’
2.2
‘Bundeslade’ ( arca foederis Nm 10,33) 2.3
‘Sarg’
2.4
‘Fischkasten, Reuse’ (meist umgelautet) 3
‘Uferbefestigung’
4 übertr. (nicht immer klar zu scheiden zwischen Schiff und Behälter)
1
‘kastenähnliches Schiff’, meist die Arche Noahs:
dô diu fluot fure wart unde diu arche stuont in monte Ararat Gen
714;
vnd ertranc alles das lebentiges was, ane die, die div arche bevangen hete Konr
1,36;
die waren glich den vogelen, die Noe us der arche hatte gesant Mechth
5: 23,131.
–
der vogel sich des harte fleiz / daz er die cleinen arken / gezüge ab dem vil starken / wilden wâge unmâzen tief KvWSchwanr
253
u.ö.
2
‘Behältnis’
2.1
‘Kiste, Truhe’
an den selben stunden / hiez er im giezen ain arke, / michel unde starke. / diu arke diu was êrîn Kchr
7546;
ob er tûsent marke / heizet in sîner arke / vil vaste besliezen Wig
67;
gehúgde; dú ist bildung aller ding und ist glich aim schrin oder ainer arche PrGeorg
233,3;
wi an deme boume odir in deme wynstocke wirt gemachit eyn icliche vrucht czu weren in eyner archin Pelzb
119,5;
die paum wachsent gar grôz, reht als diu aich, und macht man guot taveln oder archen oder laden oder schrein dar auz BdN
338,16;
ich gibe dir goldes zweinzic marc, / und vüere dich in mînen arc [an meine Schatztruhe] / und nim darûz, wie vil du wilt AristPhyll
388
2.2
‘Bundeslade’ (arca foederis Nm 10,33):
darin gi der ewarten tuͦre. da stunt inne ein arche. gelich eineme sarche VMos
57,22;
die arke waz von golde rot HvNstGZ
1540;
gelich / der hailgen arch minnenklich, / in der man behielt die zechen bott KvHelmsd
622;
abr di andir nwe stift / in des gelubdis arche / recht als in einem sarke / sten ewiclichen blibet TvKulm
5463
2.3
‘Sarg’
wan sarcos in kriechisch haizt ain arch BdN
462,20;
legt man hie vor der grôzen herren cörpel in archen ebd.
478,18
2.4
‘Fischkasten, Reuse’ (meist umgelautet):
istud instrumentum [...] quod vulgariter ereich dicitur UrkKlostern
2,170
(a. 1258);
de duplici piscina quarum una vocatur ærich WeistÖ
8:743 Anm.
(a. 1282 kopial);
daz niemant vischen oder æricht haben soll ebd.
8:868 Anm. 2
(vor 1318 kopial)
3
‘Uferbefestigung’
unde an der arken ein mes bi der Bolzerin UrkCorp (WMU)
N722,3;
die arke in der Frucze
2DWB
3:230,23
(Jutz)
4
übertr. (nicht immer klar zu scheiden zwischen Schiff und Behälter):
diu junge süeze künigîn / alsô zôch si gedanken în / ûz maneges herzen arken, / als der agestein die barken / mit der Syrênen sange tuot Tr
8109;
ir wîplîch herze was sô guot, / ein arke für unkiusche fluot Parz
477,12;
ich bin dez himels arke, / da daz himel brot inne lag HvNstGZ
7597;
wie Jhesus [...] / ist uff gegangen [...] / mitt sines gewaren libes arche [leiblich]
KvHelmsd
2793;
eyâ, dû auzerwelteu edleu arch, ain arch der êren, ain arch der götleichen gnâden BdN
338,27;
ein arcke voir onstede flut / ist van Brisseche her Otte MinneR 481
226
u.ö.
MWB 1 353,27; Bearbeiter: Diehl
arke
Subst.
‘Bogen’ (aus lat. arcus):
an bruggen ich nie besser werch / sach von gewelpten arken SHort
6459
MWB 1 354,21; Bearbeiter: Diehl
ärker
stM.
‘Erker’ (aus afrz. arquière
‘Schützenstand, Schießscharte’, bis ins Spätma. v.a. Bestandteil von Wehranlagen):
turme, zinnen, berfride, / mvren, erckere Herb
6195.
10467;
diu [Stadt] was berüstet wol mit wer: / türne, bercvrit, ärker / vil âne mâze stuont der / ûf der mûre Wig
10740;
daz hinnan nieman in der stat ze Costentze [...] dekainen fv́rschutz [Überbau] mache alde bûwe [...] vf die straze mit stvban, mit loͮben, mit gaͤdemern, mit vmbeloͮfen oder mit aͤrgern, ane den bv vf den túrnen UrkCorp (WMU)
2354,5,7.
– übertr.:
ir herren, di wile wir besitzen, / hie unses lebendes libes erker / und sint gevangen in vleisches kerker, / so muze wir vil anevechtunge / liden von der tubelischen zunge Brun
10721;
mit leides seile sie mich zoch / gar hoch uff sorgen erker / und liez in trurens kerker / mich vallen in ein tieffes loch Minneb
1789.
– Lit.: B. Keller, Der Erker. Studie zum mittelalterlichen Begriff, Frankfurt a.M. 1981
MWB 1 354,24; Bearbeiter: Diehl
ärkerlîn
stN.
Dimin. zu ärker:
ein hohe mure gemaht von quoderstein / die umbevieng den garten rein. / ouch stundent umbe den garten fin / schöne türne mit erkerlin ParzRapp
339,17
MWB 1 354,44; Bearbeiter: Diehl
arl
stswF.
‘kleiner Pflug’ (Beschreibung mit Abb. WBÖ 1,328ff.):
iu ist bû wol bekant / nemt die arl in die hant BuchdRügen
1502;
weder arlen noch phluoc / nutzen man dâ siht Ottok
41374.
– übertr. (nur in Tirol): ‘Fläche, die ein solcher Pflug als Tagwerk bestellt’
decima ex una arula UrkSüdtirol
3,2:171
(a. 1280);
in Seuers drey arel weingarten UrbTirol
124
(a. 1288)
MWB 1 354,48; Bearbeiter: Diehl
ärlîn
stN.
Dimin. zu ar:
ein ieglich ärlin Martina
107,25
MWB 1 354,56; Bearbeiter: Diehl |