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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   leimære - leit    


leimære stM. Bed. unklar, jmd. der mit leim ( ‘Lehm’) zu tun hat (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 3 S § 100, Anm. 3), hier als Bestandteil eines Eigennamens: des sint geziug: her Syfrit der pfarrer des selben spitals, her Ott der Lachher kapplan da selben, bruͤder Hainr. von Tiuringen, bruͤder Marquart, bruͤder Hainrich der laimer UrkAugsb 1,387 (a. 1345)

MWB 3,3 1021,1; Bearbeiterin: Baumgarte

leimen swV. lîmen

MWB 3,3 1021,9;

leimendecker stM. jmd., der mit Lehm baut: men sal eyme steynmetzen, eyme czymmermanne, eyme leymendeckere [...] des tages eynen Heschen schilling unde di kost geben StRHeiligenst 69

MWB 3,3 1021,10; Bearbeiterin: Baumgarte

leimgadem stN. hier lein-. ‘Lehmhütte’ der kelnhof ze Wiler, den der zehender buwet von Núfron, der selb hof het I hus und II schúran [Scheuern, Scheunen] und I laingaden und ain garten UrkThurgau 5,282 (a. 1349)

MWB 3,3 1021,15; Bearbeiterin: Baumgarte

leimgruobe swF. auch lein-. ‘Lehmgrube’ nichein zinsman en muͦz noch steingrûben noch leimgrûben graben âne sînes herren urloub, des zinsman her ist, noch holcz howen noch roden ûf sîme zinsgûte, ez en sie sîn erbezinsgût SSp (W) 1:54,5; duobus cum dimidio jugeribus dictis in der leymgruben UrkWürzb 40,254 (a. 1339); vnd ein ander halbe ivchart reben, stozet an die leingrvͦben UrkCorp (WMU) N460,17. 291,3

MWB 3,3 1021,20; Bearbeiterin: Baumgarte

leimhûs stN. ‘Haus aus Lehm’, hier übertr.: sich, vil verre mer dy / in leymhusern [ domos luteas Iob 4,19] wonen hy. / daz ist der mensch, des geist binam / von boben kumit indisen slam Hiob 1694

MWB 3,3 1021,29; Bearbeiterin: Baumgarte

leimic Adj. ‘schleimig, zäh’ im SalArz bezogen auf das fleuma (gr.-lat. phlegma, ‘Schleim’), einen der vier Körpersäfte der Humorallehre: agezzel ist ein sichtum. der wirt da von so sich gesamenet hindene in deme houbit leimegiz fleuma. vnde vorstopfet di wege SalArz 31,58. 3,9 u.ö. – meist attr. zu viuhte stF.: pfeffir ist heiz vnde trocken an dem virden gradu. vnde ist den gut di kaldin vnde vuchtin magin han. vnde reinigit di brust unde di lunge von der leimigen vuchte SalArz 14,2. 54,35 u.ö.; auch hierher (verschr. ?): di gedertin winber [...] losent di lemige vuchte di da haftit in der brust SalArz 16,4

MWB 3,3 1021,33; Bearbeiterin: Baumgarte

leimîn Adj. ‘aus Lehm’ er [Prometheus] machte bildú leimin / und half in mit dén listen sin / das si sih selbin regten / und lebeliche wegeten RvEWchr 8700. – subst.: jâ bekenne ich dich [Gott] wol: / du kanst mich [Teufel] sêre pînen, / und wilt den leimînen [aus Lehm gemachten Menschen] / mîn hêrstuol [Thron] behalten Georg 3436 (vgl. sô ist der mensch unwerde / gemachet ûz der erde ebd. 3441f. ); UrkCorp (WMU) 1980,25

MWB 3,3 1021,46; Bearbeiterin: Baumgarte

leimstrîch stM. die Lehmmenge, die im gleichen Arbeitsgang durch Schlagen entwässert wird: do got [...] den man wold zesamene ruchen, / do nam er [...] einen leim zachen [zähen] , / da mit er lîmen wolde da daz lít zesamene solde, / daz streich er enzwischen, [...] / den selben leim strich nam got fur [vor] sich, / ubir die adir er in zoch [...], / daz si [...] zesamene sich vaste habeten GenM 7,15

MWB 3,3 1021,55; Bearbeiterin: Baumgarte

leinen swV. 1 ‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’
1.1 intr. (vgl. lënen )
1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder aufgestützte) Haltung einnehmen’
1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder liegen’
1.2 tr.
1.2.1 ‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2.1 ‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’ (FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen)
1.2.2.2 ‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’
1.2.2.3 ‘sich stützen’
1.2.2.4 ‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’
2 ‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’
3 ‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’
   1 ‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’    1.1 intr. (vgl. lënen )    1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder aufgestützte) Haltung einnehmen’ von ime so habe wir den gedanc / von ime daz wir gehoren, / [...] sagen unte singen, / liken [liegen] unte leinen, / suften unte weinen ArnoltSieb 58a,11; den sitzen, disen leinen sah man manegen degen NibB 2227,1; (vgl. zu → lënen : Anfortas sîn bruoder lent: / der mac gerîten noch gegên / noch geligen noch gestên Parz 251,16. 491,3 ). – oft abwertend, ‘(ohne die Haltung zu bewahren, nachlässig) flegeln, fläzen’ der herzog stuont, sie sâzen, / [...] / saz er bî in, sie leinten. / dâ mit sie bescheinten / ir unzuht Helbl 4,261; so sitzet mancher als ein pfluch [Pflug] : / er let bein und arm ragen, / als in die gusse dar hab getragen; / [...] / er leinet, als im tun we die lende Jüngl 562    1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder liegen’ dâ er die recken beide stênde vant / ûzen vor dem hûse geleinet an den sal NibB 2328,3; an dem pavilune leynden funff schild Lanc 195,19; von der kerzen, diu dâ bran, / dâ gesach er lützel van: / dâ leinde ein schâhzabel vor Tr 13589; er leinte an sîner hant NibB 1575,2; er leit sinen backen in syn hant und leynte off synen ellebogen Lanc 306,9; der [Ritter] noch off eyner stat hielt und leynet off syner glenen ebd. 264,27; von derselben Szene: der úber sin glen leynte ebd. 264,37; Parz 513,27; sô ich in dem venster leine Helbl 1,1299; der guͦt sant Johannes [...] waz im [Jesus] so haimlich, daz er in auf siner brust lainen lie Konr 3 O,7 (= PrOberalt 21,4 ). 19,39; geleinet er si ligen sach / zein ander schône und ebene KvWEngelh 3254. – reduziert auf ‘sich befinden’ ein troͮm mir geschach; / oͮf minem hoͮbet sách ich leinen [ haberem super caput Gen 40,16] von / melwe volle dri zeinen [Körbe] GenM 81,21    1.2 tr.    1.2.1 ‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.: er stach daz sper in daz gras / und leinde sînen schilt dran UvZLanz 2383; ir tôtez volc si leinde / gewâpent an die zinnen Wh 230,6; das du [Jesus] nit hattest do du din verwundet houbt mochtest an geleinen PrWack 99,40; Mechth 4: 3,18; Wig 413; NibB 977,3; BdN 84,1; in den nuosk [Trog] er si [die Pappelruten] leinte Gen 1403; Rennewart die stangen swære / under ein gewelbe leinde Wh 270,5; Lanc 312,19; Tr 13507; NibB 1833,2. – bildl.: ich sal min herz an’t dine leinen, / wir sulen dan samen van trurcheit sagen MarlbRh 22,8. – übertr., zur begrifflichen Inbeziehungsetzung von Wörtern (vgl. im Detail FrlWB, S. 208): sit got wolte ez [das Wort mulier ] dar [an das Wort meit ] leinen Frl 5:111,12. 5:111,17    1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.    1.2.2.1 ‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’ (FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen): der Markis sich hatte geleinet / neben Arabeln [ gein Arabel *A (zu 1.2.2.2)] vf den matraz [Sitz- und Schlafpolster] TürlArabel *R 130,26. – im weiteren Sinne ‘es sich bequem machen’ do was schier entschlafen der keiser lobsam. / zu im leite sich der bracke, der helfant leinen sich began WolfdD (H) 820,3 (die jüngere Umarbeitung vereindeutigt zu 1.2.2.2: zuͦ ÿm leit sich der brack, der helfant lonen [d.i. lënen ] sich began / zuͦ ÿm an die linde WolfdD 820,3 )    1.2.2.2 ‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’ an ein venster er sich leinte Krone 13005; da sich die muoden an die linebergen [Zinnen] suln leinen Himmelr 8,8; Will 52,23; Pass III 626,87; si stiurte unde leinde sich / mit ir ellebogen an in Tr 11970; Gen 1242; daz bret, / dâ gegen und sich geleinet het / dar an der tugende rîche man Kreuzf 7596; dô ich [Johannes] [...] [beim Abendmahl] an dîner sîten saz / unde mich nâch mînr gelust / leinete ûf dîne brust WvRh 11559. – bildl.: henk dich und leine dich zartlichen und guͤtlichen an dinen guͦten got Tauler 213,2    1.2.2.3 ‘sich stützen’ er lainte sich auf den stabe gut HvNstAp 4183; über sîne crucken leinder sich Tr 15349; NibB 2009,3; Wernh D 1903. – bildl.: an gedingen, des mir nie zeran, / ze trôste ich mich noch leine HartmKlage (G) 1756; besich min herze, wiͤ ’t dich meine, / sich, wiͤ ser ’t sich up dich leine! MarlbRh 2,28    1.2.2.4 ‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’ dô si sich uber die burgmûre leinten Gen 2932; daz si da selbes bi im stunt / uber ein venster geleinet Pass III 425,29; sie hatt sich geleynet / v̀ber jne, da er lag. / mit kùszen sie des recken pflag Krone 26399; Will 135,2    2 ‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’ si [die Winde] taten die galinen [Schiffe] / sich lainen uf und dann nider, / hin und her, fúr und wider SHort 10341; der kunic wirt sich leynen / heimwert kein [gegen] sime lande Daniel 7038; – übertr.: vleischlicher liebe akust / trugen sie kein [gegen] der reinen. / ir sinne wart sich leinen / niderwert Daniel 7456;    3 ‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’ er [Luzifer] leinete sich îsa / an sinen scephâre / er hazzete in ze ware VMos 4,21; ein greve [...] wolde ein striten angan / mit den, die viende waren, / und sich in den iaren / wider daz riche leinten Pass III 308,7

MWB 3,3 1021,63; Bearbeiterin: Baumgarte

leip stM. ‘Brot, Brotlaib’ ein brot ist ein leip / vnde ein leip dast ein brot NeunMänner (G) 315 (= Kettenreime 1148,22 ); heiz mir brengen einen leib, / ein girstin brot, des ich bedarf Pass I/II (HSW) 20656; Helbl 1,1029; Rennew 11001

MWB 3,3 1023,40; Bearbeiterin: Baumgarte

leis, leise stF. ‘Spur’ vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 133ab; oft mit niuwe: als ich die spur erkenne, / sîn fliehen mangen guoten meister toeret, / [...] / ez hilt sich in den leisen, / daz man ez für ein kelbel mac an sprechen Hadam 188,6. 535,1; alsam ein tier verhowen uf einer niwen leise, / noch baz dem von Anschowen spuͦrt man durch gedrenge sine reise, / swelches ends er sich mit nide cherte, / uz helme fiur, uz wunden bluͦt, sus zweier hande regen er da rerte JTit 930,1. – in Bildern mit snîwen eigentl. und übertr.: von snêwe was ein niwe leis / des nahtes vast ûf in gesnît Parz 281,12; der unpris ie verworhte, so daz von im da snite ein niwe leise, / dar uf man spurnde ritter mohte vinden JTit 4338,2; RvEWh 6646 (La., → niuleis ); von Speersplittern: der minnen gernde Rîwalîn, / von des sper snîte ein niwe leis Parz 73,15; Morholt von Irlande, der ie in starker vreise / so vil der sper verswande, daz von siner hende niwe leise / sniten von drunzunen [Speersplitter] und von sprizen JTit 1402,2. 2012,2

MWB 3,3 1023,45; Bearbeiterin: Baumgarte

leis stM. , leise swM. ‘(wohl i.d.R. einstrophiger) volkssprachlicher geistlicher Gesang’ im Rahmen von Gottesdienst, Wall- und Pilgerfahrten; aus kirie eléison, das als Refrain erscheint (vgl. V. Mertens, Leisen und Rufe, in: 2MGG 25,1075-1078; vgl. kirjelêîson ): nu heuet iwer hende unde iwer herze ûf ze dem almahtigen gote mit dem leisse: ‘helfen uns alle heiligen.’ Spec 115,26; [bei Marias Himmelfahrt] nuͤ wandirt hin und wesit vroͤ / und singet uwir leyse also: nuͤ ist dyͤ werlt alle zcuͤ gote vil vro MarSp 766; [bei der Rückkehr der Prozession] dî pfaffin sûze sungin, / dî glockin lûte clungin, / dî leigin ire leise / sungin dî wegereise NvJer 6591; der leien leisen durch tiutschiu lant / sint einveltic und doch baz bekant / denne manic kunst, ûf die geleit / ist grôziu kost und arbeit. / unserm herren ist wâriu einveltikeit / lieber denne valsch driveltikeit Renner 11121. – zum Beginn und Ende einer gefährlichen Unternehmung (z.B. einer Schifffahrt, eines Kampfes): [als das Ziel der Seereise in Sicht ist] Ernst begunde loben got; / mit den sînen was er frô, / sînen leisen huop er dô: / ‘Crist, hêrre, du bist guot, / nu hilf uns durch dîn reinez bluot, / durch dîne hêren wunden / daz wir frœlîch werden funden, / dâ süeze ist der engel dôn, / in dînem rîche: kyrieleison!’ ErnstD 4538. 3581. 1924; den leysen man zuͦ velde sanc: / ‘in godis namen varen wir’ Böhmenschl 48; dô si uf die heiden drungen, / irn leisen sie sungen: / ‘helf uns daz heilige grap!’ Kreuzf 3100. 1896 u.ö.; dô sie in die burc drungen, / iren leisen sie sungen ErnstD 2158. 4759. 3070; Hirzelin 93

MWB 3,3 1024,1; Bearbeiterin: Baumgarte

leisieren swV. auch leischieren ( Parz ; PleierTand 13795 ) und losieren ( Krone 29163; MinneR 418 48 ). ‘mit verhängten, d.h. lockeren Zügeln reiten; schnell reiten, galopppieren’ (zu afrz. ‘(es)lais(s)ier’), vgl. Suolahti 1,146, Rosenqvist 1,149; Segelcke, Rîten, S. 161); oft im → 1kreiʒ 8, dem Kampfplatz: Reinfrit und der Persân, / daz ors ze beiden sîten nan, / sî beide dô ersprancten. / ûf halbem kreize sancten / sî diu banier und diu sper / und kâmen geleisieret her, / niht als sî rîten, als sî flugen Reinfr 17306. 855; mit in leisierte der rîche heiden. / daz ros gie ze sîten beiden / als ez vor fröuden fliegen wolde Heidin II 335. 2281; UvZLanz 2369; leischiernde si die zoume / kurzten, unde tâten goume [und richteten ihre Aufmerksamkeit darauf] , / swenne si punierten, / daz si niht failierten [dass sie beim Lanzenstechen nicht daneben trafen] Parz 738,25 u.ö.; Tr 2109; Herb 1445; TürlArabel *R 71,17 u.ö.; Ottok 8135; UvLFrd 181,17

MWB 3,3 1024,34; Bearbeiterin: Baumgarte

leissup Subst. eine Pflanzenart, eine Art von Distel (?): eupopectina: leissup Gl 3:480,1 (vgl. lupopectina AWB 2,558 s.v. thistil und Marzell 2,147 s.v. Dipsacus silvester )

MWB 3,3 1024,54; Bearbeiterin: Baumgarte

leist stF. ‘Ausübung’ dit prvͦbe, nim in dinen sin! / dvͦ enwollist dich dan vzerin / vil gar fleiszlicher liebe leist, / sa enmag auch dir der heilige geist / mit siner gnade vf erden / avch nvmmer mere werden, / daz vns wol die zwelfboden gar / hant bewisit vffenbar PrHess 39,91; doch weiz ich kein gelouben / an sinne manicvalte / der sich sô missestalte / nâ sîner secte rehtekeit / als leider tuot diu kristenheit / mit volleclîcher leiste. / jô wil iez der meiste / gên gote sîn der bœste Reinfr 17791

MWB 3,3 1024,58; Bearbeiterin: Baumgarte

leist stM. ‘Schusterleisten’ forma vel calópede: laist Gl 3:665,27; callipodium: leist SummHeinr 1:372,419. 2:86,234; die schuostær jâhen, si heten / hulzîner leist sô vil, / ‘daz wir in kurzem zil / dâmit gefullet haben / vor der burc den graben, / ob uns der herzog Albreht / niht behaltet diu reht, / diu er uns billich solt behalten’ Ottok 65559; ieglicher sin gezowe [Werkzeug] truc, / [...] swert, sper, schufeln, bret / und darzu hamer unde leist Pass III 584,81. – übertr. (Glr.z.St. ‘Form, Weise’): nu merket: in der selben wis / und nach dem selben leiste / daz Got die ersten geiste / vrowen Even und Adames / geschuf HeslApk 18001

MWB 3,3 1025,4; Bearbeiterin: Baumgarte

leistære stM. 1 ‘jmd., der Verpflichtungen nachkommt’
2 als Bestandteil eines Personennamens (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 538f. erwägt die Zuordnung zu 1 , bevorzugt jedoch die zu leist stM., ‘jmd. der (Schuster-)Leisten herstellt’ )
   1 ‘jmd., der Verpflichtungen nachkommt’ daz iz [dieses Buch] werd gezême, / prîslîch und annême / Gote, Marîen und dem meistir, / dem ich diss dînstis bin ein leistir NvJer 214. – meist in Rechtstexten als Schuldner/  Bürge im Einlager (vgl. leisten 1.1.1.1, leistunge , înlëger ): ez habnt auch di porgen all vollen gewalt, swelher vnder in [...] selb niht geleisten mach, daz der selb, an sein stat, ein die leistvng legen mach einen erbärigen leistär mit einen pfärd DRW 8,1198 (MBoica; a. 1323); ist das ihr einer in einer laistung ist, so soll er einen andern laister legen UrkWürtt 10,553 (a. 1296); und suͤllen auch laister fride und gelaite haben, die burgern oder iuden laistent NüP 124. 123. 125; ez suͤln auch die gastgeben in der vasten einen herren oder einen laister, der an herren stat laistet, niht tiwrer zeln danne umb 16 dn, und einen chneht umb 8 dn StRMünch 254,20. – übertr.: ir sult wizzen daz sîn [Gottes] gebot / verliust niht den gebieter eine: / die leister sint verlorn gemeine WälGa 8002    2 als Bestandteil eines Personennamens (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 538f. erwägt die Zuordnung zu 1, bevorzugt jedoch die zu leist stM., ‘jmd. der (Schuster-)Leisten herstellt’): Wernher der Leister UrkCorp (WMU) 2749,39; Wernher Bennendorf · Heinr Leister vnt ander erber lúte UrkCorp 2353,38

MWB 3,3 1025,17; Bearbeiterin: Baumgarte

leisten swV. geliesten ( Roth 2446 ). 1 ‘etw. aufgrund einer Verpflichtung tun’ , i.d.R. mit Akk.d.S. (und Dat.d.P.); selten ge- präfigiert (vgl. 2 )
1.1 ‘einer Verpflichtung nachkommen’
1.1.1 rechtlich
1.1.1.1 häufig ‘als Bürge im Einlager sein’ (vgl. înlëger , leistunge ; vgl. DRW 8,1195-97 mit weiteren Belegen; zur Sache 2 HRG 1,902)
1.1.1.2 tac , teidinc ‘der Einberufung zu einer Versammlung, einem Gerichtstag Folge leisten’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen)
1.1.1.3 mânôt/ jâr ‘ein zeitlich beschränktes Verbannungsurteil befolgen’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen)
1.1.1.4 ‘sonstigen rechtl. Verpflichtungen (dienest, kampf, zins u.ä.) nachkommen’ (vgl. DRW 8,1194f. mit weiteren Belegen)
1.1.2 religiöse Verpflichtungen erfüllen ( mësse , opfer , gebët , buoʒe , dienest u.a.)
1.1.3 Wendungen, die kontextabhängig unterschiedliche (rechtl., relig., private) Verbindlichkeiten ausdrücken können
1.1.3.1 triuwe
1.1.3.2 geselleschaft , gesellicheit
1.2 ‘etw. Zugesagtes einhalten; ein Versprechen, einen Eid erfüllen’
1.3 ‘einen Befehl ausführen, eine (weltl., relig.) Anweisung befolgen’ , übergehend zu ‘einer Bitte nachkommen’
2 ‘etw. aufbringen, aufbieten’ (i.d.R. ge- präfigiert)
2.1 allg.
2.2 ‘etw. können; die Fähigkeit haben, etw. zu tun’
2.3 ‘etw. schaffen, erreichen, hinbekommen’
   1 ‘etw. aufgrund einer Verpflichtung tun’, i.d.R. mit Akk.d.S. (und Dat.d.P.); selten ge-präfigiert (vgl. 2)    1.1 ‘einer Verpflichtung nachkommen’    1.1.1 rechtlich    1.1.1.1 häufig ‘als Bürge im Einlager sein’ (vgl. înlëger , leistunge ; vgl. DRW 8,1195-97 mit weiteren Belegen; zur Sache 2HRG 1,902): taeten wir des niht, so hand si gewalt den anderen buͤrgen ze manen, und sol in der ze hant hie ze Auspurch laisten in rehter giselscheft ze ainem erbern gastgeben ân gevaerd und uz der laistung niht chomen biz wir in ainen anderen buͤrgen setzen UrkAugsb 1,235 (a. 1324). 1,259 (a. 1330). 1,285 (a. 1332); wil ich die giselschaf nit laisten, so sol ich zi hant vnd ane vndersaz die burg zi Brunnen vnd die stat zi Múlhain antwurten in des bischoffes vnd der tuͦmherren von Costentze gewalt UrkHohenz 1,114 (a. 1303); so suͥlen wir [...] laysten nach geyselreht in ains offen gastgeben haus UrkBrixen 528 (a. 1332); Mühlh 99,19; waz sol ein bürg, der nit leisten wil dur sînen zorn? SM:Ga 1: 2,7. – subst.: vnd svͤln ovch hertzog Ludweigs svͤn, di weil daz laisten wert, hintz Mvͤnichen niht chomen UrkCorp (WMU) 1800AB,43 u.ö.; daz si in varn ze Nurenberg vnd leisten nach leistens rehte viͤrzehen tage ebd. 2198,34. leistende phërt ‘Pferd, das jmd. im Einlager mitbringen muss’ (vgl. leistphërt ): und sol man geben dem leistenden pferde ein moͤz habern und 2 #(pfennig) wert heuwes zuͦ tage und zuͦ naht WüP 77,6; die habern veil haben, ez sin fuͤterer oder die leistende pfert haben ebd. 77,3    1.1.1.2 tac, teidinc ~ ‘der Einberufung zu einer Versammlung, einem Gerichtstag Folge leisten’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen): swenne ein herre teidinget sinem man zelehenrehte. vnd er sinen mannen mit vrteil gebivtet dar zvͦ zekomenne. inr den teidingen so mag er dem man deheinen tac gebieten zeleisten SchwSp 221a; sie schuofen daz wol, / daz mans flîzeclîchen phlac / unde leisten den tac, / der in von hove geboten was, / als man an den brieven las Eracl 1366. – hier mit Bezug auf den Beischlaf in der Hochzeitsnacht: ime [Marke] was ein als ander: / an ietwederre [Isolde oder Brangäne] vander / golt unde messinc. / ouch leistens ime ir teidinc / alsô [...] / daz er nie nihtes wart gewar Tr 12672    1.1.1.3 mânôt/ jâr ~ ‘ein zeitlich beschränktes Verbannungsurteil befolgen’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen): wo ein burgman den andern ze tode sluͤge [...]der sol leisten ein iar MGHConst 7,1:162,11 (a. 1337); aber die burgerre, die vor der stat sitzent, swer vs dien den ainvng verschuldet ains phvndez oder zehen schillinge, der hat die wal, ob er welle in die stat varn den manod ze laistenne inwendig dien torn, ald aber vswendig der stette gerihte UrkAargau 1,3:240,24 (a. 1314)    1.1.1.4 ‘sonstigen rechtl. Verpflichtungen (dienest, kampf, zins u.ä.) nachkommen’ (vgl. DRW 8,1194f. mit weiteren Belegen): si wâren mit dem dienste vil übele gewert, / den in dâ leisten solde Sîvrit der helt guot NibB 93,3; den champf sol man in gepieten zelaisten vber sechs wochen SpdtL (E) Ldr 88,4; RbRupr 312; ich sol ê leisten mînen kampf Parz 350,9. 684,23; sît man iu tjost verzinsen sol, / er mag iu zins geleisten wol. / hêr, dort stêt ein runzît [Pferd] : / daz erwarb an mir sîn strît ebd. 545,12; auch im Bild: wir schuͤln aver unserm chaiser, dem heiligen Christ, einen so getanen pfenninch laisten, daz wir diu zehen gebot der heiligen e behalten PrOberalt 170,21    1.1.2 religiöse Verpflichtungen erfüllen (mësse, opfer, gebët, buoʒe, dienest u.a.): dô ez tac wart / unde er sîne êrste vart / dem heiligen geiste / mit einer messe leiste Iw 6595; der künic hiez vil balde dô / gebieten, dise hôhgezît / über al sîn künicrîche wît / mit opher leisten sînen goten RvEBarl 11501; daz ist iv ein uil angestlich gebete, irne welt ez oͮch leisten Spec 156,4; allen den, [...] die der lebent [...] zimet [...] gote ulizzeclichen dienen, ware bîhte ze toͮnne, rehte boͮzze ze leistenne ebd. 146,3; Mechth 6: 12,4; Lanc 540,3; dô hiez er prîme sprechen sân, / dar nâch messe ane vân / von dem heilegen geiste, / dem er dienest gerne leiste Eracl 4934; AHeinr 1163; do der heilige man / in daz munstir quam / vnd her sine uenie hete geleist Ägidius 1112; das unbegriffenlich lop, das wir got leisten soͤllen Mechth 4: 18,66. 7: 55,30; PrOberalt 170,33; die stola bezeichent die gehorsami, die der heilige Crist leistete sinem vatere, do er in in dise welt sante Lucid 88,9; Gen 891; Litan 439. – mit Ersparung des Akk.: ir herren, tut gut mit gewalt, welt ir dem schepfer leisten Frl 5:97,19    1.1.3 Wendungen, die kontextabhängig unterschiedliche (rechtl., relig., private) Verbindlichkeiten ausdrücken können    1.1.3.1 triuwe ~ : sô wil ich werden iuwer man / und wil iu leisten triuwe Wig 7193; wiltu gotte rehte trúwe leisten, so soltu in siner liebin volgen sinem geiste Mechth 2: 23,17; lieb, dir sol nit wesen leit, / ob ich dich triuwe und stætekeit / gegen mir ze leisten habe gemant SM:Te 13: 2,3; triuwe stF.    1.1.3.2 geselleschaft, gesellicheit ~ : der künc sprach ‘wederz ist der knabe / der künc sol sîn übr iwer lant?’ / al den fürsten tet er dâ bekant / ‘Wâls unde Norgâls, / Kanvoleiz unt Kyngrivâls / der selbe sol mit rehte hân, / Anschouwe und Bêalzenân. / kom er imer an mannes kraft, / dar leistet im geselleschaft’ Parz 803,10; dô der daz michel ungemach / an sîme herzeliebe ersach, / er leiste ir wol gesellekeit; / wan er nam sich ir senede leit / vil inneclîche mit ir an Tr 1433; geselleschaft (1.1 u.ö.), → gesellicheit (1.2)    1.2 ‘etw. Zugesagtes einhalten; ein Versprechen, einen Eid erfüllen’ do gelaiste wol der wîgant / daz er gelobete wider sînen hêrren Kchr 14135; NibB 2034,2; Iw 382; Er 587; Wh 278,9; Lanc 275,6. 26,31; unze wir geleisten / al daz wir geheizen Rol 535. 493; Achilles ouch leiste, / als er hette gesprochen Herb 12652; Parz 502,27; ich leist daz mir der eit gebôt ebd. 653,14; ‘ir kúnent sere wol geloben, ich weiß nit wie ir leisten kúnnent.’ Lanc 274,35. – des Gläubigen gegenüber Gott: daz ein iegelicher leiste gote sînen entheiz [Gelübde, Versprechen] , den er mit eigener willekure hat entheizen StatDtOrd 77,33; RvEBarl 14562; swaz wir got gelobt habn, daz wir daz leisten PrBerthKl 8,48; SüklV 529; PrOberalt 167,28. – auch von Gottes Verheißungen: nu schuͤln wir den heiligen Christ von allen unsern chreften, von allen unsern gedanchen vil innenchlichen biten, daz er uns leist alz er uns gehaizzen hab PrOberalt 115,3; daz wil ich dir [Isaak] und dînen chinden leisten Gen 1098. 1251; Will 99,5. 129,6; Konr 16,65; Frl 12:1,15; zu ebd. 1:10,26 vgl. FrlWB S. 209. – übergehend zu ‘voraussagen’ herre, du hast gesprochen, es si enkein gabe uf disem ertrich, da lige ein geisel uffe; das hast du mir vor geseit mit din selbes munde und hast mir es nach geleistet zuͦ maniger stunde Mechth 3: 16,4    1.3 ‘einen Befehl ausführen, eine (weltl., relig.) Anweisung befolgen’, übergehend zu ‘einer Bitte nachkommen’ die dâ gelouben an got / und gerne leisten sîn gebot KvHeimHinv 802; Aneg 2510; sie leisten alle sin [des Löwen] gebot, / er was ir herre ane [außer] got ReinFu K,1245; Herb 10951. 11308; NibB 1416,1; Parz 554,18; diu magt mit zühten rîche / leist ir vater willen gar ebd. 176,25; Will 81,5; ich wil werden iuwer man / und leisten swes ir, herre, gert Wig 8585; NibB 1707,4; daz ich billicher leisten sol, / daz mich geheizzen hat der got Herb 3586; sîn vil manigiu tugent mich daz leisten hiez MF: Wolfr 2: 1,10; RvEBarl 11526; KLD:Kzl 16: 7,7; Parz 821,22; mit rede warb erz an in sô: / daz enwart niht gar geleistet dô ebd. 539,30; Wh 272,20; Er 5971; Tr 16243; und gelobet im des stæte / ze leistenne swes er bæte Iw 4582; wis frô, / dîn bete wirt geleistet SAlex 5669; Wh 87,14; Herb 13508; PrOberalt 159,8; da was niht massenie me / wan wir zwei dort in einem kle. / si leiste, daz si solde, / und tet, daz ich da wolde Tannh 3,78; swaz ir gespil mit ir getreip, / si leiste unde werte, / swes er hin zir gegerte Tr 12601. 19103    2 ‘etw. aufbringen, aufbieten’ (i.d.R. ge-präfigiert)    2.1 allg.: div aver so riche niht wære, daz si daz lamp niht mohte gelaisten, div bræhte zwo tvrteltvben Spec 33,31; Lupolt der meister / ne mochte nicht geliesten / wan ein bose schurcelin [einen erbärmlichen Schurz] / daz want her vmme den liph Roth 2446; swenne er dînes heris craft, / di du vil wol geleisten maht, / sehet ingagen ime varn SAlex 2458; den crieg den ich geleisten mac / den muoz er iemer lîden KvWSchwanr 548; es ist der boͤsosten túfeln einer, den dú helle mag geleisten Mechth 4: 17,16; ich wil bî sîme hazze sîn: / swaz hazzes er geleisten mac, / mîn haz im biutet hazzes slac Parz 320,29; alsô suln wir haben ein wizzendez warnemen unsers herren in allen dingen. dar zuo muoz vlîz gehœren und muoz kosten allez, daz man geleisten mac an sinnen und an kreften Eckh 5: 210,10. 5: 197,4; ie wir aller dinge minner minne hân, ie wir sîn [Gottes] mêr hân mit allem dem, daz er geleisten mac ebd. 5: 297,4. 5: 298,6; Iw 5225; Wh 257,28; Athis C* 58; Parz 230,5; Herb 11717; Lanc 417,15. – ‘Kraft aufbringen’ (von Pferden): ein ritter kam den berg nyder gerant was das roß geleisten mocht Lanc 157,7. 583,19. 156,35 u.ö.    2.2 ‘etw. können; die Fähigkeit haben, etw. zu tun’ da sulen si wesen inne / mit vil micheler grimme / beidiu naht unde tach, / als der tievil vil wol geleistin mach / immer an ente Wahrh 24    2.3 ‘etw. schaffen, erreichen, hinbekommen’ ich wil mich gern laßen scheczen, mag ichs geleisten das ir von mir wollent nemen Lanc 259,6

MWB 3,3 1025,44; Bearbeiterin: Baumgarte

leistic Adj. ‘Verpflichtungen nachkommend’ fryget sy vor schanden / dü stetter trü [stæter triuwe] sint laistig MinneR 332 179

MWB 3,3 1028,46; Bearbeiterin: Baumgarte

leistphërt stN. ‘Pferd, das jmd. im Einlager mitbringen muss’ (vgl. leistunge , înlëger ): man hat auch gesetzet, swelher unser burger der ist, dem man umb sein gelt laisten sol, daz dehaine laister noch kaine laistepferde in sein selbes haus niht laisten sol NüP 125. 123

MWB 3,3 1028,49; Bearbeiterin: Baumgarte

leistunge stF. vgl. WMU 2,1120 und DRW 8,1199f, mit weiteren Belegen. ‘Erfüllen einer Verpflichtung’ 1 ‘Einlager’ , außergerichtlich eingegangene Verpflichtung des Schuldners (und seiner Bürgen), sich bis zur Erfüllung seiner Schuld auf eigene Kosten an einem mit dem Gläubiger vereinbarten Ort aufzuhalten (vgl. 2 HRG 1,1298f., LexMa 3,1743; vgl. înlëger , leisten 1.1.1.1 )
2 ‘Zahlung einer fälligen Geldsumme’
3 ‘Strafaufenthalt, Verbannung aus Stadt oder Land’ (vgl. leisten 1.1.1.3 )
   1 ‘Einlager’, außergerichtlich eingegangene Verpflichtung des Schuldners (und seiner Bürgen), sich bis zur Erfüllung seiner Schuld auf eigene Kosten an einem mit dem Gläubiger vereinbarten Ort aufzuhalten (vgl. 2HRG 1,1298f., LexMa 3,1743; vgl. înlëger , leisten 1.1.1.1): daz danne ieder man mit einem pherde und mit einem knechte saͤl in varn ze Iphoven in die leistunge und da leisten also lange, biz wir in das gut gerechtvertigen mit allem rechte, alz wirz biz her haben gehabt vor eygen oder vor lehen UrkCastell 135,38 (a. 1328); so sol ir ieglicher nach dem vnd sie gemant werden ein pfert in die leystunge legen ze Wirtzeburg ze einem offen wirte UrkWürzb 39,353 (a. 1328); als ofte sich der pferde eines verzert und in der leystunge von ungelucke abegieng, als ofte sol der burge, des das ist gewest, ein anders antwͤrten in die leystunge UrkHohenl 2:250,21 (a. 1328); ain ieclich purger, der in ainer laistunge ist, wil der varn in sein selbes geschefte oder in der stat geschefte oder ob er wil wallen oder varn in kaufmanschaft, den sol die laistunge niht irren und an seinen triwen niht schaden NüP 125; UrkEnns 5,518 (a. 1328); UrkRhStädteb 87 (a. 1318); UrkWittelsb 2,99 (a. 1297)    2 ‘Zahlung einer fälligen Geldsumme’ die ingesatzt odir vorwyset sint ane achte vmb bruche, da von der stad gelt gevallen sal, sterben die in den pynen, die mag man in die stad odir vz irme hus ane leystunge des geldis trage vnd in der stad begrabe StRMühlh 69    3 ‘Strafaufenthalt, Verbannung aus Stadt oder Land’ (vgl. leisten 1.1.1.3): wanne die laistung geschicht, so sol der burggref zuͤ im nemen zwen burchmanne uf sinen eyde, [...] die drei sullen machen einen suͤn umb alle bruche MGHConst 7,1:162,14 (a. 1337)

MWB 3,3 1028,55; Bearbeiterin: Baumgarte

leistwagen stM. Bed. unklar (wahrscheinlich ein Wagen, der mit zu erbringenden Leistungen (Dienste, Abgaben) zu tun hat, vgl. dienestwagen ; oder mit einem leistære im Einlager): item ein wagen, der da haizzet laistwagen, geit ie der wagen von dem gantzen savm II. phenning UrbBayS 4,210

MWB 3,3 1029,29; Bearbeiterin: Baumgarte

leit Adj. , leide Adv. (?) präd. auch leide; leit haben ( MorantGalie 122 ) vgl. haben 2.11. 1 attr.
1.1 ‘unliebsam, unerfreulich, verhasst’
1.2 ‘schmerzlich’
2 präd.
2.1 in der Form leit mit Dat.d.P. und Nom. oder Akk. (oder entspr. Subj.- oder Obj.-Satz)
2.1.1 mit Nom.d.S. oder Subj.-Satz
2.1.1.1 bei sîn , wërden oder wësen (vgl. 2.2.1.1 ); etw. ist/  wirt jmdm. leit
2.1.2 mit Dat.d.P., Nom.d.P. und Akk.d.S. oder Obj.-Satz
2.1.2.1 bei lâʒen/  lân (mit refl. Dat.d.P); jmd. lâʒet/  lât sich etw. leit ; mit erspartem sîn [s.o. 2.1.1 ], vgl. 2 5 Mhd. Gr. § S 232,2), ‘jmd. lässt sich von etw. schmerzlich berühren; lässt sich etw. zu Herzen gehen’
2.1.2.2 bei machen ; jmd. maht jmdm. etw. leit , ‘jmd. macht jmdm. etw. (den Körper) unerträglich, verwundet jmdn. schmerzhaft’
2.2 in der Form leide mit Dat.d.P. (die präd. Verwendungen von leide und leit [s.o. 2.1 ] sind in Bezug auf Bedeutung und Satzkonstruktion verschieden; es bleibt hier offen, ob leide der Form nach als Adv. zu werten ist [so Grimm und Behaghel s.u. Lit] oder als adj. Form [z.B. unter dem Einfluss des Subst. leide stF.]; auffällig ist, dass hier keine eindeutig adv. Belege vorliegen, sondern alle auch als (halb)präd. adj. Form gelesen werden können)
2.2.1 ohne Nom. oder Akk.
2.2.1.1 bei sîn , wërden , wësen (vgl. 2.1.1.1 ); jmdm. ist/  wirt leide
2.2.1.2 bei geschëhen ; jmdm. geschiht leide , ‘jmdm. widerfährt etw., das ihn unglücklich macht; jmdm. passiert Schlimmes, Übles, Leidvolles’ (vgl. 3.2.2 sowie unter leit stN. 4.2 und 5.3.1 )
2.2.2 mit Dat.d.P. und Scheinsubj. ëʒ
2.2.2.1 bei ergân ; ëʒ ergât jmdm. leide , ‘es ergeht jmdm. schlecht’
2.2.2.2 bei geschëhen ; ëʒ geschiht jmdm. leide , ‘es geschieht jmdm. etw., das ihn unglücklich macht’ (vgl. 3.1.2 )
2.2.3 mit refl. Dat.d.P. (im Folgenden mit ‘sich’ umschrieben) und Nom.d.P.
2.2.3.1 bei gedenken ; jmd. gedenket sich leide , ‘jmd. hegt empörte, besorgte, schmerzliche Gedanken; macht sich Sorgen’
2.2.3.2 bei sëhen ; jmd. siht sich leide , ‘jmd. begegnet leidvollem Erleben, schmerzlichen Erfahrungen’
2.2.3.3 bei sitzen ; jmd. sitzt sich leide , ‘jmd. ist traurig’
2.2.3.4 bei stân ; jmd. stât sich leide , ‘jmd. ist traurig’
2.2.4 mit Dat.d.P. und Nom.d.P.
2.2.4.1 bei gerâten ; jmd. gerâtet jmdm. leide , ‘jmd. schadet jmdm., tut ihm weh’
2.2.4.2 bei sprëchen; jmd. sprichet jmdm. leide , ‘jmd. spricht etw. beleidigend, verletzend oder beschämend zu oder über jmdn.’
2.2.4.3 bei (ge)tuon ; jmd. (ge)tuot jmdm. leide (vgl. leit stN. 4.4 und 5.3.2 ), ‘jmd. tut jmdm. weh’
   1 attr.    1.1 ‘unliebsam, unerfreulich, verhasst’ den ich hie vor genennet hân, / daz ist der leide strîtes got KvWLd 2,32; diu leide huote irret recht minner sêre / und ouch der verwâzzen merker spehen SM:Had 27: 3,1. 1: 7,11; Tr 12196; leider winter ungestalt, ûzwert halt! KLD: Kzl 13: 1,1. 6: 1,1; SM:WvK 3: 1,4; do saz in leyden trechtin [Gedanken, Betrachtungen] / Constantin der riche Roth 4330; ich nim urlop zuͦ minem leiden lichamen [Körper] Mechth 6: 28,26; doch sach vil leiden anblic / der dâ wirt was genant: / im was diu vorburc verbrant / unz an die burcmûre gar Iw 4366; MF:Reinm 64: 3,1. – im Ggs. zu liep : hilf, daz min sele / werde ce deile / den lieven godes engelen, / niet den leiden duvelen MarldA 191. – subst: die lieben unt die leiden / heten mich für einen zagen Parz 558,10; SM:KvL 15: 2,10. – als Attr. zu gast ‘unliebsamer Gast, Feind’ (vgl. gast 4): minne ist an sehendez leit, / [...] / den zagen ist siu ein swærer last, / des swachen herzen leider gast UvZLanz 928; si gewunnen leide geste. / die ire burch veste / wart in under drungen Rol 875. 4460; wand’ ich nie gast deheinen sô rehte leiden gewan NibB 2002,4. 2162,4; Tr 5506. 7101. – oft leide (niu-)mære ‘schlechte Nachricht’ (offen zu 1.2): ûf esten gestent sich nit mê / vogellîn als ê, ouwê, / daz sint leide mære SM:AvR 2: 1,3; owê der leiden mære / daz mîn vrouwe Lîamêre ist tôt Wig 10091; Isengrin, der vischere, / der vernam vil leide mere [bezogen auf herannahendes, verhängnisvolles (s.u.) Bellen, das ihm Unheil verkündet] ReinFu K,778. K,1275 u.ö.; RvEBarl 8171; NibB 2168,4 u.ö.; KvWHerzm 285. 477; Roth 3296. 4860; Tr 5480 u.ö.; owi laidiu numare, / di nu fligent in di lant! Rol 7544; VAlex 388. – übergehend zu ‘verhängnisvoll, unselig’ ime [Tristan] benam al sîne maht / diu leide zunge [des Drachen] , die er truoc Tr 9087; [Brangäne] nam daz leide veige vaz [das Gefäß, das den Liebestrank enthielt] , / [...] und warf daz / in den tobenden wilden sê ebd. 11693; des leibes gelvst ersleicht oͮch den mensh eteswen als der leit rebe der den gast trunken machet PrLeys 17,26    1.2 ‘schmerzlich’ diu trûrege âventiure / und daz vil leide scheiden / von ir gevriunden beiden / daz gieng ir sô mit smerzen / und alsô gar ze herzen, / daz ez ein michel wunder was, / daz si vor leide genas Tr 16665; der tac ûf dringet unde bringet / leiden sin, der mich an liebe wunt / wil machen ûf des herzen grunt KvWLd 15,43; dirre welte rîcheit [...] gît dir vrœlîch urhap / und leidez zil, ein engez grap RvEBarl 3950; daz sî mich wol ze einer stunde / von der langen und der leiden swær enbunde SM:UvS 9: 5,6; ôwê der ougenweide, / dâ man nâch leidem leide / mit leiderem leide / siht leider ougenweide! Tr 1752. – im Ggs. zu liep : ir liebez leben, ir leiden tôt, / ir lieben tôt, ir leidez leben Tr 63; lieben wân und leiden wanc, / swaz si des ein ander tæten, / des het ir unstæte danc KLD: UvL 23: 7,5; SM:UvS 11: 2,2    2 präd.    2.1 in der Form leit mit Dat.d.P. und Nom. oder Akk. (oder entspr. Subj.- oder Obj.-Satz)    2.1.1 mit Nom.d.S. oder Subj.-Satz    2.1.1.1 bei sîn, wërden oder wësen (vgl. 2.2.1.1); etw. ist/  wirt jmdm. leit    2.1.1.1.1 ‘etw. ist jmdm. verhasst, zuwider, unangenehm; etw. missfällt jmdm.’ untruwe ist im lait, / er minnit rechte warhait Rol 9053; sie waren es alle gemeit, / ân der kvnic, dem was ez leit Herb 1166; Wig 9852; den guoten was niht leider, / dan der welte rîchtuom RvEBarl 4518; Will 13,12; si âzen als si solten [...] / Antikonîe in selbe sneit: / daz was durch zuht in bêden leit [unangenehm, peinlich] Parz 423,28; mir ist der werlde unstaete / von genuogen dingen leit MF:Reinm 58: 1,2; Iw 814. – mit daʒ-Satz oder Konditionalsatz in der Funktion eines Subj.-Satzes: daz hazzete sin vater Peleas. / dem [...] was vil leit, / daz Jasones lop was breit Herb 169; dir sol nit wesen leit, / ob ich dich triuwe und stætekeit / gegen mir ze leisten habe gemant SM:Te 13: 2,1; MF:Reinm 64: 2,1; mir wære leit, / west ir, waz mir wære Eracl 3286. – in höflichen Redeeinleitungen: enwærez iu niht leit, / sô het ich gerne vrâge / iuwer ahte und der mâge Iw 6304; Wig 3344    2.1.1.1.2 ‘etw. ist jmdm. schmerzlich; macht jmdn. traurig’, übergehend zu ‘etw. tut jmdm. leid, etw. ist jmdm. Anlass zur Reue’ diz was im inneclîche leit / und tet im in dem herzen wê Tr 13596; dîn kumber und dîn arbeit / müet mich sêre und ist mir leit Eracl 684; ez was in allen samt leit. / sie clageten ez harte sere Herb 12244. 16516; Iw 6413; myn affenheit die ist uch leider, [...], dann allen den die man nu leben sicht Lanc 536,18; kœm daz von meinen schulden, daz wær mir lait BdN 91,11; lât iu wesen leit / iuwer missetât Eracl 2088; VMos 22,14; SüklU 37; KLD:UvL 54: 3,6; Mechth 3: 21,106; ez wirt im an dem alter leit TannhHofz 247; daz ist mir durch den knappen leit Parz 381,3; iz ist mir fvr vch leit ReinFu K,1870. – mit daʒ-Satz in der Funktion eines Subj.-Satzes: mir ist vil dienestlîchen leit / daz iwer kumber ist sô breit Parz 29,21; Wig 585; mir ist innechlichen lait, daz ich swuor disen ait AvaJo 29,2; auch in adv. Form (vgl. 3.1.1): mir ist leide, / daz der winter beide / walt und ouch die heide / hât gemachet val SM: KvT 5: 1,1. – als Bestandteil von Drohungen ‘etw. wird jmdm. schmerzlich werden, wird für jmdn. schlimm ausgehen’ dir wirt din fravele vil leit / du must lîden michele not VMos 9,7; Eracl 5170; ez wirdet dir huite vil lait / daz du wider gote hîe stast Rol 8852    2.1.1.1.3 in paarigen Ausdrücken mit liep, ungemach, zorn (vgl. 3.1.1.3): ez si dir lieb oder lait, ich sage dir diu warhait AvaJo 4,5; VMos 65,29; Roth 1202; MF:Reinm 37: 4,1; das was dem kónig lieber dann leider Lanc 640,27; daz ist mir leit und ungemach EnikWchr 701; KvWHvK 105; daz ist mir leit und zorn SM: Had 14: 3,6    2.1.2 mit Dat.d.P., Nom.d.P. und Akk.d.S. oder Obj.-Satz    2.1.2.1 bei lâʒen/  lân (mit refl. Dat.d.P); jmd. lâʒet/  lât sich etw. leit; mit erspartem sîn [s.o. 2.1.1], vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 232,2), ‘jmd. lässt sich von etw. schmerzlich berühren; lässt sich etw. zu Herzen gehen’ la dir leit mine klage Herb 11675; si bat mit klagenden worten / den künec durch alle wîpheit, / daz er im lieze ir laster leit Parz 526,28; durch iwer zuht lât iu niht leit, / ob i’u mînen kumber klage ebd. 24,18. 535,22. 689,30    2.1.2.2 bei machen; jmd. maht jmdm. etw. leit, ‘jmd. macht jmdm. etw. (den Körper) unerträglich, verwundet jmdn. schmerzhaft’ er sluc, er stach, / swaz im do wider reit, / dem machete er den lip leit Herb 9982    2.2 in der Form leide mit Dat.d.P. (die präd. Verwendungen von leide und leit [s.o. 2.1] sind in Bezug auf Bedeutung und Satzkonstruktion verschieden; es bleibt hier offen, ob leide der Form nach als Adv. zu werten ist [so Grimm und Behaghel s.u. Lit] oder als adj. Form [z.B. unter dem Einfluss des Subst. → leide stF.]; auffällig ist, dass hier keine eindeutig adv. Belege vorliegen, sondern alle auch als (halb)präd. adj. Form gelesen werden können)    2.2.1 ohne Nom. oder Akk.    2.2.1.1 bei sîn, wërden, wësen (vgl. 2.1.1.1); jmdm. ist/  wirt leide    2.2.1.1.1 ‘jmdm. ist unwohl, unangenehm, mulmig, bang (zu Mute)’, in breitem Verwendungsspektrum (z.B. bezogen auf Empörung, Kränkung, Beunruhigung, Scham u.a., vgl. leit stN.): den herzogen beiden / wart vil leide, / dô in der bote sagete, / waz [eine Drohung] er vernomen habite SAlex 1668; NibB 148,1; er enwiste, ob er genas, / vil harte leide im was, / wende er zwifel hete, / waz er im tete Herb 11654; hier umbe [dass Isolde nicht mehr Jungfrau war] was in leide Tr 12405; bote, nû sage ime niht mê, / wan mir ist leide / und vürhte des, daz sich scheide / diu triuwe, der wir pflâgen ê MF:Reinm 3: 1,8; do wart mir an miner einvaltekeit vil leide Mechth 4: 2,117    2.2.1.1.2 ‘jmdm. ist elend, weh (zu Mute); jmd. ist traurig, bedrückt’ er mohte vil wol an ir sehen / daz ir von herzen leide was Wig 4880; swie leide einen man were, / er vergezze [von der wunderbaren Musik] siner swere Herb 9336; NibB 1161,2; MF:Reinm 13: 3,5; Eracl 4865; die wîle mir alsô leide / durh vlust und nâch Gyburge sî Wh 174,28; mir enwurde nimmer leider danne umbe sînen lîp NibB 2259,3. – mit Gen.d.S.: des wart ir harte leide Athis A* 9    2.2.1.1.3 in paarigen Ausdrücken mit liebe und mit zorn (vgl. 2.1.1.3): im was wol unde wê, / liebe unde leide Eracl 3827; Urgân kam wider und wart gewar, / daz er die hant hæte verlorn, / ime was leide unde zorn Tr 16124; der tiefel wol horte / das er sy halb het verlorn. / im wart laid und zoren HvBurg 6158; EnikWchr 6284    2.2.1.2 bei geschëhen; jmdm. geschiht leide, ‘jmdm. widerfährt etw., das ihn unglücklich macht; jmdm. passiert Schlimmes, Übles, Leidvolles’ (vgl. 3.2.2 sowie unter leit stN. 4.2 und 5.3.1): si sprachen alle samt mit ainem munde / daz in nie so laide gescahe Rol 6136; irn geschach dâ vor sô leide nie Wig 516; wie möhte ich den immer mit ougen an gesehen, / von dem mir armen wîbe sô leide ist geschehen? NibB 1078,2; ir volke leider nie geschach Parz 124,27; NibB 781,4. 13,4; dem aller leidest ie geschach KvHeimHinv 183. – oft nicht entscheidbar, ob adv. Gebrauch oder leide stF.: wan si den hôrte unde sach, / von dem ir leide geschach Tr 10252; den Etzelen degenen sô rehte leide nie geschach NibB 2232,4; Herb 9637. 6508    2.2.2 mit Dat.d.P. und Scheinsubj. ëʒ    2.2.2.1 bei ergân; ëʒ ergât jmdm. leide, ‘es ergeht jmdm. schlecht’ daz si [Kriemhild] sô manigen man / in ir dienst gewunne, daz ez in [Hagen und ihren Brüdern] leide müez’ ergân NibB 1128,4; ez mac ir leide ergân ebd. 1481,3. 2374,4    2.2.2.2 bei geschëhen; ëʒ geschiht jmdm. leide, ‘es geschieht jmdm. etw., das ihn unglücklich macht’ (vgl. 3.1.2): ezn geschach nie man sô leide Wig 4277; ez geschach ze dirre werlde nie leider manne mêr NibB 2332,1    2.2.3 mit refl. Dat.d.P. (im Folgenden mit ‘sich’ umschrieben) und Nom.d.P.    2.2.3.1 bei gedenken; jmd. gedenket sich leide, ‘jmd. hegt empörte, besorgte, schmerzliche Gedanken; macht sich Sorgen’ leide gedachte im Castor, / daz erfallen was Nestor Herb 1439; die vorchte im vnderwilen brachte, / daz er im leide gedachte ebd. 11344; ich gedencke mir leide, / her Antenor, beide / vm daz uwer leit / vnde vmbe mine smacheit / vnde vmbe die alden vehe ebd. 2096 u.ö.; nu gedenke ich mir leide, / sol ir got Tervigant / si ze helle hân benant Wh 20,10; vil leide ih mir gedâhte, / dô di frowe brâhte / daz bilide [durch das sie ihn erkannt hatte] ze lîhte / unde ze mînen anesihte SAlex 6151    2.2.3.2 bei sëhen; jmd. siht sich leide, ‘jmd. begegnet leidvollem Erleben, schmerzlichen Erfahrungen’ die Unger sehent in hiute laide; / si sint alle vaige [dem Tod verfallen] Kchr 16320. 4890; der bote muostu sîn, / sô wir dich tragen tôten für den bruoder dîn. / sô siht im êrste leide der Guntheres man NibB 1942,3; si heten ir herren Marsilien gesworen, / swer fluhe uon dem wale, / dem ware zestete der tot gar; / uon diu sturben si al sam gerne da / sam andereswa / bi ir herren. / [...] / der chunc sach im genuͦc laide Rol 6251; da sihit ein igilichir nach sin selbis wizintheit / an demo gotis suni imo selbimo lib odir leit SuTheol 304    2.2.3.3 bei sitzen; jmd. sitzt sich leide, ‘jmd. ist traurig’ Asprian begreif ene [des Königs Löwen] mit der hant / vnde war [l. warf ] ene andes sales want, / daz her alzebrach. / we leide eme der kuninc do saz, / her ne geregite doch nie de vote [Füße] Roth 1153    2.2.3.4 bei stân; jmd. stât sich leide, ‘jmd. ist traurig’ ja gestuont ich mir nie sô laide Kchr 13240. 10322; her ne torste nicht weinen / vnde ne stunt ime doch nie so leide Roth 2476. 2434    2.2.4 mit Dat.d.P. und Nom.d.P.    2.2.4.1 bei gerâten; jmd. gerâtet jmdm. leide, ‘jmd. schadet jmdm., tut ihm weh’ hey sold ich den bekennen [der meinen Ehemann Siegfried ermordet hat] [...] ich geriete im alsô leide [vgl. ich riete im alse leides, NibA 965,3 ] , daz die friunde sîn / von den mînen schulden müesen weinende sîn NibB 1024,3    2.2.4.2 bei sprëchen; jmd. sprichet jmdm. leide, ‘jmd. spricht etw. beleidigend, verletzend oder beschämend zu oder über jmdn.’ hêrre, ob ich iu leide sprach, / von den schulden daz geschach, / daz ich versuochen wolde / ob ich iu minne solde / bieten durch iur werdekeit Parz 614,1; [die Boten] wollen vns leide sprechen, / man sol ez an in rechen Herb 3853; des wart in gesprochen / beiden vil leide. / des schamten sie sich beide ebd. 8291; Nestor [...] karte allen sinen fliz, / wie er getete daz beste, / vnde enwas des doch niht feste. / sinen frunden er leide sprach, / swenne im dehein zorn geschach ebd. 3067. 8382. 13372. 9790    2.2.4.3 bei (ge)tuon; jmd. (ge)tuot jmdm. leide (vgl. leit stN. 4.4 und 5.3.2), ‘jmd. tut jmdm. weh’ hoy, wêng [unglücklicher] Jacob, wie leide dir getet der tôt, / daz er dir nam daz wîb Gen 1682; ich getuon im sô leide, / daz im nie leider wart Eracl 4864; ich getv im also leide, / als er mir hat getan Herb 13156; Rol 2981; Iw 2271; KLD:GvN 10: 1,5; ez enwart nie vrouwen leider an liebem manne getân NibB 997,4. – oft nicht entscheidbar, ob adv. Gebrauch oder leide stF.: dâ von müeze er unsælic sîn, / [...], / swer den wîben leide tuot Er 5772; mir [Hagen] mac niemen widersagen. / und sol diu edele Kriemhilt Helchen krone tragen, / si getuot uns leide, swie si gefüege daz NibB 1212,3; kleine vogel, den vil leide / tet hiur ê der winter kalt SM:HvT 2: 1,5; so spræche ich, daz mir leide tuot SM: Gl 3: 1,3; Exod 838; GenM 22,5. – Lit. vgl. leit stN.; zu 2.2: Grimm, Dt. Gr., 4,1111-1125, bes. 1115; Behaghel, Dt. Syntax, 2,131f., § 619, bes. II.; vgl. auch präd. leido AWB 5,758f.

MWB 3,3 1029,36; Bearbeiterin: Baumgarte

leit stN. Formenüberschneidungen mit → leide stF. (uneindeutige Dat. sind hier verzeichnet). körperlicher und seelischer Schmerz durch gesundheitliche, materielle und soziale Belastungen wie Krankheit, Armut, Verletzung, materielle Schädigung, Unrecht oder Ehrverletzung; quälender leibseelischer Zustand durch Trauer, Sorge, Reue, Sehnsucht, Entsetzen, Angst, Zorn und Empörung; i.d.R. nicht auf einen Aspekt beschränkt (demgegenüber stark differenziert bei F. Maurer [dagegen W. Schröder] und C. Minis, s.u. Lit.) 1 allg. (vgl. leide stF. 1 )
2 in Umschreibungen mit spezifizierendem Adj.
2.1 bezogen auf Krankheit und Gebrechen
2.1.1 in der Bezeichnung für ‘Schlaganfall, Epilepsie’ vallendeʒ ~ (vgl. vallende(r/ʒ) siechtuom , siuche , suht , übel stN. und wêwe swM.)
2.1.2 in anderen Umschreibungen
2.2 in Umschreibungen einer großen Sehnsucht, eines schmerzlichen Verlangens (vgl. 5.2 ; s.a. 4.1 , vgl. leide stF. 2 ; vgl. senende klage 1 )
2.2.1 senendeʒ ~ (vgl. auch 4.3 )
2.2.2 klagendeʒ ~
3 in paarigen Ausdrücken
3.1 in (teil-)synonymen Paaren (vgl. leide stF. 3 )
3.2 in antonymen Paaren (vgl. leide stF. 4 )
3.2.1 oft im Ggs. zu liebe stF. oder liep stN. (= liep Adj. 3.1 )
3.2.2 im Ggs. zu vröude
4 in ausgewählten Verbverbindungen
4.1 zur Bezeichnung des Ausdrucks von leit mit klagen
4.2 zur Bezeichnung des Erleidens von leit mit geschëhen , gewinnen u.ä.
4.3 zur Bezeichnung des Erduldens von leit mit doln , dulten , (ge)tragen u.ä.
4.4 zur Bezeichnung des Zufügens von leit mit tuon ; auch mit (ge)sprëchen u.ä. (i.S.v. ‘durch Sprechen schaden, üble Nachrede üben; beleidigen’ ) und mit gedenken (i.S.v. ‘planen, im Schilde führen’ )
4.5 zur Bezeichnung des Ausgleichs oder der Wiedergutmachung (z.B. durch Heilung, Trost, Entschädigung, Rache) mit büeʒen , ergetzen , (er/  ge)rëchen u.ä.
4.6 zur Bezeichnung der Befreiung und des Befreitwerdens von (Minne-)leid mit verkêren , swinden , (ver)trîben , (er)wenden , zergân u.ä. (bes. im Minnesang)
5 in präp. Erg. mit phras. Charakter
5.1 sunder leit ‘ohne Betrübnis, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl. leide stF. 5.1 )
5.2 von/  vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid sterben’ (vgl. leide stF. 5.2 )
5.3 ze leide ‘zu(m) Schaden, zum Nachteil, zu Leide’ (oft mit Dat.d.P.), mit einem breiten Spektrum an Verben (mit Ggs. ze liebe , auch rechtsspr., vgl. 3.2.1 ; vgl. leide stF. 5.3 )
5.3.1 in Ausdrücken, die ein Erleiden von Schaden beschreiben mit geschëhen , komen , sîn/  wërden u.ä.
5.3.2 in Ausdrücken, die ein Zufügen von Schaden beschreiben mit bringen , (ge)râten , sîn , singen , sprëchen , tuon
   1 allg. (vgl. leide stF. 1): daz er [Christus] in dise werlt chom, diu angest und not und vil maniges leides ze vil hat PrOberalt 25,7; ich manecualte diniv [Evas] ser unde din chintraht [Schwangerschaft] mit laide [Schmerz] Spec 93,4; Kaylet ze herbergen reit / mit grôzen freuden sunder leit [Kummer, Unmut, Ärger (vgl. 5.1)] Parz 68,18; ich und din vater wir haben dich vil gesuchet [das verschwundene Jesus-Kind] und haben grozzes leit [Sorge, Aufregung] umb dich gehabt PrOberalt 27,38; Pass I/II (HSW) 10364; SM:Wi 7: 3,8; sô die henne all tôt sint von dem hann, sô nimt der han ab vor laid und singt niht mêr von grôzem trauren BdN 192,34; daz den ungetriuwen ie baz danne mir geschach, / die nie gewunnen leit von seneder swaere MF:Reinm 15: 4,7 (vgl. 2.2 und 4.2); uf daz von unser crancheit [Schwäche] / sich aller zwivelunge leit / vertribe Pass I/II (HSW) 10724; wi er sint den vater sluc, / [...] / und wi er bi der muter slief. / mit leide [Reue] er sus uber lief / an den gedanken vil genuc ebd. 34924; KvWLd 27,8; nu hat er selber vunden / an im der hosten schamen leit Pass I/II (HSW) 8203; der kunic an leide [Zorn] was enprant [weil sein falscher Gott geschändet wurde] , / daz er sin pfellels gewant / von im mit unvuge brach ebd. 32353; die varndi habi [...] mac he woli enir andirin vrowin gebi, wil he iz sinin kindin zu leidi [Schaden] tu Mühlh 139,5 (vgl. 5.3.2); er [Siegfried, der die Burgunden zum Kampf um ihr Königreich herausfordert] soltez haben lân. / im heten mîne herren sölher leide [Rechts- und Ehrverletzungen; Unrecht] niht getân NibB 121,4. nâch jmdm. ~ haben ‘nach jmdm. Sehnsucht haben, jmdn. schmerzlich vermissen’ diu hete tougenlîche nâch [der verstorbenen] Helchen grôziu leit NibB 1389,4; ob mir alle krône wærn bereit, / ich hân nâch ir mîn hœhste leit Parz 98,6    2 in Umschreibungen mit spezifizierendem Adj.    2.1 bezogen auf Krankheit und Gebrechen    2.1.1 in der Bezeichnung für ‘Schlaganfall, Epilepsie’ vallendeʒ ~ (vgl. vallende(r/ʒ) siechtuom , siuche , suht , übel stN. und wêwe swM.): wider daz vallinde leit SalArz 34,46; daz pringt im daz vallend lait, daz ze latein apoplexia haizt BdN 407,24; daz fallent lait, daz epilencia haizt ebd. 417,21 u.ö.    2.1.2 in anderen Umschreibungen: ir suchaftez leit [ihr Kranksein] Pass I/II (HSW) 28885; ob er mit gewalde / die toden uf hiez erstan / und den mit liechten ougen gan, / der e truc blintlichez leit ebd. 30429    2.2 in Umschreibungen einer großen Sehnsucht, eines schmerzlichen Verlangens (vgl. 5.2; s.a. 4.1, vgl. leide stF. 2; vgl. senende klage 1)    2.2.1 senendeʒ ~ (vgl. auch 4.3): swer sich hœhet, daz der da genidert wirt, / da jâmer unde senede leit ân ende swirt SM:UvS 16: 2,10. – überw. in der Beschreibung eines Mangels an Minne-Zuwendung (vgl. senendiu → suht): von der [ Amelýen ] truͦc er minnen last, / des was si siner froͮden gast, / siner liebú ain sendes lait, / siner senfte unsenftekait RvEWh 4357; daz si mir von sendem leide / mînen ungetrôsten muot / durch ir süezzen güete scheide SM:Te 11: 3,5; rôter munt, nu lache, daz mir sendez leit zergê KLD: GvN 4: 3,3    2.2.2 klagendeʒ ~ : ir guoten wîp, ob iu der rât behage, / den ich mir selben hân / für klagendiu leit und ouch für sende nôt gegeben KLD: UvL 15: 3,3. 8: 4,4    3 in paarigen Ausdrücken    3.1 in (teil-)synonymen Paaren (vgl. leide stF. 3): arebeit / unde leit KLD: Kzl 13: 2,8; uon dem laide unt uon dem grimme Rol 6442; mit jâmer und mit leide KvWSchwanr 238; kumber unde leit SM:WvK 6: 1,8; in nôt in vorhte in leide KLD: Kzl 1: 4,13; ir sere und ir leid PrOberalt 87,11; in laid und in smerzen BdN 285,10; mit leide vnde mit swere Herb 17327; leit und herzeswaere MF:Mor 29: 2,6; mit leide vnde mit trurde Herb 1749; leit und ungemach KLD: UvL 2: 3,4; mit zorne vnde mit leide Herb 15123    3.2 in antonymen Paaren (vgl. leide stF. 4): nû liep, nû leit, nû leben, nû tôt, / nû grôz gemach, nû leides nôt; / hiute vreude und rîchez guot, / morgen leit und armuot RvEBarl 4576    3.2.1 oft im Ggs. zu liebe stF. oder liep stN. (= liep Adj. 3.1): niht nahe get in [den Phlegmatikern] lieb und leit Physiogn 82; ich suohte liep, do vant ich leit SM: UvS 6: 2,1; Herb 2381. – in Wendungen i.S.v. ‘zum Vorteil oder Schaden von jmdm.’ (rechtsspr. Belege vgl. WMU 2,1115 und 1121 s.v. leit und leide, DRW 8,1141f. und 1145 s.v. Leid und Leide 2.1; zur Wendung ze leide vgl. 5.3): so sprich ich bi dem eide / nieman ze liebe noch ze leide ReinFu K,1626. K,1644; daz ich niemer vuoz / von ir dienste mich gescheide, / ez kom mir ze liebe alder ze leide MF:Mor 2: 5,11; Herb 12432; Tannh 14,23. durh alliz werltlîch gût / ne wolder nie geliegen [lügen] / und niemanne betriegen, / noh durh lieb noh durh leit / geswachen di wârheit SAlex 260    3.2.2 im Ggs. zu vröude: daz mînes leides hœhster pîn / mit vreude ein ende hât genomen RvEBarl 3146; fröide ist nû in leit versenket KLD: BvH 4: 2,3. 18: 1,2; SM:Had 37: 3,8    4 in ausgewählten Verbverbindungen    4.1 zur Bezeichnung des Ausdrucks von leit mit klagen: daz klage ich und klage ein leid, / daz mich ein wîb betwingen wil / herzeklicher arebeit SM:KvL 6: 1,7; sold ich mîn leit besunder chlagen, / sô würde der rede gar ze vil KvHeimUrst 42; KLD: Rub 3:2,7; KLD:UvL 15: 1,4; SM:We 1a: 1,11; ReinFu K,1612. mit leide: des leit ich wil mit leide klagen Wig 9404. 9864; MF:Hartm 10:2,7    4.2 zur Bezeichnung des Erleidens von leit mit geschëhen, gewinnen u.ä.: iz bewainet noch vil sere / maniger muͦter chint / diu lait die hie geschen sínt Rol 7402; er [Erec] tete als dem dâ leit geschiht: / der vlizet dicke sich dar zuo, / wie erz mit vuoge wiedertuo Er 167; dâ von ze jungest im geschach / ein leit KvWHerzm 79; dem geschiht leides niht Volmar 108; AvaLJ 161,2; MF:Reinm 24: 2,6; von der ich niuwan leit gewan ebd. 5: 3,4; er mac si wol ergetzen, swaz si leides ie gewan NibB 1215,4. 1418,2. 2319,1; SM:Wi 9: 3,4; daz mir von ir niht leides widervar MF: Reinm 32: 4,4    4.3 zur Bezeichnung des Erduldens von leit mit doln, dulten, (ge)tragen u.ä.: nû choste iuch deste ringer / swaz ir leides hie dolt KvHeimUrst 1835; KLD:UvL 26: 4,3; NibB 1035,1; Wig 1105. 2681; dâbi dulde ich sendiu leit SM:WvK 5: 1,5; KLD:UvL 2: 2,4 (vgl. 2.2.1); Iw 1007; SM:Te 11: 1,10; wan dez ich leit mit zühten kan getragen, / ich enkonde niemer sîn genesen MF:Reinm 13: 5,3. 12: 5,5; leides mag ich niht getragen KLD: UvL 30: 6,5; SM:UvS 36: 2,4; sô truoc Tristan ie stæte leit / bî stæteclîcher sælekeit Tr 5071. 12188; Iw 1798; Wig 4831    4.4 zur Bezeichnung des Zufügens von leit mit tuon; auch mit (ge)sprëchen u.ä. (i.S.v. ‘durch Sprechen schaden, üble Nachrede üben; beleidigen’) und mit gedenken (i.S.v. ‘planen, im Schilde führen’): vergeben wir allen den die uns leit habent getan PrOberalt 129,11; obe si mir ein leit getuot MF:Reinm 21: 5,3; den ich vil leides hân getân RvEBarl 571; SüklV 461; Rol 7804; Eracl 4603; UvZLanz 7258 (vgl. ze leide tuon unter 5.3.2) swer leides in [den Israeliten] gedâhte, / dem wart von im [Josua] sîn tôt erkant RvEBarl 2254; er sprach in manich leid. / er chod: [...] wie getâtet ir sô ubile, / daz ir mîneme hêrren [...] sînen choph [Kelch] stâlet Gen 2334; ir hânt mir leides dicke vil gesprochen MF: Reinm 64: 1,5 MF:Mor 10: 4,2. 24: 1,1; VMos 44,14 (vgl. ze leide sprëchen, (ge)râten, singen unter 5.3.2)    4.5 zur Bezeichnung des Ausgleichs oder der Wiedergutmachung (z.B. durch Heilung, Trost, Entschädigung, Rache) mit büeʒen, ergetzen, (er/  ge)rëchen u.ä.: den palmen den er [Johannes] dâ hât / [...] / den nim und büeze [heile] disen ir leit [Gebrechen, Krankheiten] KvHeimHinv 798; sô swert mir eide, swaz mir iemen getuot, / daz ir sît der næhste, der büeze [rächt] mîniu leit NibB 1257,3; die trunchen des lides [Obstwein, Gewürzwein] / unde ergazzeten sich alles leides Hochz 318; Gen 2111; Roth 1245; NibB 1234,1; KvHeimHinv 179; sô werdent wol errochen elliu mîniu leit NibB 2109,3; daz er gereche sin leit Herb 17175; sô sol er rechen ditze leit Wig 9843; NibB 2108,2. 2151,3; Herb 1263 u.ö.; ir geltet mîniu leit NibB 2304,3; er dachte, in welcher wise / er im daz leit vergulde Herb 10015; SM:UvS 15: 1,8    4.6 zur Bezeichnung der Befreiung und des Befreitwerdens von (Minne-)leid mit verkêren, swinden, (ver)trîben, (er)wenden, zergân u.ä. (bes. im Minnesang): daz si füege daz mir leit entwîche KLD: GvN 33: 3,4; daz si mich scheide von leide KLD: UvL 12: 3,5; daz elliu dîniu leit / der künic Etzel swende NibB 1243,2; SM:Te 3: 3,6; KvWLd 22,21; KLD:UvL 30: 4,2; rôter munt, du maht mîn leit verdringen KLD: GvN 37: 1,9; lieb gedinge leit verkêret SM:KvL 3: 3,7; KLD:GvN 3: 1,12 u.ö.; SM:HvS 1: 25,3; KvWLd 28,14; sô müeste an mir swinden / leit SM:KvL 17: 5,5; KLD:UvL 9: 1,7; NibB 1337,2; Tannh 5,75; KLD:GvN 15: 2,5 u.ö.; dur dîn besten tugende mir mîn leit vertrîp SM: HvR 1: 2,7; ez kan trîben / leit wol von dem man SM: Had 53: 6,9; KLD:GvN 37: 2,9 u.ö.; SM:Wi 6: 3,7; SM:KvL 17: 4,9; KLD:Kzl 17: 1,5; Herb 7177; ob ich dâ mit iuwer nôt / erwenden mac und iuwer leit Wig 4909; ich sol iu helfen wenden elliu iuwer leit NibB 156,2; MF:Reinm 36a: 2,2; Wig 5893; KLD:UvL 5: 4,5; SM:HvS 5: 3,5; umb den smac stêt ez sô: / nie niemen wart sô unvrô, / gesmecket er sîn, sîn leit zergê Wig 10370; SM:KvA 3: 3,2; MF:Reinm 22: 1,7; KLD:GvN 14: 5,15 u.ö.    5 in präp. Erg. mit phras. Charakter    5.1 sunder leit ‘ohne Betrübnis, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl. leide stF. 5.1): sô ist ouwe wol bedœnet, / dâ diu vogellîn singent sunder leit SM:KvL 7: 1,4; nu wol ûf zuo der linden breit / sunder leit / swer gemeit / schônheit welle schouwen KLD: Kzl 11: 2,12; KLD:UvL 25,20. 29: 2,5    5.2 von/  vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid sterben’ (vgl. leide stF. 5.2): solte ich sterben von sô grôzen leiden KLD: OvB 5:3,1; Athis F 70; BdN 236,21; sterben sî [die Neider] von leide, sô enwart mir ê nie baz MF:Reinm 17: 4,6; sol ich die guoten lange mîden, / swie doch nieman von leide erstarb, / ich muoz den tôt nach ir erlîden SM:Had 23: 4,2; SM:Tu 2: 9,5. er wære vor leide erstorben Wh 226,6; nu lît si hie vor leide tôt / umb ir gesellen Wig 10050. 10213; Rol 8596; BdN 261,21; owê, daz vor leide niemen sterben nemac! NibB 2323,4    5.3 ze leide ‘zu(m) Schaden, zum Nachteil, zu Leide’ (oft mit Dat.d.P.), mit einem breiten Spektrum an Verben (mit Ggs. ze liebe, auch rechtsspr., vgl. 3.2.1; vgl. leide stF. 5.3)    5.3.1 in Ausdrücken, die ein Erleiden von Schaden beschreiben mit geschëhen, komen, sîn/  wërden u.ä.: swaz unz ze leid geschiht, daz ist sein [Gottes] geisel PrOberalt 146,36; HimmlJer 462; SM:WvK 3: 1,3; Roth 4489; Otte, daz mag dir wol komen ze leide! SM: Go 1: 6,6; KLD:Kzl 9: 1,2; daz mir dort ze leide solde werden, / daz irlite ich ungerne SüklV 356; ReinFu K,782; Herb 7512; Lanc 313,12    5.3.2 in Ausdrücken, die ein Zufügen von Schaden beschreiben mit bringen, (ge)râten, sîn, singen, sprëchen, tuon: sînes ôheimes sune [...] / sprâchen er hête si ze leide braht, hête in benomen geizze unde scâf Gen 1411; Herb 15088; SüklV 499; MF:Wolfr 7: 1,3; die selben urteile, / di si ir ze leide / heten geraten SüklV 700; ich wil vrô ze liebe mînen vriunden sîn / und allen den ze leide, / die mir âne schulde tuont ir nîden schîn MF: Reinm 17: 4,2; an ir danc / sanc ich in ze leide, / den hochgemüete ist kranc Tannh 15,33; iz wirt schiere gerochen, / swaz er dir, kuͦnich, hat ze leide gesprochen Rol 2150; Herb 12802; swaz in iemen ze leide tæte, daz si daz gedulteclichen uertroͮgen Spec 125,13; Rol 4789; BdN 291,28; SM:WvT 2: 2,3. – Lit.: Friedrich Maurer, Leid, Bern 1951; Werner Schröder, Das Leid in der ‘Klage’, in: ZfdA 88 (1958), S. 54–80; Cola Minis, Das Wortfeld ‘leit’ im ‘Alten Passional’, in: Studien zur dt. Lit. des Mittelalters, 1979, S. 532–540

MWB 3,3 1033,55; Bearbeiterin: Baumgarte