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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lëderbirboum - lëdic|heit    


lëderbirboum stM. Obstbaum, der lëderbirn trägt, eine spezielle Obstsorte (vgl. SchweizId 4,1490 ‘Birne mit lederartiger Schale’; vgl. auch lëderboum ): in dem obern velde bi dem lederbirboͮme UrbTennenb 292. 96

MWB 3,3 964,56; Bearbeiter: Hansen

lëderboum stM. ein Baum (andere Bez. für → lëderbirboum ?): zuͦ dem lederboͮme tercia pars iugeris prati prope Oswaldes zweiteil UrbTennenb 33

MWB 3,3 964,61; Bearbeiter: Hansen

lëderen, 2lideren swV. vgl. auch DWB 6,913 s.v. lidern; s.a. 1lideren . 1 ‘etw. gerben, zu Leder machen’
2 ‘etw. mit Leder versehen’
   1 ‘etw. gerben, zu Leder machen’ von yder hutt [nimmt man als Zoll] 1 haller die man hie nit lidern wil StRAugsb 264,8; von iegelicher gelæderten hvte einen helblinch UrkCorp (WMU) 548ABC,9,8,35    2 ‘etw. mit Leder versehen’ so werden uz den huͤten / wite stifel guͦt, / derm leder reht tuͦt, / fuͤr fuͤze unde suln [Sohlen] , / [...]; / so lidert man damit die sporn KgvOdenw 1,78

MWB 3,3 965,1; Bearbeiter: Hansen

lëder|gerwære stM. auch -garwere, -gerber. ‘Gerber’ (vgl. lëderære , lëdergerwe ): die ledergerwer mit huͤten / ouch vil menge untruͤwe begânt / gen dien, die sich an si lânt Ammenh 11680; daz die kvrdewenre meistere vnd kurdewenre vnd die ledergerwere mittenander mit liebe lebent, so hant sie vf gesetzet, das die ledergerwere iemerme sulnt bluwen das halbe kurdewan, ir wochewerc UrkCorp (WMU) N159,24; ein jeder metzger, schuster vnd ledergerber vonn Walbach WeistGr 4,187 (a. 1339); coriarius: lederar, ledergarwo, ledergarwere SummHeinr 1:288,265; StRBern 1/2:158,25. – als Bestandteil von Personen- und Ortsbezeichnungen: da man vs der selbun stat gât ze den tor dem man sprichet der ledergaͤrwer tor UrkCorp N676,15; bruͦder Bercholt der leder gerwer, leie bruͦder von Wettingen UrkCorp (WMU) N617,9. 2201,33

MWB 3,3 965,11; Bearbeiter: Hansen

lëder|gerwe swM. auch -garwe. ‘Gerber’ (vgl. lëderære , lëdergerwære ): die ledergaͤrwen [...] haͧnt ouch ain [Zunft] und nement ain maister under den ledergaͤrwen UrkEssl 302 (a. 1331); coriarius: lederar, ledergarwo, ledergarwere SummHeinr 1:288,265. – als Bestandteil von Personennamen: bruͦder Walther der ledergarwe UrkWürtt 9,348 (a. 1290); Sifriden den ledergærwen UrkCorp (WMU) N649,5. 1160,29

MWB 3,3 965,29; Bearbeiter: Hansen

lëderhosære stM. ‘Hersteller von Ledergamaschen’ (vgl. lëderhose und Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 463); als Bestandteil von Personennamen: Vͦll. der lederhoser UrkCorp 559,29

MWB 3,3 965,38; Bearbeiter: Hansen

lëderhose swF. ‘lederne Beinschiene, Ledergamasche’ (vgl. AWB 5,712f. mit weiteren Glossenbelegen aus mhd. Zeit): alles, des zu den wâpenen gehôret, pfert unde mûle, wâpen unde coverture, [...], lederhosen [ ocreas ] unde meserîne nepfe StatDtOrd 103,20; ez sol ouch ir deheinre keinen spiczen snabel vornan an schuͦhen oder an lederhosen dragen SpeyrerP 60; genarga: lederhose Gl 3:668,49. 3:358,6; ocrea: lederhos VocOpt 17.141

MWB 3,3 965,42; Bearbeiter: Hansen

lëderhûs stN. Haus, in dem Lederwaren verkauft werden (vgl. DRW 8,830): unam domum pro vendendo coreo, que ledyrhus vulgariter appellatur UrkSchlesSt 486 (a. 1310)

MWB 3,3 965,51; Bearbeiter: Hansen

lëderkalc stM. ‘ungelöschter Kalk’ (vgl. AWB 5,713 mit Lit.): item de lederkalk, cum quo preparatur coreum WeistErf 114 (a. 1332); ambustum: ledirkalc Gl 3:535,16

MWB 3,3 965,55; Bearbeiter: Hansen

lëderlachen stN. ‘großes Ledertuch, Lederlaken’ ain lederlachen, zwai lilachen [Leinentücher, Laken] , ain küssen UrkKaufb 25 (a. 1319)

MWB 3,3 965,59; Bearbeiter: Hansen

lëderlêhen stN. Leiheverhältnis, aus dem Leder geschuldet wird (vgl. DRW 8,830): Hainreich Menle hat 1 lederlehen UrbSonnenb 113

MWB 3,3 965,62; Bearbeiter: Hansen

lëderlîn stN. Dimin. zu lëder . ‘kleines Stück Leder’ mach daz [die Gewürzmischung] ze puluer [hier ‘Asche’ ] in einen schoenem lederlîn [d.h. darin eingeschlagen] vnd slah ez durch ein vil wîzzez tuech Barth (H) 473

MWB 3,3 966,1; Bearbeiter: Hansen

lëderloube swF. Verkaufsgewölbe in Regensburg, wo Leder verkauft wird (vgl. Heimpel, Gewerbe, S. 167f.; s.a. lëderstein ): an dem fragengadem ze næhst an der lederlauben UrkRegensb 626 (a. 1346). 104 (Anf. 14. Jh.)

MWB 3,3 966,6; Bearbeiter: Hansen

lëdermachære stM. ‘Gerber’ s. AWB 5,713 s.v. ledarmahhâri mit Glossenbelegen aus mhd. Zeit

MWB 3,3 966,11; Bearbeiter: Hansen

lëdermeister stM. ‘Leiter einer Gerberei, Handwerksmeister’ → DRW 8,831

MWB 3,3 966,13; Bearbeiter: Hansen

lëderphenninc stM. Geldabgabe an Stelle einer Naturalgabe in Leder (vgl. SchweizId 5,1124 und DRW 8,831): diz sint die lederpfenninge ze Obern Swanden SchweizId 5,1124 (Propsteirodel [Geschichtsfreund 38 (1883), S. 8]; 1. H. 14. Jh.)

MWB 3,3 966,15; Bearbeiter: Hansen

lëdersac stM. ‘lederner Sack, Beutel, Schlauch’ Thêtis gefüeret hete dar / mit ir einen ledersac, / der ûf einem vische lac / und ab im was geschunden: / dâ stiez si bî den stunden / slâfend în ir liebez trût KvWTroj 13991; bulgen und leder secke, / daz ist daz mir wirret, / di haben mich des verirret / daz ich niht erzes eu han gesant Erz III 56,402. – im bildhaften Vergleich: ich pin als ein unnuͤtz ledersagk in dem reyffe worden [ factus sum sicut uter in pruina Ps 118,83] PsMb 33(Glossar)

MWB 3,3 966,20; Bearbeiter: Hansen

lëdersnîdære stM. Bez. für verschiedene Lederhandwerker (vgl. WeistErf S. 112, Fn. 344 sowie DRW 8,831 mit weiteren Belegen): cissores [l. scissores ] corei, qui dicuntur dy leder snytere WeistErf 63 (a. 1332). 138 (1. H. 14. Jh.) u.ö. – als Bestandteil von Personennamen: Hainricus dictus Lederschnider UrkBebenh 15,207 (a. 1302)

MWB 3,3 966,30; Bearbeiter: Hansen

lëderstein stM. Ort in Regensburg, an dem Leder verkauft wird (vgl. Heimpel, Gewerbe, S. 167f.; s.a. lëderloube ): aream Ratispone sitam, quę nomine vulgari Lederstain vocatur UrkRegensb 8 (a. 1161)

MWB 3,3 966,37; Bearbeiter: Hansen

lëderswale swF. ‘Lederschwalbe’, Bez. für die Fledermaus: in dem velde, dâ wir lâgen, / fliegen [Flugwesen] wir sâgen [sahen] / alse tûben unde lederswalen [vgl. volabant ibi et vespertiliones tam magni ut colombae (vgl. Anm.z.V. S 4598 in Lienert, Alex.] SAlex 5049. – Lit.: E. Schwenter, Eine eigentümliche Benennung der Fledermaus, in: Zs. für vergl. Sprachforschung auf dem Gebiete der indogerm. Sprachen 71 (1954), S. 95f.

MWB 3,3 966,42; Bearbeiter: Hansen

lëdervël stN. ‘gegerbte Tierhaut, Leder’ lewen hewt ist ir watt. / [...] / ir harnasch der ist hurnein: / da vor stend dicke scheybelein / geschlagen auff dy leder vel HvNstAp 2986

MWB 3,3 966,51; Bearbeiter: Hansen

lëdervrâʒ stM. ‘Lederfresser’, hier sprichw. vom Hund (vgl. lëder 1.4.1 mit Lit.): sô man den hunt wil senken [ertränken] , / man sprichet, er sî ein ledervrâz, / der doch nie keines gâz Sibote 387

MWB 3,3 966,55; Bearbeiter: Hansen

lëdic Adj., Adv. auch lidig (vgl. auch lîdic ). 1 ‘nicht gefangen oder verpflichtet, frei’
1.1 allg.
1.2 rechtssprachl. (vgl. auch 2.2 ; vgl. zum rechtssprachl. Sondergebrauch ausführlich DRW 8,832-845 und WMU 2,1106f.)
1.2.1 ‘unverheiratet, ledig’
1.2.2 ‘unehelich geboren’
1.2.3 ‘frei’ im Ggs. zu eigen (vgl. vrî )
1.2.4 ‘unverliehen, erledigt, frei’ (meist von lêhen )
2 ‘frei von etw., ohne etw. oder jmdn., von etw. oder jmdm. befreit’ (mit Gen. oder Präp. von , seltener ane, vor u.ä. bzw. mit Pron.-Adv.)
2.1 allg.
2.2 rechtssprachl. ‘von einer Verpflichtung, Schuld, Anklage o.ä. befreit, entbunden’ (von Personen oder Sachen; vgl. 1.2 mit Lit.)
3 ‘unbeschäftigt, untätig, müßig’
4 von Orten, ‘unbesetzt, leer, frei’
5 von der Zunge, ‘gelöst, ungebunden’
6 von Pferden, ‘ohne Reiter, reiterlos, ledig’
7 in rechtssprachl. Wendungen
7.1 ~ hûs ‘Offenhaus’ , befestigtes Gebäude, Burg, Turm u.ä., an dem ein Öffnungsberechtigter (z.B. der Lehns- oder Territorialherr) das Zugangs- und Nutzungsrecht (Öffnungssrecht) hat hûs 1.2.4 , zur Sache vgl. lëdichûs mit Lit.
7.2 ~ man ‘ligischer Vasall, Ledigmann’ WMU 2,1107 und DRW 8,853 s.v. Ledigmann mit zahlreichen Belegen; zur Sache vgl. 2 HRG 3,996f.
   1 ‘nicht gefangen oder verpflichtet, frei’    1.1 allg.: dâ inne [in der Festung] lâgen di man, / di Darius hete gevân [...]. / Alexander [...] lîz si alle ledic wesen SAlex 3578; si wurden ledic, dier dâ vienc Parz 100,20; swer den [ roc ] hiute an leit, / [...] / und mit dem tievel ist bevangen / [...] / sâ ze der selben stunt / wirt er ledic und gesunt Eracl 5308; ir sint ledig und mögent wol farn wann ir wollent Lanc 259,32; ich wil iuch beide lâzen [...] ledec gên NibB 251,1; ledic unde vrî UvZLanz 7665; all pœs rihter, die gelt nement von den schuldigen und lâzent die ledig umb daz unrain guot BdN 188,27; PrMd (J) 345,5; Volmar 668. – bildl.: die herte zestoͤret diu hilig stæticheit und zeloͤset diu bant der boͤsen gewonhait, daz der mensch gar ledich ist PrOberalt 5,30; daz ich minnen vrî werde und ein ledig man! SM: Te 8: 2,12; swie des mannes leben stât, / daz alter in niht ledic lât RvEBarl 1256. 15853; daz ledige gemüete vermac alliu dinc. [...] daz ist ein ledic gemüete, daz mit nihte beworren enist noch ze nihte gebunden enist Eckh 5: 190,6. 5: 275,10 u.ö.; BdN 234,12; Konr 19,79; KvHeimUrst 1795    1.2 rechtssprachl. (vgl. auch 2.2; vgl. zum rechtssprachl. Sondergebrauch ausführlich DRW 8,832-845 und WMU 2,1106f.)    1.2.1 ‘unverheiratet, ledig’ swer eines mannes wîp behuoret oder ledic wîp oder maget nôtzoget SpdtL 117,7. 91,16; sô verlîhe wir, daz man wertliche lûte mit ir ê oder ledich wesende zu der heimliche disses ordens entphâhe StatDtOrd 52,25; nôtig lidig man fröit sich doch mangen tag, / er sprichet: ‘ich mag mich einen sanft begên.’ / ach, nôtig man, kumst dû zer ê, / [...] / du kumst in nôt SM:Had 7: 1,3; PrBerth 1:128,18; Wernh A 1533. D 1699. – subst. (swMF.): hat erz [das Kind] aber bi einem ewibe oder bi einr ledigen vnd ist er selbe ein eman SchwSp 162b; ez sîn ledige oder êliute oder geistlîche oder werltlîche PrBerth 1:106,5. ~ wîp auch spez. ‘Hure, Dirne’ swan er wolde in diu lant / varn, sô gie er sâ zehant / ze den ledegen wîben. / diu kunden im vertrîben / die zît und ouch die stunt Fressant 51    1.2.2 ‘unehelich geboren’ man sol wizzen daz kain ledik chint niht geerben mak StRAugsb 149,20    1.2.3 ‘frei’ im Ggs. zu eigen (vgl. vrî ): nu ob ein wîp eines herren eigen ist, diu nimet einen man unde wirt bî dem eines kindes swanger, ir herre ist vrî, er læt si ledic, unde si wirt vrî SpdtL 133,19; vgl. bildl. vom Minnedienst: ob ich [Gawein] vrîheit ie gewan, / ir [Orgeluse] sult mich doch für eigen hân: / daz dunct mich iwer ledec reht Parz 523,29    1.2.4 ‘unverliehen, erledigt, frei’ (meist von → lêhen ): ledic sint dîniu lêhen. / du nemaht dînen hêrren / niemer nehain mære der von gesagen Kchr 5203; ein vorleiher hatte vorlihen ein lenschaft andern arbeitern, die er ledig fant drei lange schicht nach der saczung des rechten BgRIglau 455,19; der selb perg lag ledig und frei ein halb jar oder mer ebd. 498,35; das lehin duhtin alse swah / das er ez lidig lie zehant RvEWchr 32988; [sie] gaben mir uf mit gesamenoter hant die vorgenante lehenschaft lidig und lere in min hant UrkFreiburgGr 9,475 (a. 1280); UrkCorp 51,43. – überw. mit Dat. ‘(dem Lehnsherren) zur freien Verfügung’ begibet sich aver ein knabe über vierzehen jâr [ins Kloster] , der hât sich von lantreht unde von lêhenreht erlediget unde von erbeteil. sîniu lêhen sint dem herren ledic SpdtL 103,8; daz lêhen wirt dem herren ledic ebd. 119,7 u.ö.; wer solt iuwer man [Lehnsmann] sîn? / diu marke und ander lêhen mîn, / daz sî ledic iu benant Wh 179,13; swaz grozzer lehen als chunichriche, furstentuͦm, grafschaft, herschaft und die anders grozze lehen seint dem riche ledich werdent, die sullen wir bede [König Friedrich und König Ludwig] mit ein ander leihen und einer an den andern nicht MGHConst 6,1:73,14 (a. 1325); daz nâch des von Ortes leben / dem goteshûs sî ledic worden / Wehseneck nâch lêhens orden Ottok 26881. 27141; lâzet ein man ein guot hin umbe zins ze pflegenne [...], ze welcher zît der in dem jâre stirbet, sô ist ez den erben ledic SSpAug 226,4; NibB 2164,2; vgl.: des muoz ich unsælic man / ir lîp ir lant dir ledec lân Parz 213,28    2 ‘frei von etw., ohne etw. oder jmdn., von etw. oder jmdm. befreit’ (mit Gen. oder Präp. von, seltener ane, vor u.ä. bzw. mit Pron.-Adv.)    2.1 allg.: wis aller dîner swære / ledic unde wol gesunt KvHeimHinv 793; solcher învelle enmac man in disem lebene niemer ganz ledic werden Eckh 5: 231,5; ich wil von ir niht ledic sîn, / die wîle ich iemer gernden muot zer werlte hân MF:Reinm 9: 3,1; daz Îsôt dirre mære / ledic und âne wære Tr 11052. 15853; swelchem menschen der [Nieren-] stein nine breste von diser erzenîe, der wirt sîn nimmer ledich Barth 148,35. 153,14 u.ö.; swelch wip ein tot kint treit oder in dem libe hat, si trinke den bybos: si wirt sin ledec Macer 1,12; also ledich so er was von flaisclichen svnden, also fri was er von allem totlichen sere Spec 29,17. 15,20; StrKD 161,132; RvEBarl 14176; Parz 88,6. 521,1. daz si alle die ledich sagin ir sundin, die mit warir riwe zvͦ in chomin Spec 84,2    2.2 rechtssprachl. ‘von einer Verpflichtung, Schuld, Anklage o.ä. befreit, entbunden’ (von Personen oder Sachen; vgl. 1.2 mit Lit.): ist ein man sînem wîbe niht ebenbürtic, er ist doch ir vormunt, [...]. swenne aber er stirbet, so ist si ledic von sînem rehte unde behaltet reht nâch ir geburt SSpAug 133,12; und erteilt man den der klage ledic, ûf den diu klage dâ gienc ebd. 193,20; des eides sîs dû ledich Gen 962; ich laß uch alhie ledig uwer gelubde die ir mir gethan hant Lanc 187,23; myn herre konig Artus sol uch der manschafft wol ledig laßen ebd. 509,26; si wolten sînes zinses varn / vil gerne ledec unde blôz KvWSchwanr 1241; ist daz ein man stirbet unde gelten sol, unde læt niht hinder im dâ mit sîn wîp oder ander sîne erben von vergelten mugen, die sint des geltes ledic SpdtL 88,18; er ist ledic darane ebd. 211,17; NibB 860,3; Wh 465,30; vgl.: di weri [Wehrschaft] sal ste iar unde tac unde sal dan leidic [erledigt] si Mühlh 129,13. – ersparter Gen./Präp. (vgl. 1): ich wirde gegen iu bürge alsô, unde stirbe ich, ich wil daz mîne erben ledic sîn SpdtL 88,15; der sol des geniezzen und sol ledig sin, ob anders schaden niht davon kumen ist WüP 41,10; ledig und los ebd. 12,4    3 ‘unbeschäftigt, untätig, müßig’ er ne wolde niwit langer ledich sitzen, / er screib von grôzen witzen, / wande des mannis mûzicheit / zô dem lîbe noch zô der sêle nit ne versteit SAlex 29; VAlex 27; die frauwe zv tishe ginc. / [...]. / do man du vur si truc / von spise me danne gnvc, / vrouwe Medea ledic saz. / si entranc noch enaz; / von gedanken wart si manic gefar Herb 791; du solt ie des tages oder der naht únserm lieben herren gotte ein lidige stunde [Mußestunde] geben Mechth 6: 1,105    4 von Orten, ‘unbesetzt, leer, frei’ swanne ein brûder ûzen herbergen vert unde sihet er in der rotte eine ledige stat, die ime unde sînen bestien [Reittieren] gevûget, die mac er vâhen [einnehmen] StatDtOrd 111,42; das ellende ist noch ital und lidig, da ist nieman inne Mechth 3: 1,63; daz grab waz ledig und offenbar, / ein wißes duch und cleit, / do mit er ins grap wart geleit HvNstGZ 4236    5 von der Zunge, ‘gelöst, ungebunden’ ain ledig [ absoluta ] zung, die niht haft, wirt gehindert an der sprâche oft von pœser gewonhait BdN 14,33; vgl. 256,20    6 von Pferden, ‘ohne Reiter, reiterlos, ledig’ diu ros liefen ledic dâ, / als ein stuot wær ûz geslagen Wig 484; ein ledec ors gieng im bî Parz 342,12; Eracl 1523    7 in rechtssprachl. Wendungen    7.1 ~ hûs ‘Offenhaus’, befestigtes Gebäude, Burg, Turm u.ä., an dem ein Öffnungsberechtigter (z.B. der Lehns- oder Territorialherr) das Zugangs- und Nutzungsrecht (Öffnungssrecht) hat → hûs 1.2.4, zur Sache vgl. lëdichûs mit Lit.    7.2 ~ man ‘ligischer Vasall, Ledigmann’ → WMU 2,1107 und DRW 8,853 s.v. Ledigmann mit zahlreichen Belegen; zur Sache vgl. 2HRG 3,996f.

MWB 3,3 966,59; Bearbeiter: Hansen

lëdicgengære stM. ‘Müßiggänger’ hat eyn man vel gearueyt vnde ouele geeszen vnde gedruͦnken, vnde wert darna eyn ledig gengere vnde wol eszende vnde trynkende, so wert he gerne syech OvBaierl 14,3

MWB 3,3 969,28; Bearbeiter: Hansen

lëdic|heit stF. überw. ledikeit, ledekeit, auch leidikeit, lidekeit (vgl. auch lîdicheit ). 1 ‘Freiheit, Unabhängigkeit’
2 ‘Freiheit von weltlichen Dingen, Losgelöstsein’ (vgl. lëdiclich 1.3 ; s.a. abegescheidenheit )
3 ‘Freiheit von Aufgaben, Müßiggang’ (vgl. lëdic 3 ; s.a. lîdicheit )
4 ‘freie Zeit, Muße’
5 ‘außereheliche Affäre, Buhlerei’ (vgl. lëdic 1.2.1 )
6 rechtssprachl. die Verpflichtung des ligischen Vasallen (vgl. zur Sache 2 HRG 3,996f.; vgl. auch WMU 2,1103 und DRW 8,851 mit weiteren Belegen)
   1 ‘Freiheit, Unabhängigkeit’ dat von unsis herrin siden quam girunnin, / dat [l. des ] hat unsi gestlichi mudir giwunnin / alsi vrilichi leidikeit, / dat si nimmer under [überwältige] des duvilis bosheit WernhvN 403 (vgl. Anm.z.St. in: P. F. Ganz, Geistl. Dichtung, Berlin 1960, S. 101)    2 ‘Freiheit von weltlichen Dingen, Losgelöstsein’ (vgl. lëdiclich 1.3; s.a. abegescheidenheit ): daz ein mensche [...] einer lidiger friheit in ime enpfindet, die in uf inre lidikeit und uf usser friheit zúhet Seuse 474,11. 168,8. 296,29; do ime vor gruwelte, daz gelust im nu, also smochheit, ellende, einoͤte, lidekeit, indewendekeit, demuͤtikeit, verworffenheit, abegescheidenheit von allen creaturen Tauler 38,9; HvNstGZ 252; mit Gen.: daz er [der Geist] wonen sol ûzer al, daz ist daz er wonen sol in einer abegescheidenheit und in einer blôzen lidekeit sîn selbes und aller dinge Eckh (Pf) 600,34; diu sêle sol ouch haben rehte eine blôze ledikeit ir selbes und aller dinge ebd. 632,6. 366,27    3 ‘Freiheit von Aufgaben, Müßiggang’ (vgl. lëdic 3; s.a. lîdicheit ): uns hat gesaget alsus / ein buch daz heizit Ecclesiasticus: / wer da volgit der ledekeit / der kumpt is io in erbeit. / ledikeit ist allir schandin ort, / ledikeit machit sunde und mort [vgl. multam enim malitiam docuit otiositas Sir 33,29] Brun 4 u.ö.    4 ‘freie Zeit, Muße’ ir wâren vile di da quâmen und gîngen wider, daz si nicht ledikeit hatten zuͦ ezzine [ et nec manducandi spatium habebant ] EvBeh Mc 6,31    5 ‘außereheliche Affäre, Buhlerei’ (vgl. lëdic 1.2.1): der selben frouwen was daz leit, / daz ir man ze ledekeit / zwei wîp hete gesazt ze hûs. / [...] / swan er wolde in diu lant / varn, sô gie er sâ zehant / ze den ledegen wîben. / diu kunden im vertrîben / die zît und ouch die stunt Fressant 42    6 rechtssprachl. die Verpflichtung des ligischen Vasallen (vgl. zur Sache 2HRG 3,996f.; vgl. auch WMU 2,1103 und DRW 8,851 mit weiteren Belegen): vnde hant si selue gut wider intfangen van mir ze rechter ledicheit also, det he vnde sine nacomelinge mine ledige man dan aue sulen sin, die wile ich leuen UrkCorp (WMU) 111,28; illo iure feodi, quod vulgariter lethicheit dicitur DRW 8,851 (Gudenus,CDMog.; a. 1233)

MWB 3,3 969,33; Bearbeiter: Hansen