lëberensiuche
stF.
‘Leberkrankheit’
di alrune gestossen unde genutzet ist gut vor di vergift. si
ist ouch guͦt genutzet wider di lebernsuche Macer
62,4.
13,9.
12,20
MWB 3,3 954,6; Bearbeiter: Hansen
lëberhüle
stF.
‘Leberhöhlung’, ein Teil der Leber:
sima: leberhuͤli, leberhúli [vgl. lat. Erl. (Hs. 15. Jh.):
est interior et concaua pars epatis
]
VocOpt
1.101
MWB 3,3 954,10; Bearbeiter: Hansen
lëberkrût
stN.
eine Pflanze, gemeint wohl ‘Leberblümchen’ (vgl. Marzell 1,271f. und Hwb.
dt. Abergl. 5,985; vgl. auch AWB 5,710):
epatica: laͤberkrut, leberkrut VocOpt
50.121;
epatica: lebercrut Gl
3:555,43
MWB 3,3 954,14; Bearbeiter: Hansen
lëbermer
stN.
auch laber-, lawer-.
‘Lebermeer’, legendäres Meer, in dessen geronnenem Wasser Schiffe
steckenbleiben (zu
1liberen
‘gerinnen’, vgl. DWB 6,463 mit Lit.; s.a.
klëbermer
):
diu richeit gen dem leber mer si wanden, / dar inne was alsam ein walt von
kielen gar gestecket und gestanden JTit
6107,3;
de lebirmere [Überschrift] . ein mere ist giliberot
[geronnen] , / daz ist in demo wentilmere westerot
Merig
10(Überschr.);
ein sturm groz sich gegen in truc, / dannen er den kiel sluc / rechte gegen
dem lebermer Brandan
293;
in daz wilde leber mer / wil ich vil balde senken mich
GTroj
13214;
Lucid
38,8;
Wig
8595;
Wh
141,20;
Wartb (H)
571:18,2;
ErnstD
3210;
ErnstB (W)
3935.
– bezogen auf das Rote Meer (wohl unter pseudoetymol. Anlehnung an
lëbere
stswF.):
Israhelites liute / die wâren in vil triute / [...];
/ der fuorten sie ein michel her / rehte durch daz lebermer, / als ez wære trucken
lant LBarl
2523;
die alle sturben âne wer / in dem rôten lebermer
RvEBarl
10436.
– bildl. und im Vergleich:
Maria, muoter unde maget, / diu sam der morgensterne taget /
dem wiselosen armen her, / daz uf dem wilden lebermer / der grundelosen werlde
swebet KvWGS
142;
du vil lihter merestern, / lait zuͤ land dein armez her / daz swebt uf dem
lawer mer Blümel
208;
dô wir armen weisen / in des tôdes vreisen / wâren versigelt mit her / ûffe
der sunden lebermer Kröllwitz
1343;
JvKonstanz
1738;
RvZw
233,6.
– als ferner Ort:
wer der ungetöften unz an daz lebermer, / mit vierzig brüdern küne bin ich in
ein her WolfdD (H)
950,1;
waz über alles leber mer / der besten ist, on alle wer / tünd
sy dir ir helff erkantt GTroj
13907.
– Lit.: M. Przybilski, Kulturtransfer zwischen Juden und Christen,
Berlin/ New York 2010, S. 191–206
MWB 3,3 954,19; Bearbeiter: Hansen
lëbersiech
Adj.
‘an einer Leberkrankheit leidend’
swer swere edemt oder kichet, der nutze nepitam mit wine: is
hilfet. si hilfet mit wine, swer lebersich ist Macer
11,14.
– subst. ‘Leberkranker’
di wurzel gesoten mit mulsa hilfet getrunken den milzensichen.
das selbe ist gut dem lebernsichen Macer
27,4.
49,5
MWB 3,3 954,55; Bearbeiter: Hansen
lëbersiechtuom
stM.
‘Leberkrankheit’
ez ist gut [...] fur di wazzer
sucht. vnde fur den leber sichtum SalArz
97,28
MWB 3,3 954,62; Bearbeiter: Hansen
lëbersol
stF. , lëbersole
swF.
eine Speise, genauere Bed. und Etymologie des Grundwortes unklar,
viell. ‘sauer eingelegte Leber’ (vgl. Übers.z.St. in KgvOdenw )
oder ‘Leberkloß’ (vgl. Anm. z.St. in KgvOdenw (B) , S.
313):
von in [den Schweinen] kuͤment lebersoln, /
gefuͤllet und gebroten KgvOdenw
9,8;
do man ezzens gedahte [in dem hölzernen Land] , /
schire man dar brahte / benke vnde sidelen, / rotten vnde videlen / in einer gvten
lebersol Wachtelm
102
MWB 3,3 955,1; Bearbeiter: Hansen
lëberstein
stM.
ein Mineral, wohl ‘Leberkies, Markasit’ (vgl. AWB 5,698 mit Lit. und
weiteren Glossenbelegen):
iz brocht her kiez und spat, /
[...], / dar nach bracht er leber steine Erz
III
56,316;
leberstein Gl
3:489,25
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 3,3 955,11; Bearbeiter: Hansen
lëbersühtic
Adj.
‘leberkrank’ (hier nur subst.):
salvia heiset in chriesch lelysfagus. di ist gut getrunken den
lebersuchtigen mit mulsa Macer
19,2;
daz selbe hilfet den lebersuchtigen ebd.
38,18.
28,10.
52,8
MWB 3,3 955,16; Bearbeiter: Hansen
lëberwurst
stF.
‘Leberwurst’ (vgl. AWB 5,697 mit weiteren Glossenbelegen):
leberwuͤrste heiz, / und wurste vom brot KgvOdenw
9,16;
lucania: leberuvrst Gl
4:216,10
MWB 3,3 955,21; Bearbeiter: Hansen
lëbesite
stM.
‘Lebensweise’
ich treib ouch eteswenne / alsus getâne lebesite
Tr
16921
MWB 3,3 955,25; Bearbeiter: Hansen
lëbetac
stM.
→
lëbetage
MWB 3,3 955,27;
lëbetage
swM. , lëbetac
stM.
st. Pl. -tage.
1
‘Lebenszeit, Lebtag, Leben’
2
‘Lebenstag’ , nur im Pl. i.S.v. ‘Lebenszeit, Lebtag,
Leben’
3
‘Lebensunterhalt’
1
‘Lebenszeit, Lebtag, Leben’
leider nu vindet man vil lúte in geistlichem schine, das sú
allen iren lebetagen von irre kintheit untz uf ir alter alles uf in selber stont in
sinnelicher wisen Tauler
119,29;
herre got, nû verende / zehant mînen lebetagen, / wan ich mac lenger niht
vertragen / des sêres des ich bin überladen Flore (P)
1219;
der tot vnde der lebitach PrGeorg (Sch)
2,189;
ist er worden frî / des lîbes und des lebetagen KvWPart
6399.
9793;
sol niht mîn sender lebetage / mit freuden sich verenden, / wie muoz ich
tougen swenden / sô jæmerlichen mîniu jâr! KvWEngelh
2192;
KvWTroj
4597.
14443
u.ö.;
KvWPant
1885.
1637;
KvWAlex
54;
KvWSchwanr
1203;
Seuse
210,9.
– bildl.:
wan ez im an den abent gie / des lebtagen
SHort
1916.
3527;
du [Maria] bist ein fiur des
lebetagen, / da sich der fenix inne / von altem ungewinne / ze fröuden wider
muzete KvWGS
364;
KvWTroj
19321;
KvWLd
32,278
2
‘Lebenstag’, nur im Pl. i.S.v. ‘Lebenszeit, Lebtag,
Leben’
so verzúhet doch got die smeklichen bevintlicheit des
grundes manigen guͦten luteren menschen vor alle sine lebtage Tauler
318,1.
268,25;
also teilit man dez menschen lebtage in vier. daz erste ist
die kintheit, iugent, manheit unde daz alter MNat
9,23;
si wurden ot nie holt / bî allen ir lebtagen
[zu ihren Lebzeiten]
Ottok
36598
u.ö.
3
‘Lebensunterhalt’
vnde da von wirt von vns gesezzit dir andir leptag mit grozen
vorchton [
et ideo cum aliqua scrupulositate a nobis mensura
victus aliorum constituitur
]
BrEng
40;
die [
brust
] souc der
junge süeze knabe / und hete sîne genist dar abe / und den lebetagen sîn
KvWTroj
541.
– übertr.:
si kerte sich zu der linken siten und kuste ouch den munich und gap ime
Jesum Cristum, ir vrowede und ir lebetage HlReg
80,33;
miner selen lebetage ebd.
78,22
MWB 3,3 955,28; Bearbeiter: Hansen
lebezeltære
stM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565 s.v. Lebkuchen);
auch letzelter, lebzeltar.
‘Bäcker von Honigkuchen, Lebkuchenbäcker’ (als Bestandteil von
Personennamen; vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 104 und Matzel, Wortschatz,
S. 188 mit Lit.):
Oͤttel der lebzelter UrkRegensb
745
(ca. 1325-1350);
Oͤttel letzelter ebd.
756;
Cvͦnrat der lebzelter UrkCorp
1708,26;
Cvͦnrad der junge lebzeltar von Vlme ebd.
3265,9
MWB 3,3 956,1; Bearbeiter: Hansen
lebezelte
swM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565 s.v. Lebkuchen);
auch libenzelt.
‘Honigkuchen, Lebkuchen’ (vgl.
lëbekuoche
):
libum: libenzelt, lepkuͦch VocOpt
13.209;
eines lebcelten si im truͦc / und guter wrcen genuͦc
StrKD
136,45;
lebzelten, [...] wildes gewuͤrtz
und ander dinch, daz uͤnser chramer nicht vail habent StRMünch
457,14.
222,20
MWB 3,3 956,11; Bearbeiter: Hansen
lëbezuht
stF.
‘Lebensunterhalt’ (vgl. DRW 8,828):
mit ir selbes handen / di frouwe ir lebezuht gewan, / dar umme si mit flize
span / alse ein armes uzer diet Elis
6975.
5893
MWB 3,3 956,19; Bearbeiter: Hansen
lëbic
Adj.
hier md. levic.
‘lebendig’
daz testament blîbt êwic / ein vestenunge lewic, / daz
himelrîches erbe [vgl. eterni testamenti i. e. firmitatis eterne
hereditatis (Ferber 38,12)]
JvFrst
2146.
– von Wasser (vgl.
lëbendic
1.4; hier bildl.):
suze Jhesus, geruche uns hie bewaren, / dat wir zuͦ dir dare muͦzen varen, /
da wir dich den levigen burnen / sin [sehen] bit
[mit] deme ewige lihte burnen Lilie
45,23
MWB 3,3 956,23; Bearbeiter: Hansen
lëbs, lëbse
stswMF.
→
lëfs
MWB 3,3 956,32;
Lech
stM.
der Fluss Lech bzw. (auch im Pl.) die verschiedenen Kanäle, die aus dem Fluss
durch Augsburg geleitet werden:
wie weyt die Lech sein
süllen [Registereintrag]
StRAugsb
3,8;
swer ein gantzetz holtz her in die stat bringet ouf den
Lechen, der sol daz niht langer in den lechen lazzen wan untz an den dritten tak nah
mittemtage ebd.
47,33;
daz man diu laeubline [Fäkalien]
niwer an zwaien steten in den Lech tragen sol ebd.
71,24;
am Leche ebd.
292,13
u.ö.
MWB 3,3 956,33; Bearbeiter: Hansen
lëch
Adj.
‘faul, morsch’
der boum vellet und wert so lech / daz is vervulet als eyn
mist Hiob
5434.
– unklar:
sine knorpelbeyne lech / sint als yserine
blech [
cartilago illius quasi lamminae ferreae Iob
40,13]
Hiob
14803
MWB 3,3 956,43; Bearbeiter: Hansen
lëch (?)
Subst.
unklar, vgl.
lëch
Adj. (oder Verschreibung aus →
bëch
stN. ‘Pech’?):
ahzic ritter, [...], / junc unde starc, des lîbes
frech. / und grôziu ros swarz als ein bech [Hs.
lech
]
Reinfr
414
MWB 3,3 956,48; Bearbeiter: Hansen
lechære
stM.
→
lechelære
MWB 3,3 956,52;
lechelære
stM.
auch lechere.
jmd., der lächelt; bes. von verstelltem Lächeln i.S.v. ‘Schmeichler,
Speichellecker’
mich griulet, sô mich lachent an die lechelære [La.
lechere
] , / den diu zunge honeget und daz herze
gallen hât Walth
30,12;
lecheler mit valschem munde / hânt lützel triuwe in herzen grunde
Renner
3587;
valsche lecheler ebd.
1137.
– als Bestandteil von Personennamen (vgl. WMU 2,1102 und
lechelærinne
):
Walther der Lecheler UrkCorp (WMU)
438,14.
N549,40
MWB 3,3 956,53; Bearbeiter: Hansen
lechelærinne
stF.
‘Ehefrau des
lechelære
’ (als Bestandteil von Personennamen;
vgl. WMU 2,1102):
vron Lv̓ggart der Lechelerin UrkCorp (WMU)
N549,2
MWB 3,3 956,63; Bearbeiter: Hansen
lechelen, lecheln
swV.
‘(falsch, verstellt) lächeln’
der dâ kan lecheln und liegen / und mit valscher süeze triegen
Renner
3591;
swer friuntlich lechelt / gein uns und uns den rücke hechelt / mit maniger
untriuwe hagedorn ebd.
15089;
das scorpio, das lechelet vornan und smeichelet mit dem
munde und hinden stichet es Tauler
282,29
MWB 3,3 957,3; Bearbeiter: Hansen |