lasterbërnde
Part.-Adj.
‘schändlich’
disú werendú ding wil ich ellú liden und wil sú got fúr
min lasterberend súnd opfren Seuse
73,6
MWB 3,3 904,55; Bearbeiter: Richter
lasterbier
stN.
‘Schandbier’ (zur Deutung vgl. Anm.z.St.):
daz lasterbier im selben tugende briuwet. / daz bier sich selben niezen muoz.
/ zehant diu schande ir breiten vuoz / setzet Litschauer
1:6,5
MWB 3,3 904,58; Bearbeiter: Richter
lasterblëch
stN.
‘Schandblech’
ein lasterblech daz heizet un [die Vorsilbe
un-
] , / daz durch tiutschiu lant nu gêt / und vorn an
manigen worten stêt, / der lop ez nidert unde swachet / und ez gar ze nihte machet
Renner
9200;
alein nu klebe diz lasterblech / an manigen worten als warmez bech ebd.
9226
MWB 3,3 904,63; Bearbeiter: Richter
lasterbürde
swF.
aufgrund von Schande oder Vergehen auferlegte Belastung:
sy [die Gottlosen, Ungerechten]
dachten ir laster burden / also blyben [dass ihre laster
burden ausbleiben würden] und nicht wurden / gepyneget
von gote hy Hiob
9043
MWB 3,3 905,6; Bearbeiter: Richter
lasteren, lesteren
swV.
auch leistern (
Lilie
71,197
).
1 tr. ‘an der Ehre kränken, in Schmach bringen’
1.1
‘jmdn. schmähen, beschimpfen, entehren’
1.2
‘etw. schelten, tadeln, kritisieren,
schlechtreden’
1.3
‘etw. (eine Stadt) schänden, bezwingen’ (?) 2 intr. ‘schändlich verfahren mit/ an jmdm.’
3 Part.-Adj. in der Verbindung gelastert hûs , mit
laster versehenes Haus, ‘Bordell’
1
tr. ‘an der Ehre kränken, in Schmach bringen’
1.1
‘jmdn. schmähen, beschimpfen, entehren’
betet vor dy dy uch lasteren
[
benedicite maledicentibus vobis Lc
6,28]
EvBerl
126,16;
swer mir mîner êren gan, / der sol mir râten niht daz ich / flühtic rît,
dâ von man mich / lastert und unêret PleierMel
5475;
ist aver, daz der ein swert [...] zeucht oder wil
etzswen lastern oder laidigen, der selb [...] beleibt
dem richter ein pfunt pfenning schuldig; aver gen dem den er lastern oder
laidigen wolt, sol er sich mit seinem aid bereden StRWienerNeust
32;
UrkCorp (WMU)
93,12;
ich wil uch rechen an dem ders uch gethan hat, ist es ein
solch man das ich yn mit eren dot slagen mag, so das ich mich selb da mit nicht
lester Lanc
127,9;
swig, du lesterst got Tauler
293,4;
Eckh
2:540,60;
EvBeh
Mc 15,32.
– mit präp. Erg.:
ez ist ein spot und ein mein, / daz si als guote
knehte / wider ritter rehte [dass sie so gute Kerle gegen das
ritterliche Recht] / gelestert und gehœnet hânt
UvZLanz
6473
1.2
‘etw. schelten, tadeln, kritisieren,
schlechtreden’
dô si etlîche gesâhin ûz sînen jungeren mit gemeinen henden, daz ist mit
ungetwaginen [ungewaschenen] , brôt ezzin, si
lesterten iz EvBeh
Mc 7,2;
ein ding lester ich an dir: das du so treg bist zu rechen
einen den meysten schaden der dir ye geschah sitther das du geborn wúrt
Lanc
47,24;
welch man getruwe ist der sol synem herren alles das wol
lastern das wiedder sin ere ist ebd.
532,11;
LBarl
9510;
ArnoltSieb
59,9
1.3
‘etw. (eine Stadt) schänden, bezwingen’ (?):
das uns der konig so groß hilff dete das diße stat mit
gnaden bliebe und mit eren, wann sie nye gelestert wart noch gebrochen
Lanc
378,20
2
intr. ‘schändlich verfahren mit/ an jmdm.’
do si wurdent des in ain / daz si Heroden schanten, / si hoh
botten santen / dem kunig von Arete, / daz er gelestert het / an siner tohter
SHort
3264
3
Part.-Adj. in der Verbindung gelastert hûs, mit
laster versehenes Haus, ‘Bordell’
drie schone tochtere hete er da, / die wold er durch sin arm leben / in ein
gelastert hus geben. / da solden si mit unvlat / gewinnen gut, daz was sin rat, /
des er von armut queme Pass III
8,6
MWB 3,3 905,12; Bearbeiter: Richter
lastergief
stM.
‘schändlicher, lasterhafter Tor’
seht, do so der laster gief [Lucifer] / viel in daz
abgrunde tief, / uz ichlichem kore hoch / hin zu grunde er ie czoch / mit im den
zenden engel TvKulm
181
MWB 3,3 905,57; Bearbeiter: Richter
lasterhuot
stM.
Kopfbedeckung, die als Zeichen der Schande verwendet wird (vgl. SchweizId 2,1788
mit jüngeren Belegen):
undankbæri wirt niemer guot, / si treit ûf ir den lasterhuot
Boner
47,124
MWB 3,3 905,62; Bearbeiter: Richter
lastericlich (?)
Adj., Adv.
→
lasterlich
MWB 3,3 906,3;
lasterkêr
stM.
Hinwendung zu dem, was Schande bringt:
gewalt bî grôzem guote, liut bürge und dâ bî lant, / lîp kraft
schœn unde kleider, / swer der genuht iht hât, / in des verschamten muote / man
lasterkêr ie vant KLD: Kzl
1: 2,6
MWB 3,3 906,4; Bearbeiter: Richter
lasterkleit
stN.
‘Kleidung der Schande’ (übertr.):
diu gîtikeit [...] stichet als ein nâdel / durch al
des menschen sælikeit. / sî ist ein sunder lasterkleit, / swâ sî die hôhen fürsten
tragent, / od die nâch dheinen êren jagent HvBer
6341
MWB 3,3 906,9; Bearbeiter: Richter
lasterkôsen
swV.
‘lästern, blasphemisch reden’ (übers. lat. blasphemare):
und seht etlîche von den scrîbêren sprâchin in en: ‘dirre lastirkôsit.’
EvBeh
Mt 9,3;
alle sunde werden vorgebin den sunen der menschen und lastirkôsunge mit den si
habin gelastirkôsit ebd.
Mc 3,28.
Mc 3,29.
Mt 26,65
MWB 3,3 906,14; Bearbeiter: Richter
lasterkôsunge
stF.
‘(Gottes-)Lästerung, Blasphemie’ (zur Übers. von lat.
blasphemia):
darumme sage ich ûch daz alle sunde und lastirkôsunge werden vorgebin den
lûten EvBeh
Mt 12,31.
Mt 26,65.
Mc 3,28
MWB 3,3 906,20; Bearbeiter: Richter
lasterlappe
swFM.
ursprünglich ein Stoffstreifen, den Prostituierte zur Kennzeichnung tragen mussten
(vgl. Kühnel, Kleidung, S. 204; Schiller/ Lübben 4,45); hier in der Wendung
lasterlappen ane slâhen (mit Dat.d.P.) ‘jmdm. übel nachreden, über
jmdn. lästern’
swer wöllte wesen ir [
muotwilliger
herren
] cappellân, / der slahe laster lappen an / allen den,
die er gesiht: / man ahtet ze hofe sîn anders niht Renner
618
MWB 3,3 906,25; Bearbeiter: Richter
lasterlëben
stN.
‘schmachvolles, verwerfliches Dasein, Lasterleben’
mochte wir an gote / noch genade vinden, / wir wolden gar
erwinden / von dem laster lebene / und uns vurwart ebene / in sime gebote halden
Pass I/II (HSW)
15863
MWB 3,3 906,34; Bearbeiter: Richter
lasterlich, lesterlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lichen;
auch lasterclich (
Roth
2015,
unklar, ob Verschreibung oder Bildung auf -iclich).
1
‘schändlich, schmachvoll, Schande bringend/ mit Schande
behaftet’
2
‘schmähend, lästerlich’
3
‘sündig’ (oder zu 1 ?) 4 zur Übers. von lat. terribilis
1
‘schändlich, schmachvoll, Schande bringend/ mit Schande
behaftet’
er swôr bî sînen rîche, / daz er vil lasterlîche / Alexander
wolde vâhen / und ûf einen ast hân / und scantlîche nemen in daz leben
SAlex
1932;
daz ist ein lasterlich geschiht UvZLanz
3520;
zwâre, ê ich ir laege lasterlîchen bî, / ê liez ich mich
schern unde villen [schinden, quälen]
MF:Reinm
64: 4,3;
manige under yn kerten den rúcke und flohen lasterlichen
wiedder gegen ir pavilune Lanc
271,28;
her mvͦz an den stuͦnden / sterbin lestirliche
TrSilv
576;
StrKD
57,125;
KvHeimHinv
225;
Lanc
190,28;
Herb
6947;
Er
120
2
‘schmähend, lästerlich’
swer dem andern lesterliche scheltwort sprichet, der sal die
stat rumen in achte tagen einen manden uz ze sine und nicht naher ze kuͦmene bi drin
milen WüP
7c,2;
sîn ros er lesterlîche schalt UvZLanz
2051;
Parz
447,26;
HvBurg
439;
die iu des jehent, daz der wint / got heize oder wese got: /
daz ist ein lasterlîcher [gotteslästerlicher,
blasphemischer] spot RvEBarl
9548;
der hy so gar unebene / rede vuret wider got / und ubertrytet
sin gebot / mit sinen worten lesterlich, / uf sin vertumen ewiclich / der selbe wirt
gerichtet dort Hiob
13075.
5980;
PrGeorg
36,4;
UrkCorp (WMU)
N238B,31
3
‘sündig’ (oder zu 1?):
frashait, lasterleiche untugent, / wie du swachest die jugent
HvBurg
201;
wir sculen auer uehten wider den lasterlichen sunden
Spec
126,6;
LBarl
13759;
daz diniu scâf geistlich wuͦcher bringen. daz fleisklich noch
lasterlich nesi JPhys
17,29
4
zur Übers. von lat. terribilis:
daz lesterlich übele ThvASu
60,7
MWB 3,3 906,39; Bearbeiter: Richter
lastermâl
stN.
1
‘Schandfleck, (Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâse
u. -meil ) 2
‘Fehler, Sünde’
1
‘Schandfleck, (Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâse
u. -meil):
sint zwô guote / frowen wol gemuote, / si ist diu vierde; / sint ir tûsent, si
ist ir eine, / der nie laster mâl an schein, / das ist rîch zimierde Rumelant
(R)
13:3,16;
czwischen czwene mörder hart / an daz crucz genegelt er wart / im czu eime
laster mohl TvKulm
4511;
die frowen selbe hânt sich in / diu lastermâl geworfen Reinfr
16885;
Boppe
1:4,8;
WhvÖst
13912.
– etw., das Schande verursacht:
nu wil ich dulten sînen haz / und wil iuch herren lêren daz / wie man den
lôser vinden mac: / in sînem munde swebt ein strâl [Pfeil, hier
bildl. für die Zunge] / mit geluptem
[vergiftetem] lastermâl; / der schuz ist giftrîch
und ir slac KLD: Alex
2:2,11
2
‘Fehler, Sünde’
[er] wanderte willeclich / in iren lastermalen
[
in maculis eius ambulat Iob
18,8] , sich, / also daz er ging wandern / von eyner sunde zu der
andern Hiob
7272.
4287;
sechse sint der lastermol / di versniden sal der stol: / ougen di hoe vligen,
/ und czungen di jo ligen, / und hende di verterben / unschuldic blut und sterben, /
und di vuze di gar snel / sint czu bösen dingen hel TvKulm
2751.
2766
MWB 3,3 907,10; Bearbeiter: Richter
lastermære
stN.
‘schändliches Gerede’
sînen lantvürsten clageter daz, / wie er beswæret wære / mit
disem lastermære Tr
15328
MWB 3,3 907,33; Bearbeiter: Richter
lastermâse
swF.
‘(Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâl
u. -meil):
lastermasen er nie gewan, / er ist an allen enden / gar ane valsch unde ane
meil FvSonnenburg
60,9;
ouch wart der herre tugenthaft / mit lastermâsen nie bezigen
Reinfr
12519;
kuͤnge, fuͤrsten, graven wert, / dienstherren, dienstman,
kainr gert / wuͤrken laster masen werch WhvÖst
17781;
an den gebruͤdern baiden / ist laster mase verwischet: / ir
hohes lob erfrischet / swaches lob, und wær ez ful ebd.
18613;
KvWTroj
34280
MWB 3,3 907,36; Bearbeiter: Richter
lastermeil
stN.
‘(Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâl
und -mâse):
ein historje [...] / von einem ritter hôchgemuot, /
der nie lastermeil gewan KvWPart
231;
schame ist allir dinge togunt, / schame hat an allir ere
teil, / schame kan decken lastermeil Brun
2686
MWB 3,3 907,47; Bearbeiter: Richter
lastermunt
stM.
‘Lästermund, Schandmaul’
sin [Judas’] laster muͤndes vach /
riet nieman lutzel gudes HvNstGZ
2462
MWB 3,3 907,53; Bearbeiter: Richter
lasternôt
stF.
‘schmachvolle, bedrängende Lage; große Schande’
laydes was er alles vol / und schamte sich der laster not. /
er wolt im selber tuen den dot HvNstAp
8660
MWB 3,3 907,56; Bearbeiter: Richter
lasterpîn
stM.
‘Schmerz, Leiden aufgrund von Schande’
vrouwe, lât mir den lasterpîn, / ich sol in billîchen haben. ich wolde lebende
sîn begraben UvTürhTr
1808
MWB 3,3 907,60; Bearbeiter: Richter
lasterrüege
M.
sprechender Name für einen moralisierenden Dichter:
ich weiz noch zwên ungefüeg, / den Argenhaz, den Lasterrüeg. / und der
Êrenknolle, / wînes der volle! Helbl
2,1372.
– Lit.: G. Wolf, Die Kunst zu lehren, Frankfurt a.M. 1985, S.
100f.
MWB 3,3 908,1; Bearbeiter: Richter
lastersac
stM.
Schimpfwort für eine Person, die voller Schande ist (vgl.
lastervaʒ
):
du [
wyp mit geteilter
mynne
] bist der schanden laster sak Minneb
4016;
der lip spricht: [...] minen lip
ich selber minnen wil; / was mag dem bessers gesin, / denn guͦtú mursel und starker
win? / antwurt der ewigen wisheit: o du boͤser lastersack, / din lon ist boͤs und
ungesmack Seuse
399,2
MWB 3,3 908,7; Bearbeiter: Richter
lasterschame
stF.
‘Schmach, Schande’
si sollent [...] / iren namen laessen
vinden / altzyt aen laster schame, / so wert gecroent ir werde name MinneR
481
695
MWB 3,3 908,15; Bearbeiter: Richter |