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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lantman - lantroubære    


lantman stM. Pl. i.d.R. lantliut(e), selten lantmanne. 1 ‘Bewohner eines Landes, Mann aus einem Land’ (vgl. lantgeselle , lantgenôʒ , lantvrouwe , lantwîp )
1.1 ‘Einheimischer, Einwohner’
1.2 ‘(jmds.) Landsmann’ (z.T. mit Poss.-Pron.)
1.3 als Mitglied des Gerichts ‘Dinggenosse, Urteilsmann’ (vgl. DRW 8,505f. [I.3] mit weiteren jüngeren Belegen)
1.4 regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer Landsgemeinde (zur Sache vgl. 2 HRG 3,591ff.)
2 ‘Mann vom Lande, Landbewohner, Bauer’ (z.T. in betontem Ggs. zur Stadt)
   1 ‘Bewohner eines Landes, Mann aus einem Land’ (vgl. lantgeselle , lantgenôʒ , lantvrouwe , lantwîp )    1.1 ‘Einheimischer, Einwohner’ patriota: lantman SummHeinr 1:305,527. 2:25,518 (vgl. AWB 5,633 mit weiteren Belegen aus dem 12.–14. Jh.); der lantman mit dem gaste / von strite liten groz arbeit Rennew 30062. – nicht immer scharf abgrenzbar sind Aspekte von ständischer Zuordnung und Gefolgschaft: gezimirt was der lantman mîn, / daz nie kein ritter umb den Rîn / gezimirt wart für wâr nie baz UvLFrd 208,29; jst aber, daz ich oder mein erben [...] den benanten dinst nicht dienent, so sol mir [...] wandel vnd pvezz dar avf gen als ainem ainvaltign lantmann UrkCorp (WMU) 2544,38. – in Verbindung mit mâc ‘Gefolgsmann/  Landsmann oder Verwandter’ (hierher oder zu 1.2 , vgl. man 4): dô im nieman kunde gesagen, / weder lantman noch der mâc, / wâ Lanzelet del lac / in der welte wære UvZLanz 5577; ez wære lantman oder mâc Parz 434,14; RvEAlex 1535; unde vindet man niht irs vater mâge, so gebe man in einen ir muoter mâge oder einen getriuwen lantman SpdtL 127,5; StRAugsb 129,21    1.2 ‘(jmds.) Landsmann’ (z.T. mit Poss.-Pron.): lieber lantman, sprach er, / [...] / ir sît mir liep durch daz lant / danne wir beide sîn geborn StrAmis 1665; diu bat in ie genôte, / daz er im êre bære, / wan er ir lantman wære Tr 13152. 3935; gein Bactrâ / dar dehein dîn lantman / künde nie hin gewan RvEAlex 11463. 1075; verwirfet der Swâp des Sahsen urteile oder der Sahse des Swâbes, die sullen si für den künic ziehen; alsô tuo ein ieglîch lantman dem anderm SpdtL 199,25    1.3 als Mitglied des Gerichts ‘Dinggenosse, Urteilsmann’ (vgl. DRW 8,505f. [I.3] mit weiteren jüngeren Belegen): swer sîn kint niht ziehen kan, / daz ziuht vil lîhte der lantman Freid 108,14; homines iudiciales [...] vulgariter dicitur lantmanne DRW 8,505 (PublRhG. 38,1; a. 1332); vur deme lantmanne und deme gerichte UrkGerKöln 390 (a. 1349)    1.4 regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer Landsgemeinde (zur Sache vgl. 2HRG 3,591ff.): dc enkeiner vͥnser [des Kantons Schwyz] lantman sinem wibe mache me danne halbes sin gvͦt UrkCorp (WMU) N613,38    2 ‘Mann vom Lande, Landbewohner, Bauer’ (z.T. in betontem Ggs. zur Stadt): do macht er [der verlorene Sohn] sich zu ainem der da lantman waz, der sant in auf ainen sinen hof, daz er siner swin huͤt PrOberalt 64,34; dem keiser er warten solde / und solde sîne hulde hân, / er wær bürger oder lantman ErnstD 1418; Rennew 6154; wer es ouch das dehein lantman deheinem unsserm ingesessenen oder ussgesessenen burger soliche dinge verschribe UrkStraßb 4,2:143,36 (a. 1322) u.ö.; UrkCorp (WMU) 1100A,43. 1671,6; Ernsten saget ein lantman, / daz grôzer walt und vinster tan / an irem wege wære / und ungeverte swære ErnstD 4193. – phras.: ein altez sprichwort, / der lantman sî der wege wîs Ottok 22278

MWB 3,3 876,28; Bearbeiter: Diehl

lantmannen swV. ‘zum → lantman machen’ werdunt si [Söhne eines goteshûsman ] aber gelantmannot, als dz su sich geschident vnd dz gut teillunt WeistGr 1,312 (a. 1344); sint aber du kint gelantmannot, ald usgen, ald usgescheiden, ald beraten, so teilt eine mit dem andern nut ebd. 1,314 (a. 1344). 4,493 (a. 1383)

MWB 3,3 877,25; Bearbeiter: Diehl

lantmære stN. ‘im Land umgehende Nachricht, öffentliches Gerede, Gerücht’ (vgl. lantschal ): nu was ein lantmære, / daz grôz urliuge wære / zAlmânje in dem lande Tr 18443; daz er eteswaz bevünde, / waz der lantmære / von sîner vrouwen wære ebd. 18607. 8914. 9540; swî gar ich unschuldech pin, / swenne ich mich sazte wider in, / so wuͤrde ein lant mære, / daz ich vil schuldech wære StrKarl (S) 11321; RvEWh 8859

MWB 3,3 877,32; Bearbeiter: Diehl

lantmarke stF. (vgl. 1marke ) 1 ‘Grenze eines Landes’
2 ‘Gegend, Region, ein von lantmarken abgegrenztes Gebiet’
   1 ‘Grenze eines Landes’ da sint gelegin nahe bi / die berge montes Riphei / und Danais ein wazzir groz, / des fluz die lantmarke undervloz RvEWchr 2201; ez sol niemen dhein vich chauffen, daz er ez auz dem land triben welle oder uͤber di landmarch MGHConst 4,(2):1221,47 (a. 1300). – im Pl. übergehend zu 2: ob die selben lantlute von Ure, von Swytz ald von Underwalden deheinen botten des abbtes ald des conuentes von dien Einsidellen ergriffen in ir lantmarchen AbschEidgen 251; dien Ungirn sint gesezzin / inwendig ir klûse tor / und ir lantmarchin davor / windeschir lande vil RvEWchr 2555    2 ‘Gegend, Region, ein von lantmarken abgegrenztes Gebiet’ ein andir lantmarche unde strich / vahit an als Tigris gat / unz an Eufraten RvEWchr 1877; an richeit und mit grozir wer / hat dirre lantmarche zil / veste, guͦtis, lúte vil / in dirre marche fúr und widir ebd. 2622; bi der Elbe hin ze tal / untz an das ende sint diu lant / dú nidir Germania genant. / in dirre lantmarche / ist gelegin Tennemarche ebd. 2426; [in der] lantmark, so Argoͤy heisset StBZürich 103; allen, die disen brieff sechent oder hörent läsen, kunden wier der landtamman vnd die landleüthe von Vhry, daß [...] ihr leib vnd ihr guott fridt sol han zuo vns von vnß vnd bei vnß sint [von nun an] do in vnser gewalt vndt landtmarch UrkGraub 4:319,31 (a. 1319 (kopial))

MWB 3,3 877,41; Bearbeiter: Diehl

lantmassenîe stF. ‘Gefolgschaft; Herren, die zum Gefolge gehören’, hier eher ‘Kämpfer, Truppen aus der Heimat’ (vgl. Tr 18901; vgl. auch lanther sowie 2Okken, Tr. S. 36): Tristan der schicte al zehant / sîne lantmassenîe / wider heim ze Parmenîe Tr 18931

MWB 3,3 878,5; Bearbeiter: Diehl

lantmâʒ stN. ein landesübliches Hohlmaß (vgl. DRW 8,515f. mit zahlreichen jüngeren Belegen): due curie [...] soluunt omnes similiter siliginis IIII modios et auene III modios lantmazze UrkFreisÖst 3,513 (a. 1316); vîrczich meczen habern lantmaz ebd. 2,134 (a. 1324)

MWB 3,3 878,11; Bearbeiter: Diehl

lantmeister stM. der oberste Verwalter einer Deutschordensprovinz, v.a. bezogen auf den Stellvertreter des Hochmeisters in Preußen (vgl. lantkommentiur ): brûdir Herman Balke genant / von dem dûtschin hûs irkant / der êrste lantmeistir was / in Prûzinlande [ magister primus in terra Prussie, Dusb. II,12] NvJer 3613. 4451. 10323 u.ö.

MWB 3,3 878,17; Bearbeiter: Diehl

lantmenige stF. ‘Bevölkerung eines Landes’ sych hub freuden uber schall. / di lantmenige uber al, / ritter, pawrn, jung und alt / ergabe sich in sein gewalt. / ir land ward pestifftet wider / mit pauwe, pesser dann sider HvNstAp 14005. 13483; einen grôzen hof er gewan [Hoftag veranstaltete er] : / diu lantmenege zuo im sluoc [kam herbei] UvZLanz 8383

MWB 3,3 878,24; Bearbeiter: Diehl

lantmünze stF. ‘landesübliche Münze, im Land gebräuchliches Zahlungsmittel’ (vgl. lantphenninc ): vnd haben wir darvmbe von in enphangen zehen mark gvͦter lantmvͤnzze UrkBrixen 288 (a. 1317); wir wellen ouch daz yklich houf [Hof] der selben stat Marienwerder sal geben sechs phenynge dirre lantmuncze vns vnd vnsern nachkomenden UrkPreuss 2,209 (a. 1336)

MWB 3,3 878,32; Bearbeiter: Diehl

lantnamen (?) swV. ‘(jmdn.) nach einem Land benennen’ Tyrus hyeß da [l. daz ] reiche land, / von dem was der weygant / gelautt namett [l. gelant namet (vgl. App.z.St.)] Tyrus: / sein nam was Appolonius HvNstAp 451

MWB 3,3 878,40; Bearbeiter: Diehl

lantnære stM. lantenære

MWB 3,3 878,45;

lantphenninc stM. 1 ‘landläufige Münze’ (vgl. lantmünze )
2 Bezeichnung für eine Abgabe zur Befreiung von der Landgerichtsfolge, dem Landgerichtsdienst
   1 ‘landläufige Münze’ (vgl. lantmünze ): der eigen man mac niht gegeben [als Morgengabe] wan ein schâf oder eine geiz, oder fünf schillinc sîner lantphenninge SpdtL 96,16; swer in panforsten wilt wundet oder vellet oder jaget der ist dem herren des ez dâ ist schuldic ze geben driu phunt der lantphenninge SchwSp (W) 197,9. 117,8 u.ö.    2 Bezeichnung für eine Abgabe zur Befreiung von der Landgerichtsfolge, dem Landgerichtsdienst: do man von dem selben ganzen lechen alle jar dient gen Marichekch dreizzich Wienner phenning ze lantphenning und nicht mer UrkPölt 416 (a. 1349); imͤ [dem Landrichter] ist auch niement gepunten darzü [zum Gerichtstag] ze gen nuer die lantphenning gebent WeistÖ 9:510,2 (a. 1340)

MWB 3,3 878,46; Bearbeiter: Diehl

lantpredigære stM. ‘Landprediger, Wanderprediger’ bruoder Berchtolt der lantbrediger kam einest zuo dem bischof Albracht vnt fragte in vil dingen VierFragen 575; do lebte der lantbredier bruͦder Bertholt der barfússe OberrhChr 48,1

MWB 3,3 878,62; Bearbeiter: Diehl

lantpredige F. ‘Landpredigt, auf dem bzw. im Land gehaltene Predigt’ diz ist des langen Luppoldes Hornburgs von Rotenburg lantpredige von der werlde kummer Hornb 1,2

MWB 3,3 879,3; Bearbeiter: Diehl

lantrëht, landesrëht stN. ‘Landrecht’ (zur Sache vgl. 2HRG 3,552-559 sowie differenzierter und mit zahlr. weiteren Belegen DRW 8,547-555) 1 meist ‘in einem Land, Herrschaftsgebiet geltendes Recht’ (z.T. im Ggs. zum Röm. Recht oder städt. Rechtskodifizierungen u.ä.)
2 aus dem hervorgehende Rechtsverhalte
2.1 bezogen auf den persönlichen Rechtsstatus und Rechte des Einzelnen
2.2 bezogen auf weitere Aspekte
3 das nach dem verhandelnde Gericht, sein Bezirk und seine Urteile (neben DRW 8,553f. vgl. auch FWB 9,183ff. mit jüngeren Belegen)
   1 meist ‘in einem Land, Herrschaftsgebiet geltendes Recht’ (z.T. im Ggs. zum Röm. Recht oder städt. Rechtskodifizierungen u.ä.): consules autem non iudicabunt secundum ius provincie, quod dicitur landreht, sed secundum veritatem et statuta civitatis subscripta UrkStVerf 103 (a. 1214); der bâbest der enmac dehein reht gesetzen dâ mit er unser lantreht und unser lêhenreht müge geergern SpdtL 85,9; daz ist weder gotes reht noch lantreht ebd. 190,13. 225,15 u.ö.; vnd vurzieh ich [...] alles des rethtes vnd aller der ansprache [...] vnd gemeinlich alles des rethes, es si geislich oder wertlich, stette reth oder lantreth, gescriben reth oder gewonheit UrkCorp (WMU) 1600AB,42; daz ich [...] han ze chovffen gegeben den gaistlichen vrowen ze Stvdenitz vierdhalbe hvbe [...] fvͦr rehtez eigen [...], vnd sol ich ins schermen nach landes reht [ secundum communem prouincie iustitiam (2579A,41)] ebd. 2579B,39. 3524,15. N238A,16 u.ö.; wie si nâch Rômæren / loys [Recht] unde lantreht solten wegen, / wies ir gerihtes solten pflegen Tr 5995. 11041. 18244; [der sechste Lehrer] lartin [lehrte ihn (den jungen Alexander)] ze dinge sitzen / und lartin, [...], / wî er von dem unrehten beschiede daz rehte, / und wî er lantreht bescheiden kunde / allen den er is gunde SAlex 250; Ottok 40785; KvWTroj 17974    2 aus dem ~ hervorgehende Rechtsverhalte    2.1 bezogen auf den persönlichen Rechtsstatus und Rechte des Einzelnen: wan iz umi geit an sienin liep undi sieni eri undi sien lantrecht Mühlh 105,28. 120,8 u.ö.; münchet man ein kint daz under siben jâren ist, vert ez under vierzehen jâren ûz, ez behaltet lêhenreht unde lantreht und allez daz ez erben solte SpdtL 103,2; UrkCorp (WMU) 51,42; gip her und lâz dîn lantreht: / ine wil niht langer sîn ein kneht, / ich sol schildes ambet hân Parz 154,21    2.2 bezogen auf weitere Aspekte: dar zvͤ gelob ich, das selb gvͤt zWaltprehtstorf mit niht zverchern [durch nichts zu verändern] vntz an das zil des rehten lantsrehts [der nach dem Landrecht gültigen Frist] UrkCorp (WMU) 2905,11; loykint her [der Beklagte] obir im [dem Kläger] , so sal her im das lanrech [den Beweis nach Landrecht] tun an dem dritten tage UrkSchlesSt 509 (a. 1324); eine ame wingulden [...] von dem siebendem deile, daz die wingarten da geldent, daz man nennet lantrecht UrkMoselQ 507,26 (a. 1349)    3 das nach dem ~ verhandelnde Gericht, sein Bezirk und seine Urteile (neben DRW 8,553f. vgl. auch FWB 9,183ff. mit jüngeren Belegen): ein lantrecht vuͦrderen over di selven unrechten lude MGHConst 6,1:107,20 (a. 1326)

MWB 3,3 879,7; Bearbeiter: Diehl

lantrëhtære stM. Mitglied eines Gremiums erfahrener Männer der Dingversammlung, das den vorsitzenden Richter bei der Urteilsfindung unterstützt (vgl. mit älteren Belegen AWB 5,634 und DRW 10,1048 s.v. Rachinbürge) oder allgem. ‘jmd., der nach Landrecht richtet’ (?): rachinburgius: lantrehtari, lantscribere SummHeinr 1:287,253. 2:19,372. 2:448,181.1; unserre lantrehtære [Gen.Pl.] tihten / vristet dâ [beim Jüngsten Gericht] niemans klage, / wan er [Christus] wil dâ zestunt rihten: / sô ist ez an dem lesten tage. / und swer deheine schulde hie lât / unverebent, wie der stât / dort, dâ er pfant noch bürgen hât Walth 16,15. – ‘jmd., der in einem Land (irreführend) redet und rechtet’ in der Hs. neben → lantrihtære und → lanttriegære zur Übersetzung von rhetor der lat. Vorlage (vgl. Anm. z. V. 10786, in der als Erklärung eine gedankliche Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten vermutet wird - vom Ed. teilweise ersetzt): er hâte grôze swære / daz sîne lantrehtære / sus wâren überwunden LBarl 11893; nu sage von dînen wîsen, / wâmit wiltû die prîsen, / waz wiltu sagen mære / von dînen lantrihtæren [Hs. lantrechteren ] ? / got hât der selben wîsheit / gemachet gar ze tôrheit ebd. 13589. – Lit.: Reiner Hildebrandt, Summarium Heinrici: Der Rachinburgius ist ein Landrechter, in: Sprache und Recht. FS Ruth Schmidt-Wiegand, Berlin/  New York 1986, S. 246–262; ders., Der Wort-‘Schatz’ des Summarium Heinrici, in: Historische Wortforschung Bd. 1, Berlin/  New York 1986, S. 40–58, hier S. 40–43

MWB 3,3 879,63; Bearbeiter: Diehl

lantrëhtbuoch stN. ‘Aufzeichnung des Landrechts’ (vgl. DRW 8,556f. mit jüngeren Belegen, zur Sache 2HRG 3,559ff.): hie hebt sich an daz lantrehtbuch StRAugsb 10,1; die vürsten klageten im [dem Papst] über den künic daz er niht rihte, als im diu lantrechtbuoch seiten PKchr 197,5. – bezogen auf den Landrechtsteil des Schwabenspiegels: ditz puͦch ist nicht wan von werltlich gericht dar vmb haizet ez daz lantrecht buͦch. wan diseu recht an disem buͦch sint in allen landen redleich vnd gewer SchwSpK 1,39 (Kt); da sol er [der Kaiser] vmb sehen an daz lantrecht puͤch. dar an vindet er welh pischolf mit dem swert gerichten muͦge oder nicht ebd. 2,277 (Kt); der keiser sprach: ‘[...] wir geben die wal drin erzebischoven unde vier leienvürsten.’ [...] welhiu ambet suln haben und wer si sin, daz seit uns daz lantrehtbuoch bescheidenliche PKchr 179,21

MWB 3,3 880,30; Bearbeiter: Diehl

lantrëhten swV. ‘(nach Landrecht) prozessieren’ alsam ist ouch umbe den man / der deheine kunst enkan / wan lantrehten nâch gewonheit, / der weiz niht des wîstuomes breit, / weder sîn tiefe noch sîn hô / und wænet volkomen sîn also WälGa 8987; lantrehten nâch gewinne ebd. 8707. – übertr.: diu sele vorderet so getan spil; / unde ire daz vor allen dingen ist suozze, / daz si mit ire gote so unde sus lantrehten muozze Himmelr 3,8

MWB 3,3 880,48; Bearbeiter: Diehl

lantreise stF. Kriegszug mit der Verpflichtung zur Teilnahme aufgrund der Heerfolgepflicht (vgl. DRW 8,560f. mit jüngeren Belegen): der meijer sol ovch dem vogte geben die koste, [...] wanne er ein lant reise von eins riches wegen vert vnd da vͥbernacht wil sin UrkAargau 2,2:146,20 (a. 1331)

MWB 3,3 880,57; Bearbeiter: Diehl

lantreister stN. hier wohl ‘Vorsteher einer Ordensprovinz’ (vgl. reister ): want zuletst der meistir / daz veige lantreistir / (ich meine noch Bertolde) / intsatzte, als er solde NvJer 16588

MWB 3,3 880,63; Bearbeiter: Diehl

lantrihtære stM. 1 vom Landesherren bestellter Richter im lantgerihte , der also nach lantrëht richtet (vgl. mit weiteren Belegen DRW 8,565ff. und zur Sache 2 HRG 3,569ff.)
2 ‘jmd., der in einem Land (irreführend) redet und rechtet’ in der Hs. neben lantrëhtære und lanttriegære zur Übersetzung von rhetor der lat. Vorlage (vgl. Anm. z. V. 10786, in der als Erklärung eine gedankliche Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten vermutet wird)
   1 vom Landesherren bestellter Richter im → lantgerihte , der also nach → lantrëht richtet (vgl. mit weiteren Belegen DRW 8,565ff. und zur Sache 2HRG 3,569ff.): swaz aber grafen, vreyn oder dinstman ouf chleoster [l. chloͤster ] gebnt, da sol nieman hin rihten dann [ e der (vgl. Regest)] lantrihter, dem daz lantgerihtte beuolhen ist von dem landesherren UrkCorp (WMU) 3276,5; ich Swigger von Teggenhusen, lantrihter jn der grafshaft ze Veringen von der genade vnd gewalte des herzogen Albrehtes von Oͤsterriche ebd. 2434,22; so mag von rechts wegen nieman noch ensol richten mit der ehte in dem [...] lantgericht ze Franken danne ein byschof ze Wirtzburk, der allein da lantrichter ist, und suͤlln auch vor dem selben lantrichter ze recht sten alle [...] herren, [...] graven, [...] frein und auch dez richs [...] dinestluͤte und [...] steteluͤt und auch alle ander [...] luͤt beyd edel und unedel MGHConst 8:387,33 (a. 1347); wier wellen, daz chain lantrichter, noch chain herre, der edil ist, chain gewalt tue in der stat, noch chain gewalt hab in der stat, an dez richters und der schephen urlaup StRBrünn 361; unserre lantrehtære [Gen.Pl.] tihten [La. lantrihtere rihten ] / vristet dâ [beim Jüngsten Gericht] niemans klage, / wan er [Christus] wil dâ zestunt rihten: / sô ist ez an dem lesten tage Walth 16,15. dô machte Hêrôdes sînes geburtlîchen tagis ein âbintezzin den vuͦrsten und den lantrichtêren und den êrstin Galilêê [ principibus et tribunis et primis Galilaeae ] EvBeh Mc 6,21    2 ‘jmd., der in einem Land (irreführend) redet und rechtet’ in der Hs. neben → lantrëhtære und → lanttriegære zur Übersetzung von rhetor der lat. Vorlage (vgl. Anm. z. V. 10786, in der als Erklärung eine gedankliche Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten vermutet wird): ob unser ê nu wære / von wîsen lantrihtæren / oder von gewalt komen LBarl 13495

MWB 3,3 881,3; Bearbeiter: Diehl

lantrihte stN. ‘Gericht, in dem Landrecht gesprochen wird’ (vgl. lantgerihte ): ich [...] lantrichter [...] mit allen den, die zu dem lantrichte horent DRW 8,565 (MEgrana; a. 1300); [es] wart urteilet vor dem lantricht, daz alle, die do kumen sin, [...] des goteshuses dinstlute sin ze Wirceburg ebd. 8,565 (MainfrJb.; a. 1319)

MWB 3,3 881,41; Bearbeiter: Diehl

lantrîtære stM. Angehöriger des Landadels, landsässiger Adeliger: daz ieweder vnser zwene ersame lant rittere, die dez harnesches pflegent, vur vns legen sulent in die giselschaft UrkCorp (WMU) 3005,15

MWB 3,3 881,48; Bearbeiter: Diehl

lantrivier, lantriviere stMF. auch -rifiere ( KvWTroj 20142 u.ö.). ‘Landstrich, Gegend’ (z.T. auch unter Herrschaftsaspekten; häufig KvW ): ir wæret unser beider / und ouch der lantriviere / gewaltic worden schiere, / bestüenden wir iuch strîtes KvWSchwanr 557; swaz dörfer lige bî der stat / und in der lantrifiere, / die werden von im schiere / enzündet und gestôzen an KvWTroj 11757; dâ von ist des harte nôt, / daz er strîche schiere / von diseme lantriviere KvWPart 9112; wand im die stîge wâren dâ / und die lantriviere kunt, / sô mohte er im dâ bî der stunt / deste baz entwîchen ebd. 19857; Ottok 70593; Reinfr 18396

MWB 3,3 881,52; Bearbeiter: Diehl

lantroubære stM. ‘im Land umherstreifender Räuber’ (nicht klar zu differenzieren vom → strâʒroubære , vgl. 2HRG 3,578ff. s.v. landschädliche Leute): ir herren, die dâ lant unde liute habent, die gêt diu ûzsetzikeit an, die dâ haltent [beherbergen] strâzenrouber unde diebe unde lantrouber unde gewaltesære, unde die den liuten schedelîche fuoter snîdent oder gras PrBerth 1:121,27; die stelent ros, die stelent rinder, die stelent dicz, die enez. daz denn nicht lantrauber sind, die stelent auer in den haüsern PrBerth (R) 250,142; von lant rovbern. vert ein man vs vnd wil rovben. vnde fvͤret lvͥte mit im SchwSp 107a(Überschrift); ouch verbietten wir [Karl IV.] úch [...], daz ir deheinen lantmorder, lantrouber, gemeine und offenlich diebe, nahtbrenner oder echter nút schútzen [...] súllent StRSchlettst 77

MWB 3,3 882,1; Bearbeiter: Diehl