liutestërbe
swM.
auch liut-.
‘Massensterben, Seuche’
daz er [David] ] drîer buoze eine næme,
[...] daz siben hungerjâr kæmen über alliu sîniu lant,
oder daz er drîe mânôde flühtic müeste sîn vor urliuge unde vor sînen starken
vîenden, oder daz drîe tage der liutesterbe in sînem lande über al solte sîn
[
erit pestilentia in terra tua (II Sm
25,13)]
PrBerth
1:9,5;
daz drî tage ein grôzer liutsterbe sî in dînem lande ebd.
2:3,29.
2:4,21;
nu fuogt sich, als noch dick geschiht / und man gemeiniclîch ouch siht, / daz
ein liutsterb kom in daz her / und az daz her mit grôzer zer HvBer
7376.
– hierher oder subst. Verb (?):
die drî tage liutsterben, die bezeichent die buoze, dâmit man den lîp tœten
sol für die sünde PrBerth
2:12,12
MWB 3,3 1226,28; Bearbeiter: Luxner
liute|stërbôte
stN.
‘Massensterben, Seuche’
daz bezeichenet
bisextum [Schaltjahr] oder lúte sterbote oder slahte
oder strit in dem riche Lucid
53,11
MWB 3,3 1226,43; Bearbeiter: Luxner
liutkirche
swF.
‘Pfarrkirche’ (vgl. Masser, Gotteshaus, S. 95ff.):
we dem vnuersinten man / der siner luͤtkilchen entran / vnd sich froͤmbden
herren git Barfüsser
36;
liutkirchen, klôster, bistuom / der wart durch gotlîchen ruom
/ vil gemachet überz lant RvEBarl
13607;
das wir v́nser kilchen ze Friburg vnd ze Múlnheim vnd ze Baden, die drige
lútkilchen, gesezzet vnd ze koͮfe gegeben haben UrkCorp (WMU)
1083,45.
2353,15.
2130,41;
OberrhChr
43,36;
Ammenh
17487
MWB 3,3 1226,46; Bearbeiter: Luxner
liutkraft
stF.
‘Menschenmenge’
duͦ der dritte keiser Heinrîch / demi selbin heirrin bival sich, / vnti der
godis willo was irgangin, / dar her ci Kolne ward mit lobe intfangin, / duͦ gieng
her mit liut crefte Anno
34,9
MWB 3,3 1226,56; Bearbeiter: Luxner
liutlôn
stN.
‘Geld, Lohn für das Glockenläuten’
er [der Messner] sol auch der pfarr ir kertzen
vordern und einnemen und daz leutlone dem pfleger allez antwuͤrten
NüP
197
MWB 3,3 1226,61; Bearbeiter: Luxner
liutlôs
Adj.
‘menschenleer’
Lîmors liutlôs beleip. / vliehens gienc in michel nôt, / wan si vorhten den
tôt Er
6663
MWB 3,3 1227,1; Bearbeiter: Luxner
liutmærunge
stF.
→
lûtmærunge
MWB 3,3 1227,4;
liutpriester
stM.
häufig mit Ausfall des t bzw. Assimilation an das folgende p
auch l(i)u- bzw. l(i)uppr- u.ä.
‘Leutpriester, Pfarrer, Weltgeistlicher’ (zur Sache vgl. LThK
6,862):
plebanus: lutpriester VocOpt
36.036;
incuratus: besteter lutpriester ebd.
36.039;
der ander ubel strazraup ist, der einen bilgerin uf der
strazze beraubet, den bilgerin der mit sins liupristers rate unde mit siner bihte
unde mit siner buzze uzkomen ist StRAugsb
91,15;
mît den Thvzen brvͦdern, die dvͦ ze Berne lupprester waren UrkCorp
(WMU)
N605,25;
jch phaffe Johannes, der luprester ze Burguelt was, tûn kunt
UrkHohenz
1,139
(a. 1325).
1,99
(a. 1287);
UrkWittelsb
1,466
(a. 1292);
SpdtL
118,14
MWB 3,3 1227,5; Bearbeiter: Luxner
liutpriesterambet
stN.
‘Amt, Pfründe, Tätigkeit eines Leutpriesters’ (s. DRW 8,1284 (Festg. Heffter; a.
1345) (ohne Belegzitat)
MWB 3,3 1227,20; Bearbeiter: Luxner
liutsælde
stF.
Eigenschaft, die bei Mitmenschen Wohlwollen, Zuneigung hervorruft,
‘Liebenswürdigkeit, Liebreiz’
ir ougen lûterkeite rîch / wâren von der minne. / liutsælde was dar inne / ze
hûse mit gewalt gezogen KvWPart
8664;
ir clâren ougen spiegelvar / dâ liutsæld unde minne /
versigelt lâgen inne KvWTroj
14687;
David / [...] / der selden vil nah
wunsche gar, / der lúte lútselde, gebar RvEWchr
24282
MWB 3,3 1227,23; Bearbeiter: Luxner
liutsælic
Adj.
auch lutzel(l)ig
(
SHort
4410.
4973;
Seuse ).
‘den Menschen angenehm, wohlgefällig; liebenswert’
1 allg. 2 vom Charakter und Verhalten, auch ‘anmutig’
3 vom äußeren Erscheinungsbild, auch ‘schön, hübsch, lieblich’ (nicht immer
deutlich von 2 zu trennen)
1
allg.:
dit ist ein minneclîch dinc, daz got sîne irwelten mit alsô lûtsêliger
ordenunge der vollekumenheit brengit zu sîme glîchnisse HvFritzlHl
184,16;
swaz sô sie ze ahten hete, / mit süezen siten sie daz tete, / daz im diu
senfte genende / gap ein liutsælic ende, / allen liuten gar gezæme
UvEtzWh
4646;
fúr Wigoleis, Tristanden / in megten, witwen handen / den
usser welten dinen / ez [das vorliegende Werk] tuͦ
lutzellig schinen! SHort
4410;
o du lútseliger anblik aller heiligen Seuse
216,24
u. ö.;
Martina
26,52.
–
der selbe kriec [der Streit über die Rangfolge der
Tugenden] ist ein nützer kriec und ein guoter kriec und ein
liutsæliger kriec PrBerth
1:537,19.
1:538,22
2
vom Charakter und Verhalten, auch ‘anmutig’
er was ein glanzer jungelinc / und ein sô gar liutsælic knabe / daz ich von im
gelesen habe / er trüege lûterbæren schîn KvWPant
123;
er het ze ritterschefte / beidiu sinne unde krefte / und
liutsæligen gelimph Ottok
16501.
75361;
och trúw ich daz man vinde / vil hoher edeln kinde / bi
torehter geselleschaft, / die doch sint wunder tugenthaft, / lutzelig, zúhtig,
raine, / behúet vor allem maine SHort
4973.
10407;
KvWSchwanr
1249;
KvWTroj
833.
13814;
KvWAlex
92.
–
swer gerne liutsælich sî, der neme daz zesewe ouge des
gîres unde trage ez in der tenken hant oder bindez ume den tenken arm; swâ dû
für herren gêst, die sint dir holt Barth
155,30
3
vom äußeren Erscheinungsbild, auch ‘schön, hübsch, lieblich’ (nicht immer
deutlich von 2 zu trennen):
diu edel magt was garwe / an lîbe, an antlüt, an varwe / schoene unde
minneclîch / und aller hübscheite rîch. / liutsaeliger antlüt nie wart / gesehen
noch sô rehte zart WvRh
1405;
da kom der frowen eman / schön und lütsellig / und an allen wandel melig
[ohne Zeichen eines Makels] , / hübsch und wolgestalt.
/ er waz uff drisig jar alt ArmKonr (DVN)
l,377;
kurz und leutsælig füez bedäutent ainen unkäuschen menschen
und einen frœleichen BdN
48,27;
Seuse
304,29
u. ö.;
Tr
11088;
KvWTroj
1225;
Eckh
4:238,20;
KvWEngelh
254
MWB 3,3 1227,32; Bearbeiter: Luxner
liutsælichaft
Adj.
‘wohlgefällig, angenehm, anmutig’
des wart sô gar liutsælekhaft / ir werdez leben unde ir lîp / daz beide man
unde wîp / vil dicke dâhten ‘herre got, / waz hât dîn wunderlich gebot /
wünneclicher sælekeit / an disiu werden kint geleit!’ KvWEngelh
762
MWB 3,3 1228,12; Bearbeiter: Luxner
liutsælicheit
stF.
als Charaktereigenschaft ‘freundliches, liebenswürdiges, angenehmes Wesen’
(z.T. wohl auch das äußere Erscheinungsbild betreffend):
sô dunket ez mich allez wâr, / swaz mir von
ir [Helenas] liutsælikeit / und von ir tugenden ist
geseit KvWTroj
19863.
5792.
13903;
liutsælikeit und gelimph / het er darzuo, als er noch hât
Ottok
18992.
17960;
so einem lidenden menschen sin antlút bleichet, sin mund
torret und sin natúrlichú lútselikeit darbet Seuse
368,10
u. ö.;
MinneR 481
678.
680;
KvWGS
1166.
–
wie daz sich der ros [die Rose]
[...] hab uf getan in siner natúrlichen lútselikeit
Seuse
409,7.
–
‘Liebenswürdigkeit’
diu liutsælikeit, / diu mit spæhen reden / zwischen in bêden
/ ûf der burg ergie Ottok
90384
MWB 3,3 1228,18; Bearbeiter: Luxner
liutsæliclich
Adj.
‘wohlgefällig, angenehm, anmutig’
man wânde, daz si [Helena] wære /
ein engel wunnebære / [...] / ahŷ, waz dâ verendet / mit
rede und mit gedenken wart / von der liutsæleclichen art, / die man kôs an ir bilde!
KvWTroj
23074
MWB 3,3 1228,33; Bearbeiter: Luxner
liuts|stein
stM.
‘Pyrophilus’, ein Edelstein (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 356f. und
Lecouteux, Pierres, S. 228f.):
piropholos mag leutsstain haizen. wan,
[...], der stain ist gar edel und wirt auz ains
menschen herz, daz mit vergift ist getœtt BdN
456,9;
daz dér stain und der leutsstain áin stain sei, der von
der gemain lapis humanus haizt ebd.
456,26.
456,8
MWB 3,3 1228,39; Bearbeiter: Luxner
liutswurm
stM.
‘Laus’
die veigen machent niht guot pluot und dar umb machent si
dem menschen vil leutswürm, die ich vor füezling hiez, dô ich von den würmen schraib
BdN
322,25
MWB 3,3 1228,47; Bearbeiter: Luxner
liutswürmel
stN.
auch liutes-, Dimin. zu liutswurm.
‘Laus’
pediculus haizt aigencleich ain füezling. daz ist ain
leuteswürml oder ain kintpeiz BdN
305,16;
sô samnent sich all diu läutswürmel dar zuo ebd.
420,27.
420,21.
MWB 3,3 1228,51; Bearbeiter: Luxner
liutunge
stF.
‘das Läuten (von Glocken)’
ist es ouch, das jeman hilf duͦt dem manslechtigen, das er enweg komet, der
sol dieselbe pene liden, mit der der manslechtige zu pingende wer gewesen,
ußgenommen das on lutung der glocken gericht von im geschehe
StRSchlettst
40
MWB 3,3 1228,56; Bearbeiter: Luxner
liutvâhen
stN.
‘Menschenraub, Entführung’
wær aber, daz ieman deheinen schaden tæt in dem land mit pfannd an vronboten,
mit raub, mit prande, mit lævt vahen UrkCorp (WMU)
1274A,4
MWB 3,3 1228,62; Bearbeiter: Luxner
liutverderbære
stM.
‘jmd., der den Menschen schadet’
swelher denne niht kunst hât / und nimt sich der arzenîe doch an, / als ich
hie gelesen hân, / der heist ein luͤtverderber bas, / denne ein arzat, wissent das!
Ammenh
14761
MWB 3,3 1229,1; Bearbeiter: Luxner
liutverkoufære
stM.
‘Menschen-, Sklavenhändler’
vango [l. mango
] : lútverkoͮffer
VocOpt
41.085
MWB 3,3 1229,6; Bearbeiter: Luxner
liutvleisch
stN.
‘Menschenfleisch’
das sy wolff und hund / und leutt flaisch zu aller stund /
essent für güete speyse HvNstAp
2993
MWB 3,3 1229,8; Bearbeiter: Luxner
liuwen
swV.
vgl. lüeme, lüemen; SchweizId 3,1545 s.v.
lǖw(w)e#’n.
‘ruhen’
spise vnde fuore / sol er mit ir [der Hölle]
kivwen, / niemir me geliuwen, / iemir elliv sine lid /
[...] ane rvowe biegen Martina
1112,90;
[Salome zu Herodes:] du sol ouch wissen daz min gir, / daz
hobet [Johannes des Täufers] wert denn mir, / nummer mag
geluwen SHort
3001;
got haisset rúwen, luwen / den súnder und nit sunden me /
und ist genaidig hút als e ebd.
2570
MWB 3,3 1229,11; Bearbeiter: Bohnert
liwe
swF.
→
liene
MWB 3,3 1229,21;
liʒ
stM.
‘Antlitz, Anblick, Aussehen’ (vgl. antlitze, antlütte):
Christo wart, der gotes sun / sô leit nâch der menscheit
litz [entspr. crucifixus et hoc quantum ad naturam humanam et
non divinam Ferber 113,25f.] . / alsô sol man vernemen
ditz JvFrst
9271;
daz brôt dort verwandelt sich / in den lîchnam
lîdelich [
corpus suum passibile Ferber
39,26f.] , / wan Jesus trûc des lîdens litz, / sô selbest wart
geordent ditz ebd.
2275;
so tun ich nit wann gaffen / an dinen minicklichen liß / der mir geualt fuͤr
alluͤ wiß KonstBrf
35,77
MWB 3,3 1229,22; Bearbeiter: Diehl |