l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
liumunt
stM.
große Formenvarianz: lu(i)- ( Will ;
StatDtOrd );
lvmed Martina
117,20;
lie- (
Konr
7,13
),
liumet ( KvWTroj ;
WvRh
8000
),
verkürzt liumt, leumt (
PrOberalt
85,1;
Krone
1048;
WvRh
7860;
PrSchw
1,21
),
leunt, liunt
(
HvHürnh ; EvAug ; Ottok ;
PrHoff
73,14;
UrkWittelsb
1,147
(a. 1255)),
lúmde, lúnde ( Seuse );
swM. (z.B.
PrBerthKl
5,58;
HvHürnh ;
EvAug
32,19;
Seuse ;
PrSchw
1,21 ).
1 die gesellschaftliche Stellung betreffend ‘Ruf, Ansehen, Leumund’
1.1 allg. 1.2 positiv als guoter ~
1.3 negativ als bœser ~
2 was erzählt, berichtet wird 2.1 über etw. oder jmdn., i. d. R. negativ konnotiert ‘Gerücht, (üble)
Nachrede, Verleumdung’
2.2 spez. als Bez. für die vierte Gliederungsstufe eines Textes im
WälGa (vgl. Palmer, Kapitel, S. 69)
1
die gesellschaftliche Stellung betreffend ‘Ruf, Ansehen, Leumund’
1.1
allg.:
vnd allez, daz ivren livmvͤnt vnd ivre ere mag geminneren
vnd geswechen, daz verpieten wir SpitEich
40,11;
sô man gemerket, in welher ahte unde welhes lûmundes sî
der brûder, der gerûget ist StatDtOrd
79,21.
83,30;
dv solt gedultich sin gein dinem næhsten, swenne er dir
nimt daz dv hast, swenne er dir dinen livmden swechet PrBerthKl
5,58;
StRAugsb
111,9;
WüP
46,1
u. ö.
– auch ‘Ruhm’
in dem zit do hort Herodes ein fürste über vir lant
den livnten von Ihesu EvAug
32,19;
sus tet dirre liumet in [Jesus] bekant /
allen gebürten [Geschöpfen] dur diu lant
WvRh
8000;
und wart sein [Alexanders]
leünt [
fama sua
] gepraitt über alles
ertreich HvHürnh
1,8
1.2
positiv als guoter ~
:
darumme daz sî an ir gûten lûmunde oder an anderen ir
dingen iht schadehaft mugen werden StatDtOrd
50,20.
79,2;
pei der fledermaus verstên ich die valschen nâchreder,
die den läuten in der vinster, daz ist haimleichen, ir êr abpeizent und
verderbent in daz antlütz irs guoten leumundes und irs löbleichen namens
BdN
227,16;
als chumet uon den guten werchen der guͦt leunt PrHoff
73,14;
wann wer pegeret den gueten
leunten [
bonam famam
] , der wirt
namhafft und erlich HvHürnh
6,2.
6,5;
PrOberalt
85,1;
SpitEich
42,25;
VMos
83,21.
–
do begvnde sich vaste breiten der svͦze liemvnt von
siner heilicheit Konr
7,13
1.3
negativ als bœser ~
:
wirte unde die stete, die bôses lûmundes sint, sulen sie
vermîden StatDtOrd
50,16.
82,5
2
was erzählt, berichtet wird
2.1
über etw. oder jmdn., i. d. R. negativ konnotiert ‘Gerücht, (üble)
Nachrede, Verleumdung’
ez sî wâr oder gelogen, / swaz in den liument wirt
gezogen, / der inziht [Anschuldigung] dâ heizet, / der
quicket unde reizet / ie zer ergeren hant Tr
15400;
daz ez sîne vriunt und sîne man / vernemen unde hœren, /
ob er hie mite zestœren / disen liument unde dise lüge / mit unser aller râte
müge ebd.
15463.
15406.
15394.
– zur schnellen Verbreitung von (falschen) Gerüchten:
nu flouc dirre liumt gelîche / über al daz künecrîche, / dâ von älliu
diu diet / in ze lobenne geriet WvRh
7860;
KvWTroj
24714
2.2
spez. als Bez. für die vierte Gliederungsstufe eines Textes im
WälGa (vgl. Palmer, Kapitel, S. 69):
etlich teil hat zehen capitel, etlichz mer, etlich minner unde ein ieglich
capitel hat sinen liunt, etlichz vil, etlichz lutzel WälGa
Vorr. 403;
spreche ich in vier liument ebd.
Vorr. 410;
da sprich ich an sehs liuͦmten ebd.
Vorr. 408.
– nicht hierher, sondern zu →
lûmen
gehört lûmen
HeslApk
1354.
3716
(vgl. Glr.z.St.; anders Lexer, Nachtr. 302)
MWB 3,3 1217,1; Bearbeiter: Luxner
liumunthaft
Adj.
hier lûment-.
‘angesehen, geachtet’
alsô sint die diemuͦtigen die werdint lûmenthaft guͦter
werche unde ist der lûment alsô suͦze same der stanch nardi unde wahsent siu uon
ainir tugent in die anderen als sich diu bletter breitent TrudHL
60,29
MWB 3,3 1217,63; Bearbeiter: Luxner
liuschel (?)
stN.
wohl zu →
lûʒ
bzw. →
1lûʒen
; hier laischel.
‘Hinterhalt’
hüet iuch, vil lieber herre mîn! / ditz dinc ist wan ein
laischel [l. liuschel, vgl. Anm.z.St.] . /
hüet iuch oder ir werdet snel / von sînen handen getœt, dâst wâr. / habt iuwer huot
mit sinnen gar! EnikFb
611
MWB 3,3 1218,5; Bearbeiter: Luxner
liut
stMN. , liute
stSubst. (Pl.)
md. oft lût, lûte; Pl. auch luͦt (
Rol
603.
1725;
Hochz
307;
Eilh
M,3582;
Konr
11,81;
UrkCorp
62,26;
vgl. auch
3luot
),
læut ( PrOberalt ),
loͤut (
PrOberalt
17,6.
32,5
);
selten schwach (z.B.
RvEWh
126.
15646;
SHort
1242.
1158
),
im Neutr. selten auch liute (
Konr
15,59
).
i.d.R. bezogen auf eine Gruppe von Menschen, wobei genauer
unterschieden werden kann, ob diese Gruppe als Zusammensetzung einzelner Individuen
oder als kollektive Größe aufgefasst wird (vgl. Ehrismann, Volk, S.
60-72)
1 Gebrauch als Individuativum 1.1 selten im Sg., ‘Mensch’
1.2 i.d.R. im Plural, ‘Leute, Menschen’
1.2.1 allg. und nicht näher spezifiziert 1.2.2 im Sprichwort (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279f.) 1.2.3 in Verbindung mit einem Attribut näher spezifiziert als
einer best. Gruppe zugehörig 1.2.3.1 relig.-kulturell einem best. Volk bzw. einer best. Volksgruppe zugehörig 1.2.3.2 gesellschaftl. einer best. sozialen Schicht oder Gruppe zugehörig 1.2.4 einer best. (Herrscher-)Person oder Institution zu- bzw.
untergeordnet (s.a.
eigenliut
) 1.2.4.1 in relig. Kontext 1.2.4.2 in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch
‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen) 1.2.4.3 in familiär-verwandtschaftl. Kontext 2 Gebrauch als Kollektivum (häufiger stN., seltener stM.) 2.1 allg. ‘Menschheit, Menschengeschlecht’
2.2 nicht näher spezifiziert einen Personenkreis bezeichnend,
‘Gruppe (von Leuten), (Menschen-)Menge’
2.3 (mehr oder weniger deutlich) spezifiziert bezogen auf eine
Gruppe von Menschen, die hinsichtlich ihrer historischen, sozialen, kulturellen
bzw. politischen Zusammengehörigkeit bestimmt ist, ‘Volk,
Bevölkerung’
2.3.1 allg. 2.3.2 im relig. Kontext 2.3.3 in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch
‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen) 2.3.4 in familiär-verwandtschaftl. Kontext, auch ‘Familie,
Verwandtschaft’
1
Gebrauch als Individuativum
1.1
selten im Sg., ‘Mensch’
er wil daz ieweder liut werde sîn trût Gen
2764;
ich bin ein wurm und niht ein liut LvRegFr
3040
1.2
i.d.R. im Plural, ‘Leute, Menschen’
1.2.1
allg. und nicht näher spezifiziert:
jn dez kúnegez ziten wurden die
lúte [
genus humanum
] in drú
geteilet. von Sem kamen die frigen. von Iafet camen die ritere. von Kam
camen die eigin lúte Lucid
17,3;
sorge ist unwert, dâ die liute sint vrô MF:
Mor
13: 2,7;
ein stein heizet dîamant, / der ist niht vil liuten
bekant Volmar
290;
und her sprach zuͦ en: kuͦmit nâch mir, und ich mache ûch werden
fischêre der lûte [
piscatores hominum
]
EvBeh
Mt 4,19;
daz niht aleine hundert, sunder alle liute, als verre
sie liute und menschen sint, werdent im unglîche lieber dan im nû
natiurlîche sîn vater, muoter oder bruoder liep sint Eckh
5: 24,10;
JPhys
9,21;
MF:Reinm
27: 4,3;
MarlbRh
14,31;
MNat
6,12.
– in der Anrede:
vil gvͦten livte! Spec
5,20;
mine uil libin lúte Rol
260;
nu guoten liute, tuot sô wol / und saget mir, wâ
welt ir hin? Tr
2720;
Wig
5361;
HimmlJer
144;
Mechth
3: 1,38.
–
alle der liute vasenaht für den ersten
Fastensonntag:
an dem svnnendage ze naht vor alle der lúte vasenaht
UrkCorp (WMU)
1851,32
1.2.2
im Sprichwort (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279f.):
– i. S. v. ‘es (nicht) allen recht machen
können’
swer den liuten allen / welle wol gevallen, / armen unde rîchen /
muoz er sich gelîchen, / den übelen unde den guoten, / den tôren unde
den fruoten; / wil er der aller hulde hân, / sô muoz er selten müezec
gân Freid
133,5;
daz recht nîman gelêren kan, / daz den lûten allen / kunne wol
gevallen SSp (W)
Reimvorr. 123;
nieman den lûten allen / zu danke lebete noch en sprach, / man wil
ouch mich verschallen ebd.
Reimvorr. 54;
vgl. auch:
in [den wîsen man
] dûhte der
niht wol gemuot, / der aller der liut willen tuot UvZLanz
(K)
6.
– auch sprichwörtl. (?):
swâ guoten liuten wol geschiht, / daz gefüeget sich wol alsô
UvZLanz (K)
1600;
man sol zu recht guͦt lúte senden da man hohe
sach wil enden Lanc
147,31
1.2.3
in Verbindung mit einem Attribut näher spezifiziert als
einer best. Gruppe zugehörig
1.2.3.1
relig.-kulturell einem best. Volk bzw. einer best.
Volksgruppe zugehörig:
vnde saget den
krischennischen [griechischen] luten, /
daz ich in enputen, / daz sie hinnen keren Herb
397;
diu liute von Kriechen sint swach / an herzen
unde an were Eracl
4442;
dise súnde ist nit von cristanen lúten ufkomen
Mechth
7: 47,7;
so sint einu liute da bi, / haizent Arimaspi
HimmlJer
231;
mit den sint bezaichent die hebreischen læut
PrOberalt
48,12.
151,11;
BdN
283,12;
Spec
69,7
1.2.3.2
gesellschaftl. einer best. sozialen Schicht oder
Gruppe zugehörig:
–
biderbe/êrhafte/ guote ~
u.ä.
für unbescholtene, rechtsfähige Personen (die auch als Zeugen
fungieren können):
und her ime sîne kost gelde nâh gûter lûte kure SSp
(W)
2,29;
vnd svln die bvrger iegesliches tors slivzel bevelhen bîderben
livten UrkCorp (WMU)
33A,2;
Ot der Sneider, Leutwein von Teusendorf vnd ander guͦt vnd
getriwe leut ebd.
3411,14;
den ersamen lûten, den burgern vnd dem rathe von Zûrich ebd.
2209,17
u.ö.
–
edele ~
auch ‘Edelleute,
Adlige’
wir edele lude, Otte, der greue van Gelren, Diederich, der
greue van Clieve UrkCorp (WMU)
75,32.
71,7.
3127,34.
–
eigene ~
‘Leibeigene’ (s.a.
eigen
Adj. 1.2.1):
alle die eigene liute die zv der chirchen gehoͤrent
UrkCorp
2050,8;
daz einkein herre erben sol siner eigener luͦte eigen
UrkCorp (WMU)
3290,30.
494,25.
–
geistliche ~
für Geistlichkeit
und Ordensleute (s.a.
geistlich
2.2.2):
disiu dinch uernement geistliche lîute wole
JPhys
17,29;
als es wol gecimet geistlichen lûten
StatDtOrd
44,24;
das hindert geistliche lúte allermeist an
rehter vollekomenheit Mechth
5: 33,3;
Tauler
127,12;
VMos
35,25;
PrOberalt
171,35.
–
gërnde/ var(e)nde ~
für das
fahrende Volk oder Wandersänger (zur Sache vgl. LexMA 4,231; s.a.
Friedrich, PhrasWB, S. 279 sowie
gërnde
Part.-Adj. 2):
vil varnder liute man dâ sach Mai
88,25;
swen gerende liute gerne suochen, der ist êren rîche
Unverzagt
3:8,1;
zu der bruloch so quamen do dar / varender lude manche schar
KarlGalie
13523;
eralden [
heralden
Spielleute] und gernde leút / dez fursten mild al
da erfreẃt Suchenw
4,139;
dy varenden lewte geleiche / machte man alle
reiche HvNstAp
4054.
6011.
18416;
RvEGer
5074;
WälGa
3791.
–
guote ~
spez. als Bez. für das städt. Patriziat in Köln:
nu hore dan wat myn konynck dede / zo Coelne in deser hilger
steyde / umb der vil gueder lude beide HagenChr (G)
218
u. ö.;
vort die gude luͦde, die uzzir irme ampte wordin gedan inde
vmbedingit sint, die sulin wiedir in ir ampt kuͦmin UrkCorp
(WMU)
62,44;
spez. für ‘Aussätzige, Leprose’ (vgl. DWB
4,1,6,1292f.):
alles daz reht daz sie haten an der nvͥwen mvͦlen die da
gelegen ist vf der wisen [...] bi den
gvͦten lvͥten vor der stat ze Halle UrkCorp
2539,40;
her Cvͦnrat Hv́bischman vnd die bruͦder phleger des hvses der
guͦten lûte [des Gutleuthauses] der
siechen bi Friburg an dem velde UrkCorp (WMU)
1648,13.
N103,24
1.2.4
einer best. (Herrscher-)Person oder Institution zu- bzw.
untergeordnet (s.a.
eigenliut
)
1.2.4.1
in relig. Kontext:
hilf [Maria] dinen armen
luden, / die dig van allen landen / widene ane ruofent
MarldA
262;
er sprichet, daz er in dem wone, der sinen willen
toͮ, unde er sî unser got unde wir sin sîne lûte Spec
135,22
1.2.4.2
in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch
‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im
krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen):
sî mugen ouch lûte, wîp unde man, knehte unde
dirnen, zu êwelicheme rehte besizzen StatDtOrd
30,15;
‘hatt er vil lúte?’ ‘er hatt wol hundert tusent
man zu roß.’ Lanc
235,27;
besendet iuwer liute / morgen unde hiute
Iw
2149;
vnd sulen ouch vnser reiter vnd vnser beste levte zwelfe
[
1603A,21: militares
homines nostri
]
[...] im sweren UrkCorp (WMU)
1603B,16
u.ö.;
ich wil gerne dingen / mit allen minin luͦten
Rol
603;
Ägidius
805;
Hochz
157;
PrOberalt
169,35;
HagenChr (G)
231.
– formelhaft mit guot bezogen auf die
Gesamtheit des Besitzes und Herrschaftsgebietes (vgl. Friedrich,
PhrasWB, S. 279):
ich was herre über ditze lant / unde stuont
gar in mîner hant / beidiu liute unde guot Wig
4678;
liute und guot, swaz heizet mîn, / daz kêr
ich iu gein diens siten Parz
362,2;
nu fuoren si zuo unde samneten allez ir
geslähte und alle ir liute und allez ir guot unde fuoren gegen
Egipten BuchdKg
26,14;
KvWTroj
19179;
Krone
7916.
– formelhaft mit lant auf das gesamte
Land mit seinen Bewohnern, das gesamte Herrschaftsgebiet bezogen
(vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279):
si gap mir liute unde lant
Parz
90,24;
sô daz ich mîne liute / und mîniu lant behalte
KvWSchwanr
866;
umbe ewelichen vride uͦns lanz inde vnsir luͦde
UrkCorp
62,26;
lant und lute warent uch under than SalMor
416,3;
Herb
3946;
Iw
7715
1.2.4.3
in familiär-verwandtschaftl. Kontext:
Dan scol gibieten ouch sînen lûten / sam ander
sîn chunne mit lutzeler wunne Gen
2840;
ich mache von dînem geslähte alse vil liute dar
inne die unzalhaft sint BuchdKg
27,2
2
Gebrauch als Kollektivum (häufiger stN., seltener stM.)
2.1
allg. ‘Menschheit, Menschengeschlecht’
der tûvel hete daz lût betrogin PrMd (J)
340,12;
diz lût wêre dar an glîch, / iz wêre alliz sterblîch
SAlex
4858;
er was rîch unde gewaltic, / dô was daz liut einvaltic, /
daz twanc er in sîn gebot RvEBarl
9952;
ÄJud
3.
–
got hat liut und lant [Menschen und Welt] /
von manigem wunder gemaht, / mit sîner tougen bedaht UvZLanz
(K)
7906
2.2
nicht näher spezifiziert einen Personenkreis bezeichnend,
‘Gruppe (von Leuten), (Menschen-)Menge’
von des liutes schalle daz gebirge allez erdôz
NibB
961,4;
daz liut allesament kam, / ritter und vrouwen UvZLanz (K)
2164;
des mers vluot der ünde / mac sô manige niht getragen, /
als liute drumbe wart erslagen Wh
8,14;
also, daz wir, noch vnsers luͥtes nieman, noch enheiner vnser erben siv
dar an vvͥrbaz me beswaͤren vnd geirren svln UrkCorp (WMU)
159,22;
sich hof der lut ouer den doz / dar wart der scal harde
groz Roth
2987
(vgl. Roth (V), Anm.z.St.);
Ägidius
1319;
Lucid
94,11
2.3
(mehr oder weniger deutlich) spezifiziert bezogen auf eine
Gruppe von Menschen, die hinsichtlich ihrer historischen, sozialen, kulturellen
bzw. politischen Zusammengehörigkeit bestimmt ist, ‘Volk,
Bevölkerung’
2.3.1
allg.:
der pabeste, der gebot oͮch mit rate des sendes vnd
mit verhanchnusse des romischen liutes Konr
15,56;
got hat dich irhoret, / daz lút wirdit bekeret
Rol
58;
er [Alexander] irslûc des
lûtes [von Tyrus] de menige
SAlex
1299;
si wurten swarz unt egelîch, den ist nehein liut
gelîch Gen
656;
VMos
77,2;
PrMd (J)
341,32;
Kchr
10403.
– im Pl. wohl hierher i. S. v. ‘Völker’ (aber
auch Zuordnung zu 1 möglich):
bi Salmonis zitin / was sulich vridi undir din
lutin, / swelich enti dir man wolti varin, / niheinis urlougis wart man
giwari LobSal
240;
und wan ich gerne hæte erkant / unkunde liute und
vremediu lant Tr
3116
2.3.2
im relig. Kontext:
daz ist daz juͤdisch liut PrOberalt
68,13;
von deme wirt geborn der ze hirte ist irchorn / uber
al den liut der gote scolte wesen liup Gen
2945;
daz heidiniski lîut daz uone suntin inuinstere was
JPhys
7,7;
daz daz israheliske liut da verlorn was!
AvaLJ
71,4;
Spec
131,21;
VMos
32,1.
–
der selb chnopf [Verbindung am
Leuchter] bediutet den heiligen Christe, der diu zwai
liute, die iuden vnd die heiden, gesament hat in einem gelouben
Konr
21,28.
–
Bâlââmes sternen schîn / erschein an der gebürte
sîn, / daz mensch wart in Jerûsalêm, / der herzoge kam von Betlehêm, /
der von der sünde arbeiten / sîn liut solte leiten, / als Michêas im
gehiez RvEBarl
2624;
der gewaltige got zu in sprah / min livt hat
gesundet / si habent garnet den tot VMos
53,2;
mines trehteins læut PrOberalt
12,38
u.ö.;
Spec
66,27.
140,8
2.3.3
in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch
‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im
krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen):
sô nim dû mîn liut unde var / hin heim ze Parmenîe
wider Tr
7468;
do huͦben sich gewisse / der kuninc vnd der bischof /
zvͦ den uorste uil drate / sam grozeme lute Ägidius
464;
wir geben ire scaz unte vihe, eigines unte liutes
vile Gen
1613;
do si do fuoren an die vart / unde der liut gesamenet
wart Hochz
268;
her heiz daz luth unde die riesin ingan
Roth
805;
ê er [der König] sinem
lîvte bvͦzze unde riwe satzte Spec
63,13;
Wh
335,1;
Rol
3737.
– formelhaft mit guot bezogen auf die
Gesamtheit des Besitzes und des Herrschaftsgebietes (vgl. Friedrich,
PhrasWB, S. 279):
darnâch reit er wider in sîn lant Sennaar unde
fuorte mit im liut unde guot BuchdKg
61,8;
sô wirt liut unde guot verbrant / und swaz iu,
herre, an hœret KvWTroj
19014.
– formelhaft mit lant auf das gesamte
Land mit seinen Bewohnern, das gesamte Herrschaftsgebiet bezogen (vgl.
Friedrich, PhrasWB, S. 279 und
lant
6.4 mit weiteren Belegen):
scolt ich in toten mit miner hant, / ich gabe
liut unde lant Rol
2580;
er bevalch sîn liut und sîn lant Tr
465;
und enpfalh im gar in sîn hant / beidiu liut und lant
UvZLanz (K)
1246;
Iw
2889;
Wig
9437;
erweitert:
er nam im luͤt, guot und lant Ammenh
7222
2.3.4
in familiär-verwandtschaftl. Kontext, auch ‘Familie,
Verwandtschaft’
got geruoche dich geseginen und lâzza dich sô
gemeginen [zahlreiche Nachkommen bekommen] , /
daz dû mit liutes chrefte chomest zuo dînem erberehte Gen
1235;
daz er [Herakles] durch
tobenden unvuoc / sîn liut und sîn kint ersluoc RvEBarl
10146
MWB 3,3 1218,11; Bearbeiter: Luxner
liut-
s.a. lût-
MWB 3,3 1222,1;
liutærinne
stF.
‘Glöcknerin’
item ainer leütärin 4 fell UrbSonnenb
120
MWB 3,3 1222,2; Bearbeiter: Luxner
liutbære
Adj.
‘öffentlich’ (für weitere Belege und Ableitungen vgl. AWB 5,1221; s.a.
lûtbære
):
publicus: lvetparer SummHeinr
2:427,01.87
MWB 3,3 1222,4; Bearbeiter: Luxner
liutbrehe
Adj.
→
lûtbrehe
MWB 3,3 1222,7;
liutbrôt
stN.
‘gewöhnliches, nicht geweihtes Brot’ (vgl. AWB 5,1222; s.a.
leienbrôt
):
panes laicos: liutprot, leginproth, [...], lainprot
Gl
1:402,63
MWB 3,3 1222,8; Bearbeiter: Luxner
liute
stF.
vgl. ahd. [h]lûtî stF.; vgl.
lût
stM., lûte stF.
‘Ton, Laut’
ich wil mit hôhen liuten schallen Walth
63,26.
– auch ‘Lärm, Getöse’
sein [des Felsstroms] rvns in der leute stuont
[verursachte ständigen Lärm]
Krone
7983;
si sagt im, waz die leute, / die si horten, bedeute, / so starch vnd so grimme
ebd.
7990
MWB 3,3 1222,11; Bearbeiter: Luxner
liutehe
stN.
hier -ech.
‘Menschenmenge’
ez zürnet unde grînet daz arme liutech, sô im einiger halm an dem wege lît,
unde grînet unde fluochet unde schiltet unde wüetet, sam ez mit dem tiuvel behaft sî
PrBerth
1:101,9
MWB 3,3 1222,18; Bearbeiter: Luxner
liutel
stM.
‘Glöckner’
darumb hat er buͤrgen gesatzzet Conr[at] und Heinr[ich] di eisenhuter, den
coler, den smit und den levtel NüP
192
MWB 3,3 1222,23; Bearbeiter: Luxner
liutel
stN. (Pl.)
Dimin. zu
liut
,
‘kleine, kleingewachsene Menschen’
ez sint auch klaineu läutel, die wonent auf ainem perg in
India, die haizent Pigmêi, diu sint zwaier daumellen lanch und streitent mit den
kränichen BdN
490,35.
491,1
MWB 3,3 1222,26; Bearbeiter: Luxner
1liuten
swV.
auch ge- (
UrkCorp
248B,10
);
Prät. auch lût(t)e,
loute (
Serv
3208
);
durch graphemische Mehrdeutigkeiten sind, bes. in md. Texten, Belege nicht immer
eindeutig
1liuten
1 (von ahd. [h]lûten) oder →
lûten
(von ahd. [h]lûtôn) zuzuordnen (vgl. AWB
5,1439-1442. 1446f.).
1 intr. ‘einen Ton, Klang, Laut von sich geben’
1.1 von Glocken ‘läuten’
1.2
‘(er-)klingen, (er-)tönen’
1.3
‘sich anhören, lauten, klingen’
2 tr. 2.1
‘etw. läuten, zum Läuten, Klingen bringen’ (i.d.R. von Glocken) 2.2
‘einläuten’
2.3
‘etw. verkünden, (aus-)rufen’
2.4 wohl auch ‘jmdn. (durch Läuten?) rufen’ (vgl. FrlWB, S. 216)
1
intr. ‘einen Ton, Klang, Laut von sich geben’
1.1
von Glocken ‘läuten’
vil glocken hôrte man dâ liuten Ottok
18439;
da hort der konig ein glocken lúten zu eim closter
Lanc
537,22
1.2
‘(er-)klingen, (er-)tönen’
swer in [den Stein] rehte
erkennen sol, / der slahe dar ûf lîse: / sô liut er in der wîse / alsô hô und
alsô helle / rehte als ez sî ein schelle Volmar
502;
ouh lûtte an der stunden / daz hêrlîche
tier [ein Automat] / mit der stimmen alsein
pantier SAlex
6024.
– von Instrumenten (auch mit indir. Obj.):
do luitin simo [
si
imo
] zisamini / mid trumbin joch mid cymbilin, / mid
phigilin undi swegilbeinin, / mid rottin undi mid lyrin, / mid phiffin undi
mit sambuce [Pauken]
ÄJud
25;
die orgellen lútent hoch Tauler
292,14
1.3
‘sich anhören, lauten, klingen’
ie ze siben stunden koment die heligen engel zuͦ dem
lichamen mit lobelichem sange, der lutet alsus: helig, luter, einvaltig, wise,
gotte von herzen liep Mechth
4: 23,10;
aber es lutet groblichen und machet doch verstentlich
Tauler
294,1;
ez liutet tôrlîche und ist doch wâr Eckh
1:50,1.
– zu liuten i.S.v. ‘bedeuten’ bei
Tauler ( 164,33. 166,19.
167,2) s. Corin, TextkrV, S. 31f. und vgl.
Eckh
2:239,1.
2:569,5
2
tr.
2.1
‘etw. läuten, zum Läuten, Klingen bringen’ (i.d.R. von Glocken):
zv der kirchen lief er vnd nam / die gloksnvr in die hant
/ vnd lvte die glokgen, die er vant ReinFu
K,1572;
daz men ze hochgeziten vil gloken lutet
Lucid
86,2;
da sal min eini glockin zu luiti Mühlh
151,15;
man liutet den singôz [eine kleine
Glocke]
EnikWchr
26043;
ir sît wol wert, daz wir die gloggen gên iu [für
euch] liuten Walth
28,14;
StatDtOrd
95,32;
StRAugsb
50,10;
HvNstAp
16873;
KvWEngelh
3291;
WüP
7c,12.
– mit Refl.-Pron.:
dâ liutt sich vil helle / in dem palast ein schelle
EnikWchr
21053;
sich begunden über al / die glocken selbe liuten Greg
3757.
– mit Aussparung des dir. Objekts:
warunbe lúte wir niht in den drien dagen?
Lucid
109,18.
109,20;
nâch siten kristenlîchen man vil liuten began
NibB
1850,4;
do lief er hin vil schiere, / da er die gloksnure
vant, / und begunde liuten zehant / ze sturm wol mit schalle
StrKD
70,38;
diu pfafhæit loute unde sanch Serv
3208;
NvJer
12627;
mit präp. Erg., zu einer best. Zeit bzw. einem best. Anlass läuten
(als Aufforderung zu einer bestimmten [liturgischen] Handlung):
nu man zer mettînstunde / liuten begunde
Tr
15140;
sô man hînt metten liute ErnstD
5305;
lvtin ze gottis dienste BrEng
47;
RvEWh
14783;
StRFreiberg
246,3;
vgl. auch:
man lûte dâ zem münster nâch gewoneheit
NibB
1005,1;
daz die vurginantin burgar sulen an sunnentage, der nu kumet, als die
phaffen in komen sulint, luten uf den hof zuͦ Spire UrkCorp
(WMU)
680,5.
–
mit geliuteten glocken
‘unter Glockengeläut’
do zoch brvͦder Heinr. das selbe gvͦt [...]
in des klosters gewalt mit gelvten glogen nach des landes sitte
UrkCorp (WMU)
341,11.
– subst. ‘Glockenläuten’
waz sol diz liuten diuten? UvTürhTr
3481;
daz mir daz liuten [des
singôʒ, einer kleinen Glocke] werd bekant
EnikWchr
26035;
das ir da [die Messe] singent oder heizent
singen, doch mit beslozzenen tvrn vnd ane lv́ten UrkCorp
(WMU)
93,38.
1797A,6.
– bildl.:
dez hungers helle gloggen / in sin ore liutent Martina
131,21
2.2
‘einläuten’
an sant Evlalien tach, des samztages, so man læt daz vrævden gesanch
alleluia UrkCorp (WMU)
345,8;
als man none geludet hett Lanc
593,19;
dâ sal der capellere die gecît zu rehter cît heizen lûten
StatDtOrd
117,28
2.3
‘etw. verkünden, (aus-)rufen’
dar nach lutet der priester mit der stimme: ‘nobis.’
Lucid
100,13.
80,10;
ich hoͤre ein stimme, die lutet ein teil von minne
Mechth
1: 44,11.
3: 24,24;
swenne man die chuntschafft bringen und lütten will UrkLudw
211
(a. 1344);
HeslApk
9416
2.4
wohl auch ‘jmdn. (durch Läuten?) rufen’ (vgl. FrlWB, S. 216):
sit daz mich lut [La. leuͤt
] / kunst
uf bescheidenheit Frl
8:8,6
MWB 3,3 1222,31; Bearbeiter: Luxner
2liuten
swV.
‘mit liut versehen’, hier als Part.-Adj.
‘bevölkert’
die liute sint gelandet [mit Land versehen] wol, /
diu lant niht wol geliutet RvZw
215,2.
–
‘ mit Gefolge ausgestattet’
da von haist er ein herr groz / daz im volgt ein grozzew
schar. / daz pringt auch der phenning dar: / so er ie mer zu geben hat, / so er ye
paz gelauͤtet stat Teichn
417,38
MWB 3,3 1223,52; Bearbeiter: Luxner
liutenære
stM.
‘Glöckner’
vnnd sünndt dissz die amptleüth: ein marschalckh, ein schultheisz, ein
schaffner, ein köller, ein cammerer, ein koch, [...], ein
stadler, ein hengeisen [Aufseher über Maß und Gewicht]
vnd ein leüttner WeistGr
4,190
(a. 1339)
MWB 3,3 1223,59; Bearbeiter: Luxner
liutere, lûtere
stF.
vgl. AWB 5,1449 s.v. [h]lûtt(a)rî.
1
‘Klarheit, Ungetrübtheit, Durchsichtigkeit’
2
‘Reinheit, Unvermischtheit’
2.1 eigentl. 2.2 übertr. auf Sündenfreiheit, Unschuld, Aufrichtigkeit u.ä. 3
‘Helligkeit, Glanz’
1
‘Klarheit, Ungetrübtheit, Durchsichtigkeit’
von noͤten wart gehilwet [vernebelt] dem lufte sin
klare luͤter, / diu erde clein gemilwet [die Erde
zerstäubt]
JTit
4153,1;
die zaichenn dez gueten wassers sind rinnge, lauttre, weisse
unnd guet waß [
levitas, claritas, albedo, bonus
odor
]
HvHürnh
51,7;
Rennew
21307.
21037;
div livter merchet man an der lampen. div ein livter
[Adj.] glaz ist PrLeys
22,34
2
‘Reinheit, Unvermischtheit’
2.1
eigentl.:
daz allez golt vorturet / an der luttere
HeslApk
6975
2.2
übertr. auf Sündenfreiheit, Unschuld, Aufrichtigkeit
u.ä.:
swâ liep gein liebe erhüebe / lûter âne trüebe
Parz
533,26;
dú unbetruͦbde lutri der ganzen gothait PrGeorg
62,15.
56,6.
80,7;
in luthiri des herzin [
in puritate
cordis
]
BrZw
20;
BrEng
20;
mit aller demvͦti vnde der luthiri
andahit [
cum omni humilitate et puritatis
devotione
]
BrZw
20;
BrEng
20;
die vollen / luttere siner unschuldikeit
HeslApk
1981.
10884;
waz dem menschen an lútri des gebettes abe gat
Seuse
505,18;
die dar genennet wurden mit der schrifte, / di warn also bekennet, daz ir
deheinez ot nimmer mein [Falschheit] gestifte. / und
die man in der luter nicht bekande, / der nam da wart verborgen, daz si zem gral
mit schrifte nieman nande JTit
520,3
3
‘Helligkeit, Glanz’
ein schilt [...] was der niuwan
silberwîz, / durch daz er einbære / helm unde ringen wære. / er was aber
gebrûnieret, / mit lûtere gezieret / reht alse ein niuwe spiegelglas
Tr
6612;
wen die luttre der gotheit / schein durch daz vleischinne
cleit HeslApk
10669
MWB 3,3 1224,1; Bearbeiterin: Baumgarte
liuteren, lûteren
swV.
auch liutern, lûtern und ge-.
1 tr. 1.1
‘etw. läutern, reinigen’
1.1.1 allg. 1.1.2 übertr. 1.2
‘etw. entfernen (zum Zweck der Reinigung)’
1.3
‘etw. erhellen, klar machen’
2 intr. ‘lauter, rein, hell, klar werden’
1
tr.
1.1
‘etw. läutern, reinigen’
1.1.1
allg.:
man läutert den balsem mit ezzeichwaschen
BdN
360,24
u.ö.;
honige daz wol gelutert si SalArz
39,18;
und sol ez [das Korn]
dennoch gefeget und gelutert sin, als voͤr gerett ist WüP
75,10;
min fuͤsse [...] hand ich geweschen, daz ist
gelu̍ttru̍d [
purificavi
]
RvBib
129,3.
– von den Augen (auch i.S.v. 1.3):
wiruͦch getempert mit dez eiez wissen unde an di
ougen gestrichen, lutert si Macer
87,3;
triure und üppeclîchiu clage / deist mîn und
aller vrouwen site; / hie reine wir diu herze mite / und liutern diu
ougen Tr
14961.
– bes. von Metallen (auch im Vergleich):
dem golde ich iuch gelîche, / daz man liutert in
der gluot Parz
614,13.
37,6;
alse daz gelutterete golt inder esse
Litan
642.
248;
man mag ein kopfer also dicke / lutern an dem
heizen vure Brun
974;
dv has biwart vns got im wure
[Feuer] vns has dv gilutirt alsam wirt
gilutirt daz silber BrZw
7;
Frl
5:46,11;
KLD:Kzl
16: 4,1;
Rol
7755;
KLD:UvL
14: 4,2;
Tr
12941.
13073.
– ohne Obj.:
golt hât die art, daz ez kreftigt und läutert
oder rainigt BdN
474,27.
– refl.:
ob er [der Kranke] aue
gnesen scol. so cheret sich der uogel
[
karadrîus
] zuͦ deme manne unt
tuͦt sinen snabel uber des mannes munt. unt nimit des mannes unchraft an
sich. sa uert er ûf zuͦ der sunnen. unte liuterit sich dâ
JPhys
26,11
1.1.2
übertr.:
emzig vͤbung der betrachtunge an ewigen dingen lutert das gemvͤt
RvBib
49,8;
wiltu niv komen zvo des herzen reinikeit, so mvostiu es mit livter vnd
mit gancer bihte wol gelivtern vnd gereinen Bihteb
5;
der Îsôt under ougen siht, / dem liutertz herze unde
muot Tr
8291.
4703;
Parz
614,14;
Tauler
129,28
u.ö.;
Himmelr
5,30;
Rol
5135;
KvWLd
32,144.
– mit Akk.d.P.:
wolde got unde were ich is wert / daz mich uûr
oder swert / geluͦterete an deme libe Rol
1067;
an dem svnnentage habent alle die sele genade, die
cze der helle niht gaht sint, da si ewichlich verlorn sint, svnder die
da geluteret schulen werden mit dem viwer Konr
1,58.
– mit präp. Erg.
~ von zur
Bezeichnung des zu Entfernenden (s. a. 1.2):
daz er dur dine wirdi und dur dine undirchunft mine sele und minin
lichamin gireine und gilutere uon allir unreinicheit
MuriGeb
554;
der pine mag nieman enberen, wan si lútert den
menschen ie von stunde ze stunde von sinen manigvaltigen súnden
Mechth
5: 2,15;
Konr
23,51;
PrEngelb
214,18.
– refl.:
unde ist er danne sunden vol in sinen mittel jaren: / eriner var
[wie Eisenerz (in einem größeren
Vergleich)] . / so er sich selber lutert nicht, her wil
vuͦrharten zwaren / in sunden gar Rumelant (K)
4:2,7
1.2
‘etw. entfernen (zum Zweck der Reinigung)’
die sunde were da mite / geluttert daz der zu ir greif, /
Got, der an sunden nie besleif HeslApk
3265;
sich uf, du hohez adel und rechter eren kefs: / des wandels trefs
[Unkraut] / uz dinen witzen liuter, / wenn der
selden kliuter [Verlockungen der sælde
] /
sich widemen dir mit ritterschaft Frl
5:25,3;
dauon wir raten disen tagen der uastun aller lutirkait
daz leben sin halten alle gilich vnde di sumsuli ander zihte disen tagen
hailigen luterne [
neglegentias aliorum temporum his diebus
sanctis diluere
]
BrZw
49;
Eckh
1:331,7
[
diluere
]
– refl.:
zo lutirt is [
daʒ vël,
‘Star, Augenerkrankung’
] sich
Albrant
3,48
1.3
‘etw. erhellen, klar machen’
dirre mislîche schîn / sô geebent und sô geliutert was / daz er
[der Stein] glaste sam ein glas Er
8218;
Ericius der held erkouss / zwölff junkfrowen schanden
bloss, / der farwe schon gelüttrett waz / alsam der tag, als ich es lass
GTroj
23445.
– übertr. ‘erläutern, erklären’ (v.a.
rechtssprachlich):
doh swoz dar an ze chrieg wirt, daz behalten wir vns, daz wir daz
levttærn vnd beschaiden UrkCorp (WMU)
3452,14;
wart diss [die Ordnung] also gelütert durch
die zinslüt im dinkhoff zu Brattellen WeistBa
128
(a. 1333);
UrkBern
6,754
(a. 1343);
StRMünch
379,1.
– hier ‘über jmdn. gerichtlich entscheiden’ (vgl.
Glr.; anders DRW 8,793):
gescheh aber das, daz der burger sins herren hulde gewenne in dem
jare, als hie vor geschriben stat, woͤlt ime der herre des loͮgenne, so sol
in der burger des bezúgen; woͤlt aber in der herre lútern nach dem jare,
so sol sich der burger entslahen mit dem aide, daz er sins herren hulde
gewunnen habe StRVill
8.
20
2
intr. ‘lauter, rein, hell, klar werden’
der scholl [Lehm] was naß und
spriczet im in die augen, das sie im in guter wil kum geluterten Lanc
240,28;
so lutern unse ougen / (daz ist niekein lougen), / die da bi
den jaren / gar vorblindet waren HeslApk
7999;
sô daz trüebe danne gevellet / und sich der most ze wîne stellet / und er
gelûtert von grunde, / sô daz die gerben ligent drunde LvRegSyon
2656;
Ipocr
242.
–
swâ adel tuot adellîche tât, / der adel liutert immer KLD:
SvT
1:1,8.
– i.S.v. ‘frisch werden’
daz ime lîch unde varwe / wider lûteren begunde
Tr
8145
MWB 3,3 1224,33; Bearbeiter: Luxner
liuterunge, lûterunge
stF.
‘Läuterung, Reinigung’ im relig. Kontext:
ich bitte dich, herre, umb reine lúterunge und geistliche
bestandunge Mechth
5: 35,46;
so du ruwic mich irvreisches, / lutterunge mines vleisches
HeslApk
4810.
11818;
daz enist nút me denne eine bereitunge und eine luterunge
zuͦ eime bessern diner wercke Tauler
70,11
u.ö.
– als Übers. von lat. passio (vgl. aber Glr., das es
zu lat. depuratio stellt):
da von wedürffenn si ainer lanngen underschiedunge zu ir
selbs lautterunge [
ad sui passionem
] , das die
grossen dünste davon gesundert werdenn HvHürnh
46,10.
– die Reinigung Marias nach der Geburt Jesu (vgl. Lc 2,22 und
ferner Lv 12):
nachdem derfüllet sint di tage der
lütervnge [
dies purgationis Lc 2,22]
Marien nach der ee Moisi EvAug
128,16;
do si du erfulden der juden luterunge / unde si da getageten
AvaLJ
29,1
MWB 3,3 1226,3; Bearbeiter: Luxner
liuteschiehe
swM.
lt. W. Tauber (vgl. Anm.z.St.) wohl Bez. für jmdn., der mit seinem starren Blick
Leute beunruhigt (Zweitglied zu
schiehen
bzw.
schiuhen
; anders A. Wallner ZfdA 72 (1935), S.
264):
sust gebart er [der durch unzüchtige Rede auffällt]
als die leuteschihen. / er kan die ougen niht wider zihen, / wo er hin beginnet
sehen Jüngl
597
MWB 3,3 1226,21; Bearbeiter: Luxner
liutestërbe
swM.
auch liut-.
‘Massensterben, Seuche’
daz er [David] ] drîer buoze eine næme,
[...] daz siben hungerjâr kæmen über alliu sîniu lant,
oder daz er drîe mânôde flühtic müeste sîn vor urliuge unde vor sînen starken
vîenden, oder daz drîe tage der liutesterbe in sînem lande über al solte sîn
[
erit pestilentia in terra tua (II Sm
25,13)]
PrBerth
1:9,5;
daz drî tage ein grôzer liutsterbe sî in dînem lande ebd.
2:3,29.
2:4,21;
nu fuogt sich, als noch dick geschiht / und man gemeiniclîch ouch siht, / daz
ein liutsterb kom in daz her / und az daz her mit grôzer zer HvBer
7376.
– hierher oder subst. Verb (?):
die drî tage liutsterben, die bezeichent die buoze, dâmit man den lîp tœten
sol für die sünde PrBerth
2:12,12
MWB 3,3 1226,28; Bearbeiter: Luxner
liute|stërbôte
stN.
‘Massensterben, Seuche’
daz bezeichenet
bisextum [Schaltjahr] oder lúte sterbote oder slahte
oder strit in dem riche Lucid
53,11
MWB 3,3 1226,43; Bearbeiter: Luxner
liutkirche
swF.
‘Pfarrkirche’ (vgl. Masser, Gotteshaus, S. 95ff.):
we dem vnuersinten man / der siner luͤtkilchen entran / vnd sich froͤmbden
herren git Barfüsser
36;
liutkirchen, klôster, bistuom / der wart durch gotlîchen ruom
/ vil gemachet überz lant RvEBarl
13607;
das wir v́nser kilchen ze Friburg vnd ze Múlnheim vnd ze Baden, die drige
lútkilchen, gesezzet vnd ze koͮfe gegeben haben UrkCorp (WMU)
1083,45.
2353,15.
2130,41;
OberrhChr
43,36;
Ammenh
17487
MWB 3,3 1226,46; Bearbeiter: Luxner
liutkraft
stF.
‘Menschenmenge’
duͦ der dritte keiser Heinrîch / demi selbin heirrin bival sich, / vnti der
godis willo was irgangin, / dar her ci Kolne ward mit lobe intfangin, / duͦ gieng
her mit liut crefte Anno
34,9
MWB 3,3 1226,56; Bearbeiter: Luxner
liutlôn
stN.
‘Geld, Lohn für das Glockenläuten’
er [der Messner] sol auch der pfarr ir kertzen
vordern und einnemen und daz leutlone dem pfleger allez antwuͤrten
NüP
197
MWB 3,3 1226,61; Bearbeiter: Luxner |