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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   liumunt - liutlôn    


liumunt stM. große Formenvarianz: lu(i)- ( Will ; StatDtOrd ); lvmed Martina 117,20; lie- ( Konr 7,13 ), liumet ( KvWTroj ; WvRh 8000 ), verkürzt liumt, leumt ( PrOberalt 85,1; Krone 1048; WvRh 7860; PrSchw 1,21 ), leunt, liunt ( HvHürnh ; EvAug ; Ottok ; PrHoff 73,14; UrkWittelsb 1,147 (a. 1255)), lúmde, lúnde ( Seuse ); swM. (z.B. PrBerthKl 5,58; HvHürnh ; EvAug 32,19; Seuse ; PrSchw 1,21 ). 1 die gesellschaftliche Stellung betreffend ‘Ruf, Ansehen, Leumund’
1.1 allg.
1.2 positiv als guoter ~
1.3 negativ als bœser ~
2 was erzählt, berichtet wird
2.1 über etw. oder jmdn., i. d. R. negativ konnotiert ‘Gerücht, (üble) Nachrede, Verleumdung’
2.2 spez. als Bez. für die vierte Gliederungsstufe eines Textes im WälGa (vgl. Palmer, Kapitel, S. 69)
   1 die gesellschaftliche Stellung betreffend ‘Ruf, Ansehen, Leumund’    1.1 allg.: vnd allez, daz ivren livmvͤnt vnd ivre ere mag geminneren vnd geswechen, daz verpieten wir SpitEich 40,11; sô man gemerket, in welher ahte unde welhes lûmundes sî der brûder, der gerûget ist StatDtOrd 79,21. 83,30; dv solt gedultich sin gein dinem næhsten, swenne er dir nimt daz dv hast, swenne er dir dinen livmden swechet PrBerthKl 5,58; StRAugsb 111,9; WüP 46,1 u. ö. – auch ‘Ruhm’ in dem zit do hort Herodes ein fürste über vir lant den livnten von Ihesu EvAug 32,19; sus tet dirre liumet in [Jesus] bekant / allen gebürten [Geschöpfen] dur diu lant WvRh 8000; und wart sein [Alexanders] leünt [ fama sua ] gepraitt über alles ertreich HvHürnh 1,8    1.2 positiv als guoter ~ : darumme daz sî an ir gûten lûmunde oder an anderen ir dingen iht schadehaft mugen werden StatDtOrd 50,20. 79,2; pei der fledermaus verstên ich die valschen nâchreder, die den läuten in der vinster, daz ist haimleichen, ir êr abpeizent und verderbent in daz antlütz irs guoten leumundes und irs löbleichen namens BdN 227,16; als chumet uon den guten werchen der guͦt leunt PrHoff 73,14; wann wer pegeret den gueten leunten [ bonam famam ] , der wirt namhafft und erlich HvHürnh 6,2. 6,5; PrOberalt 85,1; SpitEich 42,25; VMos 83,21. do begvnde sich vaste breiten der svͦze liemvnt von siner heilicheit Konr 7,13    1.3 negativ als bœser ~ : wirte unde die stete, die bôses lûmundes sint, sulen sie vermîden StatDtOrd 50,16. 82,5    2 was erzählt, berichtet wird    2.1 über etw. oder jmdn., i. d. R. negativ konnotiert ‘Gerücht, (üble) Nachrede, Verleumdung’ ez sî wâr oder gelogen, / swaz in den liument wirt gezogen, / der inziht [Anschuldigung] dâ heizet, / der quicket unde reizet / ie zer ergeren hant Tr 15400; daz ez sîne vriunt und sîne man / vernemen unde hœren, / ob er hie mite zestœren / disen liument unde dise lüge / mit unser aller râte müge ebd. 15463. 15406. 15394. – zur schnellen Verbreitung von (falschen) Gerüchten: nu flouc dirre liumt gelîche / über al daz künecrîche, / dâ von älliu diu diet / in ze lobenne geriet WvRh 7860; KvWTroj 24714    2.2 spez. als Bez. für die vierte Gliederungsstufe eines Textes im WälGa (vgl. Palmer, Kapitel, S. 69): etlich teil hat zehen capitel, etlichz mer, etlich minner unde ein ieglich capitel hat sinen liunt, etlichz vil, etlichz lutzel WälGa Vorr. 403; spreche ich in vier liument ebd. Vorr. 410; da sprich ich an sehs liuͦmten ebd. Vorr. 408. – nicht hierher, sondern zu → lûmen gehört lûmen HeslApk 1354. 3716 (vgl. Glr.z.St.; anders Lexer, Nachtr. 302)

MWB 3,3 1217,1; Bearbeiter: Luxner

liumunthaft Adj. hier lûment-. ‘angesehen, geachtet’ alsô sint die diemuͦtigen die werdint lûmenthaft guͦter werche unde ist der lûment alsô suͦze same der stanch nardi unde wahsent siu uon ainir tugent in die anderen als sich diu bletter breitent TrudHL 60,29

MWB 3,3 1217,63; Bearbeiter: Luxner

liuschel (?) stN. wohl zu → lûʒ bzw. → 1lûʒen ; hier laischel. ‘Hinterhalt’ hüet iuch, vil lieber herre mîn! / ditz dinc ist wan ein laischel [l. liuschel, vgl. Anm.z.St.] . / hüet iuch oder ir werdet snel / von sînen handen getœt, dâst wâr. / habt iuwer huot mit sinnen gar! EnikFb 611

MWB 3,3 1218,5; Bearbeiter: Luxner

liut stMN. , liute stSubst. (Pl.) md. oft lût, lûte; Pl. auch luͦt ( Rol 603. 1725; Hochz 307; Eilh M,3582; Konr 11,81; UrkCorp 62,26; vgl. auch 3luot ), læut ( PrOberalt ), loͤut ( PrOberalt 17,6. 32,5 ); selten schwach (z.B. RvEWh 126. 15646; SHort 1242. 1158 ), im Neutr. selten auch liute ( Konr 15,59 ). i.d.R. bezogen auf eine Gruppe von Menschen, wobei genauer unterschieden werden kann, ob diese Gruppe als Zusammensetzung einzelner Individuen oder als kollektive Größe aufgefasst wird (vgl. Ehrismann, Volk, S. 60-72) 1 Gebrauch als Individuativum
1.1 selten im Sg., ‘Mensch’
1.2 i.d.R. im Plural, ‘Leute, Menschen’
1.2.1 allg. und nicht näher spezifiziert
1.2.2 im Sprichwort (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279f.)
1.2.3 in Verbindung mit einem Attribut näher spezifiziert als einer best. Gruppe zugehörig
1.2.3.1 relig.-kulturell einem best. Volk bzw. einer best. Volksgruppe zugehörig
1.2.3.2 gesellschaftl. einer best. sozialen Schicht oder Gruppe zugehörig
1.2.4 einer best. (Herrscher-)Person oder Institution zu- bzw. untergeordnet (s.a. eigenliut )
1.2.4.1 in relig. Kontext
1.2.4.2 in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch ‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen)
1.2.4.3 in familiär-verwandtschaftl. Kontext
2 Gebrauch als Kollektivum (häufiger stN., seltener stM.)
2.1 allg. ‘Menschheit, Menschengeschlecht’
2.2 nicht näher spezifiziert einen Personenkreis bezeichnend, ‘Gruppe (von Leuten), (Menschen-)Menge’
2.3 (mehr oder weniger deutlich) spezifiziert bezogen auf eine Gruppe von Menschen, die hinsichtlich ihrer historischen, sozialen, kulturellen bzw. politischen Zusammengehörigkeit bestimmt ist, ‘Volk, Bevölkerung’
2.3.1 allg.
2.3.2 im relig. Kontext
2.3.3 in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch ‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen)
2.3.4 in familiär-verwandtschaftl. Kontext, auch ‘Familie, Verwandtschaft’
   1 Gebrauch als Individuativum    1.1 selten im Sg., ‘Mensch’ er wil daz ieweder liut werde sîn trût Gen 2764; ich bin ein wurm und niht ein liut LvRegFr 3040    1.2 i.d.R. im Plural, ‘Leute, Menschen’    1.2.1 allg. und nicht näher spezifiziert: jn dez kúnegez ziten wurden die lúte [ genus humanum ] in drú geteilet. von Sem kamen die frigen. von Iafet camen die ritere. von Kam camen die eigin lúte Lucid 17,3; sorge ist unwert, dâ die liute sint vrô MF: Mor 13: 2,7; ein stein heizet dîamant, / der ist niht vil liuten bekant Volmar 290; und her sprach zuͦ en: kuͦmit nâch mir, und ich mache ûch werden fischêre der lûte [ piscatores hominum ] EvBeh Mt 4,19; daz niht aleine hundert, sunder alle liute, als verre sie liute und menschen sint, werdent im unglîche lieber dan im nû natiurlîche sîn vater, muoter oder bruoder liep sint Eckh 5: 24,10; JPhys 9,21; MF:Reinm 27: 4,3; MarlbRh 14,31; MNat 6,12. – in der Anrede: vil gvͦten livte! Spec 5,20; mine uil libin lúte Rol 260; nu guoten liute, tuot sô wol / und saget mir, wâ welt ir hin? Tr 2720; Wig 5361; HimmlJer 144; Mechth 3: 1,38. alle der liute vasenaht für den ersten Fastensonntag: an dem svnnendage ze naht vor alle der lúte vasenaht UrkCorp (WMU) 1851,32    1.2.2 im Sprichwort (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279f.): – i. S. v. ‘es (nicht) allen recht machen können’ swer den liuten allen / welle wol gevallen, / armen unde rîchen / muoz er sich gelîchen, / den übelen unde den guoten, / den tôren unde den fruoten; / wil er der aller hulde hân, / sô muoz er selten müezec gân Freid 133,5; daz recht nîman gelêren kan, / daz den lûten allen / kunne wol gevallen SSp (W) Reimvorr. 123; nieman den lûten allen / zu danke lebete noch en sprach, / man wil ouch mich verschallen ebd. Reimvorr. 54; vgl. auch: in [den wîsen man ] dûhte der niht wol gemuot, / der aller der liut willen tuot UvZLanz (K) 6. – auch sprichwörtl. (?): swâ guoten liuten wol geschiht, / daz gefüeget sich wol alsô UvZLanz (K) 1600; man sol zu recht guͦt lúte senden da man hohe sach wil enden Lanc 147,31    1.2.3 in Verbindung mit einem Attribut näher spezifiziert als einer best. Gruppe zugehörig    1.2.3.1 relig.-kulturell einem best. Volk bzw. einer best. Volksgruppe zugehörig: vnde saget den krischennischen [griechischen] luten, / daz ich in enputen, / daz sie hinnen keren Herb 397; diu liute von Kriechen sint swach / an herzen unde an were Eracl 4442; dise súnde ist nit von cristanen lúten ufkomen Mechth 7: 47,7; so sint einu liute da bi, / haizent Arimaspi HimmlJer 231; mit den sint bezaichent die hebreischen læut PrOberalt 48,12. 151,11; BdN 283,12; Spec 69,7    1.2.3.2 gesellschaftl. einer best. sozialen Schicht oder Gruppe zugehörig: biderbe/êrhafte/  guote ~ u.ä. für unbescholtene, rechtsfähige Personen (die auch als Zeugen fungieren können): und her ime sîne kost gelde nâh gûter lûte kure SSp (W) 2,29; vnd svln die bvrger iegesliches tors slivzel bevelhen bîderben livten UrkCorp (WMU) 33A,2; Ot der Sneider, Leutwein von Teusendorf vnd ander guͦt vnd getriwe leut ebd. 3411,14; den ersamen lûten, den burgern vnd dem rathe von Zûrich ebd. 2209,17 u.ö. edele ~ auch ‘Edelleute, Adlige’ wir edele lude, Otte, der greue van Gelren, Diederich, der greue van Clieve UrkCorp (WMU) 75,32. 71,7. 3127,34. eigene ~ ‘Leibeigene’ (s.a. eigen Adj. 1.2.1): alle die eigene liute die zv der chirchen gehoͤrent UrkCorp 2050,8; daz einkein herre erben sol siner eigener luͦte eigen UrkCorp (WMU) 3290,30. 494,25. geistliche ~ für Geistlichkeit und Ordensleute (s.a. geistlich 2.2.2): disiu dinch uernement geistliche lîute wole JPhys 17,29; als es wol gecimet geistlichen lûten StatDtOrd 44,24; das hindert geistliche lúte allermeist an rehter vollekomenheit Mechth 5: 33,3; Tauler 127,12; VMos 35,25; PrOberalt 171,35. gërnde/  var(e)nde ~ für das fahrende Volk oder Wandersänger (zur Sache vgl. LexMA 4,231; s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 279 sowie gërnde Part.-Adj. 2): vil varnder liute man dâ sach Mai 88,25; swen gerende liute gerne suochen, der ist êren rîche Unverzagt 3:8,1; zu der bruloch so quamen do dar / varender lude manche schar KarlGalie 13523; eralden [ heralden Spielleute] und gernde leút / dez fursten mild al da erfreẃt Suchenw 4,139; dy varenden lewte geleiche / machte man alle reiche HvNstAp 4054. 6011. 18416; RvEGer 5074; WälGa 3791. guote ~ spez. als Bez. für das städt. Patriziat in Köln: nu hore dan wat myn konynck dede / zo Coelne in deser hilger steyde / umb der vil gueder lude beide HagenChr (G) 218 u. ö.; vort die gude luͦde, die uzzir irme ampte wordin gedan inde vmbedingit sint, die sulin wiedir in ir ampt kuͦmin UrkCorp (WMU) 62,44; spez. für ‘Aussätzige, Leprose’ (vgl. DWB 4,1,6,1292f.): alles daz reht daz sie haten an der nvͥwen mvͦlen die da gelegen ist vf der wisen [...] bi den gvͦten lvͥten vor der stat ze Halle UrkCorp 2539,40; her Cvͦnrat Hv́bischman vnd die bruͦder phleger des hvses der guͦten lûte [des Gutleuthauses] der siechen bi Friburg an dem velde UrkCorp (WMU) 1648,13. N103,24    1.2.4 einer best. (Herrscher-)Person oder Institution zu- bzw. untergeordnet (s.a. eigenliut )    1.2.4.1 in relig. Kontext: hilf [Maria] dinen armen luden, / die dig van allen landen / widene ane ruofent MarldA 262; er sprichet, daz er in dem wone, der sinen willen toͮ, unde er sî unser got unde wir sin sîne lûte Spec 135,22    1.2.4.2 in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch ‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen): sî mugen ouch lûte, wîp unde man, knehte unde dirnen, zu êwelicheme rehte besizzen StatDtOrd 30,15; ‘hatt er vil lúte?’ ‘er hatt wol hundert tusent man zu roß.’ Lanc 235,27; besendet iuwer liute / morgen unde hiute Iw 2149; vnd sulen ouch vnser reiter vnd vnser beste levte zwelfe [ 1603A,21: militares homines nostri ] [...] im sweren UrkCorp (WMU) 1603B,16 u.ö.; ich wil gerne dingen / mit allen minin luͦten Rol 603; Ägidius 805; Hochz 157; PrOberalt 169,35; HagenChr (G) 231. – formelhaft mit guot bezogen auf die Gesamtheit des Besitzes und Herrschaftsgebietes (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279): ich was herre über ditze lant / unde stuont gar in mîner hant / beidiu liute unde guot Wig 4678; liute und guot, swaz heizet mîn, / daz kêr ich iu gein diens siten Parz 362,2; nu fuoren si zuo unde samneten allez ir geslähte und alle ir liute und allez ir guot unde fuoren gegen Egipten BuchdKg 26,14; KvWTroj 19179; Krone 7916. – formelhaft mit lant auf das gesamte Land mit seinen Bewohnern, das gesamte Herrschaftsgebiet bezogen (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279): si gap mir liute unde lant Parz 90,24; sô daz ich mîne liute / und mîniu lant behalte KvWSchwanr 866; umbe ewelichen vride uͦns lanz inde vnsir luͦde UrkCorp 62,26; lant und lute warent uch under than SalMor 416,3; Herb 3946; Iw 7715    1.2.4.3 in familiär-verwandtschaftl. Kontext: Dan scol gibieten ouch sînen lûten / sam ander sîn chunne mit lutzeler wunne Gen 2840; ich mache von dînem geslähte alse vil liute dar inne die unzalhaft sint BuchdKg 27,2    2 Gebrauch als Kollektivum (häufiger stN., seltener stM.)    2.1 allg. ‘Menschheit, Menschengeschlecht’ der tûvel hete daz lût betrogin PrMd (J) 340,12; diz lût wêre dar an glîch, / iz wêre alliz sterblîch SAlex 4858; er was rîch unde gewaltic, / dô was daz liut einvaltic, / daz twanc er in sîn gebot RvEBarl 9952; ÄJud 3. got hat liut und lant [Menschen und Welt] / von manigem wunder gemaht, / mit sîner tougen bedaht UvZLanz (K) 7906    2.2 nicht näher spezifiziert einen Personenkreis bezeichnend, ‘Gruppe (von Leuten), (Menschen-)Menge’ von des liutes schalle daz gebirge allez erdôz NibB 961,4; daz liut allesament kam, / ritter und vrouwen UvZLanz (K) 2164; des mers vluot der ünde / mac sô manige niht getragen, / als liute drumbe wart erslagen Wh 8,14; also, daz wir, noch vnsers luͥtes nieman, noch enheiner vnser erben siv dar an vvͥrbaz me beswaͤren vnd geirren svln UrkCorp (WMU) 159,22; sich hof der lut ouer den doz / dar wart der scal harde groz Roth 2987 (vgl. Roth (V), Anm.z.St.); Ägidius 1319; Lucid 94,11    2.3 (mehr oder weniger deutlich) spezifiziert bezogen auf eine Gruppe von Menschen, die hinsichtlich ihrer historischen, sozialen, kulturellen bzw. politischen Zusammengehörigkeit bestimmt ist, ‘Volk, Bevölkerung’    2.3.1 allg.: der pabeste, der gebot oͮch mit rate des sendes vnd mit verhanchnusse des romischen liutes Konr 15,56; got hat dich irhoret, / daz lút wirdit bekeret Rol 58; er [Alexander] irslûc des lûtes [von Tyrus] de menige SAlex 1299; si wurten swarz unt egelîch, den ist nehein liut gelîch Gen 656; VMos 77,2; PrMd (J) 341,32; Kchr 10403. – im Pl. wohl hierher i. S. v. ‘Völker’ (aber auch Zuordnung zu 1 möglich): bi Salmonis zitin / was sulich vridi undir din lutin, / swelich enti dir man wolti varin, / niheinis urlougis wart man giwari LobSal 240; und wan ich gerne hæte erkant / unkunde liute und vremediu lant Tr 3116    2.3.2 im relig. Kontext: daz ist daz juͤdisch liut PrOberalt 68,13; von deme wirt geborn der ze hirte ist irchorn / uber al den liut der gote scolte wesen liup Gen 2945; daz heidiniski lîut daz uone suntin inuinstere was JPhys 7,7; daz daz israheliske liut da verlorn was! AvaLJ 71,4; Spec 131,21; VMos 32,1. der selb chnopf [Verbindung am Leuchter] bediutet den heiligen Christe, der diu zwai liute, die iuden vnd die heiden, gesament hat in einem gelouben Konr 21,28. Bâlââmes sternen schîn / erschein an der gebürte sîn, / daz mensch wart in Jerûsalêm, / der herzoge kam von Betlehêm, / der von der sünde arbeiten / sîn liut solte leiten, / als Michêas im gehiez RvEBarl 2624; der gewaltige got zu in sprah / min livt hat gesundet / si habent garnet den tot VMos 53,2; mines trehteins læut PrOberalt 12,38 u.ö.; Spec 66,27. 140,8    2.3.3 in gesellschaftl.-hierarchischem Kontext auch ‘Gefolgs-, Dienstleute, Vasallen; Lehnsleute, Leibeigene’ (im krieger. Kontext auch auf das bewaffnete Gefolge bezogen): sô nim dû mîn liut unde var / hin heim ze Parmenîe wider Tr 7468; do huͦben sich gewisse / der kuninc vnd der bischof / zvͦ den uorste uil drate / sam grozeme lute Ägidius 464; wir geben ire scaz unte vihe, eigines unte liutes vile Gen 1613; do si do fuoren an die vart / unde der liut gesamenet wart Hochz 268; her heiz daz luth unde die riesin ingan Roth 805; ê er [der König] sinem lîvte bvͦzze unde riwe satzte Spec 63,13; Wh 335,1; Rol 3737. – formelhaft mit guot bezogen auf die Gesamtheit des Besitzes und des Herrschaftsgebietes (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279): darnâch reit er wider in sîn lant Sennaar unde fuorte mit im liut unde guot BuchdKg 61,8; sô wirt liut unde guot verbrant / und swaz iu, herre, an hœret KvWTroj 19014. – formelhaft mit lant auf das gesamte Land mit seinen Bewohnern, das gesamte Herrschaftsgebiet bezogen (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279 und lant 6.4 mit weiteren Belegen): scolt ich in toten mit miner hant, / ich gabe liut unde lant Rol 2580; er bevalch sîn liut und sîn lant Tr 465; und enpfalh im gar in sîn hant / beidiu liut und lant UvZLanz (K) 1246; Iw 2889; Wig 9437; erweitert: er nam im luͤt, guot und lant Ammenh 7222    2.3.4 in familiär-verwandtschaftl. Kontext, auch ‘Familie, Verwandtschaft’ got geruoche dich geseginen und lâzza dich sô gemeginen [zahlreiche Nachkommen bekommen] , / daz dû mit liutes chrefte chomest zuo dînem erberehte Gen 1235; daz er [Herakles] durch tobenden unvuoc / sîn liut und sîn kint ersluoc RvEBarl 10146

MWB 3,3 1218,11; Bearbeiter: Luxner

liut- s.a. lût-

MWB 3,3 1222,1;

liutærinne stF. ‘Glöcknerin’ item ainer leütärin 4 fell UrbSonnenb 120

MWB 3,3 1222,2; Bearbeiter: Luxner

liutbære Adj. ‘öffentlich’ (für weitere Belege und Ableitungen vgl. AWB 5,1221; s.a. lûtbære ): publicus: lvetparer SummHeinr 2:427,01.87

MWB 3,3 1222,4; Bearbeiter: Luxner

liutbrehe Adj. lûtbrehe

MWB 3,3 1222,7;

liutbrôt stN. ‘gewöhnliches, nicht geweihtes Brot’ (vgl. AWB 5,1222; s.a. leienbrôt ): panes laicos: liutprot, leginproth, [...], lainprot Gl 1:402,63

MWB 3,3 1222,8; Bearbeiter: Luxner

liute stF. vgl. ahd. [h]lûtî stF.; vgl. lût stM., lûte stF. ‘Ton, Laut’ ich wil mit hôhen liuten schallen Walth 63,26. – auch ‘Lärm, Getöse’ sein [des Felsstroms] rvns in der leute stuont [verursachte ständigen Lärm] Krone 7983; si sagt im, waz die leute, / die si horten, bedeute, / so starch vnd so grimme ebd. 7990

MWB 3,3 1222,11; Bearbeiter: Luxner

liutehe stN. hier -ech. ‘Menschenmenge’ ez zürnet unde grînet daz arme liutech, sô im einiger halm an dem wege lît, unde grînet unde fluochet unde schiltet unde wüetet, sam ez mit dem tiuvel behaft sî PrBerth 1:101,9

MWB 3,3 1222,18; Bearbeiter: Luxner

liutel stM. ‘Glöckner’ darumb hat er buͤrgen gesatzzet Conr[at] und Heinr[ich] di eisenhuter, den coler, den smit und den levtel NüP 192

MWB 3,3 1222,23; Bearbeiter: Luxner

liutel stN. (Pl.) Dimin. zu liut , ‘kleine, kleingewachsene Menschen’ ez sint auch klaineu läutel, die wonent auf ainem perg in India, die haizent Pigmêi, diu sint zwaier daumellen lanch und streitent mit den kränichen BdN 490,35. 491,1

MWB 3,3 1222,26; Bearbeiter: Luxner

1liuten swV. auch ge- ( UrkCorp 248B,10 ); Prät. auch lût(t)e, loute ( Serv 3208 ); durch graphemische Mehrdeutigkeiten sind, bes. in md. Texten, Belege nicht immer eindeutig 1liuten 1 (von ahd. [h]lûten) oder → lûten (von ahd. [h]lûtôn) zuzuordnen (vgl. AWB 5,1439-1442. 1446f.). 1 intr. ‘einen Ton, Klang, Laut von sich geben’
1.1 von Glocken ‘läuten’
1.2 ‘(er-)klingen, (er-)tönen’
1.3 ‘sich anhören, lauten, klingen’
2 tr.
2.1 ‘etw. läuten, zum Läuten, Klingen bringen’ (i.d.R. von Glocken)
2.2 ‘einläuten’
2.3 ‘etw. verkünden, (aus-)rufen’
2.4 wohl auch ‘jmdn. (durch Läuten?) rufen’ (vgl. FrlWB, S. 216)
   1 intr. ‘einen Ton, Klang, Laut von sich geben’    1.1 von Glocken ‘läuten’ vil glocken hôrte man dâ liuten Ottok 18439; da hort der konig ein glocken lúten zu eim closter Lanc 537,22    1.2 ‘(er-)klingen, (er-)tönen’ swer in [den Stein] rehte erkennen sol, / der slahe dar ûf lîse: / sô liut er in der wîse / alsô hô und alsô helle / rehte als ez sî ein schelle Volmar 502; ouh lûtte an der stunden / daz hêrlîche tier [ein Automat] / mit der stimmen alsein pantier SAlex 6024. – von Instrumenten (auch mit indir. Obj.): do luitin simo [ si imo ] zisamini / mid trumbin joch mid cymbilin, / mid phigilin undi swegilbeinin, / mid rottin undi mid lyrin, / mid phiffin undi mit sambuce [Pauken] ÄJud 25; die orgellen lútent hoch Tauler 292,14    1.3 ‘sich anhören, lauten, klingen’ ie ze siben stunden koment die heligen engel zuͦ dem lichamen mit lobelichem sange, der lutet alsus: helig, luter, einvaltig, wise, gotte von herzen liep Mechth 4: 23,10; aber es lutet groblichen und machet doch verstentlich Tauler 294,1; ez liutet tôrlîche und ist doch wâr Eckh 1:50,1. – zu liuten i.S.v. ‘bedeuten’ bei Tauler ( 164,33. 166,19. 167,2) s. Corin, TextkrV, S. 31f. und vgl. Eckh 2:239,1. 2:569,5    2 tr.    2.1 ‘etw. läuten, zum Läuten, Klingen bringen’ (i.d.R. von Glocken): zv der kirchen lief er vnd nam / die gloksnvr in die hant / vnd lvte die glokgen, die er vant ReinFu K,1572; daz men ze hochgeziten vil gloken lutet Lucid 86,2; da sal min eini glockin zu luiti Mühlh 151,15; man liutet den singôz [eine kleine Glocke] EnikWchr 26043; ir sît wol wert, daz wir die gloggen gên iu [für euch] liuten Walth 28,14; StatDtOrd 95,32; StRAugsb 50,10; HvNstAp 16873; KvWEngelh 3291; WüP 7c,12. – mit Refl.-Pron.: dâ liutt sich vil helle / in dem palast ein schelle EnikWchr 21053; sich begunden über al / die glocken selbe liuten Greg 3757. – mit Aussparung des dir. Objekts: warunbe lúte wir niht in den drien dagen? Lucid 109,18. 109,20; nâch siten kristenlîchen man vil liuten began NibB 1850,4; do lief er hin vil schiere, / da er die gloksnure vant, / und begunde liuten zehant / ze sturm wol mit schalle StrKD 70,38; diu pfafhæit loute unde sanch Serv 3208; NvJer 12627; mit präp. Erg., zu einer best. Zeit bzw. einem best. Anlass läuten (als Aufforderung zu einer bestimmten [liturgischen] Handlung): nu man zer mettînstunde / liuten begunde Tr 15140; sô man hînt metten liute ErnstD 5305; lvtin ze gottis dienste BrEng 47; RvEWh 14783; StRFreiberg 246,3; vgl. auch: man lûte dâ zem münster nâch gewoneheit NibB 1005,1; daz die vurginantin burgar sulen an sunnentage, der nu kumet, als die phaffen in komen sulint, luten uf den hof zuͦ Spire UrkCorp (WMU) 680,5. mit geliuteten glocken ‘unter Glockengeläut’ do zoch brvͦder Heinr. das selbe gvͦt [...] in des klosters gewalt mit gelvten glogen nach des landes sitte UrkCorp (WMU) 341,11. – subst. ‘Glockenläuten’ waz sol diz liuten diuten? UvTürhTr 3481; daz mir daz liuten [des singôʒ, einer kleinen Glocke] werd bekant EnikWchr 26035; das ir da [die Messe] singent oder heizent singen, doch mit beslozzenen tvrn vnd ane lv́ten UrkCorp (WMU) 93,38. 1797A,6. – bildl.: dez hungers helle gloggen / in sin ore liutent Martina 131,21    2.2 ‘einläuten’ an sant Evlalien tach, des samztages, so man læt daz vrævden gesanch alleluia UrkCorp (WMU) 345,8; als man none geludet hett Lanc 593,19; dâ sal der capellere die gecît zu rehter cît heizen lûten StatDtOrd 117,28    2.3 ‘etw. verkünden, (aus-)rufen’ dar nach lutet der priester mit der stimme: ‘nobis.’ Lucid 100,13. 80,10; ich hoͤre ein stimme, die lutet ein teil von minne Mechth 1: 44,11. 3: 24,24; swenne man die chuntschafft bringen und lütten will UrkLudw 211 (a. 1344); HeslApk 9416    2.4 wohl auch ‘jmdn. (durch Läuten?) rufen’ (vgl. FrlWB, S. 216): sit daz mich lut [La. leuͤt ] / kunst uf bescheidenheit Frl 8:8,6

MWB 3,3 1222,31; Bearbeiter: Luxner

2liuten swV. ‘mit liut versehen’, hier als Part.-Adj. ‘bevölkert’ die liute sint gelandet [mit Land versehen] wol, / diu lant niht wol geliutet RvZw 215,2. – ‘ mit Gefolge ausgestattet’ da von haist er ein herr groz / daz im volgt ein grozzew schar. / daz pringt auch der phenning dar: / so er ie mer zu geben hat, / so er ye paz gelauͤtet stat Teichn 417,38

MWB 3,3 1223,52; Bearbeiter: Luxner

liutenære stM. ‘Glöckner’ vnnd sünndt dissz die amptleüth: ein marschalckh, ein schultheisz, ein schaffner, ein köller, ein cammerer, ein koch, [...], ein stadler, ein hengeisen [Aufseher über Maß und Gewicht] vnd ein leüttner WeistGr 4,190 (a. 1339)

MWB 3,3 1223,59; Bearbeiter: Luxner

liutere, lûtere stF. vgl. AWB 5,1449 s.v. [h]lûtt(a)rî. 1 ‘Klarheit, Ungetrübtheit, Durchsichtigkeit’
2 ‘Reinheit, Unvermischtheit’
2.1 eigentl.
2.2 übertr. auf Sündenfreiheit, Unschuld, Aufrichtigkeit u.ä.
3 ‘Helligkeit, Glanz’
   1 ‘Klarheit, Ungetrübtheit, Durchsichtigkeit’ von noͤten wart gehilwet [vernebelt] dem lufte sin klare luͤter, / diu erde clein gemilwet [die Erde zerstäubt] JTit 4153,1; die zaichenn dez gueten wassers sind rinnge, lauttre, weisse unnd guet waß [ levitas, claritas, albedo, bonus odor ] HvHürnh 51,7; Rennew 21307. 21037; div livter merchet man an der lampen. div ein livter [Adj.] glaz ist PrLeys 22,34    2 ‘Reinheit, Unvermischtheit’    2.1 eigentl.: daz allez golt vorturet / an der luttere HeslApk 6975    2.2 übertr. auf Sündenfreiheit, Unschuld, Aufrichtigkeit u.ä.: swâ liep gein liebe erhüebe / lûter âne trüebe Parz 533,26; dú unbetruͦbde lutri der ganzen gothait PrGeorg 62,15. 56,6. 80,7; in luthiri des herzin [ in puritate cordis ] BrZw 20; BrEng 20; mit aller demvͦti vnde der luthiri andahit [ cum omni humilitate et puritatis devotione ] BrZw 20; BrEng 20; die vollen / luttere siner unschuldikeit HeslApk 1981. 10884; waz dem menschen an lútri des gebettes abe gat Seuse 505,18; die dar genennet wurden mit der schrifte, / di warn also bekennet, daz ir deheinez ot nimmer mein [Falschheit] gestifte. / und die man in der luter nicht bekande, / der nam da wart verborgen, daz si zem gral mit schrifte nieman nande JTit 520,3    3 ‘Helligkeit, Glanz’ ein schilt [...] was der niuwan silberwîz, / durch daz er einbære / helm unde ringen wære. / er was aber gebrûnieret, / mit lûtere gezieret / reht alse ein niuwe spiegelglas Tr 6612; wen die luttre der gotheit / schein durch daz vleischinne cleit HeslApk 10669

MWB 3,3 1224,1; Bearbeiterin: Baumgarte

liuteren, lûteren swV. auch liutern, lûtern und ge-. 1 tr.
1.1 ‘etw. läutern, reinigen’
1.1.1 allg.
1.1.2 übertr.
1.2 ‘etw. entfernen (zum Zweck der Reinigung)’
1.3 ‘etw. erhellen, klar machen’
2 intr. ‘lauter, rein, hell, klar werden’
   1 tr.    1.1 ‘etw. läutern, reinigen’    1.1.1 allg.: man läutert den balsem mit ezzeichwaschen BdN 360,24 u.ö.; honige daz wol gelutert si SalArz 39,18; und sol ez [das Korn] dennoch gefeget und gelutert sin, als voͤr gerett ist WüP 75,10; min fuͤsse [...] hand ich geweschen, daz ist gelu̍ttru̍d [ purificavi ] RvBib 129,3. – von den Augen (auch i.S.v. 1.3): wiruͦch getempert mit dez eiez wissen unde an di ougen gestrichen, lutert si Macer 87,3; triure und üppeclîchiu clage / deist mîn und aller vrouwen site; / hie reine wir diu herze mite / und liutern diu ougen Tr 14961. – bes. von Metallen (auch im Vergleich): dem golde ich iuch gelîche, / daz man liutert in der gluot Parz 614,13. 37,6; alse daz gelutterete golt inder esse Litan 642. 248; man mag ein kopfer also dicke / lutern an dem heizen vure Brun 974; dv has biwart vns got im wure [Feuer] vns has dv gilutirt alsam wirt gilutirt daz silber BrZw 7; Frl 5:46,11; KLD:Kzl 16: 4,1; Rol 7755; KLD:UvL 14: 4,2; Tr 12941. 13073. – ohne Obj.: golt hât die art, daz ez kreftigt und läutert oder rainigt BdN 474,27. – refl.: ob er [der Kranke] aue gnesen scol. so cheret sich der uogel [ karadrîus ] zuͦ deme manne unt tuͦt sinen snabel uber des mannes munt. unt nimit des mannes unchraft an sich. sa uert er ûf zuͦ der sunnen. unte liuterit sich dâ JPhys 26,11    1.1.2 übertr.: emzig vͤbung der betrachtunge an ewigen dingen lutert das gemvͤt RvBib 49,8; wiltu niv komen zvo des herzen reinikeit, so mvostiu es mit livter vnd mit gancer bihte wol gelivtern vnd gereinen Bihteb 5; der Îsôt under ougen siht, / dem liutertz herze unde muot Tr 8291. 4703; Parz 614,14; Tauler 129,28 u.ö.; Himmelr 5,30; Rol 5135; KvWLd 32,144. – mit Akk.d.P.: wolde got unde were ich is wert / daz mich uûr oder swert / geluͦterete an deme libe Rol 1067; an dem svnnentage habent alle die sele genade, die cze der helle niht gaht sint, da si ewichlich verlorn sint, svnder die da geluteret schulen werden mit dem viwer Konr 1,58. – mit präp. Erg. ~ von zur Bezeichnung des zu Entfernenden (s. a. 1.2): daz er dur dine wirdi und dur dine undirchunft mine sele und minin lichamin gireine und gilutere uon allir unreinicheit MuriGeb 554; der pine mag nieman enberen, wan si lútert den menschen ie von stunde ze stunde von sinen manigvaltigen súnden Mechth 5: 2,15; Konr 23,51; PrEngelb 214,18. – refl.: unde ist er danne sunden vol in sinen mittel jaren: / eriner var [wie Eisenerz (in einem größeren Vergleich)] . / so er sich selber lutert nicht, her wil vuͦrharten zwaren / in sunden gar Rumelant (K) 4:2,7    1.2 ‘etw. entfernen (zum Zweck der Reinigung)’ die sunde were da mite / geluttert daz der zu ir greif, / Got, der an sunden nie besleif HeslApk 3265; sich uf, du hohez adel und rechter eren kefs: / des wandels trefs [Unkraut] / uz dinen witzen liuter, / wenn der selden kliuter [Verlockungen der sælde ] / sich widemen dir mit ritterschaft Frl 5:25,3; dauon wir raten disen tagen der uastun aller lutirkait daz leben sin halten alle gilich vnde di sumsuli ander zihte disen tagen hailigen luterne [ neglegentias aliorum temporum his diebus sanctis diluere ] BrZw 49; Eckh 1:331,7 [ diluere ] – refl.: zo lutirt is [ daʒ vël, ‘Star, Augenerkrankung’ ] sich Albrant 3,48    1.3 ‘etw. erhellen, klar machen’ dirre mislîche schîn / sô geebent und sô geliutert was / daz er [der Stein] glaste sam ein glas Er 8218; Ericius der held erkouss / zwölff junkfrowen schanden bloss, / der farwe schon gelüttrett waz / alsam der tag, als ich es lass GTroj 23445. – übertr. ‘erläutern, erklären’ (v.a. rechtssprachlich): doh swoz dar an ze chrieg wirt, daz behalten wir vns, daz wir daz levttærn vnd beschaiden UrkCorp (WMU) 3452,14; wart diss [die Ordnung] also gelütert durch die zinslüt im dinkhoff zu Brattellen WeistBa 128 (a. 1333); UrkBern 6,754 (a. 1343); StRMünch 379,1. – hier ‘über jmdn. gerichtlich entscheiden’ (vgl. Glr.; anders DRW 8,793): gescheh aber das, daz der burger sins herren hulde gewenne in dem jare, als hie vor geschriben stat, woͤlt ime der herre des loͮgenne, so sol in der burger des bezúgen; woͤlt aber in der herre lútern nach dem jare, so sol sich der burger entslahen mit dem aide, daz er sins herren hulde gewunnen habe StRVill 8. 20    2 intr. ‘lauter, rein, hell, klar werden’ der scholl [Lehm] was naß und spriczet im in die augen, das sie im in guter wil kum geluterten Lanc 240,28; so lutern unse ougen / (daz ist niekein lougen), / die da bi den jaren / gar vorblindet waren HeslApk 7999; sô daz trüebe danne gevellet / und sich der most ze wîne stellet / und er gelûtert von grunde, / sô daz die gerben ligent drunde LvRegSyon 2656; Ipocr 242. swâ adel tuot adellîche tât, / der adel liutert immer KLD: SvT 1:1,8. – i.S.v. ‘frisch werden’ daz ime lîch unde varwe / wider lûteren begunde Tr 8145

MWB 3,3 1224,33; Bearbeiter: Luxner

liuterunge, lûterunge stF. ‘Läuterung, Reinigung’ im relig. Kontext: ich bitte dich, herre, umb reine lúterunge und geistliche bestandunge Mechth 5: 35,46; so du ruwic mich irvreisches, / lutterunge mines vleisches HeslApk 4810. 11818; daz enist nút me denne eine bereitunge und eine luterunge zuͦ eime bessern diner wercke Tauler 70,11 u.ö. – als Übers. von lat. passio (vgl. aber Glr., das es zu lat. depuratio stellt): da von wedürffenn si ainer lanngen underschiedunge zu ir selbs lautterunge [ ad sui passionem ] , das die grossen dünste davon gesundert werdenn HvHürnh 46,10. – die Reinigung Marias nach der Geburt Jesu (vgl. Lc 2,22 und ferner Lv 12): nachdem derfüllet sint di tage der lütervnge [ dies purgationis Lc 2,22] Marien nach der ee Moisi EvAug 128,16; do si du erfulden der juden luterunge / unde si da getageten AvaLJ 29,1

MWB 3,3 1226,3; Bearbeiter: Luxner

liuteschiehe swM. lt. W. Tauber (vgl. Anm.z.St.) wohl Bez. für jmdn., der mit seinem starren Blick Leute beunruhigt (Zweitglied zu schiehen bzw. schiuhen ; anders A. Wallner ZfdA 72 (1935), S. 264): sust gebart er [der durch unzüchtige Rede auffällt] als die leuteschihen. / er kan die ougen niht wider zihen, / wo er hin beginnet sehen Jüngl 597

MWB 3,3 1226,21; Bearbeiter: Luxner

liutestërbe swM. auch liut-. ‘Massensterben, Seuche’ daz er [David] ] drîer buoze eine næme, [...] daz siben hungerjâr kæmen über alliu sîniu lant, oder daz er drîe mânôde flühtic müeste sîn vor urliuge unde vor sînen starken vîenden, oder daz drîe tage der liutesterbe in sînem lande über al solte sîn [ erit pestilentia in terra tua (II Sm 25,13)] PrBerth 1:9,5; daz drî tage ein grôzer liutsterbe sî in dînem lande ebd. 2:3,29. 2:4,21; nu fuogt sich, als noch dick geschiht / und man gemeiniclîch ouch siht, / daz ein liutsterb kom in daz her / und az daz her mit grôzer zer HvBer 7376. – hierher oder subst. Verb (?): die drî tage liutsterben, die bezeichent die buoze, dâmit man den lîp tœten sol für die sünde PrBerth 2:12,12

MWB 3,3 1226,28; Bearbeiter: Luxner

liute|stërbôte stN. ‘Massensterben, Seuche’ daz bezeichenet bisextum [Schaltjahr] oder lúte sterbote oder slahte oder strit in dem riche Lucid 53,11

MWB 3,3 1226,43; Bearbeiter: Luxner

liutkirche swF. ‘Pfarrkirche’ (vgl. Masser, Gotteshaus, S. 95ff.): we dem vnuersinten man / der siner luͤtkilchen entran / vnd sich froͤmbden herren git Barfüsser 36; liutkirchen, klôster, bistuom / der wart durch gotlîchen ruom / vil gemachet überz lant RvEBarl 13607; das wir v́nser kilchen ze Friburg vnd ze Múlnheim vnd ze Baden, die drige lútkilchen, gesezzet vnd ze koͮfe gegeben haben UrkCorp (WMU) 1083,45. 2353,15. 2130,41; OberrhChr 43,36; Ammenh 17487

MWB 3,3 1226,46; Bearbeiter: Luxner

liutkraft stF. ‘Menschenmenge’ duͦ der dritte keiser Heinrîch / demi selbin heirrin bival sich, / vnti der godis willo was irgangin, / dar her ci Kolne ward mit lobe intfangin, / duͦ gieng her mit liut crefte Anno 34,9

MWB 3,3 1226,56; Bearbeiter: Luxner

liutlôn stN. ‘Geld, Lohn für das Glockenläuten’ er [der Messner] sol auch der pfarr ir kertzen vordern und einnemen und daz leutlone dem pfleger allez antwuͤrten NüP 197

MWB 3,3 1226,61; Bearbeiter: Luxner