l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lîse
Adj., Adv.
adv. Gebrauch überwiegt deutlich; alem. und ostfrk. nasaliert auch
lînse ( Seuse ;
SM:Go
2a: 3,4;
JvNürnberg
47
), vgl. Weinhold, Alem. Gr. § 199 sowie Frnhd. Gr. § L 62.4.
1
‘leise, lautlos, kaum hör-/wahrnehmbar’ (häufig im Kontext der
Heimlichkeit) 1.1 allg. 1.2 bes. bei der Fortbewegung (häufig mit slîhen ) 1.3 vom Sprechen, Reden, Singen, auch ‘sanft’ (vgl. 2 ) 2
‘behutsam, sanft, mild’
3
‘gemächlich, gleichmäßig, langsam’ (bes. als Zeichen des Anstandes, des
guten Benehmens; offen zu 2 ) 4
‘in geringem Maße, leicht, schwach’
1
‘leise, lautlos, kaum hör-/wahrnehmbar’ (häufig im Kontext der
Heimlichkeit)
1.1
allg.:
si gesaz in eines tages bî / heinlîchen unde lîse
Tr
12079;
er brâhtin alsô lîse dar, / daz sîn nieman wart gewar
ebd.
10705.
12962.
10703;
si sprach zuͦ Peronise / daz er braehte lise / driu
phaerith als iz tagete Eilh
R,1770;
sus vluzzen si vil lîse / unz si ze stade kâmen
Wig
5487.
–
ir sultz helen [geheim
halten] lîse / vor den die tragent das swarze vel
Parz
55,4
1.2
bes. bei der Fortbewegung (häufig mit slîhen):
dô sleich si lîse ân allen schal / in eine kemenâten
Parz
192,24.
196,5;
dar sleich ein maget lîse KLD: UvL
36: 5,3;
wan si [die Minne] slîhet lîse
SM:Had
9: 1,5;
der verte si grôz angest nam. / nus alsô lîse gênde kam /
dem boume ein lützel nâher bî Tr
14692.
13585.
13561;
Iw
101.
3471.
–
mit lîsen fuoʒstapfen/ triten:
mit lîsen fuozstapfen / ganc für dich tougen unde
slîch! KvWTroj
15132;
dô kêrte si mit lîsen / triten ûf ir strâze hin ebd.
1504
1.3
vom Sprechen, Reden, Singen, auch ‘sanft’ (vgl. 2):
do sprach der wirt vil lise StrKD
161,8;
in süezer wîse gar von prîse, hôhe, lîse, singt diu
nahtegal KLD: GvN
46: 2,2;
er sprach suoze unde lîse Tr
11982.
11446;
HvNstAp
264;
ReinFu
K,511a.
–
ir hinderrede sich niht enkan / vor mir verheln: ich hœre untriuwe
lîse RvZw
151,12
2
‘behutsam, sanft, mild’
so riset der luft uil lise uf die erde Lucid
60,3;
da weckt er sy leyse HvNstAp
14246;
daz du nit hoflich klubest, noch mit linsen zúgen den
sugenden natren dines herzen na gangest [nachgibst]
Seuse
371,24.
460,21;
als daz wettir warmen pflît / und dî kelde wesit lîs
NvJer
20172;
Tr
11001.
11559
u. ö.;
SM:Had
51: 1,8
3
‘gemächlich, gleichmäßig, langsam’ (bes. als Zeichen des Anstandes, des
guten Benehmens; offen zu 2):
vil lîse si dô trâten / und giengen zuo ir vrouwen sâ
Wig
5527;
er trat vil lîse, im was niht gâch Walth
19,11;
die ellenthaften jungen / vor den vrowen drungen / mit senften siten lîse / in
maniger süezen wîse RvEGer
3631;
GrRud
I 9
Frl
8:2,13;
Tr
10360;
Neidh
WL 14:1,11.
– beim Tanz:
la din truren sin. / nim war der lieben frouwen din! / si
tanzet also lise Tannh
5,81;
wol kan ich des reigen wîse / und ouch den achselrotten
lîse SM:Go
2: 1,10;
KLD:BvH
11: 3,3
4
‘in geringem Maße, leicht, schwach’
swer in [den Edelstein] rehte
erkennen sol, / der slahe dar ûf lîse Volmar
501;
ein swert vil wol gewetzet / und gesliffen sêre / daz bant
der künic hêre / [...] / an ein vil cleinez rossehâr / und
hienc ez über den spilman / sô lîse [locker] , daz er wære
dran / versniten und versêret, / ob er sich dâ gekêret / und gerüeret hæte
KvWTroj
5526;
die fromden han, wez ich sol leben, / wann sie mir das dann sullen geben, /
das tuͦnt sie als linse, / daz ichs us einem flinse / als sanfte mocht gewinnen
JvNürnberg
47.
–
ir betrieget mich niht sô lîse [einfach] / als
ir mange getan hât. / sprecht ir ‘schâch’, sô sprich ich ‘mat’. / sô ist daz
spil gewunnen mîn! Heidin IV
916
MWB 3,3 1195,50; Bearbeiter: Luxner
lisîs
Subst.
eine Giftschlange (vgl. Nellmann, Parz., S. 688):
aspîs, ecidemon, / ehcontîus unt lisîs, / jêcîs unt mêatrîs /
(die argen slangenz eiter heiz / tragent) Parz
481,9
MWB 3,3 1196,50; Bearbeiter: Luxner
lîslîche
Adv.
auch -lîchen.
‘sanft, behutsam; leise’
bit [mit] den ersten bant on sin
[Christi] muͦder lisliche; / bit den anderen benden
bunden on die juden nitliche; / bit den lesten benden bunden on die heidenen
dotliche Lilie
38,15;
gat ir und vil lislichen slifet [bewegt
euch] , / di kleinen vuchse uns
begrifet [fangt] , / der ir itslicher vorterbit hat /
unsen wingarten der gebluet stat Brun
602
MWB 3,3 1196,54; Bearbeiter: Luxner
lismen
swV.
‘stricken’ (vgl. SchweizId 3,1424 sowie Kluge, S. 578):
Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain roͤklin, /
gancz ungenat und ungesnitten / [...], / geweben wart es
also gancz / aͮne stuk und aͮne schrancz / (doch inder rame oder wie, / das seit
enkain geschrift hie: / ich wæn es gelisemet wære) WernhMl
5507;
do truog er ain pfellinen [seidenen] rôk, der nehet
deheine sût [Naht] noch deheine nât, wan der was aller
gelisemt Konr (Sch)
41,2
MWB 3,3 1196,62; Bearbeiter: Luxner
lispen
swV.
‘lispeln, undeutlich sprechen; raunen’
blesus: lisbinder SummHeinr
2:7,140
u. ö.;
hüete dich vor einem man / der lispende kôsen
[sprechen] kan Cato
348;
diu zung, die gar ze dick ist, macht lispend leut, und die ze
dünn ist macht stamelnd und verzuckend sprâch BdN
15,12.
15,1.
–
mit lispendem/-er munde/ zungen:
dar nâch sitzet ein got / in hôher wirde, der heizet spot. / mit lispendem
munde / smiert er ze aller stunde UvEtzAlex
12653;
[das Kind Moses] brande sinir zungen ort, / das er îe
darnah sinú wort / mit lispindir zungin sprah RvEWchr
9066;
Physiogn
263.
–
weiz got, hie spellet sich der leich, / hie lispet daz mære
Tr
8615.
–
swelhe meide und jungiu wîp sich flîzen / daz si den munt einhalp ûf rîzen /
als ein ros an krummem zoume, / die gênt in einem tummen troume. / man hœrt ir
genuoc lispen und zarten / durch daz die jungen man ir warten Renner
12113
MWB 3,3 1197,8; Bearbeiter: Luxner
lispizære
stM.
jmd., der lispelt, ‘Lispler’
blesus: lispizer Gl
3:663,7
MWB 3,3 1197,27; Bearbeiter: Luxner
list
stM.
auch stF. (
HvNstGZ
1528;
Pelzb
132,20;
HeslApk und WMU 2,1145 Formteil).
1 das Können, Vermögen oder ein bestimmtes Potential bezeichnend (s. a.
kunst
) 1.1 allg. 1.1.1 i. S. v. bestimmten, inhärenten Eigenschaften, ‘Vermögen, Kraft,
Macht’
1.1.2 i. S. v. Gelerntem, Erworbenem, Eingeübtem, ‘Fähigkeit,
Fertigkeit’
1.2 besonders intellektuelles, geistiges Vermögen 1.2.1 als grundlegende Eigenschaft, ‘Verstand, Denkvermögen, Intelligenz;
Weisheit’
1.2.2 im Rahmen bestimmter Handlungen und Tätigkeiten, ‘Klugheit, Schläue,
Scharfsinn’
1.2.3 den geistigen Vorgang selbst bezeichnend, ‘Denken, Gedanke;
Aufmerksamkeit’
1.3 speziell auf handwerkliche, praktische oder künstlerische Tätigkeiten bezogen;
auch deren Resultate bzw. die Disziplin selbst bezeichnend 1.3.1 im Bereich handwerklicher, beruflicher Tätigkeit, ‘Handwerk’
1.3.2 im Bereich künstlerischer Tätigkeit, ‘(Kunst-)Fertigkeit,
Kunst’
1.3.3 im Bereich der wissenschaftlichen Tätigkeit, ‘Wissenschaft’
1.3.4
‘Zauberkunst’ (i. d. R. Wahrsagekunst und Schwarze Kunst); häufig auch die (Aus-)Wirkung derselben oder den Zaubervorgang selbst bezeichnend 2
‘(Er-)Kenntnis, Wissen, Einsicht’
3 eine mit Geschick und Gewitztheit durchgeführte Handlung, ‘List’
3.1 in negativem Zusammenhang, auch ‘Hinterlist(-igkeit), Heimtücke,
Bosheit’
3.1.1 allg. 3.1.2 verdeutlichend mit arc/ bœse/ valsch u. ä. (s. a.
arclist
) 3.2 in positivem Zusammenhang, auch ‘Kunstgriff, Trick’ oder militärisch
‘Taktik, Plan’ (häufig im Kontext des Kampfes)
1
das Können, Vermögen oder ein bestimmtes Potential bezeichnend (s. a.
kunst
)
1.1
allg.
1.1.1
i. S. v. bestimmten, inhärenten Eigenschaften, ‘Vermögen, Kraft,
Macht’
di sageten, daz si wisten / di natûre und di liste /
von edelen gesteine / grôz unde cleine SAlex
7038;
dar zuo merkent einen list, / der noch an manegem
wîbe ist UvZLanz
7193;
der alte Got mit wiser list / wart bi dir ein kindelin
HvNstGZ
1528;
swaz in den
vieren [Elementen] wonend ist, / daz schuof
vil meisterlîche / dîns edeln wortes hôher list / in siben tagen vrist
KLD: Kzl
2: 1,18.
2: 14,5;
und sach dar bi keine list / der menscheite zu einer
gnist [Erlösung]
HeslApk
17597;
RvEBarl
9443;
Parz
548,6.
–
irretumes list her brichet / und scheidet uz die
warheit [...] von der irdachten lugene
HeslApk
13606.
–
mit solchem/-r ~
abgeschwächt ‘in solcher
Weise’
die [
volle
sete
] teilet sich mit sulcher list / daz der
niemant hat gebrist HeslApk
11375
1.1.2
i. S. v. Gelerntem, Erworbenem, Eingeübtem, ‘Fähigkeit,
Fertigkeit’
ich will dich leren einen list. / dv solt so hohe
sprvnge ergeben, / dv macht verliesen wol din leben ReinFu
K,340;
under uns genuoc, die disen list [das
Schachspiel] / wol kunnen Tr
2244;
dehein schütze hât den list, / daz er treffe alle frist
LvRegSyon
3714;
RvEBarl
495
1.2
besonders intellektuelles, geistiges Vermögen
1.2.1
als grundlegende Eigenschaft, ‘Verstand, Denkvermögen, Intelligenz;
Weisheit’
Ênêas, dû bist komen / dâ dir wênich mach gefromen / dîn mennislîcher
list En
3171;
swer nû hât deheinen sin / oder deheinen guͦten list, / der giht, daz
diz gesprochen ist Kröllwitz
516;
dorumme ist das in der wys di list des menschin, vnd
di vornumft obir trit dy nature Pelzb
132,20;
PrOberalt
113,16;
ChristhChr
1809;
VAlex
54.
–
den ~ ergrîfen
‘(etw.) verstehen, begreifen’
dar nâch ergrîfent si [junge Frauen, die ihre
Schüchternheit abgelegt haben] den list / daz si wol
wizzen waz in guot ist Er
1326
1.2.2
im Rahmen bestimmter Handlungen und Tätigkeiten, ‘Klugheit, Schläue,
Scharfsinn’
du hast dich wol gerochin / daz wart durch list
gesprochen Roth
3994;
des engonde in niht Hagene: daz was durch liste getân
NibB
1479,4;
ich bin listic, so sit starc ir. / ir mohtet gvten
trost han zv mir. / von iwer kraft vnd von minen listen / konde sich
niht [nichts] gevristen ReinFu
K,399;
Tr
13867;
Freid
143,8;
Renner
14969.
– bezogen auf eine ausgeprägte Wahrnehmungsgabe, auch
‘Spürsinn’
ich müese haben guoten list, / swenne ich vreude
drinne vunde Wh
280,22;
da der wizzeste marmil ist / den iendert vindet
mannes list RvEWchr
2923
1.2.3
den geistigen Vorgang selbst bezeichnend, ‘Denken, Gedanke;
Aufmerksamkeit’
kere dine list / an den Got der immer ist
HeslApk
4535;
wo aber das hercze unsteͣt ist, / das hat nach weͣre
kain list [denkt nicht daran, sich gegen die Unkeuschheit zu
wehren]
HvBurg
302;
wir wenden mêre müe und list / dar an dâ uns undurft ist
WälGa
2785.
10838;
Greg
1221.
–
~ an jmdn. lëgen
‘Gedanken an jmdn. richten, jmdm. Aufmerksamkeit schenken’
er leite allen sinen list / an die meierin alle vrist
Meierin
45.
– umschreibend:
nun hoͤrend hie mit sinnes list KvHelmsd
1759
1.3
speziell auf handwerkliche, praktische oder künstlerische Tätigkeiten bezogen;
auch deren Resultate bzw. die Disziplin selbst bezeichnend
1.3.1
im Bereich handwerklicher, beruflicher Tätigkeit, ‘Handwerk’
di liswurkin [Handwerker]
ib si sint im closter mit aller demuͦti si tuͦgen di
liste [
artes
] ib doh uirhengit
der uater. aber ib etswer uon in wirt irhabin um kunst des
listis [
pro scientia artis
] sin
BrZw
57;
diu andern kint besunder / diu funden michel wunder: /
weben, smiden, mangen list, / der mangen liuten frömd ist, / zimmern unde
buochstaben, / als wir si noch von in haben, / frömdes listes vil und gnuoc
EnikWchr
1381;
da er [Josef] sîne junger
lêrte / zimbern groze chiele, / daz si niht zevielen, / als die wintstôze /
daran begunden bôzen / ûf des meres unden: / den list er wol kunde
Wernh
3138;
Lucid
16,11;
Spec
85,24;
RvEWchr
537.
–
sô sprechet anderes werches niene spulget, / ir
sît von chintheite gwon mit deme fihe gên; / swer wole chunne den list
daz der unter iu sî der tiurist Gen
2550
1.3.2
im Bereich künstlerischer Tätigkeit, ‘(Kunst-)Fertigkeit,
Kunst’
da heten an grozze chraft / alle di liste, die man îe / an deheinem
werche begie StrKarl (S)
4169;
dô stuont sô minneclîche daz Sigmundes kint, / sam er
entworfen wære an ein permint [Pergament] / von
guotes meisters listen NibB
286,3;
êre unde lop diu schepfent list, / dâ list ze lobe
geschaffen ist: / swâ er [
der list
] mit
lobe geblüemet ist, / dâ blüejet aller slahte list Tr
21.
3511;
swaz der man liste vant, / des listes got wart er
genant RvEBarl
9877;
KvWKlage
16,5;
Lanc
20,1.
–
mit ~
‘auf geschickte, kunstvolle Weise’
siu spannet fur ir bruste / daz ist geworht mit
listen, / ain guldin gewiere Hochz
22;
saffîre vil reine, / smâragden und rubîne, /
topazjen und sardîne, / grânât und ametisten, / die wâren al mit listen
/ nâch ein ander an geleit UvZLanz
4132;
Wh
376,30;
Herb
10814
1.3.3
im Bereich der wissenschaftlichen Tätigkeit, ‘Wissenschaft’
mit guldinen buchstaben / dar in geworcht vnde genat,
/ swaz Plato gescriben hat, / sine kvnst vnde sine list, / die zv Paris
genge ist / me denne anderswa: / daz ist dialetica Herb
10671;
ir wâren ouch die liste bî / von astronomîe
Parz
312,24.
481,15;
Herb
830;
sie wâren alsô wîse, / daz in was von listen kunt /
astronomîe und alle die stunt, / in den die sternen rihtent sich / in ir
louflîchen strich RvEBarl
811.
7483.
10088;
alle die ordenunge der gelider nach dem lisste der
phisonomi chundet mislich pegirde und mißlich sitte an dem mennschen
HvHürnh
76,1.
Reg. 57;
En
9409;
UvZLanz
7183.
– bezogen auf die sieben freien Künste:
der kvnde vnd wiste / die selben liste, / die man
do konde in der zit, / der man do phlac vnde noch phlit
Herb
7662.
7677
1.3.4
‘Zauberkunst’ (i. d. R. Wahrsagekunst und Schwarze Kunst); häufig
auch die (Aus-)Wirkung derselben oder den Zaubervorgang selbst
bezeichnend:
die zouberêre mochtin sie nicht irweckin mit deheinin
irin liestin PrMd (J)
351,12;
[Roland zu Mohammed:] der din uil pose list / ist
an daz ende chomen Rol
4186;
Clinschore ist stæteclîchen bî / der list von
nigrômanzî Parz
617,12.
655,30;
nigromanzîe, der list RvEBarl
9868.
9904;
Herb
562
u. ö.;
Wig
7040;
SAlex
2998
2
‘(Er-)Kenntnis, Wissen, Einsicht’
[der dritte Lehrer] lêrtin ouch den list, / wie hôch von
dem wazzer zem himele ist VAlex
187;
daz er gevahet den list, waz diu oberiste guote ist
AvaLJ
217,7;
hie bedurfet ir wol guter list / wider vurgift vnde den stanc,
/ vnde daz vch daz eitter niht kranc / mache mit deme fuere Herb
1006;
Wernh
A 3993;
Parz
453,20.
490,23.
786,11;
HvHürnh
25,2;
VMos
51,9.
–
‘Bericht, Geschichte’
so hôrt den wunderlîchen list, / wie got unser herre Crist / geboren wart
in zîdes vrist / von einer keiserlîchen maget Erlös
66.
–
‘Ordnung’
zu hant die dot lagen / die der suͤnden pflagen / die
wider der Naturen list / von Sodoma geheißen ist HvNstGZ
1647
3
eine mit Geschick und Gewitztheit durchgeführte Handlung, ‘List’
3.1
in negativem Zusammenhang, auch ‘Hinterlist(-igkeit), Heimtücke,
Bosheit’
3.1.1
allg.:
hine widere ze dem ungetriuwen chunege, / der mit
sinem liste wolde slahen Cristen AvaLJ
27,4;
Jacob nespulgete [pflegte
nicht] liste, ane gote was er veste Gen
1086;
so verloben wir schalchlistige vngehorsam – als
etlich, swaz di gerne tvnt, des lazzent si sich liht vberreden, daz si aber
vngerne tvnt, da vindent si manigen list zv, daz si des vberich werden, si
tvnt e ein lvglin PrBerthKl
4,57;
daz er der tiurste ritter wære, / ân alle karge liste
UvZLanz
2737;
MarlbRh
36,26;
Iw
4125;
Ägidius
1531.
–
mit ~
‘auf hinterhältige, heimtückische Weise’
daz er ez sô mit liste / sô mit gewalt verdarpte
Tr
2034.
– im Sprichwort? (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279):
list list bedarf, ob sie sol sin betrogen Frl
7:18,6
3.1.2
verdeutlichend mit arc/ bœse/ valsch u. ä. (s. a.
arclist
):
ouch fürhtet er die diebe / von bœsen listen, die sie
habent Eracl
2543;
Genelun uerchouphte widir die heidin / mit ungetruwen
listen / manigen herlichen kristen Rol
1938;
dannoch er niene wesse vil manigen argen list, / den
sît diu künegînne an ir mâgen begie NibB
1754,2;
ich sihe den sclangen der valscheit und der valschen
list sclingen in alle wollust dirre welte Mechth
4: 12,9;
Priesterl
125.
–
âne/ sunder ~
i. S. v. ‘ohne Arglist,
Täuschungsabsicht’, aber auch als ‘wirklich, wahrhaftig,
tatsächlich’ zu verstehen:
ob es iu âne valschen list / ernest wirt ode ist
Iw
7901;
ich bin dir holt an arge list
ReinFu
K,188;
er enswer danne, daz erz ane argeliste gethan habe UrkCorp
(WMU)
903,3;
Wh
100,30;
Brun
6073;
HistAE
2708;
bes. als bekräftigende Rechtsformel in Verträgen:
vnd svlen an einander chvnt tvͤn drei wochen vor an alle arge
liste [1197A,11: sine omni malo
ingenio
] , swenne si zv dem chvnge varen wellent
UrkCorp (WMU)
1197B,12
u. ö.;
wir gelobin auch disin kauf eweliche stede vnde veste zu haldene
vnde numir dar widir zu dvͦne bit wortin oder bit werkin noch bit keyner
argir liste UrkEberb
2,674
(a. 1318)
3.2
in positivem Zusammenhang, auch ‘Kunstgriff, Trick’ oder militärisch
‘Taktik, Plan’ (häufig im Kontext des Kampfes):
nehein man nimag in [das Einhorn]
giuahen. neware mit disme liste JPhys
3,5;
menschen hore gebrant unde gepulvert unde gemaln pfeffer
getan zusamne unde dar uf geleit, da cancer wirret, ist besser den kein list
Macer
78,11;
nû hât man vunden einen list / daz er [der
Diamant] in vil kurzer vrist / linde wirt als ein rüebe, / daz
man in snite wol oder grüebe Volmar
303;
inoch waiz ich ain list: / Swaben di milten, / di furent
zwiskele [zweiseitige] scilte, / si sint uil gute
knechte: / ich wil daz si uoruechten Rol
7854;
hilf mir in fristen / mit dînen kluogen, wol verholnen
listen SM:HvF
1: 3,9;
Eracl
3315;
MF:Reinm
23: 4,3;
Iw
1300;
GrRud
F 31;
UvZLanz
5651.
– im rechtl. Kontext ‘(Rechts-)Mittel, rechtl. Handhabe, spezifische
Rechtskenntnis’
so verzihen wir vns alles rehtes, gaistliches vnd weltliches,
[...] vnd kurzlichen alliz des rehtes vnd der
liste vnd hilfe, von der disiv gegenwrtige hantvesti ir craft verliesin
konde UrkCorp (WMU)
1802,18;
noch en sol ime noch sinen nachkomen weder enphandes wis noch mit
dekainen anderen listen si [die Burg] vor behaben
mit niwete ebd.
2042,25.
– auch ‘Vor-, Umsicht’
do houin sich bit [mit]
liste / die herren uon me tiske Roth
3955.
–
mit ~
‘auf schlaue, kluge, geschickte Weise’
ouch sage ich, wi mit listin werde gemachit wyn der
ercztedye vnd wi claretum vnd essik werde Pelzb
135,8;
mit grozen listen er do sprach GrRud
Cb 38;
mit listen er sus mit in vaht Wig
7154;
die erwerbent ez mit listen dâ Parz
71,23;
Herb
1277;
Tr
6911;
Rol
507
u. ö.;
UvZLanz (K)
7245.
– Lit.: J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des
Verstandes. Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Beginn des 13. Jh.,
Heidelberg 1931; F. Scheidweiler, kunst und list, in: ZfdA 78
(1941), S. 62-87
MWB 3,3 1197,29; Bearbeiter: Luxner
lîste
swF.
1 band- oder streifenförmiger (Schmuck-)Rand 1.1 aus Stoff ‘Borte, (Besatz-)Streifen, Schmuckband; Saum’ (vgl. Brüggen,
Kleidung, S. 231f.) 1.1.1 an Kleidung 1.1.2 an Zelten, Decken, Fahnen u.ä. 1.2 übertr. für Maria 1.3 für ein Spruchband (?) 1.4 aus anderen Materialien, ‘(Zier-)Leiste, Rand, Rahmen’
1.4.1 bes. als stabilisierender Rahmen des Helms (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,62) 1.4.2 als Bau- und Schmuckelement 2
‘Zwerchfell’
1
band- oder streifenförmiger (Schmuck-)Rand
1.1
aus Stoff ‘Borte, (Besatz-)Streifen, Schmuckband; Saum’ (vgl. Brüggen,
Kleidung, S. 231f.)
1.1.1
an Kleidung:
Genelun uuͦrte einin
blialt [Seidenstoff] / uz golde gewebin. / da
machte man wole sehen / die turen goltporten / wahe geworchte; / zobel was
dar under, / diu liste nidene umbe / durch soten guldin Rol
1617.
2503;
ez enwart nie sô rîche wât / gesehen an manne biz ûf die zît, / wol
gesniten unde wît / mit mangen guoten lîsten, / die daz gewant wol prîsten,
/ vil steine darûf gewieret ErnstD
2629;
von maneger guoten næte / sach man dar an ein wunder ligen. /
enzwischen dem muoder [Leibchen] und der rigen
[ein Teil des Hemdes] / von golde stuont ein
lîste breit. / dâ wâren gimmen în geleit / und ûz erwelte steine
KvWEngelh
3057;
HvFreibTr
4486;
Ottok
15761;
Craun
948
1.1.2
an Zelten, Decken, Fahnen u.ä.:
vil richer listen ziert die winden [am
Zelt] . / daran moht man vinden / vil tier in den samit
geweben / von golde, alse si so solten leben TürlArabel
*A 262,1;
do die stúke [ [des Tuchs]
zesamen giengen, da was ein guldin liste Mechth
5: 23,137;
oben von dem rande sy / ein laben [Stück
Stoff] von zobel langende, / mit sehs listen hangende, /
die meysterlich durch edert sint Minneb
2944;
NibB
1825,4;
GTroj
697;
EnikWchr
18249
1.2
übertr. für Maria:
wis gegrüezet, goldes lîste MarGr 18
233
1.3
für ein Spruchband (?):
dis rede und dise minne hân ich ze ainer leisten gesetzet in dicz puchlein
MvHeilFr
19
1.4
aus anderen Materialien, ‘(Zier-)Leiste, Rand, Rahmen’
von rôtem golde ein lîste smal / was geleit ûf den
rant [des Schildes]
Wig
6565;
ein lîste wol eins vingers breit / enmitten umb den
apfel [der Zankapfel der Eris] was, / diu schein
noch grüener, denne ein gras, / von smâragdînen steinen / und was ûz harte
cleinen / stücken gar gefüeget wol KvWTroj
1436.
1451
1.4.1
bes. als stabilisierender Rahmen des Helms (vgl. Schultz, Höf. Leben
2,62):
dar ober trohc der helit got / einin stalinen hot /
deme was die liste / gewracht mit allen vlize Roth
1112;
Oliboris hiz ime fur tragen / ein helm harte wol
beslagen: / diu liste was rot guldin Rol
2545.
3296;
umb den helm ein lîste gie / von golde zweier vinger
breit Wig
7385;
En
9087;
Alph
1198;
Athis
B 60
1.4.2
als Bau- und Schmuckelement:
von cristallen di knopfe und listen waren [des Grabmals
von Gamuret]
JTit
995,4;
an gezierde daz bette niht was betrogen, / mit lîsten rîch
dûmellenbreit ErnstD
2399;
daz di reine brechte / ie zu des alters
[Altars] listen / flasses eine risten
[ein Büschel Flachs] / unde ein waskerzelin
Elis
3031;
mit silber und mit golde, / bereit als ez solde, / sült ir den palast
zieren, / mit gold die riemling [La. leisten;
Fensterleisten] visieren EnikWchr
12878;
WolfdD
1405,1;
LaurinA
1821
2
‘Zwerchfell’
diafragma: liste VocOpt
1.111
MWB 3,3 1200,63; Bearbeiter: Luxner
listebære
Adj.
‘klug, kundig, weise’
der selbe sinnerîche man / wîs unde listebære / seit uns hie
vor ze mære, / ze Troye würde ein helt geborn, / von dem zerstœret und verlorn / daz
rîche würde in alle wîs KvWTroj
19269
MWB 3,3 1201,58; Bearbeiter: Luxner
listen
swV.
‘betrügerisch, listig, heimtückisch handeln’
daz er die rede alle tet / niht wan durch listen / und durch
etlicher sache fristen Ottok
83795;
zem iungesten mâle do gie si im aber nach mit zartende und mit listende. hinz
er ier feriach der warhait PrSchw
1,125.
1,125
(vgl. Weinhold, Alem. Gr. § 351).
– bes. Part.Präs. i. S. v. ‘schmeichelnd, anbiedernd’
Dalila begunde ir man / vlizecliche ligen an / zallen ziten
vraginde, / listende und bagende [zankend] , / gelihsende
zallir stunt, / das er ir rehte tete kunt / wavon er hete solih kraft
RvEWchr
20973;
wan er mir mînen œheim sluoc / und an mir vürhtet den haz, /
durch die vorhte und umbe daz / ist er mich allez streichende, / listende unde
smeichende / in einem velschlîchem site Tr
13964
MWB 3,3 1201,63; Bearbeiter: Luxner
lîsten
swV.
‘mit einer Randeinfassung versehen’
gelîstet und gebuochstabet [mit Buchstaben
versehen] / was ez [das Gewand] von
wîsen henden / an orten unde an enden / mit hôher künste ruoche
KvWTroj
20126.
– als Part.-Adj.:
manec hâr wart bewunden / mit manegem kleinen borten, /
gelîstet wol zen orten / von berlîn und von gesteine Eracl
1934;
si trogin kurzebolde [kurzes
Gewand] / gelistet mit deme golde Roth
4578
MWB 3,3 1202,15; Bearbeiter: Luxner
lister
F.
‘Singdrossel’ (s. AWB 5,1178 und Suolahti, Vogelnamen, S. 68):
sepicecula: listra Volucr (L)
142;
sepicetula: listera [Anhang der Hs. V (vgl.
SummHeinr Einl. 2,XXXIX)]
SummHeinr
2:146,6
MWB 3,3 1202,24; Bearbeiter: Luxner
listerîche
Adj.
1
‘klug, verständig, weise’
2
‘sich auf Listen verstehend, schlau, listig’
1
‘klug, verständig, weise’
natûre ist alsô liste rîch KvWTroj
7805
2
‘sich auf Listen verstehend, schlau, listig’
vremediu kleider nam ich an / als ein listerîcher man
RvEBarl
6410
MWB 3,3 1202,28; Bearbeiter: Luxner
listic
Adj.
1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet 1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’ (s.a.
arclistec
) 2 begabt, talentiert in der Ausführung bestimmter Tätigkeiten, ‘geschickt,
kunstreich’
1
mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet
1.1
positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
astutus: listeger SummHeinr
2:179,01.56;
sin wip was uil schone, er uorhte daz ez im ze schaden chome: / der man
uil listiger sprach si wære sin swestir GenM
33,25;
ich bin listic, so sit starc ir ReinFu
K,397;
nun vinde ich aber niht von im / an dem wâren mære, / wan
daz ez kündic wære, / listic unde rederîch Tr
14249;
des antwurte im Prünhilt in einen listigen siten
NibB
727,4;
wer ainen kurzen hals hât, der ist listig und sinnreich.
aber der ainen langen hals hât, der ist ain tôr, kläppisch und vorchtig
BdN
47,24;
sin gemote was harte listich Roth
2290
u. ö.;
Eckh
2:553,3;
Tannh
4,25;
GTroj
14650
1.2
negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’ (s.a.
arclistec
):
so tuͦn ich als ein listiges túbeli
Seuse
550,27;
so listich is de böse Leviathan MarlbRh
37,2.
36,25.
82,33;
wem diu augen tief sint und klain, der ist listig, ain
betrieger und ain häzziger mensch BdN
45,3.
43,29;
PrOberalt
146,26;
HeslApk
14066.
– subst.:
der ist ain lieger, ain listiger und ain tôr
BdN
45,6.
– hierher i. S. v. ‘dreist, unverschämt’ (?):
daz iemen sô listec wære, / dêr getorste rüeren ir
gewant Eracl
2880
2
begabt, talentiert in der Ausführung bestimmter Tätigkeiten, ‘geschickt,
kunstreich’
stôle unde swert sint si genennet beide; / si bedurfen niht wan einer scheide;
/ an in sich nieman mac versnîden / wan der dâ lebet sunder vorht: / erst listic,
der si hât geworht; / ir beider slege mac man vil gerne mîden RvZw
213,11;
den [Vorhang] meisterde Candacis. /
wande si was listich unde wîs SAlex
5970;
nieman ist so stark in sime wurfe, nieman ist so listig in
sime schutze, nieman ist so arg an sime grimme Mechth
6: 38,6;
En
9524
MWB 3,3 1202,32; Bearbeiter: Luxner
listicheit
stF.
hier listekeit.
‘Schlauheit, Listigkeit’
Symon was der kunste vol, / daz er die lute blante / und sie
dar an wante. / swaz er tet mit listekeit, / daz heten sie vur warheit Pass
I/II (HSW)
20153;
do daz meister Clingesor sach unde on alle sin listekeit nicht enhalf, do ging
her met grozen schandin von danne Köditz
12,25
MWB 3,3 1203,4; Bearbeiter: Luxner
listiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen.
1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgeführt 1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch,
arglistig’
2 mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘geschickt, kunstvoll;
behände’
1
mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgeführt
1.1
positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
mit listiclîchen sachen / hiez der hêre machen / êrîne
bilede, / gescaffen alse helide SAlex
4392;
nu müessen wir lisstigklichen oder diemüetigklich vorschen
von disenn tugenden und von lasstern HvHürnh
4,6;
mit listeclichir kúndekeit / dú muͦter do des kindis
wielt RvEWchr
8921.
25981.
18575;
der chuͦnich redete listechliche Rol
2309.
1823;
Roth
2336;
HvFreibTr
3024;
Elis
8023;
PrStPaul
57,28
1.2
negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch,
arglistig’
diu werde [
minne
]
hât sinne, / gein valsche listeclîche kunst Parz
172,25;
er hiez listiclichen / sînem nâchgebûr / ein bitter gift
sûr / in daz wazzer senken Ottok
3768;
si wânden betrîgen / den kuninc listiclîche
SAlex
7071;
HeslNic
5123.
– im Kontext der Zauberei, auch ‘magisch’
Clinschor, der des erdâhte, / ûz manegem lande brâhte
/ sîn listeclîchiu wîsheit Parz
566,25.
568,22.
– abgeschwächt, auch ‘heimlich’
gar listeclich / sleich sie von im sân zuhant
HvFreibTr
5904
2
mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘geschickt, kunstvoll;
behände’
Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain roͤklin
WernhMl
5500;
harte vrœlîche er dô spranc / mit listeclîchen sinnen: / ê sîn der rise wurde
gewar, / dô was ez von der wende, / sîns herren swert von stahel klâr
ÄSigen
22,6;
WvRh
6578;
ErnstD
4252
MWB 3,3 1203,11; Bearbeiter: Luxner
listkünde
Adj.
‘kunstreich, -voll, -fertig’
daz munster was gezieret, / wol
underordenieret [eingerichtet] / an tiefer listkunder
art Pass I/II (HSW)
12803;
din [Gottes] listkunde meisterschaft
/ dem himele und der erden gab / wol lobelichen urhab ebd.
20
MWB 3,3 1203,40; Bearbeiter: Luxner
listlich
Adj. , -lîchen
Adv.
auch liste-.
1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet 1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch,
arglistig’
2 mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘kunstfertig’ (vgl. Holmberg, Karlmeinet, S. 31)
1
mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet
1.1
positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
dannoch enwolt er sih sîn niht glouben, unz er in ze dem dritem mâle
versuohte und chom mit im ûf ein hôhen berch und redete listlîchen nâch
menschlicher bechorunge PrStPaul
49,28
1.2
negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch,
arglistig’
únte suîe lísteklîch [La.
lístlîch
] íro blandimenta uvâren
Will
139,3.
– im Kontext der Zauberei, auch ‘magisch’
fünf hundert stabeslingen / mit listeclîchen [La.
listlichen
] dingen / zem swanke wârn
bereite Parz
568,22.
566,25
2
mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘kunstfertig’ (vgl.
Holmberg, Karlmeinet, S. 31):
so waren do de cristen alle / mit harde listelichem schalle / zo Termys in de
burch gelaessen KarlGalie
11676.
Fragment W,79
MWB 3,3 1203,45; Bearbeiter: Luxner
listmachære
stM.
‘geschickter Handwerker, Künstler’
artifex: listmachere SummHeinr
1:290,281;
Vulkân / der wîse, der mære, / der guote listmachære
Tr
4934;
jst daz listmachär oder antwerkläwt in dem kloster
sint [
artifices si sunt in monasterio
]
die süllen die selben ir liste [
artes
] mit
aller diemüt würken ob ez der apte heizzet BrAlt
57;
BrHoh
57.
– von Gott, auch ‘Schöpfer’
got herre, listmachære, / du ie und ie wære / und immer bist ân ende, / dînen
trôst mir sende Georg
4251
MWB 3,3 1203,63; Bearbeiter: Luxner
listmeister
stM.
‘geschickter Handwerker, Künstler’, hier von Gott, auch
‘Schöpfer’
wande die tugent niemmen gehaben nemach newane den si der
wîse listmaister lêret. daz ist got TrudHL
109,1;
daz besliezen dîner
diehe [Schenkel] daz ist halszierde, diu dâ geworht
ist uon des wîsen listmaisteres hant [
quae fabricata sunt manu
artificis Ct 7,1]
ebd.
108,19.
81,3;
Will
112,2
MWB 3,3 1204,10; Bearbeiter: Luxner
listsache
stF.
‘Zauberkunst’
do der keiser hete
entsaben [festgestellt] , / wi
er [Simon] mit listsachen / vil wunders konde machen
Pass I/II (HSW)
20267
MWB 3,3 1204,18; Bearbeiter: Luxner
listsamicheit
stF.
‘Listigkeit, Falschheit’
doch wirt di vruntschaft geweit / bewilen uf listsamikeit, / also nach wisir
zcungin / di vruntschaft ist der jungin, / [...] / bewilen
wirt si ouch geweit / uf gut der ersamikeit: / di vruntschaft di ist tugintsam
PfzdHech
282,11
MWB 3,3 1204,22; Bearbeiter: Luxner
listsinnic
Adj.
‘klug, kunstreich’
dô he [Tristrant] zu Tintanjôl quam, / dô reit der
listsinnige man / in den bômgarten Eilh (L)
4776
MWB 3,3 1204,28; Bearbeiter: Luxner
lîstvël
stN.
wohl Bez. für als Besatzstreifen auf Kleidern oder Kopfbedeckungen gebrauchten
Pelz:
von listfellen 10 dn. vom hundert StRAugsb
265,11
MWB 3,3 1204,31; Bearbeiter: Luxner
listviur
stN.
‘Zauberfeuer’ (als Bezeichnung für Griechisches Feuer; s. Anm. zu V.
6955):
vil schiere wart im [Wigalois] daz
bekant / daz sînem halsberge lieht / daz selbe listviuwer nieht / mohte geschaden
Wig
6992
MWB 3,3 1204,34; Bearbeiter: Luxner |