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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lîse - listviur    


lîse Adj., Adv. adv. Gebrauch überwiegt deutlich; alem. und ostfrk. nasaliert auch lînse ( Seuse ; SM:Go 2a: 3,4; JvNürnberg 47 ), vgl. Weinhold, Alem. Gr. § 199 sowie Frnhd. Gr. § L 62.4. 1 ‘leise, lautlos, kaum hör-/wahrnehmbar’ (häufig im Kontext der Heimlichkeit)
1.1 allg.
1.2 bes. bei der Fortbewegung (häufig mit slîhen )
1.3 vom Sprechen, Reden, Singen, auch ‘sanft’ (vgl. 2 )
2 ‘behutsam, sanft, mild’
3 ‘gemächlich, gleichmäßig, langsam’ (bes. als Zeichen des Anstandes, des guten Benehmens; offen zu 2 )
4 ‘in geringem Maße, leicht, schwach’
   1 ‘leise, lautlos, kaum hör-/wahrnehmbar’ (häufig im Kontext der Heimlichkeit)    1.1 allg.: si gesaz in eines tages bî / heinlîchen unde lîse Tr 12079; er brâhtin alsô lîse dar, / daz sîn nieman wart gewar ebd. 10705. 12962. 10703; si sprach zuͦ Peronise / daz er braehte lise / driu phaerith als iz tagete Eilh R,1770; sus vluzzen si vil lîse / unz si ze stade kâmen Wig 5487. ir sultz helen [geheim halten] lîse / vor den die tragent das swarze vel Parz 55,4    1.2 bes. bei der Fortbewegung (häufig mit slîhen): dô sleich si lîse ân allen schal / in eine kemenâten Parz 192,24. 196,5; dar sleich ein maget lîse KLD: UvL 36: 5,3; wan si [die Minne] slîhet lîse SM:Had 9: 1,5; der verte si grôz angest nam. / nus alsô lîse gênde kam / dem boume ein lützel nâher bî Tr 14692. 13585. 13561; Iw 101. 3471. mit lîsen fuoʒstapfen/  triten: mit lîsen fuozstapfen / ganc für dich tougen unde slîch! KvWTroj 15132; dô kêrte si mit lîsen / triten ûf ir strâze hin ebd. 1504    1.3 vom Sprechen, Reden, Singen, auch ‘sanft’ (vgl. 2): do sprach der wirt vil lise StrKD 161,8; in süezer wîse gar von prîse, hôhe, lîse, singt diu nahtegal KLD: GvN 46: 2,2; er sprach suoze unde lîse Tr 11982. 11446; HvNstAp 264; ReinFu K,511a. ir hinderrede sich niht enkan / vor mir verheln: ich hœre untriuwe lîse RvZw 151,12    2 ‘behutsam, sanft, mild’ so riset der luft uil lise uf die erde Lucid 60,3; da weckt er sy leyse HvNstAp 14246; daz du nit hoflich klubest, noch mit linsen zúgen den sugenden natren dines herzen na gangest [nachgibst] Seuse 371,24. 460,21; als daz wettir warmen pflît / und dî kelde wesit lîs NvJer 20172; Tr 11001. 11559 u. ö.; SM:Had 51: 1,8    3 ‘gemächlich, gleichmäßig, langsam’ (bes. als Zeichen des Anstandes, des guten Benehmens; offen zu 2): vil lîse si dô trâten / und giengen zuo ir vrouwen sâ Wig 5527; er trat vil lîse, im was niht gâch Walth 19,11; die ellenthaften jungen / vor den vrowen drungen / mit senften siten lîse / in maniger süezen wîse RvEGer 3631; GrRud I 9 Frl 8:2,13; Tr 10360; Neidh WL 14:1,11. – beim Tanz: la din truren sin. / nim war der lieben frouwen din! / si tanzet also lise Tannh 5,81; wol kan ich des reigen wîse / und ouch den achselrotten lîse SM:Go 2: 1,10; KLD:BvH 11: 3,3    4 ‘in geringem Maße, leicht, schwach’ swer in [den Edelstein] rehte erkennen sol, / der slahe dar ûf lîse Volmar 501; ein swert vil wol gewetzet / und gesliffen sêre / daz bant der künic hêre / [...] / an ein vil cleinez rossehâr / und hienc ez über den spilman / sô lîse [locker] , daz er wære dran / versniten und versêret, / ob er sich dâ gekêret / und gerüeret hæte KvWTroj 5526; die fromden han, wez ich sol leben, / wann sie mir das dann sullen geben, / das tuͦnt sie als linse, / daz ichs us einem flinse / als sanfte mocht gewinnen JvNürnberg 47. ir betrieget mich niht sô lîse [einfach] / als ir mange getan hât. / sprecht ir ‘schâch’, sô sprich ich ‘mat’. / sô ist daz spil gewunnen mîn! Heidin IV 916

MWB 3,3 1195,50; Bearbeiter: Luxner

lisîs Subst. eine Giftschlange (vgl. Nellmann, Parz., S. 688): aspîs, ecidemon, / ehcontîus unt lisîs, / jêcîs unt mêatrîs / (die argen slangenz eiter heiz / tragent) Parz 481,9

MWB 3,3 1196,50; Bearbeiter: Luxner

lîslîche Adv. auch -lîchen. ‘sanft, behutsam; leise’ bit [mit] den ersten bant on sin [Christi] muͦder lisliche; / bit den anderen benden bunden on die juden nitliche; / bit den lesten benden bunden on die heidenen dotliche Lilie 38,15; gat ir und vil lislichen slifet [bewegt euch] , / di kleinen vuchse uns begrifet [fangt] , / der ir itslicher vorterbit hat / unsen wingarten der gebluet stat Brun 602

MWB 3,3 1196,54; Bearbeiter: Luxner

lismen swV. ‘stricken’ (vgl. SchweizId 3,1424 sowie Kluge, S. 578): Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain roͤklin, / gancz ungenat und ungesnitten / [...], / geweben wart es also gancz / aͮne stuk und aͮne schrancz / (doch inder rame oder wie, / das seit enkain geschrift hie: / ich wæn es gelisemet wære) WernhMl 5507; do truog er ain pfellinen [seidenen] rôk, der nehet deheine sût [Naht] noch deheine nât, wan der was aller gelisemt Konr (Sch) 41,2

MWB 3,3 1196,62; Bearbeiter: Luxner

lispen swV. ‘lispeln, undeutlich sprechen; raunen’ blesus: lisbinder SummHeinr 2:7,140 u. ö.; hüete dich vor einem man / der lispende kôsen [sprechen] kan Cato 348; diu zung, die gar ze dick ist, macht lispend leut, und die ze dünn ist macht stamelnd und verzuckend sprâch BdN 15,12. 15,1. mit lispendem/-er munde/  zungen: dar nâch sitzet ein got / in hôher wirde, der heizet spot. / mit lispendem munde / smiert er ze aller stunde UvEtzAlex 12653; [das Kind Moses] brande sinir zungen ort, / das er îe darnah sinú wort / mit lispindir zungin sprah RvEWchr 9066; Physiogn 263. weiz got, hie spellet sich der leich, / hie lispet daz mære Tr 8615. swelhe meide und jungiu wîp sich flîzen / daz si den munt einhalp ûf rîzen / als ein ros an krummem zoume, / die gênt in einem tummen troume. / man hœrt ir genuoc lispen und zarten / durch daz die jungen man ir warten Renner 12113

MWB 3,3 1197,8; Bearbeiter: Luxner

lispizære stM. jmd., der lispelt, ‘Lispler’ blesus: lispizer Gl 3:663,7

MWB 3,3 1197,27; Bearbeiter: Luxner

list stM. auch stF. ( HvNstGZ 1528; Pelzb 132,20; HeslApk und WMU 2,1145 Formteil). 1 das Können, Vermögen oder ein bestimmtes Potential bezeichnend (s. a. kunst )
1.1 allg.
1.1.1 i. S. v. bestimmten, inhärenten Eigenschaften, ‘Vermögen, Kraft, Macht’
1.1.2 i. S. v. Gelerntem, Erworbenem, Eingeübtem, ‘Fähigkeit, Fertigkeit’
1.2 besonders intellektuelles, geistiges Vermögen
1.2.1 als grundlegende Eigenschaft, ‘Verstand, Denkvermögen, Intelligenz; Weisheit’
1.2.2 im Rahmen bestimmter Handlungen und Tätigkeiten, ‘Klugheit, Schläue, Scharfsinn’
1.2.3 den geistigen Vorgang selbst bezeichnend, ‘Denken, Gedanke; Aufmerksamkeit’
1.3 speziell auf handwerkliche, praktische oder künstlerische Tätigkeiten bezogen; auch deren Resultate bzw. die Disziplin selbst bezeichnend
1.3.1 im Bereich handwerklicher, beruflicher Tätigkeit, ‘Handwerk’
1.3.2 im Bereich künstlerischer Tätigkeit, ‘(Kunst-)Fertigkeit, Kunst’
1.3.3 im Bereich der wissenschaftlichen Tätigkeit, ‘Wissenschaft’
1.3.4 ‘Zauberkunst’ (i. d. R. Wahrsagekunst und Schwarze Kunst); häufig auch die (Aus-)Wirkung derselben oder den Zaubervorgang selbst bezeichnend
2 ‘(Er-)Kenntnis, Wissen, Einsicht’
3 eine mit Geschick und Gewitztheit durchgeführte Handlung, ‘List’
3.1 in negativem Zusammenhang, auch ‘Hinterlist(-igkeit), Heimtücke, Bosheit’
3.1.1 allg.
3.1.2 verdeutlichend mit arc/  bœse/  valsch u. ä. (s. a. arclist )
3.2 in positivem Zusammenhang, auch ‘Kunstgriff, Trick’ oder militärisch ‘Taktik, Plan’ (häufig im Kontext des Kampfes)
   1 das Können, Vermögen oder ein bestimmtes Potential bezeichnend (s. a. kunst )    1.1 allg.    1.1.1 i. S. v. bestimmten, inhärenten Eigenschaften, ‘Vermögen, Kraft, Macht’ di sageten, daz si wisten / di natûre und di liste / von edelen gesteine / grôz unde cleine SAlex 7038; dar zuo merkent einen list, / der noch an manegem wîbe ist UvZLanz 7193; der alte Got mit wiser list / wart bi dir ein kindelin HvNstGZ 1528; swaz in den vieren [Elementen] wonend ist, / daz schuof vil meisterlîche / dîns edeln wortes hôher list / in siben tagen vrist KLD: Kzl 2: 1,18. 2: 14,5; und sach dar bi keine list / der menscheite zu einer gnist [Erlösung] HeslApk 17597; RvEBarl 9443; Parz 548,6. irretumes list her brichet / und scheidet uz die warheit [...] von der irdachten lugene HeslApk 13606. mit solchem/-r ~ abgeschwächt ‘in solcher Weise’ die [ volle sete ] teilet sich mit sulcher list / daz der niemant hat gebrist HeslApk 11375    1.1.2 i. S. v. Gelerntem, Erworbenem, Eingeübtem, ‘Fähigkeit, Fertigkeit’ ich will dich leren einen list. / dv solt so hohe sprvnge ergeben, / dv macht verliesen wol din leben ReinFu K,340; under uns genuoc, die disen list [das Schachspiel] / wol kunnen Tr 2244; dehein schütze hât den list, / daz er treffe alle frist LvRegSyon 3714; RvEBarl 495    1.2 besonders intellektuelles, geistiges Vermögen    1.2.1 als grundlegende Eigenschaft, ‘Verstand, Denkvermögen, Intelligenz; Weisheit’ Ênêas, dû bist komen / dâ dir wênich mach gefromen / dîn mennislîcher list En 3171; swer nû hât deheinen sin / oder deheinen guͦten list, / der giht, daz diz gesprochen ist Kröllwitz 516; dorumme ist das in der wys di list des menschin, vnd di vornumft obir trit dy nature Pelzb 132,20; PrOberalt 113,16; ChristhChr 1809; VAlex 54. den ~ ergrîfen ‘(etw.) verstehen, begreifen’ dar nâch ergrîfent si [junge Frauen, die ihre Schüchternheit abgelegt haben] den list / daz si wol wizzen waz in guot ist Er 1326    1.2.2 im Rahmen bestimmter Handlungen und Tätigkeiten, ‘Klugheit, Schläue, Scharfsinn’ du hast dich wol gerochin / daz wart durch list gesprochen Roth 3994; des engonde in niht Hagene: daz was durch liste getân NibB 1479,4; ich bin listic, so sit starc ir. / ir mohtet gvten trost han zv mir. / von iwer kraft vnd von minen listen / konde sich niht [nichts] gevristen ReinFu K,399; Tr 13867; Freid 143,8; Renner 14969. – bezogen auf eine ausgeprägte Wahrnehmungsgabe, auch ‘Spürsinn’ ich müese haben guoten list, / swenne ich vreude drinne vunde Wh 280,22; da der wizzeste marmil ist / den iendert vindet mannes list RvEWchr 2923    1.2.3 den geistigen Vorgang selbst bezeichnend, ‘Denken, Gedanke; Aufmerksamkeit’ kere dine list / an den Got der immer ist HeslApk 4535; wo aber das hercze unsteͣt ist, / das hat nach weͣre kain list [denkt nicht daran, sich gegen die Unkeuschheit zu wehren] HvBurg 302; wir wenden mêre müe und list / dar an dâ uns undurft ist WälGa 2785. 10838; Greg 1221. ~ an jmdn. lëgen ‘Gedanken an jmdn. richten, jmdm. Aufmerksamkeit schenken’ er leite allen sinen list / an die meierin alle vrist Meierin 45. – umschreibend: nun hoͤrend hie mit sinnes list KvHelmsd 1759    1.3 speziell auf handwerkliche, praktische oder künstlerische Tätigkeiten bezogen; auch deren Resultate bzw. die Disziplin selbst bezeichnend    1.3.1 im Bereich handwerklicher, beruflicher Tätigkeit, ‘Handwerk’ di liswurkin [Handwerker] ib si sint im closter mit aller demuͦti si tuͦgen di liste [ artes ] ib doh uirhengit der uater. aber ib etswer uon in wirt irhabin um kunst des listis [ pro scientia artis ] sin BrZw 57; diu andern kint besunder / diu funden michel wunder: / weben, smiden, mangen list, / der mangen liuten frömd ist, / zimmern unde buochstaben, / als wir si noch von in haben, / frömdes listes vil und gnuoc EnikWchr 1381; da er [Josef] sîne junger lêrte / zimbern groze chiele, / daz si niht zevielen, / als die wintstôze / daran begunden bôzen / ûf des meres unden: / den list er wol kunde Wernh 3138; Lucid 16,11; Spec 85,24; RvEWchr 537. sô sprechet anderes werches niene spulget, / ir sît von chintheite gwon mit deme fihe gên; / swer wole chunne den list daz der unter iu sî der tiurist Gen 2550    1.3.2 im Bereich künstlerischer Tätigkeit, ‘(Kunst-)Fertigkeit, Kunst’ da heten an grozze chraft / alle di liste, die man îe / an deheinem werche begie StrKarl (S) 4169; dô stuont sô minneclîche daz Sigmundes kint, / sam er entworfen wære an ein permint [Pergament] / von guotes meisters listen NibB 286,3; êre unde lop diu schepfent list, / dâ list ze lobe geschaffen ist: / swâ er [ der list ] mit lobe geblüemet ist, / dâ blüejet aller slahte list Tr 21. 3511; swaz der man liste vant, / des listes got wart er genant RvEBarl 9877; KvWKlage 16,5; Lanc 20,1. mit ~ ‘auf geschickte, kunstvolle Weise’ siu spannet fur ir bruste / daz ist geworht mit listen, / ain guldin gewiere Hochz 22; saffîre vil reine, / smâragden und rubîne, / topazjen und sardîne, / grânât und ametisten, / die wâren al mit listen / nâch ein ander an geleit UvZLanz 4132; Wh 376,30; Herb 10814    1.3.3 im Bereich der wissenschaftlichen Tätigkeit, ‘Wissenschaft’ mit guldinen buchstaben / dar in geworcht vnde genat, / swaz Plato gescriben hat, / sine kvnst vnde sine list, / die zv Paris genge ist / me denne anderswa: / daz ist dialetica Herb 10671; ir wâren ouch die liste bî / von astronomîe Parz 312,24. 481,15; Herb 830; sie wâren alsô wîse, / daz in was von listen kunt / astronomîe und alle die stunt, / in den die sternen rihtent sich / in ir louflîchen strich RvEBarl 811. 7483. 10088; alle die ordenunge der gelider nach dem lisste der phisonomi chundet mislich pegirde und mißlich sitte an dem mennschen HvHürnh 76,1. Reg. 57; En 9409; UvZLanz 7183. – bezogen auf die sieben freien Künste: der kvnde vnd wiste / die selben liste, / die man do konde in der zit, / der man do phlac vnde noch phlit Herb 7662. 7677    1.3.4 ‘Zauberkunst’ (i. d. R. Wahrsagekunst und Schwarze Kunst); häufig auch die (Aus-)Wirkung derselben oder den Zaubervorgang selbst bezeichnend: die zouberêre mochtin sie nicht irweckin mit deheinin irin liestin PrMd (J) 351,12; [Roland zu Mohammed:] der din uil pose list / ist an daz ende chomen Rol 4186; Clinschore ist stæteclîchen bî / der list von nigrômanzî Parz 617,12. 655,30; nigromanzîe, der list RvEBarl 9868. 9904; Herb 562 u. ö.; Wig 7040; SAlex 2998    2 ‘(Er-)Kenntnis, Wissen, Einsicht’ [der dritte Lehrer] lêrtin ouch den list, / wie hôch von dem wazzer zem himele ist VAlex 187; daz er gevahet den list, waz diu oberiste guote ist AvaLJ 217,7; hie bedurfet ir wol guter list / wider vurgift vnde den stanc, / vnde daz vch daz eitter niht kranc / mache mit deme fuere Herb 1006; Wernh A 3993; Parz 453,20. 490,23. 786,11; HvHürnh 25,2; VMos 51,9. – ‘Bericht, Geschichte’ so hôrt den wunderlîchen list, / wie got unser herre Crist / geboren wart in zîdes vrist / von einer keiserlîchen maget Erlös 66. – ‘Ordnung’ zu hant die dot lagen / die der suͤnden pflagen / die wider der Naturen list / von Sodoma geheißen ist HvNstGZ 1647    3 eine mit Geschick und Gewitztheit durchgeführte Handlung, ‘List’    3.1 in negativem Zusammenhang, auch ‘Hinterlist(-igkeit), Heimtücke, Bosheit’    3.1.1 allg.: hine widere ze dem ungetriuwen chunege, / der mit sinem liste wolde slahen Cristen AvaLJ 27,4; Jacob nespulgete [pflegte nicht] liste, ane gote was er veste Gen 1086; so verloben wir schalchlistige vngehorsam – als etlich, swaz di gerne tvnt, des lazzent si sich liht vberreden, daz si aber vngerne tvnt, da vindent si manigen list zv, daz si des vberich werden, si tvnt e ein lvglin PrBerthKl 4,57; daz er der tiurste ritter wære, / ân alle karge liste UvZLanz 2737; MarlbRh 36,26; Iw 4125; Ägidius 1531. mit ~ ‘auf hinterhältige, heimtückische Weise’ daz er ez sô mit liste / sô mit gewalt verdarpte Tr 2034. – im Sprichwort? (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 279): list list bedarf, ob sie sol sin betrogen Frl 7:18,6    3.1.2 verdeutlichend mit arc/  bœse/  valsch u. ä. (s. a. arclist ): ouch fürhtet er die diebe / von bœsen listen, die sie habent Eracl 2543; Genelun uerchouphte widir die heidin / mit ungetruwen listen / manigen herlichen kristen Rol 1938; dannoch er niene wesse vil manigen argen list, / den sît diu künegînne an ir mâgen begie NibB 1754,2; ich sihe den sclangen der valscheit und der valschen list sclingen in alle wollust dirre welte Mechth 4: 12,9; Priesterl 125. âne/  sunder ~ i. S. v. ‘ohne Arglist, Täuschungsabsicht’, aber auch als ‘wirklich, wahrhaftig, tatsächlich’ zu verstehen: ob es iu âne valschen list / ernest wirt ode ist Iw 7901; ich bin dir holt an arge list ReinFu K,188; er enswer danne, daz erz ane argeliste gethan habe UrkCorp (WMU) 903,3; Wh 100,30; Brun 6073; HistAE 2708; bes. als bekräftigende Rechtsformel in Verträgen: vnd svlen an einander chvnt tvͤn drei wochen vor an alle arge liste [1197A,11: sine omni malo ingenio ] , swenne si zv dem chvnge varen wellent UrkCorp (WMU) 1197B,12 u. ö.; wir gelobin auch disin kauf eweliche stede vnde veste zu haldene vnde numir dar widir zu dvͦne bit wortin oder bit werkin noch bit keyner argir liste UrkEberb 2,674 (a. 1318)    3.2 in positivem Zusammenhang, auch ‘Kunstgriff, Trick’ oder militärisch ‘Taktik, Plan’ (häufig im Kontext des Kampfes): nehein man nimag in [das Einhorn] giuahen. neware mit disme liste JPhys 3,5; menschen hore gebrant unde gepulvert unde gemaln pfeffer getan zusamne unde dar uf geleit, da cancer wirret, ist besser den kein list Macer 78,11; nû hât man vunden einen list / daz er [der Diamant] in vil kurzer vrist / linde wirt als ein rüebe, / daz man in snite wol oder grüebe Volmar 303; inoch waiz ich ain list: / Swaben di milten, / di furent zwiskele [zweiseitige] scilte, / si sint uil gute knechte: / ich wil daz si uoruechten Rol 7854; hilf mir in fristen / mit dînen kluogen, wol verholnen listen SM:HvF 1: 3,9; Eracl 3315; MF:Reinm 23: 4,3; Iw 1300; GrRud F 31; UvZLanz 5651. – im rechtl. Kontext ‘(Rechts-)Mittel, rechtl. Handhabe, spezifische Rechtskenntnis’ so verzihen wir vns alles rehtes, gaistliches vnd weltliches, [...] vnd kurzlichen alliz des rehtes vnd der liste vnd hilfe, von der disiv gegenwrtige hantvesti ir craft verliesin konde UrkCorp (WMU) 1802,18; noch en sol ime noch sinen nachkomen weder enphandes wis noch mit dekainen anderen listen si [die Burg] vor behaben mit niwete ebd. 2042,25. – auch ‘Vor-, Umsicht’ do houin sich bit [mit] liste / die herren uon me tiske Roth 3955. mit ~ ‘auf schlaue, kluge, geschickte Weise’ ouch sage ich, wi mit listin werde gemachit wyn der ercztedye vnd wi claretum vnd essik werde Pelzb 135,8; mit grozen listen er do sprach GrRud Cb 38; mit listen er sus mit in vaht Wig 7154; die erwerbent ez mit listen dâ Parz 71,23; Herb 1277; Tr 6911; Rol 507 u. ö.; UvZLanz (K) 7245. – Lit.: J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes. Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Beginn des 13. Jh., Heidelberg 1931; F. Scheidweiler, kunst und list, in: ZfdA 78 (1941), S. 62-87

MWB 3,3 1197,29; Bearbeiter: Luxner

lîste swF. 1 band- oder streifenförmiger (Schmuck-)Rand
1.1 aus Stoff ‘Borte, (Besatz-)Streifen, Schmuckband; Saum’ (vgl. Brüggen, Kleidung, S. 231f.)
1.1.1 an Kleidung
1.1.2 an Zelten, Decken, Fahnen u.ä.
1.2 übertr. für Maria
1.3 für ein Spruchband (?)
1.4 aus anderen Materialien, ‘(Zier-)Leiste, Rand, Rahmen’
1.4.1 bes. als stabilisierender Rahmen des Helms (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,62)
1.4.2 als Bau- und Schmuckelement
2 ‘Zwerchfell’
   1 band- oder streifenförmiger (Schmuck-)Rand    1.1 aus Stoff ‘Borte, (Besatz-)Streifen, Schmuckband; Saum’ (vgl. Brüggen, Kleidung, S. 231f.)    1.1.1 an Kleidung: Genelun uuͦrte einin blialt [Seidenstoff] / uz golde gewebin. / da machte man wole sehen / die turen goltporten / wahe geworchte; / zobel was dar under, / diu liste nidene umbe / durch soten guldin Rol 1617. 2503; ez enwart nie sô rîche wât / gesehen an manne biz ûf die zît, / wol gesniten unde wît / mit mangen guoten lîsten, / die daz gewant wol prîsten, / vil steine darûf gewieret ErnstD 2629; von maneger guoten næte / sach man dar an ein wunder ligen. / enzwischen dem muoder [Leibchen] und der rigen [ein Teil des Hemdes] / von golde stuont ein lîste breit. / dâ wâren gimmen în geleit / und ûz erwelte steine KvWEngelh 3057; HvFreibTr 4486; Ottok 15761; Craun 948    1.1.2 an Zelten, Decken, Fahnen u.ä.: vil richer listen ziert die winden [am Zelt] . / daran moht man vinden / vil tier in den samit geweben / von golde, alse si so solten leben TürlArabel *A 262,1; do die stúke [ [des Tuchs] zesamen giengen, da was ein guldin liste Mechth 5: 23,137; oben von dem rande sy / ein laben [Stück Stoff] von zobel langende, / mit sehs listen hangende, / die meysterlich durch edert sint Minneb 2944; NibB 1825,4; GTroj 697; EnikWchr 18249    1.2 übertr. für Maria: wis gegrüezet, goldes lîste MarGr 18 233    1.3 für ein Spruchband (?): dis rede und dise minne hân ich ze ainer leisten gesetzet in dicz puchlein MvHeilFr 19    1.4 aus anderen Materialien, ‘(Zier-)Leiste, Rand, Rahmen’ von rôtem golde ein lîste smal / was geleit ûf den rant [des Schildes] Wig 6565; ein lîste wol eins vingers breit / enmitten umb den apfel [der Zankapfel der Eris] was, / diu schein noch grüener, denne ein gras, / von smâragdînen steinen / und was ûz harte cleinen / stücken gar gefüeget wol KvWTroj 1436. 1451    1.4.1 bes. als stabilisierender Rahmen des Helms (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,62): dar ober trohc der helit got / einin stalinen hot / deme was die liste / gewracht mit allen vlize Roth 1112; Oliboris hiz ime fur tragen / ein helm harte wol beslagen: / diu liste was rot guldin Rol 2545. 3296; umb den helm ein lîste gie / von golde zweier vinger breit Wig 7385; En 9087; Alph 1198; Athis B 60    1.4.2 als Bau- und Schmuckelement: von cristallen di knopfe und listen waren [des Grabmals von Gamuret] JTit 995,4; an gezierde daz bette niht was betrogen, / mit lîsten rîch dûmellenbreit ErnstD 2399; daz di reine brechte / ie zu des alters [Altars] listen / flasses eine risten [ein Büschel Flachs] / unde ein waskerzelin Elis 3031; mit silber und mit golde, / bereit als ez solde, / sült ir den palast zieren, / mit gold die riemling [La. leisten; Fensterleisten] visieren EnikWchr 12878; WolfdD 1405,1; LaurinA 1821    2 ‘Zwerchfell’ diafragma: liste VocOpt 1.111

MWB 3,3 1200,63; Bearbeiter: Luxner

listebære Adj. ‘klug, kundig, weise’ der selbe sinnerîche man / wîs unde listebære / seit uns hie vor ze mære, / ze Troye würde ein helt geborn, / von dem zerstœret und verlorn / daz rîche würde in alle wîs KvWTroj 19269

MWB 3,3 1201,58; Bearbeiter: Luxner

listen swV. ‘betrügerisch, listig, heimtückisch handeln’ daz er die rede alle tet / niht wan durch listen / und durch etlicher sache fristen Ottok 83795; zem iungesten mâle do gie si im aber nach mit zartende und mit listende. hinz er ier feriach der warhait PrSchw 1,125. 1,125 (vgl. Weinhold, Alem. Gr. § 351). – bes. Part.Präs. i. S. v. ‘schmeichelnd, anbiedernd’ Dalila begunde ir man / vlizecliche ligen an / zallen ziten vraginde, / listende und bagende [zankend] , / gelihsende zallir stunt, / das er ir rehte tete kunt / wavon er hete solih kraft RvEWchr 20973; wan er mir mînen œheim sluoc / und an mir vürhtet den haz, / durch die vorhte und umbe daz / ist er mich allez streichende, / listende unde smeichende / in einem velschlîchem site Tr 13964

MWB 3,3 1201,63; Bearbeiter: Luxner

lîsten swV. ‘mit einer Randeinfassung versehen’ gelîstet und gebuochstabet [mit Buchstaben versehen] / was ez [das Gewand] von wîsen henden / an orten unde an enden / mit hôher künste ruoche KvWTroj 20126. – als Part.-Adj.: manec hâr wart bewunden / mit manegem kleinen borten, / gelîstet wol zen orten / von berlîn und von gesteine Eracl 1934; si trogin kurzebolde [kurzes Gewand] / gelistet mit deme golde Roth 4578

MWB 3,3 1202,15; Bearbeiter: Luxner

lister F. ‘Singdrossel’ (s. AWB 5,1178 und Suolahti, Vogelnamen, S. 68): sepicecula: listra Volucr (L) 142; sepicetula: listera [Anhang der Hs. V (vgl. SummHeinr Einl. 2,XXXIX)] SummHeinr 2:146,6

MWB 3,3 1202,24; Bearbeiter: Luxner

listerîche Adj. 1 ‘klug, verständig, weise’
2 ‘sich auf Listen verstehend, schlau, listig’
   1 ‘klug, verständig, weise’ natûre ist alsô liste rîch KvWTroj 7805    2 ‘sich auf Listen verstehend, schlau, listig’ vremediu kleider nam ich an / als ein listerîcher man RvEBarl 6410

MWB 3,3 1202,28; Bearbeiter: Luxner

listic Adj. 1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet
1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’ (s.a. arclistec )
2 begabt, talentiert in der Ausführung bestimmter Tätigkeiten, ‘geschickt, kunstreich’
   1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet    1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’ astutus: listeger SummHeinr 2:179,01.56; sin wip was uil schone, er uorhte daz ez im ze schaden chome: / der man uil listiger sprach si wære sin swestir GenM 33,25; ich bin listic, so sit starc ir ReinFu K,397; nun vinde ich aber niht von im / an dem wâren mære, / wan daz ez kündic wære, / listic unde rederîch Tr 14249; des antwurte im Prünhilt in einen listigen siten NibB 727,4; wer ainen kurzen hals hât, der ist listig und sinnreich. aber der ainen langen hals hât, der ist ain tôr, kläppisch und vorchtig BdN 47,24; sin gemote was harte listich Roth 2290 u. ö.; Eckh 2:553,3; Tannh 4,25; GTroj 14650    1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’ (s.a. arclistec ): so tuͦn ich als ein listiges túbeli Seuse 550,27; so listich is de böse Leviathan MarlbRh 37,2. 36,25. 82,33; wem diu augen tief sint und klain, der ist listig, ain betrieger und ain häzziger mensch BdN 45,3. 43,29; PrOberalt 146,26; HeslApk 14066. – subst.: der ist ain lieger, ain listiger und ain tôr BdN 45,6. – hierher i. S. v. ‘dreist, unverschämt’ (?): daz iemen sô listec wære, / dêr getorste rüeren ir gewant Eracl 2880    2 begabt, talentiert in der Ausführung bestimmter Tätigkeiten, ‘geschickt, kunstreich’ stôle unde swert sint si genennet beide; / si bedurfen niht wan einer scheide; / an in sich nieman mac versnîden / wan der dâ lebet sunder vorht: / erst listic, der si hât geworht; / ir beider slege mac man vil gerne mîden RvZw 213,11; den [Vorhang] meisterde Candacis. / wande si was listich unde wîs SAlex 5970; nieman ist so stark in sime wurfe, nieman ist so listig in sime schutze, nieman ist so arg an sime grimme Mechth 6: 38,6; En 9524

MWB 3,3 1202,32; Bearbeiter: Luxner

listicheit stF. hier listekeit. ‘Schlauheit, Listigkeit’ Symon was der kunste vol, / daz er die lute blante / und sie dar an wante. / swaz er tet mit listekeit, / daz heten sie vur warheit Pass I/II (HSW) 20153; do daz meister Clingesor sach unde on alle sin listekeit nicht enhalf, do ging her met grozen schandin von danne Köditz 12,25

MWB 3,3 1203,4; Bearbeiter: Luxner

listiclich Adj. , -lîche Adv. adv. auch -lîchen. 1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgeführt
1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’
2 mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘geschickt, kunstvoll; behände’
   1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgeführt    1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’ mit listiclîchen sachen / hiez der hêre machen / êrîne bilede, / gescaffen alse helide SAlex 4392; nu müessen wir lisstigklichen oder diemüetigklich vorschen von disenn tugenden und von lasstern HvHürnh 4,6; mit listeclichir kúndekeit / dú muͦter do des kindis wielt RvEWchr 8921. 25981. 18575; der chuͦnich redete listechliche Rol 2309. 1823; Roth 2336; HvFreibTr 3024; Elis 8023; PrStPaul 57,28    1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’ diu werde [ minne ] hât sinne, / gein valsche listeclîche kunst Parz 172,25; er hiez listiclichen / sînem nâchgebûr / ein bitter gift sûr / in daz wazzer senken Ottok 3768; si wânden betrîgen / den kuninc listiclîche SAlex 7071; HeslNic 5123. – im Kontext der Zauberei, auch ‘magisch’ Clinschor, der des erdâhte, / ûz manegem lande brâhte / sîn listeclîchiu wîsheit Parz 566,25. 568,22. – abgeschwächt, auch ‘heimlich’ gar listeclich / sleich sie von im sân zuhant HvFreibTr 5904    2 mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘geschickt, kunstvoll; behände’ Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain roͤklin WernhMl 5500; harte vrœlîche er dô spranc / mit listeclîchen sinnen: / ê sîn der rise wurde gewar, / dô was ez von der wende, / sîns herren swert von stahel klâr ÄSigen 22,6; WvRh 6578; ErnstD 4252

MWB 3,3 1203,11; Bearbeiter: Luxner

listkünde Adj. ‘kunstreich, -voll, -fertig’ daz munster was gezieret, / wol underordenieret [eingerichtet] / an tiefer listkunder art Pass I/II (HSW) 12803; din [Gottes] listkunde meisterschaft / dem himele und der erden gab / wol lobelichen urhab ebd. 20

MWB 3,3 1203,40; Bearbeiter: Luxner

listlich Adj. , -lîchen Adv. auch liste-. 1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet
1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’
1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’
2 mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘kunstfertig’ (vgl. Holmberg, Karlmeinet, S. 31)
   1 mit besonderen geistigen, kognitiven Fähigkeiten ausgestattet    1.1 positiv ‘klug, schlau, geschickt; weise’ dannoch enwolt er sih sîn niht glouben, unz er in ze dem dritem mâle versuohte und chom mit im ûf ein hôhen berch und redete listlîchen nâch menschlicher bechorunge PrStPaul 49,28    1.2 negativ ‘(hinter-)listig, verschlagen, heimtückisch, arglistig’ únte suîe lísteklîch [La. lístlîch ] íro blandimenta uvâren Will 139,3. – im Kontext der Zauberei, auch ‘magisch’ fünf hundert stabeslingen / mit listeclîchen [La. listlichen ] dingen / zem swanke wârn bereite Parz 568,22. 566,25    2 mit besonderem Geschick ausgeführt, ‘kunstfertig’ (vgl. Holmberg, Karlmeinet, S. 31): so waren do de cristen alle / mit harde listelichem schalle / zo Termys in de burch gelaessen KarlGalie 11676. Fragment W,79

MWB 3,3 1203,45; Bearbeiter: Luxner

listmachære stM. ‘geschickter Handwerker, Künstler’ artifex: listmachere SummHeinr 1:290,281; Vulkân / der wîse, der mære, / der guote listmachære Tr 4934; jst daz listmachär oder antwerkläwt in dem kloster sint [ artifices si sunt in monasterio ] die süllen die selben ir liste [ artes ] mit aller diemüt würken ob ez der apte heizzet BrAlt 57; BrHoh 57. – von Gott, auch ‘Schöpfer’ got herre, listmachære, / du ie und ie wære / und immer bist ân ende, / dînen trôst mir sende Georg 4251

MWB 3,3 1203,63; Bearbeiter: Luxner

listmeister stM. ‘geschickter Handwerker, Künstler’, hier von Gott, auch ‘Schöpfer’ wande die tugent niemmen gehaben nemach newane den si der wîse listmaister lêret. daz ist got TrudHL 109,1; daz besliezen dîner diehe [Schenkel] daz ist halszierde, diu dâ geworht ist uon des wîsen listmaisteres hant [ quae fabricata sunt manu artificis Ct 7,1] ebd. 108,19. 81,3; Will 112,2

MWB 3,3 1204,10; Bearbeiter: Luxner

listsache stF. ‘Zauberkunst’ do der keiser hete entsaben [festgestellt] , / wi er [Simon] mit listsachen / vil wunders konde machen Pass I/II (HSW) 20267

MWB 3,3 1204,18; Bearbeiter: Luxner

listsamicheit stF. ‘Listigkeit, Falschheit’ doch wirt di vruntschaft geweit / bewilen uf listsamikeit, / also nach wisir zcungin / di vruntschaft ist der jungin, / [...] / bewilen wirt si ouch geweit / uf gut der ersamikeit: / di vruntschaft di ist tugintsam PfzdHech 282,11

MWB 3,3 1204,22; Bearbeiter: Luxner

listsinnic Adj. ‘klug, kunstreich’ dô he [Tristrant] zu Tintanjôl quam, / dô reit der listsinnige man / in den bômgarten Eilh (L) 4776

MWB 3,3 1204,28; Bearbeiter: Luxner

lîstvël stN. wohl Bez. für als Besatzstreifen auf Kleidern oder Kopfbedeckungen gebrauchten Pelz: von listfellen 10 dn. vom hundert StRAugsb 265,11

MWB 3,3 1204,31; Bearbeiter: Luxner

listviur stN. ‘Zauberfeuer’ (als Bezeichnung für Griechisches Feuer; s. Anm. zu V. 6955): vil schiere wart im [Wigalois] daz bekant / daz sînem halsberge lieht / daz selbe listviuwer nieht / mohte geschaden Wig 6992

MWB 3,3 1204,34; Bearbeiter: Luxner