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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   liephabære - lieʒen    


liephabære stM. überw. -haber, auch -heber. 1 ‘Freund, Anhänger von etw.’
2 ‘Liebender, Geliebter, Liebhaber’
   1 ‘Freund, Anhänger von etw.’ ein lipheber des heiligen cristin glouben, her was ein ernstir vortilger der ketzerie unde des unglouben Köditz 46,27; ein rechtir libhaber der gerechtikeit ebd. 20,19; di Krichin und ir meistirtum / in nantin Philomeum, / daz sich in duczschim uzleit / ‘libheber moze und gerechtikeit.’ PfzdHech 167,14; das ist ungereit allen den minnern [La. liebhabern ] diser welte Tauler 258,20    2 ‘Liebender, Geliebter, Liebhaber’ wem der afterpell pain klain sint, daz bedäut ainen liebhaber der frawen und des leibs krankhait und vorht BdN 49,7. 73,17. – von Christus: mîn hêre Jêsu Krist, / mîn antliz er bezeichnet hât, / daz ich sol immer haben rât / ander liebhabêre EbvErf 3415; Agnete sprach: ‘jungelinc, ich wil nicht dîner gâbe, wan ein ander liphaber hât dich vorkomen [ist dir zuvorgekommen] , und deme habe ich mich vertrûwet.’ HvFritzlHl 67,19

MWB 3,3 1141,41; Bearbeiter: Hansen

liephabærinne stF. ‘Freundin, Anhängerin von etw.’ di liebheberinne der demutikeit unde di uberinne der barmeherzikeit, di liebe sente Elyzabeth Köditz 36,9

MWB 3,3 1141,61; Bearbeiter: Hansen

liep haben swV. vgl. haben swV. 6.1.2. 1 ‘etw. mögen, begehren, eine Vorliebe für etw. haben’
2 ‘jmdn. gern haben, lieb haben, wertschätzen’
3 ‘jmdn. lieben, begehren’ (offen zu 2 )
   1 ‘etw. mögen, begehren, eine Vorliebe für etw. haben’ secht, wie schedleich es der sel ist der reichttuͦm lieb hat, wann da kümt geittikait von SchlierbAT (LS) 1,139 u.ö.; der konig Ban sah syn burg brinnen, die er lieb hett fur alle syn búrgk Lanc 12,16 u.ö.; sy [die Pharisäer] habin lyp dy obirsten stat an dem obynt ezzene unde dy ersten stule in der synagogen [ amant autem primos recubitus in cenis, et primas cathedras in synagogis Mt 23,6] EvBerl 26,15; Judas [...] was ein dieb / und hatte vil winkel [dunkle Ecken] lieb / und trug und anewante [benutzte zum eigenen Vorteil] / di dink di man in sante TvKulm 3750; KvMSph 45,15; PrBerthKl 5,42. – ‘etw. freiwillig anerkennen, wertschätzen’ ez ist wol gezemelich, daz die brûdere alsô liep haben die gemeinen dinc des ordenes, unde die sunderlîche sie anegehôrent, daz sî in alle wîs vermîden ubermâze StatDtOrd 65,28    2 ‘jmdn. gern haben, lieb haben, wertschätzen’ hat ir gehort waz gesait ist uwirn elderen: habe dynen nehesten lyp unde hazze dynen vynt? EvBerl 19,7; dem [St. Sebastian] hete vnser herre got die genade gegeben, das in die kaysere vnd die liͤvte alle minten oder lieb haten Konr 6,6; solde ich den liep haben, / der mich gerne begraben / sehe den an dem libe? Herb 12591 u.ö.; do karte sich sente Petir umme unde sach den jungern den Jhesus lip hatte [ quem diligebat Iesus Io 21,20] nach ym volgen EvBerl 6,25. 67,7; DvAPatern 21; HeslApk 9171; EvAug 243,19; mit Komp.: si wolte in verre lieber haben / danne ir kint, daz si gebar KvWTroj 574; Lanc 39,9. 98,6; übertr. auf Tiere: diu pfärt habent sich sunderleichen liep under ainander, mêr dan andreu tier [ equi naturaliter pre ceteris bestiis diligunt suam speciem ] BdN 137,10. 177,25. – von göttlicher Liebe, göttlichem Wohlwollen: got het im [Luzifer] wol schin getan / daz her in wolde lieb han, / wen her in so liecht irluchte / daz her vil schoner duchte / dan siner engele kein HeslApk 11586; welcher fride bestat in der liebin, in der uns got liep hat ThvASu 334,21. – von der Liebe der Menschen zu Gott: wir weren erger dan ein dieb / hete wir den Got nicht lieb / der uns nach im gebildet hat HeslApk 11130. 6737; Eckh 5: 17,12    3 ‘jmdn. lieben, begehren’ (offen zu 2 ): ez enlît nicht eben / und kumt von krankem sinne, / daz dû die küniginne, / dînes ôhems êlîch wîp, / hâst liep vor aller wîbe lîp HvFreibTr 208; die ich alse lieb hân / in dem herzen alle stunde, / diu ist wandel vor behuot SM:KvL 11: 3,1; flekt.: ich wæn, dem [dem kint, dem anderen Minnewerber] doch sîn herze iht [nicht] stê / gein ir [der vrouwe ] , alsam daz mîne stât, / und wæn [erg.: (das kint)] si ouch iht [nicht] sô liebe hât, / als ich si in mînem herzen hân UvLFrd 6,32

MWB 3,3 1142,1; Bearbeiter: Hansen

liephaft Adj. lîphaft

MWB 3,3 1142,58;

liepholden swV. ‘Ergebenheit zeigen, Huld erweisen’ man sach auch liebholden / Crispin von Belgalgan, / diu wirdecliche, swaz dar kan, / enpfienc nach grozen eren, / und sunderlich den heren / werden kuͤnc von Spangen WhvÖst 18260

MWB 3,3 1142,59; Bearbeiter: Hansen

liephoubet stN. ‘nächster Verwandter, Angehöriger; geliebte Person’ (vgl. auch mnd. lêfhovet ‘geliebte Person (bes. von Verstorbenen)’ Schiller/  Lübben 2,680): hern Cvnrade Eseler vnde vorn [Frau] Alheide, siner vrowen, vnde allen jren liebhavbten vnde iren nachkvmen UrkCorp (WMU) 1773,3; nû sint etlîche, swanne in ir liep houbet stirbet, sô werdent sie sô gar durchgozzen mit leide, daz sie niht ûf in selben gestân enmügen und müezen sitzen Eckh 2:580,8; uͦwer almuͦsin sult ir vil gerne tuͦn vor uͦwer lieb hovbtin. daz hilft den lebendin vnd den toten PrLpz (L) 69,30. – unklar, ob ebenfalls hierher: Jesus nicht da wider [gegen die Mordvorwürfe] sprach, / [...]. / der meintat, di uf in gie, / jene wol geloubeten, / mit des toden lib houbeten [Laa. liebhoubeten, lieb houbeten ‘(zusammen) mit den nächsten Verwandten bzw. Freunden des Toten’; Ausg. erwägt dagegen houbeten swV. in sonst nicht belegter Bed. ‘etw. (mit etw.) bezeugen’ i.S.v. ‘(und) bezeugten (das Verbrechen) mit dem Körper des Toten’ (vgl. Anm.z.St.)] Pass I/II (HSW) 4614

MWB 3,3 1143,1; Bearbeiter: Hansen

liepkôsen swV. auch liebe- (vgl. auch liep 4). 1 ‘freundlich, liebevoll mit jmdm. reden’ (vgl. auch miltekôsen )
2 ‘jmdm. schmeicheln, nach dem Mund reden’
   1 ‘freundlich, liebevoll mit jmdm. reden’ (vgl. auch miltekôsen ): uns saget daz heil[ige] ew[angelium] wie unser herre got mit sinen íungern libchoset. vn[d] sprach disiu suͦzen wort zu ín PrPrag 364; unt [Moses] uerdiente da mit [mit Fasten] , daz er got so uorderliche liep wart, daz er mit im liebkoste glichirwise sam ein friunt mit sinem friunde liebkoset, unt daz er im gap die alten ê PrHoff 100,23; des suchen yn [den anstelle seiner Frau im Kindbett liegenden Mann] sine mok [Verwandten] unde vrunde [...] unde libekosin mit ym unde vroygin sich mit ym MarcoPolo 34,22; got liebkoset mit der sele an sehs dingen Mechth 1: 19,1. 1: Reg. 20; Eckh 2:34,7. – subst.: in vriuntlicher saze / was ir [Gaius’ und Herodes’] liebekosen do, / wand sie einander waren vro Pass I/II (HSW) 19105; daz selb nim och gen dem werden gote, [...] des minneklich zúrnen besser ist, denn falsches liepkosen Seuse 364,28    2 ‘jmdm. schmeicheln, nach dem Mund reden’ der aber tugentlôs ist, der ist unwert in aller liute herzen, swie im doch sumelîche durch ir genäsche [Verführbarkeit] oder durch vorhte ze angehœrde [in seiner Anwesenheit] mithellen unde valschlîchen liepkôsen DvASchr 310,2; smiren und liepkosen / mit herren und mit frowen / wolt er nit SHort 2536. – spez. ‘jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen’ mit maniger hande sachen / begund er im lôsen [schmeicheln] / und mit rede liepkôsen, / unz daz der kunic sîn gemüete / begunde neigen ze güete Ottok 14354. 68554; Part.-Adj.: alse Dalida die vrowe tet mit weicher liebekosender rede vnde also beroͮbete sú den starken Sampson siner crefte FünferlLiebe 175,29; subst.: spâte unde fruo / treip si darzuo / mit triuten und mit lôsen, / mit manigem liepkôsen / den kunic Wenzlân, / daz er die hîrât trüeg an [in die Wege leiten möge] Ottok 67758. 40269; lass dich dar ab nit wisen, weder mit troͤwene noch mit liebkosene Seuse 372,7. 461,11

MWB 3,3 1143,23; Bearbeiter: Hansen

lieplich Adj. , -lîche Adv. auch leplich ( KvHelmsd 4660 ); adv. auch -lîchen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Gebrauchsweisen sind fließend, viele Belege lassen sich verschiedenen Positionen zuordnen. 1 ‘freundlich, gütig, wohlwollend, herzlich’
2 ‘liebevoll, zärtlich’
3 ‘verliebt, nach Art von Liebenden’
4 ‘angenehm, erfreulich, wohltuend’
5 ‘mit Freude, gerne, freiwillig’
6 rechtssprachl. ‘gütlich, im Guten’ (vgl. WMU 2,1134; DRW 8,1312f. mit weiteren Belegen)
   1 ‘freundlich, gütig, wohlwollend, herzlich’ ein lieplich wirt hat gutete vil Frl 10:8,9; so sprichet s. Bernhardus das man unserem herren die lieplichesten guͤtlichesten wort zuͦ sprechen sol die man iemer erdenken mag Tauler 383,14; der grâve was dô gemeit; / und empfienc den boten lieplîch Heidin IV 441; der konig Artus begund yn fast lieblich besehen, er hett gut ritter sere lieb Lanc 115,20; SAlex 6346; Wernh D 2763. A 333. – ‘fürsorglich’ die [alten Meister] sol man sanfte legen und lieplich halten, wan si koͤnnent nochdenne vil heligen rat geben Mechth 4: 27,86; nâch der râte unde state des hûses sal man barmherzeclîche die siechen handelen unde ir pflegen lieplîche StatDtOrd 32,20. 33,30; beid in glüc ind widermuͤde / behuͦd dich liͤflich sine [Gottes] guͤde MarlbRh 3,28. – semantisch abgeschwächt adv. ‘auf gütige, freundliche Art und Weise’ (oder zu 4 i.S.v. ‘auf schöne, vortreffliche Art und Weise’): nu hæte ouch in der künec genomen / an sîne hant und leite in hin; / vil lieplîche sazter in / ze sich an sîne sîten nider Tr 4336; do teilte sine lant zehant / lieplich unde schone / glich mit Sẏmeone / der ellenthafte Judas RvEWchr 17274. 25221; daz ewangelium prediget er selber vnde sante sine boten liepliche, die daz ewangelium predigietent Lucid 97,1    2 ‘liebevoll, zärtlich’ si [die Sünderin] weinote vil suoze an die gotes vuoze. / mit trahenen si si badete [...], vil lieblichen si si chuste AvaLJ 79,5; wie gar unmâzen sanfte tuot ein lieplîch küssen unde ein minneclîcher umbevanc! KLD: GvN 8: 4,2; er kuste si und si kust in / lieplîchen unde suoze Tr 12039; MF:Reinm 61: 1; GrRud Ib 38. Ib 13    3 ‘verliebt, nach Art von Liebenden’ sô lige dise naht bî mir, / daz ich geniete mich mit dir / mit minneclîcher liebe kraft / lieplîcher geselleschaft RvEBarl 12238; do begonden sie zu bette gan. / des nedarf nie man vragen, / ob sie icht liepliche insamet lagen. / ja, sie werliche! GrRud Ib 31; also entschlieffen sie beide ein lang wil lieblich gehalset und ir mund an einander Lanc 429,26; RvEWchr 6313. 24266; KLD:BvH 1: 1,4    4 ‘angenehm, erfreulich, wohltuend’ uns ist zergangen der lieplîch sumer MF:Mor 25: 1,1; ze glicher wise als die lipliche sunne hat ein stetes unzellich wúrken und influs in das ertrich Tauler 372,28; liͤflich sint der erzengel wort / si sint vil gelustelich gehort MarlbRh 53,30; sus triben si zwei under in / die stunde lieplîche hin / wîlent sus und wîlent sô Tr 13018 u.ö.; Konr 15,43; Pass I/II (HSW) 11926. 25559; subst.: Seuse 14,27. – ‘schön, anmutig, lieblich’ ir kinne, ir munt, ir varwe, ir lîch / daz was sô rehte wunneclîch, / sô lieplîch und sô muotsam, / daz ir Marken gezam [verfiel] Tr 17589; ir lieblich munt so rôt SM:Te 9: 2,4; alle ires lybes gelider / geschrenket und geformet sin / lieplichen gar nach wunsches schin Minneb 3234; SM:KvL 13: 2,14. 18: 3,10. – vom Charakter von Personen, ‘angenehm, liebenswert, lieb’ diu maget diu wart sich wider den man / sô rehte lieplîch machende [beliebt machend] , / smierende unde lachende, / kallende unde kôsende Tr 19241; si umbevieng ez [das Kind] unde truchte ez nâhe an sich, / davon dâchte ich [erg. si ] lîeblîch zehant SM:Had 4: 1,4    5 ‘mit Freude, gerne, freiwillig’ suͤzlich ’t wort min herze sluͦch, / liͤflich min herz diͤ wunde druͦch [ertrug] MarlbRh 101,4; er [der Freigebige] muß geben allen synen gesellen lieblich und frölich des sie bedörffent, beide richen und armen Lanc 62,6; das ich gotte und allen creaturen lieplich muͦs wesen undertan Mechth 2: 19,29 u.ö.; Frl 10:8,3    6 rechtssprachl. ‘gütlich, im Guten’ (vgl. WMU 2,1134; DRW 8,1312f. mit weiteren Belegen): wil abir he liepliche mit umi ge ani girichte [ohne Hilfe des Gerichts] Mühlh 125,6; daz ein lieblich schidung gischehin ist UrkCorp (WMU) 1873,29; daz wir vmbe alle die missehelli [...] lieplich sin vberein komen also, daz [...] ebd. 1180,32 u.ö.

MWB 3,3 1144,1; Bearbeiter: Hansen

lieplîche stF. ‘Genuss, Wonne’ wannen kumt ellú zartheit, schonheit, herzlust und lieplichi? Seuse 14,30. 166,26

MWB 3,3 1145,20; Bearbeiter: Hansen

liepnisse stFN. auch lief-, leif-. 1 ‘Freundlichkeit’
2 ‘(Bestechungs-)Geschenk; Tribut’
3 ‘Vermittlungsgebühr, Provision’
   1 ‘Freundlichkeit’ so hant si uns geluwen durch liefnisse acht marc [...], di geloven wir in wider ze gevene un si zu bezalne innenwendich zwein iaren UrkDOKobl 1,383 (a. 1323)    2 ‘(Bestechungs-)Geschenk; Tribut’ alle dy Tartirn, idoch czu vordirst alle dy belenyt synt von Chaam, dy gebin ym czu lipnisse groze gobe von golde unde von silbir und edilim gesteyne MarcoPolo 23,1; nullis muneribus, vel promissionibus, quod liebnusse dicitur UrkFrankf 1,235 (a. 1284); van gridekeit so kumet [...] bose offer, bose gewin, lipnisse, roup, stelen, wuͦcher, dopelspil HlReg 40,8    3 ‘Vermittlungsgebühr, Provision’ [die Bruderschaft der Tuchschneider beschließt,] dat ingeyn broder [...] eynnegeme schroder nog schorre [weder einem Schneider noch Tuchscherer (die dem Tuchschneider Kunden vermitteln)] [...] neit me van ekelicher elin gewanz [von jeder Elle Tuch] [...] dan eynnen hl. geven sal ze leifnisse UrkKölnZunft 2:173,25 (a. 1318)

MWB 3,3 1145,23; Bearbeiter: Hansen

liepnissede stF. ‘Genuss, Wonne’ die liebnusside an zeswen diner unze an den ente [interl. zu delectationes in dextera tua usque in finem ] PsWindb 15,10

MWB 3,3 1145,43; Bearbeiter: Hansen

liepreden swV. ‘jmdm. schmeicheln, jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen, betören’ (vgl. liep 4.3.4 und liepkôsen 2): auch ist lieb chosen ain todsund, wann der mensch daz in schaden suͦcht des anderen dem er lieb redt, vnd in da mit petriegen wil RechtssB L13,15. – subst.: wann lieb reden sey ain todsund [Überschrift] RechtssB L13,1 u.ö.; lieb reden vnd lieb chosen daz ist suͤnd RechtssA L13,3 u.ö.

MWB 3,3 1145,47; Bearbeiter: Hansen

liepschaft stF. auch liebe-. 1 ‘Zuneigung, Freundschaft’
2 ‘Liebe’
   1 ‘Zuneigung, Freundschaft’ sit pflak der helt vermezzen nach Isenhart so grozer liebschefte: / swaz Isenhart mit liebe truͦc in sinne, / durch di selben liebe wolt er dem tragen furbaz sunder minne JTit 2601,2    2 ‘Liebe’ wie geliep wir [Alise und Rennewart] ein ander waren, / und wie gar wir verbaren / gein ein ander allen haz, / und taten bede gerne daz / swaz gein liepshaft sich gezoch Rennew 9217; des siht man noch har rauffen / manige die die liebschaft / und der suͤzzen minne kraft / gefuͤgt niht hant zesammen WhvÖst 8671. 10206. – ‘Verliebtheit’ durch der ersten liebeschaft / geloupt er [der eifersüchtige Liebhaber] ir [der fremdgehenden, vorgeblich reumütigen Geliebten] deste baz, / untz si im vertribet den haz StrKD 68,130

MWB 3,3 1145,56; Bearbeiter: Hansen

liepsëhen subst. Inf. ‘Zuneigung, Liebe’ ach, owe, und daz du, truter herre, ein sunderlich minnekliches liebsehen uff mich hettist. ach, wie wol mir denn were! Seuse 450,23. 378,2

MWB 3,3 1146,8; Bearbeiter: Hansen

liepsuochende Part.-Adj. ‘liebesbedürftig’ wie mengen bittern tod du dir selb hast angetan, so ist dir doch daz beliben von gotes verhengde, daz du hast ein zart, liebsuͦchende natur Seuse 57,12

MWB 3,3 1146,12; Bearbeiter: Hansen

liep|swinderinne stF. ‘vor Liebe Dahinschwindende, Nachtigall’ dar umb haizt si [die Nachtigall] ze kriechischer sprâch phylomena, daz ist sô vil gesprochen sam ain liepswinderinne, wan si swindet und nimt ab von rehter lieb irs gesanges unz in den tôt [ phylomena dicitur a phylos, quod est amor, et menos, quod est defectus, quasi amore deficiens ] BdN 221,9

MWB 3,3 1146,16; Bearbeiter: Hansen

lier stN. ‘Scheinen, Strahlen’ (hier im Pl. i.S.v. ‘strahlender, funkelnder Glanz’; vgl. lieren und ûʒ lieren ): uf dem schilt was auch daz tier, / dar uz maniger stain lier / functen und glasten, / diu riche kost lasten [auferlegen würden] / ainem kranken [armen] manne, der sie / schoͤlt fuͤern WhvÖst 13848. – Lit.: K. Regel, mhd. lier, lieren, in: ZfdPh 9 (1878), S. 77–82

MWB 3,3 1146,24; Bearbeiter: Hansen

lieren swV. ‘strahlen, funkeln’ (vgl. lier und ûʒ lieren ): stain und bluͦmen wider schin / gaben von dem golde, / dar uz manic krisolde [Chrysolithe] / von den gezelten lierten WhvÖst 2279; schoͤlt ich vol loben alles das / da mit der sezzel was geziert, / und daz gestain daz drab liert, / ez wuͤrd in ainer wochen / nymmer vollen sprochen ebd. 4954. 14034. – übertr.: dunke dich daz mir [...] [ diu suͤzze minne ] uz den augen liere, / so tuͦ also, dunk ez dich guͦt WhvÖst 1602. – Lit.: K. Regel, mhd. lier, lieren, in: ZfdPh 9 (1878), S. 77–82

MWB 3,3 1146,32; Bearbeiter: Hansen

liesche stF. ‘Liesch, Lieschgras’ (ein Futtergras; vgl. auch DWB 6,1019 s.v. liesch, liesche): so sollent die banwarte bringen in den hof sebeden [d.i. semeden ‘Schilf’ ] und liesche, das der appet und die huber sufir gesizent WeistGr 1,674 (a. 1320)

MWB 3,3 1146,43; Bearbeiter: Hansen

liese F. ‘dünne Haut’ (vgl. Anm.z.St.): zwúschent sinem lichamen und der schoͤpfnisse des himelriches ist nit me denne ein dúnnú want als eines eies lise [La. hut ] Mechth 4: 23,13

MWB 3,3 1146,48; Bearbeiter: Hansen

liet stN. auch lieht ( Herb ); Pl. liet, lieder. 1 ‘Strophe, einstrophiges Lied’
2 ‘mehrstrophiges Lied’ (vgl. auch M. Baldzuhn, Vom Sangspruch zum Meisterlied, Tübingen 2002, S. 127-136 mit einem weiteren Beleg des 14. Jhs.; meist nicht eindeutig von 1 zu unterscheiden)
3 Gesamtheit eines (strophischen oder unstrophischen) dichterischen Werks größeren Umfangs, ‘Dichtung, Erzählung, Lied’ (vgl. auch Düwel, Werkbez., S. 203-205)
4 ‘Gesang’
5 phras.: jmds. ~ singen ‘jmdm. nach dem Mund reden, sich jmdm. anpassen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 273)
   1 ‘Strophe, einstrophiges Lied’ in diser wîse [in diesem Ton] daz êrste liet / sing ich dem hoehsten herren Höllefeuer 1:1,1; ditz buch hebet sich an mit dryn liedern und sprechen also: [es folgen die drei Strophen des lyrischen Prologs] Minneb Inh. 10; mit rimen schon zwigenge sint disiu lieder worden / gemezzen rechter lenge, dar in ein don nach meister sanges orden JTit 499A,1; Rumelant (K) 11:1,5. 6:10,13; SM:UvS 23: 4,1. – überhaupt von (gesungenen, gereimten) Versen: dô wart gemerzîet / wunder von der hovediet. / si triben niwan daz eine liet: / ‘Tristan, Tristan li Parmenois / cum est bêâs et cum cûrtois!’ Tr 3362; Aleke bat Cunzen dem ein friunt gab hechte / in Kreken lant man nam of pant quam rechte / schalkes tat vur Xristofer ym zuͦ selbe sprach. / diz liet aller buͦche buͦchstabe besliuzet Meissner 2:18,4. 2:18,7. – im Pl. auch i.S.v. ‘mehrstrophiges Lied’ (vgl. 2): er videlte süeze dœne und sanc ir sîniu liet NibB 1705,3; niemer mê gesinge ich liet MF:Reinm 13: 6,9; sú singend lieder und sprechent schoͤnú gediht Seuse 26,5; KLD:UvL 46: 1,1; KvWTroj 19723    2 ‘mehrstrophiges Lied’ (vgl. auch M. Baldzuhn, Vom Sangspruch zum Meisterlied, Tübingen 2002, S. 127-136 mit einem weiteren Beleg des 14. Jhs.; meist nicht eindeutig von 1 zu unterscheiden): daz sint die siben frawde, ein liet daz der Rotten sang [Überschrift vor dem siebenstrophigen Lied] Kirchenl 486(App.). – hierher oder zu 1: ir getwerc huop ûf unde sanc / ein liet sô wünniclîche / daz si alle gelîche / ir selber vergâzen / die in dem sale sâzen Wig 1728; Ysengrin da trvnken wart. / in sines vater wise / hvb er vil lise / an, vnde sanc er ein liͤt ReinFu K,511b; MF:Mor 7: 2,3; SM:Te 6: 3,8; bildl.: der vröuden liet mir singet / min herze, wan ez ist gar vro RuprvWü 845; sin herze sang des jamers liet / nach siner vil lieben tohter Rennew 7646. 26316; JTit 4032,4    3 Gesamtheit eines (strophischen oder unstrophischen) dichterischen Werks größeren Umfangs, ‘Dichtung, Erzählung, Lied’ (vgl. auch Düwel, Werkbez., S. 203-205): daz liet, daz wir hie wirken, / daz sult ir rehte merken. / [...] / iz tihte der paffe Lamprecht / unde saget uns ze mêre, / wer Alexander wêre SAlex 1; der guote biscoph Guntere vone Babenberch, / der hiez machen ein vil guot werch: / er hiez di sine phaphen / ein guot liet machen VEzzo 4; ich spreche [erzähle] von Troyge daz lieht Herb 98; hie welle wir enden ditz liet Erinn 447. 437; TrSilv 2; UvZLanz 23. – für einen größeren Abschnitt eines Werks: daz ander lieth hat ende, / an daz dritte ich wende / min sinne Wernh D 2827 u.ö.    4 ‘Gesang’ – von Vögeln: dô diu amsel kamfte / mit der nahtegal, do hôrte man süezziu liet SM:Had 18: 5,10; disiu liet iu hât gesungen / vor dem walde ein vogellîn KLD: Wildon 3:3,6. – vom Sirenengesang: só sí [die Sirenen] gesehînt man ándemo mére varin. so sinen [singen] sio vílo scôno. unzin si [ihre Opfer] des wnnisamin lîdes so gelustigot werdin. dazsîn inslafin ÄPhys 5,6    5 phras.: jmds. ~ singen ‘jmdm. nach dem Mund reden, sich jmdm. anpassen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 273): wellest aber von bœser diet / ungehazzet sîn, sô sing ir liet / und wis mit in ein bœse wiht, / sône hazzent si dich niht Tr 8412; vgl. ähnl.: swie du des pris enprises, / so wizze daz die kristen diet / gar singet dines willen liet Rennew 15250; im Sprichwort: die alten spruche kunden uns: wes brot man ezzen wil, / des liet sol man nu singen Stolle (Z) 101:J.32.2,14

MWB 3,3 1146,52; Bearbeiter: Hansen

liet|mettene F. hier lietmotti. in BrZw zur Bez. der Laudes im Stundengebet: wie an den sunnen tagin werde gitan daz lietmotti lob [ quomodo matutinorum sollemnitas agatur ] BrZw 12; wie gimainen tagin di lietmottin werdin gitan ebd. 13 u.ö.

MWB 3,3 1147,59; Bearbeiter: Hansen

liewe stF. lie

MWB 3,3 1148,1;

lieʒærinne stF. ‘Wahrsagerin, Seherin’ sortiarias: liezerin GlHerrad 1070

MWB 3,3 1148,2; Bearbeiter: Hansen

lieʒen stV. (IIb) auch liessen. 1 ‘(jmdm.) etw. zulosen, zuteilen’
2 ‘wahrsagen, orakeln, prophezeien’ (spez. durch ein lôʒ )
   1 ‘(jmdm.) etw. zulosen, zuteilen’ swann danne got des todes loz / mit sterben uf mich liuzzet / und mins lebens in verdriuzzet, / so habe nach mir die krone! Rennew 6935; baz möchte man die bösen von den biderben scharn: / die mislich varn, / den muz man mislich liezen Frl 5:26,9 (vgl. FrlWB, S. 214)    2 ‘wahrsagen, orakeln, prophezeien’ (spez. durch ein → lôʒ ): daz ir mîneme hêrren sô habet gelônet daz ir ime sînen choph [Becher] stâlet / dâ er ûz spulgte trinchen unt inne wonete liezzen? [ et in quo augurari solet Gn 44,5] Gen 2337; umbe das wichliche leit / rieten si und hiezen / mit ir loze liezen / wie si gein Gote tetin / das si in irzúrnet hetin RvEWchr 23506; von nigromanzîe / und von astronomîe / kunde er waz er wolde. / swaz man bevinden solde, / dar nâch kund er wol liezen RvEAlex 131. 1145. – subst.: nû hôrte er [Erec auf dem Weg zu Mabonagrin] untrôstes genuoc / und ir stille liezen [das heimliche Orakeln, Tuscheln der Bevölkerung] . / die liute im niht gehiezen / baz oder dehein senfter nôt, / wan daz im gewis wære der tôt Er 8688. 8124. 3347; ob din liessen dich niht trúget Marner (W) 3:3,5; an liezzen ist nieman mir gelich [ non sit similis mei in augurandi scientia Gn 44,15] GenM 96,21; RvEAlex 325; Gen 2364

MWB 3,3 1148,4; Bearbeiter: Hansen