l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
liehtstërne
swM.
‘leuchtender Stern’
dei siben liehtsternen / in der zeswen [rechten
Hand] des herren [...], / dannen scribit
sanctus Johannes [vgl. et habebat in dextera sua stellas
septem Apc 1,16]
SiebenZ
57
MWB 3,3 1134,39; Bearbeiter: Hansen
liehtstoc
stM.
‘Kerzenständer, Leuchter, Kandelaber’ (vgl.
kerzestoc
):
candelabrum: liehtstok EvAlem
33 (Mt 5,15;Lc 8,16)
MWB 3,3 1134,44; Bearbeiter: Hansen
liehtsüeʒe
Adj.
1
‘durch Klarheit, Reinheit angenehm’
2
‘durch Helligkeit angenehm’ (vgl. Grimm, Dt. Gr. 2,567; anders Lexer 1,1920
s.v. lîhtsüeʒe mit BMZ 2,2:752b,11ff.)
1
‘durch Klarheit, Reinheit angenehm’
got huot ir [Israeliten] vor aller
nôt. / er regent in daz himelbrôt: / sîn grôz gewalt sie nerte. / in gap des steines
herte / die liehtsüezen brunnen kalt RvEBarl
2233
2
‘durch Helligkeit angenehm’ (vgl. Grimm, Dt. Gr. 2,567; anders Lexer 1,1920
s.v. lîhtsüeʒe mit BMZ 2,2:752b,11ff.):
ez geschach an einem morgen, / daz diz ungevert gelac / und quam ein lieht
süezer [Hs. licht susser
] tac, / der sie nâch
leide machte frô ErnstD
1990
MWB 3,3 1134,47; Bearbeiter: Hansen
liehttragære
stM.
‘Lichtträger, Lichtbringer’ (Lehnübers. zu lat. Lucifer):
er was der engel hêrste, / an wirdekeit der êrste, / der schônste was er ouch
erkant; / des was er Luzifer genant / als ein liehtdragêre, / sint er der schônste
wêre Erlös
225;
Lvcifer daz quût liehttragêre. sît auer er uerstozzen wart,
heizzet er Letifer, tôtbringære Spec
112,3;
er [der Planet Venus] haizt auch ze
latein Lucifer, daz ist ze däutsch liehttrager, dar umb, daz er ain minnecleichez
lieht pringt BdN
62,22;
PrGeorg
79,10.
79,7;
GvJudenb
18;
PrLpz (L)
111,40
MWB 3,3 1134,57; Bearbeiter: Hansen
liehttrage
swM.
1
‘Lichtträger, Lichtbringer’ , in etymologisierender Übers. des Burgnamens
Luzerne (vgl. auch
liehttragære
) 2 an einem Seil befestigte (Decken-)Lampe (vgl.
liehtseil
)
1
‘Lichtträger, Lichtbringer’, in etymologisierender Übers. des Burgnamens
Luzerne (vgl. auch
liehttragære
):
ein burc, die hiez Luzerne, / die was sô schœne bekant, / dâvon ist sie alsô
genant, / ze diute: des landes liehttrage ErnstD
3945
2
an einem Seil befestigte (Decken-)Lampe (vgl.
liehtseil
):
lucanar: liehttrag, liechttrag [vgl. lat. Erl. (Hs. 15. Jh.):
Lacunar est lampas ardens in aere; vel est instrumentum pendens in
alto, cui multe candele ardentes affiguntur
]
VocOpt
12.050
MWB 3,3 1135,5; Bearbeiter: Hansen
liehttragende
Part.-Adj.
‘Licht tragend, Licht bringend’ (bildl. von Christus, vgl.
lieht
stN. 4.1):
der liechttragende Jhesus Crist, / der ein liecht alle der
werlde ist HeslApk
3483
MWB 3,3 1135,16; Bearbeiter: Hansen
liehtunge
stF.
‘Ort des Lichts, Helligkeit’ (hier vom Himmelreich, vgl.
lieht
stN. 4.2):
daz uns god fvorite vzir deme abgrvnde des ewigin todis. indie liehtvnge. vnde
indie wihtum der himelesgvn Ierusalem PrWack
10,43
MWB 3,3 1135,20; Bearbeiter: Hansen
liehtval
Adj.
‘hellblond’
sich an mîn liehtvalbez hâr! / nû schou di blanken kel mîn!
EnikWchr
13910
MWB 3,3 1135,25; Bearbeiter: Hansen
liehtvar
Adj.
‘strahlend, leuchtend, glänzend, schön’
dar nach ward di sunne klar / und der tag liechtvar
HvNstAp
14783.
12875;
sy sond eben nemen war / wenn der himel sy liecht var
SpottgedLudw
60;
minú wengel so liehtvar und so roͮsenroͮt und ellú min
gestalt so schoͤne Seuse
224,17;
ir ôren wârn ze rehte gar [...] / von
liehtvarwer wîze Wig
887;
mit guldein tuchern lichtfarb / umbhing man die went gar Walberan
(L)
2906;
LivlChr
2108;
WernhMl
5831;
KLD: HvA
1:1,7.
– wohl auch ‘von heller Farbe’
[der Pfau] hât ainen langen geäugelten zagel und hât ain
saphirisch herz an der varb, wan er hât ain plâw varb an der prust und ist an dem
hals gar liehtvar BdN
212,33.
–
‘klar, durchsichtig’
crisolitus ist guͦt unte ist lihtfare PrüllS
7,1;
gagates haizet ain aitstain oder prennstain.
[...] und ist zwairlai: swarz und liehtvar
[
lucidus est et niger
] iedoch ist der
liehtvar [wiederum] zwairlai: ainer weiz, der ander gel
BdN
447,12.
– bildl.:
so koment die cherubin mit irre clarheit unde erlúchtent
disen grunt mit irme gotvarwen liechte also mit einem snellen blicke. und von dem
blicke so werdent die menschen als durch lúchtet und wirt ir grunt als liechtvar
Tauler
376,10.
– übertr. ‘leuchtend, beispielhaft’
desin boum gliche ich wol Marien / vor missetat gar der
vrien. / di lilie wiz von kuscheit, / lichtvar an werken so man seit
Brun
5590
MWB 3,3 1135,28; Bearbeiter: Hansen
liehtvaʒ
stN.
1 mit Brennstoff (z.B. Öl, Talg) befüllbares (tragbares) Gefäß zur Beleuchtung,
‘Lampe, Leuchte’ (vgl.
lucërne
) 2 Gefäß, das Licht enthält, ‘Lichtquelle’
3 bildl. und vergleichend bezogen auf Personen 3.1 allg. für jmd. Herausragenden, Vorbildhaften 3.2 bezogen auf Luzifer (vgl.
liehttragære
) 3.3 bezogen auf Gott/ Christus und vorbildhafte Vertreter des christlichen
Glaubens, die geistiges Licht spenden und so den Weg zu Gott erleuchten bzw.
Göttlichkeit ausstrahlen (vgl.
lieht
stN. 4.1 und 4.2 ) 3.4 bezogen auf Maria
1
mit Brennstoff (z.B. Öl, Talg) befüllbares (tragbares) Gefäß zur Beleuchtung,
‘Lampe, Leuchte’ (vgl.
lucërne
):
ir liehtvaz wâren oleis vol, / hei, wie klâr sie brunnen! LBarl
5112;
di viole undi du lichtvaz, / du rouchvaz undi du cherzistal, /
daz roti golt was iz al LobSal
128;
siben lieht vas uf dem kerstal RvEWchr
12601;
lampas: liehtuas, liechtuas VocOpt
12.041;
ein liehtuaz [interl. zu lucerna
]
PsM
118,105
u.ö.;
Cäc
30;
Spec
126,19
u.ö.
– bildl. und im Vergleich (vgl.
3
):
in lûhten di ougen / alse brinninde liehtfaz
SAlex
6409;
dér mínnon lîehtuáz: brínnent. únte lóhezent
Will
138,1;
RvEBarl
3620.
– im sprichw. Gleichnis ‘man soll eine Leuchte nicht entzünden, um sie
unter den Scheffel zu stellen’ (vgl. Mt 5,15):
[man] enzundet nieht sîn liehtvaz, / daz er iz under
den mutte [Scheffel] besturze umbe daz, / sunder sezze
ûf daz kerzenstal, / daz iz lûhte uber al Kchr
3147
2
Gefäß, das Licht enthält, ‘Lichtquelle’
got selbe erliuhtet die burch jouch den sal dar inne, / si
nebedarf liehtes des sunnen noch dere maninne. / dere sternen hat si rat
[kann sie entbehren] jouch anderre liehtvazze
Himmelr
4,5;
do gieng er [der Komet] siner rihte
zer aller gesihte / uber die hailigen stat, da daz kint anelach. / da daz chint ane
was, da gestunt daz liehtvaz AvaLJ
24,1
3
bildl. und vergleichend bezogen auf Personen
3.1
allg. für jmd. Herausragenden, Vorbildhaften:
ez was ein sêlic stunde, / dô sie wurden geborn, / zwei solche liehtvaz ûz
erkorn EbvErf
96
3.2
bezogen auf Luzifer (vgl.
liehttragære
):
do shuͦf er [Gott] in deme himele
[...] einen engel der hiz Lucifer /
[...] er was ein lihtuaz des hymeles
VMos
4,16;
dô hiez er werden einen engel, der scein ûz den anderen
allen. / [...] ze wâre sagen ich iu daz: er nant in
liehtvaz Gen
16;
Kchr
8803;
EnikWchr
150
3.3
bezogen auf Gott/ Christus und vorbildhafte Vertreter des christlichen
Glaubens, die geistiges Licht spenden und so den Weg zu Gott erleuchten bzw.
Göttlichkeit ausstrahlen (vgl.
lieht
stN. 4.1 und 4.2):
chunich der judene, liehtvaz der tugende
AvaLJ
19,4.
33,3;
do dv rehte sam ein liechtfaz / schine durh alle vinster
Litan
256;
si [die heiligen
marterere
] haizent diu prinnenten liecht uaz
Rol
5764;
ir sît läien spîgelglas, / ir lûcerne unt ir liehtvaz
Priesterl
128.
620;
VRechte
500;
Vät
33949
3.4
bezogen auf Maria:
si ist ein christalle / ob den engeln allen, / ein
liehtvaz in der vinster Wernh
1325;
aller triuwen liehtvaz ebd.
2433
MWB 3,3 1135,56; Bearbeiter: Hansen
liehtvlüʒʒic
Adj.
‘lichtfließend, strahlend’ (Lehnübers. zu mlat.
lucifluus):
des liehtfluzzigen gestirnes sagær almahtich got [interl. zu
luciflui syderis sator omnipotens deus
]
PsWindb
89,Oratio
MWB 3,3 1136,42; Bearbeiter: Hansen
liehtwîhe
stF.
‘Mariä Lichtmess’, kirchlicher Festtag (2. Februar), an dem traditionell
die Kerzenweihe stattfindet (vgl.
liehtmësse
):
der selbe lantfrede sal weren von vnsir vrouwen tage lichtewie der allir nest
komt eiu [l. ein
] gantz jar
UrkLandfr
23
(a. 1338);
sô vns die burgêre vnse geschoz geben zv vnser vrowen tage lichtwî
UrkZeitz
15
(a. 1322);
dô [...] unsir vrouwin tag irschein,
/ den man nennit lîchtwîe NvJer
19498;
EvBerl
133,5;
StRFreiberg
253,21.
73,27
MWB 3,3 1136,46; Bearbeiter: Hansen
liehtwîhunge
stF.
kirchlicher Festtag (2. Februar), an dem traditionell die Kerzenweihe stattfindet,
‘Mariä Lichtmess’
an deme mone, der do heyst februarius, das ist in vnsir vrowin
tage lichtwyunge Pelzb
128,31
MWB 3,3 1136,56; Bearbeiter: Hansen
liele
F.
1 Bez. für verschiedene rankende Pflanzen (vgl. AWB 5,1157 s.v. liola mit Lit.) 2 zum Flechten bzw. Binden dienender dünner (Weiden-)Zweig,
‘Flechtreis’
1
Bez. für verschiedene rankende Pflanzen (vgl. AWB 5,1157 s.v. liola mit
Lit.):
vitis alba: liela Gl
3:492,4;
vincella [La. viticella (Hss. 15. Jh.)] :
liele VocOpt
50.303
2
zum Flechten bzw. Binden dienender dünner (Weiden-)Zweig,
‘Flechtreis’
vimen: liel [Laa. wid, zain (Hss. 15.
Jh.)]
VocOpt
48.230
MWB 3,3 1136,61; Bearbeiter: Hansen
liellîn
Adj.
‘rankenartig’ (vgl. auch AWB 5,1157 s.v. liolîn):
dabî [am Fluss Euphrat] stant oûh
lielline gerta [
sunt autem ibi uirge uiticee subtilis et
molles
]
ÄPhys
9,7
MWB 3,3 1137,4; Bearbeiter: Hansen
lien-
s.a. lêhen-
MWB 3,3 1137,8;
liene, liehe
swF.
hier liwe.
‘Wildsau, Bache’ (vgl. DWB 6,547 s.v. Lehne und
FWB 9,1231 s.v. liene mit Dalby, Mediaeval Hunt, S. 136b):
ein wolf ze einer liwen [l. liehen? vgl. auch La.
lieon
] sprach, / do er si grôze tragen
[trächtig] sach [in der Fabel de
lupo et sue pariente
]
Boner
28,1
MWB 3,3 1137,9; Bearbeiter: Hansen
liep
Adj. , liebe
Adv.
auch liup, lip, md. lief, lieve.
1 attr. gebrauchtes Adj. ‘angenehm, geschätzt, geliebt, lieb,
schön’
1.1 allg. 1.2 häufig von Gott, Christus, Heiligen (oft in der Anrede, vgl.
auch
1.4
) 1.3 spez. unser ~ vrouwe , von Maria 1.4 formelhaft (v.a. in der Anrede) 2 präd. gebrauchtes Adj. ‘jmdm. angenehm, von jmdm. geschätzt,
geliebt; schön, lieb, erfreulich’ (meist mit Dat.d.P.; vgl. auch Friedrich,
PhrasWB, S. 272f.) 2.1 allg. 2.2 in Wendungen 2.2.1 etw./ jmdn.
~ gewinnen
‘etw./ jmdn. lieb gewinnen, Zuneigung, Wertschätzung oder Liebe
entwickeln’
2.2.2 etw./ jmdn.
~ haben
liep haben
swV. 2.2.3 sich etw.
~ lâʒen (mit refl. Dat.) ‘sich
über etw. freuen’ (mit erspartem sîn , vgl.
2
5 Mhd. Gr. § S 232,2) 2.2.4 jmdm. ist/ wirt ~
4.3.5
2.2.5 jmdm. ist
ûf/ zuo etw./ jmdm.
~
4.3.6
3 subst. Adj. 3.1 stN. (Formenüberschneidungen mit
liebe
stF.) 3.1.1
‘Gutes, Angenehmes, Schönes, Geliebtes’
3.1.2
‘Freude’ (offen zu
3.1.1
) 3.1.3
‘geliebte Person, Geliebte(r)’
3.2 stswMF. ‘geschätzte oder geliebte Person, Freund(in),
Geliebte(r)’ (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 272) 4 Adv. ‘(jmdm.) angenehm, auf (für jmdn.) angenehme Art und
Weise’ (meist mit Dat.d.P.) 4.1 allg. 4.2 Komp. lieber
4.2.1 meist ohne Dat. ‘mit größerem Vergnügen, lieber,
eher’
4.2.2 mit Dat. ‘auf für jmdn. angenehmere, bessere
Weise’
4.3 in Wendungen 4.3.1 etw. ( ëʒ ) ergât jmdm.
~
‘jmdm. geht es gut (mit etw.), jmd. ist (über etw.) froh,
glücklich’
4.3.2 jmdm. geschiht ~
‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/ wird froh, glücklich’ (nicht immer
sicher von
liebe
stF. zu unterscheiden) 4.3.3 jmdm.
~ tuon
‘jmdn. gut behandeln, jmdm. liebevolle Umsorgung, Wertschätzung zukommen
lassen’ (nicht immer sicher von
liebe
stF. zu unterscheiden) 4.3.4 jmdm.
~ (ge)reden
‘jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen
suchen’ (vgl.
liepreden
und
liepkôsen
2 ) 4.3.5 präd. jmdm. ist/ wirt ~
‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/ wird froh, glücklich’
4.3.6 präd. jmdm. ist
ûf/ zuo etw./ jmdn.
~
‘jmdm. steht nach etw./jmdm. der Sinn, jmd. hat Wohlgefallen an etw.,
begehrt etw., strebt etw. an; jmd. hat jmdn. lieb’ (vgl. AWB 5,1034
s.v. liobo Adv.) 4.3.7 (sich)
~ (ge)denken (mit refl. Dat.)
‘angenehme Gedanken hegen; sich glücklich schätzen, froh
sein’
4.3.8 sich
~ (ge)lëben (mit refl. Dat.) wohl
‘froh, glücklich sein’
4.3.9 sich
~ (ge)sëhen (mit refl. Dat.)
‘einen erfreulichen Anblick haben; sich glücklich schätzen, froh
sein’
1
attr. gebrauchtes Adj. ‘angenehm, geschätzt, geliebt, lieb,
schön’
1.1
allg.:
sît lebte diu vil guote vil manegen lieben tac
NibB
18,2.
225,3;
ob si mînre nôt, diu guote, / wolde ein liebez ende geben
MF:Mor
31: 3,2;
ovch klait [beklagte] ser her
Ysengrin / den vil lieben zagel sin, / den mvste er do zv pfande lan
ReinFu
K,820;
sîn vil liebez kint RvEBarl
14506.
15798;
mit lieben [liebevollen] ougen
blicken ein ander sâhen an / der herre und ouch diu frouwe NibB
293,3.
1669,1
MF:Wolfr
6: 4,4;
Rol
7265.
– Komp.:
den lieberen sun sezzet man ze der zesewen
Gen
1696.
– Superl.:
Rother ginc zo houe / mit deme alden herzogen / vnde
bat sine liebesten man [seine engsten
Gefolgsleute] / wor [vor] sich
an den rat gan Roth
548;
vil ofte er im vor erschein, / als sîner junkherren
ein / unde als ein sîn liebster man RvEBarl
15055;
Litan
649;
Eckh
5: 190,11
u.ö.
1.2
häufig von Gott, Christus, Heiligen (oft in der Anrede, vgl.
auch
1.4
):
lieber got, herre Krist RvEBarl
7407;
ô wol mich wart, vil lieber got! Wig
8954;
gebenedict sistu, lieber herre Jhesu Christe got, des
lebenden gottes sun! Mechth
6: 37,2;
der liebe sant Siluester Konr
5,39.
3 W1,193.
13,116;
VMos
13,19.
61,20
1.3
spez. unser ~ vrouwe, von Maria:
es wart aber nie muoter diu ie ir kint so sere minneti so ünser liebiu
vrowe PrWack
44,126;
in unser lieben vrouwen namen Pass I/II
(HSW)
14146;
Mechth
2: 4,45.
7: 50,18
1.4
formelhaft (v.a. in der Anrede):
liebiv chint, werfet von iv dei werch der vinster
Spec
10,21;
fliuc dînen wec, vil lieber swan!
KvWSchwanr
380;
sehzig marck silbers geltes, die er von uns und dem riche hat uf den juden
ze Spyer, unsern lieben chamerknechten UrkSpeyer
340,26
(a. 1331);
Mechth
4: 27,157;
Parz
497,21
u.ö.
2
präd. gebrauchtes Adj. ‘jmdm. angenehm, von jmdm. geschätzt,
geliebt; schön, lieb, erfreulich’ (meist mit Dat.d.P.; vgl. auch Friedrich,
PhrasWB, S. 272f.)
2.1
allg.:
sô minnet dich daz liut: dû wirdest in vil liup
Gen
2926;
si ist mir [...] lieb vor allem
guote SM:WvT
4: 4,5;
si liezen an im schînen / daz er in liep ze herren was
Wig
8669;
du bist mir ze allen eren uile lib Rol
1324;
dâ sît ir mir ze liep zuo Tr
16590;
KvHeimUrst
1394;
daz was liep ze sehene Gunthers und Sîfrides man
NibB
794,4;
Pass I/II (HSW)
10215;
SM:Had
3: 3,3;
flekt.:
wan mir nie gast sô lieber wart KvWTroj
7403.
– mit Komp.:
er hete ein sconez wip, / bi der gewan er ein tohter,
diu ime niht lieber sin mohte AvaJo
20,4;
ir kunden disiu mære nimmer lieber gesîn
NibB
238,4;
si ward ime lieber den der lîp Gen
1602
u.ö.;
VMos
31,6;
das was dem kónig lieber dann
leider [mehr lieb als leid]
Lanc
640,27;
KvWTroj
8646.
8260.
8490;
Rol
5234;
SüklV
743.
– mit Superl.:
daz ist immer und was ie / daz diu jungisten chint /
dem vater aller liebest sint KvHeimHinv
422.
– Ersparung des Dat.:
nu bit mich halbes mines riches, swaz dir sin geliche,
/ ez si lait oder liep, daz wil ich dir versagen niet AvaJo
27,4;
ia wart di selbe botscaft / lieb unde lobehaft
Rol
164;
VEzzo
375;
Tannh
9,56
2.2
in Wendungen
2.2.1
etw./ jmdn.
~ gewinnen
‘etw./ jmdn. lieb gewinnen, Zuneigung, Wertschätzung oder Liebe
entwickeln’
wan im sîn muot gein iu sô stât, / daz nie dehein minnegernder man /
dehein vrowen alsô liep gewan, / als er iuch hât, guot vrowe mîn, / mit
triwen in dem hertzen sîn UvLFrd
320,26;
darnach sol der serpant komen mit dem guldenin heubt
und sol den lepart noch lieber gewinnen dann yn der trach ie gewann
Lanc
505,27.
95,7.
100,29;
swer got ie úber sich selben liep gewan
Mechth
1: 3,23;
EnikWchr
19280;
KvWEngelh
1004;
StrKD
27,194;
ebd.
28,18.
– mit Komp.:
ich wene wol das er mich lieber sol gewinnen in
dißem jare dann keyne die nu lebet Lanc
393,21.
533,25
2.2.2
etw./ jmdn.
~ haben
→
liep haben
swV.
2.2.3
sich etw.
~ lâʒen (mit refl. Dat.) ‘sich
über etw. freuen’ (mit erspartem sîn, vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 232,2):
nv Hector ist eruallen, / daz lazzet vch liep allen.
/ vns wirt burg vnde lant Herb
10708
2.2.4
jmdm. ist/ wirt ~
→
4.3.5
2.2.5
jmdm. ist
ûf/ zuo etw./ jmdm.
~
→
4.3.6
3
subst. Adj.
3.1
stN. (Formenüberschneidungen mit
liebe
stF.)
3.1.1
‘Gutes, Angenehmes, Schönes, Geliebtes’
nv Hector ist eruallen, /
[...]. / vns wirt burg vnde lant. / des dancket
alle siner hant, / der vns daz liep getan hat Herb
10711;
ob er im ye keyn lieb gethete Lanc
67,23;
sî was ie / hie lieb vor allem liebe mir in mînem muote
SM:WvT
1: 2,9;
swaz wir liebis [...] / uon
gote uernumen vnde gescriben habin Litan
731;
KLD:UvL
14: 2,2;
Roth
4853.
– subst. Komp. ‘Besseres,
Angenehmeres’
ir güete kêre mirz ze guote, / die mîn herze und
al den lîp / âne valsch in ir gewalt betwungen hât, / sô daz mir nie
liebers wart geborn SM:UvS
15a: 1,6.
– subst. Superl. ‘Bestes,
Angenehmstes’
daz wær in vür die leide / daz liebest und daz
beste Iw
6971
3.1.2
‘Freude’ (offen zu
3.1.1
):
von disen worten alsô frô / wurden die zwô frouwen dô
/ daz si vor liebe weinden KvWSchwanr
907;
alle, die nû wellen / liep und leit mit mir tragen,
/ die sullen iu danc sagen, / des ir mir tuot ze diser stunde
Ottok
41889;
der herzoge von Meran / gienc gezogenliche / vor den
koninc riche / vnde lachede uor lieue Roth
3357.
4774;
Tr
12317;
MF:Mor
4: 3,6;
Iw
2713;
MF:Reinm
49: 1,9.
–
ir scœnez antlütze daz wart rôsenrôt, / do mit
liebe [glücklich] was gesceiden ûz der grôzen
nôt / der wætlîche recke NibB
241,2
3.1.3
‘geliebte Person, Geliebte(r)’
swa lieb lît bî liebe, lieblîch siu sich liebent
SM:KvL
1: 5,1;
ires herzen sehen / konde ir vorbieten wîp noch man,
/ dâ mit sach sie ôt alles an / ir zartez liep Tristande
HvFreibTr
2605;
ich hân sî vür alliu wîp / mir ze vrowen und ze liebe
erkorn MF:Mor
10: 1,2;
liebez lieb, liebiu vrowe, / lieb, herzen trôst und der
sinne, / lieb, liebez lieb SM:HvT
1: 1,1;
MF:Reinm
54: 4,5;
Tauler
424,10.
– sprichw.:
ich hân oft gehœret sagen: / ‘swer mêr liep hât dan einez, / dern
hât nindert keinez’ HvFreibTr
139.
– übertr. auf Tiere:
diu si [das Weibchen der
Turteltaube] hât irn gemahel liep und helt im allain
trew, alsô vil, daz si ir kain ander liep nimt wenn er gestirbt
BdN
225,21
3.2
stswMF. ‘geschätzte oder geliebte Person, Freund(in),
Geliebte(r)’ (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 272):
da sol nieman sin unfro, / da der Tanhusaere / reiet mit
der lieben so Tannh
1,105;
ez wære missetân, / solt ich sus hinnen scheiden: / die
lieben unt die leiden [Freund wie Feind] / heten mich
für einen zagen Parz
558,10;
mîn frîheit sich für eigen / neigen der vil lieben kan
KLD: BvH
2: 2,6;
und der [
feurein
himel
] hat kainen lauf, sunder got ruͦt mit seinen
lieben darinne KvMSph
7,20;
die himmelsche gabe, da got mitte pfliget gruͤssen und
leren sine userwelten lieben Mechth
6: 1,107;
dat ich mich van allen dingen wande / ind den
liͤven [Christus] alein bekande
MarlbRh
101,40.
114,17;
SM:HvS
1: 22,4;
SM:HvStr
3: 3,1.
– formelhaft in der Anrede:
wol ir mine uil liebin, / nu scul wir gote dínin / mit
luterlichin muͦte Rol
87;
liebin, nû bitet hûte unsirn herrin sînir gnâdin, daz
er uns irquicken wolle von deme tôde der armin sêle PrMd (J)
341,11;
ei lieber, wer sol mich begraben / oder wer bringet
mich dar? KvHeimHinv
294;
nu muͦz ich, liͤve [Maria] ,
kuͤnlich sprechen MarlbRh
49,3;
AvaLJ
89,3;
Konr
1,59;
subst. Superl.:
ézzet mîne frûinta. trínket únte uuérdent trúnkan
mîne lîebeston Will
75,2.
75,3;
‘wilkomen die liebste’, sprach er, ‘die hut lebet!’
Lanc
613,35;
KvWHerzm
208
4
Adv. ‘(jmdm.) angenehm, auf (für jmdn.) angenehme Art und
Weise’ (meist mit Dat.d.P.)
4.1
allg.:
dar nâch si muosen rîten in Rüedegêres lant. / dem kâmen ouch diu mære:
daz was im liebe bekant NibC
1670,4;
swem von liebe friuntlich meinen sî beschehen, / der fröwe
sich so lieb geschehener sachen! SM:Te
1: 1,2;
Tristan und sîn vrouwe Îsôt / diu lebeten aber liebe unde
wol Tr
15041
(vgl.
4.3.8
);
sô liebe dienôten si dir, trehtîn, daz dû si hiezze chint
dîn Gen
665;
ich sagt ouch dâ, wie sie si trôsten / und daz sie mit ir liebe kôsten /
sô vil, daz ir daz herze erwiel / von der gerunge LvRegSyon
1435
(vgl. →
liepkôsen
);
daz wir dem almechtigen gote so libe gedinen in diseme libe daz wir des
himelriches wirdich sin PrLpz (L)
108,26.
111,22
4.2
Komp. lieber
4.2.1
meist ohne Dat. ‘mit größerem Vergnügen, lieber,
eher’
sol ich disen sumer lanc bekumbert sîn mit kinden, /
sô wær ich vil lieber tôt KLD: GvN
50: 1,3;
waz sol dem sanc / und seiten clanc, / der lieber hort den gouch?
Frl
8:24,21;
ich woͤlte lieber zer helle varn Mechth
2: 2,23;
RuprvWü
581;
KvWTroj
19162.
16673;
KvWEngelh
1397;
Eckh
5: 429,4.
5: 428,12
4.2.2
mit Dat. ‘auf für jmdn. angenehmere, bessere
Weise’
vnd swer in [Gott] ert vnd
minnet vnd sinen willen mit triwen tvͦt, der chan in [den
Heiligen im Himmelreich] nimmer lieber gedienen, noch si
wirdichlicher geern DvAPatern
443
4.3
in Wendungen
4.3.1
etw. (ëʒ) ergât jmdm.
~
‘jmdm. geht es gut (mit etw.), jmd. ist (über etw.) froh,
glücklich’
daz was im liebe ergangen: / ez kom im sît ze trôste
Parz
390,18;
iz ist mir libe irgangen VMos
29,16
4.3.2
jmdm. geschiht ~
‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/ wird froh, glücklich’ (nicht immer
sicher von
liebe
stF. zu unterscheiden):
er was es also gemeit, / daz im so liebe nie geschach
Herb
10111;
dô der burcrâve daz ersach, / sô rehte liebe im nie
geschach Parz
43,10.
397,4;
so ne schach uns nie so libe Rol
1744;
binnen des zu berge er warf / die ougen hin unde sach, / des im liebe
sit geschach / und des wir alle hoffen, / den himel sach er offen
Pass III
39,96;
KLD: GvdF
5:7,3;
Wig
1018;
Rol
7357.
–
sînem herzen liebe geschach Iw
2557.
– mit Komp.:
sôn möhte mir zer werlte lieber niht geschên
MF:Mor
7: 6,2;
mir enmohte lieber niht geschehen
UvZLanz
1094;
ReinFu
K,376.
K,234;
NibB
729,4.
1313,4
4.3.3
jmdm.
~ tuon
‘jmdn. gut behandeln, jmdm. liebevolle Umsorgung, Wertschätzung zukommen
lassen’ (nicht immer sicher von
liebe
stF. zu unterscheiden):
sîn weiz niht wie liebe sî mir tuot / mit ir tugend und mit ir
werdekeit KLD: GvdF
3:2,1;
si sprachen er hete in so liebe getan, / si wolten
den grimmigen tot dolen, / e si haim wolten chom / ane sige unt ane ere
Rol
5458.
3189;
al die mit mînem vater sint, / beidiu mîn muoter unde
ir kint / suln iuch ze hêrren immer hân: / sô liebe habt ir uns getân
Parz
554,22;
got lône mînen vriwenden: si hânt mir liebe getân
NibB
249,4.
547,2;
Parad
82,18;
SAlex
2845.
– mit Komp.:
ob er niht [...] den
menschen alzemâle bezzer machen und im lieber tuon enmöhte
Eckh
5: 47,9
4.3.4
jmdm.
~ (ge)reden
‘jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen
suchen’ (vgl.
liepreden
und
liepkôsen
2):
dem [Festus] geredeten die iuden als liebe
daz ern [d.i. er in, Paulus] wolde
wider senden zv Iherusalem in ir gewalt PrLpz (L)
84,4
4.3.5
präd. jmdm. ist/ wirt ~
‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/ wird froh, glücklich’
im was wol unde wê, / liebe unde leide
Eracl
3827;
fröide und sorge erkenne ich beide, / dâ von singe ich, swaz ich sol.
/ mir ist liebe, mir ist leide. / sumerwunne tuot mir wol
Walth
110,36;
im wurde nie sô liebe, / sît daz in got zer werlde lie KLD:
GvdF
5:5,6.
– auch in der Form des präd. Adj. (vgl.
2
):
Constantine was wil [l.
vil
] lief Roth
3265
4.3.6
präd. jmdm. ist
ûf/ zuo etw./ jmdn.
~
‘jmdm. steht nach etw./jmdm. der Sinn, jmd. hat Wohlgefallen an etw.,
begehrt etw., strebt etw. an; jmd. hat jmdn. lieb’ (vgl. AWB 5,1034
s.v. liobo Adv.):
im was vil liebe zû der vart LivlChr
1735;
mir ist vil liebe dar zuo Eracl
4869;
da [...] gebirit der vader
sinen son und ist yme also libe darzu daz he nummir uf gehorit
Parad
50,2.
– häufig auch in der Form des präd. Adj. (vgl.
2
):
die sinnereichen schuoler, den haiz und lieb ze
lernen ist BdN
119,5;
da inen nu vil liep zuͦ ist Mechth
4: 27,93;
ir was vffe den hof lieb [sie wollte
gerne an den Hof]
Roth
1819.
2683.
3088.
4189;
Eckh
5: 241,8.
– mit Komp.:
alsô liep dir ze
im [Gott] ist, des bist dû sicher, daz im
âne alle mâze mêr und lieber ist ze dir Eckh
5: 241,9
4.3.7
(sich)
~ (ge)denken (mit refl. Dat.)
‘angenehme Gedanken hegen; sich glücklich schätzen, froh
sein’
der bote im liebe gedachte Herb
11423.
– mit erspartem refl. Dat.:
ein sælig man mag gerne wol gedenken, / er enkan
den sorgen niemer baz entwenken. / daz hât mich dike darzuo brâht, / daz
ich mîn selbes herre was, / so ich so liebe hân gedâht SM:
UvS
26a: 5,9
4.3.8
sich
~ (ge)lëben (mit refl. Dat.) wohl
‘froh, glücklich sein’
ez mac vns schiere got geben, / daz wir vns liebe
geleben / in disme lande Herb
8442
4.3.9
sich
~ (ge)sëhen (mit refl. Dat.)
‘einen erfreulichen Anblick haben; sich glücklich schätzen, froh
sein’
des vreuten sich die andern, / die vor den goten sprungen, / liefen
unde sungen, / des im der kunic liebe sach, / wand alle sin wille geschach,
/ als er begerte unde bat Pass III
669,1;
got hatte wunne / und sach im lîb in hôher lust, /
dô allir sundin abekust / und unvlât manchirhande / was ûz dem heiligin
lande / vorblichin gar NvJer
21796;
der lantgrâve im liebe sach an in [der
Landgraf war glücklich über seine Leute] , / frô wolt er
der werden sîn, / als er wol mohte Kreuzf
1731;
Iw
5970.
– mit Komp.:
so ich sie dicker sach an, / so ich mir lieber
gesach Herb
17662
MWB 3,3 1137,15; Bearbeiter: Hansen
liepgedinge
stMNF.
‘Hoffnung auf erfüllte Liebe’ (vgl.
gedinge
swM., stMNF.):
ahy, was er vræuden las / in sin hochgebornes leben! / daz
liep gedinge kund im geben / me vræuden denn er gert WhvÖst
15224;
sol ich sô mit leide ûf liep gedinge lange leben, / sô mac mir
diu liebe ir trôst vil schiere unschedelîche geben SM:UvS
19: 6,5.
18: 1,8;
ach, süezze Minne, wâ ist dîn trôst? / dîn rât mich verwîset
hât: / diu minne und lieb gedinge hât mich brâht ûf dînen
rôst [Scheiterhaufen] ! SM:KvL
6: 5,10.
3: 3,7
u.ö.
MWB 3,3 1141,27; Bearbeiter: Hansen
liepgenæme
Adj.
‘reizvoll, angenehm’
bote, nu sage dem liepgenæmen wîbe, / daz ze wunsche gât sô wol mîn schîbe!
Neidh
SL 12:7,1
MWB 3,3 1141,38; Bearbeiter: Hansen
liephabære
stM.
überw. -haber, auch -heber.
1
‘Freund, Anhänger von etw.’
2
‘Liebender, Geliebter, Liebhaber’
1
‘Freund, Anhänger von etw.’
ein lipheber des heiligen cristin glouben, her was ein ernstir vortilger der
ketzerie unde des unglouben Köditz
46,27;
ein rechtir libhaber der gerechtikeit ebd.
20,19;
di Krichin und ir meistirtum / in nantin Philomeum, / daz sich in duczschim
uzleit / ‘libheber moze und gerechtikeit.’ PfzdHech
167,14;
das ist ungereit allen den minnern [La.
liebhabern
] diser welte Tauler
258,20
2
‘Liebender, Geliebter, Liebhaber’
wem der afterpell pain klain sint, daz bedäut ainen liebhaber
der frawen und des leibs krankhait und vorht BdN
49,7.
73,17.
– von Christus:
mîn hêre Jêsu Krist, / mîn antliz er bezeichnet hât, / daz ich sol immer
haben rât / ander liebhabêre EbvErf
3415;
Agnete sprach: ‘jungelinc, ich wil nicht dîner gâbe, wan ein ander
liphaber hât dich vorkomen [ist dir zuvorgekommen] ,
und deme habe ich mich vertrûwet.’ HvFritzlHl
67,19
MWB 3,3 1141,41; Bearbeiter: Hansen
liephabærinne
stF.
‘Freundin, Anhängerin von etw.’
di liebheberinne der demutikeit unde di uberinne der barmeherzikeit, di liebe
sente Elyzabeth Köditz
36,9
MWB 3,3 1141,61; Bearbeiter: Hansen
liep haben
swV.
vgl.
haben
swV. 6.1.2.
1
‘etw. mögen, begehren, eine Vorliebe für etw. haben’
2
‘jmdn. gern haben, lieb haben, wertschätzen’
3
‘jmdn. lieben, begehren’ (offen zu
2
)
1
‘etw. mögen, begehren, eine Vorliebe für etw. haben’
secht, wie schedleich es der sel ist der reichttuͦm lieb hat,
wann da kümt geittikait von SchlierbAT (LS)
1,139
u.ö.;
der konig Ban sah syn burg brinnen, die er lieb hett fur alle
syn búrgk Lanc
12,16
u.ö.;
sy [die Pharisäer] habin lyp dy
obirsten stat an dem obynt ezzene unde dy ersten stule in der
synagogen [
amant autem primos recubitus in cenis, et primas
cathedras in synagogis Mt 23,6]
EvBerl
26,15;
Judas [...] was ein dieb / und hatte vil winkel
[dunkle Ecken] lieb / und trug und anewante
[benutzte zum eigenen Vorteil] / di dink di man in
sante TvKulm
3750;
KvMSph
45,15;
PrBerthKl
5,42.
–
‘etw. freiwillig anerkennen, wertschätzen’
ez ist wol gezemelich, daz die brûdere alsô liep haben die
gemeinen dinc des ordenes, unde die sunderlîche sie anegehôrent, daz sî in alle
wîs vermîden ubermâze StatDtOrd
65,28
2
‘jmdn. gern haben, lieb haben, wertschätzen’
hat ir gehort waz gesait ist uwirn elderen: habe dynen
nehesten lyp unde hazze dynen vynt? EvBerl
19,7;
dem [St. Sebastian] hete vnser herre
got die genade gegeben, das in die kaysere vnd die liͤvte alle minten oder lieb
haten Konr
6,6;
solde ich den liep haben, / der mich gerne begraben / sehe
den an dem libe? Herb
12591
u.ö.;
do karte sich sente Petir umme unde sach den jungern den
Jhesus lip hatte [
quem diligebat Iesus Io
21,20] nach ym volgen EvBerl
6,25.
67,7;
DvAPatern
21;
HeslApk
9171;
EvAug
243,19;
mit Komp.:
si wolte in verre lieber haben / danne ir kint, daz si gebar
KvWTroj
574;
Lanc
39,9.
98,6;
übertr. auf Tiere:
diu pfärt habent sich sunderleichen liep under ainander, mêr
dan andreu tier [
equi naturaliter pre ceteris bestiis diligunt suam
speciem
]
BdN
137,10.
177,25.
– von göttlicher Liebe, göttlichem Wohlwollen:
got het im [Luzifer] wol schin
getan / daz her in wolde lieb han, / wen her in so liecht irluchte / daz her vil
schoner duchte / dan siner engele kein HeslApk
11586;
welcher fride bestat in der liebin, in der uns got liep
hat ThvASu
334,21.
– von der Liebe der Menschen zu Gott:
wir weren erger dan ein dieb / hete wir den Got nicht
lieb / der uns nach im gebildet hat HeslApk
11130.
6737;
Eckh
5: 17,12
3
‘jmdn. lieben, begehren’ (offen zu
2
):
ez enlît nicht eben / und kumt von krankem sinne, / daz dû die
küniginne, / dînes ôhems êlîch wîp, / hâst liep vor aller wîbe lîp
HvFreibTr
208;
die ich alse lieb hân / in dem herzen alle stunde, / diu ist
wandel vor behuot SM:KvL
11: 3,1;
flekt.:
ich wæn, dem [dem kint, dem anderen
Minnewerber] doch sîn herze iht [nicht]
stê / gein ir [der vrouwe
] , alsam daz mîne
stât, / und wæn [erg.: eʒ (das
kint)] si ouch iht [nicht]
sô liebe hât, / als ich si in mînem herzen hân UvLFrd
6,32
MWB 3,3 1142,1; Bearbeiter: Hansen
liephaft
Adj.
→
lîphaft
MWB 3,3 1142,58;
liepholden
swV.
‘Ergebenheit zeigen, Huld erweisen’
man sach auch liebholden / Crispin von Belgalgan, / diu
wirdecliche, swaz dar kan, / enpfienc nach grozen eren, / und sunderlich den heren /
werden kuͤnc von Spangen WhvÖst
18260
MWB 3,3 1142,59; Bearbeiter: Hansen |