l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lantnære
stM.
→
lantenære
MWB 3,3 878,45;
lantphenninc
stM.
1
‘landläufige Münze’ (vgl.
lantmünze
) 2 Bezeichnung für eine Abgabe zur Befreiung von der Landgerichtsfolge, dem Landgerichtsdienst
1
‘landläufige Münze’ (vgl.
lantmünze
):
der eigen man mac niht gegeben [als
Morgengabe] wan ein schâf oder eine geiz, oder fünf schillinc
sîner lantphenninge SpdtL
96,16;
swer in panforsten wilt wundet oder vellet oder jaget der ist dem herren des
ez dâ ist schuldic ze geben driu phunt der lantphenninge SchwSp (W)
197,9.
117,8
u.ö.
2
Bezeichnung für eine Abgabe zur Befreiung von der Landgerichtsfolge, dem
Landgerichtsdienst:
do man von dem selben ganzen lechen alle jar dient gen Marichekch dreizzich
Wienner phenning ze lantphenning und nicht mer UrkPölt
416
(a. 1349);
imͤ [dem Landrichter] ist auch niement gepunten
darzü [zum Gerichtstag] ze gen nuer die lantphenning
gebent WeistÖ
9:510,2
(a. 1340)
MWB 3,3 878,46; Bearbeiter: Diehl
lantpredigære
stM.
‘Landprediger, Wanderprediger’
bruoder Berchtolt der lantbrediger kam einest zuo dem bischof Albracht vnt
fragte in vil dingen VierFragen
575;
do lebte der lantbredier bruͦder Bertholt der barfússe
OberrhChr
48,1
MWB 3,3 878,62; Bearbeiter: Diehl
lantpredige
F.
‘Landpredigt, auf dem bzw. im Land gehaltene Predigt’
diz ist des langen Luppoldes Hornburgs von Rotenburg lantpredige von der
werlde kummer Hornb
1,2
MWB 3,3 879,3; Bearbeiter: Diehl
lantrëht, landesrëht
stN.
‘Landrecht’ (zur Sache vgl. 2HRG 3,552-559 sowie
differenzierter und mit zahlr. weiteren Belegen DRW
8,547-555)
1 meist ‘in einem Land, Herrschaftsgebiet geltendes Recht’ (z.T. im Ggs. zum Röm. Recht oder städt. Rechtskodifizierungen u.ä.) 2 aus dem hervorgehende Rechtsverhalte 2.1 bezogen auf den persönlichen Rechtsstatus und Rechte des Einzelnen 2.2 bezogen auf weitere Aspekte 3 das nach dem verhandelnde Gericht, sein Bezirk und seine Urteile (neben DRW 8,553f. vgl. auch FWB 9,183ff. mit jüngeren Belegen)
1
meist ‘in einem Land, Herrschaftsgebiet geltendes Recht’ (z.T.
im Ggs. zum Röm. Recht oder städt. Rechtskodifizierungen u.ä.):
consules autem non iudicabunt secundum ius provincie, quod dicitur landreht,
sed secundum veritatem et statuta civitatis subscripta UrkStVerf
103
(a. 1214);
der bâbest der enmac dehein reht gesetzen dâ mit er unser
lantreht und unser lêhenreht müge geergern SpdtL
85,9;
daz ist weder gotes reht noch lantreht ebd.
190,13.
225,15
u.ö.;
vnd vurzieh ich [...] alles des rethtes vnd aller der
ansprache [...] vnd gemeinlich alles des rethes, es si
geislich oder wertlich, stette reth oder lantreth, gescriben reth oder gewonheit
UrkCorp (WMU)
1600AB,42;
daz ich [...] han ze chovffen gegeben den gaistlichen
vrowen ze Stvdenitz vierdhalbe hvbe [...] fvͦr rehtez eigen
[...], vnd sol ich ins schermen nach landes reht
[
secundum communem prouincie iustitiam
(2579A,41)]
ebd.
2579B,39.
3524,15.
N238A,16
u.ö.;
wie si nâch Rômæren / loys
[Recht] unde lantreht solten wegen, / wies ir gerihtes
solten pflegen Tr
5995.
11041.
18244;
[der sechste Lehrer] lartin [lehrte ihn (den
jungen Alexander)] ze dinge sitzen / und lartin,
[...], / wî er von dem unrehten beschiede daz rehte, /
und wî er lantreht bescheiden kunde / allen den er is gunde SAlex
250;
Ottok
40785;
KvWTroj
17974
2
aus dem ~ hervorgehende Rechtsverhalte
2.1
bezogen auf den persönlichen Rechtsstatus und Rechte des
Einzelnen:
wan iz umi geit an sienin liep undi sieni eri undi sien
lantrecht Mühlh
105,28.
120,8
u.ö.;
münchet man ein kint daz under siben jâren ist, vert ez
under vierzehen jâren ûz, ez behaltet lêhenreht unde lantreht und allez daz ez
erben solte SpdtL
103,2;
UrkCorp (WMU)
51,42;
gip her und lâz dîn lantreht: / ine wil niht langer sîn
ein kneht, / ich sol schildes ambet hân Parz
154,21
2.2
bezogen auf weitere Aspekte:
dar zvͤ gelob ich, das selb gvͤt zWaltprehtstorf mit niht zverchern
[durch nichts zu verändern] vntz an das zil des
rehten lantsrehts [der nach dem Landrecht gültigen
Frist]
UrkCorp (WMU)
2905,11;
loykint her [der Beklagte] obir im
[dem Kläger] , so sal her im das lanrech
[den Beweis nach Landrecht] tun an dem dritten
tage UrkSchlesSt
509
(a. 1324);
eine ame wingulden [...] von dem siebendem deile,
daz die wingarten da geldent, daz man nennet lantrecht UrkMoselQ
507,26
(a. 1349)
3
das nach dem ~ verhandelnde Gericht, sein Bezirk und seine Urteile
(neben DRW 8,553f. vgl. auch FWB 9,183ff. mit jüngeren Belegen):
ein lantrecht vuͦrderen over di selven unrechten lude MGHConst
6,1:107,20
(a. 1326)
MWB 3,3 879,7; Bearbeiter: Diehl
lantrëhtære
stM.
Mitglied eines Gremiums erfahrener Männer der Dingversammlung, das den
vorsitzenden Richter bei der Urteilsfindung unterstützt (vgl. mit älteren Belegen
AWB 5,634 und DRW 10,1048 s.v. Rachinbürge) oder allgem. ‘jmd., der
nach Landrecht richtet’ (?):
rachinburgius: lantrehtari, lantscribere SummHeinr
1:287,253.
2:19,372.
2:448,181.1;
unserre lantrehtære [Gen.Pl.] tihten / vristet dâ
[beim Jüngsten Gericht] niemans klage, / wan er
[Christus] wil dâ zestunt rihten: / sô ist ez an dem
lesten tage. / und swer deheine schulde hie lât / unverebent, wie der stât / dort,
dâ er pfant noch bürgen hât Walth
16,15.
–
‘jmd., der in einem Land (irreführend) redet und rechtet’ in der Hs. neben →
lantrihtære
und →
lanttriegære
zur Übersetzung von rhetor der
lat. Vorlage (vgl. Anm. z. V. 10786, in der als Erklärung eine gedankliche
Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten vermutet wird - vom Ed. teilweise
ersetzt):
er hâte grôze swære / daz sîne lantrehtære / sus wâren überwunden
LBarl
11893;
nu sage von dînen wîsen, / wâmit wiltû die prîsen, / waz wiltu sagen mære /
von dînen lantrihtæren [Hs. lantrechteren
] ? /
got hât der selben wîsheit / gemachet gar ze tôrheit ebd.
13589.
– Lit.: Reiner Hildebrandt, Summarium Heinrici: Der Rachinburgius ist ein
Landrechter, in: Sprache und Recht. FS Ruth Schmidt-Wiegand, Berlin/ New York 1986,
S. 246–262; ders., Der Wort-‘Schatz’ des Summarium Heinrici, in: Historische
Wortforschung Bd. 1, Berlin/ New York 1986, S. 40–58, hier S. 40–43
MWB 3,3 879,63; Bearbeiter: Diehl
lantrëhtbuoch
stN.
‘Aufzeichnung des Landrechts’ (vgl. DRW 8,556f. mit jüngeren Belegen, zur
Sache 2HRG 3,559ff.):
hie hebt sich an daz lantrehtbuch StRAugsb
10,1;
die vürsten klageten im [dem Papst] über den künic
daz er niht rihte, als im diu lantrechtbuoch seiten PKchr
197,5.
– bezogen auf den Landrechtsteil des Schwabenspiegels:
ditz puͦch ist nicht wan von werltlich gericht dar vmb haizet ez daz lantrecht
buͦch. wan diseu recht an disem buͦch sint in allen landen redleich vnd gewer
SchwSpK
1,39 (Kt);
da sol er [der Kaiser] vmb sehen an daz lantrecht
puͤch. dar an vindet er welh pischolf mit dem swert gerichten muͦge oder nicht
ebd.
2,277 (Kt);
der keiser sprach: ‘[...] wir geben die wal drin
erzebischoven unde vier leienvürsten.’ [...] welhiu ambet
suln haben und wer si sin, daz seit uns daz lantrehtbuoch bescheidenliche
PKchr
179,21
MWB 3,3 880,30; Bearbeiter: Diehl
lantrëhten
swV.
‘(nach Landrecht) prozessieren’
alsam ist ouch umbe den man / der deheine kunst enkan / wan lantrehten nâch
gewonheit, / der weiz niht des wîstuomes breit, / weder sîn tiefe noch sîn hô / und
wænet volkomen sîn also WälGa
8987;
lantrehten nâch gewinne ebd.
8707.
– übertr.:
diu sele vorderet so getan spil; / unde ire daz vor allen
dingen ist suozze, / daz si mit ire gote so unde sus lantrehten muozze
Himmelr
3,8
MWB 3,3 880,48; Bearbeiter: Diehl
lantreise
stF.
Kriegszug mit der Verpflichtung zur Teilnahme aufgrund der Heerfolgepflicht (vgl.
DRW 8,560f. mit jüngeren Belegen):
der meijer sol ovch dem vogte geben die koste, [...]
wanne er ein lant reise von eins riches wegen vert vnd da vͥbernacht wil sin
UrkAargau
2,2:146,20
(a. 1331)
MWB 3,3 880,57; Bearbeiter: Diehl
lantreister
stN.
hier wohl ‘Vorsteher einer Ordensprovinz’ (vgl.
reister
):
want zuletst der meistir / daz veige lantreistir / (ich meine
noch Bertolde) / intsatzte, als er solde NvJer
16588
MWB 3,3 880,63; Bearbeiter: Diehl
lantrihtære
stM.
1 vom Landesherren bestellter Richter im
lantgerihte
, der also nach
lantrëht
richtet (vgl. mit weiteren Belegen DRW 8,565ff.
und zur Sache 2 HRG 3,569ff.) 2
‘jmd., der in einem Land (irreführend) redet und rechtet’ in der Hs. neben
lantrëhtære
und
lanttriegære
zur Übersetzung von rhetor der lat. Vorlage (vgl. Anm. z. V. 10786, in der als Erklärung eine gedankliche Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten vermutet wird)
1
vom Landesherren bestellter Richter im →
lantgerihte
, der also nach →
lantrëht
richtet (vgl. mit weiteren Belegen DRW 8,565ff.
und zur Sache 2HRG 3,569ff.):
swaz aber grafen, vreyn oder dinstman ouf chleoster [l.
chloͤster
] gebnt, da sol nieman hin rihten
dann [
e der (vgl. Regest)] lantrihter,
dem daz lantgerihtte beuolhen ist von dem landesherren UrkCorp (WMU)
3276,5;
ich Swigger von Teggenhusen, lantrihter jn der grafshaft ze Veringen von der
genade vnd gewalte des herzogen Albrehtes von Oͤsterriche ebd.
2434,22;
so mag von rechts wegen nieman noch ensol richten mit der ehte in dem
[...] lantgericht ze Franken danne ein byschof ze
Wirtzburk, der allein da lantrichter ist, und suͤlln auch vor dem selben lantrichter
ze recht sten alle [...] herren,
[...] graven, [...] frein und
auch dez richs [...] dinestluͤte und
[...] steteluͤt und auch alle ander
[...] luͤt beyd edel und unedel MGHConst
8:387,33
(a. 1347);
wier wellen, daz chain lantrichter, noch chain herre, der edil ist, chain
gewalt tue in der stat, noch chain gewalt hab in der stat, an dez richters und der
schephen urlaup StRBrünn
361;
unserre lantrehtære [Gen.Pl.] tihten
[La. lantrihtere rihten
] / vristet dâ
[beim Jüngsten Gericht] niemans klage, / wan er
[Christus] wil dâ zestunt rihten: / sô ist ez an dem
lesten tage Walth
16,15.
–
dô machte Hêrôdes sînes geburtlîchen tagis ein âbintezzin den vuͦrsten und
den lantrichtêren und den êrstin Galilêê [
principibus et
tribunis et primis Galilaeae
]
EvBeh
Mc 6,21
2
‘jmd., der in einem Land (irreführend) redet und rechtet’ in der Hs. neben →
lantrëhtære
und →
lanttriegære
zur Übersetzung von rhetor der
lat. Vorlage (vgl. Anm. z. V. 10786, in der als Erklärung eine gedankliche
Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten vermutet wird):
ob unser ê nu wære / von wîsen lantrihtæren / oder von gewalt komen
LBarl
13495
MWB 3,3 881,3; Bearbeiter: Diehl
lantrihte
stN.
‘Gericht, in dem Landrecht gesprochen wird’ (vgl.
lantgerihte
):
ich [...] lantrichter [...]
mit allen den, die zu dem lantrichte horent DRW
8,565
(MEgrana; a. 1300);
[es] wart urteilet vor dem lantricht, daz alle, die do
kumen sin, [...] des goteshuses dinstlute sin ze Wirceburg
ebd.
8,565
(MainfrJb.; a. 1319)
MWB 3,3 881,41; Bearbeiter: Diehl
lantrîtære
stM.
Angehöriger des Landadels, landsässiger Adeliger:
daz ieweder vnser zwene ersame lant rittere, die dez harnesches pflegent, vur
vns legen sulent in die giselschaft UrkCorp (WMU)
3005,15
MWB 3,3 881,48; Bearbeiter: Diehl
lantrivier, lantriviere
stMF.
auch -rifiere (
KvWTroj
20142
u.ö.).
‘Landstrich, Gegend’ (z.T. auch unter Herrschaftsaspekten;
häufig KvW ):
ir wæret unser beider / und ouch der lantriviere / gewaltic
worden schiere, / bestüenden wir iuch strîtes KvWSchwanr
557;
swaz dörfer lige bî der stat / und in der lantrifiere, / die
werden von im schiere / enzündet und gestôzen an KvWTroj
11757;
dâ von ist des harte nôt, / daz er strîche schiere / von diseme lantriviere
KvWPart
9112;
wand im die stîge wâren dâ / und die lantriviere kunt, / sô mohte er im dâ bî
der stunt / deste baz entwîchen ebd.
19857;
Ottok
70593;
Reinfr
18396
MWB 3,3 881,52; Bearbeiter: Diehl
lantroubære
stM.
‘im Land umherstreifender Räuber’ (nicht klar zu differenzieren vom →
strâʒroubære
, vgl. 2HRG 3,578ff. s.v.
landschädliche Leute):
ir herren, die dâ lant unde liute habent, die gêt diu ûzsetzikeit an, die dâ
haltent [beherbergen] strâzenrouber unde diebe unde
lantrouber unde gewaltesære, unde die den liuten schedelîche fuoter snîdent oder
gras PrBerth
1:121,27;
die stelent ros, die stelent rinder, die stelent dicz, die enez. daz denn
nicht lantrauber sind, die stelent auer in den haüsern PrBerth (R)
250,142;
von lant rovbern. vert ein man vs vnd wil rovben. vnde fvͤret lvͥte mit im
SchwSp
107a(Überschrift);
ouch verbietten wir [Karl IV.] úch
[...], daz ir deheinen lantmorder, lantrouber, gemeine
und offenlich diebe, nahtbrenner oder echter nút schútzen
[...] súllent StRSchlettst
77
MWB 3,3 882,1; Bearbeiter: Diehl
lantroup
stM.
‘Raub jenseits der Straße’
umbe den gemeinen strazraup. umbe den lantraup. umbe den brant
StRAugsb
4,21
(vgl. den zu diesem Registereintrag gehörenden Abschnitt im Text:
swaer den andern beraubet uf sime gute, in dorfern oder uf dem velde ebd.
92,20f.
)
MWB 3,3 882,18; Bearbeiter: Diehl
lantsæʒe
swM.
im Pl. auch -zesin.
‘Landsasse, im Land Ansässiger’
1 allg. ‘Einwohner’
2 z.T. differenziert über unterschiedlichen Rechtsstatus (vgl. mit weiteren Belegen
DRW 8,574– 579; zur Sache 2 HRG 3,571ff. und
lantsëʒʒe
) 2.1 (selten) einem Landesherrn unterstehend, aber mit eigenständigen Herrschaftsrechten ausgestattet 2.2 i.d.R. einem unteren Stand der persönlich Freien angehörend
1
allg. ‘Einwohner’
lantsæze [interl. zu incola
] ich bin an
der erde niht uerbirge uon mir gebot diniu PsM
118,19;
Iacob lantsæze [interl. zu accola
] was
in dem lante Cham ebd.
104,23
2
z.T. differenziert über unterschiedlichen Rechtsstatus (vgl. mit weiteren Belegen
DRW 8,574– 579; zur Sache 2HRG 3,571ff. und
lantsëʒʒe
)
2.1
(selten) einem Landesherrn unterstehend, aber mit eigenständigen
Herrschaftsrechten ausgestattet:
in den selben stunden / hæte Tristan einen cumpanjûn, /
der was ein edeler barûn, / des küneges lantsæze, / sîn oberster truhsæze
Tr
13463
2.2
i.d.R. einem unteren Stand der persönlich Freien angehörend:
die dritten vrîen daz sint die lantsæzen und die gebûren
SpdtL
82,8;
di lantzesin di sint phlichtik ouch des schulteissen dink czu suchin obir
sechs wochin von erim eigin,. die lantzesin, di nicht eigin han in dem lande, di
sullin suchin eris voytis dink obir sechs wochin RbNeumarkt
130
MWB 3,3 882,24; Bearbeiter: Diehl
lantsæʒenvrî
Adj.
‘frei wie ein Landsasse’ (hier subst.):
ingenuus daz sprichet in tiutsche der hœhste vrîe; libertinus
der mitter vrîe; liber lantsæzen vrîen SpdtL
135,9;
ain reht vrîiu vrowe mag gewinnen fünf hande kint. aines daz ir genôz ist,
alsô ob ir man ir genôz ist. [...] si mag gewinnen ainen
lantsæssevrîen, ob si ainen vrîen lantsæssen zuo ir lait. si mag gewinnen ainen
aigenen man, ob si ainen aigenen man zuo ir lait SchwSp (W)
347,3
MWB 3,3 882,44; Bearbeiter: Diehl
lantschade
swM.
wirtschaftliche Notlage eines Landes oder Landstrichs durch Missernte oder Krieg
(vgl.
landesbrëste
,
landesnôt
,
lantgebrëchte
,
lantgebrëste
):
daz sol men ir alle iar lidecliche geben, die wile sv̍ lebet, es en si denne,
daz ein gemeine lant schade geschehen, den svͦle wir mit ein ander tragen
UrkCorp (WMU)
N190,33.
– wohl nicht hierher (vgl. F. Langendörfer, Die Landschaden von Steinach,
Hamburg 1971, S. 3ff.) als Bestandteil von Personennamen:
Plikker Landschad de Steinach HMS
4,256 Anm. 12
MWB 3,3 882,54; Bearbeiter: Diehl
lantschaft
stF.
1 Gegend, Region, Herrschaftsgebiet 2 Bevölkerung, Einwohner eines Landes
1
Gegend, Region, Herrschaftsgebiet:
provincia: lantschaft SummHeinr
2:75,155.
2:424,01.21;
ich mach im dise erde, / daz si niemer mêr nehain wuocher
bringe. / [...]. / elliu dise lantscaft / newirt niemer mêr
berhaft Kchr
10976;
diu lantscaft algemaine / wart sô urbowe ebd.
7239.
– übergehend zu 2?:
dû vil michel herchraft / dû chêrte an alle dî lantschaft / dû in
engegenwurde was. / [...]: / daz wâren allû dû lant /
dû û nû werdent vor benant: / [...] / ich wên, daz sî
dû Ismahêles chint / ouch roubten dî engegen der wûste gesezzen sint
JJud
303
2
Bevölkerung, Einwohner eines Landes:
des gew̌ndert sere / daz lîvt ioh die lantscaft. / sie
lobeten die gotes chraft Wernh
D 957;
do der bisgof vor der lantschaft [vgl.
diete V.1733] / ze himele hub sine hende, / do nam
ez gut ende ebd.
D 1736.
D 4937;
wiͤr seczen auch und gebieten pei unsern und unsers gerichtes hulden, swo ein
gescheray umb einen gewalt erget, dem sol di lantschaft zulauffen und nachfolgen und
wern UrkSalzb
4,383
(a. 1328).
– abgesetzt von den Auswärtigen:
daz ein turnay vor Yaschvne / über drei tag solde sein. /
[...] swer dar zuo wolt chomen, / der vund groz
riterschaft / da von der lantschaft / vnd von den vnchunden Krone
3216.
– verengt auf die Vornehmen, den Adel eines Landes:
der kampf der wart den hêrren dô / unz an den dritten tac
gespart. / [...], / dô kam al diu lantschaft / und
volkes ein sô michel craft, / daz der stat bî dem mer / aller bevangen was mit
her Tr
6497;
zu Caliz [Galizien = Polen] dem
kunicrîche / enphiengen in werdiclîche / die stete und gar die
lantschaft [bereits ‘Landstände’ (?), so
Glr.z.St.] ; / zu Gnesen in voller wirde craft / er wart
gecrônt zu dem lande dâ Kreuzf
5539.
– bezogen auf das vom Landesherrn befehligte Heer (des Adels):
wann sie hatten mit ir krafft / gar bezwongen die lantschafft / von zehen
kùnigen richen Krone
27328;
dô kom dar diu lantschaft, / der guoten helde ein michel kraft, / der
drîer edeln künege man KlageB
3723.
– Lit.: G. Müller, Zur Geschichte des Wortes Landschaft, in: A.
Hartlieb von Wallthor/ H. Quirin (Hgg.), ’Landschaft’ als interdisziplinäres
Forschungsproblem, Münster 1977, S. 4– 13; vgl. auch 2HRG
3,581ff.
MWB 3,3 883,1; Bearbeiter: Diehl
lantschal
stM.
‘im Land umgehende Nachricht, öffentliches Gerede, Gerücht’ (vgl.
lantmære
):
die hêrren sprâchen alle: / an disem lantschalle / ist lützel
êren bejaget Tr
11266;
daz ez niht alsô geschach, / als der lantschal sagete ebd.
9305.
9769;
ich wil von hinnen varn / und den lantschal bewarn / daz
beide der und der iht jehe / wie grôz laster mir geschehe RvEAlex
9026
MWB 3,3 883,46; Bearbeiter: Diehl
lantschande
stF.
‘Schande, schlechter Ruf in einem Land, einer Gegend’
wan daz ein mensche hie ze schanden würde vor allen den die in disem lande
sint, daz wære niht ein werltlîchiu schande, daz heizet niwan ein lantschande. daz
heizet ein werltlîchiu schande, der an dem jungesten tage ze schanden wirt vor aller
der werlte PrBerth
1:571,18
MWB 3,3 883,54; Bearbeiter: Diehl
lantscheffe
swM.
‘Beisitzer, Schöffe bei einem Land- oder Dorfgericht’ (vgl. DRW 8,613f. mit
weiteren Belegen):
czu glicher wis sullen si ouch werltliche gerichte suchin: di lantschephin des
hostin richters dink obir sechs wochin undir herczogin banne
RbNeumarkt
130
MWB 3,3 883,61; Bearbeiter: Diehl
lantscheide, landesscheide
stF.
1
‘Grenze, Grenzgebiet’
2
‘Grenzfestlegung, Landeseinteilung’ (vgl.
lantbescheidunge
)
1
‘Grenze, Grenzgebiet’
von der stat, dar der Vule Ober velt [mündet] in
die Oder nyder biz in die landisscheyde zu Drozen, daz scal use landisscheid
beydersit sin UrkSchlesFürst
1:126,2
(a. 1319);
er breite sime volke wit / die lantscheide bi siner zit
[
dilatavit fines gentis suae I Macc
14,6] / unde behielt des riches lant Macc
6382
2
‘Grenzfestlegung, Landeseinteilung’ (vgl.
lantbescheidunge
):
discretio terminorum que vulgo dicitur lantschede UrkWürtt
3,117
(a. 1220);
die selben gâbe rîche / gab der kunic Waldemâr / dem dûtschen hûse, daz ist
wâr, / durch got von himelrîche; / der lônet ez êwiclîche. / die lantscheide wart
beschriben, / die ummer sider stête ist bliben, / die kein man gebrechen mac / biz
an den jungesten tac LivlChr
2061
MWB 3,3 884,3; Bearbeiter: Diehl
lantscheidunge
stF.
‘Grenzfestlegung, Landeseinteilung’ (vgl.
lantbescheidunge
,
lantscheide
2):
von der lantscheydunge wegen, die vnser herre keyser Lodewig vns gegebin hat,
die stat do von zu bezzerne UrkArnsb
419
(a. 1334);
daz nyman zu der lantscheydunge solde kummen odir zugen
UrkDOHess
3:291,22
(a. 1341)
MWB 3,3 884,20; Bearbeiter: Diehl |