l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lampe swF. lampel swF. lampenglas stN. lampenvaʒ stN. lamprîde F. lampriure stM. lampvël stN. lampvleisch stN. lamtac swstM. lân stV. læn F. lænbach stM. lænbruch stM. lanc Adj., Adv. lancbeinic Adj. lancbeiten stN. lancbeitic Adj. lancbeiticheit stF. lancbeitsamkeit stF. lancbeitunge stF. lancgemüete stN. lancheit stF. lanchûs stN. lanclëben stN. lanclëbic Adj. lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lampe
swF.
aus afrz. lampe (Suolahti 1,142).
–
‘Lampe, Fackel’
eyne lampe hiez her hangen / uber Pallas grab, / die liecht genuc gab
En (FSch)
8350;
die lampade [ La. diu lamphe
]
ebd.
9539
(weitere Belege s. EnWB, S. 253);
dez richen mannez lichame wart in siden doch bewunden und wart mit lampen und
mit grozen kerzen [...] zu der erden bewolen
HlReg
41,5;
daz öl, daz dâ von [von
Bucheckern] kümt, [...] ist guot ze
prennen in den lampen BdN
323,31;
dô man die lampen hete gar / enzündet unde enbrennet KvWPant
1214;
Krist herre, [...] von dirre lampen rôste / geruoch
erlœsen mîne jugent ebd.
1224;
daz riche der hemele ist glich den czen juncvrowyn dy do
nomen ere lampyn [
lampades Mt 25,1] unde gyngen
inkegen dem brutegum unde der brutynne EvBerl
146,27
(Mt 25,1);
146,29;
EvAug
62,13
u.ö.;
dise zwei heilige lebn [
vita activa und
contemplativa
] sin bezeichent an genvͦch steten in
der heiligen schrift: per lampades ardentes et per carbones intra se ardentes, mit
den lampen, die da verre luͦchten vnd mit den kolin die in in selben
buͦrnen PrLpz (L)
97,17;
alleyne iz [
der gerechten lute
leben
] eyne lampe sye, / di werlich, alles wandels vry, / in
ir daz liecht der warheit hat / beslozzen Hiob
4509
(vgl. Iob 12,5).
– in Vergleichen:
im glinsterten die ougen / als ein lampe die tougen / brinnet
in liechtes glesten [vgl. oculi eius ut lampas ardens Dn
10,6]
Daniel
6592.
6756;
geyn dirre smacheit godis svͦn / wil vns dort [im
Himmelreich] ewecliche dvͦn / lvhten alse ein lampe clar /
in siner ewekeide gar PrHess
5,427;
alse daz oley in der naht / zvͦ der lampen bvrnit vz / vnde irluhtet
gar daz hvs, / also vil gar vf erden / die lvde irlvhtit werden, /
[...] die da mit namen halden hie / godis gebot vil
reyne ebd.
15,843
MWB 3,2 841,3; Bearbeiter: Tao
lampel
swF.
wohl eine Kontamination von →
lampe
und →
ampel
(vgl. R. Bechstein, Germ. 11, S. 151 und
Rosenqvist 1,146).
–
‘Lampe’
ie [Ihr] sult ouch alle gewisse / bornde lampeln
trage czuͦ eyme rechten bekeyntenisse ThürJungfrSp
A 36;
wy bereyten vnse lampelen ebd.
A 70;
vnse lampelen sin vns vorloschen ebd.
A 164.
A 168
MWB 3,2 841,39; Bearbeiter: Tao
lampenglas
stN.
‘Lampenglas, Lampe’
do nam der ruwesere / [...] ein
reinez nuwe lampenglas, / da ê niht inne was. / ein daht und olei er drin tet
Vät
26801.
– in Vergleichen:
sus sorcveldec er des was, / rechte als ein mensche sin lampenglas / in der
zit muz bewarn, / als hundert steine um in varn / nach hohes sturmes lage
Pass III
396,54;
rehte alsam ein lampen glas / des frides lihte iegelicher
truͦc Vät
7398;
als ein liecht lampen glas / und als ein golt clar, luter, fin
/ in tugenden schein di sele sin Hiob
624.
– übertr.:
daz erwelte lampen glas / hub sich zu vinsternisse hin
Pass I/II (HSW)
31624;
so sicht man unser vrouwen / erlich sitzen ufbaz, / daz
gotes erwelte luchte vaz, / des himels schone lampen glas ebd.
37275;
Gregorius der groze, / [...] der ecclesien lampenglas
Pass III
192,7;
Dominicus [...] der ein liecht und ein lampenglas /
cristenlicher ere was ebd.
353,3;
wan er gar an sunden velbe / aller totlichen sunde was, / der
tugende eyn lich lampen glas Hiob
11016;
Diterich von Aldenburk / [...]
homeister was / des ordens, eyn liecht lampen glas ebd.
15528.
3668;
Vät
30889
MWB 3,2 841,46; Bearbeiter: Tao
lampenvaʒ
stN.
‘Lampe’
ir bedurftes [des Öls] baz / in
der kirchen lampen vaz Vät
27508;
daz wir uwer lampen vaz / beluhten mit oleyes gebe ebd.
27540
(=
Pass III
513,11
).
27566
(=
Pass III
513,33
)
MWB 3,2 842,5; Bearbeiter: Tao
lamprîde
F.
auch volksetym. umgebildet lantfrîde; aus mlat.-rom. lamprede,
-ida (EWA 5,1006ff.); s.a. →
lamberîe
.
– ein Fisch, ‘Lamprete, Neunauge’
wâhe góldkétenon in lántfrîde wîs
gebrôihta [gebogen] máchen wír
dír [
murenulas aureas faciemus tibi Ct
1,10]
Will
18,3;
TrudHL (O)
23,23;
murena: lampreda, lamphrida, lantfrida SummHeinr
1:156,595;
murena: lampred VocOpt
47.085;
ouh brâhten si mir [...] / vil
manige lamprîden hût SAlex
5485;
salmen, lamprîden, / hât er doch lützel veile
Parz
491,16;
den kapûn, den vasân, / in galreiden die lamprîden, /
pardrîse begund er mîden Wh
134,13;
JTit
631,1;
lamperden HvNstAp
18043;
di lamparden also frisch / vahend sy zu aller stund ebd.
8889;
nim lampriden vnd snit sie an sehs stuͤcke
BvgSp
27a
MWB 3,2 842,9; Bearbeiter: Tao
lampriure
stM.
auch imparûr; aus afrz. l’emper(e)or, l’empereur
(Suolahti 1,147).
–
‘Kaiser’
durch der Kriechen lampriure Parz
712,9;
Karl der lampriure Wh
272,14.
91,28;
lamperur TürlArabel
*R 144,9;
lemparvr ebd.
*A 45,15;
lempervͤr ebd.
*A 55,7.
*A 32,29;
durch Karln, den imparur Rennew
33773
MWB 3,2 842,25; Bearbeiter: Tao
lampvël
stN.
‘Lammfell’
Gedeon [...], / nider spreit er ein
lamphel MarldM
16
(vgl. Idc 6,36-40);
Wernh
2659;
die lampphel sal man koufin mit nvwin phenningen vonme guten vrietage
[Karfreitag]
[...] biz an den phingistabint UrkCorp (WMU)
1161AB,44,41,43,40;
von hvndert kalpvæ̂llen [...]
[entrichtet man als Zoll] einen phenninch; minnr: einen
helblinch [...], von lampvæ̂llen, swaz vf einen
savm geziuhet, einen helblinch; minnr: einen helblinch ebd.
548ABC,29,30,44;
daz grvͤtschein oder lampvel UrbBayS
4,206
MWB 3,2 842,32; Bearbeiter: Tao
lampvleisch
stN.
‘Lammfleisch’
swer vuert kalpfleichs oder lampfleichs, der gibt von dem einczwagen czwene
phenning und von dem deischelwagen vier StRBrünn
374;
also maht du machen iunge huͤnre von lampfleische, so
manz klein snit BvgSp
40
MWB 3,2 842,43; Bearbeiter: Tao
lamtac
swstM.
‘Lähmung’
swer den anderen wundet in disem gerichte, der ist schuldig ze buͦsse
der stat drijer marche. gat du̍ wunde ze dem lamtagen, so git er vi march
StRZürich (B)
21,2
ist, dc ern wundet zem lamtage, wirt er begriffen in unserm getwinge, so sol
man im die hant abe slahen, ob er die buͦsse nit gerichten mag ebd.
37,10
u.ö.;
und die lamtagen dolden / ald krump ald gebrochen wân, / die sach gesuntheit
man enpfân / von sîns gewaltes gebote, / den er hâte von gote WvRh
7685
MWB 3,2 842,49; Bearbeiter: Tao
lân
stV.
→
lâʒen
MWB 3,2 842,60;
læn
F.
‘Lahne, erweichter Schnee, der mit Erde und Steinen an Bergabhängen
abrutscht’ (Röll, plapla, S. 403), nur als Flurname:
ruptura dicta Lœnne UrkSüdtirol
3,2:11
(a. 1284)
MWB 3,2 842,61; Bearbeiter: Tao
lænbach
stM.
Bach in einem lichten baumlosen Streifen, der sich an einem Berge von oben nach
unten zieht, in einer Erdabrutschung, ‘Lahnenbach’ (Röll, plapla, S.
403):
ager uf dem Loenpach UrkSüdtirol
3,2:190
(a. 1297)
MWB 3,2 843,1; Bearbeiter: Tao
lænbruch
stM.
‘Muhrbruch, Lawinengang’ (Röll, plapla, S. 403):
fractum unum, quod vulgari leunenpruch dicitur UrkSüdtirol
3,2:16
(a. 1314)
MWB 3,2 843,6; Bearbeiter: Tao
lanc
Adj., Adv.
für langiu auch lengiu
JTit
4019;
Komp. und Sup. mit oder ohne Umlaut (vgl. 2
5Mhd. Gr. § M
30f.);
in adv. Gebrauch selten auch lange, mit zeitl. Bedeutung von →
lange
Adv. nicht immer zu unterscheiden.
1 räuml. ‘lang’ , auch ‘groß; weit’ , seltener: ‘länglich;
breit’ , vereinzelt ‘entlang’
1.1 ohne nähere Bestimmung 1.1.1
‘(verhältnismäßig) lang’
1.1.1.1 allg. 1.1.1.2 von Körperteilen 1.1.2 von hohem Wuchs: ‘(verhältnismäßig) groß’
1.1.3 von Grundstücken ( acker, almeinde, gewande u.ä.):
‘(verhältnismäßig) lang, groß’
1.1.4
‘länglich’ , in der Bezeichnung einer Pfeffersorte langer
pheffer (s.a. → lancphëffer ) 1.1.5 von Wurf, körperlicher Bewegung, ‘(verhältnismäßig) weit’
1.1.6 von einem Gewässer, ‘(verhältnismäßig) breit’ (?) 1.1.7 übertr. 1.1.7.1 auf Münzen bezogen, als Quantitätsbegriff in der Bezeichnung
langer schillinc (oft mit Herkunfstangabe der
Pfennigwährung), in Bayern und einigen benachbarten Gebieten ein
Rechenwert von 30 Pfennigen, zur Unterscheidung vom kurzen
schillinc (einer Münzzähleinheit von 12 Pfennigen), vgl. WMU
2,1514 s.v. schillinc und DRW 12,641ff.; in den Belegen ist
das Attr.
~
allermeist nachgestellt 1.1.7.2 auf Rechte bezogen, ‘umfassend, weitreichend’ , nur einmal in
der antonymen Paarformel mit kurz belegt 1.1.8 in Paarformeln 1.1.8.1
~ und breit
‘lang und breit; groß, ausgedehnt’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 259f. mit weiteren Belegen) 1.1.8.2
~ und wît
‘lang und weit; groß; weiträumig; ausgedehnt; überall’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 259f. mit weiteren Belegen) 1.1.8.3
kurz unde ~
u.ä., subst., ‘alles; alle’
1.2 mit näherer Bestimmung 1.2.1 von einer bestimmten Länge 1.2.1.1 mit einer vorangestellten Maßangabe im abh. Gen. (vereinzelt Akk.) oder mit einem Vergleich 1.2.1.2 im Komp. 1.2.1.3 mit Dat. und vorangestellter Gradpartikel ze 1.2.1.4 adv. in Verbindung mit einer Präp.-Gruppe 1.2.2 von einer bestimmten Körpergröße 1.2.3 von einer bestimmten Flächengröße, im Komp. 2 zeitl. 2.1 ohne nähere Bestimmung 2.1.1
‘(verhältnismäßig) lang, langdauernd, sich lange hinziehend’
2.1.1.1 von der Zeit, Zeitabschnitten 2.1.1.2 von Handlung, Zustand, Vorgang u.a. 2.1.2
‘lange zurückliegend’
2.1.3
‘seit langer Zeit bestehend’
2.2 mit näherer Bestimmung, von einer bestimmten zeitl. Ausdehnung 2.2.1 mit abhängigem (meist vorangestelltem) Gen. 2.2.1.1 Adj. 2.2.1.2 in adv. Gebrauch 2.2.2 mit vorangestelltem Akk., 2.2.3 mit einem Vergleichssatz 2.3 in der adv. Wendung über lanc , übergehend zum Kompositum
(Zusammenrückung) 2.3.1
‘nach langer, längerer Zeit’
2.3.2
‘lange Zeit (hindurch), lange’
2.4 in adv. gebrauchten antonymen Paarformeln (vgl. Friedrich, PhrasWB, S, 258f.
und TPMA 8,231f.) 2.4.1
kurz oder ~
, ‘kurze oder lange Zeit’ , in Irrelevanzkonditionalsätzen 2.4.2
über kurz oder/ unde ~
u.ä. 2.5 in der Konstr. ie ~
+ Komp. ‘je länger ..., umso ...,
stetig’
ielanc
Adj.
2.6 in der konjunktionalen Verbindung mit sô
‘solange, wenn’ (s.a.
lange
Adv. 1.3 ) 3 wohl Terminus technicus, ‘lang’ , bezogen auf den Umfang des Strophenschemas, irgendeine musikmetrische Eigenart oder die amplificatio der Rhetorik (vgl. Wapnewski, Wolfr., S. 212f. und Wachinger, Sängerkrieg, S. 110, Anm. 42)
1
räuml. ‘lang’, auch ‘groß; weit’, seltener: ‘länglich;
breit’, vereinzelt ‘entlang’
1.1
ohne nähere Bestimmung
1.1.1
‘(verhältnismäßig) lang’
1.1.1.1
allg.:
der burcberc sô hôch, / beidiu sô stechel und sô
lanc Iw
3773;
diu ross den boten wâren vil müede von den langen
wegen NibB
739,4;
einen hêrlîchen sal. / den het er heizen bouwen lanc, hôch und wît
NibC
1860,1;
er zôch ein scharpfez wâfen, daz was michel unde
lanc NibB
1926,4;
vil manigen gürtel spæhen, rîch unde lanc
ebd.
576,1;
eine wunden, diu was tief unde lanc ebd.
2350,4;
ern [Isoldes
Mantel] was ze kurz noch ze lanc: Tr
10921;
ein juncherr sol ûf ein banc, / si sî kurz ode lanc, / deheine
wîse stên niht, / ob er einn rîtr dâ sitzen siht WälGa
414.
–
lange raste:
bî des tages zîten unt in der einen naht / kom er
ze einem lande mit grœzlîcher maht, / wol hundert langer raste
unde dannoch baz NibB
484,3
(Heinzle, Nib. z.St.: „lange raste kann
terminologisch sein (wie ‘Große Meile’) oder das Ungefähre
der Angabe unterstreichen (‘hundert Abschnitte von einer Länge,
die gut der einer Rast entsprach’)”).
–
in lange wîse
‘der Länge nach, in Faserrichtung’
sô nemet ein öleboumes rîs / und snîdet
spæne in lange wîs Tr
14424
1.1.1.2
von Körperteilen:
diu bein wâren im lanc NibB
1734,3;
[Tristans Hände] wâren
[...] / weich unde linde, cleine, lanc /
und rehte alsam ein harm blanc Tr
3551;
dem ungevüegen manne / wâren granen unde brâ /
lanc rûch unde grâ Iw
446;
sîne gewunden locke lange Neidh
WL 29:7,1;
iwer bart ist sô lancgetân [Hs.: lange
getan
]
Virg
738,5;
ûzerhalp des mundes tür / rageten sî
[die Zähne] im her vür, / lanc, scharpf,
grôz, breit Iw
459;
den grôzen leun / [...]
mit sînen langen clân ebd.
6690
1.1.2
von hohem Wuchs: ‘(verhältnismäßig) groß’
Sîfrit der was [...] lanc
NibB
464,1;
er was sô langgewahsen / daz er ze risen wart gezelt
KvWSchwanr
736.
1163;
Creusa, ir tochter eine, / was lanc, smal vnde kleine
Herb
3252;
diu [Isolde] sleich ir
morgenrôte / [...] mite
[...], / suoze gebildet über al, / lanc, ûf
gewollen unde smal Tr
10894.
–
ein lang man ist [verächtlich
genannt] ein geschirre, / ein kuͤrcz man ist ein
getwerg MinneR 52
82;
er sî arm, rîch, jung oder alt, / ez sîn leigen oder phaffen, /
kurz oder lang geschaffen, / ez sîn vrouwen oder man, / wer mag vor
zwein zungen [einem doppelzüngigen Menschen]
gestân? Boner
91,60;
En (FSch)
7998.
– als Bestandteil von Personennamen:
von Brandenburc marcgrabe Otte der Lange Meissner
17:8,10;
weitere Belege WMU 2,1072
1.1.3
von Grundstücken (acker, almeinde, gewande u.ä.):
‘(verhältnismäßig) lang, groß’
ein lang acker zuͦme steine UrkCorp (WMU)
N101,8;
jtem ein acker zwischent zwein anewanden bi der langen almende ebd.
N209,29;
aber ein zweiteil in der langen gewanden vmbe den Habevaste ebd.
N150,24,6;
jtem die lange matte ebd.
N705,24.
2099,22.
N722,36
1.1.4
‘länglich’, in der Bezeichnung einer Pfeffersorte langer
pheffer (s.a. → lancphëffer):
Galiênus und Aristotiles sprechent, daz dreierlai
pfeffer sei, swarzer, langer und weizer BdN
373,22;
wan daz wir in unsern landen langen pfeffer haizen,
daz ist lück an im selber und ist gestalt als länkloteu
dingl [Kätzchen (der Haselnussstaude)] , diu
hangent an den haseln, ê daz die nuz dar auf gewahsen ebd.
373,26.
374,9;
macronpiper: lange [l. langer?]
pfeffer VocOpt
49.050;
SalArz
39,4.
96,30.
98,27
u.ö.
1.1.5
von Wurf, körperlicher Bewegung, ‘(verhältnismäßig) weit’
hie mite begunde er mâzen /
[...] einen wurf und einen swanc, / der was
grôz unde lanc Tr
16016;
ir [Isoldes] trite die
wâren unde ir swanc / gemezzen weder kurz noch lanc / und iedoch beider mâze
ebd.
10990
1.1.6
von einem Gewässer, ‘(verhältnismäßig) breit’ (?):
ain langez wazzer BdN
307,13
1.1.7
übertr.
1.1.7.1
auf Münzen bezogen, als Quantitätsbegriff in der Bezeichnung
langer schillinc (oft mit Herkunfstangabe der
Pfennigwährung), in Bayern und einigen benachbarten Gebieten ein
Rechenwert von 30 Pfennigen, zur Unterscheidung vom kurzen
schillinc (einer Münzzähleinheit von 12 Pfennigen), vgl. WMU
2,1514 s.v. schillinc und DRW 12,641ff.; in den Belegen ist
das Attr.
~
allermeist nachgestellt:
swer den andern an sprichet, daz er den frid
[...] zebrochen hab, vmb ein dinch daz
vͤber sehs schilling der langen ziehet, hintz des leib sol man
rihten UrkCorp (WMU)
475A,9;
UrkLandsh
120
(a. 1311);
StRMünch
271,13.
348,11;
nivn schillinge der langen Nurenberger phenninge
UrkCorp
1313,11;
vnde von dem [...] eigen sol man dem
cloͤster geben alle iar ze zinse viͤrzehen schillinge der
langen Haller UrkCorp (WMU)
3532,35;
div [
gvͤlt
] ist geaht
vnd geslagen avf sehz schilling der langen Mvncher phenning ebd.
3583,24.
799AB,33.
1041,17;
DRW
8,707
(MBoica XVIII; a. 1300);
UrkIndersd
68
(a. 1334);
s.a. →
schillinc
.
– auch allgemeiner als Zahlbegriff für 30:
daz aigen da ze Hæcenhoven sol in gelten aller iærgelich
anderhalp schaf rokken [...] vnd vier
hvͤner vnd drj schilling der langen aire [d.h.
90 Eier]
UrkCorp
3197,42.
1880,26;
wer ein vervangens ros wil behaben, der swert selb dritter auf
dem rozz; und wil ener widerstrewen, der swert selb ain und
czwainczigster auf dem chreutz. und wil den der erst awer wider
treiben, der muezz immer vur ainen siben gestellen, daz sint funf
schillingen der langen; an drei, di schullen auch alle auf dem
chreutz sweren, daz ene ain und czwainzig valche aide haben gesworn
StRBrünn
397
1.1.7.2
auf Rechte bezogen, ‘umfassend, weitreichend’, nur einmal in
der antonymen Paarformel mit kurz belegt:
daz gvͦt [...]mit waszern vnd mit
waiden vnd mit allem dem rehte, ez si kurz oder lanch, daz der
zvͦ horet UrkCorp (WMU)
N804,11
1.1.8
in Paarformeln
1.1.8.1
~ und breit
‘lang und breit; groß, ausgedehnt’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
259f. mit weiteren Belegen):
eine hêrlîche mûren, / di was lanc unde breit
SAlex
6851;
mit vil rîchen betten, lanc unde breit
NibB
1824,3;
der [Mantel] wuohs in
allen gâhen [...] : / er wart lanc unde breit
UvZLanz
5815;
daz velt was lanch unde breit StrKarl (S)
1207;
ûf einem acker, / der was lanc und breit
Ottok
15311;
der kunic [...] bereit /
ein her lanc unde breit ebd.
8997.
15632.
– übertr.:
mehtiger got, dû bist sô lanc und bist sô breit
Walth
10,1;
ditz ansehende leit, / daz ist lanc vnde breit
ReinFu
K,1200;
ir schade wirt lanc unde breit: / ir nâhent
komendiu herzenleit Parz
104,23;
sost mîn sorge lanc unde breit KLD: UvW
39:6;
ob sîn ganziu werdekeit / sî beidiu lang unde
breit, / oder ist si kurz oder smal? Parz
433,20;
daz sîn hôhiu werdekeit / wær sô lanc und
ouch sô breit, / daz er den prîs für alle man / von rehten schulden
solte hân ebd.
698,28
1.1.8.2
~ und wît
‘lang und weit; groß; weiträumig; ausgedehnt; überall’ (vgl.
Friedrich, PhrasWB, S. 259f. mit weiteren Belegen):
der walt was lanc unde wît Parz
398,10;
MF:Berng
2:2,3;
er hiwe im aine luche / lange unt wite
Rol
4125;
ez was ein swarzer samît, / gesniten lanc unde
wît Wig
10692;
[sie] hertin beidirsît / daz gebît lanc unde
wît / mit roube, brande, slachte NvJer
9750;
es beschachend och do sunder / vil zaichen und
wunder / nache, verre, lang und wit WernhMl
2837.
– übertr.:
ez was ein herre ze einer zeit, / des lop was
lanch und weit StrKD
57,2
1.1.8.3
kurz unde ~
u.ä., subst., ‘alles; alle’
[Gott,] der beidv kvrz vnde lanc / in siner
hende besliuzit Martina
243,22;
kurz und lanc, breit und smal / gibt unser herre uns âne zal
Renner
17353;
gîtikeit mit glîchsenheit / verslinden kan smal unde breit, / kurz
und lanc, / grôz und klein, / sûr und süeze, fleisch und bein, / golt
und silber [...]
ebd.
21403;
die ritter al gemeine, / der groze und der
cleine, / der kurtze und der lange Rennew
6083;
von Rennewartes hende / nam maniger da sin ende,
/ der kurtz und der vil lange ebd.
11529.
21076.
27022;
do ward er wol enpfangen / von kurtzen und von
langen HvNstAp
1577;
ez sîn leigen oder phaffen, / kurz oder lang geschaffen
Boner
91,60
1.2
mit näherer Bestimmung
1.2.1
von einer bestimmten Länge
1.2.1.1
mit einer vorangestellten Maßangabe im abh. Gen. (vereinzelt Akk.)
oder mit einem Vergleich:
– als (halb-)präd. Adj.:
du wurchist [erg.:
munster
] in enim jari, /
[...] vil manigir claftirin lanc
LobSal
84;
dâ stiphter eine burg [...], / einir
dageweidi wît, / drîir dageweidi lank Anno
9,11;
En
925;
unde wære diu selbe stiege drîer stiegen
lanc NibB
2053,2;
[Parzival] was des lîbes wol sô kranc, /
swaz man heizet unprîs, / daz entruoger nie decheinen wîs / halbes
vingers lanc noch spanne Parz
678,27;
mit abh. Akk.:
ein her kreftigez unde starc /
[...] nach der leng und nâch der breit
/ langez wol zwô raste Ottok
6732.
– subst.:
des helmes her im abe schriet / vil nâch einer hende
lank [handbreit]
En
12439.
– in adv. Gebrauch:
dô worden sie gejaget, / wole vier acker
lank [vier Ackerlängen weit]
En
8955;
er [...] warf daz
ors von in / unde leisierte hin / von in eines ackers lanc
Iw
5325.
4646;
in stach der künec von Zazamanc / hinderz
ors, wol spers lanc [eine Speerlänge
weit]
Parz
79,28;
der lewe lief nâch dem schuzze wan drîer
sprünge lanc NibB
936,3.
– mit einem Vergleichssatz:
dâ mite wart ouch er / gesetzet ûf daz gras /
als lanc sô daz sper was Iw
4700;
[der Löwe] zart im cleit unde brât / als
lanc sô der rücke gât / von den ahseln her abe ebd.
5054;
der ritter in da nidder stach, / daz er viel auf daz gras /
als lanch, als er was [der Länge nach]
Krone
3999;
vnde sol er [der
Novize] vursi alle vallin als lange so er ist
BrEng
58.
67
1.2.1.2
im Komp.:
‘dû bist kurzer!’ – ‘ich bin
langer!’ / alse strîtent si ûf dem anger, / bluomen unde klê
Walth
51,34;
dâ sach ich bluomen strîten wider den klê, / weder ir lenger
wære ebd.
114,28
(oder im Sinne von ‘groß’ zu
1.2.2?)
1.2.1.3
mit Dat. und vorangestellter Gradpartikel ze:
ob ez
[
gewant
] den helden wære ze
kurz und ouch ze lanc NibB
369,3
1.2.1.4
adv. in Verbindung mit einer Präp.-Gruppe:
daz dehain man, hoh oder nider, gaistlich oder werltlich, dehain
purch oder veste in einer raste lanch vmb vnd vmb [d.h. in
einem Umkreis von einer raste
] vmbe di stat
suͦl oder getuͦrre bowen UrkCorp (WMU)
2345,28.
–
‘entlang’
dî littousche dît, / gesezzin bî der Memil
lanc NvJer
20384
1.2.2
von einer bestimmten Körpergröße:
sîn [Tristans] lîp ze
guoter mâze lanc Tr
3340;
zu den sîten smal, zu mâzen lanc, / si het vrouwlîchen ganc
Frauentreue
87;
Philipp
831.
–
ich wolte hern Otten milte nâch der lenge mezzen, / dô hât ich
mich an der mâze ein teil vergezzen; / wær er sô milt sô
lanc [Hs. lange
] , er hete
tugende vil besezzen Walth
26,35
1.2.3
von einer bestimmten Flächengröße, im Komp.:
enmitten drûf ein anger: / daz Lechvelt ist langer
Parz
565,4
2
zeitl.
2.1
ohne nähere Bestimmung
2.1.1
‘(verhältnismäßig) lang, langdauernd, sich lange hinziehend’
2.1.1.1
von der Zeit, Zeitabschnitten:
ir sitzt sam ir gemalet dar / mit einem pensel schoene sit, / da
wirt uns lang gar kurziu zit UvLFrb
132;
ê daz ir gruoz ergienge, daz waz ein langiu stunt
NibB
591,1;
her hete ein lange stunde [vor längerer Zeit
schon] / daz mêrre teil getihtet, / in tûsche berihtet
En
13436;
ichn woldez iemer lîden ê / danne ich ze langer
stunde [d.h. das ganze Leben lang, für
immer] / mînes lîbes gunde / deheinem sô gemuoten man
/ der nie dehein ahte ûf mich gewan Iw
8085;
daz er mir iezuo lange vrist / durch iuch vil
ungenædic ist Tr
14835;
die wîle, diu dûhte si niht lanc
NibB
811,1;
swer den man erkennen sol, / dâ hœret
langer wîle zuo Iw
4193;
ine wil deheiner freude jehn, / ine müeze alrêrst
den grâl gesehn, / diu wîle sî kurz oder lanc Parz
329,27;
ouch sint die tage [kurz vor der
Sommersonnenwende] unmâzen lanc Iw
2137;
sô gieng er [Abel] den
tach langen dâ ûz in der sunnen Gen
602;
Iw
2121;
MF:Reinm
8: 4,10;
Jacob und Lia hêten ire minne / die naht lange
mit chonelicher wunne Gen
1301;
in dûht daz eine jâr ze lanc Iw
2930;
uf lange jâr [mehrere
Jahre] was iz gefrit / zwischen im und den heiden
Kreuzf
360;
daz erlein holz alsô grüenez in wazzer gelegt
erfaulet gar langeu jar [viele Jahre lang]
nümmer BdN
315,11;
sô man gequilet ein lank stucke [lange
Zeit]
En
9898.
– superl. und subst. mit Präp. in:
danne ist der tac in dem hœhsten und in dem lengesten
und in dem volkomensten, als diu sunne stât in dem hœhsten
Eckh
1:320,7.
– in adv. Ausdrücken mit zît:
lange zît, ‘lange Zeit, (schon)
lange’
[der Kampf] werte harte lange zît
Iw
7238.
7591;
daz wir driv gvt, div vns gar lange zît sint oͤde
gelegen vnde vnerbawen, haben verlihen UrkCorp (WMU)
461,34.
16,1.
2935,43;
vor/ in langer zît, von langer zît her o.ä.,
‘vor langer Zeit/ seit Langem’
daz wir von warhaften luten voͮrnumen han vor langir
zit, daz der kouf [...] also geschen si
ebd.
1277,17;
ine gesach sô gerne nie / boten in langen
zîten, denne ich iuch hân gesehen NibB
1456,3;
also wir von alter in langer zit mittenander in
vruͤntlicher helfe vnd in gegensehender liebe
[...] har sint komen UrkCorp
(WMU)
1788AB,5;
daz ich von langer zeit her den gaistleichen herren
[...] durch meiner sel hail
[...] han geschaffet nah meinem
toͤde ein lehen ebd.
2243,46;
dar nâch über lange zît, ‘lange Zeit
danach’
dar nach vͤber lange cit do chom der selbe Herman wider
zvͤ mir ebd.
509,23.
–
über ein lange wîle
‘nach einer ganzen Weile, nach langer Zeit’
uber ein lang wil kompt sie wiedder
Lanc
464,4;
uber ein lang wil, da sie zu irselber kam
ebd.
14,12.
68,16.
182,10;
uber ein lange wil darnach begund sie zu im
zu sprechen ebd.
118,16.
–
über lange vrist
‘nach langer Zeit’
dar noch [nach dem Sündenfall] gar /
vͦberlange vrist, / da der vil ware herre Crist / von siner
mvder wart geborn, / da versvnde er den zorn PrHess
69,137
2.1.1.2
von Handlung, Zustand, Vorgang u.a.:
der strît was lanc under uns zwein
Iw
2984;
sus kusten sin dô alle drî; / doch tetez Îsôt diu
junge / mit langer widerunge Tr
10536;
ietwederez sîn reht hât, / langer rât und snel getât
WälGa
13162;
trac niemen nît und langen haz Winsb
39,5;
einer langen arbeit Iw
7965;
sô dû [Frau Minne] si
von êrste reizest / mit kurzem liebe ûf langez leit Tr
1409;
daz si trœste mîn gemüete: / mîn kumbèr ist
gar ze lanc KLD: BvH
6: 5,6;
sîn leben und sîn geverte / was herter danne
herte; / ie herter unde ie strenger, / ie lenger unde ie lenger /
begunder lengen sînen pîn / durch got und ouch den kumber sîn
RvEBarl
15806;
wes âtem lang ist, der ist pœs
BdN
47,1;
ê daz man die rîche gâbe alle dâ verswanc, / die
wider ze lande wolden, die dûhte des ze lanc NibB
689,2;
ê die herren gesâzen, des was harte lanc ebd.
1899,1;
langer machen, ‘verlängern’
so mache wir danne mit ir rate den satz [die
Bestimmungen des Vertrages] aber langer UrkCorp
(WMU)
1126AB,4,6.
– auf sprachl. Äußerungen bezogen:
ob ich iu nu vil seite / und lange rede vür
leite / von mîner vrouwen meisterschaft Tr
7936.
12183;
lang umberede sî hin geleit ebd.
12435;
waz touc lanc ummecreizen?
HeslApk
9850;
nu waz hulfe danne rede lanc?
Iw
2295;
LivlChr
11669;
dise buochstaben [aeiou] sint ûz
gesundert / mit sô hôher wirdikeit, / daz diu rede lanc und breit /
würde, sölte ich si gar durch gründen Renner
22250;
formelhaft, etw. wære ze sagen ze lanc
u.ä.:
ez wâre ze sagenne alze lank / umbe die borch mâre
En
354.
7384
u.ö;
hie horet zuͦ groze bescheidenheit, die uns ze sagene
were ze lanc inde ze breit Lilie
54,34;
Ottok
42492
2.1.2
‘lange zurückliegend’
er gedâhte langer mære, diu wâren ê geschehen
NibB
1757,1
2.1.3
‘seit langer Zeit bestehend’
aber gemain läut, die wênik wizzent, slahent manger
langen wârhait ainen snellen kahtz [vgl. Glossar z.St.:
„schlagen über manche mühsam ergründete Wahrheit eine rasche Lache
auf, d.h. weisen sie durch Gelächter kurz ab” (vgl. auch →
kachez stM.)]
BdN
106,16;
hierher oder zu 2.1.1.2:
hie merke die toten die got liez ufsten: der erste der lach inme
huͦs, [...] der drite lach begraben,
[...]. der tote inme huͦs bezeichent die
bosen gedanken die den suͦndere vorleiten
[...]. der drite tote wart begraben, daz
geschit, swanne der arme suͦndere sich selber begrebet mit langer
gewonheit in den houbetsuͦnden PrLpz
31,5
2.2
mit näherer Bestimmung, von einer bestimmten zeitl. Ausdehnung
2.2.1
mit abhängigem (meist vorangestelltem) Gen.
2.2.1.1
Adj.:
und wærer [der Tag]
langer drîer slege [um drei Schwertschläge]
Iw
7406;
im ist der tac eins jâres lanc LobGesMar
60,5;
der eine tac in dûhte wol drîzec
tage [oder Akk.?] lanc NibB
659,3;
wâr der tach einer wochen lank En
11602;
ein wochen [oder Akk.?]
langer [eine Woche langer oder viele Wochen
langer] regen Wh
99,2
(unklar, ob Syntagma oder Kompos., s.a. unten
2.2.1.2 und →
wochenlanc
).
– formelhaft mit des (‘seitdem’ vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 76):
ir engel, hœhet iuwern sanc, / sît sich got hât
gejunget, des ist nû ze mâzen lanc [gar nicht (?) lange
her]
RvZw
217,2;
lâzen wir die bluomen rôt belîben, / die sint verdorben, des
ist niht ze lanc [das ist noch nicht lange
her] : / singen von den minneclîchen wîben
KLD: HvM
1:1,2;
ich sach einen rôten munt lieplîch lachen gein
mir senden: des ist niht ze lanc KLD: GvN
34: 2,2;
Eckh
2:61,6;
ähnl.
daz ich iuch niht ensach, / des ist nu lange zîte
Kudr
236,3;
in der antonymen Paarformel mit kurz:
ez was ie jenen her ein wint, / swaz mich
strît od minne twanc. / des sî kurz ode lanc / daz mich êrster
schilt übervienc, / sît ich nie grœzer nôt enpfienc
Parz
814,6
2.2.1.2
in adv. Gebrauch:
etelîcher, der drîer tage lanc / vor dem grôzem
leide niht âz noch entranc NibB
1072,1;
daz ich ir noch nie vergaz / eines halben tages lanc
HartmKlage
215.
–
wochen (oder Akk.?)
~
‘wochenlang’, unklar, ob Syntagma oder Kompos., s.a. oben
2.2.1.1 und →
wochenlanc
:
ich wolt ê wochen lanc hie stên
Wh
131,24;
sine möhtens wochen lanc verzern ebd.
234,28;
du ne kanst dichs nimmer wochen lanc vür mir irwern
Wartb (H)
440:10,9
2.2.2
mit vorangestelltem Akk.,
in adv. Gebrauch:
[die Blume] stât danne den sumer lanc /
schône ân allen getwanc HartmKlage
847;
swer sine guͦten winde lat in hungernot vuͦrterben /
den sumer lanc, / der mac des winters in dem sne vil lutzel mite
irwerben, / ir macht ist kranc Rumelant (K)
4:15,6;
ein pater noster lang Tauler
71,6
2.2.3
mit einem Vergleichssatz:
daz ir [Ihr] ir willekomen sît / zû alsô
langer zît, / sô ir mit ir wellet sîn En
624
2.3
in der adv. Wendung über lanc, übergehend zum Kompositum
(Zusammenrückung)
2.3.1
‘nach langer, längerer Zeit’
sô hine uber lanch sô sol got sîn in danch / ube wir
zeinem phaffen chomen, bitten in unser bîht fernemen Gen
555;
doh quam daz ingesinde / ubir lanc zeiner ture
SAlex
6863;
En
7780;
Albert
1531;
Pass I/II (HSW)
27659;
dar nâch über lanc dô kam ein künic der tet den juden
übel BuchdKg
30,8;
Hiob
6137;
in nam der kurzen reise / grôz angest unde vreise. /
iedoch genanter über lanc Tr
9117.
11683;
ichn weiz, wanne daz ergê, / über lanc oder schiere
Eracl
2655;
Kchr
7495;
Serv
3442;
Kröllwitz
1369;
KvWTroj
1779;
Pass I/II (HSW)
33709;
Ottok
16364;
PrNvStr
284,9;
oft mit Verba dicendi:
sô wil ichz gerne zellen / zeime bîspelle / her nâch uber lank, / daz
[...]
En
3793;
‘[...] her heizet’ sprach si
‘der Ê / und dar nâch NÊ.’ uber lank, / alsô sie diu minne
dwank, / ê si vollesprâche AS ebd.
1531;
Mai
63,33;
KvWTroj
22730.
27839;
HeslApk
9768;
EnikWchr
4339;
Ottok
45700.
41918.
53583;
vrâg ieman ihtes dînen lîp, / des gip antwürte im
über lanc! KvWTroj
15025;
nû riet im überlanc / her Ortolf vom Spital
Ottok
42444.
– negiert: ‘nach nicht langer Zeit’, oder litotisch
‘nach kurzer Zeit’
dô er mit selhen sorgen ranc, / dô wart bî im niht
über lanc / ein türlîn ûf getân Iw
1150;
do kamen sa / die lant lúte ubir niht ze
lang RvEWchr
8162;
nu quam dar nâch nicht über lanc / die künegîn an
die selbe stat HvFreibTr
4560;
Pass I/II (HSW)
39524;
niht ubir lanc / sprah er RvEWchr
5751.
10286;
Pass I/II (HSW)
34628;
dar nach nicht uber lanc, / so sicht si aber
dringen / eine schar von jungelingen / in durch di kirchtur ebd.
12822.
16346.
17432.
34640;
niht uberlanc dar nâ
[...] lac Wilhalm
[...] tôt Kreuzf
402;
darnach nit uber langk / di vogel liessen ir
gesangk HvNstAp
13165
2.3.2
‘lange Zeit (hindurch), lange’
desn prüeve ich niht der wochen zal, / über wie lanc
sider Parzivâl / reit durch âventiure als ê Parz
446,4;
uberlanc ich nicht verdage Hiob
839;
versayt ich [...] / den
armen was sy wolden han; / ab ich der witwen ougen twang / und tet sy beyten
uberlang / des ich ir da schuldic was; / [...] got
muze wesen mir gehaz! ebd.
11738
(vgl. Iob 31,16f.)
2.4
in adv. gebrauchten antonymen Paarformeln (vgl. Friedrich, PhrasWB, S, 258f.
und TPMA 8,231f.)
2.4.1
kurz oder ~
, ‘kurze oder lange Zeit’, in
Irrelevanzkonditionalsätzen:
ich trîbez kurz ode lanc, / sone weiz ich wiech ir
minne / iemer gewinne Iw
7792;
man gehœret nimer mêre, / diu werlt stê kurz
ode lanc, / sô wünneclîchen vogelsanc ebd.
605;
es stande kurtz oder lang, / ich wil sie im nemen sunder sinen dang
SalMor
31,1.
41,1;
ich gewynne ims an on seinen danck, / gesteet es dann kurtz oder lang
Dietr
2155;
Ottok
27508;
KathW
847.
– statt lanc vereinzelt auch lange
Adv.:
swaz ir der vîgertage arbeitet, daz ez iu niemer nütze wirt. ez stê
lange oder kurz, so nimet dir ez got ie an den andern enden wider abe
PrBerth
2:269,34
2.4.2
über kurz oder/ unde ~
u.ä.
–
‘früher oder später, irgendwann’
wî uber churz jouch lanch
ime [Joseph] untertân was daz lant
Gen
2502;
gwinnen wir ez doch wolden / an ir aller danc /
vber kvrc oder vber lanc Herb
6584;
herr, des halb nim mich zuͦ dir
úber kurz ald úber lang Seuse
307,26;
der herzoge enwolde dannen komen / ê er mit ellenthafter hant /
dez liut über al daz lant / über kurz und über lanc / alsô gewalteclîch
betwanc / daz sime den zins sît gâben ErnstB
4879;
Elis
5435;
den vrœlîchsten ganc, / den ich über kurz
und über lanc / ie bî mînen zîten gie EnikFb
4144;
in negierten Sätzen:
ez enmac nimmer geschehen / daz ich iuwer wîp werde / ode iemens
ûf der erde / über kurz od über lanc Er
6296;
ôwê dînes reinen herzen! / dar în dhein valsch
gedanc / über kurz und über lanc [zu keinem Zeitpunkt,
nie] / kom, des biut ich mînen eit
EnikWchr
2222;
irn trôstet iuch niht ûf mîn
wer [meinen Schutz] : /
[...] ir müezt hie kiesen den tôt. / dâ von
sô habt dheinen gedanc / über kurz und über lanc [zu keinem
Zeitpunkt, gar nicht] / ûf die helfe mîn
EnikFb
3712.
–
‘stets, immer’
der heiden kint besunder / liez er elliu genesen.
/ die juden muosten tôt wesen, / wan er hêt den gedanc / über kurz und
über lanc, / von wem er den tôt solt kiesen / und daz leben verliesen, /
den tœtte man dar under EnikWchr
6450;
ich hân von got wunniclîchen lôn, /
[...] des wil ich immer sagen danc / über
kurz und über lanc / got dem vil reinen trehtîn, / sîn diener wil ich
immer sîn ebd.
11850
2.5
in der Konstr. ie ~
+ Komp. ‘je länger ..., umso ...,
stetig’
→
ielanc
Adj.
2.6
in der konjunktionalen Verbindung mit sô
‘solange, wenn’ (s.a. →
lange
Adv. 1.3):
wie daz [ein Kind zu bekommen]
scolte werden, / sô lang si [Sara] niunzich jâre alt
wâre, zehenzich Abraham ire hêrre Gen
887
(vgl. Gn 18,10ff.); ähnl.
so lanch so [...]
GenM
38,16;
so lanc [La. so lange
so
] daz paradis uf dirre erden ist, warumbe múge
wir dar in nith comen? Lucid
14,1;
so lanc so die sunne niemer kumet uz den zwelfen zeichen,
wie kumet es, daz die manode alle iar nith gelich sint? ebd.
47,5
3
wohl Terminus technicus, ‘lang’, bezogen auf den Umfang des
Strophenschemas, irgendeine musikmetrische Eigenart oder die amplificatio der
Rhetorik (vgl. Wapnewski, Wolfr., S. 212f. und Wachinger, Sängerkrieg, S. 110, Anm.
42):
her Walther singet, swaz er wil, / des kurzen und des langen vil, / sus mêret
er der welt ir spil Walth
18,12;
ich wæn daz allez sîn gesanc, / beide kurz unde lanc, / sî got niht sô wol
gevallen WälGa
11219;
dîn güetlîch gelâz mich twanc / daz ich dir beide guot singe
al kurz oder wiltu lanc MF:Wolfr
6: 4,6;
diu tageliet maniger gern sanc: / ze mâzzen kurz, ze mâzen lanc / was diu
wîse, daz ist alsô, / ze rehte nider unde hô UvLFrd
513,28;
gegen dem winder ich dô sanc / ein tanzwîse ze mâzen lanc / und kurz ze rehter
mâze gar ebd.
418,24;
swa du den sanc zu kurz, zu lanc erverst, / den soltu smehen!
Frl
5:122,12
MWB 3,2 843,9; Bearbeiter: Tao
lancbeinic
Adj.
‘langbeinig’
als der heuschrecke: swie tief er in dem grase lît, sô wirt er doch niemer
veizter, er ist alle zît mager und lancbeinic unde snâkelt PrBerth
1:368,35
MWB 3,2 850,56; Bearbeiter: Tao
lancbeiten
stN.
‘Beharren, Langmut’
di virde frucht [des Hl. Geistes]
ist gedult in widermude. di funfte ist lancbeidin in hoffenunge [vgl.
longanimitas Gal 5,22] . di seiste ist gude
Parad
71,29
=
HvFritzlHl
183,8
MWB 3,2 850,60; Bearbeiter: Tao
lancbeitic
Adj.
‘geduldig’
doch ist das guͦt alter gerne langbeitig und es getrúwet got
alleine Mechth
7: 3,14
MWB 3,3 851,1; Bearbeiter: Tao
lancbeiticheit
stF.
‘Beharrlichkeit’
wie wir got liden súllent in allen sinen goben, in allen
sinen búrden mit rehter langbeitekeit Tauler
395,4;
mit gedultiger volhertlicher langbeiticheit EngelbTr
71
MWB 3,3 851,4; Bearbeiter: Tao
lancbeitsamkeit
stF.
‘Beharrlichkeit’
wie man die geburt [Gottes (in der
Seele)] suͦchen sol und vinden muͦs in dem liehte der gnoden mit
undergange des natúrlichen liehtes durch langbeitsamkeit in den begerungen
Tauler
20,17
MWB 3,3 851,8; Bearbeiter: Tao
lancbeitunge
stF.
‘das Ausharren, Langmut’
di ungwenta [vgl. unguentum Ct
4,10]
[...] / ist lang beitunge an der
stunde / und vorchtnisse aller sunde Brun
12175
MWB 3,3 851,13; Bearbeiter: Tao
lancgemüete
stN.
‘Langmut’
die reinen vruht / der rehten werke: daz ist zuht, / minne,
vreude, vride, güete, / triuwe, milte, lancgemüete, / enthabunge, gedultekeit /
gotlîcher arbeit, / und daz man gedenke niht / ze übel der übelen geschiht
RvEBarl
4046
MWB 3,3 851,17; Bearbeiter: Tao
lancheit
stF.
‘Länge’, bezogen auf die Zeit:
swen des tages verdriuzet und im diu zît lanc ist, der kêre sich in got, dâ
kein lancheit enist, dâ alliu dinc inne geruowic sint Eckh
2:82,2;
sant Augustinus sprach: ‘es engelit nút an langheit der zit
noch an vilheit der werke, sunder an grosheit der minne’ Tauler
338,22;
daz funfte: daz die langheit des dinstes gotis oder di hertikeit
in [den Menschen] nimer verdrize, sunder iz luste in
io mêr und mêr HvFritzlHl
96,23
MWB 3,3 851,23; Bearbeiter: Tao
lanchûs
stN.
‘Kirchenschiff’
ditz heilige gotes hûs daz hat vier wende enzwai getailt. daz uzer tail daz
haizet ein lanchus, daz inner tail daz haizet ain chor. in dem lanchûs da stent die
laigen inne, in dem chor da stet diu pfaffhait unde der altær inne Konr
(Sch)
97,31f..
–
‘einem Kirchenschiff ähnlicher, länglicher Raum eines Spitals (mit einer
Kapelle)’, in unklarem Kontext:
wer aber, daz der spitalmeister oder sein hausvraw oder diener oder dienerinn,
die in das lanchovs nicht gehoͤrent, stuͤrben, sprechen wir, daz die an messe werden
getragen zu dem chloster, vnd daz in da recht wvrd begangen. swelich siech aber in
dem lanchovs stirbet, daz der bei der messe da inne steͣ, vnd daz man in darnach zu
dem vreythof trage, vnd in da begrab UrkKlostern
1,302
(a. 1344)
MWB 3,3 851,33; Bearbeiter: Tao
lanclëben
stN.
‘langes Leben’
Matusalemes lanc leben Lucid
153,4;
er [Gott] wolt
im [Salomon] eine gabe geben: / daz er næme lanc leben
/ ode wisheit ode rihtuͦm / ode daz er næme den ruͦm StrKD
123,4.
137,197.
166,101;
daz vierde gebot: dû solt êren dînen vater unde dîne muoter, daz dû lancleben
habest PrBerth
1:275,20;
an gesuntheit des lîbes und an lanclebene ebd.
1:35,26;
als got sprichet: ‘wider gebt / die zît iuwers lanclebens’
Helbl
9,59;
mir behaget diu werlt niht sô wol; / [...] ir süezer
lôn ein bitter nôt, / ir lanclîp [La. lang
leben
] ein gæher tôt AHeinr
712;
PrHess
66,262;
Dalimil (B)
68,271
MWB 3,3 851,49; Bearbeiter: Tao
lanclëbic
Adj.
‘lange lebend’
bistu [...] rîch als Krêsus der rîche man, /
lanclebic als Matûsalam Renner
21019
MWB 3,3 851,62; Bearbeiter: Tao |