lantschal
stM.
‘im Land umgehende Nachricht, öffentliches Gerede, Gerücht’ (vgl.
lantmære
):
die hêrren sprâchen alle: / an disem lantschalle / ist lützel
êren bejaget Tr
11266;
daz ez niht alsô geschach, / als der lantschal sagete ebd.
9305.
9769;
ich wil von hinnen varn / und den lantschal bewarn / daz
beide der und der iht jehe / wie grôz laster mir geschehe RvEAlex
9026
MWB 3,3 883,46; Bearbeiter: Diehl
lantschande
stF.
‘Schande, schlechter Ruf in einem Land, einer Gegend’
wan daz ein mensche hie ze schanden würde vor allen den die in disem lande
sint, daz wære niht ein werltlîchiu schande, daz heizet niwan ein lantschande. daz
heizet ein werltlîchiu schande, der an dem jungesten tage ze schanden wirt vor aller
der werlte PrBerth
1:571,18
MWB 3,3 883,54; Bearbeiter: Diehl
lantscheffe
swM.
‘Beisitzer, Schöffe bei einem Land- oder Dorfgericht’ (vgl. DRW 8,613f. mit
weiteren Belegen):
czu glicher wis sullen si ouch werltliche gerichte suchin: di lantschephin des
hostin richters dink obir sechs wochin undir herczogin banne
RbNeumarkt
130
MWB 3,3 883,61; Bearbeiter: Diehl
lantscheide, landesscheide
stF.
1
‘Grenze, Grenzgebiet’
2
‘Grenzfestlegung, Landeseinteilung’ (vgl.
lantbescheidunge
)
1
‘Grenze, Grenzgebiet’
von der stat, dar der Vule Ober velt [mündet] in
die Oder nyder biz in die landisscheyde zu Drozen, daz scal use landisscheid
beydersit sin UrkSchlesFürst
1:126,2
(a. 1319);
er breite sime volke wit / die lantscheide bi siner zit
[
dilatavit fines gentis suae I Macc
14,6] / unde behielt des riches lant Macc
6382
2
‘Grenzfestlegung, Landeseinteilung’ (vgl.
lantbescheidunge
):
discretio terminorum que vulgo dicitur lantschede UrkWürtt
3,117
(a. 1220);
die selben gâbe rîche / gab der kunic Waldemâr / dem dûtschen hûse, daz ist
wâr, / durch got von himelrîche; / der lônet ez êwiclîche. / die lantscheide wart
beschriben, / die ummer sider stête ist bliben, / die kein man gebrechen mac / biz
an den jungesten tac LivlChr
2061
MWB 3,3 884,3; Bearbeiter: Diehl
lantscheidunge
stF.
‘Grenzfestlegung, Landeseinteilung’ (vgl.
lantbescheidunge
,
lantscheide
2):
von der lantscheydunge wegen, die vnser herre keyser Lodewig vns gegebin hat,
die stat do von zu bezzerne UrkArnsb
419
(a. 1334);
daz nyman zu der lantscheydunge solde kummen odir zugen
UrkDOHess
3:291,22
(a. 1341)
MWB 3,3 884,20; Bearbeiter: Diehl
lantschirm, landesschirm
stM.
Rechtsschutz, Gewährschaft gegenüber dritten (v.a. bei Einweisung
in ein gepfändetes Gut, vgl. DRW 8,611f.):
vnd haben ouch gelobt rehten landes scherem vber daz selbe guet gegen allen
den, di hinz dem selben guet furbaz iht schprechen gewinnent UrkCorp
(WMU)
N710AB,40,33;
ovch glob ich minem vorgnantem herren [...], daz ich
der vorgnanten levt vnd guͦt sin gwer sein sol, als reht ist, vnd ich im
[...] siv sherme nah rehttem lantsherme ebd.
3418,4;
StRBrünn
273.
– in der Wendung sich ze ~ setzen
‘sich als Gewährsmann setzen’
setzt auch sich vmb daz selb halb lechen [...] mein
bruder meiner tochter Chvnegvnten vnd meinem aidem [...] ze
rechtem vogt vnd zv einem rechten lantscherm, als landes recht ist in Osterreich
UrkCorp (WMU)
356,39
MWB 3,3 884,27; Bearbeiter: Diehl
lantschouwære
stM.
‘jmd., der Länder (bereist und) anschaut’
eyn edil man und eyn wyser herre, Marcus genant, eyn burger czu Venedige, eyn
merverer und eyn lant schower, der sayt manchirleyge wyse tat
MarcoPolo
1,5
MWB 3,3 884,44; Bearbeiter: Diehl
lantschranne
F.
‘Landgericht’ (pars pro toto nach der (Richter-)bank; vgl. →
schranne
und DRW 8,615 mit weiteren Belegen):
vnd von den gvten ist des ersten ouzgenomen vnser graschaft, di vns ledich ist
worden mit dem lantgeriht vnd mit allem dem reht, daz darzvͦ gehoͤrt vnd swelichiv
reht div grafschaft haben sol, der sol man vrogen an der lantschranne in der
grafschaft UrkWittelsb
2,135
(a. 1305);
vns hant geclagt vnser lieben burger ze Wirtzburg, wie du sie ladest vf din
geriht vnd vf din lantschrannen, daz wider ir friheit ist die si von vnsern voruarn
kunigen vnd keysern von alter her braht vnd gehebt hant UrkWürzb
39,499
(a. 1333);
UrkHohenz
3,73
(a. 1341)
MWB 3,3 884,49; Bearbeiter: Diehl
lantschrei
stM.
‘Ankündigung eines Landgerichtstags’
ad vocem preconum iusticiarii nostri dicte comicie, quod vulgariter dicitur
lantschreie DRW
8,618
(Gudenus,CDMog.; a. 1237)
MWB 3,3 884,63; Bearbeiter: Diehl
lantschrîbambet
stN.
‘Amt des →
lantschrîbære
’
von dem abte Engelbreht / vordert der furste junge / sîn vor
genant reitunge / von dem lantschrîbamt Ottok
69688;
den man dô sach dienen / daz lantschrîbamt in Stîrlande, /
Albreht man den nande ebd.
78508.
82934
MWB 3,3 885,3; Bearbeiter: Diehl
lantschrîbære
stM.
1
‘Landschreiber, Inhaber (höherer) Funktionen in einer landesherrlichen
Kanzlei’ (v.a. bezogen auf die oberste Finanzverwaltung in Österreich,
Steiermark und Krain; vgl. differenzierter mit weiteren Belegen DRW 8,618– 623; zur
Sache vgl. 2 HRG 3,589ff.) 2 selten nur ‘Schreiber’ (im Rahmen einer Grundherrschaft?) (hier teillat.) 3 selten
lantrëhtære
1
‘Landschreiber, Inhaber (höherer) Funktionen in einer landesherrlichen
Kanzlei’ (v.a. bezogen auf die oberste Finanzverwaltung in Österreich,
Steiermark und Krain; vgl. differenzierter mit weiteren Belegen DRW 8,618– 623; zur
Sache vgl. 2HRG 3,589ff.):
di chlage vnd denselben schaden, di nam brvder Chvnrat der lant schriber vnd
ander pidib [l. biderbe
] levt vnder di hende
UrkCorp (WMU)
3259,20;
sîn kündigen gewin, / den sent er zuo der Etsch hin. / ich klag iu über die
predigær, / die habent des silbers sagerær [Schatzkammer (vgl.
Anm.z.St.)] , / den lantschrîbær, an sich gezogen: / dâ ist der
herzog mit betrogen Helbl
5,51;
ouch was zder selben zît / hie ze Stîre lantschrîbære / her
Kuonrât der Hintpergære Ottok
18529;
daz was den herren swære, / daz ein phaffe [der
Abt von Admont] lantschrîbære / unde houbtman solde wesen ebd.
24315.
18628
u.ö.
2
selten nur ‘Schreiber’ (im Rahmen einer Grundherrschaft?) (hier
teillat.):
item 5 quartalia plavii de Dorn [<5/4> blaues (Tuch) aus
Tournai] lanscriptori [l.
lant-
]
Holzschuher
2089
3
selten →
lantrëhtære
:
rachinburgius: lantrehtari, lantscribere SummHeinr
1:287,253
MWB 3,3 885,9; Bearbeiter: Diehl
lantschrîbærinne
stF.
‘Schreiberin’ (im Rahmen einer Grundherrschaft?):
lantscreiberinna lib. 2 minus 24 hall. ante maritum eius
Holzschuher
1774
MWB 3,3 885,33; Bearbeiter: Diehl
lantschulde
stF.
auch lont-.
‘Bodenzins, Abgabe auf Land’ (z.T. wohl als Pfand zu sehen):
vnd schol er vnd wil auch dev lont schuld vnd allen dienst chlainen vnd
grozzen in nemen vnd damit tuen swoz er wil UrkObAltaich
166
(a. 1325);
an alle lantschvld bestiften UrkCorp (WMU)
1517,34;
darumb hat er mir gegeben drew phund ze lontschuld UrkRegensb
302
(a. 1328);
ich wil auch, daz der hof fuͤrbaz an lantschuld beleib ebd.
605
(a. 1345)
MWB 3,3 885,37; Bearbeiter: Diehl
lantsëʒʒe
swM.
‘Landsasse, im Land Ansässiger’ (hier ein dem untersten Stand der
persönlich Freien angehörender Mann, vgl.
lantsæʒe
):
die dritten vreien daz sint die lant sezzen. vnd die gepauren. der hat
igleicher sunder recht SpdtL (E)
Ldr 3
MWB 3,3 885,47; Bearbeiter: Diehl
lantsidel
stM. , -sidele
swM.
auch -sedel(e).
‘Landsasse, im Land Ansässiger’ (überw. bezogen auf Pächter
und zinsende Bauern; vgl. AWB 5,635 mit älteren und DRW 8,628ff. mit weiteren
Belegen; zur Sache vgl. 2HRG 3,594f.):
quatuor incolis, qui vulgo lantsedelen nominantur UrkWürtt
3,21
(a. 1215);
die selbin eygenen luͦte vnde lantsedelin die en zu deile wordin sint
UrkWürzb
39,364
(a. 1329);
unde waz lantsiddelin da uffe sitzit dy solint ir rechtin holtzmarke unde
anders alle dy recht dy andere lude unde merkere hant dy solint ouch si han
UrkSiegen
130
(a. 1337);
wirt abir eins edlin mans oder eins burgmans lantsidel beclaget an mins herren
gerichte vm schult, begert he des, so sal man in wisen vur sien lehinherren
WeistGr
3,340
(a. 1347);
des lantsedils lehenherre UrkFrankf
1,422
(a. 1303);
der lantsidele ebd.
1,422
(a. 1303)
u.ö.
MWB 3,3 885,53; Bearbeiter: Diehl
lantsidel
Adj.
auch -sedel.
nur in der Wendung nâch/ ze lantsideleme rëhte (vgl.
lantsidelrëht
):
sollen demselben commendure und bruderen nach lantsidelme rethe gelden und
reychen alle iar zu pachte sehes ahteyl kornes UrkFrankf
2,172
(a. 1323);
zu lantsedeleme rechte umme seczig maldir [...]
kornis UrkDOHess
2:423,26
(a. 1333);
zuͦ lantsidelmerechte 2 fleysschirren [Fleischbänke,
-verkaufsstände] und eyn hus daran UrkFriedb
141
(a. 1342)
MWB 3,3 886,7; Bearbeiter: Diehl
lantsideldinc
stN.
Gerichtsversammlung der →
lantsidel
:
sye mochten off den guten ein landsiedell dincke besitzen vnd nemen von dem
landsiedel, der solch gult ader czinse versessen hatte, nach der andern landsiedell
vrtheil DRW
8,630
(WertheimUB; a. 1348)
MWB 3,3 886,17; Bearbeiter: Diehl
lantsidelguot
stN.
nach →
lantsidelrëht
verliehenes Gut (vgl. DRW 8,631 mit
zahlreichen jüngeren Belegen):
auch ist von alder recht, wer da lantsidelgud in dem gerichte hat, daz der den
lantsydel nicht vertryben en sal vmb hoer phacht willen DRW
8,631
(ZHessG.; a. 1354)
MWB 3,3 886,23; Bearbeiter: Diehl
lantsidelrëht, landessidelrëht
stN.
auch lantsideln-.
Gesamtheit der für
lantsidel
jeweils geltenden rechtlichen Bestimmungen (vgl.
DRW 8,631f. mit weiteren Belegen; zur Sache vgl. 2HRG 3,594f.):
iure coloneario, quod in vulgari dicitur lantsyͤdelnreich
UrkFrankf
2,127
(a. 1321);
daz wir Ulrichen dem Prenn haben lazzen vnd gelihen vnser aigen ze Ternpach,
[...], nach lantz gewonhait ze lantzsidelreht
UrkEnns
4,528
(a. 1307)
u.ö.
MWB 3,3 886,29; Bearbeiter: Diehl
lantsihtic
Adj.
‘allgemein (im Land) bekannt’ (vgl.
lantkündic
2):
als daz nu wol lantsihtig und schinlich worden ist an ertbideme unde an
grossen plagen SpeyrerP
58
MWB 3,3 886,38; Bearbeiter: Diehl
lantsilber
stN.
‘Silberwährung eines Landes’ (vgl.
lantmünze
;
lantphenninc
und DRW 8,633 mit weiteren Belegen):
daz der vorgenante herre von Volde sal den zwein gebruͦdern
[...] geben [...] zweinzik
mark silbers, daz da heizet lantsilber UrkCorp (WMU)
1254,28
MWB 3,3 886,42; Bearbeiter: Diehl
lantsite, landessite
stM.
‘Landessitte, Landesbrauch’
her sach dâ sitzen unde stân / manege maget wol getân / und manech wol getânez
wîb / die wol heten ir lîb / gezieret nâch ir lantsiten En
12861;
woldestu mich dînen lantsite / lêren, daz dient ich umb dich
PleierMel
5034;
UvZLanz
265;
Tr
2828;
daz si solden walten / ir lantsit und ir alten reht
Ottok
1701;
dâ von sol man dem rihter dienen; daz ist etwâ lantsite und
etwâ niht SpdtL
116,5;
so welle wir [...] daz selbe lehen verantwurtten an
aller stat vnt sin sherm vnd gewern sein vor allem reht ainz vnd dreizzich iar vnd
ain tach nach lands sit, als aigens reht ist UrkCorp (WMU)
3365,19
MWB 3,3 886,48; Bearbeiter: Diehl
lantsnat
F.
‘Grenzstein’ (vgl. s.v. schnat DRW 12,961f. mit jüngeren Belegen
und DWB 9,1143; vgl. auch Schiller/ Lübben 4,269 snât):
sullen sie alle vorbenomte grunde mit landschnaden besetten DRW
8,613
(Wallraf; a. 1301)
MWB 3,3 886,62; Bearbeiter: Diehl
lantsnëcke
swM.
‘Landschnecke’
ez sint vierlai sneken. die êrsten sint lantsneken, die auf
dem land wonent, in den gärten und in den wälden BdN
258,27
MWB 3,3 887,3; Bearbeiter: Diehl
lantsprâche
stF.
1
‘Landessprache, in einem Land gesprochene Sprache’ (vgl.
lantwort
) 2
‘beratende Versammlung eines Landes, Landtag’ (vgl. DRW 8,634f. mit
jüngeren Belegen; s.a.
lantgerihtgespræche
und
lantvrâge
)
1
‘Landessprache, in einem Land gesprochene Sprache’ (vgl.
lantwort
):
dazs aber alle stille swigen, / dem lantgesinde rede
verzigen, / daz geschach durch die geschiht: / sin kunden der lantsprâche niht
Tr
10874.
8701;
alsus saztin der kúnig fúr / al die sine ubir al sin lant,
/ in der lant sprahe er wart genant / des landes behaltêre RvEWchr
7429;
owê der lantsprâche, / in der mîn künne wart geborn! / die
muoz ich leider hân verlorn / und fremde zungen üeben KvWTroj
22616;
Renner
22287
2
‘beratende Versammlung eines Landes, Landtag’ (vgl. DRW 8,634f. mit
jüngeren Belegen; s.a.
lantgerihtgespræche
und
lantvrâge
):
do wart ein lant sprage / gebodin hin zo Ache / dar uil
manich urome man / mit sime her gesellen quam Roth
5010.
5033.
5079
MWB 3,3 887,7; Bearbeiter: Diehl |