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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
      lîpgedingede stN.
      lîpgedingen swV.
      lîpgedultic Adj.
      lîpgeræte stN.
      lîpgeziuc stN.
      lîphabede stF.
      lîphaft Adj.
      lîphafte stF.
      lîphaften swV.
      lîphaftic Adj.
      lîphafticheit stF.
      lîphafticlîche Adv.
      lîphaftigen swV.
      lîpheit stF.
      lîpkorn stN.
      lîplich Adj.
      lîplîcheit stF.
      lîplöchel stN.
      lîplôs Adj.
      lîpnar stF.
      lîpnaric Adj.
      lîpnarunge stF.
      lipparêâ Subst.
      lippe swF.
      lippenlappen swV.
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lîpgedingede - lippenlappen    


lîpgedingede stN. Bez. für ein lebenslanges Nutzungsrecht an i. d. R. für das Auskommen notwendigen Gütern sowie Bez. für diese Güter selbst, ‘Leibgedinge’ (vgl. DRW 8,1076 und bes. z. Sache 2HRG 3,800-803 s.v. Leibzucht; s. ferner lîpgedinge ): der wingart [...], den ich han ze ainem libgedingede von den erberen herrun abbet Eberhart vnd der samenunge des closters Zviwltvͦn UrkCorp (WMU) 2450,27; dhe vrowe van Zassen, dher junghen hertzoghen muͦder, dhe scal in dheme vor benomenden tollen twe hundert march an lip ghedingede behalden ebd. 2438,1; DRW 8,1076 (ZGO.; a. 1256)

MWB 3,3 1188,40; Bearbeiter: Luxner

lîpgedingen swV. ‘jmdn. mit einem → lîpgedinge ausstatten’ wer auer, daz vnser ainer ain hausfraun hiet vnd die gemargngabt hiet vnd geleipgedingt UrkCorp (WMU) N514,29

MWB 3,3 1188,53; Bearbeiter: Luxner

lîpgedultic Adj. ‘sich leiblichen Begierden hingebend’, hier subst.: daz Finees in [Gott] rach / an den lib geduldigen [vgl. Nm 25,6-13] HeslApk 2931

MWB 3,3 1188,57; Bearbeiter: Luxner

lîpgeræte stN. was zum Leben notwendig ist, ‘Lebens-, Nahrungsmittel’ (s. a. lîpnar und lîprât ), hier übertr.: si truogen verborgen / innerthalp der wæte / daz beste lîpgeræte, / daz man zer werlde gehaben kan. / [...] / daz was diu reine triuwe; / diu gebalsemete minne, / diu lîbe unde sinne / als inneclîche sanfte tuot, / diu herze vuoret unde muot: / diu was ir bestiu lîpnar Tr 16826

MWB 3,3 1188,61; Bearbeiter: Luxner

lîpgeziuc stN. Bez. für ein lebenslanges Nutzungsrecht an i. d. R. für das Auskommen notwendigen Gütern sowie Bez. für diese Güter selbst, ‘Leibgedinge’ (vgl. DRW 8,1090f. und bes. z. Sache 2HRG 3,800-803 s. v. Leibzucht; vgl. lîpdinc , lîpgedinge sowie lîpzuht ), hier im Rahmen der Witwenversorgung: lipgeczuk mak den vrowen nymant gebrechin, wedir na geborn noch erbe noch nymant, uf den daz gut irstirbit, si en vorwirke is selbir, alzo daz sie obizboume us houwe adir lute von dem gute vortribe, di czu dem gute geborn sint, adir czu welicher weis si ir lipgeczuk us von irre were [Besitzrecht] lesit RbNeumarkt 134; SSp (W) 3:38,4

MWB 3,3 1189,5; Bearbeiter: Luxner

lîphabede stF. hier lîfhovede. ‘Leben, Leiblichkeit’ dat is wider muͦde van wereltlichen schanden, ove van dode [Absterben] irer lifhovede, ove van ires selves sucheden Lilie 3,33

MWB 3,3 1189,19; Bearbeiter: Luxner

lîphaft Adj. auch liep- ( HvNstAp 7084 ) und lieb- ( Vät 1490 ). 1 ‘lebendig, lebend’
2 ‘körperlich, einen (vergänglichen) Körper habend’ , im relig. Sinne auch ‘vergänglich, weltlich’
3 ‘leibhaftig, persönlich’
   1 ‘lebendig, lebend’ die storben und irstunden san / und vuren [...] / uf in den himel al liphaft HeslApk 19989; daz Enoch und Helyas der wise / vor aller diet durch wunder liphaft behalten sint in paradise JTit 83,4; so liebhaft sie vunden / Antonium, den Gotes degen Vät 1490; MarHimmelf 1503; Pass I/II (HSW) 26320. – ‘vital, voller Lebenskraft’ si gewunnen von ir [ der wurtzen ] hohe kraft, / das sy wurden liephaft HvNstAp 7084; daz ich lîphaft und gesunt / belîben sol ûf erden KvWTroj 20582; Vät 1502. 16387    2 ‘körperlich, einen (vergänglichen) Körper habend’, im relig. Sinne auch ‘vergänglich, weltlich’ dâ von [vom Kontakt mit der Zeit/  Vergänglichkeit] wirt si [die Seele] wandelhaftic und geneiget ûf lîphaftiu dinc Eckh 2:134,4; alle crêatûren, die lîphaft sint ebd. 2:567,6. – ‘stofflich, gegenständlich, materiell’ swâ ez [ daz lieht ] sich ûf giuzet, daz beroubet ez zît und stat und aller lîphafter bilde [Vorstellungen] und alles des, daz vremde ist Eckh 2:347,3; das der liphafte himel vnd dv̍ svnne vnd och die sternen, das die als wenung hant ze tvͦnde mit der zit, nicht want das si echt rvͦrent die zit ebd. 2:456,4    3 ‘leibhaftig, persönlich’ Got ist so chuone, daz der unchustige tievel / vernemen noch ergrunden mach dei gotes tougen liphaft MillPhys 35,2; des muoz man wol der megde jehen / [...], / die Got lîphaft ze himel nam RvZw Leich 70; als nimt der priester Gotes brot / unde sin liphafte blut HeslApk 13137. 12218; LBarl 12006

MWB 3,3 1189,23; Bearbeiter: Luxner

lîphafte stF. ‘Menschwerdung, Inkarnation’ daz er [das Einhorn] luzzil ist unde guot, daz meinet diu diumuot / siner [Christi] liphafte MillPhys 34,2; JPhys 3,24. 3,27

MWB 3,3 1189,54; Bearbeiter: Luxner

lîphaften swV. auch ge-. ‘mit Leben, Vitalität ausstatten, lebendig machen’ glicher wis also got den geist / der vil edelen sele inguzet / und in vlizende inschuzet, / also liphaftet di sele den lib [ sic anima inflat corpori ] Brun 7264; in den selben namin bit ich tich / daz tu gelibhaftos mich Paulus 43

MWB 3,3 1189,58; Bearbeiter: Luxner

lîphaftic Adj. 1 ‘lebendig, mit Leben ausgestattet; lebensfähig’ in Bezug auf die weltliche, körperliche Existenz (eng verknüpft mit 2 )
2 ‘einen (vergänglichen) Körper habend, körperlich’ , im relig. Sinne auch ‘vergänglich, weltlich’ (nicht immer deutlich zu trennen von 1 )
3 ‘leibhaftig, persönlich’
   1 ‘lebendig, mit Leben ausgestattet; lebensfähig’ in Bezug auf die weltliche, körperliche Existenz (eng verknüpft mit 2): in den stunden was diu sælig zît, daz der sun sant Marîen, [...], in dirre werlt was lîbhaftiger PrStPaul 121,28; sô werden die lên den herren ledig, ab ez kint bewîset wirt und gesehn alsô grôz, daz ez lîbhaftig mochte wesen SSp (W) 1:33; wanne der mane zu nimit, so sint alle creature liphaftiger und creftiger di danne werdin inphangin, dan alse he abe nimit Parad 86,3. 129,23; KvMSph 12,12; Hiob 15332. – subst.: helementa heizen vir ding, / ane der hulfe nicht mag werden / geborn liphaftigez uf erden Brun 7064. – auch ‘Leben spendend, belebend’ ich bit dich herre durch ditze wihez und liphaftigez [ vivificum ] unde erwirdigez tovgen und durch die micheln craft dines heiligen lichnamen und dines heren bluͦtes LambGeb A,3. B,4    2 ‘einen (vergänglichen) Körper habend, körperlich’, im relig. Sinne auch ‘vergänglich, weltlich’ (nicht immer deutlich zu trennen von 1): daz ist reinicheit des herzen, daz gesundert ist und gescheiden von allen lîphaftigen dingen Eckh 1:359,3 u. ö.; daz di creaturen liphaftic sin und vallin uf ein forderpnisse und uf eine fordrossinheit Parad 40,15. 84,13; ThvASu 236,26. – von Unbelebtem ‘stofflich, gegenständlich, materiell; fest’ diu stimm ist ain behender luft, geslagen oder geprochen zwischen zwain herten leibhaftigen dingen BdN 15,26 u. ö.; wan ez [was durch Augen und Ohren der Seele zugebracht wird] ist verwunden mit varwe und mit dône und mit lîphaftigen dingen Eckh 2:192,4. 2:347,3(La.); KvMSph 26,17. – ‘körperlich hervorgebracht’ ob der mensche kranc oder alt ist, daz he liphaftiger werke nicht formac, so halde he sich an di innewendigin geistlichin werc, di edilir und grozir sin for gode dan di uzwendigen werc Parad 41,17    3 ‘leibhaftig, persönlich’ das wir [...] von im unser hertzogtum, furstentum, herschaft und land entphahen und im hulden und leibhaftig sweren MGHConst 8:673,16 (a. 1348); wie er [Christus] sich lîphaftic birget in ein brôt Boppe 1:11,16; Daniel 5990. – im Zusammenhang mit 1gewer meist in der Wendung ~ (gewalt unde) gewer: vnd seze wir die selben herren von Thennibach in liphaftige gewer des selben gvͤtes UrkCorp (WMU) 1341,22; vnd han die selben herren gesezet in liphaftigen gewalt vnd gewer des selben gvͤtes ebd. 870,39. 1678,1

MWB 3,3 1190,1; Bearbeiter: Luxner

lîphafticheit stF. ‘Körperlichkeit, Gegenständlichkeit’ ouch meinet daz wort, sô man sprichet mensche, etwaz, daz über natûre ist, über zît ist und über allez daz, daz ze der zît ist geneiget oder nâch zît smacket, und daz selbe spriche ich ouch von stat und von lîphafticheit Eckh 5: 116,1; swer âne allerleie gedenke, allerleie lîphafticheit und bilde inne bekennet, daz kein ûzerlich sehen îngetragen enhât, der weiz, daz ez wâr ist ebd. 5: 60,19

MWB 3,3 1190,50; Bearbeiter: Luxner

lîphafticlîche Adv. ‘auf körperliche Weise’ ze dem ûzerlîchen menschen hœret allez, daz der sêle anehaftende ist, begriffen und vermischet mit dem vleische, und hât ein gemeine werk mit einem und in einem ieglîchen gelide lîphafticlîche als daz ouge, daz ôre, diu zunge, diu hant und des glîche Eckh 5: 109,14

MWB 3,3 1190,60; Bearbeiter: Luxner

lîphaftigen swV. auch ge-. ‘(wieder) beleben, mit Leben ausstatten, lebendig machen’ (i. d. R. als Übers. für lat. vivificare): der herro totiget unde libhaftiget [interl. zu mortificat et vivificat ] WindbCant 123. 122; ih gloube in den heiligen geist / der gelibhaftegit aller meist Glaub 1659; PsWindb 142,11 u. ö. – hierher oder i. S. v. ‘am Leben halten’ (vgl. Leipold, Verbabl., S. 227): obe ih gen in mitten dere note. mue [=müeje] du libhaftigest mih [interl. zu si ambulauero in medio tribulationis uiuificabis me! ] PsWindb 137,7

MWB 3,3 1191,3; Bearbeiter: Luxner

lîpheit stF. ‘Leiblichkeit, Körperlichkeit, Materialität’ kunst und wisheit ist ein luter liecht bekentnisse [geistige Erkenntnis] daz gezogin [abgelöst] ist von lipheit und von allin deme daz da lipheit anegevallin [betreffen] mac, alse groize, lenge, licht und swer, daz ein aneval ist lipheit [ [z. St. vgl. Seppänen, Parad., S. 120f.] Parad 35,12

MWB 3,3 1191,14; Bearbeiter: Luxner

lîpkorn stN. Getreidepfründe eines Domherren, s. DRW 8,1098 (Schannat, Worm. I; a. 1246) (ohne Belegzitat)

MWB 3,3 1191,21; Bearbeiter: Luxner

lîplich Adj. , -lîche Adv. adv. auch -lîchen. 1 den menschl. Körper bzw. die körperliche Existenz betreffend ‘körperlich, physisch’ (häufig im Ggs. zu geistlich 2 )
2 Verwandtschafts- bzw. Erbschaftsverhältnisse betreffend ‘leiblich, blutsverwandt’
3 Unbelebtes betreffend ‘materiell, dinglich; weltlich, vergänglich’
4 ‘leibhaftig, persönlich’
   1 den menschl. Körper bzw. die körperliche Existenz betreffend ‘körperlich, physisch’ (häufig im Ggs. zu geistlich 2): do gesciet sin heiligiu sele von dem liplichen sere [Schmerz] AvaLJ 155,7; alse muͦzen die alte lute grawen uon der keltin, als in die lipliche hizze engat Lucid 64,10; daz wir im [Christus] geistlîchen süln nâchvolgen und niht lîplîchen Eckh 5: 253,9 u. ö.; da er gekrencket ward an leiplichenn krefftenn [ virtutum corporalium ] und nicht mer geübenn machtt tägliche arbait HvHürnh 1,3; BdN 363,5 u. ö.; – die Gestalt, das Aussehen betreffend: das du seist ain leiblich mann [ virum substantialem ] , an zesehenn schöner angesichtt, wol getzieret HvHürnh 70,2; der lust, den wir gehaben möhten an dem lîplîchen bilde Kristî Eckh 5: 432,4. ~ geist ‘Lebensgeist’ ê die leipleichen gaist gefürwet werdent und gerainigt in dem slâf von den selben dünsten BdN 183,7. – bei Leibesstrafen: ist er aber vngestvmic so vndirlige er der liblichin rache [ vindictae corporali ] BrHoh 23. – bei Eidesleistung mittels Schwurfinger (vgl. DRW 8,1101f. sowie z. Sache 2HRG 1,1249 s.v. Eid): daz all amptleut [...] in dem pistumb vnd gepiet zw Trint schuldig sint leiplich zw sweren zu dem heiligen ewangelij ze helffen mit leib vnd mit gut dem pischoff zw Trint StatTrient 114; vffen minen eit, den ich liplich dar vmbe getân hân UrkCorp (WMU) 2021,33. 478,39; DRW 8,1101 (Haltaus; a. 1334). – von Nahrung, für den menschl. Körper bestimmt (oder zu 3): der lip bedarf des liplichen ezzens, div sele des gaistlichen Spec 36,12; Lucid 15,3; BdN 200,8    2 Verwandtschafts- bzw. Erbschaftsverhältnisse betreffend ‘leiblich, blutsverwandt’ von grossem lidenne, daz ime zuͦ viel von siner liplichen swoͤster [Überschrift] Seuse 70,17; mîn lîplîcher vater ist niht eigenlîche mîn vater sunder an einem kleinen stückelîn sîner natûre Eckh 1:110,2; wer auch daz ich ane liplich erben verschiede UrkWürzb 40,109 (a. 1337); UrkBrixen 440 (a. 1328)    3 Unbelebtes betreffend ‘materiell, dinglich; weltlich, vergänglich’ von natur hin ze tal / daz liplich wasser über all / vlúset und sinket SHort 8672; verstentlichv̍ gesicht vnd ofnung beschiht nu̍t mit liplichen dingen noch mit bilden [ non per corporales res nec per similes ] RvBib 133,23; sô daz lîplîche viur enbrennet daz holz Eckh 5: 31,7; daz allez guot, joch alle crêatûren, gegen gote ist minner dan ein bône gegen aller dirre lîplîchen werlt ebd. 5: 59,1. 5: 266,1. – zur äußeren, also weltlichen bzw. materiellen Welt gehörig: nu bestat diz lustlich leben dirre welt [...] in der zuofliezunge dez liplichen guotes [ in affluentia exteriorum bonorum ] , ez si richtuom oder ez si ere ThvASu 166,11    4 ‘leibhaftig, persönlich’ den sie hete beuangen / lipliche mit ir oͮgen, / der huͦb sih wider ze den toͮgen Wernh D 639; daz wir waren liplich gegenwartich an der sazzunge UrkCorp (WMU) N736,27; he saz liflich in dinem live, / ei allersenftest aller wive! MarlbRh 68,7. 116,24; SHort 2334; StatTrient 176. – im Zsh. mit 1gewer meist in der Wendung ~ gewer (unde gewalt) zur Bezeichnung von Besitz- und Verfügungsgewalt: vnd han och sv in lipliche gewer des selben gvͤtes gesezet UrkCorp (WMU) 607,33; vnde han ich die selben froͤwen in lipliche gewer vnde gewalt des selben gvͦtes gesezet ebd. 1124,40. 2604,35; unt gaben ime gewalt uf den hof von ime selben ze varende unt die gewer lipliche ze besitzende unde an sich ze ziehende an des spittals stat UrkBasel 3:91,41 (a. 1294); UrkFreiburg 2:10,16 (a. 1284)

MWB 3,3 1191,24; Bearbeiter: Luxner

lîplîcheit stF. den Zustand der vergänglichen, diesseitigen Existenz, des Körpers bezeichnend, ‘Körperlichkeit’ da in dem einvaltigen úberweslichen grunde ist der gereht mensch nút der lipliche mensch, wan es ist kein liplichkeit in der gotheit Seuse 157,25; die edelsten crêatûren daz sint die engel und sint zemâle vernünftic und enhânt niht lîplicheit an in Eckh 1:65,9. 1:403,2; Eckh (Pf) 636,10. – im Kontext von manicvalticheit und zît bzw. zîtlichkeit: driu dinc sint, diu uns hindernt, daz wir niht enhœren daz êwige wort. daz êrste ist lîplicheit, daz ander manicvalticheit, daz dritte ist zîtlicheit Eckh 1:193,2; ez kumet von gîticheit der sêle, daz si vil wil begrîfen und hân, und grîfet an die zît und die lîplicheit und die manicvalticheit und verliuset dâ mite daz selbe, daz si hât ebd. 1:178,9. 1:178,6. 3:261,1

MWB 3,3 1192,32; Bearbeiter: Luxner

lîplöchel stN. hier leip-. ‘Pore’ daz öl verschoppet [verstopft] diu leiplöchel, diu an dem menschen swaizlöchel haizent und ze latein pori BdN 282,34. 314,22

MWB 3,3 1192,49; Bearbeiter: Luxner

lîplôs, lîbelôs Adj. 1 ‘leblos, tot’
2 ‘traurig, verzweifelt, des Lebens überdrüssig’ (vgl.
   1 ‘leblos, tot’ des aptes und der bruoder der valschheit ist sô grôz: / swer in bræhte diu mære, daz ich wære lîplôs, / des vröuten sie sich alle und gæben im rîchen solt RosengD 597,2. – jmdn./sich ~ tuon/  machen ‘töten’ dâ si die grôzen boume kôs, / dâ wolde si sich lîbe lôs / an einem aste haben getân Frauentrost 258; swer einen menschen lîplôs machet Renner 15336; swenne jeman libelos wirt getan in deme banne ze Colmer, [...], so sol man die gloken stürmen UrkEls 2,56 (a. 1293); daz ich dich tæte lîplôs Wh 217,25; Mechth 3: 21,9; PrBerth 1:147,38; UrkEssl 464 (a. 1350). ~ wërden ‘sterben; getötet werden’ dy geschicht, die nuwelich zu Erforte an unsirn iuden gescheen ist, die gemenilichen daselbis vorgangin und libeloz worden sint UrkErf 2,257 (a. 1349); da der Has von Boheim leibloͤz wart RegisterLudw 18; sô [...] etewenne liute drinne verbrinnent unde lîbelôs werdent PrBerth 1:449,14; Mechth 7: 28,14; EnikWchr 14489. A I,17    2 ‘traurig, verzweifelt, des Lebens überdrüssig’ (vgl. Er 5324 mit Konj. Lachmann lîplôse liebelôs 1): nû gie ein stîc (der was smal) / nâhe bî einem sê ze tal. / den ergreif der lîplôse man [Gregorius] / und gevolgete im dan / unz er ein hiuselîn gesach Greg 2773

MWB 3,3 1192,53; Bearbeiter: Luxner

lîpnar stF. auch -nare bzw. -nær ( UrkBrixen 547 ), lîfnar ( Crane 1513 ). was zum Leben nötig ist (s.a. lîpnarunge und lîprât ) 1 ‘Lebensmittel, Nahrung, Speise’
2 ‘(Lebens-)Unterhalt, Auskommen’
   1 ‘Lebensmittel, Nahrung, Speise’ brinc disen imbîz balde hin / ze Babilône dâ Daniêl lît / gevangen und im niemen gît / deheiner slahte lîpnar KvHeimHinv 339; der andere gotis holde / was in den walde / vnd worhte sine lipnare / da her sich mite solde neren Ägidius 91; den vremedin gestin / war die aller besten / liph nare vore getragen Roth 1335; swaz der lipnar die man da hie nennet in dise stat kumt, ez sin huͤnr, aier, chaese, milhsmaltz unde ruͤbe unde obez unde oel, daz unuzgeslagen ist unde allez wiltpraete StRAugsb 131,2; UvLFrd 587,3; Tr 12070; Gen 1260; RvEBarl 9486. – wohl hierher (anders DRW 8,1106): so ist etwa sitte, daz man bvrgraven hat. der sol rihten [...] vber allen den chovf [die Ware] , der lipnar heizet SchwSp 5b; vgl.: über allen kouf daz lîpnare heizet, daz man izet oder trinket SchwSp (W) 4,4. êwicliche ~ für den Leib Christi, die Hostie: daz her [Christus] mit uns blibe gar / in der ewiclichen lib nar HeslApk 3102    2 ‘(Lebens-)Unterhalt, Auskommen’ sanctus Petrus was ein armir vischâre, muͦse sine lîpnare werbin mit sinen handin unde mit andirme liste Spec 85,24; als ein frawe vmb iͤr guͦt vnd vmb ir rehtev leibnaer gewer sein sol UrkBrixen 547 (a. 1332); daz vnser lieber vriunt her Cvnrat Eseler [...] vnde vor Alheit, sin vrowe, [...] jr tohter Jvten [...] zv stivre ir lipnar vnde irs gewandes [...] haben gekavfet ein gvͦt zv Silbach UrkCorp (WMU) 1773,37; NvJer 5705; Eracl 597; Tr 8212. – als → lîpgedinge : vnd ire kint sulen ir [der Witwe] geben ire lipnare, die wile sie ane man wesen wil UrkCorp (WMU) 51,27

MWB 3,3 1193,15; Bearbeiter: Luxner

lîpnaric Adj. ‘nahrhaft’, hier subst.: so enkan vor wazzer noch vor win / libnarigers nicht gewesen HeslApk 3193

MWB 3,3 1193,50; Bearbeiter: Luxner

lîpnarunge stF. ‘Nahrung, Speise’ man sal sie [die wiederholt zu spät zum gemeinsamen Mahl kommt] sunderen von der gemeinden der susteren da sie ir libnarunge alleine nemen [ reficiat solus ] vnde irs wines sal man ir ir deil abe zien BrEb 43; daz tegeliche brot ist die lipnarvnge, dorch daz flehit ir gode, daz er ivch ane svnde virlihe die lipnarvnge, ane die mensliche brodikeit niet gewerin mac Vateruns (K) 75,4; z’im [dem Kind] kam vil balde / geloufen eine hinde, / diu sich zuo dem kinde / hâte und liez ez sûgen sâ / von ir diu lîpnarunge dâ KvWTroj 41698. 535; KvWSchwanr 796; PrBerth 2:41,3

MWB 3,3 1193,53; Bearbeiter: Luxner

lipparêâ Subst. von afrz. liparée/  liparea bzw. lat. liparea. ein Edelstein (s. Suolahti 1,148 und Lecouteux, Pierres, S. 169): ouch stuont her unde dâ / turkoyse unt lipparêâ, / crisolte, rubîne, / [...] / berillus unt topazîus Parz 791,24

MWB 3,3 1194,1; Bearbeiter: Luxner

lippe swF. md. ‘Lippe’ (vgl. lëfs ): mich berichte ein hobisch kint, / warzu di lippen gut sint. / di lippen sint also ich wene / ein ture sloz vor di zene Brun 2948. 244. 2759; [die Männer des Landes] sint vet und [...] ane bart, ane alleyne uf der obirstin lippin do han si eczliche gran MarcoPolo 19,15; OvBaierl 102,1. – im Pl. (nach bibelsprachl. Vorbild) auch i.S.v. ‘Mund’ (als Ort sprachlicher Äußerungen): von den lyppen syner gebot [l. von den geboten syner lippen ] / ich wanderte nicht besyten [ a mandatis labiorum eius non recessi Iob 23,12] Hiob 9458; in den geboten syner lyppen ebd. 9436; entsliezende die lippen Daniel 6679; PsMb 33(Glossar)

MWB 3,3 1194,6; Bearbeiter: Hansen

lippenlappen swV. ‘plappern, faseln’ so betuten auch die hunde / brufer [d. i. prüever ] , claffer [Schwätzer] , die uz irem muͤnde / manig rede lippen lappen Minneb 559

MWB 3,3 1194,20; Bearbeiter: Luxner