l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lîmen
swV.
auch leimen, selten lemen (
SalArz
48,2
).
‘leimen, mit Klebemittel verbinden, fest machen’ (meist mit Akk.)
1 mit Akk. 1.1 eigentl. 1.2 im Vergleich 1.3 übertr. 2 ohne Akk. (eigentl. und übertr.) 3 mit Refl.-Pron. ‘sich festsetzen’
1
mit Akk.
1.1
eigentl.:
sô vaste hiez er
[Noah] si [die Arche]
chlampheren [zusammenfügen] unde lîmen daz si der
fluote vreise mahte erlîden Gen
695;
ist auch, daz man kalch dar zuo [zu
Ei] mischt, sô leimt man dâ mit ain stuck an daz ander
BdN
165,30;
als man mit lime zwai dinc zesamint limet, also limit dú minne die sele
zuͦ den liplichen dingin PrGeorg (Sch)
6,43;
SchwSp
158b.
– beim Vogelfang:
reht alse der vrîe vogel tuot, / der durch die
vrîheit, die er hât, / ûf daz gelîmde [mit Leim
bestrichene] zwî gestât Tr
846;
unz er [der Vogel] ze
jungeste gar / sich selben vehtend übersiget / und gelîmet [vom
Leim gefangen] an dem zwîge liget ebd.
858
1.2
im Vergleich:
sîn schilt vor sînem herzen lac, / rechte als er wêre
gelîmet dar HvFreibTr
1701;
den schilt er [
der vürste
] ebene an
sich maz / als er gelîmet wære an in Mai
84,27;
Tr
6621
1.3
übertr.:
ich wæne ez brinne / dur lusteclîche wirde / nâ der süezen girde / diu in
ir herze ûf kîmet, / dô munt an munt gelîmet / sus minneclîche klepte
Reinfr
2360.
13608;
KvWTroj
9161;
wie rehte sîn schilt zaller zît / an sîner stat gelîmet
lît! Tr
712;
Iw
5327;
mit sô gelîmter [eng anliegender] beinwât / sô
si zer werlde beste stât Greg
3399.
– spez. von Dichtung (auf rîme(n) reimend):
swâ ich nu dise rîme / nit wol ze sämen lîme WvRh
60;
vünde ich ein sô ringen muot / der mich dâ zuo
beriete, / mîn zunge si [die eigenen
Verse] verschriete [zerschlüge] /
und begunde si wider lîmen / mit ganzen niuwen rîmen Wig
11673;
Tr
4716;
Eracl
120;
HeslApk
1390.
1330;
Minneb
4286
2
ohne Akk. (eigentl. und übertr.):
do got uon manegem stuche den man wold zesamene ruchen, / do nam er als ich
wæne einen leim zachen [= zæhen
] , / da mit er
lîmen wolde da daz lít zesamene solde, / daz streich er enzwischen, zesamen begunde
erz mischen GenM
7,13;
bihte solt du niht uristen, wan div gwonhait der lengi úbil ist. daz limet
zuͦ dem v́bilne und ain súnde zúhit die anderun an sich PrGeorg
(Sch)
8,11;
der zaher [Gummi arabicum] hât die
art, daz er fäuht macht und zesamen leimt und entlæt und sänftigt BdN
369,12
3
mit Refl.-Pron. ‘sich festsetzen’
swenne di selbin dinc [Gegessenes]
sint in des magen weide. so wirt man ir lichte ane mit der
spie [Erbrechen] . swenne aber si sich geleimit hat in
des magen rouche. so mac ir nicht ane werden mit der spie SalArz
48,39;
daz geschit uon ubervuchte di sich gelemit hat in dem magen
ebd.
48,2;
der selbe sichtum [Verstopfung und
Erbrechen] geschit etwenne uon eime heizin geswer daz in dem magin
ist. etwenne geschit iz ouch uon einer kalden vuchte. di sich geleimit hat in di
darme ebd.
51,40.
54,15.
57,55
MWB 3,3 1167,9; Bearbeiter: Richter
lîmlëder
stN.
zur Leimherstellung genutztes Leder:
item [Abgaben] de limleder WeistErf
114
(1. H. 14. Jh.)
MWB 3,3 1168,1; Bearbeiter: Richter
limme
stM. oder N.
‘Geheul, lautes Klagen, Wehgeschrei’
iz [das gefangene
Meerungeheuer] ein geschrei irhûb / mit sô grûwsamir stimme / in
clegelîchim limme, / daz dâvon gnûc luite / kunftigir dinge duite / nâmin
NvJer
18157;
der vorrêter an sî schrê / mit vil jâmirlîchir vlê / in
clegelîchim limme ebd.
19252
MWB 3,3 1168,4; Bearbeiter: Richter
limmen
stV. (IIIa)
WhvÖst
17694
sw. Prät. oder Präsens historicum.
‘rasend (vor Wut, seltener vor Schmerz) schreien, toben’ (s.a. Lötscher,
Schallwörter, S. 132f., 149, 170)
1 überwiegend stimmlich ‘brüllen, heulen, knurren’ (von Mensch und Tier) 2 überwiegend von wildem Gebaren ‘rasen, wüten’ (oft mit sächlichem oder abstraktem Subjekt) 3 in Vergleichen
alse ein bër/ ëberswîn/ hunt u.ä.
1
überwiegend stimmlich ‘brüllen, heulen, knurren’ (von Mensch und
Tier):
so sol ein lewe limmen, / und der ber sol brimmen Frl
5:34,3;
geswigen ist des lewen limmen / und der lewinne grimmen
Hiob
1649;
der ber und diz unkunder / begonden grimmiclîchen toben; /
[...]. / nu bîzâ, bîz! nu limmâ, lim! / nu kratzâ,
kratz! nu krimmâ, krim! Schrätel
257;
KvWPart
18264;
si [
merwunder
] ludimen
und lymmen / mit grewlichen stymmen Vät
40329;
Tr
13527;
KvHeimUrst
735;
er [Pilatus] sprach:
‘[...] / wult ir, daz ich ûch lâze Crist?’ / der juden
volc mit grimme lam. / sie sprâchen: ‘nein, lâz Barrabam!’ Erlös
5081;
die [
tuvele
] schrien unde schelden /
gegen mir harte sere, / doch kan ich ir nicht mere / gesechen wo si limmen. / ich
hore ot an den stimmen, / daz si bellent wider mich Pass III
134,35;
WolfdD
1002,2;
NvJer
14569;
ez tut mir not / daz ich so in jamer lymme
Minneb
5071.
5103;
als daz wazzer, daz da duzt / und ruschet swen iz sich irguzt,
/ sust ist min lymmen und min scre / in dem jemerlichen we Hiob
1483.
– von machtvollem Predigen:
mit michilm gebrehte / bestant sie [Elias und Henoch mit
ihren Predigten] den grimmin [den
Antichrist] ; / samint beginnint sie limmin / mit rede
genuoger, / dieffir unt gefuoger LAntichr
562
2
überwiegend von wildem Gebaren ‘rasen, wüten’ (oft mit sächlichem oder
abstraktem Subjekt):
sîn zorn begunde limmen / und als ein lewe brimmen
Parz
42,13;
sin [des Minnekindes] sterke fur
[mehr als] starke risen lam Minneb
320;
nu wârn di juden in sulchem
limmen [Aufruhr] , / daz si von starkem grôzem grimme /
mit im nicht gereden mochten JvFrst
501;
NvJer
15352;
swer behaltet einen limenden hvnt oder einen wilden wolf oder hirzen oder bern
swaz si ze schaden tvͦnt, daz mvͦz er gelten SchwSp
110a.
–
ûf ein ander
~
‘wild aufeinander losgehen, eindreschen’
si [
ouz erwelte rekchen
] begunden
vaste grimmen / mit slegen durch und durch / und ouf ein ander limmen. / man
sach velt unde furch / allez sweben mit bluͦte Rab
760,3.
–
nâch etw. ~
‘nach etw. heftig gieren’
gib in [den Sünder] mit urteile
/ zu dem unheile, / dar nach sin sundec herze lam Pass I/II (HSW)
13797
3
in Vergleichen ~
alse ein bër/ ëberswîn/ hunt u.ä.:
Ringelot [...] vuor limmende als ein ber. / er nam
schilt und sper / und rant ûf den kristen Heidin IV
609;
Neidh
WL 1:4,9;
der da zannet und grint / als ain lymmender per
WhvÖst
12037.
8522;
EnikWchr
13727;
darumbe sach man limmen / den bâbest unde grimmen / als ein
eberswîn Ottok
53369;
dô daz grâf Yban vernam, / als ein eberswîn er lam / und fuor enwec sâ zestunt
/ sam ein winnunder [tobender] hunt Helbl
15,842
(vgl.
Neidh
WL 32:7e,12
);
diser limmet als ein hunt / und wil uns verderben gar
EnikWchr
17894;
als ein tobende hunt er lam Vät
2944.
–
~ wie ein brennendes Haus:
du weist niht, wie des Bernæres zuht sint. / owe, nu sihstu, wie er
limmet, / reht alsam ein hous, daz da brinnet Rab
945,5
MWB 3,3 1168,11; Bearbeiter: Richter
limmic
Adj.
‘brüllend, brummend’
nu kom der kuͤnc von Babylon / gevarn als er wuͤte: / im was
sin gemuͤte / als ain ber limmic, / er was dar umm grimmic / daz man den vor strit
im niht lie WhvÖst
17563
MWB 3,3 1169,11; Bearbeiter: Richter
limpfen
V.
‘hinken, ungleichmäßig gehen’
after des er iemmer hanch [hinkte]
fur daz er mit deme engele geranch. / die âdare sich zesamine chrumphen, danen
begunde er limphin Gen
1546
(=
GenM
65,23
)
MWB 3,3 1169,16; Bearbeiter: Richter
limpfic
Adj.
‘bekömmlich’ (s.a.
gelimpfic
):
die spise, dú im [Seuse] nit
linpfig waz, bot er ze tunken gen dem minnewunden
herzen [Christi] mit guͦtem globen, daz si im denne
nit moͤhti geschaden Seuse
25,1
MWB 3,3 1169,21; Bearbeiter: Richter
lîmruote
stF.
‘Leimrute, zum Vogelfang mit Leim bestrichener Zweig’, hier bildl.:
ez wart nie man sô wîse, / noch von alter sô grîse, / wil er sîn den wîben bî,
/ ern werde gevangen an dem zwî / unde an der minnen lîmruot, / reht als der wilde
vogel tuot, / der durch vrîheit, die er hât, / ûf daz gelîmete zwî stât
AristPhyll
309
MWB 3,3 1169,26; Bearbeiter: Richter
lîn
stM.
‘Lein, Flachs’, Nutzpflanze zur Gewinnung von Flachsfasern bzw. ölhaltigen
Leinsamen (s.a.
vlahs
; zur Sache vgl. Körber-Grohne, Nutzpflanzen, S.
366-379):
von ieglichem metzen oeles, es si
magoel [Mohnöl] , lin oder hanf StRAugsb
202,37;
polentam machet man alsust: gersten zwenzec pfunt, dri
linez [drei Pfund Leinsamen] , ein halp colianders
samen Macer
56,10;
von line [Flachsfasern] der dicke
zwilich [zweifädiges Gewebe] / gelichet der erde sich,
/ wan er was von erde komin RvEWchr
12578.
–
‘Leinen(tuch), Leinwand, Kleidungsstück aus Leinen’
Joseph von Armatÿ [...] / und Nicodemus
[...] wundent inn [den verstorbenen
Christus] in ain wÿss klaid, / was lin [Hs.
lim
] gar von guͦter wat KvHelmsd
2279;
beckene [Schalen] , luchtere
[Leuchter] , lyn vnd alle wipliche kleidere, vingerlin
vnd armgolt [...], diz ist daz zuͦ vrouwenrade horet
UrkCorp (WMU)
51,32;
sô [im Sommer] sach man
in [ihnen (schönen Damen)] wîblîch stên ir
kleinen [feinen] lîn SM:Had
28: 2,7.
44: 4,4;
die priester brachtend in die schar / zewerke mænigerlay dar /
[...] : / sydun, wollun und lyn / und ander werk von
golde fin WernhMl
1185;
SM:St
11: 3,4
MWB 3,3 1169,33; Bearbeiter: Richter
lînære
stM.
‘Fischer, der eine Leine nutzt’
omnes piscatores qui dicuntur vulgariter segenser leiner reusser
WeistÖ
7:968,26
(14. Jh.)
MWB 3,3 1169,57; Bearbeiter: Richter
lînbolle
swF.
‘Knospe (Same?) der Leinpflanze’
ein same heizet coriandron / gelich ist er linpollon
VMos
78,29
MWB 3,3 1169,60; Bearbeiter: Richter
lînboum, lîmboum
stM.
‘Spitzahorn’, ‘Manna-Esche’ oder ‘Hainbuche’
(vgl. EWA 5,1303-1305):
ornus: linboum, limboum SummHeinr
2:387,72
u.ö.;
ornus: limboͮm Gl
3:41,54;
cornus: linboͮm ebd.
3:41,17
MWB 3,3 1169,63; Bearbeiter: Richter
lînboumîn
Adj.
‘aus dem Holz des lînboumes’
nu vernemet von der bâren. / die lin boumîn [Hs.
linboumin, La. lintbovme
] wâren / und
von helfenbeine En
7984
MWB 3,3 1170,4; Bearbeiter: Richter
lînbruoch
stF.
‘leinenes Beinkleid, Leinenhose’
bruoh, linbruoh, diohbruoh: lumbare, femorale BWB (Sch)
1,343
(BStK472; 14. Jh.)
MWB 3,3 1170,8; Bearbeiter: Richter
linc, lënc
Adj.
wohl auch adv. (
TvKulm
1917
);
flektierte Formen sowohl linge(n), lenge(n) als auch -ke(n);
auch erweiterte Formen wohl unter nd. Einfluss: linket-/linked- (
LBarl
3409(Hs.);
OvBaierl
42,2.
55,5
), linken- (
ebd.
55,6.
55,6
), linker- (
ebd.
43,13
u.ö.),
vgl. MNDWB 2,827; Schiller/ Lübben 2,701.
1
‘auf der linken Seite befindlich, linke(r/ s)’ (s.a.
gelinc
,
lërc
,
lërz
,
linster
,
lürc
,
lürz
,
tenc
,
winster
) 2
‘nordwärts gerichtet’ (vgl. Deschler, Astron. Term., S. 166f. u. 179) 3
‘unzureichend; abweichend von dem, was recht/ richtig ist’
(teils mit Gen. oder Präp. ane ) 3.1
‘unfähig, ungeschickt, von beschränktem Vermögen’
3.2
‘geistig beschränkt, unwissend’ , auch im Hinblick auf religiöse Sachverhalte 3.3
‘falsch, verkehrt’
1
‘auf der linken Seite befindlich, linke(r/ s)’ (s.a.
gelinc
,
lërc
,
lërz
,
linster
,
lürc
,
lürz
,
tenc
,
winster
):
das roß vil im off den lincken schenckel, das er im brach
Lanc
370,7;
ein swert er im stach / durch daz lenke bein
Ottok
57345;
in den linggen fuͦs Tauler
206,28;
WernhMl
9981.
–
zuo der/ zer ~ hant/ sîte:
wie schoͤne únser froͮwe stuͦnt in dem throne zer linggen
hant des himmelschen vatters Mechth
2: 3,31;
alle planêten gênt ir kraiz zuo der lenken hant
BdN
56,10;
KvWPart
5485;
zer lengen sîten SM:Go
1: 3,3;
zuͦ der lingen siten EvPass
246,3.
– bezogen auf Mt 25,31ff. (zur linken Seite Gottes stehen
die Verdammten):
so keret he sich zu den die zu der linker hant suͦlen stan, / inde heizet
si in dat ewige wr [Feuer] gan Lilie
56,13;
swer nâch der werlde glanze trahtet / und gotes liebe lützel ahtet, / des
muot, des guot, des werc, des wort / sint geneiget ûf ein ort, / daz gein der
linken hant sich lenket / und lîp und sêle gein helle senket
Renner
8135.
12472.
24438;
wohl hierher:
meitliche zucht ist da linc / gepruvet bi dem
ballen [Ballspiel]
Daniel
2936
2
‘nordwärts gerichtet’ (vgl. Deschler, Astron. Term., S. 166f.
u. 179):
in iren landen [in der Tropenzone]
waren den leuten in etleichem stuͤk des jares und an etleichem tag
gereht [südwärts gerichtete] schaten, und etswenne
link KvMSph
46,19.
46,16;
vgl.
ker ich uf di linke hant, / daz dis norden ist genant, / waz
du ich da vur den syfen [Bächen] ? Hiob
9373
3
‘unzureichend; abweichend von dem, was recht/ richtig ist’
(teils mit Gen. oder Präp. ane)
3.1
‘unfähig, ungeschickt, von beschränktem Vermögen’
uf der erden man vint / dinc die da wachsende sint / und enhan der sinne
nicht: / die boume sint also geschicht. / man vint ouch andere dinc, / die nicht
sin der sinne linc, / der vernumft sie doch enpern Secret
2006;
ein mechtig edelinc, / ein Sudouwît, an witzin linc, /
Lûdewîge dâ betrûbete / mit worten, dî er ûbete / in smêhir wîse und in drô
NvJer
17450;
dy hi tun schentliche ding / und sint an guten werken ling
Hiob
1634;
nu was er nicht so linc, / er enpruvete wol die dinc / von unsers lieben
herren gift Pass III
209,69;
dri iar und seben monde hilt / er [Julius
Caesar] daz vurstentum [Judäa]
unvorvilt; / wan vur geschaen alle dinc / under den ratheren nicht linc / strite
beide her und dar / virhundertvirundvirzig iar HistAE
5620
3.2
‘geistig beschränkt, unwissend’, auch im Hinblick auf
religiöse Sachverhalte:
under andern dingen ist ein dinc, / dar an du nicht salt wesen linc
[
inter ceteras res illa quam te non oportet ignorare
(...) (Steele, S. 164,6)]
Secret
2922;
Keczczerye, du bist linc, / und di himelische dinc / dyn vernunft nicht
kan verstan TvKulm
945;
ich weyz und bin des nicht ling / daz vermachst wol alle
ding; / dir ist verholn keyn gedank Hiob
15393;
Job, dor an bistu gentzlich ling / und ungeloubic in Gote
ebd.
8966.
7844.
–
gegen gote ~
(evtl. anspielend auf die rechts/
links-Symbolik von Mt 25,31ff.):
di secte nam ursprinc / ken gote allerdinge linc HistAE
5472;
Job, der ken Gote nicht was ling, / hatte gar
redeliche ding / gesaget mit bescheidenheit / von der selen untotlichkeit /
und von dem ufirstende Hiob
6439;
ich saz uf einer grüne / und dachte [...],
wie ich die werlt behielde / und ouch gein gote nicht wurde linc
Frl
7:15,4
3.3
‘falsch, verkehrt’
er lart uns, wen wir beten, / daz wir uz herczen jeten / alle uzerliche
dink. / uns ouch sullen wesen link / der werlde lob, ir prysen
TvKulm
3562;
Job git, ir syn si valsch und link, / wan gut gedechnis
ist cleyner prys Hiob
5696;
‘der wan’, gyt Helyu, ‘ist ling’ ebd.
13286;
dem tuvel so ling / nicht mac schaden liphaftic ding
ebd.
15331;
do diz gebot Danyel /
irvur [vernahm] rufende vil snel / uber al des
kunges lant, / zu hant wart im da irkant / von wisheit wie disse dinc / weren
gemachet vil linc / wider sines Gotis e Daniel
5316.
– hier wohl in adv. Verwendung:
do von daz si ling vorstan / di schrift und nicht tife gan / binnen in
der glosen sin, / in des geistes hoch gewin TvKulm
1917
MWB 3,3 1170,11; Bearbeiter: Richter
lincisse
swM.
ein Edelstein, Lyncurium (vgl. Lecouteux, Pierres, S. 171-173; s.a.
ligûrius
,
luhsstein
):
iaspis iochanten calcidon / iaccinten margariten schon / borat lincissen
allecker MinneR 210
401
MWB 3,3 1171,34; Bearbeiter: Richter
linde
Adj., Adv.
selten adv. (
Gen
1186;
NvJer
16722;
PrKlostern
37
).
1
‘von geringer Härte, weich’
2
‘von geringer Grobheit, zart, fein’
3
‘von geringer Intensität, sanft, gering, leicht’ , meist von elementaren Kräften (Feuer, Wellengang, Wind und Wetter) 4 übertr. ‘sanft(mütig), milde, angenehm, freundlich’
1
‘von geringer Härte, weich’
nû hât man vunden einen list / daz er [ein
Diamant] in vil kurzer vrist / linde wirt als ein rüebe, / daz man
in snite wol oder grüebe, / swie den man dunket guot Volmar
305;
diu betwât vil linde was, / der pfulwe und ouch daz küssîn UvZLanz
(K)
4156;
mit weichen linden chleidern [
mollibus
vestimentis Lc 7,25] angetan EvAug
145,16;
AvaJo
25,8;
Iw
5570;
Parz
552,18;
nû merkent, wie daz linde blî / versmelze vor des fiures
craft KvWTroj
26102;
Seuse
155,17;
Wh
100,13;
SalArz
8,48;
Athis
C* 85;
OvBaierl
15,2;
diu lung [...] von waichem lindem
flaisch ist BdN
30,15.
50,29;
swâ diu erde ist linde [weich, locker] , / dâ wirt
daz wazzer swinde / unde weich in dem munde LvRegSyon
3444;
SalArz
18,31.
–
‘schlaff’
so wir trachlichen zekirchen gen. vnde sten trachlichen div ovgen vͦf
hefen zeden armen vnde ze den siechen. trachlichen fuzze unde hende. linde ellev
unseriv lît. bieten ze troste vnde ze hilfe den armen. daz ist ein grozziv sunde
PrKlostern
37
2
‘von geringer Grobheit, zart, fein’
diu pleter [des Ahorns] sint gar
lind und zart BdN
338,12;
der meie lât den küelen tou / ze linden bluomen fliezen
KvWTroj
26123;
swâ man von îse ein lindez [dünnes]
vel / ûf einem tiefen sêwe kôs, / und er sô lützel dâ gefrôs, / daz man durch sîn
vil dünnez dach / ein hâr bereiteclîche sach ebd.
6104;
ir [der Boten] spise die was linde. / nach hoves
ere man in bot / simeln unde schuzzelbrot / unde da zu edel spise
Elis
422;
swaz lind was und klâr, / daz hiez ich allez dar / dînem lîb
gewinnen EnikWchr
16149.
– oft von menschlichem Erscheinungsbild, spez. der Haut:
rûch ist mîn bruoder [Esau] , /
ich [Jakob] bin sleht unde linde
Gen
1131;
daz din hut luter, linde und schoͤn werde, nim bioniewurz
BenRez
23;
Barth
138,29;
an hiuten lint tuot winter wê SM:Had
3: 2,4;
mit alsô liehter varwe / was ir lîp über al / linde und
eben hin zetal Wig
902;
mit siner linden wizen hant GrRud
H 24;
lindiu diehel [Schenkel] ,
slehtiu bein, ir füeze wol gemezzen Tannh
3,48;
KLD:UvL
36: 7,1;
Parz
88,15
3
‘von geringer Intensität, sanft, gering, leicht’, meist von elementaren
Kräften (Feuer, Wellengang, Wind und Wetter):
daz [die Zutaten] sut allez
ensament bi einem linden fuer SalArz
76,39;
dar nach pey ainer kurtzen stund / ließ das mer sein greynenn. /
[...] / di unden [Wellen]
wurden linde HvNstAp
4964;
vil linde wart ir weter do Pass I/II (HSW)
14262;
die senften linden winde Tr
559;
[Gott schickt] den winter herte, den sumer linde
Aneg
524;
RvEBarl
12372;
DvAStaff
262;
KvHeimUrst
1936.
– phras. (?), wohl hierher:
kindes ellen daz ist linde / swa man nach prise vihtet. /
diu diet ist unberihtet / swa der kuͤnc ist ein kint: / diu wort dicke bewæret
sint Rennew
12662
4
übertr. ‘sanft(mütig), milde, angenehm, freundlich’
er sprach, daz got lindes gemvͦtis wâre wider die in vorhtin
vnde die ze siner barmherz gedingen hetin Spec
9,1;
Ottok
96558.
9206;
sîn [Achills] werder lîp der was
geslaht / und alsô linde in sîner maht, / daz er die lêre [des
Cheiron] sanfte enphienc KvWTroj
6380;
[nirgendwo] vant man sô rehte linden man
[wie Joachim] , / nît noch haz er nie gewan
MarlbGr
9;
Renner
7675;
ih han dih gotis toufere irkorn /
[...], / dih milden vnde dih gnedigen, / dih semften
vnde dih linden Litan
541;
KvWSchwanr
834;
Daniel
7836;
Minneb
1466;
dî mûtir [musste sich trennen] von
dem kinde, / daz sî dennoch linde / zôch mit der spune
[Mutterbrust] vûtir! NvJer
16722;
er ist semfter dan ein lämbelîn, / da enkegen als ein eberswîn / ist er, swâ
man sîn bedarf: / friunden linde, vînden scharf Georg
432;
kegn den vîndin linde NvJer
16546;
grüss, wilkomen linde / wider für der rainen magtt
GTroj
7278;
der wîbe lœn sint süezze und lind SM:Had
53: 8,7;
sin minne ist also linde / [...] / daz er dir
nichtesnicht verseit Hester
1968;
deheiner tugent in nie bevilte [verdross ihn
nie] , / si wær im ze tuonne lint Ottok
3635;
er machte fride zuo drin tagen / mit des
povels [Volkes] ingesinde. / dô daz dinc wart sô linde
[besänftigt]
ebd.
14238;
urloup gap er über al / den müeden ze varn, / von dann si
komen wârn. / der wec was in linder ebd.
32050;
Wernh
D 3408.
– von Äußerungen:
sein rede was süeze unt linde Serv
678;
RvZw
241,8;
mit lindin, senften worten RvEWchr
21983.
14905;
Wig
8103;
er chot: ‘wer ist dâ, weri got? dû hâst mich unsanfte
irwecchot!’ / Esau sprach duo sînem vater lindere zuo: / ‘hie ist Esau
[...] ’ Gen
1186;
din scheltwort alsô heize / diu wâren ir linde als daz tou
Wernh
3573
MWB 3,3 1171,39; Bearbeiter: Richter
linde
stF.
‘Weichheit, Milde’
die slihti und die krumb, / die herte und och die linde
SHort
5033;
diu heimlîche linde / von regen und von winde Greg
3531;
vnd sezze daz allewege indin herce. ob des dehein rat si dv in mvezist vmbe
eintwedirz gewizzenot [bestraft] werden vmbe hertikeit
alde vmbe miltikeit [gegenüber denen, für die du Verantwortung
trägst] . daz dv vmbe ze vil lindi
[Nachsichtigkeit] . alde vmbe ze vil gveti. gewizzenot
werdest denne vmbe ze vil strengi vnd hertikeit PrWack
56,130;
WälGa
1383;
Minneb
2560
MWB 3,3 1173,4; Bearbeiter: Richter
linde
swF.
selten st. (
MF:Veld
24:8;
HvFreibTr
4689;
Ortn
97,2;
WolfdD
400,3
).
‘Linde’
dô stuont ein linde bî dem wege, / die was erzogen mit sulcher
pflege, / daz sie mit esten und mit blaten / gap vollen wint und grôzen schaten
HvFreibTr
1155;
der linden loubes ein schapel / hête ûf sîn houbet der knappe
snel / gesetzet harte stolzlich ebd.
1183;
Tr
3150;
zuo der linden reit der gast, / sîn pfärt hafter an einen ast
/ und saz enmitten ûf den stein Wig
1489;
der walt und ouch diu linde / diu sint nu beide ir grüenen
loubes aber worden kranc KLD: GvN
15: 1,5;
MF:Eist
13:1,4;
BdN
350,4;
NibB
972,1.
– als Ort von Rechtshandlungen, ‘Gerichtslinde’ (weitere Belege s. WMU
2,1140 u. DRW 8,1336):
die mal [
mahel
‘Gerichtsversammlung’
] sal min zu rechti sizzi undir senti
Kilianis linden Mühlh
151,25;
dirre selbe koͮf geschach an dem samiztage nach sancte Lvcivn dvlt ze Toͤssa
vnder der lindvn UrkCorp (WMU)
210,18.
– als Teil eines locus amoenus, im Minnesang Ort erotischer Begegnung oder des
Tanzens:
mit mir sult ir da diu grüene linde stât: / da suln wir reien
den meien, klêbluomen lesen SM:HvS
1: 13,3;
ir stætez ingesinde / daz was diu grüene linde, / der schate
und diu sunne, / diu riviere unde der brunne Tr
16882;
Tannh
4,131;
Wig
9967;
KLD:Kzl
6: 1,9;
Walth
39,11
MWB 3,3 1173,15; Bearbeiter: Richter
lindelîche
Adv.
auch -lîchen.
‘sanft’ (s.a.
lindiclîche
):
di wurze [...] tribet also sere sam
scamonea [Purgierwinde (?)] . vnde tut daz lindelichen
SalArz
87,59;
sprichit dir din swestir herticliche zuͦ, daz widirsprich du lintliche
PrGeorg (Sch)
26,119.
38,21;
TrudHL
64,33
MWB 3,3 1173,42; Bearbeiter: Richter
1linden
swV.
‘linde sein, werden’
nû begund daz weter linden; / nâch den vil starken winden / wart der tac schœn
unde klâr RvEGer
1241;
des gewaldige hant / ist ein wâr gebiete / aller rîche diete, / der gebiutet
den winden / daz sie scharfen unde linden UvEtzAlex
Anh.1442;
Frauentreue
408(S. 1184);
subst.:
din [Gottes] kraft [bei der Flucht der
Israeliten durch das Rote Meer] dem wazzer werte al sin naturlich
linden. / gelich dem steine herte wart iz zu hohen sælden dinen kinden
JTit
77,1
MWB 3,3 1173,48; Bearbeiter: Richter
2linden
swV.
auch linderen (La. zu
Wernh
2452
).
‘linde machen’ in fließendem Übergang zwischen den einzelnen
Verwendungsweisen:
–
‘erweichen’
nie herze wart sô wilde, / ir schœne möht ez binden / und künde herzen linden
/ diu herter wæren denn ein stein Reinfr
2132.
3624;
ez [...] möht ouch herten vlins
gelinden SM:St
9: 3,3.
– von Böden (Part.Prät.) ‘locker, weich’
etslich erde ist sô gelindet, / daz man daz wazzer lîhte vindet
LvRegSyon
3438;
swâ man niht grundes vindet, / der sanfte si gelindet / mit
süezer tugende fiuhtekeit KvWTroj
6466.
–
‘besänftigen’
ob man iht mug ervinden, / dâmit man mug gelinden / iwern
muot herten Ottok
56834.
12389;
der künic [...] vlîzet sich, wie er
[...] moht gelinden irs herzen muot Wigam
(B)
5970;
Martina
212,40;
Kerbelkraut
158;
SM:EvS
1: 6,6.
–
‘mildern, lindern’
si [...] stillen den hustin. vnde
lindent di scerfe der brust SalArz
11,2;
wie Got daz guͦt sterken / kan und daz arge linden
WhvÖst
525;
mag ich iuch sorge linden / und füegen hôhen smerzen? Reinfr
3176;
JJud
1026
MWB 3,3 1173,59; Bearbeiter: Richter
lindenbast
stMN.
nicht entscheidbar, ob Kompositum oder Syntagma.
Lindenbast als Verbandmittel:
dem der cramph we tu, der nem lindinbast und binde ez, da in
der cramph begrife BenRez
41
MWB 3,3 1174,17; Bearbeiter: Richter
lindenblat
stN.
‘Lindenblatt’
sich dar inne [im Drachenblut]
badete der küene ritter guot, / dô viel im zwischen die herte ein lindenblat vil
breit. / dâ mac man in versnîden NibB
902,3;
Tr
4914.
– als tertium comparationis:
ainen schiltte vil schwere / schwang der tegen mere / für
die bruste nebend sich / ainem linden blatte gelich GTroj
21434;
einen hirzînen vezzel / den truoc ich niden umbe mich; / den slouc sî daz er
zarte sich [zerriss] / als ein marwez
[zartes] lindenblat BFrau
659;
si riten ritterlîch ze samen, / daz schilt unde sper benamen
/ zerstuben als ein lindenblat EnikWchr
16289;
EnikFb
3599
MWB 3,3 1174,22; Bearbeiter: Richter
lindenloup
stN.
‘Lindenblatt’
sîn schilt grüen als ein linden loup / was geverwet schône
KvWTroj
12012.
– als bildl. Ausdruck für Geringfügigkeit zur Verstärkung der Negation:
beide ors verzageten, daz si niht furbaz wolten, / von stoͤzen, die si
trageten, daz si alle die sleg der sporen dolten / und ir umb ein linden loup niht
ahten JTit
4769,3
MWB 3,3 1174,35; Bearbeiter: Richter |