lîhtunge
stF.
‘das Leichtmachen’
daz êrste sloz [vor dem Herzen des Menschen] heizet
lîhtunge der sünden, daz dû dir selber dîne sünde gar geringe machen
[kleinreden] kanst unde gar lîhte
PrBerth
1:568,1
MWB 3,3 1163,36; Bearbeiter: Richter
lîhtvertic
Adj.
1
‘leichtfertig’
2
‘unbeschwert’
1
‘leichtfertig’
dit springen und di tûmelîn sint vorlâzene wort und lîchtvertige gebêrde
HvFritzlHl
189,31;
ire lîchtvertigen rede und ire îtelen rede ebd.
106,9;
und [der Mensch] ist úberwindelich
von naturen an sinen natúrlichen gebresten, [...] es si
zornikeit, hochvertikeit oder trackeit oder lichtvertiger worte
Tauler
128,7
2
‘unbeschwert’
do die zit umbekam, als andere vrowen trurig sint und
besweret gant, do was Maria lihtevertig und vro Mechth
5: 23,39
MWB 3,3 1163,41; Bearbeiter: Richter
lîhtverticheit
stF.
‘Leichtfertigkeit, Gedankenlosigkeit’
der mensche prueffe. das er eyn gerecht cristen mensche ist.
[...] vnd das in ym tot sey alle leichtvertekeit
PrWack
71,29;
[die Menschen] suͦchent frúntschaft und kurtzewile und
lihtvertikeit, do sú Got weder ensuͦchent noch enmeinent noch envindent
Tauler
127,19.
196,2
MWB 3,3 1163,51; Bearbeiter: Richter
lîhtverticlîche
Adv.
‘leichtfertig, unbedacht’
her, ich bekenne myne schult: / lichverteclich gesprochen /
ich han Hiob
14639
MWB 3,3 1163,58; Bearbeiter: Richter
lîhtweigic
Adj.
‘unbeständig, wankelmütig’
wip solte nieman nemen / ze gezúge: das solte niht gezemen /
durh ir liht weigigin muͦt RvEWchr
15468
MWB 3,3 1163,61; Bearbeiter: Richter
lîhunge
stF.
‘Verleihung, Belehnung’ (ausführlicher mit weiteren Belegen s. DRW
8,1174-1176):
ich [...] tuͦn kunt [...],
das ich den edeln minen genedigen herren, graue Cuͦnrat, herren ze Friburg,
[...] lidig sag der lihunge, so er mir getan hat vmb
die lehen ze Stoͮffen, [...] vnd sol die selbe lihunge, die
er mir getan hat, kein kraft noch hantuesti haben gen mir
UrkFreiburgGr
13,333
(a. 1342);
daz sie Johannesen Swaben vnde froͮ Annen, siner elichen wirtin,
[...] die vorgenante lihvnge stête haben sulent inmerme
[sic]
UrkCorp (WMU)
2501,5;
UrkDOKobl
1,387
(a. 1329).
– bergrechtlich:
welche lehen ir erste lyunge behalden haben uf demselbigen gange, dy behalden
ir recht UrkFreiberg
2:271,26
(Anf. 14. Jh.).
2:269,21
(Anf. 14. Jh.).
–
‘Recht zur Lehensvergabe’
sü [Probst und Mönche des Gotteshauses in Luzern]
hant usbehebt und usgenommen [aus dem Kaufvertrag] die
lihung der pröbstie des gotzhuses zu Lucern UrkEls
2,48
(a. 1291).
–
‘Nutzungsrecht des/ der Belehnten’
wir [...] geloben och, ob die forgenanten geistlichen
lüde gehindert vorden an der fürgenanten lihunge von uns oder von keinen lüden,
[...] alse dat sie die fürgenanten wisen behalden nit
enmochten noch besitzen, so bekennen wir uns dat wir in wider sollen geben und
bezalen xx. marc guder penninge UrkDOKobl
1,387
(a. 1329)
MWB 3,3 1164,1; Bearbeiter: Richter
lilachen
N.
→
lînlachen
MWB 3,3 1164,29;
lilje
swFM.
auch lilige, gilje, gilge (
MinneR 433
173
).
‘Lilie’
von der liligen. lilium haizt ain lilig. daz kraut ist gar
erkant und hât ain schœn weiz pluomen mit sehs pletern BdN
406,2;
der lyli ist an der wrtz swartz, und der stam gruͤn, und der bluͦm wis, das
saͤmli gaͤl Lilie
75,2;
da stet viol unde kle, / sumerlaten, gamandre, / die werden
zitelosen; / ostergloien vant ich da, die liljen und die rosen Tannh
3,13;
SHort
183;
Macer
16,2;
EvAug
12,19.
– in Umschreibungen körperlicher Schönheit, meist bezogen auf helle
Haut:
swelch schœne wîp mir gæbe danne ir habedanc, / der lieze ich liljen unde
rôsen ûz ir wengel schînen Walth
28,7;
din wisser nack, noch schoner denn der schoͤnen lylien schin
Seuse
540,3;
ir wangen also schone schein, / als die rose bi daz blat, /
[...]. / der liligen an der wizze / schein ir hut
gliche Herb
3284;
Physiogn
143;
WernhMl
942;
das wisse in baiden ogen sin / was schoͤner vil den lylien
fin ebd.
5834.
– als Symbol der Reinheit und Unschuld:
di lilegen, als man uns seit, / bezeichen gar di kuscheit
Brun
9600;
ir [Marias] kuscheit gelichet / der lylien an der
wize Pilatus
1,97;
diͤ wize lilj der reinicheide MarlbRh
6,23.
102,9;
VMos
83,17;
Konr
21,13;
Seuse
297,1.
– übertr. ‘reine, ehrwürdige Person’
sus kunde der himelische vader / sine zarte lilien, / sine uzerwelten filien,
Elizabeth di claren / mit clarheit uffenbaren Elis
2729;
zu Siciljen, / da si des riches liljen, / den herren lobelichen, / keiser
Friderichen / [...] / in grozen frouden funden ebd.
4552;
der [Maria] volgent weisse liligen
mit, / die rainen maid HvBurg
6509;
besonders in Bezug auf Maria (vgl. Salzer, Sinnbilder, S. 162-170):
Maria was ein rose von schamen, / eine lilege von rechter
kuscheit / ein phiol der unscholt so man seit Brun
4824.
4864
u.ö.;
si ist under den anderen / so lilium undern dornen, / sancta
Maria MarldM
27;
von Jericho du rose, / du lylge jerarchie, / ey, muter mayt
Marie Hiob
109;
WernhMl
14404;
Seuse
544,3;
WhvÖst
19518
MWB 3,3 1164,30; Bearbeiter: Richter
liljen
swV.
→
geliljet
(Nachtr.)
MWB 3,3 1165,7;
liljenblat
stN.
‘Blütenblatt der Lilie’
des krautes pleter sint gestalt sam diu liligenpleter
BdN
421,22.
– im Vergleich mit heller, reiner Haut:
dîn brâ sam si sîn gemâlt, / klein und ze mâzen hôch; / daz
vel, dîn ougenüberzoch, / daz ist wîz als liljenblat EnikWchr
12483;
glander negel, slecht hut glat, / rein wiz als ein liligen
blat, / werliche vber al irn lip. / von wibe quam nie schoner Herb
2498.
– als Mariensigle:
dû rôsenbluot, dû liljenblat, / dû künegîn in der hôhen stat
LobGesMar
16,1
MWB 3,3 1165,8; Bearbeiter: Richter
liljenbluome
swM.
‘Lilie’
dâ [auf dem Acker] stuͦnt ane der
fîcpoum unde der olepoum unde der wîntrûbe unde der rôsebluͦme unde der liliebluͦme
TrudHL
41,16.
– übertr.:
dir smecket wole der liliebluͦme mîner natûrliken
chûske [
kiusche
]
TrudHL
26,20
MWB 3,3 1165,18; Bearbeiter: Richter
liljengarte
swM.
‘Garten, in dem Lilien wachsen’ (hier als Mariensigle):
wis gegrüezet, liljen garte! / bî dir stêt ûf Sîôns warte / manic tûsent meide
schône, / den gît allen lieht dîn krône MarGr 18
101;
alhie von Yesse kunne, nu da die gert Arones, / und wie di stude brunne Moysi,
und von dem velle Gedeones, / liljen garte, palsem tror und rosen anger
JTit
Marlb. 12,3
MWB 3,3 1165,24; Bearbeiter: Richter
liljenkengel
stM.
‘Stängel der Lilie’, hier übertr. (vgl.
liljenstengel
):
sú lag alsam ein engel / der minne lilien kengel / waz an ir vollekomen
MinneR 210
176
MWB 3,3 1165,32; Bearbeiter: Richter
liljenkrût
stN.
‘Lilie, Lilienpflanze’ (hier als Mariensigle):
dû liljenkrût, / dû blüender rôsentolde, / dû brinnder stern
LobGesMar
23,3
MWB 3,3 1165,36; Bearbeiter: Richter
liljenöl
stN.
‘Lilienöl’
liligenöl ist guot für der vergiftigen tier piz, und zeuht
die gepurt auz der muoter BdN
406,16
MWB 3,3 1165,39; Bearbeiter: Richter
liljenouwe
stswF.
‘mit Lilien bewachsene Aue’ (hier als Mariensigle):
Marîâ muoter unde meit, / [...] / du cederboum, du
balsemsmac, / du rîchiu liljenouwe Sigeher
M 8
MWB 3,3 1165,42; Bearbeiter: Richter
liljenrôse
swF.
als Übers. des Namens für die Alba-Rose:
iedoch so pflak er minne der kunigin Alberosen. / lip, lant, ir sinne het im
verselt diu suͤze ‘liljen rosen’ / alsus genant so was ir nam zeduͤte / ze Proventz
in der sprache JTit
5354,2
MWB 3,3 1165,46; Bearbeiter: Richter
liljenrôsevarwe
stF.
‘Farbe wie Lilien und Rosen (weiß und rot)’, die topischen Farben in
Schönheitspreisungen (s.a.
lilje
,
liljenvar
,
liljenwîʒ
,
rôserôt
u.ä.):
ich hâte ein schœne bilde erkorn, / [...] / sîn
lilienrôsevarwe wart sô karkervar, / daz ez verlôs smac unde schîn
Walth
68,2
MWB 3,3 1165,51; Bearbeiter: Richter
liljenschaft
stM.
‘Stängel der Lilie’
die stein [des Palastes] von blicken glander und
gar von richer krefte, / vil weh, unkunt ein ander, der varw etliche gruͤn sam
liljen schefte, / bla, wolken var iegliche nach ir tugende JTit
6229,2
MWB 3,3 1165,57; Bearbeiter: Richter
liljenstengel
stM.
‘Stängel der Lilie’, übertr.:
reiniv wip vnd engel / der kvsche ein lylien stengel / heizent siv
[Frauen] von schulden Martina
94,90.
– als Mariensigle:
du blüender liljenstengel, / du violbusch im merzen, / du
lieht vor allen kerzen KvWGS
858;
der reine liljenstengel, / dîn
[Christus] muoter, an dîner stat / daz opher
[der drei Weisen] enphangen hât Ottok
49498
MWB 3,3 1165,62; Bearbeiter: Richter
liljenvar
Adj.
auch gilienvar
SHort
5790.
‘weiß wie eine Lilie’
Got hât ir wengel hôhen vlîz, / er streich sô tiure varwe dar, / sô reine rôt,
sô reine wîz, / hie rœseloht, dort lilienvar Walth
53,38;
meide klar, / gar rosen rot und lilien var Erz
III
6,596;
der megde gewete ist wisse lylienvar, der predier gewete ist
fúrig sunnenclar, der martyrer gewete ist lúhtende rosenrot Mechth
3: 1,103;
Philipp
856;
SM:KvA
2: 4,2
MWB 3,3 1166,6; Bearbeiter: Richter
liljenvarwe
stF.
‘Farbe von Lilien, Lilienweiß’
unser frawe, diu gibt den rewern und den püezern violisch
varb, den martrern rôter rôsen varb, den junkfrawen lilienvarb BdN
59,15
MWB 3,3 1166,15; Bearbeiter: Richter
liljenwîʒ
Adj.
‘weiß wie eine Lilie’
doch wart ir varwe liljen wîz und rôsen rôt, / und saz vor mir
diu liebe wolgetâne, / geblüet reht alsam ein voller mâne MF:Mor
17: 1,5;
injugent was er [Jesus] lylien wis
WernhMl
5785.
992;
die dorne sint gebluͤmet lylienwis, rosenvar, wunnenklich,
himmelclar Mechth
7: 1,86;
Pass III
388,33;
PrWack
91,191
MWB 3,3 1166,19; Bearbeiter: Richter
1lîm
stM.
auch lin (
JMeissn
A1:21,17;
Stolle (Z)
108:J.36,2
).
klebrige, verstreichbare Masse, ‘Leim’
dar zuo wirt iu von mir gegeben / ein lîm, der kan sô vaste
cleben, / daz sich von sînen kreften / kein sache mac entheften, / diu mit im
berüeret wirt KvWTroj
9258.
9728;
der [
vogel
] durch die
vrîheit, die er hât, / ûf daz gelîmde zwî gestât: / als er des lîmes danne entsebet
/ und er sich ûf ze vlühte hebet, / sô clebet er mit den vüezen an Tr
847;
[ein Zeichen der Reife der Weinbeeren ist,] ob di
vuchtikeit, di do vs der bere dringit, si klebir also lym Pelzb
135,23;
HvNstAp
6826;
UvEtzAlex
24196.
– übertr.:
in der sünden lîme stecket mîn sin, / daz ich sîn drûz niht gebrechen enmac
Kolmas
121,4;
lim und cleb ist ir [der Frau] minne / er sy fro
der in entrinne Ratte
55;
Tr
11792.
11798;
RvEAlex
3176
MWB 3,3 1166,27; Bearbeiter: Richter
2lîm (?)
stM. oder N.
‘Saum, Borte, Streifen’ (vgl. Helmbr , Anm.z.V. 35):
hinden von dem spâne / nâch der scheitel gegen dem schopfe, / reht enmitten ûf
dem kopfe, / der lîm [Hss. der Liͤm, das leym 15./16.
Jh.] mit vogelen was bezogen, / als si wæren dar geflogen
Helmbr
35;
vor an dem lîme stuont ein tanz / genât mit sîden, diu was glanz ebd.
95.
86
MWB 3,3 1166,43; Bearbeiter: Richter |