l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
leip
stM.
‘Brot, Brotlaib’
ein brot ist ein leip / vnde ein leip dast ein brot NeunMänner
(G)
315
(=
Kettenreime
1148,22
);
heiz mir brengen einen leib, / ein girstin brot, des ich
bedarf Pass I/II (HSW)
20656;
Helbl
1,1029;
Rennew
11001
MWB 3,3 1023,40; Bearbeiterin: Baumgarte
leis, leise
stF.
‘Spur’ vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 133ab; oft mit
niuwe:
als ich die spur erkenne, / sîn fliehen mangen guoten meister toeret, /
[...] / ez hilt sich in den leisen, / daz man ez für
ein kelbel mac an sprechen Hadam
188,6.
535,1;
alsam ein tier verhowen uf einer niwen leise, / noch baz dem von Anschowen
spuͦrt man durch gedrenge sine reise, / swelches ends er sich mit nide cherte, / uz
helme fiur, uz wunden bluͦt, sus zweier hande regen er da rerte JTit
930,1.
– in Bildern mit snîwen eigentl. und übertr.:
von snêwe was ein niwe leis / des nahtes vast ûf in gesnît
Parz
281,12;
der unpris ie verworhte, so daz von im da snite ein niwe leise, / dar uf man
spurnde ritter mohte vinden JTit
4338,2;
RvEWh
6646
(La., →
niuleis
);
von Speersplittern:
der minnen gernde Rîwalîn, / von des sper snîte ein niwe leis
Parz
73,15;
Morholt von Irlande, der ie in starker vreise / so vil der sper verswande, daz
von siner hende niwe leise / sniten von drunzunen
[Speersplitter] und von sprizen JTit
1402,2.
2012,2
MWB 3,3 1023,45; Bearbeiterin: Baumgarte
leis
stM. , leise
swM.
‘(wohl i.d.R. einstrophiger) volkssprachlicher geistlicher
Gesang’ im Rahmen von Gottesdienst, Wall- und Pilgerfahrten; aus kirie
eléison, das als Refrain erscheint (vgl. V. Mertens, Leisen und Rufe, in:
2MGG 25,1075-1078; vgl.
kirjelêîson
):
nu heuet iwer hende unde iwer herze ûf ze dem almahtigen gote
mit dem leisse: ‘helfen uns alle heiligen.’ Spec
115,26;
[bei Marias Himmelfahrt] nuͤ wandirt hin und wesit vroͤ /
und singet uwir leyse also: nuͤ ist dyͤ werlt alle zcuͤ gote vil vro
MarSp
766;
[bei der Rückkehr der Prozession] dî pfaffin sûze sungin,
/ dî glockin lûte clungin, / dî leigin ire leise / sungin dî wegereise
NvJer
6591;
der leien leisen durch tiutschiu lant / sint einveltic und doch baz bekant /
denne manic kunst, ûf die geleit / ist grôziu kost und arbeit. / unserm herren ist
wâriu einveltikeit / lieber denne valsch driveltikeit Renner
11121.
– zum Beginn und Ende einer gefährlichen Unternehmung (z.B.
einer Schifffahrt, eines Kampfes):
[als das Ziel der Seereise in Sicht ist] Ernst begunde
loben got; / mit den sînen was er frô, / sînen leisen huop er dô: / ‘Crist, hêrre,
du bist guot, / nu hilf uns durch dîn reinez bluot, / durch dîne hêren wunden / daz
wir frœlîch werden funden, / dâ süeze ist der engel dôn, / in dînem rîche:
kyrieleison!’ ErnstD
4538.
3581.
1924;
den leysen man zuͦ velde sanc: / ‘in godis namen varen wir’
Böhmenschl
48;
dô si uf die heiden drungen, / irn leisen sie sungen: / ‘helf
uns daz heilige grap!’ Kreuzf
3100.
1896
u.ö.;
dô sie in die burc drungen, / iren leisen sie sungen ErnstD
2158.
4759.
3070;
Hirzelin
93
MWB 3,3 1024,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leisieren
swV.
auch leischieren ( Parz ;
PleierTand
13795
) und losieren (
Krone
29163;
MinneR 418
48
).
‘mit verhängten, d.h. lockeren Zügeln reiten; schnell reiten, galopppieren’
(zu afrz. ‘(es)lais(s)ier’), vgl. Suolahti 1,146, Rosenqvist 1,149; Segelcke,
Rîten, S. 161); oft im →
1kreiʒ
8, dem Kampfplatz:
Reinfrit und der Persân, / daz ors ze beiden sîten nan, / sî beide dô
ersprancten. / ûf halbem kreize sancten / sî diu banier und diu sper / und kâmen
geleisieret her, / niht als sî rîten, als sî flugen Reinfr
17306.
855;
mit in leisierte der rîche heiden. / daz ros gie ze sîten beiden / als ez vor
fröuden fliegen wolde Heidin II
335.
2281;
UvZLanz
2369;
leischiernde si die zoume / kurzten, unde tâten
goume [und richteten ihre Aufmerksamkeit darauf] , /
swenne si punierten, / daz si niht failierten [dass sie beim
Lanzenstechen nicht daneben trafen]
Parz
738,25
u.ö.;
Tr
2109;
Herb
1445;
TürlArabel
*R 71,17
u.ö.;
Ottok
8135;
UvLFrd
181,17
MWB 3,3 1024,34; Bearbeiterin: Baumgarte
leissup
Subst.
eine Pflanzenart, eine Art von Distel (?):
eupopectina: leissup Gl
3:480,1
(vgl. lupopectina AWB 2,558 s.v. thistil und Marzell
2,147 s.v. Dipsacus silvester )
MWB 3,3 1024,54; Bearbeiterin: Baumgarte
leist
stF.
‘Ausübung’
dit prvͦbe, nim in dinen sin! / dvͦ enwollist dich dan vzerin / vil gar
fleiszlicher liebe leist, / sa enmag auch dir der heilige geist / mit siner gnade vf
erden / avch nvmmer mere werden, / daz vns wol die zwelfboden gar / hant bewisit
vffenbar PrHess
39,91;
doch weiz ich kein gelouben / an sinne manicvalte / der sich sô missestalte /
nâ sîner secte rehtekeit / als leider tuot diu kristenheit / mit volleclîcher
leiste. / jô wil iez der meiste / gên gote sîn der bœste Reinfr
17791
MWB 3,3 1024,58; Bearbeiterin: Baumgarte
leist
stM.
‘Schusterleisten’
forma vel calópede: laist Gl
3:665,27;
callipodium: leist SummHeinr
1:372,419.
2:86,234;
die schuostær jâhen, si heten / hulzîner leist sô vil, /
‘daz wir in kurzem zil / dâmit gefullet haben / vor der burc den graben, / ob uns
der herzog Albreht / niht behaltet diu reht, / diu er uns billich solt behalten’
Ottok
65559;
ieglicher sin gezowe [Werkzeug] truc, /
[...] swert, sper, schufeln, bret / und darzu hamer
unde leist Pass III
584,81.
– übertr. (Glr.z.St. ‘Form, Weise’):
nu merket: in der selben wis / und nach dem selben leiste /
daz Got die ersten geiste / vrowen Even und Adames / geschuf HeslApk
18001
MWB 3,3 1025,4; Bearbeiterin: Baumgarte
leistære
stM.
1
‘jmd., der Verpflichtungen nachkommt’
2 als Bestandteil eines Personennamens (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 538f.
erwägt die Zuordnung zu 1 , bevorzugt jedoch die zu
leist
stM., ‘jmd. der (Schuster-)Leisten
herstellt’ )
1
‘jmd., der Verpflichtungen nachkommt’
daz iz [dieses Buch] werd gezême, /
prîslîch und annême / Gote, Marîen und dem meistir, / dem ich diss dînstis bin ein
leistir NvJer
214.
– meist in Rechtstexten als Schuldner/ Bürge im Einlager (vgl.
leisten
1.1.1.1,
leistunge
,
înlëger
):
ez habnt auch di porgen all vollen gewalt, swelher vnder in
[...] selb niht geleisten mach, daz der selb, an
sein stat, ein die leistvng legen mach einen erbärigen leistär mit einen pfärd
DRW
8,1198
(MBoica; a. 1323);
ist das ihr einer in einer laistung ist, so soll er einen andern laister
legen UrkWürtt
10,553
(a. 1296);
und suͤllen auch laister fride und gelaite haben, die burgern oder iuden
laistent NüP
124.
123.
125;
ez suͤln auch die gastgeben in der vasten einen herren
oder einen laister, der an herren stat laistet, niht tiwrer zeln danne umb 16
dn, und einen chneht umb 8 dn StRMünch
254,20.
– übertr.:
ir sult wizzen daz sîn [Gottes] gebot /
verliust niht den gebieter eine: / die leister sint verlorn gemeine
WälGa
8002
2
als Bestandteil eines Personennamens (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 538f.
erwägt die Zuordnung zu 1, bevorzugt jedoch die zu
leist
stM., ‘jmd. der (Schuster-)Leisten
herstellt’):
Wernher der Leister UrkCorp (WMU)
2749,39;
Wernher Bennendorf · Heinr Leister vnt ander erber lúte
UrkCorp
2353,38
MWB 3,3 1025,17; Bearbeiterin: Baumgarte
leisten
swV.
geliesten (
Roth
2446
).
1
‘etw. aufgrund einer Verpflichtung tun’ , i.d.R. mit Akk.d.S. (und
Dat.d.P.); selten ge- präfigiert (vgl. 2 ) 1.1
‘einer Verpflichtung nachkommen’
1.1.1 rechtlich 1.1.1.1 häufig ‘als Bürge im Einlager sein’ (vgl.
înlëger
,
leistunge
; vgl. DRW 8,1195-97 mit weiteren
Belegen; zur Sache 2 HRG 1,902) 1.1.1.2
tac , teidinc
‘der Einberufung zu einer Versammlung, einem Gerichtstag Folge
leisten’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen) 1.1.1.3
mânôt/ jâr
‘ein zeitlich beschränktes Verbannungsurteil befolgen’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen) 1.1.1.4
‘sonstigen rechtl. Verpflichtungen (dienest,
kampf, zins u.ä.) nachkommen’ (vgl. DRW 8,1194f. mit weiteren Belegen) 1.1.2 religiöse Verpflichtungen erfüllen ( mësse , opfer ,
gebët , buoʒe , dienest u.a.) 1.1.3 Wendungen, die kontextabhängig unterschiedliche (rechtl., relig., private)
Verbindlichkeiten ausdrücken können 1.1.3.1
triuwe
1.1.3.2
geselleschaft , gesellicheit
1.2
‘etw. Zugesagtes einhalten; ein Versprechen, einen Eid erfüllen’
1.3
‘einen Befehl ausführen, eine (weltl., relig.) Anweisung befolgen’ ,
übergehend zu ‘einer Bitte nachkommen’
2
‘etw. aufbringen, aufbieten’ (i.d.R. ge- präfigiert) 2.1 allg. 2.2
‘etw. können; die Fähigkeit haben, etw. zu tun’
2.3
‘etw. schaffen, erreichen, hinbekommen’
1
‘etw. aufgrund einer Verpflichtung tun’, i.d.R. mit Akk.d.S. (und
Dat.d.P.); selten ge-präfigiert (vgl. 2)
1.1
‘einer Verpflichtung nachkommen’
1.1.1
rechtlich
1.1.1.1
häufig ‘als Bürge im Einlager sein’ (vgl.
înlëger
,
leistunge
; vgl. DRW 8,1195-97 mit weiteren
Belegen; zur Sache 2HRG 1,902):
taeten wir des niht, so hand si gewalt den anderen buͤrgen ze
manen, und sol in der ze hant hie ze Auspurch laisten in rehter
giselscheft ze ainem erbern gastgeben ân gevaerd und uz der laistung
niht chomen biz wir in ainen anderen buͤrgen setzen
UrkAugsb
1,235
(a. 1324).
1,259
(a. 1330).
1,285
(a. 1332);
wil ich die giselschaf nit laisten, so sol ich zi hant vnd ane
vndersaz die burg zi Brunnen vnd die stat zi Múlhain antwurten in des
bischoffes vnd der tuͦmherren von Costentze gewalt
UrkHohenz
1,114
(a. 1303);
so suͥlen wir [...] laysten nach
geyselreht in ains offen gastgeben haus UrkBrixen
528
(a. 1332);
Mühlh
99,19;
waz sol ein bürg, der nit leisten wil dur sînen
zorn? SM:Ga
1: 2,7.
– subst.:
vnd svͤln ovch hertzog Ludweigs svͤn, di weil daz laisten
wert, hintz Mvͤnichen niht chomen UrkCorp (WMU)
1800AB,43
u.ö.;
daz si in varn ze Nurenberg vnd leisten nach leistens rehte
viͤrzehen tage ebd.
2198,34.
–
leistende phërt
‘Pferd, das jmd. im Einlager mitbringen muss’ (vgl.
leistphërt
):
und sol man geben dem leistenden pferde ein
moͤz habern und 2 #(pfennig) wert heuwes zuͦ tage und zuͦ naht
WüP
77,6;
die habern veil haben, ez sin fuͤterer oder
die leistende pfert haben ebd.
77,3
1.1.1.2
tac, teidinc
~
‘der Einberufung zu einer Versammlung, einem Gerichtstag Folge
leisten’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen):
swenne ein herre teidinget sinem man zelehenrehte. vnd er sinen
mannen mit vrteil gebivtet dar zvͦ zekomenne. inr den teidingen so mag
er dem man deheinen tac gebieten zeleisten SchwSp
221a;
sie schuofen daz wol, / daz mans flîzeclîchen
phlac / unde leisten den tac, / der in von hove geboten was, / als man
an den brieven las Eracl
1366.
– hier mit Bezug auf den Beischlaf in der
Hochzeitsnacht:
ime [Marke] was ein
als ander: / an ietwederre [Isolde oder
Brangäne] vander / golt unde messinc. / ouch
leistens ime ir teidinc / alsô [...] / daz
er nie nihtes wart gewar Tr
12672
1.1.1.3
mânôt/ jâr
~
‘ein zeitlich beschränktes Verbannungsurteil befolgen’ (vgl. DRW
8,1197 mit weiteren Belegen):
wo ein burgman den andern ze tode sluͤge
[...]der sol leisten ein iar
MGHConst
7,1:162,11
(a. 1337);
aber die burgerre, die vor der stat sitzent, swer vs dien den
ainvng verschuldet ains phvndez oder zehen schillinge, der hat die wal,
ob er welle in die stat varn den manod ze laistenne inwendig dien torn,
ald aber vswendig der stette gerihte UrkAargau
1,3:240,24
(a. 1314)
1.1.1.4
‘sonstigen rechtl. Verpflichtungen (dienest,
kampf, zins u.ä.) nachkommen’ (vgl.
DRW 8,1194f. mit weiteren Belegen):
si wâren mit dem dienste vil übele gewert, / den
in dâ leisten solde Sîvrit der helt guot NibB
93,3;
den champf sol man in gepieten zelaisten vber sechs wochen
SpdtL (E)
Ldr 88,4;
RbRupr
312;
ich sol ê leisten mînen kampf Parz
350,9.
684,23;
sît man iu tjost verzinsen sol, / er mag iu zins
geleisten wol. / hêr, dort stêt ein
runzît [Pferd] : / daz erwarb an mir sîn
strît ebd.
545,12;
auch im Bild:
wir schuͤln aver unserm chaiser, dem heiligen
Christ, einen so getanen pfenninch laisten, daz wir diu zehen gebot
der heiligen e behalten PrOberalt
170,21
1.1.2
religiöse Verpflichtungen erfüllen (mësse, opfer,
gebët, buoʒe, dienest u.a.):
dô ez tac wart / unde er sîne êrste vart / dem
heiligen geiste / mit einer messe leiste Iw
6595;
der künic hiez vil balde dô / gebieten, dise hôhgezît
/ über al sîn künicrîche wît / mit opher leisten sînen goten
RvEBarl
11501;
daz ist iv ein uil angestlich gebete, irne welt ez
oͮch leisten Spec
156,4;
allen den, [...] die der
lebent [...] zimet [...]
gote ulizzeclichen dienen, ware bîhte ze toͮnne, rehte boͮzze ze leistenne
ebd.
146,3;
Mechth
6: 12,4;
Lanc
540,3;
dô hiez er prîme sprechen sân, / dar nâch messe ane
vân / von dem heilegen geiste, / dem er dienest gerne leiste
Eracl
4934;
AHeinr
1163;
do der heilige man / in daz munstir quam / vnd her
sine uenie hete geleist Ägidius
1112;
das unbegriffenlich lop, das wir got leisten soͤllen
Mechth
4: 18,66.
7: 55,30;
PrOberalt
170,33;
die stola bezeichent die gehorsami, die der heilige
Crist leistete sinem vatere, do er in in dise welt sante
Lucid
88,9;
Gen
891;
Litan
439.
– mit Ersparung des Akk.:
ir herren, tut gut mit gewalt, welt ir dem schepfer leisten
Frl
5:97,19
1.1.3
Wendungen, die kontextabhängig unterschiedliche (rechtl., relig., private)
Verbindlichkeiten ausdrücken können
1.1.3.1
triuwe
~ :
sô wil ich werden iuwer man / und wil iu leisten
triuwe Wig
7193;
wiltu gotte rehte trúwe leisten, so soltu in
siner liebin volgen sinem geiste Mechth
2: 23,17;
lieb, dir sol nit wesen leit, / ob ich dich triuwe
und stætekeit / gegen mir ze leisten habe gemant SM:Te
13: 2,3;
→
triuwe
stF.
1.1.3.2
geselleschaft, gesellicheit
~ :
der künc sprach ‘wederz ist der knabe / der künc
sol sîn übr iwer lant?’ / al den fürsten tet er dâ bekant / ‘Wâls unde
Norgâls, / Kanvoleiz unt Kyngrivâls / der selbe sol mit rehte hân, /
Anschouwe und Bêalzenân. / kom er imer an mannes kraft, / dar leistet im
geselleschaft’ Parz
803,10;
dô der daz michel ungemach / an sîme herzeliebe
ersach, / er leiste ir wol gesellekeit; / wan er nam sich ir senede leit
/ vil inneclîche mit ir an Tr
1433;
→
geselleschaft
(1.1
u.ö.), →
gesellicheit
(1.2)
1.2
‘etw. Zugesagtes einhalten; ein Versprechen, einen Eid erfüllen’
do gelaiste wol der wîgant / daz er gelobete wider sînen
hêrren Kchr
14135;
NibB
2034,2;
Iw
382;
Er
587;
Wh
278,9;
Lanc
275,6.
26,31;
unze wir geleisten / al daz wir geheizen
Rol
535.
493;
Achilles ouch leiste, / als er hette gesprochen
Herb
12652;
Parz
502,27;
ich leist daz mir der eit gebôt ebd.
653,14;
‘ir kúnent sere wol geloben, ich weiß nit wie ir
leisten kúnnent.’ Lanc
274,35.
– des Gläubigen gegenüber Gott:
daz ein iegelicher leiste gote sînen
entheiz [Gelübde, Versprechen] , den er mit
eigener willekure hat entheizen StatDtOrd
77,33;
RvEBarl
14562;
swaz wir got gelobt habn, daz wir daz leisten
PrBerthKl
8,48;
SüklV
529;
PrOberalt
167,28.
– auch von Gottes Verheißungen:
nu schuͤln wir den heiligen Christ von allen unsern
chreften, von allen unsern gedanchen vil innenchlichen biten, daz er uns
leist alz er uns gehaizzen hab PrOberalt
115,3;
daz wil ich dir [Isaak] und
dînen chinden leisten Gen
1098.
1251;
Will
99,5.
129,6;
Konr
16,65;
Frl
12:1,15;
zu
ebd.
1:10,26
vgl. FrlWB S. 209.
– übergehend zu ‘voraussagen’
herre, du hast gesprochen, es si enkein gabe uf disem
ertrich, da lige ein geisel uffe; das hast du mir vor geseit mit din selbes
munde und hast mir es nach geleistet zuͦ maniger stunde
Mechth
3: 16,4
1.3
‘einen Befehl ausführen, eine (weltl., relig.) Anweisung befolgen’,
übergehend zu ‘einer Bitte nachkommen’
die dâ gelouben an got / und gerne leisten sîn gebot
KvHeimHinv
802;
Aneg
2510;
sie leisten alle sin [des
Löwen] gebot, / er was ir herre ane
[außer] got ReinFu
K,1245;
Herb
10951.
11308;
NibB
1416,1;
Parz
554,18;
diu magt mit zühten rîche / leist ir vater willen gar
ebd.
176,25;
Will
81,5;
ich wil werden iuwer man / und leisten swes ir, herre,
gert Wig
8585;
NibB
1707,4;
daz ich billicher leisten sol, / daz mich geheizzen hat
der got Herb
3586;
sîn vil manigiu tugent mich daz leisten hiez MF:
Wolfr
2: 1,10;
RvEBarl
11526;
KLD:Kzl
16: 7,7;
Parz
821,22;
mit rede warb erz an in sô: / daz enwart niht gar
geleistet dô ebd.
539,30;
Wh
272,20;
Er
5971;
Tr
16243;
und gelobet im des stæte / ze leistenne swes er bæte
Iw
4582;
wis frô, / dîn bete wirt geleistet SAlex
5669;
Wh
87,14;
Herb
13508;
PrOberalt
159,8;
da was niht massenie me / wan wir zwei dort in einem kle.
/ si leiste, daz si solde, / und tet, daz ich da wolde Tannh
3,78;
swaz ir gespil mit ir getreip, / si leiste unde werte, /
swes er hin zir gegerte Tr
12601.
19103
2
‘etw. aufbringen, aufbieten’ (i.d.R. ge-präfigiert)
2.1
allg.:
div aver so riche niht wære, daz si daz lamp niht mohte
gelaisten, div bræhte zwo tvrteltvben Spec
33,31;
Lupolt der meister / ne mochte nicht geliesten / wan ein
bose schurcelin [einen erbärmlichen Schurz] / daz want
her vmme den liph Roth
2446;
swenne er dînes heris craft, / di du vil wol geleisten
maht, / sehet ingagen ime varn SAlex
2458;
den crieg den ich geleisten mac / den muoz er iemer lîden
KvWSchwanr
548;
es ist der boͤsosten túfeln einer, den dú helle mag
geleisten Mechth
4: 17,16;
ich wil bî sîme hazze sîn: / swaz hazzes er geleisten
mac, / mîn haz im biutet hazzes slac Parz
320,29;
alsô suln wir haben ein wizzendez warnemen unsers herren
in allen dingen. dar zuo muoz vlîz gehœren und muoz kosten allez, daz man
geleisten mac an sinnen und an kreften Eckh
5: 210,10.
5: 197,4;
ie wir aller dinge minner minne hân, ie wir sîn
[Gottes] mêr hân mit allem dem, daz er geleisten
mac ebd.
5: 297,4.
5: 298,6;
Iw
5225;
Wh
257,28;
Athis
C* 58;
Parz
230,5;
Herb
11717;
Lanc
417,15.
–
‘Kraft aufbringen’ (von Pferden):
ein ritter kam den berg nyder gerant was das roß
geleisten mocht Lanc
157,7.
583,19.
156,35
u.ö.
2.2
‘etw. können; die Fähigkeit haben, etw. zu tun’
da sulen si wesen inne / mit vil micheler grimme / beidiu
naht unde tach, / als der tievil vil wol geleistin mach / immer an ente
Wahrh
24
2.3
‘etw. schaffen, erreichen, hinbekommen’
ich wil mich gern laßen scheczen, mag ichs geleisten das
ir von mir wollent nemen Lanc
259,6
MWB 3,3 1025,44; Bearbeiterin: Baumgarte
leistic
Adj.
‘Verpflichtungen nachkommend’
fryget sy vor schanden / dü stetter trü [stæter
triuwe] sint laistig MinneR 332
179
MWB 3,3 1028,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leistphërt
stN.
‘Pferd, das jmd. im Einlager mitbringen muss’ (vgl.
leistunge
,
înlëger
):
man hat auch gesetzet, swelher unser burger der ist, dem man umb sein gelt
laisten sol, daz dehaine laister noch kaine laistepferde in sein selbes haus niht
laisten sol NüP
125.
123
MWB 3,3 1028,49; Bearbeiterin: Baumgarte
leistunge
stF.
vgl. WMU 2,1120 und DRW 8,1199f, mit weiteren Belegen.
‘Erfüllen einer Verpflichtung’
1
‘Einlager’ , außergerichtlich eingegangene Verpflichtung des Schuldners (und
seiner Bürgen), sich bis zur Erfüllung seiner Schuld auf eigene Kosten an einem mit
dem Gläubiger vereinbarten Ort aufzuhalten (vgl. 2 HRG 1,1298f., LexMa
3,1743; vgl.
înlëger
,
leisten
1.1.1.1 ) 2
‘Zahlung einer fälligen Geldsumme’
3
‘Strafaufenthalt, Verbannung aus Stadt oder Land’ (vgl.
leisten
1.1.1.3 )
1
‘Einlager’, außergerichtlich eingegangene Verpflichtung des Schuldners (und
seiner Bürgen), sich bis zur Erfüllung seiner Schuld auf eigene Kosten an einem mit
dem Gläubiger vereinbarten Ort aufzuhalten (vgl. 2HRG 1,1298f., LexMa
3,1743; vgl.
înlëger
,
leisten
1.1.1.1):
daz danne ieder man mit einem pherde und mit einem knechte saͤl in varn ze
Iphoven in die leistunge und da leisten also lange, biz wir in das gut
gerechtvertigen mit allem rechte, alz wirz biz her haben gehabt vor eygen oder vor
lehen UrkCastell
135,38
(a. 1328);
so sol ir ieglicher nach dem vnd sie gemant werden ein pfert in die leystunge
legen ze Wirtzeburg ze einem offen wirte UrkWürzb
39,353
(a. 1328);
als ofte sich der pferde eines verzert und in der leystunge von ungelucke
abegieng, als ofte sol der burge, des das ist gewest, ein anders antwͤrten in die
leystunge UrkHohenl
2:250,21
(a. 1328);
ain ieclich purger, der in ainer laistunge ist, wil der varn in sein selbes
geschefte oder in der stat geschefte oder ob er wil wallen oder varn in
kaufmanschaft, den sol die laistunge niht irren und an seinen triwen niht schaden
NüP
125;
UrkEnns
5,518
(a. 1328);
UrkRhStädteb
87
(a. 1318);
UrkWittelsb
2,99
(a. 1297)
2
‘Zahlung einer fälligen Geldsumme’
die ingesatzt odir vorwyset sint ane achte vmb bruche, da von der stad gelt
gevallen sal, sterben die in den pynen, die mag man in die stad odir vz irme hus ane
leystunge des geldis trage vnd in der stad begrabe StRMühlh
69
3
‘Strafaufenthalt, Verbannung aus Stadt oder Land’ (vgl.
leisten
1.1.1.3):
wanne die laistung geschicht, so sol der burggref zuͤ im nemen zwen burchmanne
uf sinen eyde, [...] die drei sullen machen einen suͤn umb
alle bruche MGHConst
7,1:162,14
(a. 1337)
MWB 3,3 1028,55; Bearbeiterin: Baumgarte
leistwagen
stM.
Bed. unklar (wahrscheinlich ein Wagen, der mit zu erbringenden Leistungen
(Dienste, Abgaben) zu tun hat, vgl.
dienestwagen
; oder mit einem
leistære
im Einlager):
item ein wagen, der da haizzet laistwagen, geit ie der wagen von dem gantzen
savm II. phenning UrbBayS
4,210
MWB 3,3 1029,29; Bearbeiterin: Baumgarte
leit
Adj. , leide
Adv. (?)
präd. auch leide; leit haben (
MorantGalie
122
) vgl.
haben
2.11.
1 attr. 1.1
‘unliebsam, unerfreulich, verhasst’
1.2
‘schmerzlich’
2 präd. 2.1 in der Form leit mit Dat.d.P. und Nom. oder Akk.
(oder entspr. Subj.- oder Obj.-Satz) 2.1.1 mit Nom.d.S. oder Subj.-Satz 2.1.1.1 bei sîn , wërden oder
wësen (vgl. 2.2.1.1 ); etw.
ist/ wirt jmdm. leit
2.1.2 mit Dat.d.P., Nom.d.P. und Akk.d.S. oder Obj.-Satz 2.1.2.1 bei lâʒen/ lân (mit refl. Dat.d.P); jmd.
lâʒet/ lât sich etw. leit ; mit erspartem
sîn [s.o. 2.1.1 ], vgl.
2
5 Mhd. Gr. § S 232,2), ‘jmd. lässt sich von
etw. schmerzlich berühren; lässt sich etw. zu Herzen
gehen’
2.1.2.2 bei machen ; jmd. maht jmdm.
etw. leit , ‘jmd. macht jmdm. etw. (den Körper)
unerträglich, verwundet jmdn. schmerzhaft’
2.2 in der Form leide mit Dat.d.P. (die präd.
Verwendungen von leide und leit [s.o. 2.1 ] sind in Bezug auf Bedeutung und Satzkonstruktion verschieden; es
bleibt hier offen, ob leide der Form nach als Adv. zu werten ist [so
Grimm und Behaghel s.u. Lit] oder als adj. Form [z.B. unter dem Einfluss des
Subst.
leide
stF.]; auffällig ist, dass hier keine eindeutig
adv. Belege vorliegen, sondern alle auch als (halb)präd. adj. Form gelesen
werden können) 2.2.1 ohne Nom. oder Akk. 2.2.1.1 bei sîn , wërden ,
wësen (vgl. 2.1.1.1 ); jmdm.
ist/ wirt leide
2.2.1.2 bei geschëhen ; jmdm. geschiht
leide , ‘jmdm. widerfährt etw., das ihn unglücklich macht;
jmdm. passiert Schlimmes, Übles, Leidvolles’ (vgl. 3.2.2 sowie unter
leit
stN. 4.2 und 5.3.1 ) 2.2.2 mit Dat.d.P. und Scheinsubj. ëʒ
2.2.2.1 bei ergân ; ëʒ ergât jmdm.
leide , ‘es ergeht jmdm. schlecht’
2.2.2.2 bei geschëhen ; ëʒ geschiht
jmdm. leide , ‘es geschieht jmdm. etw., das ihn unglücklich
macht’ (vgl. 3.1.2 ) 2.2.3 mit refl. Dat.d.P. (im Folgenden mit ‘sich’ umschrieben)
und Nom.d.P. 2.2.3.1 bei gedenken ; jmd. gedenket
sich leide , ‘jmd. hegt empörte, besorgte, schmerzliche
Gedanken; macht sich Sorgen’
2.2.3.2 bei sëhen ; jmd. siht sich
leide , ‘jmd. begegnet leidvollem Erleben,
schmerzlichen Erfahrungen’
2.2.3.3 bei sitzen ; jmd. sitzt sich
leide , ‘jmd. ist traurig’
2.2.3.4 bei stân ; jmd. stât sich
leide , ‘jmd. ist traurig’
2.2.4 mit Dat.d.P. und Nom.d.P. 2.2.4.1 bei gerâten ; jmd. gerâtet
jmdm. leide , ‘jmd. schadet jmdm., tut ihm weh’
2.2.4.2 bei sprëchen; jmd. sprichet jmdm.
leide , ‘jmd. spricht etw. beleidigend, verletzend oder
beschämend zu oder über jmdn.’
2.2.4.3 bei (ge)tuon ; jmd. (ge)tuot
jmdm. leide (vgl.
leit
stN. 4.4 und 5.3.2 ), ‘jmd. tut jmdm. weh’
1
attr.
1.1
‘unliebsam, unerfreulich, verhasst’
den ich hie vor genennet hân, / daz ist der leide strîtes
got KvWLd
2,32;
diu leide huote irret recht minner sêre / und ouch der
verwâzzen merker spehen SM:Had
27: 3,1.
1: 7,11;
Tr
12196;
leider winter ungestalt, ûzwert halt! KLD:
Kzl
13: 1,1.
6: 1,1;
SM:WvK
3: 1,4;
do saz in leyden trechtin [Gedanken,
Betrachtungen] / Constantin der riche Roth
4330;
ich nim urlop zuͦ minem leiden
lichamen [Körper]
Mechth
6: 28,26;
doch sach vil leiden anblic / der dâ wirt was genant: /
im was diu vorburc verbrant / unz an die burcmûre gar Iw
4366;
MF:Reinm
64: 3,1.
– im Ggs. zu
liep
:
hilf, daz min sele / werde ce deile / den lieven godes
engelen, / niet den leiden duvelen MarldA
191.
– subst:
die lieben unt die leiden / heten mich für einen
zagen Parz
558,10;
SM:KvL
15: 2,10.
– als Attr. zu gast
‘unliebsamer Gast, Feind’ (vgl.
gast
4):
minne ist an sehendez leit, /
[...] / den zagen ist siu ein swærer last, /
des swachen herzen leider gast UvZLanz
928;
si gewunnen leide geste. / die ire burch veste / wart
in under drungen Rol
875.
4460;
wand’ ich nie gast deheinen sô rehte leiden gewan
NibB
2002,4.
2162,4;
Tr
5506.
7101.
– oft leide (niu-)mære
‘schlechte Nachricht’ (offen zu 1.2):
ûf esten gestent sich nit mê / vogellîn als ê, ouwê, /
daz sint leide mære SM:AvR
2: 1,3;
owê der leiden mære / daz mîn vrouwe Lîamêre ist tôt
Wig
10091;
Isengrin, der vischere, / der vernam vil leide
mere [bezogen auf herannahendes, verhängnisvolles (s.u.)
Bellen, das ihm Unheil verkündet]
ReinFu
K,778.
K,1275
u.ö.;
RvEBarl
8171;
NibB
2168,4
u.ö.;
KvWHerzm
285.
477;
Roth
3296.
4860;
Tr
5480
u.ö.;
owi laidiu numare, / di nu fligent in di lant!
Rol
7544;
VAlex
388.
– übergehend zu ‘verhängnisvoll, unselig’
ime [Tristan] benam al sîne
maht / diu leide zunge [des Drachen] , die er truoc
Tr
9087;
[Brangäne] nam daz leide veige
vaz [das Gefäß, das den Liebestrank enthielt] ,
/ [...] und warf daz / in den tobenden wilden sê
ebd.
11693;
des leibes gelvst ersleicht oͮch den mensh eteswen als der leit rebe
der den gast trunken machet PrLeys
17,26
1.2
‘schmerzlich’
diu trûrege âventiure / und daz vil leide scheiden / von
ir gevriunden beiden / daz gieng ir sô mit smerzen / und alsô gar ze herzen, /
daz ez ein michel wunder was, / daz si vor leide genas Tr
16665;
der tac ûf dringet unde bringet / leiden sin, der mich an
liebe wunt / wil machen ûf des herzen grunt KvWLd
15,43;
dirre welte rîcheit [...] gît
dir vrœlîch urhap / und leidez zil, ein engez grap RvEBarl
3950;
daz sî mich wol ze einer stunde / von der langen und der
leiden swær enbunde SM:UvS
9: 5,6;
ôwê der ougenweide, / dâ man nâch leidem leide / mit
leiderem leide / siht leider ougenweide! Tr
1752.
– im Ggs. zu
liep
:
ir liebez leben, ir leiden tôt, / ir lieben tôt, ir
leidez leben Tr
63;
lieben wân und leiden wanc, / swaz si des ein ander
tæten, / des het ir unstæte danc KLD: UvL
23: 7,5;
SM:UvS
11:
2,2
2
präd.
2.1
in der Form leit mit Dat.d.P. und Nom. oder Akk.
(oder entspr. Subj.- oder Obj.-Satz)
2.1.1
mit Nom.d.S. oder Subj.-Satz
2.1.1.1
bei sîn, wërden oder
wësen (vgl. 2.2.1.1); etw.
ist/ wirt jmdm. leit
2.1.1.1.1
‘etw. ist jmdm. verhasst, zuwider,
unangenehm; etw. missfällt jmdm.’
untruwe ist im lait, / er minnit rechte
warhait Rol
9053;
sie waren es alle gemeit, / ân der kvnic, dem
was ez leit Herb
1166;
Wig
9852;
den guoten was niht leider, / dan der welte
rîchtuom RvEBarl
4518;
Will
13,12;
si âzen als si solten
[...] / Antikonîe in selbe sneit: / daz
was durch zuht in bêden leit [unangenehm,
peinlich]
Parz
423,28;
mir ist der werlde unstaete / von genuogen
dingen leit MF:Reinm
58: 1,2;
Iw
814.
– mit daʒ-Satz oder
Konditionalsatz in der Funktion eines Subj.-Satzes:
daz hazzete sin vater Peleas. / dem
[...] was vil leit, / daz Jasones
lop was breit Herb
169;
dir sol nit wesen leit, / ob ich dich
triuwe und stætekeit / gegen mir ze leisten habe gemant
SM:Te
13: 2,1;
MF:Reinm
64: 2,1;
mir wære leit, / west ir, waz mir wære
Eracl
3286.
– in höflichen Redeeinleitungen:
enwærez iu niht leit, / sô het ich gerne
vrâge / iuwer ahte und der mâge Iw
6304;
Wig
3344
2.1.1.1.2
‘etw. ist jmdm. schmerzlich; macht jmdn.
traurig’, übergehend zu ‘etw. tut jmdm. leid, etw. ist
jmdm. Anlass zur Reue’
diz was im inneclîche leit / und tet im in
dem herzen wê Tr
13596;
dîn kumber und dîn arbeit / müet mich sêre und
ist mir leit Eracl
684;
ez was in allen samt leit. / sie clageten ez
harte sere Herb
12244.
16516;
Iw
6413;
myn affenheit die ist uch leider,
[...], dann allen den die man nu leben
sicht Lanc
536,18;
kœm daz von meinen schulden, daz wær mir lait
BdN
91,11;
lât iu wesen leit / iuwer missetât
Eracl
2088;
VMos
22,14;
SüklU
37;
KLD:UvL
54: 3,6;
Mechth
3: 21,106;
ez wirt im an dem alter leit
TannhHofz
247;
daz ist mir durch den knappen leit
Parz
381,3;
iz ist mir fvr vch leit ReinFu
K,1870.
– mit daʒ-Satz in der Funktion
eines Subj.-Satzes:
mir ist vil dienestlîchen leit / daz iwer
kumber ist sô breit Parz
29,21;
Wig
585;
mir ist innechlichen lait, daz ich swuor
disen ait AvaJo
29,2;
auch in adv. Form (vgl. 3.1.1):
mir ist leide, / daz der winter beide /
walt und ouch die heide / hât gemachet val SM:
KvT
5: 1,1.
– als Bestandteil von Drohungen ‘etw.
wird jmdm. schmerzlich werden, wird für jmdn. schlimm
ausgehen’
dir wirt din fravele vil leit / du must
lîden michele not VMos
9,7;
Eracl
5170;
ez wirdet dir huite vil lait / daz du
wider gote hîe stast Rol
8852
2.1.1.1.3
in paarigen Ausdrücken mit liep,
ungemach, zorn (vgl. 3.1.1.3):
ez si dir lieb oder lait, ich sage dir diu
warhait AvaJo
4,5;
VMos
65,29;
Roth
1202;
MF:Reinm
37: 4,1;
das was dem kónig lieber dann leider
Lanc
640,27;
daz ist mir leit und ungemach
EnikWchr
701;
KvWHvK
105;
daz ist mir leit und zorn SM:
Had
14:
3,6
2.1.2
mit Dat.d.P., Nom.d.P. und Akk.d.S. oder Obj.-Satz
2.1.2.1
bei lâʒen/ lân (mit refl. Dat.d.P); jmd.
lâʒet/ lât sich etw. leit; mit erspartem
sîn [s.o. 2.1.1], vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 232,2), ‘jmd. lässt sich von
etw. schmerzlich berühren; lässt sich etw. zu Herzen
gehen’
la dir leit mine klage Herb
11675;
si bat mit klagenden worten / den künec durch
alle wîpheit, / daz er im lieze ir laster leit Parz
526,28;
durch iwer zuht lât iu niht leit, / ob i’u mînen
kumber klage ebd.
24,18.
535,22.
689,30
2.1.2.2
bei machen; jmd. maht jmdm.
etw. leit, ‘jmd. macht jmdm. etw. (den Körper)
unerträglich, verwundet jmdn. schmerzhaft’
er sluc, er stach, / swaz im do wider reit, / dem
machete er den lip leit Herb
9982
2.2
in der Form leide mit Dat.d.P. (die präd.
Verwendungen von leide und leit [s.o. 2.1] sind in Bezug auf Bedeutung und Satzkonstruktion verschieden; es
bleibt hier offen, ob leide der Form nach als Adv. zu werten ist [so
Grimm und Behaghel s.u. Lit] oder als adj. Form [z.B. unter dem Einfluss des
Subst. →
leide
stF.]; auffällig ist, dass hier keine eindeutig
adv. Belege vorliegen, sondern alle auch als (halb)präd. adj. Form gelesen
werden können)
2.2.1
ohne Nom. oder Akk.
2.2.1.1
bei sîn, wërden,
wësen (vgl. 2.1.1.1); jmdm.
ist/ wirt leide
2.2.1.1.1
‘jmdm. ist unwohl, unangenehm, mulmig, bang
(zu Mute)’, in breitem Verwendungsspektrum (z.B. bezogen auf
Empörung, Kränkung, Beunruhigung, Scham u.a., vgl.
leit
stN.):
den herzogen beiden / wart vil leide, / dô in
der bote sagete, / waz [eine Drohung] er
vernomen habite SAlex
1668;
NibB
148,1;
er enwiste, ob er genas, / vil harte leide im
was, / wende er zwifel hete, / waz er im tete Herb
11654;
hier umbe [dass Isolde nicht
mehr Jungfrau war] was in leide Tr
12405;
bote, nû sage ime niht mê, / wan mir ist leide
/ und vürhte des, daz sich scheide / diu triuwe, der wir pflâgen ê
MF:Reinm
3: 1,8;
do wart mir an miner einvaltekeit vil leide
Mechth
4: 2,117
2.2.1.1.2
‘jmdm. ist elend, weh (zu Mute); jmd. ist
traurig, bedrückt’
er mohte vil wol an ir sehen / daz ir von
herzen leide was Wig
4880;
swie leide einen man were, / er vergezze
[von der wunderbaren Musik] siner
swere Herb
9336;
NibB
1161,2;
MF:Reinm
13: 3,5;
Eracl
4865;
die wîle mir alsô leide / durh vlust und nâch
Gyburge sî Wh
174,28;
mir enwurde nimmer leider danne umbe sînen
lîp NibB
2259,3.
– mit Gen.d.S.:
des wart ir harte leide
Athis
A* 9
2.2.1.1.3
in paarigen Ausdrücken mit liebe
und mit zorn (vgl. 2.1.1.3):
im was wol unde wê, / liebe unde leide
Eracl
3827;
Urgân kam wider und wart gewar, / daz er die
hant hæte verlorn, / ime was leide unde zorn Tr
16124;
der tiefel wol horte / das er sy halb het verlorn. / im wart
laid und zoren HvBurg
6158;
EnikWchr
6284
2.2.1.2
bei geschëhen; jmdm. geschiht
leide, ‘jmdm. widerfährt etw., das ihn unglücklich macht;
jmdm. passiert Schlimmes, Übles, Leidvolles’ (vgl. 3.2.2 sowie unter
leit
stN. 4.2 und 5.3.1):
si sprachen alle samt mit ainem munde / daz in
nie so laide gescahe Rol
6136;
irn geschach dâ vor sô leide nie
Wig
516;
wie möhte ich den immer mit ougen an gesehen, /
von dem mir armen wîbe sô leide ist geschehen? NibB
1078,2;
ir volke leider nie geschach Parz
124,27;
NibB
781,4.
13,4;
dem aller leidest ie geschach
KvHeimHinv
183.
– oft nicht entscheidbar, ob adv. Gebrauch oder
leide
stF.:
wan si den hôrte unde sach, / von dem ir
leide geschach Tr
10252;
den Etzelen degenen sô rehte leide nie
geschach NibB
2232,4;
Herb
9637.
6508
2.2.2
mit Dat.d.P. und Scheinsubj. ëʒ
2.2.2.1
bei ergân; ëʒ ergât jmdm.
leide, ‘es ergeht jmdm. schlecht’
daz si [Kriemhild] sô
manigen man / in ir dienst gewunne, daz ez in [Hagen und
ihren Brüdern] leide müez’ ergân NibB
1128,4;
ez mac ir leide ergân ebd.
1481,3.
2374,4
2.2.2.2
bei geschëhen; ëʒ geschiht
jmdm. leide, ‘es geschieht jmdm. etw., das ihn unglücklich
macht’ (vgl. 3.1.2):
ezn geschach nie man sô leide Wig
4277;
ez geschach ze dirre werlde nie leider manne mêr
NibB
2332,1
2.2.3
mit refl. Dat.d.P. (im Folgenden mit ‘sich’ umschrieben)
und Nom.d.P.
2.2.3.1
bei gedenken; jmd. gedenket
sich leide, ‘jmd. hegt empörte, besorgte, schmerzliche
Gedanken; macht sich Sorgen’
leide gedachte im Castor, / daz erfallen was
Nestor Herb
1439;
die vorchte im vnderwilen brachte, / daz er im
leide gedachte ebd.
11344;
ich gedencke mir leide, / her Antenor, beide / vm
daz uwer leit / vnde vmbe mine smacheit / vnde vmbe die alden vehe
ebd.
2096
u.ö.;
nu gedenke ich mir leide, / sol ir got Tervigant /
si ze helle hân benant Wh
20,10;
vil leide ih mir gedâhte, / dô di frowe brâhte /
daz bilide [durch das sie ihn erkannt
hatte] ze lîhte / unde ze mînen anesihte
SAlex
6151
2.2.3.2
bei sëhen; jmd. siht sich
leide, ‘jmd. begegnet leidvollem Erleben,
schmerzlichen Erfahrungen’
die Unger sehent in hiute laide; / si sint alle
vaige [dem Tod verfallen]
Kchr
16320.
4890;
der bote muostu sîn, / sô wir dich tragen tôten
für den bruoder dîn. / sô siht im êrste leide der Guntheres man
NibB
1942,3;
si heten ir herren Marsilien gesworen, / swer
fluhe uon dem wale, / dem ware zestete der tot gar; / uon diu sturben si
al sam gerne da / sam andereswa / bi ir herren. /
[...] / der chunc sach im genuͦc laide
Rol
6251;
da sihit ein igilichir nach sin selbis wizintheit
/ an demo gotis suni imo selbimo lib odir leit SuTheol
304
2.2.3.3
bei sitzen; jmd. sitzt sich
leide, ‘jmd. ist traurig’
Asprian begreif ene [des Königs
Löwen] mit der hant / vnde war [l.
warf
] ene andes sales want, / daz her
alzebrach. / we leide eme der kuninc do saz, / her ne geregite doch nie
de vote [Füße]
Roth
1153
2.2.3.4
bei stân; jmd. stât sich
leide, ‘jmd. ist traurig’
ja gestuont ich mir nie sô laide
Kchr
13240.
10322;
her ne torste nicht weinen / vnde ne stunt ime
doch nie so leide Roth
2476.
2434
2.2.4
mit Dat.d.P. und Nom.d.P.
2.2.4.1
bei gerâten; jmd. gerâtet
jmdm. leide, ‘jmd. schadet jmdm., tut ihm weh’
hey sold ich den bekennen [der meinen
Ehemann Siegfried ermordet
hat]
[...] ich geriete im alsô
leide [vgl. ich riete im alse leides,
NibA 965,3
] , daz die friunde sîn /
von den mînen schulden müesen weinende sîn NibB
1024,3
2.2.4.2
bei sprëchen; jmd. sprichet jmdm.
leide, ‘jmd. spricht etw. beleidigend, verletzend oder
beschämend zu oder über jmdn.’
hêrre, ob ich iu leide sprach, / von den schulden
daz geschach, / daz ich versuochen wolde / ob ich iu minne solde /
bieten durch iur werdekeit Parz
614,1;
[die Boten] wollen vns leide sprechen, / man
sol ez an in rechen Herb
3853;
des wart in gesprochen / beiden vil leide. / des
schamten sie sich beide ebd.
8291;
Nestor [...] karte allen
sinen fliz, / wie er getete daz beste, / vnde enwas des doch niht feste.
/ sinen frunden er leide sprach, / swenne im dehein zorn geschach ebd.
3067.
8382.
13372.
9790
2.2.4.3
bei (ge)tuon; jmd. (ge)tuot
jmdm. leide (vgl.
leit
stN. 4.4 und 5.3.2), ‘jmd. tut jmdm. weh’
hoy, wêng
[unglücklicher] Jacob, wie leide dir getet
der tôt, / daz er dir nam daz wîb Gen
1682;
ich getuon im sô leide, / daz im nie leider wart
Eracl
4864;
ich getv im also leide, / als er mir hat getan
Herb
13156;
Rol
2981;
Iw
2271;
KLD:GvN
10: 1,5;
ez enwart nie vrouwen leider an liebem manne
getân NibB
997,4.
– oft nicht entscheidbar, ob adv. Gebrauch oder
leide
stF.:
dâ von müeze er unsælic sîn, / [...],
/ swer den wîben leide tuot Er
5772;
mir [Hagen] mac
niemen widersagen. / und sol diu edele Kriemhilt Helchen krone
tragen, / si getuot uns leide, swie si gefüege daz
NibB
1212,3;
kleine vogel, den vil leide / tet hiur ê der
winter kalt SM:HvT
2: 1,5;
so spræche ich, daz mir leide tuot SM:
Gl
3: 1,3;
Exod
838;
GenM
22,5.
– Lit. vgl.
leit
stN.; zu 2.2:
Grimm, Dt. Gr., 4,1111-1125, bes. 1115; Behaghel, Dt. Syntax,
2,131f., § 619, bes. II.; vgl. auch präd. leido AWB
5,758f.
MWB 3,3 1029,36; Bearbeiterin: Baumgarte
leit
stN.
Formenüberschneidungen mit →
leide
stF. (uneindeutige Dat. sind hier
verzeichnet).
körperlicher und seelischer Schmerz durch gesundheitliche, materielle und
soziale Belastungen wie Krankheit, Armut, Verletzung, materielle Schädigung, Unrecht
oder Ehrverletzung; quälender leibseelischer Zustand durch Trauer, Sorge, Reue,
Sehnsucht, Entsetzen, Angst, Zorn und Empörung; i.d.R. nicht auf einen Aspekt
beschränkt (demgegenüber stark differenziert bei F. Maurer [dagegen W. Schröder] und
C. Minis, s.u. Lit.)
1 allg. (vgl.
leide
stF. 1 ) 2 in Umschreibungen mit spezifizierendem Adj. 2.1 bezogen auf Krankheit und Gebrechen 2.1.1 in der Bezeichnung für ‘Schlaganfall, Epilepsie’
vallendeʒ ~
(vgl. vallende(r/ʒ)
siechtuom
,
siuche
,
suht
,
übel
stN. und
wêwe
swM.) 2.1.2 in anderen Umschreibungen 2.2 in Umschreibungen einer großen Sehnsucht, eines schmerzlichen Verlangens (vgl.
5.2 ; s.a. 4.1 , vgl.
leide
stF. 2 ; vgl.
senende
klage
1 ) 2.2.1
senendeʒ ~
(vgl. auch 4.3 ) 2.2.2
klagendeʒ ~
3 in paarigen Ausdrücken 3.1 in (teil-)synonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 3 ) 3.2 in antonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 4 ) 3.2.1 oft im Ggs. zu
liebe
stF. oder liep stN. (=
liep
Adj. 3.1 ) 3.2.2 im Ggs. zu vröude 4 in ausgewählten Verbverbindungen 4.1 zur Bezeichnung des Ausdrucks von leit mit
klagen 4.2 zur Bezeichnung des Erleidens von leit mit geschëhen ,
gewinnen u.ä. 4.3 zur Bezeichnung des Erduldens von leit mit doln ,
dulten , (ge)tragen u.ä. 4.4 zur Bezeichnung des Zufügens von leit mit tuon ; auch mit
(ge)sprëchen u.ä. (i.S.v. ‘durch Sprechen schaden, üble
Nachrede üben; beleidigen’ ) und mit gedenken (i.S.v.
‘planen, im Schilde führen’ ) 4.5 zur Bezeichnung des Ausgleichs oder der Wiedergutmachung (z.B. durch Heilung,
Trost, Entschädigung, Rache) mit büeʒen , ergetzen ,
(er/ ge)rëchen u.ä. 4.6 zur Bezeichnung der Befreiung und des Befreitwerdens von (Minne-)leid mit
verkêren , swinden , (ver)trîben ,
(er)wenden , zergân u.ä. (bes. im Minnesang) 5 in präp. Erg. mit phras. Charakter 5.1
sunder leit
‘ohne Betrübnis, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl.
leide
stF. 5.1 ) 5.2
von/ vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid
sterben’ (vgl. leide stF. 5.2 ) 5.3
ze leide
‘zu(m) Schaden, zum Nachteil, zu Leide’ (oft mit Dat.d.P.), mit einem
breiten Spektrum an Verben (mit Ggs. ze liebe , auch rechtsspr., vgl.
3.2.1 ; vgl. leide stF. 5.3 ) 5.3.1 in Ausdrücken, die ein Erleiden von Schaden beschreiben mit
geschëhen , komen , sîn/ wërden u.ä. 5.3.2 in Ausdrücken, die ein Zufügen von Schaden beschreiben mit
bringen , (ge)râten , sîn ,
singen , sprëchen , tuon
1
allg. (vgl.
leide
stF. 1):
daz er [Christus] in dise werlt
chom, diu angest und not und vil maniges leides ze vil hat PrOberalt
25,7;
ich manecualte diniv [Evas] ser
unde din chintraht [Schwangerschaft] mit laide
[Schmerz]
Spec
93,4;
Kaylet ze herbergen reit / mit grôzen freuden sunder leit
[Kummer, Unmut, Ärger (vgl. 5.1)]
Parz
68,18;
ich und din vater wir haben dich vil gesuchet
[das verschwundene Jesus-Kind] und haben grozzes
leit [Sorge, Aufregung] umb dich gehabt
PrOberalt
27,38;
Pass I/II (HSW)
10364;
SM:Wi
7: 3,8;
sô die henne all tôt sint von dem hann, sô nimt der han ab
vor laid und singt niht mêr von grôzem trauren BdN
192,34;
daz den ungetriuwen ie baz danne mir geschach, / die nie
gewunnen leit von seneder swaere MF:Reinm
15: 4,7
(vgl. 2.2 und 4.2);
uf daz von unser
crancheit [Schwäche] / sich aller zwivelunge leit /
vertribe Pass I/II (HSW)
10724;
wi er sint den vater sluc, / [...]
/ und wi er bi der muter slief. / mit leide [Reue] er sus
uber lief / an den gedanken vil genuc ebd.
34924;
KvWLd
27,8;
nu hat er selber vunden / an im der hosten schamen leit
Pass I/II (HSW)
8203;
der kunic an leide [Zorn] was
enprant [weil sein falscher Gott geschändet wurde] , /
daz er sin pfellels gewant / von im mit unvuge brach ebd.
32353;
die varndi habi [...] mac he woli
enir andirin vrowin gebi, wil he iz sinin kindin zu leidi
[Schaden] tu Mühlh
139,5
(vgl. 5.3.2);
er [Siegfried, der die Burgunden zum Kampf um ihr
Königreich herausfordert] soltez haben lân. / im heten mîne herren
sölher leide [Rechts- und Ehrverletzungen; Unrecht] niht
getân NibB
121,4.
–
nâch jmdm. ~
haben
‘nach jmdm. Sehnsucht haben, jmdn. schmerzlich vermissen’
diu hete tougenlîche nâch [der
verstorbenen] Helchen grôziu leit NibB
1389,4;
ob mir alle krône wærn bereit, / ich hân nâch ir mîn
hœhste leit Parz
98,6
2
in Umschreibungen mit spezifizierendem Adj.
2.1
bezogen auf Krankheit und Gebrechen
2.1.1
in der Bezeichnung für ‘Schlaganfall, Epilepsie’
vallendeʒ ~
(vgl. vallende(r/ʒ)
siechtuom
,
siuche
,
suht
,
übel
stN. und
wêwe
swM.):
wider daz vallinde leit SalArz
34,46;
daz pringt im daz vallend lait, daz ze latein
apoplexia haizt BdN
407,24;
daz fallent lait, daz epilencia haizt ebd.
417,21
u.ö.
2.1.2
in anderen Umschreibungen:
ir suchaftez leit [ihr
Kranksein]
Pass I/II (HSW)
28885;
ob er mit gewalde / die toden uf hiez erstan / und
den mit liechten ougen gan, / der e truc blintlichez leit ebd.
30429
2.2
in Umschreibungen einer großen Sehnsucht, eines schmerzlichen Verlangens (vgl.
5.2; s.a. 4.1, vgl.
leide
stF. 2; vgl.
senende
→
klage
1)
2.2.1
senendeʒ ~
(vgl. auch 4.3):
swer sich hœhet, daz der da genidert wirt, / da jâmer
unde senede leit ân ende swirt SM:UvS
16: 2,10.
– überw. in der Beschreibung eines Mangels an Minne-Zuwendung
(vgl. senendiu → suht):
von der
[
Amelýen
] truͦc er minnen
last, / des was si siner froͮden gast, / siner liebú ain sendes lait, /
siner senfte unsenftekait RvEWh
4357;
daz si mir von sendem leide / mînen ungetrôsten
muot / durch ir süezzen güete scheide SM:Te
11: 3,5;
rôter munt, nu lache, daz mir sendez leit zergê
KLD: GvN
4: 3,3
2.2.2
klagendeʒ ~
:
ir guoten wîp, ob iu der rât behage, / den ich mir
selben hân / für klagendiu leit und ouch für sende nôt gegeben KLD:
UvL
15: 3,3.
8: 4,4
3
in paarigen Ausdrücken
3.1
in (teil-)synonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 3):
arebeit / unde leit KLD: Kzl
13: 2,8;
uon dem laide unt uon dem grimme Rol
6442;
mit jâmer und mit leide KvWSchwanr
238;
kumber unde leit SM:WvK
6: 1,8;
in nôt in vorhte in leide KLD: Kzl
1: 4,13;
ir sere und ir leid PrOberalt
87,11;
in laid und in smerzen BdN
285,10;
mit leide vnde mit swere Herb
17327;
leit und herzeswaere MF:Mor
29: 2,6;
mit leide vnde mit trurde Herb
1749;
leit und ungemach KLD: UvL
2: 3,4;
mit zorne vnde mit leide Herb
15123
3.2
in antonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 4):
nû liep, nû leit, nû leben, nû tôt, / nû grôz gemach, nû
leides nôt; / hiute vreude und rîchez guot, / morgen leit und armuot
RvEBarl
4576
3.2.1
oft im Ggs. zu
liebe
stF. oder liep stN. (=
liep
Adj. 3.1):
niht nahe get in [den
Phlegmatikern] lieb und leit Physiogn
82;
ich suohte liep, do vant ich leit SM:
UvS
6: 2,1;
Herb
2381.
– in Wendungen i.S.v. ‘zum Vorteil oder Schaden von jmdm.’
(rechtsspr. Belege vgl. WMU 2,1115 und 1121 s.v. leit und
leide, DRW 8,1141f. und 1145 s.v. Leid und
Leide
2.1; zur Wendung ze leide vgl. 5.3):
so sprich ich bi dem eide / nieman ze liebe noch
ze leide ReinFu
K,1626.
K,1644;
daz ich niemer vuoz / von ir dienste mich
gescheide, / ez kom mir ze liebe alder ze leide MF:Mor
2: 5,11;
Herb
12432;
Tannh
14,23.
–
durh alliz werltlîch gût / ne wolder nie
geliegen [lügen] / und niemanne betriegen,
/ noh durh lieb noh durh leit / geswachen di wârheit
SAlex
260
3.2.2
im Ggs. zu vröude:
daz mînes leides hœhster pîn / mit vreude ein ende
hât genomen RvEBarl
3146;
fröide ist nû in leit versenket KLD: BvH
4: 2,3.
18: 1,2;
SM:Had
37: 3,8
4
in ausgewählten Verbverbindungen
4.1
zur Bezeichnung des Ausdrucks von leit mit
klagen:
daz klage ich und klage ein leid, / daz mich ein wîb
betwingen wil / herzeklicher arebeit SM:KvL
6: 1,7;
sold ich mîn leit besunder chlagen, / sô würde der rede gar
ze vil KvHeimUrst
42;
KLD: Rub
3:2,7;
KLD:UvL
15: 1,4;
SM:We
1a: 1,11;
ReinFu
K,1612.
–
mit leide:
des leit ich wil mit leide klagen Wig
9404.
9864;
MF:Hartm
10:2,7
4.2
zur Bezeichnung des Erleidens von leit mit geschëhen,
gewinnen u.ä.:
iz bewainet noch vil sere / maniger muͦter chint / diu
lait die hie geschen sínt Rol
7402;
er [Erec] tete als dem dâ leit geschiht: / der
vlizet dicke sich dar zuo, / wie erz mit vuoge wiedertuo Er
167;
dâ von ze jungest im geschach / ein leit
KvWHerzm
79;
dem geschiht leides niht Volmar
108;
AvaLJ
161,2;
MF:Reinm
24: 2,6;
von der ich niuwan leit gewan ebd.
5: 3,4;
er mac si wol ergetzen, swaz si leides ie gewan
NibB
1215,4.
1418,2.
2319,1;
SM:Wi
9: 3,4;
daz mir von ir niht leides widervar MF:
Reinm
32: 4,4
4.3
zur Bezeichnung des Erduldens von leit mit doln,
dulten, (ge)tragen u.ä.:
nû choste iuch deste ringer / swaz ir leides hie dolt
KvHeimUrst
1835;
KLD:UvL
26: 4,3;
NibB
1035,1;
Wig
1105.
2681;
dâbi dulde ich sendiu leit SM:WvK
5: 1,5;
KLD:UvL
2: 2,4
(vgl. 2.2.1);
Iw
1007;
SM:Te
11: 1,10;
wan dez ich leit mit zühten kan getragen, / ich enkonde
niemer sîn genesen MF:Reinm
13: 5,3.
12: 5,5;
leides mag ich niht getragen KLD: UvL
30: 6,5;
SM:UvS
36: 2,4;
sô truoc Tristan ie stæte leit / bî stæteclîcher sælekeit
Tr
5071.
12188;
Iw
1798;
Wig
4831
4.4
zur Bezeichnung des Zufügens von leit mit tuon; auch mit
(ge)sprëchen u.ä. (i.S.v. ‘durch Sprechen schaden, üble
Nachrede üben; beleidigen’) und mit gedenken (i.S.v.
‘planen, im Schilde führen’):
vergeben wir allen den die uns leit habent getan
PrOberalt
129,11;
obe si mir ein leit getuot MF:Reinm
21: 5,3;
den ich vil leides hân getân RvEBarl
571;
SüklV
461;
Rol
7804;
Eracl
4603;
UvZLanz
7258
(vgl. ze leide tuon unter 5.3.2)
–
swer leides in [den
Israeliten] gedâhte, / dem wart von im
[Josua] sîn tôt erkant RvEBarl
2254;
er sprach in manich leid. / er chod:
[...] wie getâtet ir sô ubile, / daz ir mîneme
hêrren [...] sînen choph
[Kelch] stâlet Gen
2334;
ir hânt mir leides dicke vil gesprochen MF:
Reinm
64: 1,5
MF:Mor
10: 4,2.
24: 1,1;
VMos
44,14
(vgl. ze leide sprëchen, (ge)râten,
singen unter 5.3.2)
4.5
zur Bezeichnung des Ausgleichs oder der Wiedergutmachung (z.B. durch Heilung,
Trost, Entschädigung, Rache) mit büeʒen, ergetzen,
(er/ ge)rëchen u.ä.:
den palmen den er [Johannes] dâ
hât / [...] / den nim und büeze
[heile] disen ir leit [Gebrechen,
Krankheiten]
KvHeimHinv
798;
sô swert mir eide, swaz mir iemen getuot, / daz ir sît
der næhste, der büeze [rächt] mîniu leit
NibB
1257,3;
die trunchen des lides [Obstwein,
Gewürzwein] / unde ergazzeten sich alles leides
Hochz
318;
Gen
2111;
Roth
1245;
NibB
1234,1;
KvHeimHinv
179;
sô werdent wol errochen elliu mîniu leit
NibB
2109,3;
daz er gereche sin leit Herb
17175;
sô sol er rechen ditze leit Wig
9843;
NibB
2108,2.
2151,3;
Herb
1263
u.ö.;
ir geltet mîniu leit NibB
2304,3;
er dachte, in welcher wise / er im daz leit vergulde
Herb
10015;
SM:UvS
15: 1,8
4.6
zur Bezeichnung der Befreiung und des Befreitwerdens von (Minne-)leid mit
verkêren, swinden, (ver)trîben,
(er)wenden, zergân u.ä. (bes. im Minnesang):
daz si füege daz mir leit entwîche KLD: GvN
33: 3,4;
daz si mich scheide von leide KLD: UvL
12: 3,5;
daz elliu dîniu leit / der künic Etzel swende
NibB
1243,2;
SM:Te
3: 3,6;
KvWLd
22,21;
KLD:UvL
30: 4,2;
rôter munt, du maht mîn leit verdringen KLD:
GvN
37: 1,9;
lieb gedinge leit verkêret SM:KvL
3: 3,7;
KLD:GvN
3: 1,12
u.ö.;
SM:HvS
1: 25,3;
KvWLd
28,14;
sô müeste an mir swinden / leit SM:KvL
17: 5,5;
KLD:UvL
9: 1,7;
NibB
1337,2;
Tannh
5,75;
KLD:GvN
15: 2,5
u.ö.;
dur dîn besten tugende mir mîn leit vertrîp SM:
HvR
1: 2,7;
ez kan trîben / leit wol von dem man SM:
Had
53: 6,9;
KLD:GvN
37: 2,9
u.ö.;
SM:Wi
6: 3,7;
SM:KvL
17: 4,9;
KLD:Kzl
17: 1,5;
Herb
7177;
ob ich dâ mit iuwer nôt / erwenden mac und iuwer leit
Wig
4909;
ich sol iu helfen wenden elliu iuwer leit
NibB
156,2;
MF:Reinm
36a: 2,2;
Wig
5893;
KLD:UvL
5: 4,5;
SM:HvS
5: 3,5;
umb den smac stêt ez sô: / nie niemen wart sô unvrô, /
gesmecket er sîn, sîn leit zergê Wig
10370;
SM:KvA
3: 3,2;
MF:Reinm
22: 1,7;
KLD:GvN
14: 5,15
u.ö.
5
in präp. Erg. mit phras. Charakter
5.1
sunder leit
‘ohne Betrübnis, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl.
leide
stF. 5.1):
sô ist ouwe wol bedœnet, / dâ diu vogellîn singent sunder
leit SM:KvL
7: 1,4;
nu wol ûf zuo der linden breit / sunder leit / swer gemeit
/ schônheit welle schouwen KLD: Kzl
11: 2,12;
KLD:UvL
25,20.
29: 2,5
5.2
von/ vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid
sterben’ (vgl. leide stF. 5.2):
solte ich sterben von sô grôzen leiden KLD: OvB
5:3,1;
Athis
F 70;
BdN
236,21;
sterben sî [die Neider] von
leide, sô enwart mir ê nie baz MF:Reinm
17: 4,6;
sol ich die guoten lange mîden, / swie doch nieman von
leide erstarb, / ich muoz den tôt nach ir erlîden SM:Had
23: 4,2;
SM:Tu
2: 9,5.
–
er wære vor leide erstorben Wh
226,6;
nu lît si hie vor leide tôt / umb ir gesellen
Wig
10050.
10213;
Rol
8596;
BdN
261,21;
owê, daz vor leide niemen sterben nemac!
NibB
2323,4
5.3
ze leide
‘zu(m) Schaden, zum Nachteil, zu Leide’ (oft mit Dat.d.P.), mit einem
breiten Spektrum an Verben (mit Ggs. ze liebe, auch rechtsspr., vgl.
3.2.1; vgl. leide stF. 5.3)
5.3.1
in Ausdrücken, die ein Erleiden von Schaden beschreiben mit
geschëhen, komen, sîn/ wërden
u.ä.:
swaz unz ze leid geschiht, daz ist
sein [Gottes] geisel PrOberalt
146,36;
HimmlJer
462;
SM:WvK
3: 1,3;
Roth
4489;
Otte, daz mag dir wol komen ze leide! SM:
Go
1: 6,6;
KLD:Kzl
9: 1,2;
daz mir dort ze leide solde werden, / daz irlite ich
ungerne SüklV
356;
ReinFu
K,782;
Herb
7512;
Lanc
313,12
5.3.2
in Ausdrücken, die ein Zufügen von Schaden beschreiben mit
bringen, (ge)râten, sîn,
singen, sprëchen, tuon:
sînes ôheimes sune [...] /
sprâchen er hête si ze leide braht, hête in benomen geizze unde scâf
Gen
1411;
Herb
15088;
SüklV
499;
MF:Wolfr
7: 1,3;
die selben urteile, / di si ir ze leide / heten
geraten SüklV
700;
ich wil vrô ze liebe mînen vriunden sîn / und allen
den ze leide, / die mir âne schulde tuont ir nîden schîn MF:
Reinm
17: 4,2;
an ir danc / sanc ich in ze leide, / den hochgemüete
ist kranc Tannh
15,33;
iz wirt schiere gerochen, / swaz er dir, kuͦnich, hat
ze leide gesprochen Rol
2150;
Herb
12802;
swaz in iemen ze leide tæte, daz si daz
gedulteclichen uertroͮgen Spec
125,13;
Rol
4789;
BdN
291,28;
SM:WvT
2: 2,3.
– Lit.: Friedrich Maurer, Leid, Bern 1951; Werner
Schröder, Das Leid in der ‘Klage’, in: ZfdA 88 (1958), S. 54–80;
Cola Minis, Das Wortfeld ‘leit’ im ‘Alten Passional’, in: Studien
zur dt. Lit. des Mittelalters, 1979, S. 532–540
MWB 3,3 1033,55; Bearbeiterin: Baumgarte
leitære
stM.
vgl.
geleiter
.
1 jmd., der jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. zu einem (übertr. oft
geistl.) Ziel führt (vgl.
leiten
1 ), ‘Führer’
2 jmd., der eine Gruppe o.ä. leitet (vgl.
leiten
2 ), ‘Anführer’
2.1 allg. 2.2 jmd., der ein Heer oder Teile davon befehligt, ‘Heerführer’
3 jmd., der etw. Unbelebtes (hier ein Schiff) in eine Richtung dirigiert, zu einem
Ziel führt (vgl.
leiten
3.3 )
1
jmd., der jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. zu einem (übertr. oft
geistl.) Ziel führt (vgl.
leiten
1), ‘Führer’
nu wise [sei] min leitere, / Ihesu,
getruwer leitesman, / wand ichz [das Buch] durch dich wil
grifen an! Vät
238;
lazet sy, ere leytere synt blynt. ist iz daz eyn blyndir den
anderen blynden leitet, sy vallen beide in dy grube EvBerl
32,15;
EvBeh
Mt 23,16.
Mt 23,24;
EvAug
35,17.
57,3;
EvWM
292;
ich bitt alles himelsch her und die lieben engel, daz sú
din wiser und leiter sien Seuse
446,3;
Messgebr
217;
got eine læiter sin was [interl. zu dominus solus dux eius
fuit
]
PsM
C 6,12;
leiter der verte [interl. zu dux
itineris
]
ebd.
79,10;
PrGeorg
68,18;
Pass I/II (HSW)
10998;
Eckh (J)
103,38
u.ö.
– von Nichtbelebtem:
ein viurîn sûl gab er in, / die gab er in zewâre / ze ir leitâre
[
dux Ex 13,21]
Exod
2966
2
jmd., der eine Gruppe o.ä. leitet (vgl.
leiten
2), ‘Anführer’
2.1
allg.:
dû Bêthleêm lant Jûda, bî nichte bistu di minste in dem vuͦrstentûm Jûda,
wan ûz dir gêt ûz der leitêre der da fuͦrit mîn volk Israêl EvBeh
Mt 2,6;
Moyses der ist ze ware / unser leitare VMos
49,19;
BuchdKg
30,13;
StatDtOrd
96,28;
Exod
541;
Spec
97,9.
– im Bild:
diu inwendicheit enkêret sich niht ze den fünf
sinnen, wan als verre als si ein wîser und ein leiter ist der fünf sinne und
ir hüetet Eckh
5: 420,3
2.2
jmd., der ein Heer oder Teile davon befehligt, ‘Heerführer’
da dich der senâte / mit allen Rômæren / erwelten ze
ainem laitære, / daz dû ir heres phlægest Kchr
5138;
duͦ solt mit dinem vanen sin / ein leîter der Frîesen StrKarl
(S)
9045.
5709.
5539.
5707;
dô bevalch der künic hêre / dem marcgrâven Rüedegêre / sîn gesinde und
sîne man, / daz er si solde füeren dan / und ouch ir leitære / in der herverte
wære Bit
5277.
3424.
5661;
KvWPart
19584;
GTroj
13399.
– von Fischen:
aller visch her hât ainen maister und ainen laiter
BdN
243,7.
– übertr.:
welt, nu lach [lass] mich
des geniezzen, / daz ich dîner fröiden ie leiter und
venre [Fahnenträger] ie was! SM:
Te
11: 3,2
3
jmd., der etw. Unbelebtes (hier ein Schiff) in eine Richtung dirigiert, zu einem
Ziel führt (vgl.
leiten
3.3):
da engegen daz schiffel kêrte, / als ez der leiter lêrte Mai
53,6
MWB 3,3 1037,50; Bearbeiterin: Baumgarte
leitærinne
stF.
rip. auch leiderin.
Frau, die jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. leitet,
‘Führerin’
wie spæhes [sie, die "Nachtigall" von der
Vogelweide] organieret! / wies ir sanc wandelieret /
[...] / diust dâ ze hove kamerærîn: / diu sol ir
[der Nachtigallen] leitærinne sîn! / diu wîset si ze
wunsche wol, / diu weiz wol, wâ si suochen sol / der minnen melodîe
Tr
4812.
– von Maria:
nû bis mîn leitirinne, / want dir zu lobis winne / diss bûchis
ich beginne NvJer
328;
als si dich siͤnt [sehen] vüre
varen, / wiz leiderin der wizer scharen! MarlbRh
64,26.
109,18.
MWB 3,3 1038,30; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbant
stN.
‘Hundeleine’ (vgl.
leitseil
,
leitsnuor
; vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 133b):
sie fürte einen sperwer vf der hant / vnd von sydin ein leitbant / vnd hinder
ir einen vogelhunt Krone
14461
MWB 3,3 1038,42; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbære
Adj.
bereit, leit (stN.) zu ertragen, geschehen zu lassen (Glr.z.St.
‘langmütig’):
ô süezer schephære, / daz dû sô leitpære / gegen dem sundær
bist Ottok
89542
MWB 3,3 1038,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbejac
stM.
‘Erwerb von Leid’ (vgl.
bejac
):
wirtscheften gar selden mac / sich volenden an leit bejac
Hiob
578
MWB 3,3 1038,50; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbracke
swM.
auch leite-.
Anführer der Meute (vgl.
leithunt
2,
vorlouft
) ‘Leithund’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt,
133b):
vil snell ein hirz do kom mit sprungen witen, / dem volgt ein leite bracke und
darnach groz gehunde in cleinen ziten JTit
4859,4.
839,4;
er begund mich vast zwacken / alz ainen laitpracken / vil vast by den oren
WolfSchule
181;
als eim leitbrachen / hiengen ir div oren ze tal Krone
9378
MWB 3,3 1038,53; Bearbeiterin: Baumgarte
leite
Prät.
→
legen
,
→
leiten
MWB 3,3 1038,62;
leite
stswF.
1
‘Führung, Leitung’ (vgl.
geleite
1.1 ) 1.1 allg. 1.2 spez. im Bergbau die Richtung einer Bergader 2
‘Anweisung’ (vgl. SchweizId 3,1494 s.v. Leiti ,2) 3
‘Fuhre, Ladung’ (als Mengenangabe für das Transportgut), auch das
Transportgefäß (beides im Frnhd. reich belegt, vgl. FWB 9,932-934 s.v.
1leite und DRW 8,1204f. s.v.
1Leite
IV ; vgl.
leitvaʒ
,
leitschrîn
;
geleite
stN. 3 )
1
‘Führung, Leitung’ (vgl.
geleite
1.1)
1.1
allg.:
mit maneger richen gunst / der zepter wil gewalten, / recht und unrecht
zerspalten. / solch leite sol leiten recht Frl
9:8,9;
an der selbin reite / in wundirlîchir leite / quam ein
der brûdre knabe / von Littouwin her abe, / um den iz was alsô gewant
NvJer
24867;
zu kurz mag nimmer sin di zit, /
[...], / komestu zu gotes genaden leite, / got ensi
dir alsam bereite / und enpfet dich mit siner genaden hort, / also der wilde son
wart enpfangen dort, / [...] / als man in deme
ewangelio list Brun
11379
1.2
spez. im Bergbau die Richtung einer Bergader:
die silbergreber heizent eine leite, dâ sich diu silberâder hin rihtet in
dem berge, nâch der sie varent die wîle sie sî haben mügen
DvASchr
353,16
2
‘Anweisung’ (vgl. SchweizId 3,1494 s.v. Leiti,2):
der got der uß dem paradyß / verstieß Adam und Eva von der wollustigkait / umb
das bot und lait / das an dem apffel úbergangen was FrSchw
2978;
so solt du an der selben stund / mit den zwain junckfräwen / den selben
fúrsten nit me schäwen, / weder umb laid noch umb gebett
[Bitte]
ebd.
541
3
‘Fuhre, Ladung’ (als Mengenangabe für das Transportgut), auch das
Transportgefäß (beides im Frnhd. reich belegt, vgl. FWB 9,932-934 s.v.
1leite und DRW 8,1204f. s.v.
1Leite
IV; vgl.
leitvaʒ
,
leitschrîn
;
geleite
stN. 3):
[der Hellhof] gilt zwen und fuͤnftzich metzen rokken
[...] und zwo leitten holtzs UrkEichst
2,270
(a. 1339);
von einer lait vische [gibt] ein purger II phennig,
ein gast XII phennig DRW
8,1205
(Rauch,Script. I 210; um 1250)
MWB 3,3 1038,63; Bearbeiterin: Baumgarte
leite
swF.
s.a.
lîte
MWB 3,3 1039,31;
leite
swM.
jmd., der jmdn. geleitet, führt, ‘Begleiter, Führer’ (vgl.
leitel
,
leitære
1,
leitesman
2,
geleite
swM.):
vnchúsc gelust hát blinden sitte: / si daz er ane leiten sí, / er gat in
daz fiwer e da bí SiebenTodsünden I
363;
zehin dage solt ir uch bireiden, / so senden ich uch einen leiden, / der sal
dicke mit w wanen [mit euch verweilen] / unde sal uch
alliz des irmanen, / dat ich ie wider uch gisprach WildM
1,608
MWB 3,3 1039,32; Bearbeiterin: Baumgarte |