l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leienrëht stN. leienswëster F. leienvürste swM. leienwînzehende stM. leienzëhende swM. leige stM. leiht (?) Adj. leiiclich Adj. leilich Adj. leim stM. leimære stM. leimen swV. leimendecker stM. leimgadem stN. leimgruobe swF. leimhûs stN. leimic Adj. leimîn Adj. leimstrîch stM. leinen swV. leip stM. leis stF. leis stM. leisieren swV. leissup Subst. leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
leienrëht
stN.
das überlieferte deutsche Recht im Unterschied zum römischen oder kanonischen
Recht (vgl. DRW 8,309 und
leiengerihte
), ‘Laienrecht’
hie sullen wir sprechen, wer ze rehte phleger müge sîn oder
niht der kinde und der vrauwen. etwâ heizet er phleger, etwâ sicherære, etwâ voget,
etwâ vormunt, etwâ behalter; die sullen alle getriuwe liute sîn. in der schrift sô
sint si gesundert an ir reht, aver vor leien reht sô haben wir einez alse daz ander
SpdtL
126,11;
ebenso
SchwSp (W)
52,8
MWB 3,3 1017,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leienswëster
F.
auch lei-, leige-.
weibliches Mitglied einer Ordensgemeinschaft, die nicht zur Nonne geweiht ist
(vgl. DRW 8,309), ‘Laienschwester’
daz wir swester Adelhait, vnser leige swester von Alphach, geben alliv iar
XVIII sv̂merv [Scheffel] roken UrkCorp
(WMU)
2881,4;
sie waz einz nahts vor irm pette an irm gebet: da kom sie von ir selber. do
ging ein leienswester, die waz ir gastmeisterin, dreie stund zu ir und sprach, daz
sie her abe ging zu den gesten. da versan sie sich niht in dise werlt von gotlichen
gnaden. da ging die leiswester hin und sprach von der priolin
EbnerChrist
19,13.
5,36.
6,8
MWB 3,3 1017,57; Bearbeiterin: Baumgarte
leienvürste
swM.
auch lei-, leige(n)- (
HagenChr (G)
618;
SchwSp
48b
), lêg- (
EnikWchr
27939
).
‘weltlicher Herrscher’ (vgl. DRW 8,306):
ain lai fuͦrste mag nicht aim andern lai fursten hof gepieten ob er daz selbe
reht hat daz er hof gepieten muͦg [ vor ein königliches Hofgericht
laden ]
SchwSpK
4,3:145;
den romischen chvnech svlen chiesen drei pfaffen fursten vnd vier lai fursten
ebd.
4,3:137;
wir geben die wal drin erzebischoven unde vier leienvürsten
PKchr
179,19;
Loheng
1970;
HagenChr (G)
618;
der chvnec hebet den ersten hershilt. die bischofe vnd die abbet. vnd die
abtissen. die da fvrsten sint. die hebent den andern hershilt. die leien fvrsten den
dritten. die vrien herren den vierden SchwSp
7a.
68b.
48b;
SpdtL
83,17.
231,4;
man sach ie leienfürsten streben / in stürmen und in striten bi dem riche
neben / und ouch ir swert / beschirmen sunder wan. / her künig, ir sult die
leienfürsten richen, / in rechter not die pfaffen von iu wichen Frl
8:13,11;
Ottok
13643.
28433;
ir sult besenden / in dem rîche in allen enden / die edeln fursten alle /
[...], / daz sie komen gar ze hove, / leienfursten,
bischove, / unde sitzet zuo geriht / unde erteilet dise geschiht, / wie ûch die
fursten lêren EbvErf
1408;
Rumelant (K)
2:13,10;
Helbl
8,1102;
Hawich
4707.
4692
MWB 3,3 1018,6; Bearbeiterin: Baumgarte
leienwînzehende
stM.
‘einem weltlichen Herren zustehender Weinzehnt’
daz ich [A., ain ritter,] han verichen
und vergich offenlich an diesem brief [...] dem
[...] abt und dem convent von Salmanswiler
[...] ainz glichen tails und ainer rechter gemaind
[Gemeinschaft] an dem laigen winzehenden
[...] ze Marchdorf, daz wir den selben winzehenden mit
anander hinanfuͥr [...] niessen sont
UrkSalem
2,570
(a. 1300)
MWB 3,3 1018,32; Bearbeiterin: Baumgarte
leienzëhende
swM.
einem weltlichen Herren zustehender Zehnt (vgl. WMU 2,1118; DRW 8,310):
davon han wir zu lehen die burg Franckenburg, [...]
und daz tal und die lüte darunder, und zu Kestenholtz den leyhen zehenden und den
kirchensatz und was zu Franckenburg höret von alter her UrkEls
2,157
(a. 1336);
alles, das ich an dem dorfe ze Emeringen hête mit dem kirchen sazze der
kirchen ze Emeringen, mit akkern, mit wisen, mit holze, mit velde vnd mit dem laîen
zehenden, den ich och da hête UrkCorp (WMU)
2912,20.
1569,33;
min herre hat gelihen A.v.G. den layenzehend ze K.
[...], den man nemt den gemeinen layenzehenden
DRW
8,310
(WürtVjh; a. 1344);
UrkRapp
477,5
(a. 1350);
UrkZürich
11,245
(a. 1330)
MWB 3,3 1018,41; Bearbeiterin: Baumgarte
leige
stM. , leige-
→
leie
stM., →
leien-
MWB 3,3 1018,56;
leiht (?)
Adj.
Bed. unklar (Anm.z.St. verweist auf
wëterleich
und
wëterleichen
, vgl. dazu SchweizId 3,1011; Findebuch
‘zuckend, grell aufleuchtend?’):
do wrden donre groze / mit manegem grozen doze / kleckende
und schellende, / chrachende und hellende / mit schininden blicken, / leihtin unde
dikkin [flüchtig aufflackernde (?) und dicht
gedrängte]
RvEWchr
11561
MWB 3,3 1018,57; Bearbeiterin: Baumgarte
leiiclich
Adj.
‘im Laienstand, weltlich’ (vgl.
leienhërre
;
leienvürste
):
[lässt der geistliche Herr seine Blutrichter nicht vom König
bestätigen,] er vnde alle sine rihter werdent an allen den
schuldig vor gotte, vber die si rihtent, so si der livte bluͦt vz giezzent. die
leigeclichen herren bedurfen dez nvͥt, daz die rihter den ban enphahen von dem
kvͥnige. daz ist da von, daz der leige selbe vrteil git SchwSp
58a
MWB 3,3 1019,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leilich
Adj.
‘laienhaft, ungelehrt’
ich kann nicht vil da von gesagen. / daz saltu, bite ich, mir vertragen. / so
groz ist dirre kunste hort / daz en versmahn leiliche wort Secret
1824
MWB 3,3 1019,10; Bearbeiterin: Baumgarte
leim
stM. , leime
swM.
auch lein [:stein] (z.B.
RvEBarl
12801
); die semantische Abgrenzung zu den (teil-?)synonymen Wörtern
dahe
swF. und
lette
swM. ist unklar; häufiger mit
zæhe
‘zäh’ und
bern
, berjen
‘(zur Entwässerung und Verdichtung) schlagen, treten; kneten’.
1
‘Lehm(boden), Ton(erde)’
1.1 allg. 1.2 als Werkstoff 1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann) 1.2.2 als Material zum Abdichten 1.2.3 als Mittel, um Wein zu klären 1.3 in Vergleichen 2
‘Schlamm, Morast’ (vgl.
hor
,
lette
swM. 2 ) 3 gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen 4 Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit
dem leim , mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3 )
1
‘Lehm(boden), Ton(erde)’
1.1
allg.:
in dichtim ertriche vnde vuchtim vnd vettim do wachsin si
[die Kastanien] kvme; in toppir
ertriche [Töpfererde, Ton] odir in leyme do
wachsin si nymmer Pelzb
128,21;
jtem ein halb acker an deme leimen bi Wetzel UrkCorp (WMU)
N410,28;
swer den Rin mit leime wil verswellen, / der hat min, swie tumbe ich si,
ze helfe niht Marner (W)
2:2,3;
gelustet si [der Schwangeren]
[...] leimes oder kole. so gip ir gelunte
[geröstete] bonen SalArz
65,40;
JTit
6297,4
1.2
als Werkstoff
1.2.1
als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder
gebrannt werden kann):
ûz hin ûf daz velt sî [die Kinder] kâmen /
dâ leim [
zu 1.1
] und erde
gegraben was. / daz kint Jêsus dâ nider saz, / mit sîner hant zesamen er
perte / den weichen leim und ouch die erde [und knetete
Vögel]
Philipp
4119;
WernhMl
5249;
als wir sehen an den waichen vazzen, diu die hafner
[Töpfer] von tahen
[Ton] oder laime machent BdN
69,12;
ist er [die Götzenfigur]
holz oder lein / oder ein kreftelôser stein / sunder nutz
RvEBarl
12801;
RvEWchr
5036.
– als Material zum Herstellen von Ziegeln:
do hiez der kúnig das nieman me / dannen hin in
gebe do / deweder hoi, paelle [Spreu ?] unde
stro, / das si in den lein do tetin / den si ze ziegel knetin
RvEWchr
9732;
der uon adele was geborn, / der muͦse berien daz hore, / die
hêrlîchen chnehte / den laim und den letten [durch Schlagen
und Treten den Lehm zur Ziegelherstellung verdichten]
Exod
130.
– oft im Rahmen der Schöpfungsgeschichte bei der
Erschaffung des Menschen (vgl. formavit igitur Dominus Deus hominem
de limo terrae Gn 2,7):
got der den eristen man / uz læime gebildet hat
Wernh
D 2063;
Gen
268.
114
u.ö.;
EnikWchr
503;
Martina
119,12;
MinneR 30
671,7;
mit attr. brœde:
dô geschuof got von himele / nâch sîn selbes bilede / unsern vater
Adâmen / [...] / ûz einem brœden leime
Aneg
1078;
SüklV
797;
SuTheol
68;
Erinn
483.
– auch als einer von mehreren Werkstoffen:
ûz hertem leime tet er gebeine, / ûz brôder erde
hiez er daz fleisk werden, / ûz letten deme zâhen machôt er die
âdare [d.s. Muskeln, Sehnen, Adern]
Gen
195;
got [...] / der worhte den
mennischen einen / uzzen von aht teilen: / von dem leime gab er ime daz
fleisch, / der tou becechenit den sweiz [...]
VEzzo
41
1.2.2
als Material zum Abdichten:
vermach den haven [Topf,
Krug] oben mit leime, daz der tamph ninder ouz nemeg
Barth
149,3.
– beim Fachwerk:
swer auch pauwen wil, der sol mit ziegeln oder mit laime bauwen,
er sol auch mit ziegel decken NüP
132;
dar umb sint diu
pain [Knochen] des kranken flaisches
aufhaltung [des schwachen Fleisches
Stabilisierung] , recht als die pfæl in ainer klänten
want [einem mit Lehm aufgefüllten Fachwerk (vgl.
klënen
2)] den laim aufhaltent
BdN
22,10
(vgl. 1.3); auch zum
Nestbau:
ein swalwe klent von leime / ein hiuselîn Neidh
SL 26:7,3.
– beim Pfropfen und Versorgen von Schnitten am
Baum:
dor no bedecke die czu vugunge mit miste odir mit
leyme, das das wassir abe trage Pelzb
120,27.
125,8.
131,26
1.2.3
als Mittel, um Wein zu klären:
leym, noch der gerunge dem wyne ingegossin, reynit den
wyn vnde macht den wyn clar vnd czuhit di hevin in den grunt. jst abir, das
der leym gebrant ist, so ist her bessir, wen her den suze. so macht her ouch
den wyn wol smeckinde Pelzb
140,18.
140,20
1.3
in Vergleichen:
zæch sam der leim BdN
477,25;
wan limus ist ain zæh erdreich sam laim ebd.
302,34;
[die Augen kleben] im zu samene bi der nacht. daz uz
den ougin rinent ist als ein leime SalArz
35,35.
di tyevelynne kunde / gifft werffen auff der nasen, / das
der anger und di wasen / mit al wurden uber dent [überzogen,
bedeckt] , / als [als ob] der leym
ward geklaint HvNstAp
9030
(vgl. 1.2.2)
– für blasse, fahle Haut:
ouch was diu jæmerlîche schar / elliu nâch aschen
var, / oder alse valwer leim Parz
184,3;
im hâte manic übel tac / geselwet sîne varwe gar: /
er was swarz, niht wîz gevar. / sîn varwe gar verwandelt schein / als ein
varlôser lein. / er was mager und harte bleich RvEBarl
15326.
– für etwas Wertloses, vielleicht zu 2 i.S.v. ‘Dreck’
reht als ez wære leim, / golt und silber er bôt, /
swer im ze diser nôt / diensthaft wolde wesen Ottok
27691
2
‘Schlamm, Morast’ (vgl.
hor
,
lette
swM. 2):
der Ihesus ist genant, / der spey vf die erden, so zu hant /
mahte einen leymen er da weich [
fecit lutum ex sputo Io
9,6]
EvStPaul
12604;
bestechet bin ich in læime tiefem [interl. zu infixus sum in
limo profundi
]
PsM
68,3;
wan unser herre der vindet suͤmelich suͤnder stechende in dem laime
PrSchw
1,51;
ê mich begriffe sünden leim / kam ich leider niht zuo dir. / vrouwe, wis
genædic mir, / Marîâ MarGr 18
299,28
3
gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen:
nehelphe daz niht, sô nim verbrunnen leim unde zetrîb den mit
starchem ezich unde lege den uber die wunden Barth
141,11.
141,4.
141,13;
Ipocr
34;
mul [male] verbrunnen leim unde
temper den mit wîzem des aies unde lege daz phlaster uber die geswulst
Barth
143,3
4
Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit
dem leim, mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3):
[die Trennung des Mostes als Beispiel für die Trennung der vier
Körpersäfte in der Humorallehre:] eniz ist also di erde. daz ander
ist der geist. daz dritte alse der leime, daz ist hut uf dem moste geist. daz uirde
ist der reine win SalArz
2,1.
2,10
MWB 3,3 1019,14; Bearbeiterin: Baumgarte
leimære
stM.
Bed. unklar, jmd. der mit
leim
( ‘Lehm’) zu tun hat (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 3 S
§ 100, Anm. 3), hier als Bestandteil eines Eigennamens:
des sint geziug: her Syfrit der pfarrer des selben spitals, her Ott der
Lachher kapplan da selben, bruͤder Hainr. von Tiuringen, bruͤder Marquart, bruͤder
Hainrich der laimer UrkAugsb
1,387
(a. 1345)
MWB 3,3 1021,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leimen
swV.
→
lîmen
MWB 3,3 1021,9;
leimendecker
stM.
jmd., der mit Lehm baut:
men sal eyme steynmetzen, eyme czymmermanne, eyme leymendeckere
[...] des tages eynen Heschen schilling unde di kost
geben StRHeiligenst
69
MWB 3,3 1021,10; Bearbeiterin: Baumgarte
leimgadem
stN.
hier lein-.
‘Lehmhütte’
der kelnhof ze Wiler, den der zehender buwet von Núfron, der selb hof het I
hus und II schúran [Scheuern, Scheunen] und I laingaden
und ain garten UrkThurgau
5,282
(a. 1349)
MWB 3,3 1021,15; Bearbeiterin: Baumgarte
leimgruobe
swF.
auch lein-.
‘Lehmgrube’
nichein zinsman en muͦz noch steingrûben noch leimgrûben graben âne sînes
herren urloub, des zinsman her ist, noch holcz howen noch roden ûf sîme zinsgûte, ez
en sie sîn erbezinsgût SSp (W)
1:54,5;
duobus cum dimidio jugeribus dictis in der leymgruben UrkWürzb
40,254
(a. 1339);
vnd ein ander halbe ivchart reben, stozet an die leingrvͦben UrkCorp
(WMU)
N460,17.
291,3
MWB 3,3 1021,20; Bearbeiterin: Baumgarte
leimhûs
stN.
‘Haus aus Lehm’, hier übertr.:
sich, vil verre mer dy / in leymhusern
[
domos luteas Iob 4,19] wonen hy. / daz
ist der mensch, des geist binam / von boben kumit indisen slam Hiob
1694
MWB 3,3 1021,29; Bearbeiterin: Baumgarte
leimic
Adj.
‘schleimig, zäh’ im SalArz bezogen auf das fleuma
(gr.-lat. phlegma, ‘Schleim’), einen der vier Körpersäfte der
Humorallehre:
agezzel ist ein sichtum. der wirt da von so sich gesamenet
hindene in deme houbit leimegiz fleuma. vnde vorstopfet di wege
SalArz
31,58.
3,9
u.ö.
– meist attr. zu
viuhte
stF.:
pfeffir ist heiz vnde trocken an dem virden gradu. vnde ist
den gut di kaldin vnde vuchtin magin han. vnde reinigit di brust unde di lunge von
der leimigen vuchte SalArz
14,2.
54,35
u.ö.;
auch hierher (verschr. ?):
di gedertin winber [...] losent di
lemige vuchte di da haftit in der brust SalArz
16,4
MWB 3,3 1021,33; Bearbeiterin: Baumgarte
leimîn
Adj.
‘aus Lehm’
er [Prometheus] machte bildú
leimin / und half in mit dén listen sin / das si sih selbin regten / und lebeliche
wegeten RvEWchr
8700.
– subst.:
jâ bekenne ich dich [Gott] wol: / du kanst mich
[Teufel] sêre pînen, / und wilt den leimînen
[aus Lehm gemachten Menschen] / mîn hêrstuol
[Thron] behalten Georg
3436
(vgl.
sô ist der mensch unwerde / gemachet ûz der erde ebd.
3441f.
);
UrkCorp (WMU)
1980,25
MWB 3,3 1021,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leimstrîch
stM.
die Lehmmenge, die im gleichen Arbeitsgang durch Schlagen entwässert wird:
do got [...] den man wold zesamene ruchen, / do nam
er [...] einen leim zachen
[zähen] , / da mit er lîmen wolde da daz lít zesamene
solde, / daz streich er enzwischen, [...] / den selben leim
strich nam got fur [vor] sich, / ubir die adir er in zoch
[...], / daz si [...] zesamene
sich vaste habeten GenM
7,15
MWB 3,3 1021,55; Bearbeiterin: Baumgarte
leinen
swV.
1
‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’
1.1 intr. (vgl.
lënen
) 1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder
aufgestützte) Haltung einnehmen’
1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in
Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder
liegen’
1.2 tr. 1.2.1
‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. 1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. 1.2.2.1
‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’
(FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen) 1.2.2.2
‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’
1.2.2.3
‘sich stützen’
1.2.2.4
‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’
2
‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’
3
‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’
1
‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’
1.1
intr. (vgl.
lënen
)
1.1.1
ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder
aufgestützte) Haltung einnehmen’
von ime so habe wir den gedanc / von ime daz wir gehoren, /
[...] sagen unte singen, / liken
[liegen] unte leinen, / suften unte weinen
ArnoltSieb
58a,11;
den sitzen, disen leinen sah man manegen degen
NibB
2227,1;
(vgl. zu →
lënen
:
Anfortas sîn bruoder lent: / der mac gerîten noch
gegên / noch geligen noch gestên Parz
251,16.
491,3
).
– oft abwertend, ‘(ohne die Haltung zu bewahren, nachlässig)
flegeln, fläzen’
der herzog stuont, sie sâzen, / [...] / saz
er bî in, sie leinten. / dâ mit sie bescheinten / ir unzuht
Helbl
4,261;
so sitzet mancher als ein pfluch [Pflug] : /
er let bein und arm ragen, / als in die gusse dar hab getragen; /
[...] / er leinet, als im tun we die lende
Jüngl
562
1.1.2
mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in
Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder
liegen’
dâ er die recken beide stênde vant / ûzen vor dem
hûse geleinet an den sal NibB
2328,3;
an dem pavilune leynden funff schild
Lanc
195,19;
von der kerzen, diu dâ bran, / dâ gesach er lützel
van: / dâ leinde ein schâhzabel vor Tr
13589;
er leinte an sîner hant NibB
1575,2;
er leit sinen backen in syn hant und leynte off
synen ellebogen Lanc
306,9;
der [Ritter] noch off
eyner stat hielt und leynet off syner glenen ebd.
264,27;
von derselben Szene:
der úber sin glen leynte ebd.
264,37;
Parz
513,27;
sô ich in dem venster leine Helbl
1,1299;
der guͦt sant Johannes [...]
waz im [Jesus] so haimlich, daz er in auf siner
brust lainen lie Konr
3 O,7
(=
PrOberalt
21,4
).
19,39;
geleinet er si ligen sach / zein ander schône und ebene
KvWEngelh
3254.
– reduziert auf ‘sich befinden’
ein troͮm mir geschach; / oͮf minem hoͮbet sách ich leinen
[
haberem super caput Gen
40,16] von / melwe volle dri zeinen
[Körbe]
GenM
81,21
1.2
tr.
1.2.1
‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.:
er stach daz sper in daz gras / und leinde sînen
schilt dran UvZLanz
2383;
ir tôtez volc si leinde / gewâpent an die zinnen
Wh
230,6;
das du [Jesus] nit hattest do du din
verwundet houbt mochtest an geleinen PrWack
99,40;
Mechth
4: 3,18;
Wig
413;
NibB
977,3;
BdN
84,1;
in den nuosk [Trog] er si
[die Pappelruten] leinte Gen
1403;
Rennewart die stangen swære / under ein gewelbe
leinde Wh
270,5;
Lanc
312,19;
Tr
13507;
NibB
1833,2.
– bildl.:
ich sal min herz an’t dine leinen, / wir sulen dan
samen van trurcheit sagen MarlbRh
22,8.
– übertr., zur begrifflichen Inbeziehungsetzung von Wörtern (vgl.
im Detail FrlWB, S. 208):
sit got wolte ez [das Wort
mulier
] dar [an das Wort
meit
] leinen Frl
5:111,12.
5:111,17
1.2.2
mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2.1
‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’
(FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen):
der Markis sich hatte geleinet / neben
Arabeln [
gein Arabel *A (zu 1.2.2.2)] vf den
matraz [Sitz- und Schlafpolster]
TürlArabel
*R 130,26.
– im weiteren Sinne ‘es sich bequem machen’
do was schier entschlafen der keiser lobsam. / zu im leite
sich der bracke, der helfant leinen sich began WolfdD
(H)
820,3
(die jüngere Umarbeitung vereindeutigt zu 1.2.2.2:
zuͦ ÿm leit sich der brack, der helfant lonen
[d.i. lënen
] sich began /
zuͦ ÿm an die linde WolfdD
820,3
)
1.2.2.2
‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’
an ein venster er sich leinte Krone
13005;
da sich die muoden an die
linebergen [Zinnen] suln leinen
Himmelr
8,8;
Will
52,23;
Pass III
626,87;
si stiurte unde leinde sich / mit ir ellebogen an
in Tr
11970;
Gen
1242;
daz bret, / dâ gegen und sich geleinet het / dar
an der tugende rîche man Kreuzf
7596;
dô ich [Johannes]
[...]
[beim Abendmahl] an dîner sîten saz / unde
mich nâch mînr gelust / leinete ûf dîne brust WvRh
11559.
– bildl.:
henk dich und leine dich zartlichen und
guͤtlichen an dinen guͦten got Tauler
213,2
1.2.2.3
‘sich stützen’
er lainte sich auf den stabe gut
HvNstAp
4183;
über sîne crucken leinder sich Tr
15349;
NibB
2009,3;
Wernh
D 1903.
– bildl.:
an gedingen, des mir nie zeran, / ze trôste ich mich noch
leine HartmKlage (G)
1756;
besich min herze, wiͤ ’t dich meine, / sich,
wiͤ ser ’t sich up dich leine! MarlbRh
2,28
1.2.2.4
‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’
dô si sich uber die burgmûre leinten
Gen
2932;
daz si da selbes bi im stunt / uber ein venster geleinet
Pass III
425,29;
sie hatt sich geleynet / v̀ber jne, da er lag. / mit kùszen sie
des recken pflag Krone
26399;
Will
135,2
2
‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’
si [die Winde] taten die
galinen [Schiffe] / sich lainen uf und dann nider, /
hin und her, fúr und wider SHort
10341;
der kunic wirt sich leynen / heimwert
kein [gegen] sime lande Daniel
7038;
– übertr.:
vleischlicher liebe akust / trugen sie kein
[gegen] der reinen. / ir sinne wart sich leinen /
niderwert Daniel
7456;
3
‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’
er [Luzifer] leinete sich îsa / an
sinen scephâre / er hazzete in ze ware VMos
4,21;
ein greve [...] wolde ein striten angan / mit den,
die viende waren, / und sich in den iaren / wider daz riche leinten Pass
III
308,7
MWB 3,3 1021,63; Bearbeiterin: Baumgarte
leip
stM.
‘Brot, Brotlaib’
ein brot ist ein leip / vnde ein leip dast ein brot NeunMänner
(G)
315
(=
Kettenreime
1148,22
);
heiz mir brengen einen leib, / ein girstin brot, des ich
bedarf Pass I/II (HSW)
20656;
Helbl
1,1029;
Rennew
11001
MWB 3,3 1023,40; Bearbeiterin: Baumgarte
leis, leise
stF.
‘Spur’ vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 133ab; oft mit
niuwe:
als ich die spur erkenne, / sîn fliehen mangen guoten meister toeret, /
[...] / ez hilt sich in den leisen, / daz man ez für
ein kelbel mac an sprechen Hadam
188,6.
535,1;
alsam ein tier verhowen uf einer niwen leise, / noch baz dem von Anschowen
spuͦrt man durch gedrenge sine reise, / swelches ends er sich mit nide cherte, / uz
helme fiur, uz wunden bluͦt, sus zweier hande regen er da rerte JTit
930,1.
– in Bildern mit snîwen eigentl. und übertr.:
von snêwe was ein niwe leis / des nahtes vast ûf in gesnît
Parz
281,12;
der unpris ie verworhte, so daz von im da snite ein niwe leise, / dar uf man
spurnde ritter mohte vinden JTit
4338,2;
RvEWh
6646
(La., →
niuleis
);
von Speersplittern:
der minnen gernde Rîwalîn, / von des sper snîte ein niwe leis
Parz
73,15;
Morholt von Irlande, der ie in starker vreise / so vil der sper verswande, daz
von siner hende niwe leise / sniten von drunzunen
[Speersplitter] und von sprizen JTit
1402,2.
2012,2
MWB 3,3 1023,45; Bearbeiterin: Baumgarte
leis
stM. , leise
swM.
‘(wohl i.d.R. einstrophiger) volkssprachlicher geistlicher
Gesang’ im Rahmen von Gottesdienst, Wall- und Pilgerfahrten; aus kirie
eléison, das als Refrain erscheint (vgl. V. Mertens, Leisen und Rufe, in:
2MGG 25,1075-1078; vgl.
kirjelêîson
):
nu heuet iwer hende unde iwer herze ûf ze dem almahtigen gote
mit dem leisse: ‘helfen uns alle heiligen.’ Spec
115,26;
[bei Marias Himmelfahrt] nuͤ wandirt hin und wesit vroͤ /
und singet uwir leyse also: nuͤ ist dyͤ werlt alle zcuͤ gote vil vro
MarSp
766;
[bei der Rückkehr der Prozession] dî pfaffin sûze sungin,
/ dî glockin lûte clungin, / dî leigin ire leise / sungin dî wegereise
NvJer
6591;
der leien leisen durch tiutschiu lant / sint einveltic und doch baz bekant /
denne manic kunst, ûf die geleit / ist grôziu kost und arbeit. / unserm herren ist
wâriu einveltikeit / lieber denne valsch driveltikeit Renner
11121.
– zum Beginn und Ende einer gefährlichen Unternehmung (z.B.
einer Schifffahrt, eines Kampfes):
[als das Ziel der Seereise in Sicht ist] Ernst begunde
loben got; / mit den sînen was er frô, / sînen leisen huop er dô: / ‘Crist, hêrre,
du bist guot, / nu hilf uns durch dîn reinez bluot, / durch dîne hêren wunden / daz
wir frœlîch werden funden, / dâ süeze ist der engel dôn, / in dînem rîche:
kyrieleison!’ ErnstD
4538.
3581.
1924;
den leysen man zuͦ velde sanc: / ‘in godis namen varen wir’
Böhmenschl
48;
dô si uf die heiden drungen, / irn leisen sie sungen: / ‘helf
uns daz heilige grap!’ Kreuzf
3100.
1896
u.ö.;
dô sie in die burc drungen, / iren leisen sie sungen ErnstD
2158.
4759.
3070;
Hirzelin
93
MWB 3,3 1024,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leisieren
swV.
auch leischieren ( Parz ;
PleierTand
13795
) und losieren (
Krone
29163;
MinneR 418
48
).
‘mit verhängten, d.h. lockeren Zügeln reiten; schnell reiten, galopppieren’
(zu afrz. ‘(es)lais(s)ier’), vgl. Suolahti 1,146, Rosenqvist 1,149; Segelcke,
Rîten, S. 161); oft im →
1kreiʒ
8, dem Kampfplatz:
Reinfrit und der Persân, / daz ors ze beiden sîten nan, / sî beide dô
ersprancten. / ûf halbem kreize sancten / sî diu banier und diu sper / und kâmen
geleisieret her, / niht als sî rîten, als sî flugen Reinfr
17306.
855;
mit in leisierte der rîche heiden. / daz ros gie ze sîten beiden / als ez vor
fröuden fliegen wolde Heidin II
335.
2281;
UvZLanz
2369;
leischiernde si die zoume / kurzten, unde tâten
goume [und richteten ihre Aufmerksamkeit darauf] , /
swenne si punierten, / daz si niht failierten [dass sie beim
Lanzenstechen nicht daneben trafen]
Parz
738,25
u.ö.;
Tr
2109;
Herb
1445;
TürlArabel
*R 71,17
u.ö.;
Ottok
8135;
UvLFrd
181,17
MWB 3,3 1024,34; Bearbeiterin: Baumgarte
leissup
Subst.
eine Pflanzenart, eine Art von Distel (?):
eupopectina: leissup Gl
3:480,1
(vgl. lupopectina AWB 2,558 s.v. thistil und Marzell
2,147 s.v. Dipsacus silvester )
MWB 3,3 1024,54; Bearbeiterin: Baumgarte |