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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
      leienrëht stN.
      leienswëster F.
      leienvürste swM.
      leienwînzehende stM.
      leienzëhende swM.
      leige stM.
      leiht (?) Adj.
      leiiclich Adj.
      leilich Adj.
      leim stM.
      leimære stM.
      leimen swV.
      leimendecker stM.
      leimgadem stN.
      leimgruobe swF.
      leimhûs stN.
      leimic Adj.
      leimîn Adj.
      leimstrîch stM.
      leinen swV.
      leip stM.
      leis stF.
      leis stM.
      leisieren swV.
      leissup Subst.
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   leienrëht - leissup    


leienrëht stN. das überlieferte deutsche Recht im Unterschied zum römischen oder kanonischen Recht (vgl. DRW 8,309 und leiengerihte ), ‘Laienrecht’ hie sullen wir sprechen, wer ze rehte phleger müge sîn oder niht der kinde und der vrauwen. etwâ heizet er phleger, etwâ sicherære, etwâ voget, etwâ vormunt, etwâ behalter; die sullen alle getriuwe liute sîn. in der schrift sô sint si gesundert an ir reht, aver vor leien reht sô haben wir einez alse daz ander SpdtL 126,11; ebenso SchwSp (W) 52,8

MWB 3,3 1017,46; Bearbeiterin: Baumgarte

leienswëster F. auch lei-, leige-. weibliches Mitglied einer Ordensgemeinschaft, die nicht zur Nonne geweiht ist (vgl. DRW 8,309), ‘Laienschwester’ daz wir swester Adelhait, vnser leige swester von Alphach, geben alliv iar XVIII sv̂merv [Scheffel] roken UrkCorp (WMU) 2881,4; sie waz einz nahts vor irm pette an irm gebet: da kom sie von ir selber. do ging ein leienswester, die waz ir gastmeisterin, dreie stund zu ir und sprach, daz sie her abe ging zu den gesten. da versan sie sich niht in dise werlt von gotlichen gnaden. da ging die leiswester hin und sprach von der priolin EbnerChrist 19,13. 5,36. 6,8

MWB 3,3 1017,57; Bearbeiterin: Baumgarte

leienvürste swM. auch lei-, leige(n)- ( HagenChr (G) 618; SchwSp 48b ), lêg- ( EnikWchr 27939 ). ‘weltlicher Herrscher’ (vgl. DRW 8,306): ain lai fuͦrste mag nicht aim andern lai fursten hof gepieten ob er daz selbe reht hat daz er hof gepieten muͦg [ vor ein königliches Hofgericht laden ] SchwSpK 4,3:145; den romischen chvnech svlen chiesen drei pfaffen fursten vnd vier lai fursten ebd. 4,3:137; wir geben die wal drin erzebischoven unde vier leienvürsten PKchr 179,19; Loheng 1970; HagenChr (G) 618; der chvnec hebet den ersten hershilt. die bischofe vnd die abbet. vnd die abtissen. die da fvrsten sint. die hebent den andern hershilt. die leien fvrsten den dritten. die vrien herren den vierden SchwSp 7a. 68b. 48b; SpdtL 83,17. 231,4; man sach ie leienfürsten streben / in stürmen und in striten bi dem riche neben / und ouch ir swert / beschirmen sunder wan. / her künig, ir sult die leienfürsten richen, / in rechter not die pfaffen von iu wichen Frl 8:13,11; Ottok 13643. 28433; ir sult besenden / in dem rîche in allen enden / die edeln fursten alle / [...], / daz sie komen gar ze hove, / leienfursten, bischove, / unde sitzet zuo geriht / unde erteilet dise geschiht, / wie ûch die fursten lêren EbvErf 1408; Rumelant (K) 2:13,10; Helbl 8,1102; Hawich 4707. 4692

MWB 3,3 1018,6; Bearbeiterin: Baumgarte

leienwînzehende stM. ‘einem weltlichen Herren zustehender Weinzehnt’ daz ich [A., ain ritter,] han verichen und vergich offenlich an diesem brief [...] dem [...] abt und dem convent von Salmanswiler [...] ainz glichen tails und ainer rechter gemaind [Gemeinschaft] an dem laigen winzehenden [...] ze Marchdorf, daz wir den selben winzehenden mit anander hinanfuͥr [...] niessen sont UrkSalem 2,570 (a. 1300)

MWB 3,3 1018,32; Bearbeiterin: Baumgarte

leienzëhende swM. einem weltlichen Herren zustehender Zehnt (vgl. WMU 2,1118; DRW 8,310): davon han wir zu lehen die burg Franckenburg, [...] und daz tal und die lüte darunder, und zu Kestenholtz den leyhen zehenden und den kirchensatz und was zu Franckenburg höret von alter her UrkEls 2,157 (a. 1336); alles, das ich an dem dorfe ze Emeringen hête mit dem kirchen sazze der kirchen ze Emeringen, mit akkern, mit wisen, mit holze, mit velde vnd mit dem laîen zehenden, den ich och da hête UrkCorp (WMU) 2912,20. 1569,33; min herre hat gelihen A.v.G. den layenzehend ze K. [...], den man nemt den gemeinen layenzehenden DRW 8,310 (WürtVjh; a. 1344); UrkRapp 477,5 (a. 1350); UrkZürich 11,245 (a. 1330)

MWB 3,3 1018,41; Bearbeiterin: Baumgarte

leige stM. , leige- leie stM., → leien-

MWB 3,3 1018,56;

leiht (?) Adj. Bed. unklar (Anm.z.St. verweist auf wëterleich und wëterleichen , vgl. dazu SchweizId 3,1011; Findebuch ‘zuckend, grell aufleuchtend?’): do wrden donre groze / mit manegem grozen doze / kleckende und schellende, / chrachende und hellende / mit schininden blicken, / leihtin unde dikkin [flüchtig aufflackernde (?) und dicht gedrängte] RvEWchr 11561

MWB 3,3 1018,57; Bearbeiterin: Baumgarte

leiiclich Adj. ‘im Laienstand, weltlich’ (vgl. leienhërre ; leienvürste ): [lässt der geistliche Herr seine Blutrichter nicht vom König bestätigen,] er vnde alle sine rihter werdent an allen den schuldig vor gotte, vber die si rihtent, so si der livte bluͦt vz giezzent. die leigeclichen herren bedurfen dez nvͥt, daz die rihter den ban enphahen von dem kvͥnige. daz ist da von, daz der leige selbe vrteil git SchwSp 58a

MWB 3,3 1019,1; Bearbeiterin: Baumgarte

leilich Adj. ‘laienhaft, ungelehrt’ ich kann nicht vil da von gesagen. / daz saltu, bite ich, mir vertragen. / so groz ist dirre kunste hort / daz en versmahn leiliche wort Secret 1824

MWB 3,3 1019,10; Bearbeiterin: Baumgarte

leim stM. , leime swM. auch lein [:stein] (z.B. RvEBarl 12801 ); die semantische Abgrenzung zu den (teil-?)synonymen Wörtern dahe swF. und lette swM. ist unklar; häufiger mit zæhe ‘zäh’ und bern , berjen ‘(zur Entwässerung und Verdichtung) schlagen, treten; kneten’. 1 ‘Lehm(boden), Ton(erde)’
1.1 allg.
1.2 als Werkstoff
1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann)
1.2.2 als Material zum Abdichten
1.2.3 als Mittel, um Wein zu klären
1.3 in Vergleichen
2 ‘Schlamm, Morast’ (vgl. hor , lette swM. 2 )
3 gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen
4 Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit dem leim , mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3 )
   1 ‘Lehm(boden), Ton(erde)’    1.1 allg.: in dichtim ertriche vnde vuchtim vnd vettim do wachsin si [die Kastanien] kvme; in toppir ertriche [Töpfererde, Ton] odir in leyme do wachsin si nymmer Pelzb 128,21; jtem ein halb acker an deme leimen bi Wetzel UrkCorp (WMU) N410,28; swer den Rin mit leime wil verswellen, / der hat min, swie tumbe ich si, ze helfe niht Marner (W) 2:2,3; gelustet si [der Schwangeren] [...] leimes oder kole. so gip ir gelunte [geröstete] bonen SalArz 65,40; JTit 6297,4    1.2 als Werkstoff    1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann): ûz hin ûf daz velt sî [die Kinder] kâmen / dâ leim [ zu 1.1 ] und erde gegraben was. / daz kint Jêsus dâ nider saz, / mit sîner hant zesamen er perte / den weichen leim und ouch die erde [und knetete Vögel] Philipp 4119; WernhMl 5249; als wir sehen an den waichen vazzen, diu die hafner [Töpfer] von tahen [Ton] oder laime machent BdN 69,12; ist er [die Götzenfigur] holz oder lein / oder ein kreftelôser stein / sunder nutz RvEBarl 12801; RvEWchr 5036. – als Material zum Herstellen von Ziegeln: do hiez der kúnig das nieman me / dannen hin in gebe do / deweder hoi, paelle [Spreu ?] unde stro, / das si in den lein do tetin / den si ze ziegel knetin RvEWchr 9732; der uon adele was geborn, / der muͦse berien daz hore, / die hêrlîchen chnehte / den laim und den letten [durch Schlagen und Treten den Lehm zur Ziegelherstellung verdichten] Exod 130. – oft im Rahmen der Schöpfungsgeschichte bei der Erschaffung des Menschen (vgl. formavit igitur Dominus Deus hominem de limo terrae Gn 2,7): got der den eristen man / uz læime gebildet hat Wernh D 2063; Gen 268. 114 u.ö.; EnikWchr 503; Martina 119,12; MinneR 30 671,7; mit attr. brœde: dô geschuof got von himele / nâch sîn selbes bilede / unsern vater Adâmen / [...] / ûz einem brœden leime Aneg 1078; SüklV 797; SuTheol 68; Erinn 483. – auch als einer von mehreren Werkstoffen: ûz hertem leime tet er gebeine, / ûz brôder erde hiez er daz fleisk werden, / ûz letten deme zâhen machôt er die âdare [d.s. Muskeln, Sehnen, Adern] Gen 195; got [...] / der worhte den mennischen einen / uzzen von aht teilen: / von dem leime gab er ime daz fleisch, / der tou becechenit den sweiz [...] VEzzo 41    1.2.2 als Material zum Abdichten: vermach den haven [Topf, Krug] oben mit leime, daz der tamph ninder ouz nemeg Barth 149,3. – beim Fachwerk: swer auch pauwen wil, der sol mit ziegeln oder mit laime bauwen, er sol auch mit ziegel decken NüP 132; dar umb sint diu pain [Knochen] des kranken flaisches aufhaltung [des schwachen Fleisches Stabilisierung] , recht als die pfæl in ainer klänten want [einem mit Lehm aufgefüllten Fachwerk (vgl. klënen 2)] den laim aufhaltent BdN 22,10 (vgl. 1.3); auch zum Nestbau: ein swalwe klent von leime / ein hiuselîn Neidh SL 26:7,3. – beim Pfropfen und Versorgen von Schnitten am Baum: dor no bedecke die czu vugunge mit miste odir mit leyme, das das wassir abe trage Pelzb 120,27. 125,8. 131,26    1.2.3 als Mittel, um Wein zu klären: leym, noch der gerunge dem wyne ingegossin, reynit den wyn vnde macht den wyn clar vnd czuhit di hevin in den grunt. jst abir, das der leym gebrant ist, so ist her bessir, wen her den suze. so macht her ouch den wyn wol smeckinde Pelzb 140,18. 140,20    1.3 in Vergleichen: zæch sam der leim BdN 477,25; wan limus ist ain zæh erdreich sam laim ebd. 302,34; [die Augen kleben] im zu samene bi der nacht. daz uz den ougin rinent ist als ein leime SalArz 35,35. di tyevelynne kunde / gifft werffen auff der nasen, / das der anger und di wasen / mit al wurden uber dent [überzogen, bedeckt] , / als [als ob] der leym ward geklaint HvNstAp 9030 (vgl. 1.2.2) – für blasse, fahle Haut: ouch was diu jæmerlîche schar / elliu nâch aschen var, / oder alse valwer leim Parz 184,3; im hâte manic übel tac / geselwet sîne varwe gar: / er was swarz, niht wîz gevar. / sîn varwe gar verwandelt schein / als ein varlôser lein. / er was mager und harte bleich RvEBarl 15326. – für etwas Wertloses, vielleicht zu 2 i.S.v. ‘Dreck’ reht als ez wære leim, / golt und silber er bôt, / swer im ze diser nôt / diensthaft wolde wesen Ottok 27691    2 ‘Schlamm, Morast’ (vgl. hor , lette swM. 2): der Ihesus ist genant, / der spey vf die erden, so zu hant / mahte einen leymen er da weich [ fecit lutum ex sputo Io 9,6] EvStPaul 12604; bestechet bin ich in læime tiefem [interl. zu infixus sum in limo profundi ] PsM 68,3; wan unser herre der vindet suͤmelich suͤnder stechende in dem laime PrSchw 1,51; ê mich begriffe sünden leim / kam ich leider niht zuo dir. / vrouwe, wis genædic mir, / Marîâ MarGr 18 299,28    3 gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen: nehelphe daz niht, sô nim verbrunnen leim unde zetrîb den mit starchem ezich unde lege den uber die wunden Barth 141,11. 141,4. 141,13; Ipocr 34; mul [male] verbrunnen leim unde temper den mit wîzem des aies unde lege daz phlaster uber die geswulst Barth 143,3    4 Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit dem leim, mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3): [die Trennung des Mostes als Beispiel für die Trennung der vier Körpersäfte in der Humorallehre:] eniz ist also di erde. daz ander ist der geist. daz dritte alse der leime, daz ist hut uf dem moste geist. daz uirde ist der reine win SalArz 2,1. 2,10

MWB 3,3 1019,14; Bearbeiterin: Baumgarte

leimære stM. Bed. unklar, jmd. der mit leim ( ‘Lehm’) zu tun hat (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 3 S § 100, Anm. 3), hier als Bestandteil eines Eigennamens: des sint geziug: her Syfrit der pfarrer des selben spitals, her Ott der Lachher kapplan da selben, bruͤder Hainr. von Tiuringen, bruͤder Marquart, bruͤder Hainrich der laimer UrkAugsb 1,387 (a. 1345)

MWB 3,3 1021,1; Bearbeiterin: Baumgarte

leimen swV. lîmen

MWB 3,3 1021,9;

leimendecker stM. jmd., der mit Lehm baut: men sal eyme steynmetzen, eyme czymmermanne, eyme leymendeckere [...] des tages eynen Heschen schilling unde di kost geben StRHeiligenst 69

MWB 3,3 1021,10; Bearbeiterin: Baumgarte

leimgadem stN. hier lein-. ‘Lehmhütte’ der kelnhof ze Wiler, den der zehender buwet von Núfron, der selb hof het I hus und II schúran [Scheuern, Scheunen] und I laingaden und ain garten UrkThurgau 5,282 (a. 1349)

MWB 3,3 1021,15; Bearbeiterin: Baumgarte

leimgruobe swF. auch lein-. ‘Lehmgrube’ nichein zinsman en muͦz noch steingrûben noch leimgrûben graben âne sînes herren urloub, des zinsman her ist, noch holcz howen noch roden ûf sîme zinsgûte, ez en sie sîn erbezinsgût SSp (W) 1:54,5; duobus cum dimidio jugeribus dictis in der leymgruben UrkWürzb 40,254 (a. 1339); vnd ein ander halbe ivchart reben, stozet an die leingrvͦben UrkCorp (WMU) N460,17. 291,3

MWB 3,3 1021,20; Bearbeiterin: Baumgarte

leimhûs stN. ‘Haus aus Lehm’, hier übertr.: sich, vil verre mer dy / in leymhusern [ domos luteas Iob 4,19] wonen hy. / daz ist der mensch, des geist binam / von boben kumit indisen slam Hiob 1694

MWB 3,3 1021,29; Bearbeiterin: Baumgarte

leimic Adj. ‘schleimig, zäh’ im SalArz bezogen auf das fleuma (gr.-lat. phlegma, ‘Schleim’), einen der vier Körpersäfte der Humorallehre: agezzel ist ein sichtum. der wirt da von so sich gesamenet hindene in deme houbit leimegiz fleuma. vnde vorstopfet di wege SalArz 31,58. 3,9 u.ö. – meist attr. zu viuhte stF.: pfeffir ist heiz vnde trocken an dem virden gradu. vnde ist den gut di kaldin vnde vuchtin magin han. vnde reinigit di brust unde di lunge von der leimigen vuchte SalArz 14,2. 54,35 u.ö.; auch hierher (verschr. ?): di gedertin winber [...] losent di lemige vuchte di da haftit in der brust SalArz 16,4

MWB 3,3 1021,33; Bearbeiterin: Baumgarte

leimîn Adj. ‘aus Lehm’ er [Prometheus] machte bildú leimin / und half in mit dén listen sin / das si sih selbin regten / und lebeliche wegeten RvEWchr 8700. – subst.: jâ bekenne ich dich [Gott] wol: / du kanst mich [Teufel] sêre pînen, / und wilt den leimînen [aus Lehm gemachten Menschen] / mîn hêrstuol [Thron] behalten Georg 3436 (vgl. sô ist der mensch unwerde / gemachet ûz der erde ebd. 3441f. ); UrkCorp (WMU) 1980,25

MWB 3,3 1021,46; Bearbeiterin: Baumgarte

leimstrîch stM. die Lehmmenge, die im gleichen Arbeitsgang durch Schlagen entwässert wird: do got [...] den man wold zesamene ruchen, / do nam er [...] einen leim zachen [zähen] , / da mit er lîmen wolde da daz lít zesamene solde, / daz streich er enzwischen, [...] / den selben leim strich nam got fur [vor] sich, / ubir die adir er in zoch [...], / daz si [...] zesamene sich vaste habeten GenM 7,15

MWB 3,3 1021,55; Bearbeiterin: Baumgarte

leinen swV. 1 ‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’
1.1 intr. (vgl. lënen )
1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder aufgestützte) Haltung einnehmen’
1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder liegen’
1.2 tr.
1.2.1 ‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2.1 ‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’ (FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen)
1.2.2.2 ‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’
1.2.2.3 ‘sich stützen’
1.2.2.4 ‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’
2 ‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’
3 ‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’
   1 ‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’    1.1 intr. (vgl. lënen )    1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder aufgestützte) Haltung einnehmen’ von ime so habe wir den gedanc / von ime daz wir gehoren, / [...] sagen unte singen, / liken [liegen] unte leinen, / suften unte weinen ArnoltSieb 58a,11; den sitzen, disen leinen sah man manegen degen NibB 2227,1; (vgl. zu → lënen : Anfortas sîn bruoder lent: / der mac gerîten noch gegên / noch geligen noch gestên Parz 251,16. 491,3 ). – oft abwertend, ‘(ohne die Haltung zu bewahren, nachlässig) flegeln, fläzen’ der herzog stuont, sie sâzen, / [...] / saz er bî in, sie leinten. / dâ mit sie bescheinten / ir unzuht Helbl 4,261; so sitzet mancher als ein pfluch [Pflug] : / er let bein und arm ragen, / als in die gusse dar hab getragen; / [...] / er leinet, als im tun we die lende Jüngl 562    1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder liegen’ dâ er die recken beide stênde vant / ûzen vor dem hûse geleinet an den sal NibB 2328,3; an dem pavilune leynden funff schild Lanc 195,19; von der kerzen, diu dâ bran, / dâ gesach er lützel van: / dâ leinde ein schâhzabel vor Tr 13589; er leinte an sîner hant NibB 1575,2; er leit sinen backen in syn hant und leynte off synen ellebogen Lanc 306,9; der [Ritter] noch off eyner stat hielt und leynet off syner glenen ebd. 264,27; von derselben Szene: der úber sin glen leynte ebd. 264,37; Parz 513,27; sô ich in dem venster leine Helbl 1,1299; der guͦt sant Johannes [...] waz im [Jesus] so haimlich, daz er in auf siner brust lainen lie Konr 3 O,7 (= PrOberalt 21,4 ). 19,39; geleinet er si ligen sach / zein ander schône und ebene KvWEngelh 3254. – reduziert auf ‘sich befinden’ ein troͮm mir geschach; / oͮf minem hoͮbet sách ich leinen [ haberem super caput Gen 40,16] von / melwe volle dri zeinen [Körbe] GenM 81,21    1.2 tr.    1.2.1 ‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.: er stach daz sper in daz gras / und leinde sînen schilt dran UvZLanz 2383; ir tôtez volc si leinde / gewâpent an die zinnen Wh 230,6; das du [Jesus] nit hattest do du din verwundet houbt mochtest an geleinen PrWack 99,40; Mechth 4: 3,18; Wig 413; NibB 977,3; BdN 84,1; in den nuosk [Trog] er si [die Pappelruten] leinte Gen 1403; Rennewart die stangen swære / under ein gewelbe leinde Wh 270,5; Lanc 312,19; Tr 13507; NibB 1833,2. – bildl.: ich sal min herz an’t dine leinen, / wir sulen dan samen van trurcheit sagen MarlbRh 22,8. – übertr., zur begrifflichen Inbeziehungsetzung von Wörtern (vgl. im Detail FrlWB, S. 208): sit got wolte ez [das Wort mulier ] dar [an das Wort meit ] leinen Frl 5:111,12. 5:111,17    1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.    1.2.2.1 ‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’ (FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen): der Markis sich hatte geleinet / neben Arabeln [ gein Arabel *A (zu 1.2.2.2)] vf den matraz [Sitz- und Schlafpolster] TürlArabel *R 130,26. – im weiteren Sinne ‘es sich bequem machen’ do was schier entschlafen der keiser lobsam. / zu im leite sich der bracke, der helfant leinen sich began WolfdD (H) 820,3 (die jüngere Umarbeitung vereindeutigt zu 1.2.2.2: zuͦ ÿm leit sich der brack, der helfant lonen [d.i. lënen ] sich began / zuͦ ÿm an die linde WolfdD 820,3 )    1.2.2.2 ‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’ an ein venster er sich leinte Krone 13005; da sich die muoden an die linebergen [Zinnen] suln leinen Himmelr 8,8; Will 52,23; Pass III 626,87; si stiurte unde leinde sich / mit ir ellebogen an in Tr 11970; Gen 1242; daz bret, / dâ gegen und sich geleinet het / dar an der tugende rîche man Kreuzf 7596; dô ich [Johannes] [...] [beim Abendmahl] an dîner sîten saz / unde mich nâch mînr gelust / leinete ûf dîne brust WvRh 11559. – bildl.: henk dich und leine dich zartlichen und guͤtlichen an dinen guͦten got Tauler 213,2    1.2.2.3 ‘sich stützen’ er lainte sich auf den stabe gut HvNstAp 4183; über sîne crucken leinder sich Tr 15349; NibB 2009,3; Wernh D 1903. – bildl.: an gedingen, des mir nie zeran, / ze trôste ich mich noch leine HartmKlage (G) 1756; besich min herze, wiͤ ’t dich meine, / sich, wiͤ ser ’t sich up dich leine! MarlbRh 2,28    1.2.2.4 ‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’ dô si sich uber die burgmûre leinten Gen 2932; daz si da selbes bi im stunt / uber ein venster geleinet Pass III 425,29; sie hatt sich geleynet / v̀ber jne, da er lag. / mit kùszen sie des recken pflag Krone 26399; Will 135,2    2 ‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’ si [die Winde] taten die galinen [Schiffe] / sich lainen uf und dann nider, / hin und her, fúr und wider SHort 10341; der kunic wirt sich leynen / heimwert kein [gegen] sime lande Daniel 7038; – übertr.: vleischlicher liebe akust / trugen sie kein [gegen] der reinen. / ir sinne wart sich leinen / niderwert Daniel 7456;    3 ‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’ er [Luzifer] leinete sich îsa / an sinen scephâre / er hazzete in ze ware VMos 4,21; ein greve [...] wolde ein striten angan / mit den, die viende waren, / und sich in den iaren / wider daz riche leinten Pass III 308,7

MWB 3,3 1021,63; Bearbeiterin: Baumgarte

leip stM. ‘Brot, Brotlaib’ ein brot ist ein leip / vnde ein leip dast ein brot NeunMänner (G) 315 (= Kettenreime 1148,22 ); heiz mir brengen einen leib, / ein girstin brot, des ich bedarf Pass I/II (HSW) 20656; Helbl 1,1029; Rennew 11001

MWB 3,3 1023,40; Bearbeiterin: Baumgarte

leis, leise stF. ‘Spur’ vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 133ab; oft mit niuwe: als ich die spur erkenne, / sîn fliehen mangen guoten meister toeret, / [...] / ez hilt sich in den leisen, / daz man ez für ein kelbel mac an sprechen Hadam 188,6. 535,1; alsam ein tier verhowen uf einer niwen leise, / noch baz dem von Anschowen spuͦrt man durch gedrenge sine reise, / swelches ends er sich mit nide cherte, / uz helme fiur, uz wunden bluͦt, sus zweier hande regen er da rerte JTit 930,1. – in Bildern mit snîwen eigentl. und übertr.: von snêwe was ein niwe leis / des nahtes vast ûf in gesnît Parz 281,12; der unpris ie verworhte, so daz von im da snite ein niwe leise, / dar uf man spurnde ritter mohte vinden JTit 4338,2; RvEWh 6646 (La., → niuleis ); von Speersplittern: der minnen gernde Rîwalîn, / von des sper snîte ein niwe leis Parz 73,15; Morholt von Irlande, der ie in starker vreise / so vil der sper verswande, daz von siner hende niwe leise / sniten von drunzunen [Speersplitter] und von sprizen JTit 1402,2. 2012,2

MWB 3,3 1023,45; Bearbeiterin: Baumgarte

leis stM. , leise swM. ‘(wohl i.d.R. einstrophiger) volkssprachlicher geistlicher Gesang’ im Rahmen von Gottesdienst, Wall- und Pilgerfahrten; aus kirie eléison, das als Refrain erscheint (vgl. V. Mertens, Leisen und Rufe, in: 2MGG 25,1075-1078; vgl. kirjelêîson ): nu heuet iwer hende unde iwer herze ûf ze dem almahtigen gote mit dem leisse: ‘helfen uns alle heiligen.’ Spec 115,26; [bei Marias Himmelfahrt] nuͤ wandirt hin und wesit vroͤ / und singet uwir leyse also: nuͤ ist dyͤ werlt alle zcuͤ gote vil vro MarSp 766; [bei der Rückkehr der Prozession] dî pfaffin sûze sungin, / dî glockin lûte clungin, / dî leigin ire leise / sungin dî wegereise NvJer 6591; der leien leisen durch tiutschiu lant / sint einveltic und doch baz bekant / denne manic kunst, ûf die geleit / ist grôziu kost und arbeit. / unserm herren ist wâriu einveltikeit / lieber denne valsch driveltikeit Renner 11121. – zum Beginn und Ende einer gefährlichen Unternehmung (z.B. einer Schifffahrt, eines Kampfes): [als das Ziel der Seereise in Sicht ist] Ernst begunde loben got; / mit den sînen was er frô, / sînen leisen huop er dô: / ‘Crist, hêrre, du bist guot, / nu hilf uns durch dîn reinez bluot, / durch dîne hêren wunden / daz wir frœlîch werden funden, / dâ süeze ist der engel dôn, / in dînem rîche: kyrieleison!’ ErnstD 4538. 3581. 1924; den leysen man zuͦ velde sanc: / ‘in godis namen varen wir’ Böhmenschl 48; dô si uf die heiden drungen, / irn leisen sie sungen: / ‘helf uns daz heilige grap!’ Kreuzf 3100. 1896 u.ö.; dô sie in die burc drungen, / iren leisen sie sungen ErnstD 2158. 4759. 3070; Hirzelin 93

MWB 3,3 1024,1; Bearbeiterin: Baumgarte

leisieren swV. auch leischieren ( Parz ; PleierTand 13795 ) und losieren ( Krone 29163; MinneR 418 48 ). ‘mit verhängten, d.h. lockeren Zügeln reiten; schnell reiten, galopppieren’ (zu afrz. ‘(es)lais(s)ier’), vgl. Suolahti 1,146, Rosenqvist 1,149; Segelcke, Rîten, S. 161); oft im → 1kreiʒ 8, dem Kampfplatz: Reinfrit und der Persân, / daz ors ze beiden sîten nan, / sî beide dô ersprancten. / ûf halbem kreize sancten / sî diu banier und diu sper / und kâmen geleisieret her, / niht als sî rîten, als sî flugen Reinfr 17306. 855; mit in leisierte der rîche heiden. / daz ros gie ze sîten beiden / als ez vor fröuden fliegen wolde Heidin II 335. 2281; UvZLanz 2369; leischiernde si die zoume / kurzten, unde tâten goume [und richteten ihre Aufmerksamkeit darauf] , / swenne si punierten, / daz si niht failierten [dass sie beim Lanzenstechen nicht daneben trafen] Parz 738,25 u.ö.; Tr 2109; Herb 1445; TürlArabel *R 71,17 u.ö.; Ottok 8135; UvLFrd 181,17

MWB 3,3 1024,34; Bearbeiterin: Baumgarte

leissup Subst. eine Pflanzenart, eine Art von Distel (?): eupopectina: leissup Gl 3:480,1 (vgl. lupopectina AWB 2,558 s.v. thistil und Marzell 2,147 s.v. Dipsacus silvester )

MWB 3,3 1024,54; Bearbeiterin: Baumgarte