lëbezuht
stF.
‘Lebensunterhalt’ (vgl. DRW 8,828):
mit ir selbes handen / di frouwe ir lebezuht gewan, / dar umme si mit flize
span / alse ein armes uzer diet Elis
6975.
5893
MWB 3,3 956,19; Bearbeiter: Hansen
lëbic
Adj.
hier md. levic.
‘lebendig’
daz testament blîbt êwic / ein vestenunge lewic, / daz
himelrîches erbe [vgl. eterni testamenti i. e. firmitatis eterne
hereditatis (Ferber 38,12)]
JvFrst
2146.
– von Wasser (vgl.
lëbendic
1.4; hier bildl.):
suze Jhesus, geruche uns hie bewaren, / dat wir zuͦ dir dare muͦzen varen, /
da wir dich den levigen burnen / sin [sehen] bit
[mit] deme ewige lihte burnen Lilie
45,23
MWB 3,3 956,23; Bearbeiter: Hansen
lëbs, lëbse
stswMF.
→
lëfs
MWB 3,3 956,32;
Lech
stM.
der Fluss Lech bzw. (auch im Pl.) die verschiedenen Kanäle, die aus dem Fluss
durch Augsburg geleitet werden:
wie weyt die Lech sein
süllen [Registereintrag]
StRAugsb
3,8;
swer ein gantzetz holtz her in die stat bringet ouf den
Lechen, der sol daz niht langer in den lechen lazzen wan untz an den dritten tak nah
mittemtage ebd.
47,33;
daz man diu laeubline [Fäkalien]
niwer an zwaien steten in den Lech tragen sol ebd.
71,24;
am Leche ebd.
292,13
u.ö.
MWB 3,3 956,33; Bearbeiter: Hansen
lëch
Adj.
‘faul, morsch’
der boum vellet und wert so lech / daz is vervulet als eyn
mist Hiob
5434.
– unklar:
sine knorpelbeyne lech / sint als yserine
blech [
cartilago illius quasi lamminae ferreae Iob
40,13]
Hiob
14803
MWB 3,3 956,43; Bearbeiter: Hansen
lëch (?)
Subst.
unklar, vgl.
lëch
Adj. (oder Verschreibung aus →
bëch
stN. ‘Pech’?):
ahzic ritter, [...], / junc unde starc, des lîbes
frech. / und grôziu ros swarz als ein bech [Hs.
lech
]
Reinfr
414
MWB 3,3 956,48; Bearbeiter: Hansen
lechære
stM.
→
lechelære
MWB 3,3 956,52;
lechelære
stM.
auch lechere.
jmd., der lächelt; bes. von verstelltem Lächeln i.S.v. ‘Schmeichler,
Speichellecker’
mich griulet, sô mich lachent an die lechelære [La.
lechere
] , / den diu zunge honeget und daz herze
gallen hât Walth
30,12;
lecheler mit valschem munde / hânt lützel triuwe in herzen grunde
Renner
3587;
valsche lecheler ebd.
1137.
– als Bestandteil von Personennamen (vgl. WMU 2,1102 und
lechelærinne
):
Walther der Lecheler UrkCorp (WMU)
438,14.
N549,40
MWB 3,3 956,53; Bearbeiter: Hansen
lechelærinne
stF.
‘Ehefrau des
lechelære
’ (als Bestandteil von Personennamen;
vgl. WMU 2,1102):
vron Lv̓ggart der Lechelerin UrkCorp (WMU)
N549,2
MWB 3,3 956,63; Bearbeiter: Hansen
lechelen, lecheln
swV.
‘(falsch, verstellt) lächeln’
der dâ kan lecheln und liegen / und mit valscher süeze triegen
Renner
3591;
swer friuntlich lechelt / gein uns und uns den rücke hechelt / mit maniger
untriuwe hagedorn ebd.
15089;
das scorpio, das lechelet vornan und smeichelet mit dem
munde und hinden stichet es Tauler
282,29
MWB 3,3 957,3; Bearbeiter: Hansen
lechelich
Adj. , lechelîche
Adv.
→
lachelich
MWB 3,3 957,10;
lëchen
swV.
vgl.
lëchezen
.
1
‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’
2
‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (bildl. und im Vergleich)
1
‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’
doch muoz min herze lechin / nach ir ere die wil ich lebe
Martina
53,88.
– von Fischen an Land (in Vergleichen; offen zu 2):
im begonde sêre erlangen [er war voller
Verlangen] , / als einem vische, dem dâ ist engangen / daz
wazzer und lechet ûf dem lande Rädlein
175;
sie sint also durstic / als ein gevangen hecht, / der an
der sunnen lecht HeslApk
14400
2
‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (bildl. und im Vergleich):
dy sunder hi muzen lechen / und vergen gar lesterlich
Hiob
1628;
sin herze wart so swere / in der unmacht im lechen, / daz er
nicht mochte sprechen Pass I/II (HSW)
19909.
–
her Platô [...] wart eins mâls ûf einen kneht /
erzürnet, dâ er vor zorne lecht [
‘vor Zorn fast verging’ (?)]
HvBer
3611
MWB 3,3 957,11; Bearbeiter: Hansen
lêchentuom
stN.
→
lâchentuom
MWB 3,3 957,28;
lecherheit
stF.
→
lëckerheit
MWB 3,3 957,29;
lecherlich
Adj. , lecherlîche
Adv.
s.a.
lachelich
.
1
‘ein Lächeln zeigend, lächelnd’
2
‘lächerlich, lachhaft’
1
‘ein Lächeln zeigend, lächelnd’
ist allez sein antlütz und seineu augen sam si lachen oder
lächerleich gestalt, sô ist der mensch frœleich BdN
43,32
2
‘lächerlich, lachhaft’
nû wart dâ ein gevlittir [Gekicher]
/ von den herrin und ein pfnust [unterdrücktes Lachen,
Prusten] . / si sprâchin algemeine sust, / iz wêr ein lechirlîchir
sin NvJer
7887
MWB 3,3 957,30; Bearbeiter: Hansen
lëchezen, lëchzen
swV.
Intensivbildung zu
lëchen
swV.
1
‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’
2
‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (hier bildl., vgl.
lëchen
2 ; vgl. dagegen FWB 9,555f. ‘nach Luft japsen, schwer
atmen; hecheln’ )
1
‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’
als der hirs den sêr durstet lehaczte [La.
leket
] nach dem wazzer, alsô durstet mein sêl nach got
dem lebentigen prunne MvHeilFr
16
2
‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (hier bildl., vgl.
lëchen
2; vgl. dagegen FWB 9,555f. ‘nach Luft japsen, schwer
atmen; hecheln’):
doch wen ich daz du [Herz] ringest
/ mit tode, so tustu ehtzen; / du verst mir in der bruste lehtzen, / sam ein meßer
in dir stecke Minneb
5028
MWB 3,3 957,39; Bearbeiter: Hansen
lëckære
stM.
auch leker, lecker, lecher(e).
1
‘Possenreißer, Gaukler, Spaßvogel’
2
‘Kriecher, Speichellecker’ (vgl.
hovelëckære
) 3
‘Schurke, Lügner, Betrüger, Verräter’ (bes. als grobes Schimpfwort)
1
‘Possenreißer, Gaukler, Spaßvogel’
heißent mir alle die lecker gewinnen, die man mag gewinnen
in dem here, und alle die freud machen die ymand gemachen kan Lanc
276,24
u.ö.;
welch edel knecht hat leckers ampt / und sich der unzuht niht enschampt, /
zwar, der selbe jungelinc / geb uns einen pfenninch Jüngl
149
2
‘Kriecher, Speichellecker’ (vgl.
hovelëckære
):
ich enweiz, wem ich gelîchen muoz die hovebellen, / wan den miusen, die sich
selbe meldent, tragent si schellen. / des lekers ‘hêr’: miuse klanc! kumet si ûz ir
klûs, / sô schrîen wir vil lîht: ‘ein schalc, ein schalc! ein mûs, ein mûs!’
Walth (B)
12:6,3;
verhofter leckere ebd.
10:5*,10(Anh.);
dir ist ein leker lieb, / der den herren vil gelúget Marner
(W)
3:3,18.
– wohl i.S.v. ‘Günstling’
swa der juncherre oder der lecker den herren min verstat
[vertritt] / und git mir sinen boesen win, die
boesten spise die er hat, / dar zuo diu ros ungezzen lat - / da muoz ich adel
spehen! FvSonnenburg
25,5
3
‘Schurke, Lügner, Betrüger, Verräter’ (bes. als grobes Schimpfwort):
der lecker uns gelogen hât, / der uns dâ seite mære KvWPart
4454;
du lecker, loter, boesewiht, / du schalc FvSonnenburg
70,15;
dû wirdest drumbe erhangen / als ein trügnær [La.
lecher
] unde ein diep Eracl
1051;
lecator: lechere Gl
3:428,55;
JTit
263,1;
PrBerth
1:34,31.
1:321,16;
im Bild:
der hunt [
bezeichent uns
] des leckers
munt Meissner
6:5,6.
– im Sprichw. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 265):
nu han ich dick horn sagen das man den lecker schmiczen
[übertrumpfen, schlagen] sol mit sinselbs leckery,
so ist es gemellich [lustig, spaßig]
Lanc
521,6
MWB 3,3 957,50; Bearbeiter: Hansen
lëckærinne
stF.
‘Betrügerin, Verräterin’ (vgl.
lëckære
3; vgl. auch
lacherin
):
er gap dem slangen vil grœzer buoze der Êven verriet, dan Êven diu die sünde
tet. pfî trüllerin, leckerin, verræterin! PrBerth
2:189,12
MWB 3,3 958,20; Bearbeiter: Hansen
1lecke, legge
stF.
vgl. auch
lëge
stF.
1
‘Leiste, Saum’ (auf einem Kleidungsstück) 2 das Gelegte, ‘Schicht, Lage, Reihe’
1
‘Leiste, Saum’ (auf einem Kleidungsstück):
in dem selben goltphedele / ein Jaspis schone lachete, /
[...]. / daz was an æinem ekke. / anderthalp louhte ein
lekke, / sam si wære gestirnet Serv
554
2
das Gelegte, ‘Schicht, Lage, Reihe’
diu burch ist gewerchet / ze unteriste xii legge, / an der
gruntveste / aller steine beste [vgl. et murus civitatis habens
fundamenta duodecim Apc 21,14]
HimmlJer
54;
dar nach mit pillen / was geleit ein riche lege; / es waren die vier egke /
von wol edelen smaraisen Krone
15675
MWB 3,3 958,25; Bearbeiter: Hansen
2lecke
stF.
‘Streichen, Schlagen mit dem Badewedel’ (vgl. wadel):
rîben und begiezen / füeget [beim Bad] nâch der
lecke [Hs. leche
] wol. / guot louge man
gewinnen sol / lûter und lieht gevar Helbl
3,63
MWB 3,3 958,37; Bearbeiter: Hansen
lecke (?)
Adj.
Bed. unklar:
des rates was er lecke wol zu beiden siten. / fur jamer starke hecke sluͦg er
in mit triwen an den ziten JTit
279,1
MWB 3,3 958,42; Bearbeiter: Hansen
lëckemunden
swV.
wohl ‘naschen’ (hier subst.; vgl. PrHess Bd. 1, S.
118):
wer die werg wil lan, / der sal auch svnder allen wan / daz leckemvnden miden
/ vil gar zvͦ allen ziden PrHess
59,89
MWB 3,3 958,45; Bearbeiter: Hansen
1lecken
swV.
1 intr. wohl ‘(im Schwitzbad) schwitzen’ (vgl. frnhd. ‘(den Schweiß)
hervortreiben’ FWB 9,559f.; dagegen Lexer 1,1850 zu Martina
46,82 ‘benetzen’ und Anm.z.St. in SM:St 1:4,7 ‘sich im
Schwitzbad mit dem Badewedel streichen’ ) 2 tr. ‘jmdn. (mit dem Badewedel) streichen, peitschen, schlagen’ (hier bildl.)
1
intr. wohl ‘(im Schwitzbad) schwitzen’ (vgl. frnhd. ‘(den Schweiß)
hervortreiben’ FWB 9,559f.; dagegen Lexer 1,1850 zu Martina
46,82 ‘benetzen’ und Anm.z.St. in SM:St 1:4,7 ‘sich im
Schwitzbad mit dem Badewedel streichen’):
swaz dû uns gîst, daz wurze uns wol, /
[...] / daz in uns werde ein hitze, /
[...] daz der man erswitze, / daz er wæne, daz er vaste
leke SM:St
1: 4,7;
sô die lîbe in werdent sat, / sô gênt si lecken in ein bat
Renner
9692.
– bildl.:
leckin in der schanden beder [in der Hölle]
Martina
46,82
2
tr. ‘jmdn. (mit dem Badewedel) streichen, peitschen, schlagen’ (hier
bildl.):
zehant wart ich âne wadel [ohne Badewedel] / die
widervart gelecket [zurückgepeitscht] . / ir slac unsanfte
smecket BFrau
565
MWB 3,3 958,49; Bearbeiter: Hansen
2lecken
swV.
‘von etw. ausgehen, ausfließen’ (mit Präp. von, ûʒ):
von diseme grabe leckete / ein ruch, der suze ersmeckete Elis
10015;
ein ruͦch gar edel unde her / von deme uzfluzze leckete ebd.
10357;
zu des geruͦches wirde, / der uz ir grabe lecket / unde also suze ersmecket?
ebd.
10151
MWB 3,3 959,1; Bearbeiter: Hansen
3lecken
swV.
wohl ‘ausschlagen, aufbäumen’ (vgl.
ûf lecken
und frnhd.
2lecken FWB
9,558; oder zu
lëcken
?):
swelch pfert die lenge müezic gêt / und bî vollem fuoter stêt, / daz lecket,
scherzet und bîzet Renner
4205
MWB 3,3 959,7; Bearbeiter: Hansen |