lëbendigen
swV.
‘jmdn. lebendig machen, beleben’
lebindege mich [interl. zu vivifica me
]
PsTr
118,149;
got du becheret solt gelebindigen uns [interl. zu deus tu
conversus vivificabis nos
]
ebd.
84,6.
118,154
u.ö.
MWB 3,3 953,10; Bearbeiter: Hansen
lëbenkreiʒ
stM.
Bez. für den Tierkreis, Zodiakus:
ain ander kraiz ist an dem himel,
[...] der haizzet der lebenkraiz, daruͤmb, daz die
siben planeten under dem kraizze lauffent und geben kraft und leben allen dingen
KvMSph
22,18
MWB 3,3 953,15; Bearbeiter: Hansen
lëbenlich
Adj.
→
lëbelich
MWB 3,3 953,20;
lëbenthaft
Adj.
→
lëbehaft
MWB 3,3 953,21;
lëbenthaftic
Adj.
→
lëbehaftic
MWB 3,3 953,22;
lëbentlich
Adj.
→
lëbelich
MWB 3,3 953,23;
lëbenzeichen
stN.
‘Lebenszeichen’
kain leben zaichen man an ir sach WernhMl
10118
MWB 3,3 953,24; Bearbeiter: Hansen
lëberâder
F.
‘Leberader’ (hier wohl zur Bez. der Vena basilica im rechten Arm):
dar na [...] laz er czu der leuer
aderen vf deme rechten arme OvBaierl
130,18
MWB 3,3 953,26; Bearbeiter: Hansen
lëbere
stswF.
md. lëvere.
‘Leber’ (vgl. LexMA 5,1782)
1 allg., als Organ von Mensch und Tier 2 als Nahrungsmittel 3 als Heilmittel 4 im Vergleich (bezogen auf die tiefrote Farbe)
1
allg., als Organ von Mensch und Tier:
diu ander [Hauptader geht] von der
leber, deu haizt ze latein epatica. aber als daz puoch spricht haizet si basilica,
daz ist gesprochen diu gruntâder, dar umb, daz diu leber ain grunt ist und ain
ursprinch des pluotes BdN
37,5;
des menschen leber ist sinbel reht als ains ochsen leber ist
ebd.
28,4
u.ö.;
in der lebere hanget ein galle chlebere [klebrige
Galle]
Gen
156;
de leuere gybbet allen leden de fuchtenekeyt to drynkene
OvBaierl
7,6;
also geschit in der leberen von der deuwe. da scheidet sich
eniz von dem andirn SalArz
2,2.
11,44
u.ö.;
die lebere sneit er [beim Zerlegen des
Hirsches] sunder abe Tr
2942;
die grôzen slangen habent ir vergift an der lebern
BdN
260,4;
Eilh (L)
2885;
WhvÖst
8188;
Tauler
121,18.
294,6
2
als Nahrungsmittel:
[der Stör] hât ain grôz lebern, und diu ist alsô süez, daz
man si kaum izt ân des magen wüllen, und dar umb reibent die köch die lebern mit des
stürn gallen BdN
257,6;
nim ein rindes lebern, die niht steineht si, vnd snit sie an
fünf stuͤcke vnd lege sie vf einen rost vnd brat sie BvgSp
29;
zvͦ der hochzit gibz vuͤr hirz lebern. vnd des wilden swines
lebern mache auch also ebd.
29;
huͦnes lebern ebd.
26
u.ö.;
SalArz
17,30
3
als Heilmittel:
beginnent diu ôren gellen, [...] sô
sol er daz houbet bæen mit geizîner milch oder er neme eines widers leber alsô warme
unde bint die umbe daz houbet Barth
146,32;
der slangen lebern behelt man zuo ainer erznei den, die
geslagen werdent oder gehekt von den slangen BdN
273,10;
SalArz
39,6
u.ö.;
Ipocr
174
4
im Vergleich (bezogen auf die tiefrote Farbe):
aloe ist zweirhande. daz eine, daz ist rotelech, alz manz
brichet, alz ein lebere Macer
88,2;
alene ist eines krutes sot. [...]
vnde ist drierslachte. einez heizet epaticum. daz ist daz beste. vnde ist geuar als
di leber SalArz
88,41.
111,14
MWB 3,3 953,30; Bearbeiter: Hansen
leberen
swV.
→
2liberen
MWB 3,3 954,5;
lëberensiuche
stF.
‘Leberkrankheit’
di alrune gestossen unde genutzet ist gut vor di vergift. si
ist ouch guͦt genutzet wider di lebernsuche Macer
62,4.
13,9.
12,20
MWB 3,3 954,6; Bearbeiter: Hansen
lëberhüle
stF.
‘Leberhöhlung’, ein Teil der Leber:
sima: leberhuͤli, leberhúli [vgl. lat. Erl. (Hs. 15. Jh.):
est interior et concaua pars epatis
]
VocOpt
1.101
MWB 3,3 954,10; Bearbeiter: Hansen
lëberkrût
stN.
eine Pflanze, gemeint wohl ‘Leberblümchen’ (vgl. Marzell 1,271f. und Hwb.
dt. Abergl. 5,985; vgl. auch AWB 5,710):
epatica: laͤberkrut, leberkrut VocOpt
50.121;
epatica: lebercrut Gl
3:555,43
MWB 3,3 954,14; Bearbeiter: Hansen
lëbermer
stN.
auch laber-, lawer-.
‘Lebermeer’, legendäres Meer, in dessen geronnenem Wasser Schiffe
steckenbleiben (zu
1liberen
‘gerinnen’, vgl. DWB 6,463 mit Lit.; s.a.
klëbermer
):
diu richeit gen dem leber mer si wanden, / dar inne was alsam ein walt von
kielen gar gestecket und gestanden JTit
6107,3;
de lebirmere [Überschrift] . ein mere ist giliberot
[geronnen] , / daz ist in demo wentilmere westerot
Merig
10(Überschr.);
ein sturm groz sich gegen in truc, / dannen er den kiel sluc / rechte gegen
dem lebermer Brandan
293;
in daz wilde leber mer / wil ich vil balde senken mich
GTroj
13214;
Lucid
38,8;
Wig
8595;
Wh
141,20;
Wartb (H)
571:18,2;
ErnstD
3210;
ErnstB (W)
3935.
– bezogen auf das Rote Meer (wohl unter pseudoetymol. Anlehnung an
lëbere
stswF.):
Israhelites liute / die wâren in vil triute / [...];
/ der fuorten sie ein michel her / rehte durch daz lebermer, / als ez wære trucken
lant LBarl
2523;
die alle sturben âne wer / in dem rôten lebermer
RvEBarl
10436.
– bildl. und im Vergleich:
Maria, muoter unde maget, / diu sam der morgensterne taget /
dem wiselosen armen her, / daz uf dem wilden lebermer / der grundelosen werlde
swebet KvWGS
142;
du vil lihter merestern, / lait zuͤ land dein armez her / daz swebt uf dem
lawer mer Blümel
208;
dô wir armen weisen / in des tôdes vreisen / wâren versigelt mit her / ûffe
der sunden lebermer Kröllwitz
1343;
JvKonstanz
1738;
RvZw
233,6.
– als ferner Ort:
wer der ungetöften unz an daz lebermer, / mit vierzig brüdern küne bin ich in
ein her WolfdD (H)
950,1;
waz über alles leber mer / der besten ist, on alle wer / tünd
sy dir ir helff erkantt GTroj
13907.
– Lit.: M. Przybilski, Kulturtransfer zwischen Juden und Christen,
Berlin/ New York 2010, S. 191–206
MWB 3,3 954,19; Bearbeiter: Hansen
lëbersiech
Adj.
‘an einer Leberkrankheit leidend’
swer swere edemt oder kichet, der nutze nepitam mit wine: is
hilfet. si hilfet mit wine, swer lebersich ist Macer
11,14.
– subst. ‘Leberkranker’
di wurzel gesoten mit mulsa hilfet getrunken den milzensichen.
das selbe ist gut dem lebernsichen Macer
27,4.
49,5
MWB 3,3 954,55; Bearbeiter: Hansen
lëbersiechtuom
stM.
‘Leberkrankheit’
ez ist gut [...] fur di wazzer
sucht. vnde fur den leber sichtum SalArz
97,28
MWB 3,3 954,62; Bearbeiter: Hansen
lëbersol
stF. , lëbersole
swF.
eine Speise, genauere Bed. und Etymologie des Grundwortes unklar,
viell. ‘sauer eingelegte Leber’ (vgl. Übers.z.St. in KgvOdenw )
oder ‘Leberkloß’ (vgl. Anm. z.St. in KgvOdenw (B) , S.
313):
von in [den Schweinen] kuͤment lebersoln, /
gefuͤllet und gebroten KgvOdenw
9,8;
do man ezzens gedahte [in dem hölzernen Land] , /
schire man dar brahte / benke vnde sidelen, / rotten vnde videlen / in einer gvten
lebersol Wachtelm
102
MWB 3,3 955,1; Bearbeiter: Hansen
lëberstein
stM.
ein Mineral, wohl ‘Leberkies, Markasit’ (vgl. AWB 5,698 mit Lit. und
weiteren Glossenbelegen):
iz brocht her kiez und spat, /
[...], / dar nach bracht er leber steine Erz
III
56,316;
leberstein Gl
3:489,25
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 3,3 955,11; Bearbeiter: Hansen
lëbersühtic
Adj.
‘leberkrank’ (hier nur subst.):
salvia heiset in chriesch lelysfagus. di ist gut getrunken den
lebersuchtigen mit mulsa Macer
19,2;
daz selbe hilfet den lebersuchtigen ebd.
38,18.
28,10.
52,8
MWB 3,3 955,16; Bearbeiter: Hansen
lëberwurst
stF.
‘Leberwurst’ (vgl. AWB 5,697 mit weiteren Glossenbelegen):
leberwuͤrste heiz, / und wurste vom brot KgvOdenw
9,16;
lucania: leberuvrst Gl
4:216,10
MWB 3,3 955,21; Bearbeiter: Hansen
lëbesite
stM.
‘Lebensweise’
ich treib ouch eteswenne / alsus getâne lebesite
Tr
16921
MWB 3,3 955,25; Bearbeiter: Hansen
lëbetac
stM.
→
lëbetage
MWB 3,3 955,27;
lëbetage
swM. , lëbetac
stM.
st. Pl. -tage.
1
‘Lebenszeit, Lebtag, Leben’
2
‘Lebenstag’ , nur im Pl. i.S.v. ‘Lebenszeit, Lebtag,
Leben’
3
‘Lebensunterhalt’
1
‘Lebenszeit, Lebtag, Leben’
leider nu vindet man vil lúte in geistlichem schine, das sú
allen iren lebetagen von irre kintheit untz uf ir alter alles uf in selber stont in
sinnelicher wisen Tauler
119,29;
herre got, nû verende / zehant mînen lebetagen, / wan ich mac lenger niht
vertragen / des sêres des ich bin überladen Flore (P)
1219;
der tot vnde der lebitach PrGeorg (Sch)
2,189;
ist er worden frî / des lîbes und des lebetagen KvWPart
6399.
9793;
sol niht mîn sender lebetage / mit freuden sich verenden, / wie muoz ich
tougen swenden / sô jæmerlichen mîniu jâr! KvWEngelh
2192;
KvWTroj
4597.
14443
u.ö.;
KvWPant
1885.
1637;
KvWAlex
54;
KvWSchwanr
1203;
Seuse
210,9.
– bildl.:
wan ez im an den abent gie / des lebtagen
SHort
1916.
3527;
du [Maria] bist ein fiur des
lebetagen, / da sich der fenix inne / von altem ungewinne / ze fröuden wider
muzete KvWGS
364;
KvWTroj
19321;
KvWLd
32,278
2
‘Lebenstag’, nur im Pl. i.S.v. ‘Lebenszeit, Lebtag,
Leben’
so verzúhet doch got die smeklichen bevintlicheit des
grundes manigen guͦten luteren menschen vor alle sine lebtage Tauler
318,1.
268,25;
also teilit man dez menschen lebtage in vier. daz erste ist
die kintheit, iugent, manheit unde daz alter MNat
9,23;
si wurden ot nie holt / bî allen ir lebtagen
[zu ihren Lebzeiten]
Ottok
36598
u.ö.
3
‘Lebensunterhalt’
vnde da von wirt von vns gesezzit dir andir leptag mit grozen
vorchton [
et ideo cum aliqua scrupulositate a nobis mensura
victus aliorum constituitur
]
BrEng
40;
die [
brust
] souc der
junge süeze knabe / und hete sîne genist dar abe / und den lebetagen sîn
KvWTroj
541.
– übertr.:
si kerte sich zu der linken siten und kuste ouch den munich und gap ime
Jesum Cristum, ir vrowede und ir lebetage HlReg
80,33;
miner selen lebetage ebd.
78,22
MWB 3,3 955,28; Bearbeiter: Hansen
lebezeltære
stM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565 s.v. Lebkuchen);
auch letzelter, lebzeltar.
‘Bäcker von Honigkuchen, Lebkuchenbäcker’ (als Bestandteil von
Personennamen; vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 104 und Matzel, Wortschatz,
S. 188 mit Lit.):
Oͤttel der lebzelter UrkRegensb
745
(ca. 1325-1350);
Oͤttel letzelter ebd.
756;
Cvͦnrat der lebzelter UrkCorp
1708,26;
Cvͦnrad der junge lebzeltar von Vlme ebd.
3265,9
MWB 3,3 956,1; Bearbeiter: Hansen
lebezelte
swM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565 s.v. Lebkuchen);
auch libenzelt.
‘Honigkuchen, Lebkuchen’ (vgl.
lëbekuoche
):
libum: libenzelt, lepkuͦch VocOpt
13.209;
eines lebcelten si im truͦc / und guter wrcen genuͦc
StrKD
136,45;
lebzelten, [...] wildes gewuͤrtz
und ander dinch, daz uͤnser chramer nicht vail habent StRMünch
457,14.
222,20
MWB 3,3 956,11; Bearbeiter: Hansen |