jâ – jagesite jagespieʒ – jâmerbrôt jâmerbürde – jâmerrede jâmerrëgen – jâmersuht jâmertac – jardîn jârdinc – jârmarket jærmerlich – jegede jegelich – jëner, -iu, -eʒ jënerhalp, ënerhalp – jiuch jiuchære – ju jû – judenbrâtære judenbrücke – judenrâtman judenrëht – jugentheit jugentlich – jungede jungelinc – jungen jungent
|
juch-
→
jiuch
-
MWB 3,1 80,60;
jûchart
stswSubst.
→
jiuchart
MWB 3,1 80,61;
juche
stswF.
auch jeuche; aus altslaw. (über altsorb.?) jucha (vgl.
Kluge, S. 451 und Pfeifer, EtymWB, S. 596); unklar, ob Stammvokal in den früheren
Belegen bereits gedehnt oder ob Sekundärdehnung erst später eintritt (vgl. aber Belege
mit -eu-).
1
‘Suppe’
2
‘Jauche, Abwasser’
1
‘Suppe’
gip im ein iuch uon hirsegrouzen. oder uon gerste grouzen
gesotin mit mandelkernin SalArz
49,13;
in den erzenien di man sudet als ein ieuche ebd.
86,1
u. ö.;
in iuchin, da wiz brot inne gesoten ist, oder in ptysanem
iuchen [eine Suppe aus dem Absud von Gerste und weiteren
Zutaten]
Macer
54,17
2
‘Jauche, Abwasser’
iz vugite sich in eime zcil / daz si hattin juchin vil / gesamnet zcit etwaz
lanc, / di was unrein unde stanc. / von eime sulre
[Erker] si guzzin daz / uf den meistir als he las
PfzdHech
181,16
MWB 3,1 80,62; Bearbeiter: Luxner
juchtlant (?)
stN.
Ansatz und Bed. unsicher; lt. DRW Erstglied zu einem sonst nicht belegten
juchen i. S. v. ‘zusammenfügen’ (nach lat. iugare
‘verknüpfen, verbinden’?) und somit wohl Bez. für einen zusammengefügten
Acker (s. auch WallrafWB, S. 44); möglich aber auch, dass Erstglied zu →
jiuch
bzw. →
jiuchart
, dann als ‘Ackerland’(?):
agri qui vulgo juchtland appellantur DRW
6,516
(Wallraf; a. 1183)
MWB 3,1 81,15; Bearbeiter: Luxner
jucke
swM.
‘Juckreiz’
mit dem saf vertribet man den iucken, ob man sich mit
bestrichet Macer
56,6.
86,8
MWB 3,1 81,24; Bearbeiter: Luxner
juckede
swM.
‘juckender Ausschlag, Räude’
petigo, prurigo: iukedo, iuchido SummHeinr
2:411,276;
scabies: iuchido vel ruda ebd.
2:480,367
u. ö.
MWB 3,1 81,27; Bearbeiter: Luxner
jucken
swV.
auch iuͦcken, joggen.
1
‘jucken’ bei Ausschlag, Räude u. ä. 2
‘(etw.) kratzen, reiben’
1
‘jucken’ bei Ausschlag, Räude u. ä.:
swenne di hoden iucken uon der roten colera
SalArz
63,9;
jst he [Harnstein] in der blase. so
ist im we ober halp der gemechte. vnde iuckit in di rore uorne vnde recket sich
ebd.
58,52;
mich juckent arm und diu bein Helbl
3,37;
daz selbe vertribet der ougen iucken Macer
88,9.
19,7.
– im Volksglauben in magischem Zusammenhang (vgl. Hwb. dt. Abergl.
4,788ff.):
wan du solt niht geloben an zober [...] noh an
die brawen und die wangen juken PrGeorg
5,1;
wohl hierher (vgl. SchweizId 3,28 und 3,37f.):
ob er sich danne unz in den tôt / zerret, des im gienge nôt, / mit joggen
und mit weinen / [...] / er gêt von iu
[den Ärzten] ân allen rât, / sô er iu niht ze
geben hât BuchdRügen
741.
– subst. Part.Präs. ‘Juckreiz’
di wermat ist gut wider den iuckenden, der von serer hut
kumet Macer
3,21
u. ö.
2
‘(etw.) kratzen, reiben’
ir sült die kel ouch jucken niht, / so ir ezzt, mit blozer
hant; / ob ez aber also geschiht, / so nemet hovelich daz gewant / und jucket da
mit, daz zimt baz TannhHofz
109;
sueder mennische habet den sweren unde die geswst in demo
antlizze [...] unde ob er di nase diche íuchet. so stirbet
er in demo xxiii dage Capsula
13;
do wirt ein peul als ain nuz und ravchet dy haut und iuchet
sich da Albrant
1,24;
Facetus
344;
Jüngl
270.
– hierher (?):
eins mâles do er dem süezen man / sîn hût jucken began
LvRegFr
3451
MWB 3,1 81,30; Bearbeiter: Luxner
jûdasinne
stF.
für eine Verräterin:
owê, dû jûdassinne! / war tæte dû dîne sinne / daz dû mir kint unde wîp /
verrâten hâst und sêle und lîp? Mai
173,25
MWB 3,1 81,60; Bearbeiter: Luxner
jude, jüde
swM.
‘Jude, jüdischer Mann’ als Angehöriger der kulturellen und relig.
Gemeinschaft der Juden; im Pl. meist die ganze jüdische Gemeinschaft bezeichnend
(vgl. allg. LexMA 5,781-787 und bes. zum rechtl. Status der Juden 2HRG
2,1403-1409 und DRW 6,517-530):
du [Christus] gedenche der note, /
daz dich die iuden uiengen / unt die haiden hingen Rol
7551;
dâ aber tœrsche liute ein jüdelîn oder alte liute einen alten jüden in
schimpfe oder in goukel in wazzer stiezen PrBerth
1:298,12;
die ivdin die enworhtin des samiztagis dehein
dielich [einem Knecht angemessenes] werch
Spec
54,19;
túfel, heiden, juden und alle dine viende
Mechth
5: 31,20;
din [Marias] trost
[...] begiuzet / cristen ketzer heiden jüden. / din
tugent bant den hellerüden KvWGS
543;
daz die juden all prunnen heten vergift und wolten die
christenhait tœten BdN
112,16;
die ivden svln hvͤte tragen die spitz sin. da mit sint si vz gezeichent von
den cristenen lvͥten SchwSp
118a;
WüP
59,1;
Tannh
1,41;
TrSilv
636.
– als Namenzusatz:
Ysaach der jud ze Wîenne UrkCorp (WMU)
2892,24
u. ö.
– für den Apostel Judas Thaddäus:
jn sente Symons inde Juden dage der zweiere apostelen UrkCorp
(WMU)
86,9.
– in bzw. als Ortsbez.:
drithalbin vnde zweinzig mut geltis ze Biengen ussir eime guͦt, daz hieze des
juden guͦt UrkCorp (WMU)
916,14;
vmb ainen weingarten, der da leit an dem pvrchstal an dem Chalnperge, der da
haizzet der Jvde ebd.
3508,42
MWB 3,1 81,63; Bearbeiter: Luxner
jüdelîn, jüdel
stN.
Dimin. zu jude.
1
‘jüdisches Kind, junger Jude’
2 abwertend für den jüdischen Zauberer der Theophilus-Legende (vgl. LexMA 8,667-670
und 2 VL 9,775-782)
1
‘jüdisches Kind, junger Jude’
dâ aber tœrsche liute ein jüdelîn oder alte liute einen alten jüden in
schimpfe oder in goukel in wazzer stiezen PrBerth
1:298,12
u. ö.;
daz judelin zu schule gie Pass I/II (HSW)
17406
u. ö.;
dâ von hiez er [Pharao] besunder /
diu jüdlîn elliu tœten / mit vil grôzen nœten EnikWchr
6455
u. ö.;
daz buͦch heizzet daz júdel Jüdel
Überschrift vor 1
2
abwertend für den jüdischen Zauberer der Theophilus-Legende (vgl. LexMA 8,667-670
und 2VL 9,775-782):
dem [Theophilus] hulfen wir wider
ze eren, / des gab er uns ain hantfest; / dasselb auch nyemant west / an Theophil
und ain judlin [vgl. Anm.z.St.]
HvBurg
6197
MWB 3,1 82,29; Bearbeiter: Luxner
juden|âmære
stM.
wohl (nichtjüdischer) Inhaber des Eichamts für Juden:
Ch. Hurnuss der chuͤrsner sol w. [
wunten
] umb Hainr. den chuͤrsner, den juden ammaͤr UrkRegensb
745
(ca. 1325-1350)
MWB 3,1 82,43; Bearbeiter: Luxner
judenbalc
stM.
Parallelbildung zu blâsebalc (Rumelant (R)
1:3,7); die Juden fungieren hier als "Blasebälge", die gotes
barmicheit anfachen:
alsô [wie ein Blasebalg das Feuer anfacht] wart
Gotes barmicheit geblâsen: / vil maniges iudenbalges âdem anspîte / sînen lîb, dô er
entfienc vil marter mâsen, / dâ von sîn lob erklinget alsô wîte Rumelant
(R)
1:3,14
MWB 3,1 82,47; Bearbeiter: Luxner
judenbanc
stFM.
Verkaufsstand eines jüdischen Fleischers:
swen si [die Juden] daz [lebende
Vieh] koufen, so suln si ez hinheym triben und ez daheim oder
unter den judenpenken slahen und auch daheim unter den iren penken verkoufen und
nicht unter den christenpenken NüP
37
MWB 3,1 82,55; Bearbeiter: Luxner
judenbart
stM.
‘Judenbart’ (hier als fiktiver Personenname):
wenne Abelœser und Nemehart, / [...], / Slinthart,
Krazhart, Jüdenbart, / [...] / pflegent des hofes naht und
tac Renner
9074
MWB 3,1 82,61; Bearbeiter: Luxner
judenbat
stN.
‘jüdisches Bad, Mikwe’
dyͤ juͤdenschuͦle, juͤdenbad, all juͤdenhuͤsere und juͤdenhobestede zuͤ
Friͤdeberg, dyͤ uns von unsern juͤden doselbis virfallen sin
UrkFriedb
185
(a. 1350)
MWB 3,1 83,1; Bearbeiter: Luxner
judenbeckære
stM.
christlicher Bäcker, bei dem auch Juden kaufen oder jüdischer Bäcker (der auch für
den Gemeindebackofen zuständig war, hier als Bestandteil eines Personennamens; vgl.
DRW 6,533 s.v. judenbeck):
Fynelin judenbecker BerufeFrankf
64
(a. 1344)
MWB 3,1 83,5; Bearbeiter: Luxner
judenbeʒʒerunge
stF.
von Juden zu entrichtende Strafzahlung (unklar, ob Syntagma):
juden besserunge [Überschrift]
UrkStraßb
4,2:41,15
(a. 1322)
MWB 3,1 83,11; Bearbeiter: Luxner
judenbischof
stM.
Vorsteher einer jüdischen Gemeinde (vgl.
judenmeister
und LexMA 5,787):
daz wir der bischof und unser nachkomen uͦmerme sollen seczen juden bischoͤfe
und ratlude under den juden UrkWorms
2:45,11
(a. 1312 kopial?)
u. ö.;
UrkKöln
4,130
(a. 1328)
MWB 3,1 83,14; Bearbeiter: Luxner
judenbistuom
stN.
‘Amt des →
judenbischofs’
werez daz dehein judenrat ampt oder juden bistom ledig worden in der zyt
UrkWorms
2:46,27
(a. 1312)
MWB 3,1 83,20; Bearbeiter: Luxner
judenbrâtære
stM.
hier -breter.
wohl jmd., der koschere (Fleisch-)Speisen zubereitet (hier als Bestandteil eines
Personennamens):
Abreht der judenbreter UrkCorp
2558,44
MWB 3,1 83,24; Bearbeiter: Luxner
judenbrücke, -brucke
stF.
eine bestimmte Brücke im Bereich des Judenviertels (hier als Bestandteil eines
Personennamens):
herre Friderich an der judenprukke UrkCorp (WMU)
822,12
MWB 3,1 83,28; Bearbeiter: Luxner
judenbuoch
stN.
1
‘Thora’
2 wohl ‘Schuldbuch eines jüdischen Geldverleihers’ (vgl. DRW 6,535); hier im
Hinblick auf den Nutzen (vgl.
gesuoch
1
‘Zinsgewinn’ ) übertr. auf ein lesenswertes Buch mit Marienlegenden
1
‘Thora’
so mus ain jud nach sainer weisung bestaͤtten mit seinem aid in daz juden puch
StRRegensb
41;
do fuͤr sullen wir si lazzen gerichten mit ir selbes eins hant in dem juden
buͦch als reht ist UrkWürzb
41,69
(a. 1344)
2
wohl ‘Schuldbuch eines jüdischen Geldverleihers’ (vgl. DRW 6,535); hier im
Hinblick auf den Nutzen (vgl.
gesuoch
1
‘Zinsgewinn’) übertr. auf ein lesenswertes Buch mit Marienlegenden:
ich wil iu tuon ein mære bekant [d. i. die Marienlegende vom
einfältigen Priester, der nur die Marienmesse Salve Sancta Parens
kennt, vgl. Pass I/II (HSW)
13669-13758
] , / daz ich an einem buoche vant. / daz ist genant durch den gesuoch
/ unser frouwen judenbuoch MarGr 18
526
(vgl. H.-J. Ziegeler: Der literarhist. Ort der Mariendichtungen
[...], in: ders., Orte der Literatur (Hg. von G.
Kapfhammer), Köln 2009, S. 109-132, hier S. 118f.)
MWB 3,1 83,32; Bearbeiter: Luxner
judendiet
stF.
‘jüdisches Volk’
sich daz minnicliche antlitz an / dines schepferes Jhesu
Krist, / daz also jemirlich gehandilt ist / mit maniches slages widerbit, / daz im
gab di valsche judendit Brun
10171;
HeslApk
2977
MWB 3,1 83,51; Bearbeiter: Luxner
judendinc
stN.
Gericht über Juden bzw. Gerichtshoheit über dieselben (vgl.
judengerihte
):
ez geschach eine czweyunge [...] czwischen den
koufluten [...] um di vier benke, do man inne dinget daz
lantdink, statdink unde judendink UrkSchlesSt
540
(a. 1336)
MWB 3,1 83,56; Bearbeiter: Luxner
judeneit
stM.
von Juden abzulegender Eid (bei Rechtsstreitigkeiten mit Nichtjuden; vgl. LexMA
5,789f.):
dizze ist ouch ein judeneit DRW
6,537
(Schwsp.(R.); a. 1275/87).
– hier Syntagma (?):
dit ist der iuden heit den di biscof Cuͦnrat dirre stat gegebin
hat ErfJud
13
MWB 3,1 83,62; Bearbeiter: Luxner |