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ABCDEF s.VGHIJKL
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jâ – jagesite
jagespieʒ – jâmerbrôt
jâmerbürde – jâmerrede
jâmerrëgen – jâmersuht
jâmertac – jardîn
jârdinc – jârmarket
jærmerlich – jegede
jegelich – jëner, -iu, -eʒ
jënerhalp, ënerhalp – jiuch
jiuchære – ju
jû – judenbrâtære
judenbrücke – judenrâtman
judenrëht – jugentheit
jugentlich – jungede
jungelinc – jungen
jungent

   jënsît - jiuchkorn    


jënsît, ënsît Adv., Präp. Kontraktion aus adv. gebrauchtem Akk. jëne sîte (vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 48. Anm. 3); auch gen- und gin-. ‘jenseits’ 1 Adv.
2 Präp.
2.1 mit Gen.
2.2 mit Dat.
2.3 als Bestandteil von Personennamen
   1 Adv.: jensit sazte sich gen in / der wise Wilhelm ze wer / mit sinem gar clainem her RvEWh 9222; I acker gensite an des Sickelins acker UrkCorp (WMU) N90,12; innewendig des kam ein gewapent ritter jensitt off das waßer ryten Lanc 170,28 u. ö.    2 Präp.    2.1 mit Gen.: sît daz mîn bruoder tôt gelegen / nu jensît meres leider ist KvWSchwanr 505; lât sîn, iâ kan sîn diu menige iehen / hie über al und iensît mers die heiden Loheng 6276; jhensitt des fuͦrtes stunt ein großes perfrit Lanc 219,34. 380,31; enseit des gepergs BdN 109,28; NvJer 15714; RvEWchr 1876. – im Kontrast zu disehalp oder dissît: disehalp noch jensît mers / gefuor nie stolzer rîterschaft Parz 342,6; zwen iensit Marktes und zwen dissit WüP 65,6; Tauler 319,10. – mit ane: hir to sal aflechen her Stacius van Sutholte al den scaden, de an gensit des witten veldes gheschehen is UrkCorp (WMU) N146,29    2.2 mit Dat.: jensît dem mer was er [der Seidenstoff] geweben KvWTroj 7481; dar nâch [...] / quam ez von geschihte alsô / daz der kaiser Otte dô / eins grôzen urliuges pflac / und enhalp des gebirges [La. jensit dem gebirge ] lac KvWHvK 398    2.3 als Bestandteil von Personennamen: here Joh’s ginsit Brusch UrkCorp (WMU) 274,40; wir, Erbo ginsit der Brusch ebd. N295,24

MWB 3,1 72,9; Bearbeiter: Luxner

jëntwertes, ëntwertes Adv. ‘jenseits’ daz wir [...], swaz wir beidenthalbe oberhalbe haben in vnser baider gepiet vnd entwerts vber vntz vͦf den Chetsperch, behalten svln UrkCorp (WMU) 1607,40

MWB 3,1 72,38; Bearbeiter: Luxner

jêometrîe F. gêometrîe

MWB 3,1 72,42;

jerachîtes Subst. gerarchit

MWB 3,1 72,43;

jerarchîe swF. gerarchîe

MWB 3,1 72,44;

jermerlich Adj., Adv. jâmerlich

MWB 3,1 72,45;

jërn stV. gërn

MWB 3,1 72,46;

jeroffel Subst. aus afrz. gerofle. ‘Gewürznelke’ (vgl. Suolahti 1,111 und Vorderstemann, Fremdw., S. 130): swâ man ûfen teppech trat, / cardemôm, jeroffel, muscât, / lac gebrochen undr ir füezen / durh den luft süezen Parz 790,2

MWB 3,1 72,47; Bearbeiter: Luxner

Jêrusalêm F. ‘Jerusalem’ (vgl. LThK 5,778ff.): sancta Helena vûr ce Jêrusalêm mit grôzime here unt hiez die judin alle vur sich kumin PrMd (J) 343,19; her [ Ymelot ] wirlos zo Ierusalem sint den liph Roth 2578; daz er mit der frouwen / benamen wolte schouwen / Jerusalem daz reine lant KvWHerzm 121; KvHeimUrst 80; BdN 365,19. diu himelische ~ (vgl. LThK 5,129ff.): daz er uns leite insine phalinze. indie himliskin Ierusalem JPhys 2,51; diu himelisch Ierusalem, diu ist geczymbert von den seligen menschen Konr 19,87; in der himelischen Ierusalem Litan 1455; PrOberalt 154,13; HimmlJer 4. auch als diu niuwe ~ : div zwelf burgetôr der niwen Ierusalem, diu uon dem himelrîche in dise werlt uoͮr Spec 124,20. – Name einer Speise: daz muͦs sol heizzen von Jerusalem BvgSp 62

MWB 3,1 72,52; Bearbeiter: Luxner

Jêrusalêmære stM. Einwohner Jerusalems: Jerusalemære di horten diu guoten mære AvaJo 17,1

MWB 3,1 73,5; Bearbeiter: Luxner

jêrusalêmisch Adj. ‘zu Jerusalem gehörig’ ir boten si schiere santen / ze jerusalêmisken lanten Kchr 5104. 858

MWB 3,1 73,7; Bearbeiter: Luxner

Jêrusâlemîte swM. Einwohner Jerusalems: swaz lande und künicrîche lac / umb Jêrusâlem dort und hie, / dar ûz daz volc gemeine gie / zu der stat in den zîten / der Jêrusâlemîten HvFreibKr 736

MWB 3,1 73,10; Bearbeiter: Luxner

jëse swM. hier jesche. ‘Schluckauf’ (vgl. gische ): di biminze getrunken mit wine vertribet den ieschen Macer 11,18. 59,12

MWB 3,1 73,14; Bearbeiter: Luxner

jësen, gësen stV. (V) auch geschen (BvgSp 14). 1 intr. zur Beschreibung des Aufsteigens/-wallens von Flüssigkeiten ‘gären, brodeln, (auf-)schäumen’ (vgl. gërn stV.)
2 tr. ‘etw. hervorbringen’
   1 intr. zur Beschreibung des Aufsteigens/-wallens von Flüssigkeiten ‘gären, brodeln, (auf-)schäumen’ (vgl. gërn stV.): do der win nah sinir art / gelesin wart und er gejas RvEWchr 931; dô daz bluot enpor / begund wallen und jesen Ottok 49041; daz bat begonde vaste jesen Pass I/II (HSW) 3183; LvRegSyon 2641. – Part.Präs.: guͤz [gieß] ez [die Bestandteile des Mets] vnder ein ander, daz es gesschende werde BvgSp 14. – Part.-Adj.: dér uuóle iésente móst Will 132,15. – subst.: alse der edil win nach dem gesenne DvAStaff 329; sô tuot daz jesen widerkêr [so hört das Schäumen (der Seife) auf] Helbl 3,76. – übertr.: luterlicher klaret [Gewürzwein] / gist in mins [des Dichters] sinnes wirze Frl 5:12,6 u.ö.; von der Sonne: die sonne nahen [beinahe, fast] ias [d. h. sie verbreitete Hitze] Krone 15940; unpersönl.: vil schone ez jest, / Walther, in dime sange Frl 5:119G,2    2 tr. ‘etw. hervorbringen’ die stett sol billich iesen / uz herzen edel frucht MinneR 332 192

MWB 3,1 73,17; Bearbeiter: Luxner

jëst stM. ‘Schaum’ (s.a. gist ): der harn der der uarben eine hat vnde gerlichen [ganz und gar] dunne ist. [...]. vnde oben iest hat. bezeichent ein sucht di heizet causo SalArz 114,42 u.ö.; nu begund ez [ daz chindelîn, Jesus] chintlîche / gegen ir spiln in dem bade, / [...] / unz ez schûmen began. / der jest ûz dem schaffe ran KvFuss 1810; do das dy juden ersachen / das dy wol gelerten / all sich pecherten, / do wurden sy grisgrainen / sam dy hunt an einer lainen, / das in der jest dy meuler streit [bedeckte] Hawich 2653

MWB 3,1 73,39; Bearbeiter: Luxner

jesten swV. Karlmeinet 295,1 zu → gesten 5

MWB 3,1 73,50;

jëten stV. (V) auch g- (WhvÖst 13185). 1 ‘Unkraut/  Pflanzen entfernen, jäten’
2 ‘etw. (Acker, Feld usw.) von Unkraut befreien’
   1 ‘Unkraut/  Pflanzen entfernen, jäten’ sario. ris. sarsi. i. ich gîtege [l. gite ] Gl 4:217,38 (BStK926); es musten die mayer oder irew kind / ze hof jeten, meͣn, rechen und pawen HvBurg 5697; so wachsen aber blumen an derselben stat, / da man e jat / die blumen in dem meien Frl 5:62,8; Renner 12450; Hiob 9434. – subst.: ich bin in den wîngarten brâht / durch bûwen, houwen unde jeten Winsb 67,2. – etw. ûʒ etw. ~ ‘etw. aus etw. entfernen, herausnehmen; auswählen’ du solt jeten unminne uz eren garten Meissner 3:1,2; er [Christus] lart uns, wen wir beten, / daz wir uz herczen jeten / alle uzerliche dink TvKulm 3560; die werden ûz den bœsen jat er Wh 98,18; Albert 164; WhvÖst 13185; stât ez sô / daz ir disputieren welt, / sô werden zwelfe ûz iu gewelt, / die gegen disen zwelfen treten / die wir ûz uns hân gejeten / durch daz sie reden unser wort KvWSilv 2808. – etw. ~ vone etw. ‘etw. von etw. wegnehmen, trennen’ ir tuͦnd eẃer trẃ von mir nit jetten FrSchw 1672; só begínnent sîe iétan uóne íro hérzen infidelitatis lolium Will 114,4; sin herze er vil selten jat / von ungeloͮben, wan er nie / in von sime herzen lie RvEWchr 35566    2 ‘etw. (Acker, Feld usw.) von Unkraut befreien’ dâ er einhalp in der stat / sînen krûtgarten jat RvEAlex 8416. – übertr.: wölle wir der tugende acker jeten, / sô müeze wir wachen, vasten, beten Renner 6489

MWB 3,1 73,51; Bearbeiter: Luxner

jët|îsen stN. auch get-. ein Gerät zum Jäten ‘Gartenhacke, Sense’ sarculum : jetisan SummHeinr 2:39,155; falcastrum : getisan ebd. 2:297,70 u.ö.; sarpa : getisen VocOpt 13.096. 13.095; Gl 3:678,34 (BStK287). 3:649,40 (BStK926)

MWB 3,1 74,16; Bearbeiter: Luxner

jiht- giht-

MWB 3,1 74,21;

jiuch, jiuche, jûche stNF. später auch joch; Pl. auch ioͤcher UrbTirol 146; zum Ansatz und zum Verhältnis zu joch stN. s. AWB 4,1838f. sowie Etymol.Wb.d.Ahd. 5,309ff.; Form evtl. auch durch Einfluss von jiuchart begründet (vgl. FWB 8,377ff.). ‘Joch’ (Feld- bzw. Ackermaß; was mit einem Joch Ochsen an einem Tag gepflügt werden kann; vgl. 2RGA 16,64-66): daz wir Albrehten vnseren ammanne ze Gruͦbe seinen dienste bedaht haben vm tzwai jevch weingarten vnd vm vier und viertzich jevch akkcer an einer wuest UrkEnns 4,231 (a. 1295). 4,476 (a. 1305); drev ievch akkers StiftZwettl 470; in deme selben dorf æin ivch ackirs giltit zwæi iar iegelich iar zehn pfenninge UrbBayÄ 817,c; neun jeuch holz UrkPölt 214 (a. 1305); so lit diu dritte juche in Sinzenlache UrkCorp 2636,11; UrbNAlteich 498. 484; UrkWSchott 109 (a. 1302); UrkCorp (WMU) 1521,18. 910,7. das ain jedlich lehen ain joch pauen soll UrkÖsterrSt 898 (a. 1340). vnder Saluren im velt bowet der grave sehs ioͤcher UrbTirol 146. – auch als Längenmaß: daz ih ouch horte sagan [...], / daz in Tuscane rin ein wazzer scone, / unt sih daz perge an einin wisin unter d’erda, / unte man sin so manga wola zehen juche lenga Merig 16,4; vgl.: ain joch ackers lenge BdN 123,32

MWB 3,1 74,22; Bearbeiter: Luxner

jiuchære stM. wohl ‘Inhaber einer Hufe (von der Größe eines Jochs?)’ (vgl. jiuch ): quod quidam huebarii [...] qui vulgo jiucher dicuntur quilibet eorum singulis agriculturis in anno arare tenetur unam dyetam in subsidium culture curiarum DRW 6,498 (Dollinger,Classes rurales; 13. Jh.)

MWB 3,1 74,48; Bearbeiter: Luxner

jiuchart, jiucharte, jûchart stswSubst. auch giuchart und jochart; Genus meist nicht bestimmbar (in WMU als st.(sw.)F., wobei auch dort wegen überwiegender Endungslosigkeit nicht eindeutig erkennbar (vgl. WMU 2,964; ferner AWB 4,1839 sowie FWB 8,332ff.)); zur Etymologie vgl. Kluge S. 412 und SchweizId 3,8f. ‘Juchart’ (ein Feld- bzw. Ackermaß; vgl. 2RGA 16,65): in dem selben dorf git man von æime ivhart ackirs æin spec swin UrbBayÄ 746,c; zwo givchart achers UrkSchäftl 155 (a. 1339); fivnf schillinge pfenninge geltez, dîe ze zinse gânt ab ainer halbvn jv̂chart dez selben gvͦtez UrkCorp (WMU) 1659,17; UrkWSchott 225 (a. 1340); UrkÖsterrM 277 (a. 1297). – meton. ‘Ackerland’ silber vnd golt vnd sin gewant / aecker wisen luͤt vnd lant / holz velt vnd iuchart / vnd allez daz er hat RitteruT 37; ain juchart schön mit flachs gesätt Bauernh 53. – auch als Abgabe: de quolibet quartali datur I jevchart in curiam UrbNAlteich 195. 63

MWB 3,1 74,54; Bearbeiter: Luxner

jiuchartphenninc stM. eine Abgabe vom Grundbesitz: in media quadragesima dantur de quolibet beneficio V denarii, qui dicuntur jeuchartphenning UrbNAlteich 490; item in nativitate s. Marie dantur LXXXVII denarii et obulus jeuchartphenning ebd. 495 u. ö.; Mulhausen feoda longi sil. II mez. auene III mez. den. iuechartpfenn. XV UrbBayS 3,646 u. ö.

MWB 3,1 75,10; Bearbeiter: Luxner

jiuchelîn stN. Dimin. zu jiuch; hier jûch-. ‘(kleines) Joch’ item unum jûchelin supra Westernâ apud monachos de Vôrste UrkOberels 321 (a. 1259)

MWB 3,1 75,18; Bearbeiter: Luxner

jiuchkorn stN. hier juc(h)-. eine Naturalabgabe (vgl. jiuch ): et unum modium auene que dicitur juchkorn in die s. Andree UrkMittelrhein 2,405 (a. 1190-1220); et tot avene quod vocant iugi frumentum sive teutonice iuccorn DRW 6,500 (Kötzschke,StudVerwG; 12. Jh.)

MWB 3,1 75,21; Bearbeiter: Luxner