jâ – jagesite jagespieʒ – jâmerbrôt jâmerbürde – jâmerrede jâmerrëgen – jâmersuht jâmertac – jardîn jârdinc – jârmarket jærmerlich – jegede jegelich – jëner, -iu, -eʒ jënerhalp, ënerhalp – jiuch jiuchære – ju jû – judenbrâtære judenbrücke – judenrâtman judenrëht – jugentheit jugentlich – jungede jungelinc – jungen jungent
|
jait
stN.
→
jaget
MWB 3,1 39,1;
jâmer, âmer
stMN.
1 tiefer (seelischer) Schmerz, ‘Leid, Kummer, Trauer’
2
‘schmerzliches Verlangen, Sehnsucht (nach etw./ jmdm.)’
3
‘Wehgeschrei, Wehklagen, Jammer’
4
‘Not, Elend’
5 als Interj. ‘ach!, weh!’
1
tiefer (seelischer) Schmerz, ‘Leid, Kummer, Trauer’
duͦ sich die gelieben / uone ein ander geschieden, / der iamer
tet in uile we Rol
1730;
jâmer ist unser urhap, / mit jâmer kom wir in daz grap
Wh
280,17;
do úberwac das rane wip / das jamer das si lute sre
RvEWh
1937;
KvWWelt
264;
SM:KvL
3: 3,12;
mit âmare si scieden Gen
1023;
AvaLJ
196,4;
sie sach daz sine fuͤße, / uf die sie mit jamers lost / hatte
geweint und gekost, / mit nageln warn durch slagen HvNstGZ
4087;
das wisete got eim lamen hunde, der noch mit jamer lekket
sine wunden Mechth
2: 20,4.
– in vielfältigen Wendungen i.S.v. ‘seelischen Schmerz empfinden,
bekümmert sein bzw. werden, trauern’ ( ~
tragen, ~
haben, in
~
sîn u.a.):
mîn herze bî den fröiden jâmer treit KLD:UvL
5: 4,7;
SM:Had
28: 3,2;
si heten jâmer unde guft Parz
19,25;
Wh
405,30;
ach, sî lie mich in jâmer sîn SM:Had
5: 5,4;
der âmer in begund ane gên Gen
2313;
Tr
4214.
–
obe jmdm.
~ haben
‘um jmdn. trauern’
Claudas [...] hett großen jamer
ob sim suͦne Lanc
64,3.
– (jmdm.) ~
klagen
‘(jmdm.) sein Leid klagen, wehklagen’ (vgl. 3):
si zwô si giengen eine / Tristandes boten warten / in ir
jâmergarten, / in dem si zallen stunden, / [...] ir
jâmer clageten under in Tr
14665;
ich was vor ir, / daz ich wol mîn jâmer ir geklaget solde
hân SM:Had
13: 1,2;
MF:Mor
12: 1,4.
– bildl.:
al weinde si die hende want, / daz manec zaher den andern
sluoc: / grôz jâmer se ûz ir ougen truoc Parz
318,8;
sus trage ich den jâmers soum in mînem sinne SM:Ta
2: 2,7;
mîn herze muoz die jâmers suht / âne vreude erzenîe tragen
Wh
60,22;
KvWHerzm
256;
KLD:BvH
4: 2,9;
personif.:
jâmer, ich muoz immer mêre / wesen dînes gesindes
Wh
60,26
2
‘schmerzliches Verlangen, Sehnsucht (nach etw./ jmdm.)’
si seneten sich beide / und hæten jâmer under in zwein
Tr
19299;
LvRegSyon
1168.
2884.
– in der Wendung senendeʒ/ -er
~ :
so wirde ich wunt / von minnen dur des herzen grunt / und
ouch von sendem jâmer / lieblîch enzunt SM:Had
36: 2,12;
doch gît im daz schowen hôhen muot, / swie wê doch sendez
jâmer tuot ebd.
53: 4,6.
54: 1,7.
54: 7,4;
Tauler
83,19.
– meist mit Präp. (nâch, auch umbe):
lâz ouch in dînem muote / den jâmer nâch dem guote, / daz
dû gelâzen hâst durch got RvEBarl
15472;
im tet der jâmer wê / nâch sînem schœnen wîbe
Wig
1169;
immer wernden âmer / sol ich armez wîp / tragen nâch
sînem lîp Ottok
97377;
Tauler
83,19;
Seuse
223,12;
SM:KvL
22: 3,1;
mine viende minne ich in einem heiligen jamer nach ir
selekeit Mechth
4: 12,32;
daz ander [
weinen
] sol den jâmer geben / um daz êwige leben LvRegSyon
3405
3
‘Wehgeschrei, Wehklagen, Jammer’
ouwê do muoste er danne. / dâ von huop grôzer jâmer sich
KLD:UvL
40: 6,7;
in vil kurzer wîle / kômens vür daz bürgetor; / dâ was michel
jâmer vor / und von klage grôzer braht Wig
5227;
die statt wart vol geschreys und jamers Lanc
107,32;
NibB
2241,4;
KvHeimHinv
240.
– in den Wendungen ~
begân, machen u.ä.:
michel jâmer unde clagen / daz wart begangen ob ir grabe
Tr
1850;
groz iamir sie begiengin Athis
A 105;
er schlug syn hende zuhauff und macht großen jamer, er
raufft syn hare uß und reiß syn cleider von im Lanc
355,3.
282,34.
345,25
u.ö.;
er stalt großen jamer und flucht der stunde das er ie
geborn wart ebd.
419,2.
14,3;
daz wir den geist betruben / und ruwic jamer uben / und
unse sunde gote clagen HeslApk
4784
4
‘Not, Elend’
in dem êrsten jâr des grôzen ertpidems was der jâmer sô grôz,
daz der pâbst Clemens der sehst ain new mess machte für den tôt BdN
109,36;
dc die cristenheit dem lande ze helfe komme vnde sich erbarme vbe die not vnde
den iamer, der da ist UrkCorp (WMU)
93,29;
‘ay herre got’, sprach er, ‘welch schad und welch jamer ist
das ich ie geborn wart!’ Lanc
616,19.
225,31;
KvWTroj
12334;
HistAE
3960
5
als Interj. ‘ach!, weh!’
owê, jâmer und owê Wig
5123;
‘jamer’, er sprach, ‘wie gern ich woͤlt / das ich zuͦ minem kinde soͤlt / ab
gaͮn inder helle gaden!’ KvHelmsd
2221
MWB 3,1 39,2; Bearbeiter: Hansen
jâmer|ande
stF. (?)
‘Schmach, Elend’ (vgl. ande swM., stF.):
eiâ, ir edlin rittir gots, / [...]
irlôst dî sêle mîn / ûz disen jâmirandin / und ûz des tûvils bandin
NvJer
19258
MWB 3,1 40,20; Bearbeiter: Hansen
jâmerban
stF.
‘Weg des Schmerzes, Leidensweg’ (bildl.):
nu sehent hie den menschen ane / vor uch vf dyser iamerbane [
ecce homo Io 19,5]
EvStPaul
14269
MWB 3,1 40,24; Bearbeiter: Hansen
jâmerbære
Adj., Adv.
1
‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, traurig, unglücklich’
2
‘leidbringend’
1
‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, traurig, unglücklich’
wære ich künic, als dû bist, / ich wolte funden alle vrist /
in hôhem muote werden. / wer künde mich ûf erden / gemachen jâmerbære, /
[...] ? KvWTroj
5495;
ich wil iu doch paz bediuten / von disen jâmerbæren liuten
Parz
242,2.
255,3
2
‘leidbringend’
sô werdent si gewîset / in die jâmerbæren nôt
Wh
64,23;
dise herbe swêre / alsô jâmirbêre NvJer
12850;
ez ist unmoßen jamer ber / und ist ein swer vor aller swer
Minneb
4229.
– adv.:
welcher ir / dich dunket, der sin nehster were / sin, der
also gar iamerbere / geuiel den mordern in die hant? EvStPaul
7871
MWB 3,1 40,28; Bearbeiter: Hansen
jâmerbërnde
Part.-Adj.
‘leidbringend’
ich hân nû vunden / immer jâmerbernde nôt. / al mîn vröude ist hie tôt
Mai
161,35;
jâmerbernde zît ebd.
135,4
u.ö.;
dâ von ist mir solch jâmer komen / mit volle an mîn herze, / dâ iemer der
jâmersmerze / vüeget jâmerberndiu leit, / diu mîn herze kûme treit
MarlbGr
811;
dô wuohs sô jâmerbernder ruof / der der lufte trüebe schuof
UvEtzAlex
9515;
NvJer
23832;
Minneb
5021.
5053
MWB 3,1 40,42; Bearbeiter: Hansen
jâmerblic
stM.
‘leidvoller, trauriger Blick’
dar von man clegelichen sach / von frawen grosses ungemach, / durch augen
wasser dringen; / man sach da manchen jamerblick / von augen Virg
(St)
409,4
MWB 3,1 40,51; Bearbeiter: Hansen
jâmerbouc
stM.
‘Fesseln des Leids’ (bildl.; vgl.
bouc
2):
in iamerbougen vnd slois [Fesseln] / muͦs ich mich
ynne sleissen Böhmenschl
157
MWB 3,1 40,56; Bearbeiter: Hansen
jâmerbraht
stM.
‘Wehgeschrei, Wehklage’
die haiden ruften: labracko! / daz deutt: we, waffen immer so! /
[...] / man hort da manchen jamerbracht Virg
(St)
442,5
MWB 3,1 40,59; Bearbeiter: Hansen
jâmerbrôt
stN.
‘Brot des Schmerzes’ (vgl. bibl. panis doloris Ps 126,2):
zem êrsten mâle heizet ez [das brôt in der Heiligen
Schrift] ein himelbrôt, zem andern mâle heizet ez ein brôt der
engele, zem dritten mâle heizet ez ein jâmerbrôt Eckh (Pf)
224,7.
224,18
MWB 3,1 40,63; Bearbeiter: Hansen
jâmerbürde
stF.
‘Bürde des Leidens, Schmerzenslast’
in grôzer jâmerburde / drucket mêr der vröude last Virg
373,10;
mit jâmerbürde überladen Reinfr
25709
MWB 3,1 41,5; Bearbeiter: Hansen
jâmeren, âmeren
swV.
1
‘leiden, trauern, betrübt sein’
1.1 unpersönl. mit Akk.d.P. 1.2 Part.Präs. 1.3 subst. ‘Trauer, Wehklage’
2
‘nach etw./jmdm. sehnsüchtig verlangen, etw./jmdn. schmerzlich vermissen’
(unpersönl. mit Akk.d.P. und Präp. nâch , seltener in oder Gen.)
1
‘leiden, trauern, betrübt sein’
1.1
unpersönl. mit Akk.d.P.:
den herren iamerote VMos
29,11;
da nemach daz wip noch den man / gehungeren noch gedursten,
/ gejameren noch gevriesin Wahrh
126;
vil harte in âmerôt, vil riuwechclîchen er suftet
Gen
432;
uil dicke si ime nach sahen, / si begonde harte iameren
Rol
1739;
Iw
48;
RvEWchr
7831.
– mit Gen., Obj.-Satz (mit Korrelat im Gen.) oder Präp. zur Angabe des
Grundes ‘wegen etw./jmdm. leiden, über etw. betrübt sein, um jmdn.
trauern’
mich [Brünhild] jâmert
immer ir [Kriemhilds] schœne unt ouch ir zuht
NibB
622,1;
nu jâmert mich [bereue
ich] vil manger senelîcher klage, / die si [die
Minnedame] hât von mir vernomen MF:Mor
7: 3,4;
hiute iameret mich sin harte [trauere ich
sehr um Roland]
Rol
7769.
6252;
den vater [Isaak] âmerôte
daz er in [Esau] sô gare verteilet
[enterbt] hête Gen
1212;
di fursten, di dâ wâren, / jâmerete des sêre, / daz
si irn hêren / sâgen [sahen] weinen sînen vîant
SAlex
3884;
HvFreibTr
738;
swelich man ez [das
Blutvergießen] sehe / [...], / er
enwere nie so veste [hart(herzig)] , / daz er sich
enthalden kvnde, / in iamerte durch die sunde / vnd vmbe den grimmigen mort
Herb
7916;
RvEWchr
3432
1.2
Part.Präs.:
duo er si dere wunnône bestiez ich weiz er si ûz deme
paradîse liez / vile hart âmerende in ditz ellende Gen
501;
er was vil nâh bechliben / nâh sînen chinden weinente,
alzane [immerfort] âmerente ebd.
2508
1.3
subst. ‘Trauer, Wehklage’
da wart ain michel ameren Rol
6074;
da was wainen unt roͮwen, / wuffen unt iameren ebd.
6695
u.ö.
2
‘nach etw./jmdm. sehnsüchtig verlangen, etw./jmdn. schmerzlich vermissen’
(unpersönl. mit Akk.d.P. und Präp. nâch, seltener in oder
Gen.):
nâch den getriuwen jâmert dicke daz herze mîn
NibB
1397,1;
so jamert mich auch, als es sol, / herre, nach deinem reich
HvBurg
5240;
mich jâmert nâch ir munde rôt SM:Had
54: 4,8;
mich jâmert ûz der mâzze / nach der vil lieben vrouwen mîn
SM:WvH
4: 1,1;
mich iamirt na mime kinde TrSilv
563;
amerot si [die Israeliten] vische alder vlaischez.
so dûhte si reht si hêten vische un̄ vlaisch in dem munde [wenn sie das
Himmelbrot aßen]
PrSchw
2,123;
do hat si zuͥbellen un̄ luͮchez un̄ pepo geamert ebd.
2,123;
RvEBarl
15503;
Ottok
2833;
wizze daz mich jâmert sêre / in daz reine herze dîn
KLD:UvL
41: 1,3
MWB 3,1 41,9; Bearbeiter: Hansen
jâmer|ende
stN.
‘schmerzliches, schlimmes Ende’
swer sich wil gotte niht nahen / vnd sins geloͮben vart, /
dez leben ein tag beiart / liht mit iamer enden TürlArabel
*A 113,23
MWB 3,1 41,57; Bearbeiter: Hansen
jâmergarte
swM.
‘Kummergarten’
si zwô si giengen eine / Tristandes boten warten / in ir
jâmergarten, / in dem si zallen stunden, / [...] ir jâmer
clageten under in Tr
14662
MWB 3,1 41,61; Bearbeiter: Hansen
jâmergîtic
Adj.
‘auf Leid begierig’
nein, nein, dem jamergitigen slunt [der Hölle] /
din lib und ouch din sele ein stunt / tut sterben kunt Frl
5:79,13
MWB 3,1 42,1; Bearbeiter: Hansen
jâmerhaft
Adj.
‘von Leid erfüllt, traurig, unglücklich’
mîn herze ist immer jâmerhaft, / ob ich an im alsô verzage
KvWEngelh
6132;
dur waz siht man dich vröuden blôz / und alsô rehte
jâmerhaft? KvWTroj
5483
u.ö.;
nu sluoc reht alsô vil dar în / Partonopier der kemphe wert, / daz im dô brach
enzwei daz swert / [...]. / daz wart ein hôhiu zuoversiht /
der ungetouften heidenschaft, / und wâren drumbe jâmerhaft / die kristen al gelîche
KvWPart
5876
u.ö.;
in jamerhaftem sinne SHort
9630;
NibB
1041,4.
1259,3;
Mai
137,8;
ErnstB (W)
4165.
– subst.:
diu jâmerhafte [Kriemhild]
NibB
1014,1
MWB 3,1 42,4; Bearbeiter: Hansen
jâmerheit
stF.
‘Leid, Elend’
owi des grozen rouwen, / des leides inde der jamerheit, / die van sulcher
bosheit, / van hazze inde van nide / hie an deseme gezide / wesset ane schulde
MorantGalie
719;
ime [dem lasterhaften Gast] sal erafte
[l. erhafte
] zv gesprohin werde daz er dannin schede [das Kloster
verlassen möge] daz von sinin iamerheite di anderin nicht
gelasterit werdin [
ne eius miseria etiam alii vitientur
]
BrHoh
61
MWB 3,1 42,16; Bearbeiter: Hansen
jâmeric, âmeric
Adj. , -ige
Adv.
1
‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, traurig, unglücklich’
2
‘mitleiderregend, erbärmlich’
3
‘sehnsüchtig, verlangend’
1
‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, traurig, unglücklich’
do diz gesprach der gotes knecht / und iamerec an den pabest sach, / Sixtus im
gutlich zusprach / und wolde im trostunge tun Pass III
378,79;
daruz [aus dem Berg] horte dirre man / schrien die
ubelen geiste / mit iameriger volleiste [mit großer
Wehklage]
ebd.
582,20;
Joseph wuoft unt weinôte mit âmarigem muote
Gen
2422.
2701;
des muoz ich vil trûric stân / und in dem herzen jâmric sîn
KLD:UvL
5: 1,4;
der gotis werde man / vor lîbe weinte manchin trân, / als in
sîn jâmeric herze twanc NvJer
21608;
Vät
31269.
31325;
mit betrubetem herzen vnd mit iamerigen ougen UrkCorp (WMU)
975,15;
UvEtzWh
1102;
HlReg
13,18;
er ward zitrende von frost [...] und
gestuͦnd also jamrige still ein wili und sah uf ze gote Seuse
82,2.
–
‘Leid ausdrückend, klagend’
sîn brûder jâmerger worte sprach Kreuzf
8076;
ir lutir ougin wurdin vol / vil jamirgir trehne
Athis
A* 15.
–
~ sîn/ wësen (mit kausaler Präp. oder Gen.-Erg.) ‘wegen
etw./jmds. traurig sein, um etw./jmdn. trauern’
Pînels ich immer jâmerc bin Wh
341,12;
des müese ich immer jâmerc wesen Wig
1086;
LvRegFr
4109;
Mechth
6: 6,17;
um dînen vriunt Rennwart / mirz herze und diu ougen
jâmerc sint Wh
457,25;
DvAStaff
579
2
‘mitleiderregend, erbärmlich’
nâch in geströut lâgen die [Toten]
/ uf dem velde dicke / in jâmerigem blicke [einen mitleiderregenden
Anblick bietend]
Kreuzf
2024;
der [Glanz ihrer
Ausrüstung] verlasch / von ir blûte rôtgevar. / die wâren nu jâmeric
gar / von ir blûte beflozzen / und manigerwegen begozzen ebd.
2240;
ia da wart den heiden / uf die heiligen vil zorn, /
[...]. / si triben mit in iameric spil, / daz disen
gienc uf die hut Pass III
296,64
3
‘sehnsüchtig, verlangend’
wan sú werdent von in selb getriben mit einem jamrigen
turste hin zuͦ dem willen gotes und siner gerehtikeit Seuse
95,5.
– mit Präp. (nâch):
der reine munich Zozimas / an sime herzen stete was /
jamerec nach der vrowen, / daz er sie wolde schowen Vät
35533;
in disem wege froͤwet sich dú sele, dú nach got jamerig
ist Mechth
1: 25,5.
3: 23,21.
7: 35,43;
Seuse
142,28
MWB 3,1 42,25; Bearbeiter: Hansen
jâmericheit, âmericheit,
jâmerkeit
stF.
1 tiefer (seelischer) Schmerz, ‘Leid, Kummer, Trauer’
2
‘Not, Elend’
1
tiefer (seelischer) Schmerz, ‘Leid, Kummer, Trauer’
von den luten mache / ich dicke mich vor jamerkeit, / wann
mir ist ein hertzeleit / alle wunne und alle schertze Minneb
5039;
owe, daz was mir also leit / daz ich von rehter jamerkeit /
manigen heizen zaher goz! Vät
25914;
ich swur im hunderttausent aide, / daz kurzlich alle sein jomerkait, / di er
in sinem herzen handelt, / in freude wirt gewandelt MvHeilGr
1894;
Pass III
22,66;
Elis
2997;
bildl.:
ich wil mit andechtigen herczen di mirren und die jâmerchait unsers herren cze
samen tragen in mein hercze czu ainen hauffen MvHeilFr
28;
DvAStaff
578.
– metonymisch ‘Peinigung, Marter’
der voget do hiez [...] an den heiligen
[St. Dyonisus, Rusticus und Eleutherius] began /
iamerkeite vil genuc Pass III
551,85.
43,77;
pin und jomerkeit, die sol dem menschen willig und anneme
sin Tauler
163,10;
der uzirwelte romer / begunde weinen heize zcer / durch manchirleie
jamirkeit / di do kumt von stritis leit PfzdHech
291,25;
HvNstGZ
7160
2
‘Not, Elend’
die liute tâten nâch ir goten / allez daz in was verboten, / daz gienc in
allez in ein, / manslaht, huore und ander mein. / [...] mit
sus getâner jâmerkeit / sô was al diu menscheit / begriffen in den zîten / in der
werelt wîten LBarl
2454;
[in der Welt] seht ir nicht wann jamerchait, / wie wenig
freuden, manik leit Syon
81;
itwiz bitet daz herce min unde iamercheit [interl. zu
inproperium expectauit cor meum et miseriam
]
PsM
68,21.
11,6.
– vom irdischen Dasein:
er swebete in klarer wunne hoch úber alle irdenische
jamerkeit Mechth
6: 10,22.
5: 18,5;
usser aller jomerkeit in ein goͤtlich sicherheit
Tauler
162,7;
PsM
39,3;
phras. tal der ~
‘irdisches Jammertal’ (vgl.
jâmertal
):
er ist der von der hœhe quam / und ûz des vater hercen gie, / unde schiet
von sînem erbe dan, / dâ er die froude und êre lie, / ze disme tale der
iâmerkeit VilwerdeSele
49
MWB 3,1 43,5; Bearbeiter: Hansen
jæmericlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen.
1 adj. ‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, kläglich’
2 adv. ‘elend(ig), jämmerlich’
1
adj. ‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, kläglich’
doch klagten in Wiennære / mit jæmerclîcher swære
EnikFb
2012;
die gehvgede der vil trvrigen schidvnge vnde der vil
iæmerclichen schidvnge, die begen wir nv hǐte [am
Aschermittwoch]
Konr
24,46;
von der jæmerclîchen dol / muoz ich an vreuden sterben RvEGer
4064.
3977;
HvBurg
4498.
–
der [junge Mann] lebte fünf jâr alsô, / daz sîn
herze nie wart frô / und nie kein mensche in sach lachen
[...]. / dem riet der tiufel, daz er ein seil / nam
und in einen stadel gienc / und sich an einen balken hienc. /
[...] dirre jêmerlicher [La.
iemerclicher
] marterer / was leider ein episteler Renner
3855
2
adv. ‘elend(ig), jämmerlich’
lât si iu eigenlîch / dienen hie in Österrîch. / swie si nû
verderbent / und jæmerclîch ersterbent, / sô ahtet nieman ûf unser eit
EnikFb
4068;
ich viel dâ nider ûf den hunt / reht als ein halptôter man. / er sach mich
jâmerclichen an / mit ougen und mit herzen KvWPart
18604
u.ö.;
LBarl
3487(La.).
–
‘jammernd’
die ritter bâten jæmerclîchen; / ez moht got dem rîchen /
erbarmen: ein solher schal / wart von weinen über al EnikFb
4003.
4007(La.)
MWB 3,1 43,45; Bearbeiter: Hansen
jâmerkarn
swV.
‘wehklagen’ (hier subst.):
baidiu naht und tac / was da niht wan jamer charn
WhvÖst
1411
MWB 3,1 44,5; Bearbeiter: Hansen
jâmerkeit
stF.
→
jâmericheit
MWB 3,1 44,8;
jâmerklage
stF.
‘Wehklage’
darvmb múszen swinden / mit vnfreuden vnser tag, / vnd leben mit jamer clag
Krone
19117;
mein jamer klage ist so groß / das ich niemand chan geclagen
HvNstAp
1335
u.ö.;
ein suͤsse jamerclage Mechth
1: 3,28;
PfzdHech
203,14;
HvNstGZ
6090.
7375
MWB 3,1 44,9; Bearbeiter: Hansen
jâmerkleit
stN.
‘Trauergewand’
Mardocheus [...] zoch an sich san zu hant / in heizer
leide ein jamer cleit / und gie mit grozer trurekeit / durch die gazze
Hester
783
MWB 3,1 44,15; Bearbeiter: Hansen
jâmerkranc
Adj.
‘von Leid geschwächt, leidend’
vp deme orse hey wende vnd wanc / van wuͦnden vnd is iamercranc
Böhmenschl
161
MWB 3,1 44,19; Bearbeiter: Hansen |