jâ – jagesite jagespieʒ – jâmerbrôt jagespieʒ stM. jaget stNF. jagetac stM. jagetgeselle swM. jagetgesinde stN. jagetgeverte stN. jagetgeziuge stN. jagethabere swM. jagethof stM. jagethunt stM. jagethûs stN. jagevart stF. jagewîse stF. jæhelinge(n) Adv. jâhêrre swM. jait stN. jâmer stMN. jâmer|ande stF. (?) jâmerban stF. jâmerbære Adj., Adv. jâmerbërnde Part.-Adj. jâmerblic stM. jâmerbouc stM. jâmerbraht stM. jâmerbrôt stN. jâmerbürde – jâmerrede jâmerrëgen – jâmersuht jâmertac – jardîn jârdinc – jârmarket jærmerlich – jegede jegelich – jëner, -iu, -eʒ jënerhalp, ënerhalp – jiuch jiuchære – ju jû – judenbrâtære judenbrücke – judenrâtman judenrëht – jugentheit jugentlich – jungede jungelinc – jungen jungent
|
jagespieʒ
stM.
bei der Jagd (auf Wildschweine) eingesetzter Spieß, ‘Jagdspieß, Saufeder’
Partonopier sich unverzaget / ûf sîner verte schouwen liez. / ein horn und
einen jagespiez / der ellentrîche fuorte, / dâ mite er balde ruorte / nâch dem eber
durch daz mies [Moos]
KvWPart
350;
venabulum: iagspies VocOpt
45.042
MWB 3,1 37,40; Bearbeiter: Hansen
jaget
stNF.
auch jagat (UvLFrd
– oder eigene Bildung mit -ât-Suffix?); kontrahiert jeit; s.a.
jagede
.
1
‘Jagd, Verfolgung, Hatz’
1.1 Jagd auf Tiere 1.2 Verfolgung von Menschen 2
‘Streben, Trachten’ (vgl.
jagen
3 )
1
‘Jagd, Verfolgung, Hatz’
1.1
Jagd auf Tiere:
alsô getâne iagit, alsô man pfliget zu tûne mit rûfene
unde mit hunden unde beizen mit vederspile, die ensulen die brûdere niht urboren
StatDtOrd
47,22.
47,21;
daz jeit was ergangen NibA
885,1;
wir komen wol ze jeide ebd.
875,4;
wir komen wol ze jegede NibB
932,4;
man sol in [den leidenschaftlichen Jäger] bi
den hunden lan, / mit sinem jeide lan umb gan UvLFrb
1322.
1349;
LBarl
11950;
UrkPreuss
1,173
(a. 1278, kopial 14. Jh.)
1.2
Verfolgung von Menschen:
die Letten und die Lîven / die wâren helde unverzaget: / beide an dem
strîte und an der jaget / entwurchten sie die heidenschaft
LivlChr
1150;
ûf der jagat [bei der Verfolgung der flüchtenden
Ungarn] wart geseit / daz bœse, swinde, swerende leit, / daz
der fürste wære erslagen UvLFrd
529,17;
Lanc
460,23
2
‘Streben, Trachten’ (vgl.
jagen
3):
sit daz ich ein hirte bin / und mich die sache tribet hin, / an die uzere
iaget [
‘an das Treiben und Drängen nach der Außenwelt’ (vgl.
Glr.z.St.)] , / so ist mir daz gar unversaget / min gedanhe enwolle
dar Pass III
199,43
MWB 3,1 37,47; Bearbeiter: Hansen
jagetac
stM.
zur Jagd bestimmter Tag:
dô quam ein schône jagetach / daz jagen reit Nampêtenis Eilh
(L)
9048
MWB 3,1 38,8; Bearbeiter: Hansen
jagetgeselle
swM.
kontrahiert jeit-.
‘Jagdgeselle, Mitjagender’
man enpflege baz der jegere, ich enwil niht jagetgeselle sîn
NibB
965,4;
die sînen jagtgesellen die sagten Sîfride danc ebd.
936,4.
927,2
u.ö.;
sîne jeitgesellen seiten Sifride danc NibA
879,4
u.ö.;
HvFreibTr
3570
MWB 3,1 38,11; Bearbeiter: Hansen
jagetgesinde
stN.
‘Jagdgefolge, Jagdbegleiter’
Marke [...] / begonde blâsen dô sîn
horn, / ob ez ieman vernême, / daz er zu im quême, / von sînem jagetgesinde
HvFreibTr
3565
MWB 3,1 38,17; Bearbeiter: Hansen
jagetgeverte
stN.
hier kontrahiert jait-.
‘Jagdausrüstung’ (vgl.
geverte
stN. 3):
mit disem jaitgeverte / vil manic jâr man nerte / dî
nidirstin hûsir al, / want man wildis âne zal / dâ mitte slûc NvJer
5509
MWB 3,1 38,21; Bearbeiter: Hansen
jagetgeziuge
stN.
hier kontrahiert jait-.
‘Jagdausrüstung’ (vgl.
geziuge
stN. 1.2):
mit im her ouch hête / jaithunde und vedirspil / und
jaitgezûgis vil NvJer
5356
MWB 3,1 38,26; Bearbeiter: Hansen
jagethabere
swM.
‘Hafer als Naturalabgabe (zur Ablösung für Jagdfron)’
→
DRW
6,355
(DiplStyr.; a. 1326)
MWB 3,1 38,30; Bearbeiter: Hansen
jagethof
stM.
hier kontrahiert jeit-.
‘Jagdhof’
daz im doch wol gezæme / zeim jeithove Stîrelant Bit
13277
MWB 3,1 38,33; Bearbeiter: Hansen
jagethunt
stM.
hier kontrahiert jait-.
‘Jagdhund’ (vgl.
jagehunt
):
wâpin unde pfert, / knechte, meide, cleidir wert, / jaithunde
und vedirspil / und andirs gezûgis vil, / daz man zu hêrschaft nante
NvJer
4073
MWB 3,1 38,36; Bearbeiter: Hansen
jagethûs
stN.
hier kontrahiert jait-.
Unterkunft auf der Jagd, ‘Jagdhütte, Jagdschloss’ (vgl.
jagehûs
):
der kunic hate ein jaithûs in dem selben walde, dô zogete her în mit sîner
vrowen HvFritzlHl
236,24;
vnseriv iaidhævser UrkWittelsb
2,403
(a. 1348)
MWB 3,1 38,41; Bearbeiter: Hansen
jagevart
stF.
‘Jagd, Verfolgung’
got ze jungest rihte dô / daz ir [der Ägypter (bei der Verfolgung
der Juden)] einer niht genas / der ûf der jageverte was
Reinfr
15814.
– bildl.:
die gedanke mîn si lucket, die fliegènt zuo zir geschart. /
manic giric sin der flucket / nâch ir ûf die jagevart KLD:BvH
3: 4,4
MWB 3,1 38,47; Bearbeiter: Hansen
jagewîse
stF.
bei der Jagd (auf einem Horn) geblasene Melodie, Fanfare (vgl.
jageliet
):
die hunde mante er unde blies / nâch meisterlîchen prîse / sô fremde jagewîse,
/ daz man sô wilde nie vernam KvWPart
356
MWB 3,1 38,54; Bearbeiter: Hansen
jæhelinge(n)
Adv.
→
gæhelingen
MWB 3,1 38,59;
jâhêrre, jâhërre
swM.
‘Jasager, Speichellecker’
die jâhêrren hânt den muot, / si lobent, swaz der hêrre tuot
Freid
50,2;
jâherren, / die soltu von dir verren UvEtzAlex
27977.
12640;
mitheller [...] unde jâherren PrBerth
1:214,7;
RvZw
203,9;
TürlArabel
*A 20,18
MWB 3,1 38,60; Bearbeiter: Hansen
jait
stN.
→
jaget
MWB 3,1 39,1;
jâmer, âmer
stMN.
1 tiefer (seelischer) Schmerz, ‘Leid, Kummer, Trauer’
2
‘schmerzliches Verlangen, Sehnsucht (nach etw./ jmdm.)’
3
‘Wehgeschrei, Wehklagen, Jammer’
4
‘Not, Elend’
5 als Interj. ‘ach!, weh!’
1
tiefer (seelischer) Schmerz, ‘Leid, Kummer, Trauer’
duͦ sich die gelieben / uone ein ander geschieden, / der iamer
tet in uile we Rol
1730;
jâmer ist unser urhap, / mit jâmer kom wir in daz grap
Wh
280,17;
do úberwac das rane wip / das jamer das si lute sre
RvEWh
1937;
KvWWelt
264;
SM:KvL
3: 3,12;
mit âmare si scieden Gen
1023;
AvaLJ
196,4;
sie sach daz sine fuͤße, / uf die sie mit jamers lost / hatte
geweint und gekost, / mit nageln warn durch slagen HvNstGZ
4087;
das wisete got eim lamen hunde, der noch mit jamer lekket
sine wunden Mechth
2: 20,4.
– in vielfältigen Wendungen i.S.v. ‘seelischen Schmerz empfinden,
bekümmert sein bzw. werden, trauern’ ( ~
tragen, ~
haben, in
~
sîn u.a.):
mîn herze bî den fröiden jâmer treit KLD:UvL
5: 4,7;
SM:Had
28: 3,2;
si heten jâmer unde guft Parz
19,25;
Wh
405,30;
ach, sî lie mich in jâmer sîn SM:Had
5: 5,4;
der âmer in begund ane gên Gen
2313;
Tr
4214.
–
obe jmdm.
~ haben
‘um jmdn. trauern’
Claudas [...] hett großen jamer
ob sim suͦne Lanc
64,3.
– (jmdm.) ~
klagen
‘(jmdm.) sein Leid klagen, wehklagen’ (vgl. 3):
si zwô si giengen eine / Tristandes boten warten / in ir
jâmergarten, / in dem si zallen stunden, / [...] ir
jâmer clageten under in Tr
14665;
ich was vor ir, / daz ich wol mîn jâmer ir geklaget solde
hân SM:Had
13: 1,2;
MF:Mor
12: 1,4.
– bildl.:
al weinde si die hende want, / daz manec zaher den andern
sluoc: / grôz jâmer se ûz ir ougen truoc Parz
318,8;
sus trage ich den jâmers soum in mînem sinne SM:Ta
2: 2,7;
mîn herze muoz die jâmers suht / âne vreude erzenîe tragen
Wh
60,22;
KvWHerzm
256;
KLD:BvH
4: 2,9;
personif.:
jâmer, ich muoz immer mêre / wesen dînes gesindes
Wh
60,26
2
‘schmerzliches Verlangen, Sehnsucht (nach etw./ jmdm.)’
si seneten sich beide / und hæten jâmer under in zwein
Tr
19299;
LvRegSyon
1168.
2884.
– in der Wendung senendeʒ/ -er
~ :
so wirde ich wunt / von minnen dur des herzen grunt / und
ouch von sendem jâmer / lieblîch enzunt SM:Had
36: 2,12;
doch gît im daz schowen hôhen muot, / swie wê doch sendez
jâmer tuot ebd.
53: 4,6.
54: 1,7.
54: 7,4;
Tauler
83,19.
– meist mit Präp. (nâch, auch umbe):
lâz ouch in dînem muote / den jâmer nâch dem guote, / daz
dû gelâzen hâst durch got RvEBarl
15472;
im tet der jâmer wê / nâch sînem schœnen wîbe
Wig
1169;
immer wernden âmer / sol ich armez wîp / tragen nâch
sînem lîp Ottok
97377;
Tauler
83,19;
Seuse
223,12;
SM:KvL
22: 3,1;
mine viende minne ich in einem heiligen jamer nach ir
selekeit Mechth
4: 12,32;
daz ander [
weinen
] sol den jâmer geben / um daz êwige leben LvRegSyon
3405
3
‘Wehgeschrei, Wehklagen, Jammer’
ouwê do muoste er danne. / dâ von huop grôzer jâmer sich
KLD:UvL
40: 6,7;
in vil kurzer wîle / kômens vür daz bürgetor; / dâ was michel
jâmer vor / und von klage grôzer braht Wig
5227;
die statt wart vol geschreys und jamers Lanc
107,32;
NibB
2241,4;
KvHeimHinv
240.
– in den Wendungen ~
begân, machen u.ä.:
michel jâmer unde clagen / daz wart begangen ob ir grabe
Tr
1850;
groz iamir sie begiengin Athis
A 105;
er schlug syn hende zuhauff und macht großen jamer, er
raufft syn hare uß und reiß syn cleider von im Lanc
355,3.
282,34.
345,25
u.ö.;
er stalt großen jamer und flucht der stunde das er ie
geborn wart ebd.
419,2.
14,3;
daz wir den geist betruben / und ruwic jamer uben / und
unse sunde gote clagen HeslApk
4784
4
‘Not, Elend’
in dem êrsten jâr des grôzen ertpidems was der jâmer sô grôz,
daz der pâbst Clemens der sehst ain new mess machte für den tôt BdN
109,36;
dc die cristenheit dem lande ze helfe komme vnde sich erbarme vbe die not vnde
den iamer, der da ist UrkCorp (WMU)
93,29;
‘ay herre got’, sprach er, ‘welch schad und welch jamer ist
das ich ie geborn wart!’ Lanc
616,19.
225,31;
KvWTroj
12334;
HistAE
3960
5
als Interj. ‘ach!, weh!’
owê, jâmer und owê Wig
5123;
‘jamer’, er sprach, ‘wie gern ich woͤlt / das ich zuͦ minem kinde soͤlt / ab
gaͮn inder helle gaden!’ KvHelmsd
2221
MWB 3,1 39,2; Bearbeiter: Hansen
jâmer|ande
stF. (?)
‘Schmach, Elend’ (vgl. ande swM., stF.):
eiâ, ir edlin rittir gots, / [...]
irlôst dî sêle mîn / ûz disen jâmirandin / und ûz des tûvils bandin
NvJer
19258
MWB 3,1 40,20; Bearbeiter: Hansen
jâmerban
stF.
‘Weg des Schmerzes, Leidensweg’ (bildl.):
nu sehent hie den menschen ane / vor uch vf dyser iamerbane [
ecce homo Io 19,5]
EvStPaul
14269
MWB 3,1 40,24; Bearbeiter: Hansen
jâmerbære
Adj., Adv.
1
‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, traurig, unglücklich’
2
‘leidbringend’
1
‘voll tiefen (seelischen) Schmerzes, traurig, unglücklich’
wære ich künic, als dû bist, / ich wolte funden alle vrist /
in hôhem muote werden. / wer künde mich ûf erden / gemachen jâmerbære, /
[...] ? KvWTroj
5495;
ich wil iu doch paz bediuten / von disen jâmerbæren liuten
Parz
242,2.
255,3
2
‘leidbringend’
sô werdent si gewîset / in die jâmerbæren nôt
Wh
64,23;
dise herbe swêre / alsô jâmirbêre NvJer
12850;
ez ist unmoßen jamer ber / und ist ein swer vor aller swer
Minneb
4229.
– adv.:
welcher ir / dich dunket, der sin nehster were / sin, der
also gar iamerbere / geuiel den mordern in die hant? EvStPaul
7871
MWB 3,1 40,28; Bearbeiter: Hansen
jâmerbërnde
Part.-Adj.
‘leidbringend’
ich hân nû vunden / immer jâmerbernde nôt. / al mîn vröude ist hie tôt
Mai
161,35;
jâmerbernde zît ebd.
135,4
u.ö.;
dâ von ist mir solch jâmer komen / mit volle an mîn herze, / dâ iemer der
jâmersmerze / vüeget jâmerberndiu leit, / diu mîn herze kûme treit
MarlbGr
811;
dô wuohs sô jâmerbernder ruof / der der lufte trüebe schuof
UvEtzAlex
9515;
NvJer
23832;
Minneb
5021.
5053
MWB 3,1 40,42; Bearbeiter: Hansen
jâmerblic
stM.
‘leidvoller, trauriger Blick’
dar von man clegelichen sach / von frawen grosses ungemach, / durch augen
wasser dringen; / man sach da manchen jamerblick / von augen Virg
(St)
409,4
MWB 3,1 40,51; Bearbeiter: Hansen
jâmerbouc
stM.
‘Fesseln des Leids’ (bildl.; vgl.
bouc
2):
in iamerbougen vnd slois [Fesseln] / muͦs ich mich
ynne sleissen Böhmenschl
157
MWB 3,1 40,56; Bearbeiter: Hansen
jâmerbraht
stM.
‘Wehgeschrei, Wehklage’
die haiden ruften: labracko! / daz deutt: we, waffen immer so! /
[...] / man hort da manchen jamerbracht Virg
(St)
442,5
MWB 3,1 40,59; Bearbeiter: Hansen
jâmerbrôt
stN.
‘Brot des Schmerzes’ (vgl. bibl. panis doloris Ps 126,2):
zem êrsten mâle heizet ez [das brôt in der Heiligen
Schrift] ein himelbrôt, zem andern mâle heizet ez ein brôt der
engele, zem dritten mâle heizet ez ein jâmerbrôt Eckh (Pf)
224,7.
224,18
MWB 3,1 40,63; Bearbeiter: Hansen |