i – ie|besunder (?) ieclich – iemerkæse iemerkuo – iersch iertes – iewëdersît iewelich – ihten (?) ihtesiht – îlunge im – in in – în bezûnen în biegen – în brëhen în brîden – inder(t) in dës – inelende în enthalten (?) – ingebër în gebërn – ingesigelde ingesinde – in guot în gürten – în houwen inhûs – în lâʒen înlâʒunge – în lûchen în luogen – inne halten în neigen (?) – innergewant innerhalbe – inniclich innigen – în rüefen în rüeren – inschrift în sëgenen – în slahen însleich – în springen în spruʒʒen (?) – interpretieren intestîn – în twingen în ünden – în vleischen învleischunge – înwander inwaner – în wischen în wîsen – ipocrisis ipocrite – irhalp irhære – irregunge irrehaft – Ir|rîche irricheit – îsenbû îsendach – îsenkaste îsenkëc – îsensacroc (?) îsenschûfel – îserîn îserkleit – isôpe isôpensaf – îtelhant îtelinc – itwinde iu – îwînboum
|
istic
Adj.
‘seiend, existierend (in Gott)’
das selbe das der mensche nu ist in siner geschaffenheit,
das ist er eweklich gewesen in gotte in ungeschaffenheit, ein istig wesen mit im
Tauler
332,1.
160,4;
dô liez er [Paulus] got durch got, und dô bleip im
got, dâ got istic ist sîn selbes, niht nâch einer enpfâhunge sîn selbes noch nâch
einer gewinnunge sîn selbes Eckh
1:197,3;
es ist ein lebendú, wesendú, istigú vernúnftikeit, daz
sich selber verstat, und ist und lebt selber in im selber Seuse
329,10
u.ö.;
EbnerMargBr
64,9
MWB 3,1 16,54; Bearbeiter: Richter
isticheit
stF.
‘Sein, bloße Existenz (in Gott)’
daz ist, ‘der ist’, old das ‘wesende’, daz der erst vsflus ist der istikeit an
dien dingen von der alr sachlichosten sache RvBib
134,11;
anima est essencia se mouens, das ist das die sel ist ein selb wesents ding
oder ein ystikait, die sich selber ruͤrt KvMSel
276;
got istic ist sîn selbes, niht nâch einer enpfâhunge sîn selbes noch nâch
einer gewinnunge sîn selbes, mêr: denne in einer isticheit, daz got in im selber ist
Eckh
1:197,4
u.ö.;
Seuse
186,8;
Tauler
156,27;
EbnerMargBr
64,9
MWB 3,1 17,1; Bearbeiter: Richter
isticlich
Adj.
‘seiend, existierend (in Gott)’
[die Meister] sprechent das es [das göttliche
Bild der Wahrheit] lige in dem allerinnigesten, in dem
allerverborgensten tieffesten grunde der selen, do sú daz in dem grunde hat got
wesentlichen und wúrklich und isteklich, in dem wurket und weset got und gebruchet
sin selbes in dem Tauler
300,20
MWB 3,1 17,12; Bearbeiter: Richter
istôrje
stswF.
→
histôrje
MWB 3,1 17,20;
îsvogel
stM.
‘Eisvogel’ (s.a.
alz
,
îsar
(n),
îsenvogel
; s.a. Suolahti, Vogelnamen, S. 8-10):
von dem eisvogel. isida haizt ain eisvogel und hât den namen
von seiner stimme, wan er schreit ysi, ysi BdN
202,12.
202,20;
aurificeps: isfogel SummHeinr
2:66,269
u.ö.
MWB 3,1 17,21; Bearbeiter: Richter
îszapfe
swM.
‘Eiszapfen’
si [eine lederne Glocke] hangt an dem nagl, / daz
ist ain eiszephe, / vnd klingt als ein hephe [Harfe (?)]
Wachtelm (DVN)
w,71
MWB 3,1 17,27; Bearbeiter: Richter
it-
s.a. ite-
MWB 3,1 17,30;
ital
Adj.
→
îtel
MWB 3,1 17,31;
itâlisch
Adj.
‘italisch, italienisch’, nur in der Wendung ~
rîche:
her wart wonehaht / in itâlischeme rîche En
3629;
sint het der kunech Ênêas / daz lant als ez gelegen was / alliu îtâlschen
rîche / vil gewaldechlîche ebd.
13309
MWB 3,1 17,32; Bearbeiter: Richter
itekouwen
swV.
zu mnl./mnd. edercauwen/ eder- (ader-) kouwen, s. DWB 14,1,2,1058
(vgl.
iterücken
).
‘(etw.) wiederkäuen, nochmals kauen’
her [der Rehbock] edekouwet mit
den andern Brun
3585.
– allegor.:
ir [Marias] zene uns allen
vrouwen [erfreuen] , / si enbizen nicht, si edekouwen /
und vuten [nähren] uns mit irme
spone [Muttermilch]
Brun
3035;
daz ist di edele predigunge, / von der lere alt und junge /
edekouwen der edelen schrifte sput [Nahrung] , / also daz
vihe sin hou tut ebd.
11781.
3599.
11772
MWB 3,1 17,37; Bearbeiter: Richter
îtel
Adj.
auch ittel, ietel, ital, obersächs. auch aikl, vgl.
25Mhd. Gr. § L 116, Anm. 2;
selten adv., s. unter
3.2
(evtl. auch
Wigam (B)
2051
in korruptem Satz).
1
‘leer; frei von/ ohne etw.’ (zum myst. Sprachgebrauch s.a. Hernández,
Eigentum, S. 118 u. 125) 1.1 allg. 1.2 mit Angabe dessen, was nicht vorhanden ist 1.3 in best. Kollokationen 1.3.1 in Verbindung mit (Teil-)Synonymen (s.a. Belege unter 1.2) 1.3.2 von Händen (s.a.
îtelhant
) 1.3.3
vaʒ (s.a. unter
2.3
) 1.3.4 vom Herzen 1.3.5 vom houbet 1.4 im Sprichwort (zu TPMA 1,199ff. ‘Armut macht sorgenfrei’ ) 2 zum Ausdruck von Nichtigkeit, Wertlosigkeit, leerem Schein (bes. aus
christlich-moralischer Sicht) 2.1
‘nichtig, bedeutungslos’
2.2 von Personen und ihrem Verhalten ‘töricht, oberflächlich, unvernünftig’
2.3
‘unnütz, wirkungslos, vergeblich’
3 zum Ausdruck von Unvermischtheit und Ausschließlichkeit 3.1
‘pur, unvermischt’
3.2
‘ausschließlich, bloß, nichts (anderes) als’
1
‘leer; frei von/ ohne etw.’ (zum myst. Sprachgebrauch s.a. Hernández,
Eigentum, S. 118 u. 125)
1.1
allg.:
sac îtel oder vol SSp (W)
3:89;
swi dikch si gesehen het daz daz grap itel waz
PrOberalt
87,1;
die armen er gesattet hât, / îtal er die rîchen lât [
divites dimisit inanes Lc 1,53]
WvRh
3047;
do begriffen si in [der die Abgabe eintreiben
sollte] . vnd slvegen in vnd si verliezzen in eitel [
et dimiserunt vacuum Mc 12,3]
EvAug
107,16;
MarlbRh
76,13;
[die Ameisen] tragint daz chorn zeloche. bigaginent
in andere ameizen. sin nement in des chornes nieht. doch sí ital gen
JPhys
17,5;
Lilie
12,7.
– übertr.:
ein itele hoffenunge Elmend
A 350.
– subst.:
wer überge die masse [nicht Maß
hält] an der völle unnd an eitelm [
in pleno et in vacuo
] , an schlaffe und an wachen HvHürnh
27,11;
Eckh
5: 29,12.
5: 30,8;
Tauler
10,10.
305,23
1.2
mit Angabe dessen, was nicht vorhanden ist:
– mit Gen.d.S.:
daz er geriten quam dort her, / gewæfens îtel unde bar
KvWHvK
557;
sô müeste ich gar belîben / ir lônes îtel unde wan
KvWTroj
22179;
KvWTurn
787;
vil herzen [...] / die der
tuvel sinnes itel vant / und reiner andachte bloz HeslApk
13818;
sô heizet ez [
die hôhe vart
] ouch îtelkeit, wan ez machet dich îtel aller der guoten
gewizzene PrBerth
1:398,2;
Eckh
5: 32,10;
Tauler
179,6;
JPhys
18,11.
– mit Präp. ~
von etw.:
minnet di minne icht me wan got, daz si nicht minnit
durch got, so infullit got di minne nicht, mer si wirdit idel fon godis
gnade Parad
32,35;
ydel von warer bicht und von guten wercken Lanc III
174,1
1.3
in best. Kollokationen
1.3.1
in Verbindung mit (Teil-)Synonymen (s.a. Belege unter 1.2):
itel unt bloz FabelCorp
22,213;
das ellende ist noch ital und lidig, da ist nieman
inne, und ist als luter in sich selber Mechth
3: 1,63;
blôz, arm, niht-hân, îtel-sîn wandelt die natûre
Eckh
5: 29,11;
BdN
249,16
1.3.2
von Händen (s.a.
îtelhant
):
sine hende [sind] vil ytele der guͦten
werken PrLpz
88,21;
der vâlant / [...] gesach im îtel die hant /
und daz swert zebrochen Er
9271;
Exod
674.
– in der Wendung (mit) ~ hant:
unser deheiner sol mit itteler hant fuͤr
in [Gott] chomen PrOberalt
77,4.
77,20;
Spec
33,3.
33,5;
hiemite wurden si [Bittsteller]
vertriben / von im mit iteler hant Pass III
210,93
1.3.3
~
vaʒ (s.a. unter
2.3
):
swem gotes minne nie besaz / den sin noch daz gemüete, / der ist der
gnâde ein îtel vaz LobGesMar
4,11;
an tugenden bin [ich] ein
wiht / und vil gar ein itel vaz Vät
24673;
‘entlêhen ledigiu vaz’ [...] ‘îteler vaz
entlêhen’ Eckh
2:223,11.
5: 28,5.
– pejorativ eine Person bezeichnend (vgl.
biutelvaʒ
):
[Teufel klagen über einen Juden, der sich vor ihnen
bekreuzigt hat:] o we, o we, ein itel vaz / hat sich
geleit alhie und daz / ist versigelt unmaze wol Pass III
286,89
1.3.4
vom Herzen:
ein munt von rîchen worten vol, / dâ bî ein îtal herze, diu cleident
niht zesamne wol RvZw
117,5;
din rede ist torecht / und get von itels herzen guft Pass
III
182,38;
die minne machet ital herzen vol
Mechth
4: 19,17;
PsM
5,10.
–
vnser hus [bildl. für das herze
] sol nimmer itel werden vuͦnden PrLpz (L)
134,36
1.3.5
vom houbet:
das heubt begunde im ytel zu werden, beide von
gedencken und von ruwen [Trauer] und von dem das
er der spise nit nuͦczet Lanc
466,25;
da er diß getete, im wart das heubt so itel das er
in unmacht viel ebd.
468,30
1.4
im Sprichwort (zu TPMA 1,199ff. ‘Armut macht sorgenfrei’):
wan sprichit ain sprichwort in der scrift: ‘der ital úbir daz uelt gat,
der gat singinde.’ also tuͦt der willicliche arn
[arme] mensche. der gat vroͮliche vnde
vnvorhtliche, wan er het nivt ze uirlierne PrGeorg (Sch)
4,137
2
zum Ausdruck von Nichtigkeit, Wertlosigkeit, leerem Schein (bes. aus
christlich-moralischer Sicht)
2.1
‘nichtig, bedeutungslos’
latiches same gessen gipt guͦten slaf unde vertribet bose
troume unde itele Macer
14,6;
wie bekvmbert ich noch bin. mit italen irdenschen vnd zerganchlichen
dingen PrWack
91,167.
100,11;
daz andir gebot waz daz: den namen dynes gotis den saltu
nicht nennen czu keynen ytelen dyngen EvBerl
149,16;
wan er daz itil lob virsmehit Dalimil (B)
19,17;
Mechth
3: 14,6.
– oft in der Wendung
~ êre (vgl. Lexer 1,1461 îtel-êric):
rum daz iz itel ere Elmend
A 1183.
A 1193;
im [dem Hl. Nikolaus] was zu itel ere we
Pass III
8,62;
[die Brüder sollen] sich hvͤten for aller
hoͤfart. vnd for itel ere, hazze, gierigkait SpitEich
36,9;
Vät
19214
u.ö.;
Eckh
5: 213,3;
Mechth
7: 7,43
u.ö.;
HlReg
16,2;
personif.:
vrou Îtel Êre Widerstr
1317;
so kumet danne bruͦder itel spot · vnd bruͦder cluterere · vnd bruͦder
schimphelin [...] vnd bruͦder itel ere · vnd
machent ein schal da gotes ere clein an liget SelbhReg
438,55
(vgl. Glr. z. St.)
2.2
von Personen und ihrem Verhalten ‘töricht, oberflächlich, unvernünftig’
si bîchten nicht [in der Fastenzeit] und haben
nicht rûwe umme ire sunde und sint alsô îtel und alsô schalchaftic alsô bûzen
[außerhalb] der vasten HvFritzlHl
101,29;
nû hœret, [...] wie gar diu hôhvart einen wîsen
man zer werlte machte ze einem îteln tôren PrBerth
1:399,12;
Pass I/II (HSW)
885;
HeslApk
2902;
er wolde nimmer kumen dar, / swa man iteln schimft treib
Vät
273;
ruwet von der itelen tat! ebd.
3319.
4058
u.ö.
– subst.:
o we ich muz bekennen. / [...]
/ daz ich der iteln einer bin! Vät
151;
sie namen vlizeclichen war / waz ich in itels wolde
sagen ebd.
20983.
25266.
–
~ wort:
diekein ûbel rede [...] an
strîtworten oder îtelen worten [
rixis, vaniloquiis
] sal gên ûz dekeines brûderes munde StatDtOrd
48,37;
so ain brvder nach complet mit mvͤzigen und ietelen
worten crieget SpitEich
25,2.
25,5;
schimpf rede unde itele wort Pass I/II
(HSW)
14759.
23001;
Pass III
252,88;
Vät
21000
2.3
‘unnütz, wirkungslos, vergeblich’
si [Bewohner des
Himmelreichs] neruochent, waz der viant uzzerhalbe gechlaffet; /
[...] / si nerchoment vone sinem itelen dozze
Himmelr
3,24;
daz sie des chainen schaden schulen han vnd daz diu ansprache vͤppich
[rechtsunwirksam, überflüssig] ist vnd eitel
UrkCorp (WMU)
1452,25;
alle raitung [
omnes rationes
]
[...] sullen nicht sein vnd eitel, vnd zw triegnus mag
man versten daz sy sein geschehen StatTrient
190;
diz swert, ir gotisrittere wert, / vûrt recht als Saul
sîn swert, / daz nî îtel widirquam [
numquam revertatur inanis, vgl. II Sm 1,22] , / swâ
iz sînen swanc hin nam NvJer
2476;
mîn wort kummet nummer îtel heim [
non revertetur ad me vacuum Is 55,11]
HvFritzlHl
106,4;
was hilfet, das man ein ital vas vil bindet und das der
win doch us rinnet? Mechth
2: 23,9.
– subst.:
unnd wissest du fürbas das der erlich got nichttes
nichtt eitels gemachtt hat noch müessiges an den naturn
HvHürnh
26,2
3
zum Ausdruck von Unvermischtheit und Ausschließlichkeit
3.1
‘pur, unvermischt’
das waßer was so rot von yrm blut das es alles ein ytel
bluͦt scheyn Lanc
475,14;
Ottok
51423;
der [
bach
] was îtal oele gar / reine, lûter unde clâr WvRh
3648;
swymmit di birne [im Wein] , so
ist der wyn ytil [rein] vnde pur Pelzb
138,9;
wazzer mit wein oder mit ezzeich gemischt lescht den
durst mêr wan eitel wazzer BdN
353,9;
sîn houpt wolt ich dir widerwegen / mit liehtem îtelm vînem golt
HvBer
6994;
WüP
90,8.
92,6
3.2
‘ausschließlich, bloß, nichts (anderes) als’
der visch hât kainen man seins geslehtes oder seinr
nâtûr, ez sint eitel weip BdN
254,19;
sô einer wil wænen, er habe ein guot tuoch, sô hâst dû ez zerzogen, daz ez
deste langer sî, unde machest ein guot tuoch ze einem îteln hadern
[Lumpen]
PrBerth
1:146,24;
man lebet itels brotes nicht [
non in solo pane vivit homo Mt 4,4]
HeslApk
5980;
der frouwen aber er verbot, / daz si dekeine ganzen brot / gebe armen
luden me durch got, / wene idel stucke Elis
8036.
1753;
des banier was, als ich ez las, / halp pavamin geroͤtet,
/ dar uf was golt geloͤtet, / daz itel rubin habt WhvÖst
14631;
Vät
24535;
Kröllwitz
1175
MWB 3,1 17,48; Bearbeiter: Richter
îtelære
stM.
jmd., der sich mit nichtigen Dingen beschäftigt:
dise [
werltliche
] vrovde sule wir achten als ein vergyft.
[...] owe tenzere. owe tvrnierere. owe alle ytelere.
die gots gebot niht en halden PrLpz (L)
39,7
MWB 3,1 20,18; Bearbeiter: Richter
îtele
stF.
‘Leere, Nichtigkeit’, bei
PrWack
92,59
dem Begriff maht gegenübergestellt:
herre ich bitte dich durch die turri [Dürre,
Trockenheit] vnde durch die itale diner menscheit da dv herre
durch mich hatost verzert din heilges bluot vnde dine menschliche math
[l. maht
] als gar das dich dvrsti an deme criuce, das dvo ansehest die turri
vnde die itali mines herzen vnde miner sele, das dvo geruochest mir zesendenne din
senftes tov vnde dinen suizen regen [...] das dine wonunge
moge sin in miner sele PrWack
92,59 u. 62.
– hierher?:
e die natur eitel lid [duldet] , e
prech ain erein hafen von geprechen ains linsenkornes, ob der hafen als dike wer piz
an den himel KvMSph
12,25
MWB 3,1 20,23; Bearbeiter: Richter
îtelen, îteln
swV.
1
‘etw./sich leer machen’
2
‘leer werden’ (vgl.
îtel
1.3.5 )
1
‘etw./sich leer machen’
si ist ein vaz der volheit, / daz nimant itelet mit krugen Brun
4217;
also muͦs sich der mensche lossen vahen und italen
Tauler
306,2.
– mit Gen.d.S. ‘etw. frei von etw. machen’
[wichtig ist] daz ir úch italent und lidig machent
aller geschaffener dinge und uwer selbes Tauler
308,22;
daz der mensche sin selbes nút geitelt ist, so wenet
der besessene mensche dicke das es alles got si das in ime wúrket ebd.
307,21.
306,16.
– mit Ersparung des Akk.:
der heilig geist hat zwei werk in dem menschen. das ein
ist: er itelt. das ander: das er fúllet das ital als verre und als vil als er
ital vindet Tauler
305,22.
– Part.-Adj.:
[der unreine Geist spricht:] . ich cher wider in min
hus von dann ich vzgegangen bin. so chümet er vnd vindet ez geeitelte. mit pesem
gereiniget vnd geordent [
et veniens invenit vacantem scopis mundatam et ornatam Mt
12,44]
EvAug
27,21
2
‘leer werden’ (vgl.
îtel
1.3.5):
das heubt begund im iteln von wachen und von vasten
Lanc
596,31
MWB 3,1 20,37; Bearbeiter: Richter
îtelhant, îtelhende
Adv.
‘mit leeren Händen’
alsus fuor er îtelhant / von sîme friunt LBarl
5245;
wirn lâzens [die Boten] îtelhende /
niemer wider gekêren Tr
7126
MWB 3,1 20,58; Bearbeiter: Richter
îtelinc
stM.
in der Etymologie von lat. concha
‘Muschel’ und cochlea
‘Wasserschnecke’
concha oder coclea haizt ain snek und ist ze däutsch als vil
gesprochen als ain flächlink oder ain eitlink, wan sô der môn abnimt, sô werdent ir
schaln flach oder hol und eitel [
conchae et cochleae hac ex causa vocatae, quia deficiente luna cavantur, id
est evacuantur Isidor, Etym. 12,6,48
]
BdN
249,14
MWB 3,1 20,62; Bearbeiter: Richter
îtelkeit
stF.
s.a.
îtellîcheit
1
‘Leere, Leerheit’
2
‘Nichtigkeit’ , christl. wertend für Vergängliches, weltliche Freuden 3
‘Vergeblichkeit, Wirkungslosigkeit’
1
‘Leere, Leerheit’
singultus heyst der
gischen [Schluckauf] vnde kumt itwenne von ober
idelcheyt dez liuez [
lîbes
] itwenne van obrigher vulle des maghen OvBaierl
113,2;
möhte und künde der mensche einen becher zemâle îtel gemachen
und îtel behalten von allem dem, daz vüllen mac, ouch luftes, âne zwîvel der becher
verzige und vergæze aller sîner natûre, und îtelkeit trüege in ûf biz an den himel
Eckh
5: 30,7.
5: 32,8;
Tauler
305,24.
– jmdn. in ~ (ver-)lâʒen
‘leer ausgehen lassen’ zur Übers. von lat. dimittere inanem
(vgl. Lc 1,53. 20,10f.):
und di hungerigen hât her irfullit mit gûten und di rîchen gelâzin in
îtelkeit EvBeh
Lc 1,53;
EvAug
125,16;
do sazte er noch zv ainen andern chneht ze senden. aber
disn slvgen si avch also. vnd taten in hin mit smacheit vnd verliezen in in
eitelkeit ebd.
191,25.
191,23
2
‘Nichtigkeit’, christl. wertend für Vergängliches, weltliche Freuden:
es ist eitelchait aller eitelchait vnd alle ding sind eitelchait [
vanitas vanitatum omnia vanitas Ecl 1,2] . das ist: alle
ding sind zergënkchleich vnd vnstët SchlierbAT (LS)
1,141.
1,146;
VAlex
23;
vil gar virliezen sie do / unnutze wort und itelkeit
[belangloses, leeres Geschwätz]
Vät
2441
u.ö.;
di bat si ummer mere / mit druwelicher lere, / daz si nach ir bescheidenheit /
uf geben uppege idelkeit Elis
2028.
2038;
der [der beten will] sol den
rúggen haben gekert allen zitlichen und usserlichen dingen und
[...] von aller italkeit, es si kleider oder kleinoͤter
Tauler
154,30;
BrHoh
43;
Pass I/II (HSW)
18041;
Mechth
3: 21,59.
4: 18,45.
–
wërltliche/ der wërlde ~
:
die weltliche italkeit der herzen mit aller affechtiger
gelust an allem dem das creatúrlich ist Tauler
235,6;
Vät
41472;
prufet ouch sinen zuchtigin kuschin mut, daz her siner fridelin nicht
ensante sulch kleinote daz si zu wildekeit unde diser werlde itelkeit gereizen
mochte Köditz
27,18;
HvNstVis
275;
Vät
32802.
– Hinwendung zu Nichtigkeiten:
der geistlîche ernst gêt den mittern wec zwischen der îtelkeit unde der
ungeordenten trûrikeit unde haltet daz herze in andâht gên gote
DvASchr
319,10;
ob sî [angehende Ordensbrüder]
des niht entêten [das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser
lernen] unde daz durch ir îtelkeit versûmeten [
si vero addiscere neglexerint
] , sô sulen sie bûzen mit drîn tagen StatDtOrd
61,24;
Mechth
5: 19,5;
HlReg
15,1;
Tauler
221,35
3
‘Vergeblichkeit, Wirkungslosigkeit’
ditz volck eret mich mit den
lebsen [Lippen] . aber ir herze ist verre von mir. aber
in eitelckeit so übent [verehren] si mich [
in vanum autem me colunt Mc 7,7] si lerent lervnge vnd
gepote di menschen. wan si lazzent di gepot gotes. vnd haltent di gesetzvnge der
menschen EvAug
93,11
MWB 3,1 21,6; Bearbeiter: Richter
îtellich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lichen.
‘nichtig’
1
‘bedeutungslos, vergänglich’ (nicht an christlichen Werten ausgerichtet) 2
‘vergeblich, wirkungslos’
1
‘bedeutungslos, vergänglich’ (nicht an christlichen Werten
ausgerichtet):
an die gotes ere / hiez er mit steter liebe in varn / und
vlizeclichen sich bewarn / vor itelichen eren Vät
5687;
TvKulm
4079;
in rechter eynvalt innenclich, / mit demut und nicht ytelich
Hiob
5012;
di bosen, unholden / [...]
itellichen als der wint / gar sichtelich sich ab strichen / und von gote hin dan
wichen ebd.
12946;
Mechth
6: 12,13;
Pass I/II (HSW)
14794.
–
‘leichtfertig’
ob er von uns hat vernumen / ein gebot daz itelich
entgat, / daz heltet sines herzen rat / volkumelich vor ein gebot, / als ob ez
in selbe hieze got Vät
2821;
daz imant gotis namen unnutzlichen adir itellichen in sinen munt neme adir
keine snode wort spreche Köditz
20,14.
–
~
wort:
der meister sine wort entpfie / als vur iteliche wort, / swaz er der hete
alda gehort Pass I/II (HSW)
5111;
schimpf und iteliche wort Pass III
7,45;
unnutz unde iteliche wort Vät
25245
2
‘vergeblich, wirkungslos’
ein kung ane kungrich / der hat den namen itelich PfzdHech
351,17;
in deme ist godis gnade itilliche di icht me bekennit oder minnit dan got, daz
he nicht bekennit oder minnit durch got Parad
32,38;
und îtelîchen ûbin [verehren] si mich [
in vanum autem me colunt
] lêrinde di lêre und gebîtende di gebot der lûte EvBeh
Mc 7,7
MWB 3,1 21,61; Bearbeiter: Richter
îtellîcheit
stF.
‘Nichtigkeit’, christl. wertend für vergängliche Dinge, weltliche Freuden und
die Hinwendung zu diesen (s.a.
îtelkeit
):
‘vanitatum vanitas / et omnia vanitas.’ / daz quît: iz ist
alliz ein îtelicheit, / daz di sunne umbegeit SAlex
25;
die vogele bezeichen die hohmutigen die da vliegen mit den vluͦgelen des
ruͦmes vnd der ytelicheit PrLpz (L)
56,34;
wane ir sit irlost von gotis genaden. so sult ir im singen nvͦwen sang
[...] iz ist ein vngelich sang den man singit zv tanze
durch itelicheit ebd.
135,7
MWB 3,1 22,25; Bearbeiter: Richter
îtelmachærinne, -mecherinne
stF.
Frau, die Männer verführt:
îtelmecherinne [...] machent manigez îtel aller der
liebe, die ez ze gote unde ze sîner sêle haben solte PrBerth
1:337,22;
daz sint meide îtelmecherinne, die sich pflanzent [schön
machen] alle zît, wie sie einen dar zuo bringen, daz er aller
sîner sinne nâch ir vergezze, unde machent es [...] mit
rede, mit gebærde, mit gewande, mit tanzen unde mit sô getâner îtelkeit ebd.
1:337,25.
1:176,10
u.ö.
MWB 3,1 22,36; Bearbeiter: Richter
îtelschaft
stF.
‘Nichtiges, Nichtigkeit’
der welte gnâde ist trügenhaft, / ir schœne zierde ein îtelschaft, / ir
vinster lieht nicht liuhtet Tougenhort
678
MWB 3,1 22,46; Bearbeiter: Richter
îtelsîn
stN. (?)
→
îtel
Adj. 1.3.1
MWB 3,1 22,50;
îtelunge
stF.
‘Nichtiges, Nichtigkeit’
wan Job sine hoffenunge / nicht wante zu der ytelunge / noch
zu werltlichem gelucke Hiob
7606
MWB 3,1 22,51; Bearbeiter: Richter
iteniuwe
Adj.
‘wieder neu, ganz neu’
nu sult ir horen sunderbar / itniweu mære Rab
522,5;
an dem vierden morgen ze hove si dô riten. / iteniuwiu kleider, ze wunsche wol
gesniten, / truogen an die geste Kudr
430,2;
ein iteniuwez herzenleit Neidh
WL 32:5,12;
ietweder lant verdarp / von der itniwen hêrschaft
Ottok
12013;
Mai
176,6;
TrudHL
90,3.
– subst.:
du mowis mich allen disen tac / mit itenuwim mere / dan du ie
getatis herre Roth
2135.
–
‘immer neu’
er kunde geben guote ræte, / er was bescheiden unde stæte, / an rehten dingen
iteniuwe, / er was gescheffec unde getriuwe LvRegFr
3196;
swenne under vriunden geschiht / dekeiner slahte zornelîn, /
sô ist triuwe ie dâ diu süenærîn, / vrisch und iteniuwe Tr
13071.
–
‘wechselhaft, unbeständig’
sîn zuht diu was manicvalt, / er was stæte, er was getriu, / den vriunden
sleht [schlicht, aufrichtig] , niht iteniu
UvLFrd
9,2;
zwiu welt ir, daz siz tæte [dass Frau Minne das tun
sollte] , / daz si Tristanden nôte / zweier hande ŷsôte? / ez
schuof ir untriuwe; / si ist gerne iht niuwe [La. iteniwe
]
UvTürhTr
242
MWB 3,1 22,54; Bearbeiter: Richter
iteniuwe
stF.
‘Unbeständigkeit’
sust kan ez [
spil
] alle untugent suchen, / saumen und stete iteneuwe, / argwan und
afterreuwe Jüngl
327
MWB 3,1 23,12; Bearbeiter: Richter |