d – dalmut dam – dancsagen dancwillen – dannen von dannen vür – dæren dâ(r)/ da(r) enbinnen – dâ(r)/ da(r) obe darre – dast dâte – deckeschûr deckevël – dëhsen dëhsîsen – denclîche dencliute – derpkuoche derpteic – diadrogant dîâken – diehter diehterîde – dienestbære dienestbærecheit – dienestman|erbe dienestmanguot – 2diep diep- – diernkint diernlach – dilde dille – dincphliht dincphlihte – dingelîn, dingel 1dingen – dirhalp dirre – distelîn distelsâme – diupe (?) diupguot, diubsguot (?) – dôfheit dôgen, dougen – donerec donergebirge – dorferlêhen dorfgebûwære – dorfschaft dorfsmit – dorneht dorneht – dörperdiet dörperecheit – dôʒen drabeknëht – drangen drangest – drî drîancasîne – drîgesæʒe drîgevar – dringen drî|nisse – drittelhof drittestunt – drîzëhen drîzëhenære – druc drûch – drüʒʒelstôʒ du, dû – dumme dumpfe – duns dünsel – durchbittern durchbitzen – durchdœnen durchdrengen – durchgerne durchgesiht – durchgründen durchgrunthaftec – durchkifen durchkiusche – durchlësen durchlestern – durchlûʒen durchmâlen – 1durchrecken 2durchrecken – durchsaffen durchsagen – durchschrecken durchschrenzen – durchslac durchslahen – durchsprëchen durchspreiten – durchswingen durchtân – durchverwen durchvieren, durchwieren – durchvrô durchvrœnen – durchweichen durchweidec – durchziln durchzimbern – dûrliche durlinc – durstebërnde durstec – düʒʒec
|
dürftecheit
stF.
1
‘Notwendigkeit, Bedarf’
2
‘Bedürftigkeit, Armut’
1
‘Notwendigkeit, Bedarf’
si [die Räte] suͦln auch
[...] allem chauffe [...] also
auflegen, daz dem chauffær vnd dem verchauffer nach der gestalt
[Gegebenheit] der zeit vnd auch der
duͦrftichait werde behalten UrkCorp (WMU)
2345,6
2
‘Bedürftigkeit, Armut’
er vorht, es wær den frowen leit, / ob er ersæche ir dürfticheit
PleierGar
6600;
daz sie den zu gote bekanten / der
[...] eben teil ir durft enpfienc
[...] den sie san glich in hie queln / an alle der
durftikeit / die diz vellige vleische treit HeslApk
11311
MWB 1 1454,35; Bearbeiterin: Baumgarte
dürfteclich
Adj., Adv.
adv. -lichen.
‘bedürftig, armselig’
sô hât got aber eime gegeben / sô durfticlîchez leben, / daz er der werlt niht
ahtet, / nâch nihte er mêr trahtet / wan nâch dem himelrîche EbvErf
4664;
des scheltens des in der man tete / umbe sîn dürfticlîche bete, / des
ervolleten ir diu ougen Greg
2840.
–
er [Antiochus (II Mcc 9)] umme buze spete warb /
und gar durfteclichen starb HistAE
5320;
er sal her gan / unde diz gut armen luten geben, / die man durfticlichen siht
leben Vät
18752
MWB 1 1454,46; Bearbeiterin: Baumgarte
dürftege
swM.
md. auch durchtige (
Elmend
B 385.
B 400
).
‘Bedürftiger, Bettler’
dô was ein dürftege durch sîn nôt / gedrungen zuo der künegîn GFrau
2672;
wir lesen an den boͮchen, daz min trohtin uil dicche
in eines durftigen wîse den lûten erscinen ist Spec
116,14;
swer des spitals schaffer ist, der sol den duͤrftigen in demselben
spital alle iar davon geben ein mal UrkWSchott
223
(a. 1340);
StatDtOrd
90,30;
StrKD
6,315;
RvEBarl
14462;
Greg
3419
u.ö.
–
‘Bittsteller’
hie vor was ich dîn herre / und bin dîn dürftige nû AHeinr
429.
–
‘Leidender, Bedauernswerter’
die durftigen, die armen [die er im Fegefeuer leiden
sieht] / begonden in erbarmen Pass III
238,39
MWB 1 1454,57; Bearbeiterin: Baumgarte
dürfteginne
stF.
‘Bedürftige, Bettlerin’
ih pin ein lamiu durftigîn. / gebuozest dû mir dehaine mîn
nôt, / daz vergiltet dir der gewaltige got Kchr
2652;
lât daz bedenkin ûwerin mût, / daz ich mir durftiginnin / nicht andirs kan
gewinnin, / dâmitte ich irner den lîb NvJer
9399;
Er
694;
Iw
6403
MWB 1 1455,7; Bearbeiterin: Baumgarte
durftlôs
Adj.
‘ohne Mangel, ohne Bedürfnisse’
diu einekeit, diu in in beiden ist, diu ist durftlôs, si ist âne durft der
redelicheit, wand si bestêt âne rede einlich in einekeit Überschall(Pf)
518,9;
plozheit ist von adel, frei, / ir ist nimant dan ir selber pei, /
[...]. / der ploz ist durftloz genant Eckh (J)
53,28;
Überschall
18
MWB 1 1455,13; Bearbeiterin: Baumgarte
dürkel
Adj.
‘durchlöchert, durchbohrt’ (oft in Kampfszenen):
von den tiuschen gesten wart dürkel manic schildes rant
NibB
1354,4;
Rennew
14084;
so ist dy kyels want / an maniger stat durchl prant Hawich
1824;
dürkel wart dô der heiden schar Wh
22,1.
–
swer oben wol gebuwet hat / und unden uf losem grunde stat / und sinen rat /
an einen lat, / der sus mit dürkel umme gat, / daz ist nicht wises mannes tat
Frl
5:99,17.
– in Vergleichen:
si sint als ein durcheler sac /
[...], / dâ man oben în schiubet / unt ez niden ûz stiubet
Priesterl
742;
Cranc
Agg 1,6
(vgl. TPMA 9,406);
der schilt dürkel als ein siep Parz
599,4;
des triuwe was dürkel als ein sip Renner
20654;
dürkel als ein zûn Parz
178,4.
– sprichw. (vgl. TPMA 11,132):
den stein der trophe dürkel macht / dicke vallent, nicht mit kraft
WälGa
1921.
– übertr.:
mit dürkelen riuwen / hânt se alle ir sælekeit verlorn
Parz
404,14;
Wig
7741;
JTit
5729,3;
er liez niht dar durch wischen
hin [entschlüpfen] / an durkeler virgezzenheit / swaz
im gutes wart geseit Vät
487;
denke an den milten Salatîn: / der jach, daz küniges hende dürkel
[durchlässig für Gaben] solten sîn Walth
19,24;
und hab undanch der
durhel [gierig] slunt / der mit dem grozzen gut umb
gie Teichn
453,22
MWB 1 1455,20; Bearbeiter: Diehl
dürkelbære
Adj.
‘löchrig’
diu schar [...] von im vil dürkelbære / worden wære
JTit
5007,2
MWB 1 1455,46; Bearbeiter: Diehl
dürkeln
swV.
‘etw. dürkel, löchrig machen’
sy durchelent harnasch und platten, / ir pfeil kunnen schir
watten / durch das flaisch HvNstAp
3004;
kumt er mir ze râme, ich dürkel im die hirenschal Neidh
WL 32:6,14.
– refl. ‘löchrig werden’, übertr.:
ir tuot der freude alsolhen zuc, / daz sich dürkelt freuden
stat Parz
533,3;
swa sich triwe niht durkelt, da gesiget unkraft ungeweinet JTit
5401,4;
– sprichw. (vgl. TPMA 11,132):
stæte dvrchelt herten mut, / als daz wazer den stein tvt Bîspel(G)
248,19.
248,8;
vnd er [der Tropfen] doch duͤrkelt den stein
ErzIII
112,8 App.
MWB 1 1455,48; Bearbeiter: Diehl
dürkelwunde (?)
swF.
‘Wunde mit Ein- und Austritt’ oder Verbindung mit attr.
dürkel:
swer den andern wunt durchels wunden, der pezzer dem richter daz mit einem
pfunt pfenning StRBurgh
179
MWB 1 1455,60; Bearbeiter: Diehl
dûrliche
Adv.
→
tûrlîche
MWB 1 1456,1;
durlinc
stM.
‘Drossel’
turdus: durlinc VocBV8
3:26,38
MWB 1 1456,2; Bearbeiter: Diehl
durnehte
Adj., Adv.
auch durchn-, durnaht, turnot (vgl. AWB
2,788ff.).
‘vollkommen, untadelig’
also tuͦt der menniske der guͦt ist. unt
durnohte JPhys
9,12;
allen den, [...], zimet ebenlich ze
habenne rehten geloͮben, [...], durnahte minne,
deumoͮtigez herze Spec
146,1;
[er] was durch nechte / bit zuchten Roth
4369;
diu durnehte künigîn Tr
10231;
ain turnöter man HvNstAp
8907;
daz diz stæte belibe, des geben wir an dise schrift zewiger gihvgide, zi
gwærim vrkvnde, cze dvrnoͤter warhæit vnseriv insigel UrkCorp (WMU)
17,20;
PrNvStr
321,13;
der almehtigeste got ih bin. / wis
durnehte [beständig] und stete an mir
RvEWchr
4580.
– adv.:
juncher gût, / [...] / durchnecht
[ehrlich] sag mir daz / waz man cehove red von mir
GvJudenb
5274
MWB 1 1456,4; Bearbeiter: Diehl
durnehte
stF.
auch durchn-, durnahte.
‘Vollkommenheit, Unerschütterlichkeit’
daz sin dev drev geslahte / dev gestent mit durnahte
VMos
15,2;
diu want was wîz, eben unde sleht; / daz ist der durnehte
reht: / der wîze und ir einbære schîn / dern sol niht missemâlet sîn
Tr
16964;
Albert
1377.
–
‘Wahrheit’
erst allen herzen bereit, / ze durnehte und ze trügeheit
Tr
15742;
mit sime lobe mag ich wol mit rechter durnecht beide schallen unde guften
Meissner
17:11,7;
ich sag iv die dvrnaht / svnder lang gebraht, / langiv rede wehe / ist aller
der welt smähe MinneR 301
184;
daz diu miete und diu gâb / manigen leitet ab / von durnaht
und von reht Ottok
74673;
die durchnehte und die sliht ebd.
80646
u.ö.
–
‘Verantwortung, Verpflichtung’
jst aber, daz ich im des nicht erzaige, als ich sol vnd miner durnæchte vnd
beschaidenhait wol anstet UrkCorp (WMU)
2223,6;
wer aber der fvͤnft [Schiedsmann] vzzerhalb
lantes [...], so svͤln di viͤr avf ir triwe
vnd avf ir dvrnæht einen andern ze dem fvmften nemen UrkWittelsb
2,150
(a. 1308)
MWB 1 1456,20; Bearbeiter: Diehl
durnehtec
Adj.
auch durchn-, durnahtec, turnochtec (vgl. AWB
2,791).
‘vollkommen, wahrhaftig’
perfectus: turnochtiger SummHeinr
2:426,01.74;
daz dú dúrhnahtig scált sîn in dén drín túgeden
Will
62,9;
vnde svlt hivte komen engegen vnserm herren mit dvrnæhtiger
bekerde Spec
48,5;
PrOberalt
51,22;
das vnser vrowen heiliger lip chvͤische vnd reine vnd
duͤrnehtic was Konr
18,28;
durnehtic was er unde ganz / an lîbe und an gesuntheit KvWSilv
492;
die starker an dem gelouben hie / waren und ouch durch
nechtiger HeslApk
22197;
in dem durnehtigen und gantzen gelaͮben blibet man bi got
BdVollk
227,8;
[dass sie] niht woͤllent stetegen der vorgenanten
koͣuf mit aller durnehtigen stetegunge, als sie ze rehte schuldig sint zu
tvͦnne UrkCorp (WMU)
124,15
MWB 1 1456,41; Bearbeiter: Diehl
durnehtecheit
stF.
auch durchn-, durnahtecheit.
‘Vollkommenheit’
si gernt der durnahticheite / ze der drivalten gotheite
Vateruns
233;
untz daz si die hiligen durnæchticheit und die hilig minne
gewinnent PrOberalt
4,40
u.ö.
–
‘Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit’
den ich iemer gerne bin / mit triuwen und mit durnehtekeit /
an allem dienste bereit Tr
5757;
die kriege ze verrihten, / vereben und verslihten / mit der
durnehtikeit Ottok
35694.
12957;
mit trewen vnd mit rechter turnächtichait vnd nicht mit falschait
Schachzb
74,27
MWB 1 1456,57; Bearbeiter: Diehl
durnehteclich
Adj., Adv.
auch durchn-, durnaht-, ebenso
-lichen.
‘vollkommen’
biêht iwerre sunti mit durnahticlicher becherde
Spec
43,24;
alsus sô lêret minne / durnehteclîche sinne / ze valsche sîn
vervlizzen [bedacht zu sein]
Tr
12448;
ir herzekunde in ie gewern / durnehtechlicher triuwe KvWTroj
28625.
– adv. ‘vollständig, ganz und gar’
nu bitet hiute uil dvrnahteclichen die uil heiligen gotes
gemahelen Spec
129,11;
den heyden die voͤllichlichen und durnæchtichlichen
gelaubent an den almæchtigen got PrOberalt
36,18;
daz ich [...] ovf die vorgenanten hofstat
dvrnæhticklichen verzihe UrkCorp (WMU)
3330,36;
vnd daz auch ieder herre den selben sin hulde gæntzlichen vnd durnæhtichlichen
sol gebn ebd.
935,45;
daz hûs datz Stætenecke wære / durnehticlich und sleht / mit
bezzerem reht / dem landesherren undertân Ottok
27340;
het wirz niht getân / durchnehticlich durch got ebd.
45871
MWB 1 1457,4; Bearbeiter: Diehl
durnehtege
stF.
‘Vollkommenheit’ (übers. lat. perfectio):
vnde der denne zir dvrnehtigi íllit. der sol bihaltin die
lére dir heiligon vatron. wand der bihaltnischi vuͦrit din menschin zi der
hoͥhi dir dvrnehtigi BrEng
73
MWB 1 1457,23; Bearbeiter: Diehl
durnehtegen
swV.
‘sich vervollkommnen’
alliu gotes wîsheit, / diu under die liute ist gepreit, /
[...] / dar zuo schul wir durnehtigen / und scholten dâ
vil von wenden / an die er daz geruochet senden MargAntiochVI
40
MWB 1 1457,28; Bearbeiter: Diehl
durnehtîn
stF.
‘Vollkommenheit’ (zum Ansatz vgl. Hamm, Lucid. S. 339):
daz hubelin, daz der bischof vffe treit, daz betútet die
durnehtin aller tugenden Lucid
91,1
MWB 1 1457,33; Bearbeiter: Diehl
durnehtlîche
Adv.
auch durchn-, durnaht-, ebenso
-lichen.
‘vollkommen, gänzlich’
da sich ein suntare durnahtlichen becheret
Spec
111,14;
got erhorte ie di rechtin, / di an in geloubint / unt im
durhnachtlichen getriwent Rol
8568;
vnd han den selben hof minen herren [...] ovf geben
durnæhtlichen, als ain man sin reht lehen [...] ovf geben
sol UrkCorp (WMU)
2365,15
u.ö.;
vnde solm [...] eim ielichin ein
bvͦch gen daz si von dien heiligen scripften. vnde svn dv daran
dvrnehtlich [
per ordinem ex integro
]
lesin BrEng
48
MWB 1 1457,37; Bearbeiter: Diehl
durnehtunge
stF.
‘Vollkommenheit’
daz der mentsch alweg strite also daz er alweg gesige an dem túfel
[...] und daz er allweg under gelige an der
durnaͤhtung der mentschen PrGeorg
15,2
MWB 1 1457,48; Bearbeiter: Diehl
durnekrône
stF.
→
dornenkrône
MWB 1 1457,52;
dürnen
swV.
auch dornen.
‘etw. mit Dornen bestecken, versehen’
so hat dis man sinin garthin / harthe uuol gidornit WildM
3,245;
din houbet wart durch mich gedurnet JTit
5186,4.
– refl.:
sin lip der was beduͤrnet /
[...] / ez [das Untier
Fortaspinaht] trait ain hut so fraislich, / so hert und so spitzic,
/ [...] / doch tuͦt ez nieman kain lait, / ez werde
denne erzuͤrnet. / zehant ez sich denne durnet [sträubt sich
stachelig auf] / mit dem daz an im worden ist
WhvÖst
11962
MWB 1 1457,53; Bearbeiter: Diehl
dürnîn
Adj.
auch dornîn.
‘dornig, aus Dornen oder dornigem Material’
mit durninen besemen sluogen sie den gotesun
AvaLJ
140,6;
do die nuzze herte / wuchsen ovf dem dornein zweie
Wernh
A 3861.
– meist im Hinblick auf die Dornenkrone Christi:
dîe dúrnînon corônon dîe trûog ér gérno Will
53,11;
der den dürnînen kranz / ame kriuze ûf hete Wh
357,28;
und dar nâch sî nâmen / dorne und wunden die ze samen, / dâ von sî im ein
dürnîn krône / sazten ûf sîn houbet vrône Philipp
7220;
Mechth
7:1,85
MWB 1 1457,63; Bearbeiter: Diehl
dürre
Adj., Adv.
1
‘trocken’
1.1
‘trocken’ im Ggs. zu ‘feucht’
1.2
‘getrocknet’ im Ggs. zu ‘frisch’
( grüene, vrisch ) 1.3
‘vertrocknet, tot’
1.4 feste Bilder, Phrasen und Topoi 1.4.1
~ backen (?) 1.4.2
~ mûre
‘Mauer ohne Mörtel, Trockenmauer’
1.4.3 die verwitwete Taube auf dem dürren Ast (s.a. ast ) 1.4.4 Wenn dies dem grünen Baum (dem Gerechten) geschieht, was wird dem vertrockneten geschehen? (vgl. TPMA 5,235); hier nur Übers. von Lc 23,31 1.4.5 in sprichw. Verwendung 2
‘dünn, mager’
1
‘trocken’
1.1
‘trocken’ im Ggs. zu ‘feucht’
– neutral:
bi dem dritten tag, do geschvf got daz dvͤrre
ertrich vnd sampt daz wazzer an ein stat PrBerthKl
1,38;
diu erde ist von ir nature durre unde kalt
MNat
1,17;
man schol si an ainer stat behalten, diu niht gar
dürr sei noch gar fäuht BdN
367,32.
– negativ, mit der Konnotation des Unfruchtbaren:
herre, min irdensch wesen stat vor minen oͮgen
gelich einem dúrren akker, da wenig guͦtes uffe ist gewahsen
Mechth
4: 5,10.
– übertr.:
van dines herzen güldnem vazze, / dat uns dürre herz
ouch iͤtswat nazze! / schenk uns, vrow, diner vröuden win
MarlbRh
44,12;
Litan
165
1.2
‘getrocknet’ im Ggs. zu ‘frisch’
(grüene, vrisch):
diu rôs paideu dürr und grüen ist guot zuo erznei
BdN
344,16;
sie hâten wîn unde brôt, / fleisch unde vische, / dürre unde frische
StrDan
3904;
umb allen fleischkauf beide gruͤn und durre
[...], des sullen warten die zwene schultheizzen
WüP
24,2;
UrkCorp (WMU)
1653,47
1.3
‘vertrocknet, tot’
des anderen tages in morgen /
[...] di einleue [elf
(Stecken)] durre waren / saffes si ne phlagen / div zvelfte
div Aarones was / di sach man grune sam ein gras VMos
80,7.
– übertr.:
swer so gelouben nine hat, / der ist durre unde tot
HimmlJer
159.
– hierher oder ‘mager, fleischlos’? (s.u.
2):
sam mag diz durre gebaine / ûf dirre erde / niemer
lebendich werden Kchr
10200
1.4
feste Bilder, Phrasen und Topoi
1.4.1
~ backen (?):
die [Milchbrote] sullen alle
glich ein gewihte haben und sullen zuͦ rehte und durre gebacken sin
WüP
89,7
1.4.2
~ mûre
‘Mauer ohne Mörtel, Trockenmauer’
der durren muren [interl. zu
maceriae
]
PsTr
61,3;
SummHeinr
1:351,62
1.4.3
die verwitwete Taube auf dem dürren Ast (s.a. ast):
daz si [die Taube] ir kain
ander liep nimt wenn er gestirbt. und wenn si witib ist, sô fleugt si neur
auf die dürren est der paum und waint und ist traurig und singt niht
BdN
225,23;
der reinen turteltûben art / tet er offenlîche schîn,
/ wande er nâch dem liebe sîn / vermeit der grüenen fröuden zwî / und wonte
stæteclîche bî / der dürren sorgen aste KvWHerzm
253;
Brun
5296;
Parz
57,10
1.4.4
Wenn dies dem grünen Baum (dem Gerechten) geschieht, was wird dem
vertrockneten geschehen? (vgl. TPMA 5,235); hier nur Übers. von Lc
23,31:
dunt grunem holtze sie diz an, / wie sol dem durren ez ergan?
EvStPaul
10440;
EvPass
243,10;
EvAug
203,24
1.4.5
in sprichw. Verwendung:
‘dürrez zwî treit dürrer stam’: / daz wîse wort ist niht
gelogen Renner
12542
(vgl. TPMA 11,105);
wer gesach ie obez ûf dürrem boume? ebd.
6436
(vgl. TPMA 1,390);
ein dürre schal dik in ir treit / ein kernen grôzer süezekeit
Boner
Epilog,15
(vgl. TPMA 10,16);
dürrez holtz macht rost [Feuer]
Krone
7311
(vgl. TPMA 6,167);
der mentsche in dieser welt ist gegeben / dem dode
als gras in der wiesen eben / der senssen wann is hauwe ist, / das hude
gruͤne und morne durre ist Pilgerf
13804
(vgl. TPMA 5,216)
2
‘dünn, mager’
er sî junc oder alt, / dürr oder veist genuoc
EnikWchr
95;
daz antlütze dürre und vlach Iw
449;
ez [das Pferd] was erwünschet alsô: /
[...] / weder ze grôz noch ze kranc. / sîn dürre
[schmal] houbet ez truoc / nâch sînem rehte hôch
genuoc Er
7344;
und sint zu durre die rippe, / do ist die kranckeit sippe
Physiogn
341.
– adv. ‘kärglich’
dabi gedenchin wir des ouh / wie kúrbiz,
[...] / knoblouh, zibel, krútir vil / úns
irvrischsten ellú zil. / nu lebin wir dúrre als wir sin tot: / wir sehin niht
wand himil brot! RvEWchr
13346;
darumb lossent uns lieber hochgezitlichen tuͦn denne dúrre und mit
swerheit Tauler
59,12.
– subst.:
der arme dürre GFrau
2838
MWB 1 1458,10; Bearbeiterin: Baumgarte |