dienestbærecheit
stF.
1
‘Dienstbereitschaft’
2
‘Abhängigkeit’
1
‘Dienstbereitschaft’
daz in [den Amtleuten] gepoten wirt, mit ganczer
andacht und untertanichait und dinstperchait [...] jere
ampt treulich zu folfuren StatTrient
114;
in den kuͦmenden ist ein vormezzinheit des vrevelis, abir in den
gesanten ist ein dînst der dînstbêrikeit [vgl. Io 4,34 u.
10,8]
EvBeh
5
2
‘Abhängigkeit’
dann solte sij an allen enden dienerynne han, / das qweme ir zu uneren und
grosser dinstberkeit / me dan zu frijheit odir zu ir wirdickeit Pilgerf
1774
MWB 1 1281,61; Bearbeiter: Diehl
dienestbærelîche
Adv.
‘dienstbereit, hilfreich’
stille stuͦnt der Jordan, / [...] / und
umbegab den werden Crist / dienstberlich inder frist WernhMl
6768
MWB 1 1282,7; Bearbeiter: Diehl
dienestbietære
stM.
‘jmd., der seinen dienest anbietet’
ein ieslîch wîp enpfienge haz / von ir dienstbietære, / op dir ungelônet wære
Parz
767,27
MWB 1 1282,10; Bearbeiter: Diehl
dienestbote
swM.
‘Diener’ (in untergeordneter Funktion):
dy warin dine cremer, si brachten dinem volke dinstbotin
[
mancipia
]
Cranc
Ez 27,14;
stirbet ouch der gemîtter [gemieteter] dînstbot, ê
er sîn lôn vordînt StRZwick
116;
[wer] dowider tete vnd begriffen wurde von irn
dienstboten [Polizeidienern]
DRW
2,884
(Prag/CJMunBohem.; a. 1347);
vort so en sal man gheine deinstboden
[Handwerksgesellen] die bruderschaff leynen, he en
have geseissen up sijne eygene koist druͦ jair UrkKöln(St)
1:71,23
(a. 1355)
MWB 1 1282,13; Bearbeiter: Diehl
dienestdanc
stM.
‘Dank für geleisteten dienest’
dô des ûzern hers gast / innen wart daz im gebrast / dienstdankes von dem
meister sîn Parz
388,13
MWB 1 1282,24; Bearbeiter: Diehl
dienestgëlt
stN.
‘Lohn für geleisteten dienest’
och wil diu edele fürstîn / sô verre ziwerm gebote sîn / daz ir diu niemen
dienen lât, / swie vil si dienstgeltes hât Parz
327,4
MWB 1 1282,27; Bearbeiter: Diehl
dienestgesinde
stN.
‘Dienstboten’
dasz sye uns dester paß mit unseren dienstgesinde nutzen
2DWB
6:1004,71
(a. 1346)
MWB 1 1282,31; Bearbeiter: Diehl
dienestguot
stN.
‘gegen dienest verliehenes Land’
dienstlude, die wanent uf deme guͦde der voigdie, van deme
dienstguͦde sint si sculdich zuͦ diene dem apte UrkMoselQ
97,25
(a. 1291).
97,17;
were ader der anfall [das Erbe] dinstgut, das
sullen sie vorkouffen UrkPreuss
3,87
(a. 1349 kopial);
DRW
2,895
(ArchSchweizG.; a. 1344)
MWB 1 1282,34; Bearbeiter: Diehl
dienesthaft
Adj.
‘jmdm. zu dienest verpflichtet, untertan’ (oft
präd.):
daz ich im an allen dingen getrewe vnd diensthaft si vnd vndertenich sei als
ein man sinem rehten herren UrkCorp (WMU)
2125,23.
3424AB,32;
die vierd chraft ist an der ee, daz si an ein ander diensthaft suͤllen
sein, vnd ir ainez dem andern helffen mit allen dingen RechtssA
E1,33;
es ist schamliche dat / das der tugenthaffte man / so gar
soll wesen undertan / mit diensthafften sachen: / wir sullen in ledig machen
HvNstAp
9769;
KvWHvK
415;
AvaLJ
15,2;
[der,] dem winde, mer und elliu craft / bibenende sint
dienesthaft Tr
2410;
Wernh
D 2073;
got der würket die geburt aleine, mêr: die engel hânt ein diensthaft
[dienendes] werk hie zuo. allez, daz dar zuo würket,
daz ist ein diensthaft werk Eckh
2:236,5.
– hierher wohl auch (Verschreibung?):
[das Gut] ist ir erbe worden vnd des riches eygen, vnd
dinstschaft von allererst dem keiser KlKsr
2,119.
–
‘dienstbereit’
ein zwelf jâr alter jungelinc / stille, zühtic, dienesthaft RvZw
200,2;
si in fürbaz wæren / wider al meniclich / diensthaft unde helfelich
Ottok
35139.
– in der Wendung
~ muot:
mich dunket guot / daz ir vil dienesthaften muot / traget
iuwerm gaste Iw
4768.
7468
MWB 1 1282,41; Bearbeiter: Diehl
dienesthaftec
Adj.
‘jmdm. zu dienest verpflichtet’
[diejenigen, die] hetten gud liegen in dem Rinkgauw vnd
nit da inwonten, das dinsthafftig gud wer, das sol vnserm hern dienen als
dinsthafftig gut nach der satzung WeistGr
4,575
(a. 1324);
niman lute noch gut sal zwifeltig dinsthaftig machen KlKsr
2,119.
–
‘dienstbereit’
also vil als wir kúsch sin mit aller luterkeit,
diemuͤtig mit aller undertenikeit, diensthaftig mit aller helikeit,
unschuldig von aller bosheit Mechth
6: 32,13;
dâ got geborn sal werden in der sêle, dô muz her ime di stat selber bereiten,
und di krêatûre hât wol ein diensthaftig werg dâ zu HvFritzlHl
17,18
MWB 1 1283,1; Bearbeiter: Diehl
dienesthafteclich
Adj.
‘dienstbereit’
dv solt dinen fliz darwert kerin, daz immer dine wort an dime grvze svze sin
[...] vnde din dvn tienestheftekliche SalHaus
46,1
MWB 1 1283,14; Bearbeiter: Diehl
dienesthërre
swM.
‘Ministeriale, Dienstmann von höherer gesellschaftl. Stellung’
(vgl. DRW 2,897):
diu milte wirdet künigen leben, / herzogen, grâven, vrîen und
dienestherren SM:JvR
1: 14,8;
her Otte vnd her Reimprecht [von Liechtenvels] , di
dinstherren sint in Osteriche UrkCorp (WMU)
3150,6;
die dienstherrn und andere herren und ritter und chnappen StiftStBernh
161
(a. 1312);
Mechth
4:14,44
MWB 1 1283,18; Bearbeiter: Diehl
dienesthulde (?)
stF.
‘Treuepflicht’ (homagium des Dienstmannes):
undir desen allen got hete / im eine irwelit und irkorn, / der hat her
dinstholde gesworn, / di ist uns bezeichent bi Hester Brun
2036;
vgl.
dinstes holde ebd.
185
MWB 1 1283,27; Bearbeiter: Diehl
dienesthuobe
stF.
‘dienst- und zinspflichtige Hufe (landwirtschaftl. Grundeinheit von
regional unterschiedl. Größe)’
sunt alii xv mansi dinstehuͦue quorum quilibet solvit iii denari in
medio maio et duas iuvenes gallinas UrkMittelrhein
2,363
(um 1250).
2,427
(a. 1220)
MWB 1 1283,32; Bearbeiter: Diehl
dienesthuon
stN.
‘Huhn als Abgabe an den Grundherren’
daz si alle iar dienen svͦlen vnserm gotishaus
[...] zwai diensthvͦener UrkSalzb
1,858
(a. 1308)
MWB 1 1283,38; Bearbeiter: Diehl
dienestkæse
stM.
‘Käse als Abgabe an den Grundherren’
darvmb [...] sullen die holden dem vor genannten
gotshaws alle jar dienen an Sand Michelstag dreissig phenning vnd zwen
dienstkaͤs von baiden lehen UrkEnns
5,83
(a. 1312);
vnde geltent [...] anderhalp hvndert
dienst kæse UrbBayÄ
1502,a
MWB 1 1283,42; Bearbeiter: Diehl
dienestkint
stN.
‘Kind eines Ministerialen, Dienstmannes’
in des riches recht stet gesc[hriben] von den dinstkinden: man sal den kinden
ir iar meren, daz sie ir lehen icht verlisen KlKsr
3,10
MWB 1 1283,49; Bearbeiter: Diehl
dienestknabe
swM.
‘Diener, Page’
wir sîn sine [Gottes] dienestknaben
Kröllwitz
3535;
[deine Söhne] werden dinstknaben
[
eunuchi
] in deme pallas des konigis
von Babylonien Cranc
Jes 39,7
MWB 1 1283,53; Bearbeiter: Diehl
dienestknëht
stM.
‘Lohndiener, Tagelöhner’
daz ich niht wirdig mag gesin, / daz ich ein sun me heize din. / des du
[d.i. tuo
] mich bi dir wesen rehte / als
ander dine dienestknehte [
mercennarii
]
EvStPaul
8869;
in drin jaren, di do sin als eins dynstknechtis jar Cranc
Jes 16,14;
ez suln ot dinestknechte / sweren wol mit rechte Secret
1205;
[Christus] ist der getruwe dinistkenet TundN
375;
Eckh
3:100,13
MWB 1 1283,57; Bearbeiter: Diehl
dienestlant
stN.
‘mit dienest belastetes Landstück’
iz auch, dat [...] nuͦtz gevordet werde uf
dienstlant, so ensal der void die lude uf deme dienstlande niet storen noch penden
UrkMoselQ
97,22
(a. 1291).
97,18
MWB 1 1284,1; Bearbeiter: Diehl
dienestlich
Adj., Adv.
adv. auch -lichen.
in lit. Texten oft nicht klar zu scheiden zwischen verpflichtendem ‘durch
dienest gebunden’ und freiwilligem
‘dienstbereit’
1 in Lehnswesen und Grundherrschaft 2 gegenüber Gott 3 im Bereich der Minne 4 in Knechtschaft und ähnlichen Dienstverhältnissen
1
in Lehnswesen und Grundherrschaft:
bist aber dû hôher denne ich bin, / sô trag ich dir
dienstlîchen sin, / und allez mîn geslehte Wh
331,10;
daz ich dir des willen dîn / gerne wil gehôrsam sîn / mit
dienstlîchem gelimphe RvEBarl
709;
manigerhande armekeit, / die er dienstlîche leit ebd.
5954;
fúr sinen herren stuͦnt er sa / und tet im
dienestlichen schin / dienest nach dem sitten sin RvEWh
4619;
zwiu sold ich [Brunhild] verkiesen
sô maniges ritters lîp, / der uns mit dem degene
[Siegfried] dienstlîch ist undertân?
NibB
823,3;
daz ích im getriwe vnd dienstlich sein sol UrkCorp (WMU)
1976,46
2
gegenüber Gott:
im suln gewalteclîche / alle zungen sîn bereit / dienstlîcher
stætekeit / und allez künne ie mêre / durch sînes gewaltes êre
RvEBarl
2674
3
im Bereich der Minne:
ouch ist mîn dienstlich triuwe / durch dich allein nu allen
vrouwen wilde SM:Tu
2: 3,6
4
in Knechtschaft und ähnlichen Dienstverhältnissen:
daz nemmet diu geschrift allez den alten menschen, den
irdischen menschen, den ûzern menschen, den vîentlîchen menschen, einen dienstlîchen
menschen Eckh
5: 109,17
MWB 1 1284,6; Bearbeiter: Diehl
dienestliute
stM. (Pl.)
neben dienestman(ne) Pl. zu dienestman.
‘Gruppe von Leuten, die in einem rechtl. Abhängigkeitsverhältnis
stehen’ (vgl. LexMA 3,1066f., sehr differenziert DRW
2,906-918):
1
‘Dienstleute, Ministerialen’
2
‘Bedienstete, Diener’
1
‘Dienstleute, Ministerialen’
dez gotzhause dynstleuͦt, amptleuͦt,
muͤntzer, smide, [...] unn alle di, di gehoren in
ains bischof von Wirtzburg camer unn hof WüP
104,7;
ministeriales quod vulgo dicitur dinstlude UrkWorms
2:83,25
(a. 1317);
ir dienestliute si verlân / mit helfe dâ begunden
KvWSchwanr
170
u.ö.;
der keiser [...] gab in ritters namen, vn macht sie
dinstlute des riches KlKsr
3,1.
– bezogen auf kirchl. Institutionen:
do daz nuwe gestifte / alsus was berichtet / mit den gotis
dienist luͦten [Ordensleuten]
Ägidius
843;
diz ist die regele der brûdere von deme thûschen hûse sente
Marîen dienestlûte StatDtOrd
27,2.
– relig.:
Saule, war umb æchtest du mein? war umb hoͤr
ich [Gott] tæglich von minen dienstluͤten,
den christen, so getaniu dinch von dir? PrOberalt
142,3;
ir heiligen des herren werdet genant dienstlivte gotes vnsers PsM
Per 16,6
2
‘Bedienstete, Diener’
do quomen dynest lute [
ministri
] czu den
bischoͤfen EvBerl
43,33
MWB 1 1284,32; Bearbeiter: Diehl
dienestmaget
stF.
‘Dienstmagd’
frauwe bin ich [...] und meisterynn. / aber mich
duncket daz ir mich vor eine dinstmagt / halden wollet Pilgerf
1453;
wie mac daz bestên, daz du vrî bist unde doch ein maget bist und heldest dich
alse ein dinstmaget HvFritzlHl
85,8;
ez ist auch gemeinlich geboten daz man [...] alle
dinstmegde dingen sol vf Lihtmesse und niht vf sant Kylians tage StRRotenb
507;
ez ensol auch dekain dienstmagt ze hohzeiten raien noch tantzen an der
burgerein raien oder tantz NüP
150;
Yolande
5950
MWB 1 1284,56; Bearbeiter: Diehl
dienestman
stM.
im Pl. auch dienestliute; selten lat. flektiert, z.B.
dienstmannorum eorum UrkSteierm
1,188
(a. 1140).
‘in einem rechtl. Abhängigkeitsverhältnis Stehender’ (vgl. LexMA
3,1066f., sehr differenziert DRW 2,906-918)
1
‘Dienstmann, Ministeriale’ (vgl. ausführlich zu den Positionen
in der gesellschaftl. Hierarchie WMU 1,376-378) 1.1 weltl. 1.2 relig. 1.3 übertr. auf ein Minneverhältnis 2
‘persönliche Dienste Leistender’
1
‘Dienstmann, Ministeriale’ (vgl. ausführlich zu den Positionen
in der gesellschaftl. Hierarchie WMU 1,376-378)
1.1
weltl.:
er were fri oder dinist man Rol
8906;
BrEng
2;
starker helde bereitet wol / funfzehen kyele fol, /
fursten, frigen, dinstman Herb
1231
u.ö.;
ir lêhen si enpfiengen / von dem künege wol gezogen, /
fürsten, grâven, herzogen, / vrîen unde dienestman UvZLanz
8381;
Wig
8713;
alle dienstman die heizent eigen an der schrift; dâ von
mugen si niht eigener liute gehaben SpdtL
134,17.
220,5;
unser hern dienstman und burger vom rate ufm sal gebieten,
setzen und machen WüP
63,2;
StRAugsb
135,8;
des wolt man in ermanen / mit sîns selbs dienstmanen Ottok
37133.
– sprichw.:
man sprichet und ist och war: ‘des kaisers dienste man ist
groͤsser denne ein grâf’ PrGeorg
43,9
1.2
relig.:
ouch wolde got sineme dienist man / siner arbeite lonan, /
sime turen knechte Ägidius
1571;
herre sancte Columban / hilf dinen armen dienistman, /
einen offin sundere Litan
807;
des tiuvels valscher dienstman RvEBarl
11382.
– häufig in der Verbindung gotes ~
:
die gotisdienist man Ägidius
1562;
do uachten di waren gotes dinist man, / soz guten
knechten wol gezam Rol
4101
u.ö.;
dâ kêrte sich vil wênic an / der reine gotes dienstman
RvEBarl
504
u.ö.;
Vät
17769
u.ö.
1.3
übertr. auf ein Minneverhältnis:
in den dingen ich ir dienstman / und ir eigen was dô, / dô
ich sî dur triuwe und dur guot an sach MF:Mor
9: 2,1;
diu süezze minne süezzen solt / ir dienestmanne gît
SM:WvT
4: 1,2;
wie kumt es das din fröwe hat / irn zwifelichen argwan / geleit an iren
dienstman MinneR 66
68
2
‘persönliche Dienste Leistender’
hêrre, gebietet über mich. / swaz ir gebietet, daz bin ich: /
iuwer jeger und iuwer dienestman Tr
3375;
sag ir, ich sî ir dienstman, / dienstlîcher dienste undertân Parz
199,11;
ich wil / allen wîben wesen holt /
[...] / ich wil ir aller dienestman / und ir kempfe
immer wesen Wig
9676.
–
‘Diener’
er ahtôte sich smâher de̜n anderen dô er ze sînen
iungeren sprach: ich pin iwer dienistman TrudHL
92,12;
von vnsirme herre hore di wort, di der guter dinistman
[
servus bonus
] horite BrHoh
64;
do hiez si doch die dinestman daz sie vuͦlten sechs steineimere
PrLpz
155,10.
–
‘Bediensteter’
wer er aber purger, grubenmeister, dienstman, arzman, wie oder was stands
er wer UrkÖsterrErbl
172,39
(a. 1336);
mit dem worte dinstman saltu vornemen alle ambtlute, voyte, houbtlute,
richter, scheppfin, burgermeister, ratlute, schriber, schulmeister, statknechte,
zcolner, butel DRW
2,916
(SspGl./WSB.; 14. Jh.)
MWB 1 1285,3; Bearbeiter: Diehl
dienestman|erbe
stN.
‘Dienstmannserbe’
illa bona paterna [...] que non sunt de recto feudo
sed dinstmansherb vocitantur DRW
2,918
(Niederaltaich/NotizBlÖst.; a. 1270)
MWB 1 1285,60; Bearbeiter: Diehl |