dëcher
stswM. oder N.
Mengeneinheit von 10 Stück (zu lat. decem), i.d.R. Lederwaren (vgl.
2DWB 6,473):
die is brengen vs vremdin steten [...], die sullen is
vorkoufen bie deme techirn adir bie deme tosil [Dutzend]
UrkSchles
8,20. 13
(a. 1336);
ez ensol niemen der niht ze krame stat weder gurteln noch handschuch besunder
verkaufen, wan in die krame bi dem taecher StRAugsb
42,11.13.15
MWB 1 1244,1; Bearbeiterin: Baumgarte
deckære
stM.
‘Dachdecker’
daz man [...] den stainmaizeln, den cimbermannen unde
den deckern, die der wercke maister sind, ir ieclichem niht mer geben dez tages ze
lone sol denne 32 haller NüP
171;
der waz czu machende vurdinget eyme czymmirmanne, eyme deckere, eyme
steynmetzen, bodeker adder eyme andirn manne StRHeiligenst
69;
sartitector: dechari SummHeinr
1:290,278;
teges: dechare ebd.
2:17,28
MWB 1 1244,9; Bearbeiterin: Baumgarte
decke
stF. (sw.
Tauler
211,15.
348,17 )
‘Bedeckung, Hülle’
er [der Holzschnitzer] snîdet abe
die spæne, die daz bilde verborgen und bedecket hâten; er engibet dem holze niht,
sunder er benimet im und grebet ûz die decke Eckh
5: 113,21;
die pluomen [Blüten] pringt
ez [d.i. die Päonie] under ainer deck,
[...], und diu deck tuot sich auf in vier stück
BdN
414,31;
im was âne tecke / als mære als mit gewande
UvZLanz
3678;
minnen solt / wirt geholt / volleclîch / dâ ein man / unde ein
wîp / umbe ir lîp / lâzent vier arme gân, / decke blôz KLD:UvL
29: 5,9.
41:5,4
(vgl. aber auch
Walth
54,21
→
decken
swV.);
Er
7660;
stæter triwen deke / hat ivch, vrowe, bedacht Krone
1578;
als ein recke, / den selten iemer huses decke / mit gemach hat bedeckt ebd.
25839;
verhüllend:
samîte der was rôt, / der ouch den schilten decke bôt / daz
si dâ bî iht wærn bekant Wig
9595;
der sternen glast verborgen / lac von der wolken decken Reinfr
8273.
– Überwurf für Pferde:
ein guͦt march heter bescritin, / virdacht mit zwein
deckin Athis
B 67;
ein deki guot îsnîn / im sîn ros verdeken sol Ammenh
5842;
Tr
666.
6677;
Wig
10897.
–
‘Bettdecke’
got mage vil wol sin / undir ir beider dechin / der dritte
geselle VRechte
364;
Mechth
7:21,35;
Parz
553,23.
–
mit ~ phlegen
‘zudecken’
ir solt an disen stunden / ruowen ziwern wunden. / hât sich diu herzogîn
bewegn / daz se iwer wil mit decke pflegn Parz
640,18.
580,29
(anders 2DWB 6,485)
MWB 1 1244,18; Bearbeiterin: Baumgarte
decke
swM.
‘Dachdecker’
meister Wernhers des decken UrkCorp
2008,26.
714,41
u.ö.
MWB 1 1244,47; Bearbeiterin: Baumgarte
deckeblôʒ
→
decken
stV., →
decke
stF., →
schandendeckeblôʒ
MWB 1 1244,49;
deckekleit
stN.
‘etw. zum Bedecken’
si [Jeschûte] hete ie snahtes deckekleit, / swie
blôz si bîme tage reit Parz
272,25;
ein swach deckekleit, / daz um sine lenden wart geleit Brun
10202;
kegen dem ougen der kundekeit / so ist Maria ein deckekleit ebd.
2531
u.ö.
MWB 1 1244,51; Bearbeiterin: Baumgarte
deckel
M.
‘Deckel’
operculum: trincke vas lit oder deckel VocClos
Op3
MWB 1 1244,57; Bearbeiterin: Baumgarte
decke|lachen
stN.
auch declach(en).
Tuch o.ä., das etw. bedeckt (vgl. decke):
– i.d.R. ‘Bettdecke’ (oft aus Fell):
diu declachen härmîn vil manegiu man dâ sach / und von
swarzem zobele, dar under si ir gemach / des nahtes schaffen solden
NibB
1826,1;
belze, kursene, deckelachen sulen nit anders sîn wenne von
schêfînen unde von geiz vellen StatDtOrd
38,33;
StRPrag
24;
GrRud
αb 5;
Craun
1139;
SHort
10536.
– Überwurf für Pferde:
schœne ros, / ûf den man tiure decklach kôs UvEtzAlex
13078.
– Wandbehang:
die wende er ouch behenken bat / [...] / vil
declachen sîdîn / hiez er mit kostenlîcher kür / durch gezierde henken vür
RvEAlex
13258.
– übertr.:
der tiufel kan vil wunders machen / under valscher triuwe deckelachen
Renner
17228.
21375
MWB 1 1244,59; Bearbeiterin: Baumgarte
decke|lachenmachære
stM.
‘Decklakenmacher, -weber’
der declagchmecher ampt zo Colne UrkKöln
1,397
(a. 1345?)
MWB 1 1245,11; Bearbeiterin: Baumgarte
deckemantel
stM.
‘verdeckendes Gewand’ (nur übertr.):
glîchsenheit deckemantel / hât sô manigerleie wantel, / daz nieman weiz an wen
er sich / mac lâzen Renner
17199
MWB 1 1245,14; Bearbeiterin: Baumgarte
deckemäntelîn
stN.
Dimin zu
deckemantel
:
niemen ist sô übel, ern gere daz sîn übele ein deckementelîn müge haben, daz
sîn schande niht gar blecke DvASchr
349,31
MWB 1 1245,18; Bearbeiterin: Baumgarte
decken
swV.
zu dach stN., Prät. dahte und dacte, vereinzelt
decte (z.B. Roth
4844);
Part. gedecket, selten gedaht (z.B. Eracl
303, EnikWchr
10343).
1
‘etw. bedecken, einhüllen, überspannen’
2 bildl. und übertr. Verwendungen 3 phras. (?) ein echt ~
‘einen (Ehe-)Vertrag schließen’ (?) (vgl. Glr.z.St.)
1
‘etw. bedecken, einhüllen, überspannen’
EnikWchr
1451;
di [...] / dahten ir hûs dâ mite
SAlex
6767;
also der leip mit dem gewande gedechet ist, also ist diu sel
mit dem libe gedekchet PrOberalt
8,40;
[der Sommer] der den wilden walt / und die heide
wolgestalt / mit gezierde decket KLD:Kzl
7: 2,12;
der tisch gedecket muose sîn. / sîne tohter bat er komn / ze
tische Parz
175,20;
klein unde grôz, wilt unde zam, / swaz decket himels schîbe
KLD:Kzl
2: 13,17.
– mit Ersparung des Obj.:
du enthullis vnde deckes Litan
152;
mit Refl.-Pron. ‘sich bedecken’
mit loube dekkit sich der walt Anno
3,14.
–
‘etw. verdecken, verbergen’
mit dem schilte dacter ie / daz bluot und die wunden /
vor den unkunden Tr
7132;
er dahte sine scameheit VMos
14,7;
hierher oder zu
decke
stF.:
ich hêt ungerne ‘decke blôz!’ / gerüefet, dô ich si nacket
sach Walth
54,21
(vgl. Wilmanns, Walth., Anm.z.St. und Singer, Studien, PBB 44 (1920), S.
465f.);
dekend mitt falschem maͤntellin KvHelmsd
2150;
ob ein andriu missevaren hât, / daz decket niht mîn
missetât Eracl
3848;
Brun
2887.
–
‘jmdn. decken, abschirmen, schützen’
wir umbe dich erwerben got, daz uns noch teke dîner sælden
van SM:JvR
1: 6,6;
mîn helfe muoz in iemer / genædeclichen decken KvWHvK
677;
owê daz nû der selbe list / niht mangen herren decket, /
der bœser rede sîn ôre enblecket KvWLd
25,8;
mit Refl.-Pron. ‘sich decken, schützen’
sich dahte mit dem schilde der tiwer degen hêr
NibB
2037,2;
mit Ersparung des Akk.:
an der stat dâ man mit schilden decket
KLD:UvL
38: 5,5
2
bildl. und übertr. Verwendungen:
– (anknüpfend an
Wartb
39,9
(ûf diz selbe zimber [bildl. für Rätsel] hoert von erz ein
dach [eine unangreifbare Lösung]):
sît ich mit erze decken sol Wartb
Rs 40,1.
Rs 40,10.
Rs 43,1.
–
‘vollständig abdecken, umfassen’
vrouwe ist ein name, der al ir art mit einem nennen decket Frl
5:106,6.
–
nôt ~
‘Not abwehren’ (?), ‘einen Bedarf decken’
(?):
v̂z des [Johannis, des Apostels] grabi noch
wehsit himilbrôt, / daz dekkit manigirslahte nôt Anno
5,15
3
phras. (?) ein echt ~
‘einen (Ehe-)Vertrag schließen’ (?) (vgl. Glr.z.St.):
der heilige geist hete ein echt / mit Marien gedeckit Brun
5327
MWB 1 1245,22; Bearbeiterin: Baumgarte
deckensatel
stM.
‘Sattelbespanner’
Friderich der dechensatel UrkCorp
2784,6.
2738,36
MWB 1 1246,6; Bearbeiterin: Baumgarte
deckesal
stN.
‘Bedeckung’ (zur Synonymik vgl. die Übers. von Ps 60,5, 62,8
und 101,27 in PsTr und PsWindb ):
in dem dechesale uettache dinere [interl. zu in uelamento
alarum tuarum
]
PsWindb
62,8;
alse daz gewant solen si alten unde alse ein dechesal
[
opertorium
] solt du wandelen si
PsTr
101,27
MWB 1 1246,8; Bearbeiterin: Baumgarte
deckeschûr
stSubst.
zu
schûr1
stM. (?)
‘Schutzschirm’
Maria bis ir deckeschur / vor dem leidigen tubel Brun
5943;
also ist ir hals eine deckeschur [Hs.
deckeschuͤr
] / uns kegen des tubels heizen
vur [d.i. viur
]
ebd.
3298
MWB 1 1246,15; Bearbeiterin: Baumgarte
deckevël
stN.
‘Decke, Laken’
velamen: decke vel VocClos
Ve17
MWB 1 1246,20; Bearbeiterin: Baumgarte
deckunge
stF.
‘Be- oder Verdeckung’
schoͤn red ist ein bewar / und ein dekchung aller tat
/ dw ein iegleich mensch begat Teichn
122,27
MWB 1 1246,22; Bearbeiterin: Baumgarte
declârieren
swV.
‘erklären, offenlegen’
die schrift uns declarieret, / wie got getriplizieret, / ân wandel, ganz,
unhone, / ein wesen und dri persone, / einic und doch gedriet MinneR 28
1
MWB 1 1246,25; Bearbeiterin: Baumgarte
decrêt
stswN.
‘(rechts-)verbindliche Anordung, Vorschrift’ (aus lat.
decretum):
unde stêt ouch an disem buoche keiner slahte [...]
urteil wan als [...] die meistere durch ir liebe ûz
decrêten unde ûz decretâlen habent gezogen SchwSp(W)
4,25;
heizet iuwer decrête lesen, / swaz mir ze tuonne geschiht KvFuss
568.
– von den Gesetzen, Vorschriften und Geboten der Bibel (Moses, Elias), immer
als Reimwort zu prophêt:
als die prophêten / hânt in den decrêten / der heilgen schrifte vor gesaget
Erlös
2834;
ein buch gab man ym [Jesus] der decreten / Esaye
dar, des propheten EvStPaul
6282;
in den decreten / der e Moyses vnd propheten ebd.
11065
u.ö.
– Sammlung von Gesetzen (vgl. LexMA 3,623-625):
er hete datz Padou gelesen / daz decretal und daz decret Ottok
13083;
ein decretâl und ein decrêt / sint in des bâbstes hofe bekant Renner
9081
MWB 1 1246,29; Bearbeiterin: Baumgarte
decretâl
stN.
‘kirchenrechtl. Entscheidung des Papstes, Sammlungen kanonischen
Rechts’ (vgl. LexMA 3,655-664)
ein decretâl und ein decrêt / sint in des bâbstes hofe bekant Renner
9081;
dâ es geschriben stât / an dem buoch, [...] / das man
decretâles nennet Ammenh
7451;
SchwSp(W)
4,25;
Ottok
13083
MWB 1 1246,47; Bearbeiterin: Baumgarte
decuriô
M. (lat.)
Angehöriger der den städtischen Rat stellenden Oberschicht (vgl. LexMA
3,626f.):
nû quam ouch Jôsêp hin, / ein edel
decuriô [
nobilis decurio Mc 15,43; s.a. homo
dives Mt 27,57] / von Aramathî KvHeimUrst
807.
1341;
GvJudenb
2153
MWB 1 1246,54; Bearbeiterin: Baumgarte
degen
swV.
‘jmdn. ruhig machen, zum Schweigen bringen’ (vgl.
dagen):
dâ wert [werdet] ir scheltære
gideget Erinn
960;
daz er si gedegete / in mildeclicher gude, / der frouwen ungemude Elis
4460;
da man daz kint in legete / so iz die amme degete / unde mit der spune
[Muttermilch] neme war ebd.
510
MWB 1 1246,60; Bearbeiterin: Baumgarte
dëgen
stM.
kontrahiert auch deyn.
‘Person männlichen Geschlechts’
1
‘Mann’
2 i.d.R. ‘Gefolgsmann, (herausragender) Kämpfer, Held’
3
‘Knabe, Jüngling, männliches Kind’
1
‘Mann’
man syet doch daz Got manchen deyn / der gut, gerecht, gewaldic ist, / und in
doch wirfet in den mist / an alle schult Hiob
13488
2
i.d.R. ‘Gefolgsmann, (herausragender) Kämpfer, Held’
dô nam er silber unde golt, / er machet ime manegen degen holt
VAlex
1394;
bitet iuwer degene, daz si iu ouch ze helfe kumen
NibB
159,4
u.ö.;
das man durh ir manliche kraft / die stoltzen wigande / rehte degene nande
RvEWchr
30864;
Iw
7001;
übertr.:
etlicher über den becher siht, / so er trinket, daz enstet
niht wol; / den habet für einen degen niht, / da man den besten haben sol
TannhHofz
91;
auch als Beiname und Anrede:
Dietherich der degin Roth
2057;
NibB
54,1
u.ö.;
sîn bruoder ist geheizen der degen Gelpfrât, / ein herre
in Beyerlande ebd.
1546,1;
wie nv, helt, kvne degen? Herb
12459.
– in der Verbindung gotes
~
→
gotesdëgen
3
‘Knabe, Jüngling, männliches Kind’
– im Gegensatz zum weiblichen (vgl. degenkint):
ze Rôme in aller der stat / enwas degen noch maget / nâch
siben jâren, / daz si daz verbæren, / sine bræhten ir opher dar
Kchr
98;
do Maria gruͦs ir [Elisabeth] sprach. /
des wart der junge degen fro / den si
[E.] truͦg in ir libe do WernhMl
2305.
– unter dem Aspekt der sexuellen Unerfahrenheit:
alle die unkûsclîche lebeten / oder huores dâ pflegeten, /
[...] man enpfie si dâ wirdichlîche. / chom maget
oder degen, / [...] ze den hêten si deheine minne
Kchr
165;
ein ander mein vater ist, / wann du noch ein degenn pist Märt
23810
MWB 1 1247,3; Bearbeiterin: Baumgarte
dëgenen
swV.
hier Part. Prät. ‘zum dëgen gemacht’ (Lexer 1,414)
oder ‘mit den Eigenschaften eines dëgen begabt’
niht lebt ein junger ritter baz gedegent JTit
1546,4
MWB 1 1247,35; Bearbeiterin: Baumgarte
dëgenhaft
Adj.
‘heldenhaft, mutig’
Ryales degenhafter muͦt / behuͦt in do vor todes pin
WhvÖst
4450;
gewinnet mir mit guoter kraft / zwelf knehte degenhaft DietrGlesse
482
MWB 1 1247,39; Bearbeiterin: Baumgarte |