dorfsmit
stM.
‘Dorfschmied’
auch sall er weren kolenbornen, ane eyme dorffsmydt, der sall sye bornen in
siner marg vnd vnder erden vnd ane schaden vnd nit mee, dan das er sinen nachburen
damit gesmyede WeistGr
1,499
(a. 1338).
6,397
(a. 1338)
MWB 1 1348,35; Bearbeiter: Schnell
dorfspël (?)
stN.
‘(im Dorf umlaufende, frei erfundene) Erzählung’ (vgl. Felder,
Krone, S. 481):
frauwe vnd auentùre / wande sie licht by dem fùwre / ader haben
[zu haven, Kochtopf (?)] fùr ein
dorffspiel / zü winder seyten, wann ir kele / vnd jre zungen sint vil gezale / vnd
prùfent dick gelechters schale Krone
17433
MWB 1 1348,41; Bearbeiter: Schnell
dorfsprenzel
stM.
‘eitler Bauer, Dorfgeck’
die geilen dorefsprenzel, / die dâ wâren in dem geu / alle voretenzel, / der
vüert iegeslîcher nû ein îsenîn gewant / in die herevart, / dâ der vürste hin
gebiutet Neidh
WL 28:8,5
MWB 1 1348,48; Bearbeiter: Schnell
dorfstadel
stM.
‘Dorfstätte’
daz dorfstadil zu Getoͤren, daz ettewanne ein gebuwet dorf was
UrkErf
2,238
(a. 1348)
MWB 1 1348,53; Bearbeiter: Schnell
dorfstat
stF.
‘Dorf, Dorfstatt’ (Fläche, auf der das Dorf steht):
chum mîn wine! geng an den akker, wonen bî den dorfsteten
TrudHL
122,27;
wir sulin wonen in den torfsteten ebd.
123,33;
vnserr lieben gnedigen herren [...] vns gelazzen
habent ir aygen vnd ir guͤt ze der Weyssenkirchen, vnd all die dorfstet, die
sie da ze reht schuͤllen haben UrkHohenz
3,173
(a. 1348)
MWB 1 1348,56; Bearbeiter: Schnell
dorftocke
swF.
‘herausgeputztes Bauernmädchen’ (pejorativ):
si [die Bauern] gunden frölich schocken / vor den
dorffdocken; / die ers man in ser wacken sach MeierBetz
289
MWB 1 1349,1; Bearbeiter: Schnell
dorftumbec
Adj.
‘ungehobelt’, hier subst.
‘Dorftrottel’
mit hosen und hüeten manigerleie / hebt sich der Affentaler reie, / den manic
tuomherre und stolz schuolêre / mit dorftummingen ungerne verbêre Renner
16500
MWB 1 1349,5; Bearbeiter: Schnell
dorfvolc
stM.
‘Bauernvolk’
der dorfman [La. daz dorfvolc
] ist niht
wol beriht, / kan der pfaffe des glouben [das Credo] niht
Freid
70,20
MWB 1 1349,10; Bearbeiter: Schnell
dorfvride
M.
1
‘ländliches Gericht’
2 durch Einfriedung oder Dorffrieden geschützter Bereich
1
‘ländliches Gericht’
insuper iudicium, quod dicitur dorffride, coram sculteto abbatis uel conventus
agi debent UrkHess(B)
2,635
(a. 1304)
2
durch Einfriedung oder Dorffrieden geschützter Bereich:
aber der dorffride des selben dorffs vacht an bi Burgkarts des ussrosten huse,
und gât untz ze dem tor ze Schoͤnenbuͤl UrkBern
3,504
(a. 1291)
MWB 1 1349,13; Bearbeiter: Schnell
dorfwërc
stN.
‘Ware von minderer Qualität’ (die nicht den Anforderungen der
Innung entspricht):
das synt di saczungen der wollenwebere: [...] keyn
man sol machen dorffwerk adir czu stewrunge dor czu tun by eyme schocke
UrkSchles
8,125
(14. Jh.)
MWB 1 1349,21; Bearbeiter: Schnell
dorfwîp
stN.
‘Bäuerin’
rustica: dorfwip VocBV926
3:428,37.
– hier abwertend:
los ûz! ich hœr in der stuben tanzen. / junge man, / tuot iuch dan! / da ist
der dorefwîbe ein michel trünne [Schwarm]
Neidh
WL 4:2,4
MWB 1 1349,27; Bearbeiter: Schnell
dorilote
Interj.
Refrain (aus afrz. dorelot, Refrain in der Chanson):
da ienre stet vnde singet / der is beworren in einer note [mit
einem Lied beschäftigt] / der quit alliz dorilote / ey wes
willekome lieber Frgm1
29
MWB 1 1349,32; Bearbeiter: Schnell
dormentære
stM.
‘Aufseher über die Schlafsäle’
wer do hait das ampt des dormerters
[
dormitarii
] der mach das selbe ampt geben
sime knechte DRW
2,1073
(TrierArch.; 13. Jh.)
MWB 1 1349,37; Bearbeiter: Schnell
dormenter, dormiter
stMN.
auch dormpter, tormitar.
‘Dormitorium, Schlafsaal in einem Kloster’
do ging er mit ir durch den dormter zu allen zellen AdelhLangm
50,27;
daz dritte daz an dem closter ist, daz ist ain dormiter PrGeorg
20,21;
und so man complet gesang, so gieng sy nider und stund denn uff
[...] und bettet denn in dem tormitar Stagel
26,25;
daz sie [
die vroͮwen von
Klingental
] den graben vor irme dormenter wider den Rin
besliezen mit einre mure UrkCorp (WMU)
347,19;
JTit
387,1.
– übertr.:
der dormiter ist ain Götlich hertze PrWack
43,74;
die engel sont die pfleger sin, bihte das waͤschhus,
[...] kúnschi der dormenter, ain rúwigez hertze daz
bette PrGeorg
339,21
MWB 1 1349,41; Bearbeiter: Schnell
dormieren
swV.
‘schlafen’ (aus afrz. dormir):
müeste ich bî der wolgetânen liebiu kint prônieren [aus lat.
progignere oder punieren?] / und eine
ganze naht bî ir dormieren KLD:HvA
2:2,6
MWB 1 1349,56; Bearbeiter: Schnell
dorn
stM.
1
‘Dorn, Pflanzenstachel’
2
‘stachlige Pflanze, Dornbusch, Dorngestrüpp’
3
‘etw. einem Dorn Ähnliches, Stachel, Spitze’
3.1 konkret 3.2 übertr. 4 phras. 4.1 in Paarformeln 4.2 in Wendungen 4.3 im Sprichw. (vgl. TPMA 2, 273-283) 4.3.1 der Dorn sticht (sehr schlimm und schmerzhaft) 4.3.2 man hat doppelten Schaden, wenn man sich am Dorn festhält 4.3.3 Dornbüsche tragen keine Weinbeeren oder Feigen (vgl. Mt 7,16; überw. in Predigten) 4.3.4 man werfe den Samen nicht unter Dornen (Mt 13,7) 4.3.5 man pfropfe nicht Linden auf Dornsträucher 4.3.6 der Dorn gehört zur Rose 4.3.7 Schlehe vom Dorn essen 5 als Bestandteil von Personennamen
1
‘Dorn, Pflanzenstachel’
der paum hât seinen stam vol kurzer weizer dorn oder rœtloter
BdN
316,4;
vil manic dorn / hat mich in den fvz gestochen
ReinFu
K,1892;
ob du wellest, daz ein phil oder ein dorn, der in den menschen
si, uz ge BenRez
9;
Parz
257,8
2
‘stachlige Pflanze, Dornbusch, Dorngestrüpp’
der paum geleicht dem weizen dorn, aber er ist gar vil
grœzer BdN
347,1.
349,6;
dem diu lunge we tu oder diu leber, der nem dornes pletter und
berthram BenRez
2;
do gesach der herre Abraham einen wider chleben under den
dornen bî sinen hornen Spec
102,28;
KvWLd
7,27.
–
‘Zweig eines Dornbuschs’
er hiez die hailigen man / mit hagenen und mit tornen an
slahen Kchr
10925;
der ame kriuze het den dorn / ûf dem houpte zeiner krône
Wh
166,2;
sin [Christi] hobet mit spizzen dornen
gecroͤnet UrkCorp (WMU)
93,1;
Mügeln
165,10
3
‘etw. einem Dorn Ähnliches, Stachel, Spitze’
3.1
konkret:
wizz, daz der igel ain tier ist, daz vil nâtürleicher
dorn auf seinr haut tregt BdN
138,6.
249,2;
JPhys
18,1;
in demo mere ist einez hêizzet serra [ein
Fabeltier] daz hebet vile lange dorne in imo
ÄPhys
10,2;
sî [die Brücke] was beslagen vaste /
[...] / mit îsnînen dornen Tund
752;
diu vrouwe truoc ein vürspan / dâne was niht mê gesmîdes
an / niwan ein dorn guldîn; / dâ mit hafte si ir buosem în Wig
10565.
–
‘Rückgrat’
der dorn, der den rucken zesamen helt, ist auz vil
painen BdN
24,9
3.2
übertr.:
niͤ’n gedruͤgs du
[Maria] der sünden dorn MarlbRh
4,8;
in des fluches dorn / uns warf der grimme raches zorn
Mügeln
115,5;
des engels zorn / das erst geborn / erslug in grimmer
rache dorn ebd.
346,15;
BdN
183,31
4
phras.
4.1
in Paarformeln:
manige hôhe steinwant / steic ich ûf und ze tal; / dorne
und hagen âne zal, / dâ muose ich durchsliefen KvHeimUrst
1910;
Tr
17861;
Rol
9012;
Kchr
6356.
–
durch dorne und durch gedrenge / sô vuor ich allen den
tac Iw
268;
Wig
2062;
Krone
2105.
–
dorn unde distel unde hagen Tr
18078.
17931.
18105
4.2
in Wendungen:
– Rose ohne Dorn (als Mariensigle, vgl. Salzer, Sinnbilder, S.
183ff.):
rôse âne dorn, ein tûbe sunder gallen Walth
19,13;
senfte ros al ane dorn MarlbRh
19,6.
58,24.
128,18;
o frouwe, / aller tugent ein blüende ouwe, / rôsegarte
dornes ân SM:EvS
1: 7,8.
– jmdn. stëchen als ein dorn
‘jmdm. einen Stich ins Herz geben’
ein mære in stichet als ein dorn Parz
66,1;
daz der Markis wer verlorn. / daz stach die edelen als ein dorn
TürlArabel
*A 57,14.
– jmdm. ein dorn in den ougen sîn:
er ist ein helt zen handen / und ist sînen vîanden / in den ougen ein
dorn StrKarl
3467;
er was ir in den ougen / und in dem herzen niht ein dorn
KLD:Wissenlo
4,7;
KLD:OvB
12:2,5;
KvWTroj
23008.
–
ez was ir bêder ougen dorn, / swâ si den werden man
gesach Parz
365,22
4.3
im Sprichw. (vgl. TPMA 2, 273-283)
4.3.1
der Dorn sticht (sehr schlimm und schmerzhaft):
von cleinem dorn wirt dicke zwâr / ein starker lîp versêret
Kolm(B)
121,39
(¹KonrW/8/1)
4.3.2
man hat doppelten Schaden, wenn man sich am Dorn festhält:
swer sich habet an den dorn, / sor vellet, der hât zwirnt verlorn
Freid
96,27
4.3.3
Dornbüsche tragen keine Weinbeeren oder Feigen (vgl. Mt 7,16; überw. in
Predigten):
jo neliesit nieman die winbere von den dornen noch die vigen von den
hagedornen PrLpz
115,18.
369,27;
PrOberalt
140,1;
PrSchw
1,80;
wer gesach ie dorne vîgen tragen Renner
15536;
gelich als der dorne nit mag / figen gedragen keinen dag
Pilgerf
5919;
Reinfr
8
4.3.4
man werfe den Samen nicht unter Dornen (Mt 13,7):
etlich sam [der vom Teufel ausgeworfen
wird] der vellet under die dorn; so die dorn auf gent, die
machent dann den samen boͤz und ertrenchent in
PrOberalt
51,7;
dô er den sâmen sâte, / sîn viel ein teil ûf herten
stein. / [...] / der ander sâme in dorne kam
RvEBarl
1597
4.3.5
man pfropfe nicht Linden auf Dornsträucher:
swer linden belzet ûf den dorn, / der hât ir beider reht verlôrn
Freid
118,11
4.3.6
der Dorn gehört zur Rose:
swâ sich der rôse erzeiget, / dâ reiget der dorn an daz zwî
Marner
5,9;
rôsen muoter ist der dorn Renner
20303;
wer die rosen greiffet an, / der sol sich umb den dorn
huͤten Teichn
2,53;
Tr
18071;
Krone
20415;
Georg
4060.
– die Rose/ Lilie steht unter Dornen:
álso díu lilia ist únter den dórnon. sámo bist du
frîuntin mîn unter ánderen tóhteron Will
27,1;
Er
338;
o du schoͤne rose in dem dorne
Mechth
1: 18,2;
HvNstAp
16433;
Spec
96,25;
RvEBarl
2520
4.3.7
Schlehe vom Dorn essen:
sam der die slêhe von dem dorne izzet, wan umbe ein kleinez gelustelîn
stechent in vier müedorne DvASchr
314,11
5
als Bestandteil von Personennamen:
Leutold der Dorn UrkCorp (WMU)
2973,36
MWB 1 1349,60; Bearbeiter: Schnell
dornach
stN.
spätmhd. auch dornecht (vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S 55).
‘dorniges Gebüsch’
man möht in wol geworfen hân / zem fasân inz dornach Parz
287,1;
ouf dem hof, der da leit bei Heimvelden in dem doͤrnæch
UrkCorp (WMU)
2403,14;
van des dornechtes stamme scharf / Jonathan sin bispel warf HistAE
1611;
ein dornecht und ein hayndorn Cranc
Jes 27,4.
Jes 10,17.
So 2,9
MWB 1 1351,27; Bearbeiter: Schnell
dornboum
stM.
‘Dornenstrauch’
dumus: dornboum SummHeinr
1:182,159
MWB 1 1351,35; Bearbeiter: Schnell
dornbürde
stF.
‘Dornenbündel, zusammengebundene Dornenzweige’
und sprechent die laien, ez sitz ain man mit ainer dornpürd
in dem mônen. daz ist aber niht wâr BdN
65,22
MWB 1 1351,37; Bearbeiter: Schnell
dornbusch
stM.
‘Dornbusch’
an der stat bi deme wege stat / ein dornbusch
GrRud
Gb 51;
ich wil in der wiltnisse geben den cedir und den dornpuz Cranc
Jes 41,19;
Plinius spricht, daz der vogel in dem augst tobend werd, alsô
daz er sich selber erhenke ze stunden in den dornpüschen BdN
219,25
MWB 1 1351,41; Bearbeiter: Schnell
dorndragil
Subst.
‘Dorndreher’ (Würger, vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 146f.) nur
Glossenbelege:
furfario: dorndregil SummHeinr
2:66,263;
furfario [...]: dorndragil ebd.
1:165,743;
furfarius: dorendral ebd.
2:309,03.7;
furfurio: dorndregel, avis VocClos
Fu46
MWB 1 1351,48; Bearbeiter: Schnell
dorndræwe
Subst.
‘Dorndreher’ (Würger, vgl. Suolahti, Vogelnamen, S.
147):
dorndrewe GlHvB
404,17
MWB 1 1351,54; Bearbeiter: Schnell
dorndroschel
stF.
‘Dorndrossel’ (Würger, vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 146f.) nur
Glossenbelege:
furfarius: dorndrosle Volucr(L)
58
MWB 1 1351,57; Bearbeiter: Schnell
dornec
Adj.
‘dornig; voller Dornen bzw. Dornensträucher’
sô gêt ouch ein wec eht ûf die selben bürge, der ist sô rûch unde sô dornic
niht PrBerth
1:171,8;
so der hîrz chvmit ze sogetânin stêtin, die dornich sint
Spec
9,10;
ein gebirge [...], / dar ûz ein walt gewachsen vollen
dornic Boppe
1:16,3;
úber den dornigen hag Seuse
432,1.
– übertr.:
der dornige tîufal JPhys
18,9;
ist dîn herze steinîn gar / und dornic RvEBarl
1632;
zum ander male kumt gevarn / der geist mit grozer gift / als er den dornigen
stift / den sundenclichen smerzen / subert von dem herzen PassI/II
117,68
MWB 1 1351,60; Bearbeiter: Schnell
dorneht
Adj.
‘dornig’
der hecke die du hast vor gesehen; / das wil ich dir wol jehen / das du sij me
dorneter findest / und auch me krudelicher befindest, / unglich als du zum ersten
hast getan Pilgerf
11557.
–
‘dornartig’
die fursten, ir geverten / dûnt strîchen in [Jesus]
mit gerten / mit geiseln und mit riemen / mit dornehten priemen
[Stacheln] / sie verdilgent ime sîn leben
Erlös
4568
MWB 1 1352,8; Bearbeiter: Schnell |