dincphlihte
swM.
‘Gerichtsbeisitzer’
swaz eyn man jegen den richtêre getzûgen sol, [...]
daz gezûget her selbe dritte der dingplichten, die dâ urtêl vinden SSp
75,23.
160,8
MWB 1 1305,43; Bearbeiter: Schnell
dincphlihtec
Adj.
1
‘gerichtspflichtig; verpflichtet, am Gericht teilzunehmen’ (sowohl als Beisitzer als auch als Beklagter) 2
‘zu Abgaben und Leistungen verpflichtet’
1
‘gerichtspflichtig; verpflichtet, am Gericht teilzunehmen’
(sowohl als Beisitzer als auch als Beklagter):
gerichtes suln warten alle, die dingphlichtig sîn, von des daz die sunne ûf
gêt, wend zu mitten tage, ab der richter dâr ist SSp(W)
3:61,4;
claget man aber umme schult uber den, der dâ nicht dingphlichtig en ist, noch
dâ zu antwerte nicht en ist ebd.
1:70,2.
– subst.:
die vestunge sol man bezugen [...] mit deme
richtere unde mit den dingphlichtegen StRGörlitz
469
2
‘zu Abgaben und Leistungen verpflichtet’
der keiser hat in iglichen sinen dorffern dingphlichtege hoffe ligen, da ir
hubener in horn mit der gulte vnd mit dem zinse KlKsr
2,114;
der keiser in eime dirre vorgenante dorffe gegeben hat eime richter einen
dingeplechtigen hoff ebd.
2,119
MWB 1 1305,47; Bearbeiter: Schnell
dincsache
stF.
‘Gerichtssache, Rechtsvorgang’
welch man bezugen wil eine dincsache, di vor gerichte geschen ist in den vir
benken oder wo der richter ist StRFreiberg
104,14
MWB 1 1305,63; Bearbeiter: Schnell
dincschaz
stM.
Einnahme des Gerichts:
so ist daz dez hertzogen dinchschatz swer niht panhaftes guͦt hat, der
geit ie vi. pfenning in dem jar dreistunt dem rihter UrbBayS
4,125
MWB 1 1306,3; Bearbeiter: Schnell
dincsilber
stN.
‘Geldabgabe’
dingsilber, bannkorn possessores persolvent, census vero numerales fratrum
universitas UrkStraßb
4,1:13,30
(a. 1225);
swer desselben guotes so vil het, das er wirt gende einen sester vol haberen,
der sol ouch gen einen helbeling ze dingsilbere WeistGr
5,449
(a. 1283);
den haberen sulent si gen an sante Martines abende unde das dingsilber, eder
si sulent zwene schillinge wetten ebd.
5,449
MWB 1 1306,7; Bearbeiter: Schnell
dincstat
stF.
‘Gerichtsstätte’
terminum aut locum iudicialem, qui dinchstat seu banstat vulgariter nuncupatur
UrkEnns
2,512
(a. 1208);
der richter sal gerichtes warten vnde phlegen alle tage an rechter dingstat
UrkCorp (WMU)
2265,12;
des en mag der richter nicht richten wen zu echter dingstat und under kunges
banne SSp(W)
1:59,1;
UrkBern
7,214
(a. 1346).
– in der Wendung in den schrannen [Gerichtsstätten] und ûf
den dincsteten
‘vor Gericht’
wir nemen ovch ab chirichgeriht vnd elliv geriht, wann div man von altem reht
in den schranen vnd ovf den dinchsteten rihten sol UrkWittelsb
1,339
(a. 1281);
MGHConst
4,2:1218,14
(a. 1300)
MWB 1 1306,16; Bearbeiter: Schnell
dincstudel
stN.
‘Gerichtsplatz, Gerichtssäule’
auch enhat kein voit kein recht, noch kein lehenhere, wider die hubener zu
dringen zu dem dingstudel, dan zu der zit, als sie daz gut verzinsen KlKsr
2,117
MWB 1 1306,30; Bearbeiter: Schnell
dincstudelec
Adj.
in der Wendung: jmdn. ~
bringen
‘jmdn. vor Gericht bringen’
lezet he abir im nicht vorgebiten [vorladen] unde
lezet ienre diseme vorgebiten unde brenget in zu dinge, damite verlusit dirre sin
erste clage, wenne in ienre dincstudelic bracht hat StRFreiberg
83,26;
damite hat he in dincstudelic bracht ebd.
219,27
MWB 1 1306,35; Bearbeiter: Schnell
dincstudeln
swV.
‘jmdn. vor Gericht bringen’
man sal nieman dingstudeln, wil er von erst recht tun an gerichte KlKsr
1,33;
sie dez sint gefriet, sich zu verantworten in irre terminunge, durch daz man
sie icht vnrecht dingestudele ebd.
2,72
MWB 1 1306,42; Bearbeiter: Schnell
dincstuol
stM.
‘Richtstuhl, Gerichtsstätte’
dincstul: tribunal GlHvB
394,9;
du sollt wissenn das [...] der chünig
gepunden ist ze erenn die leüt mer in seinem hof und in seinem dingkstuel dann
annderswa HvHürnh
16,1;
daz furstentum czu Anhalt und dy grafscop czu Asschania mit alle dem, daz dar
czu gehort, vesten, dorfere, dingstole, gherichte, ghulde und alle nucz
MGHConst
8:693,21
(a. 1348);
damite furten sie in [Jesus] dane / vor des riches
dincstul HeslNic
623;
Athis
A 119.
–
wir moͮzzen alle uor Christes dincstoͮle sten,
aller unser werche lon zenphahenne Spec
148,20
MWB 1 1306,47; Bearbeiter: Schnell
dincsuoche
stF.
‘Dingpflicht; Verpflichtung, das Jahrgeding zu besuchen’
onus seu servitium corimedis et gravamen, quod vulgo dicitur dincsuche
UrkKölnBt
226
(a. 1198);
ab omni iure, quod vulgo dicitur dincsuͦche et cormede, liber permanens
UrkKöln
2,3
(a. 1200)
MWB 1 1306,59; Bearbeiter: Schnell
dinctac
stM.
‘Gerichtstag, Gerichtstermin’
komen die dingtage an einen heiligen tach, her [
der
schultheize
] mach wol uber einen tach oder uber zwene
nach deme heiligen tage sin ding uber legen [verschieben]
UrkCorp (WMU)
51,7;
das die von Walluff vnd Newendorff viermal im iar der herrschafft von Lindau
zu ungebotten dingtagen erkennen WeistGr
4,570
(a. 1304 kopial)
MWB 1 1307,1; Bearbeiter: Schnell
dincteidinc
stN.
‘Rechtsstreit’
he mac ouch eime iklichem manne wol gesten an sime gezuge, waz he bezugen wil,
iz sie umme koufschatz [...] oder umme dincteidinc, daz vor
gerichte geschit StRFreiberg
44,23
MWB 1 1307,9; Bearbeiter: Schnell
dincvluht
stF.
Flucht bei einer Gerichtsverhandlung, ‘Dingflucht’
von ding fluht SchwSp
100a (Überschr.)
MWB 1 1307,14; Bearbeiter: Schnell
dincvlühtec
Adj.
in der Wendung ~
wërden
‘gerichtsflüchtig werden, sich dem Gericht entziehen’
jst aber, daz ein ansprechman fur geboten wirt vf di hofmarch vnd er
dinchfluhtich wirt UrkCorp (WMU)
1100,40;
wirt ein man dincfluhtik, hat dem iemen fur geboten von des
clage er dincfluhtik wirt StRAugsb
225,5.
9,8.
228,21;
swem man vor gerihte beclaget, da er zegegen ist, vnde wirt er ding fluhtig
[...], wan [l.
man
] sol in zehant verehten SchwSp
100a
MWB 1 1307,16; Bearbeiter: Schnell
dincvoget
stM.
‘Vogt einer geistl. Grundherrschaft’ (nur im Rheinland):
ut abbas et conuentus eiusdem monasterii eligerent, quem uellent defensorem
hominum et bonorum suorum, qui uulgo dinkvoit appellatur UrkMittelrhein
2,288
(a. 1209);
patronum qui vulgo dincvogt dicitur, ab eadem curte exigerent ebd.
2,50
(a. 1171).
1,587
(a. 1144)
MWB 1 1307,26; Bearbeiter: Schnell
dincvogetîe
stF.
‘Amt bzw. Bezirk des Dingvogts’
in prefata aduocatia que dinguodia dicitur UrkMittelrhein
2,289
(a. 1209).
3,17
(a. 1213)
MWB 1 1307,33; Bearbeiter: Schnell
dincwart
swM.
‘Gerichtsbeisitzer, Schöffe’
dar nâh die schephen, alsô alle andere dingwarten SSp (W)
3:88,1;
wir [...] sazin nydir myt deme dingwarte gemeinliche
vnd byvalhin yn, daz sy vzgyngen vnd beschydin vns, waz wir zu rechte habin suldin
fon der herschefte wegin WeistGr
1,526
(a. 1306);
welch man bezugen wil eine dincsache [...] daz muz he
iu tun mit deme richtere unde mit eime dincwarten oder sus mit eime erhaften manne
StRFreiberg
104,21.
26,6
u.ö.
MWB 1 1307,36; Bearbeiter: Schnell
dinczal
stF.
zu nd. dingtal, mhd. nur selten belegt (vgl. DRW 2,1006f.).
‘Gerichtszeit, Gerichtstermin’
rechtes weigert der richter, swenne her nicht richten en wil, oder sîne rechte
dingzale nicht en helt SSp(W)
3:87,3.
–
‘Lösegeld (bei Entlassung aus Gefangenschaft)’
allit dat gelt ind ander gut, dat van beyden syten gedingd of geloift was van
geuangen, of van birnschatze, of van eyncherhande dynktzalen UrkNiederrh
3,339
(a.1345)
MWB 1 1307,46; Bearbeiter: Schnell
dinczît
stF.
‘Gerichtszeit, Gerichtstermin’
so sol der rihter vragen [...], swer zu dem dinge
niht komen si ze rehter dinczit, ob im der iht wetten sul DRW
2,1007
(Schwsp.[R.]; a. 1275/87);
uͦfgegeben [...] czuͦ rechter dynckczit
an rechter dinckstat UrkMühlh
389
(a. 1327);
so sal man im teilen: he sulle in der dingecit zugrife
[...] ab he des nicht entut binnen dinges
StRFreiberg
32,22
MWB 1 1307,55; Bearbeiter: Schnell
dînes|heit
stF.
‘Deinsein’
dv́ solt alzemal entzinken diner dinisheit vnd solt zer fliesen in sine
sinesheit vnd sol din din vnd sin sin éin min werden Eckh
3:443,5
MWB 1 1307,63; Bearbeiter: Schnell
dingære
stM.
1
‘Fürsprecher, Rechtsbeistand’
2
‘Wortführer im Gericht, Richter, Vogt’
1
‘Fürsprecher, Rechtsbeistand’
der here van Tungeren bit namen / bat den heilegen allen samen / ende sente
Petere den gewaren bode / dat he sin dingare ware te gode HvVServ
1602.
–
hochvart vor gote enhat neheinen dinger Rumelant
3,65a
2
‘Wortführer im Gericht, Richter, Vogt’
gaf der proͤist den huͦverin sin urkuͦnde und bat den
dinger, hieme einen rêchtlichen dagh zuͦ bescheiden, vort die clage
zuͦ voͤlvuͦrin und rêcht zuͦ nemen UrkMoselQ
524,26
(Mitte 14. Jh.);
des beschiet der dinger [...] dême
vuͦrgenanten proͤiste ebd.
524,28;
als der dinger den dingh und den dagh gedingit und gebennet hatte, als dat
recht is ebd.
522,11
(a. 1344)
MWB 1 1308,3; Bearbeiter: Schnell
dinge
Subst.
Bed. unklar, ‘Veräußerung’ (?):
nullam alienationem, que vulgo dinge dicitur, circa barones vel alios faciam
vel admittam exceptis ministerialibus UrkWürtt
3,55
(a. 1216);
suis fratribus omnes suos homines proprios [...]
quodam modo qui vulgo dinge dicitur deputavit UrkHohenl
1:22,38
(a. 1219)
MWB 1 1308,17; Bearbeiter: Schnell
dingelich
Pron.
‘jedes, alles’
er [Gott] hât aller dingelîchem
mâze gegeben, / daz iz gelîche sol wegen Kchr
9237;
ez [das Kind] enlie sich niht betrâgen / ez enwolde
dingelîches vrâgen Greg
1170;
der [Teufel in Gestalt der
Schlange]
[...] im [Adam] daz obez ezzen
riet / und so groz ere dar an beschiet / daz gote her worde glich / wizzende aller
dinglich HeslApk
17642
MWB 1 1308,24; Bearbeiter: Schnell
dingelîn, dingel
stN.
Dimin. zu dinc.
‘kleines Ding, Gegenstand’
–
‘(kleiner, bescheidener) Haushalt’
dunket iz dih danne niht wende / daz dû gerne mit mir wil sîn,
/ so bevilh ih dir mîn dingelîn Kchr
1597;
swanne er wânte, deich dâ heime læge / unde im sînes dingelînes phlæge
Neidh
SL 25:5,2.
–
‘Sache, Ware’
do begonden die schifman gahen / deme stade sere nahen. / do
sie vͦz getruͦgen ir dingelin Albert
1146.
–
‘kleiner Teil (hier der Blüte)’
länkloteu dingl, diu hangent an den haseln, ê daz die nuz
dar auf gewahsen BdN
373,27;
und ist in seiner pluomen ain rôt dingel, gestalt sam ain
hüetl ebd.
383,13;
zemitelst [der Lilie] stêt ain
gelbez nägel dar inn und dar umb stênt klaineu dingel mit gelben hauptleinn ebd.
406,6.
– unklar; Euphemismus für Geschlechtsteil (?):
si tâten als die gelieben tuont: / si hielsen unde kusten, / die munde si
zesamene nusten, / mit wiu, deist von mir ungeseit / (man müeze wesen ungereit / wan
daz selbe dingelîn) UvTürhTr
1579
MWB 1 1308,32; Bearbeiter: Schnell |