abe verlâʒen
stV.
1 mit Akk. oder Gen.d.S.: ‘von etw. ablassen, auf etw. verzichten’
2 mit Dat.d.P. und Akk.d.S.: ‘jmdm. etw. erlassen’
1
mit Akk. oder Gen.d.S.: ‘von etw. ablassen, auf etw. verzichten’
das ich den selben kriͤch willeklich han abfurlasen [...] vnd alle dîe ansprache UrkCorp
804,20,23.
1494,28.
1854,30
2
mit Dat.d.P. und Akk.d.S.: ‘jmdm. etw. erlassen’
her Dietrich Snewelin [...] hat den livten ze Bischoffingen die tagewan abe gelan [...], vnd hant im die livte da wider abe verlan, daz er in ze den drin gedingen solte gen [l. geben
] ze enbissende UrkCorp
383,31.
–
‘jmdm. etw. überlassen’
daz wir daz vogtreht [...] hern Stehilline von Fribvrg [...] abe han verlazen UrkCorp
266,32
MWB 1 79,6; Bearbeiter: Tao
abe verstëln
stV.
verstärktes verstëln, ‘jmdm. etw. stehlen’
vmb ùch ist es so gewant, / daz vwere süsze augen / dem manne vil taugen / gar verstelent ab den mút Krone
26053.
– refl. ‘sich heimlich davon stehlen’
do dachten sy vil mencher wege, / we sy sich aff verstelen / ind dat so verhelen, / da yrre nemant en woerde gewaer KarlGalie
8034
MWB 1 79,18; Bearbeiter: Tao
abe veʒʒen
swV.
‘losbinden’
als Joseph zem êrsten dort / daz urloub von Pilat erwarb, / dô Jesus an dem krûze starb, / zû vezzen [erg.: in?] und zû nemen ab, / er im ein sîdînz umme gab, / den lîb wickelt er dar în JvFrst
11195
MWB 1 79,26; Bearbeiter: Tao
abe vîlen
swV.
‘etw. durch Feilen loslösen’
ich [Maria] sælden vart, / der sorgen stric zerrîze. / der helle bant ich abe vîle Tougenhort
599.
– Bedeutung wie die ganze Strophe unklar:
waz in dem wagen lasters ist, daz künnen die rungen abe vîlen Fegfeuer
1:9,8
MWB 1 79,31; Bearbeiter: Tao
abe|vîlinc
stM. (?)
‘Abgefeiltes, Feilspan’
nim abfeilinch vnd rostiges eisen vnd waiches pech vnd lazze das lange vnder einander sieden; das wirt schön prawn auf rotem tuch BairFärb
1,1
MWB 1 79,37; Bearbeiter: Tao
abe viulen
swV.
Kausativum zu abe vûlen.
‘abfaulen machen’
der vant einen vssetzigen an der strasse ligen der [...] hatte weder nasen noch hende noch fuͤsse das hatte [La. nach hatte: jme *Y1] die vssetzekeit abe gefúlet VitasPatr
239,27
MWB 1 79,41; Bearbeiter: Tao
abe vlieʒen
stV.
‘herabfließen, abwärts fließen’
das bluͦt von sinen wunden / fliessende ze den stunden / und och die erde gar begos, / als es ab von im flos WernhMl
10374;
der êrst zaher [...], der ist lauter [...]. aber der ze anderr zeit ab fleuzt, der ist tunkel und unsauber BdN
463,13;
für Basel fliuzet abe der Rin Tannh
12,35;
[...] rivier, der by der burg abfloß Lanc
133,29
MWB 1 79,46; Bearbeiter: Tao
abe vordern
swV.
‘jmdn. (Untertanen) von jmdm. zurückverlangen’
hât ein herre einen eigenman, unde sitzet der hinder einem andern herren, unde wil er in von dem abvordern, daz sol er tuon SSpAug
217,22
MWB 1 79,54; Bearbeiter: Tao
abe vremden
swV.
refl. ‘sich abwenden’
si haben gelasen den herren, si haben gescholden den heiligen Israhel, si haben sich abgevremdit [
abalienare
] zuruck Cranc
Jes 1,4
MWB 1 79,59; Bearbeiter: Tao
abe vretzen
swV.
‘abweiden’
si civis civi agrum depopulavit, hoc est fecit abfrötzen, [...] vberschniden etc. sine violentia, reus ad septuaginta duos denarios debebit condemnari StRDingolfing
216;
ain sunderleich wilt hât den weingarten abgefrezt BdN
218,17
MWB 1 79,63; Bearbeiter: Tao
abe vrëʒʒen
stV.
‘etw. (von etw.) wegfressen’
sô muoz der lîp in dem grabe / von maden und von würmen, / [...] verdulden al die wîle ir stürmen, / unz sie daz fleisch gefrezzent abe LvRegSyon
2388;
der wurm frizt daz kraut ab und diu pleter ab den paumen BdN
301,5
MWB 1 80,5; Bearbeiter: Tao
abe vüeren
swV.
1 mit Akk.d.S., ‘etw. wegbringen, fortschaffen’
2 mit Akk.d.P., ‘jmdn. fortgeleiten’
3 mit Dat.d.P. und Akk.d.S., ‘jmdm. etw. gewaltsam abreißen, abtrennen’
1
mit Akk.d.S., ‘etw. wegbringen, fortschaffen’
ubirsnitit och ein man din andirin an einir aniwendi [...], unde wirt iz gini man giware, [...] so sal he iz un bite [so soll er ihn deswegen ersuchen] , daz he iz nicht abi invuri Mühlh
155,21;
SSp(W)
3:37,4
2
mit Akk.d.P., ‘jmdn. fortgeleiten’
kvnic Bilas [...] / sime nevin Aimone / bevalch das her vil schone / Gaitin abe vurte. / daz sie nicht stritis rurte / wedirnthalbin des hers Athis
A** 18
3
mit Dat.d.P. und Akk.d.S., ‘jmdm. etw. gewaltsam abreißen, abtrennen’
brvder Reinhart in begoz / mit heizem wazzer, [...] / daz fvrt im abe hvt vnd har ReinFu
K,696;
er wond [l. wolte
] manigem ritter den helm abe furen, den er úberall under das roß warff Lanc
270,2.
474,30;
si [...] zugen in durch steine alse lange biz daz ime di steine sîn vleisch abe furten HvFritzlHl
121,36
MWB 1 80,11; Bearbeiter: Tao
abevüerunge
stF.
‘Abtransport’, zu abe vüeren
1:
die bergwerk bedurffen vil wege [...] durich abefurung willen des ercz czu den mulen und hutten BgRIglau
334,21
MWB 1 80,29; Bearbeiter: Tao
abe vûlen
swV.
‘abfaulen ’
die vinger manegem ûz der hant / wâren alsô gefûlet abe / als einem, der tôt in dem grabe / gelegen ist wol hundert tage UvLFrd
336,7
MWB 1 80,33; Bearbeiter: Tao
abe wahsen
stV.
1
‘abnehmen, kleiner werden’
2
ûf und abe ~
, wohl ‘heran- und auswachsen’ (vgl. nhd. abwachsen
2 DWB 1, 1202f.), oder ‘heranwachsen und abnehmen’ (?)
1
‘abnehmen, kleiner werden’
ouch erbet û [= iu
] manheit von im an: / sol die an û wahsen abe, / daz ist mir leit Kreuzf
2543;
ich bin gewachsen abe / an fröide SM:Te
6: 2,5.
– subst.:
wanne als vil abwahsens ist an ainem stukke, als vil ist zuwahsens an dem andern stuͤkke KvMSph
39,26
2
ûf und abe ~
, wohl ‘heran- und auswachsen’ (vgl. nhd. abwachsen
2DWB 1, 1202f.), oder ‘heranwachsen und abnehmen’ (?):
auch nimt der mensch sein narunge mit ezzen und mit trinken und wechst auf und ab. mit dem geleicht er den paumen und den kräutern und allen den dingen, die narunge pflegent BdN
3,19
MWB 1 80,37; Bearbeiter: Tao
abe wæjen
swV.
‘weg-, fortwehen’
ein blat / daz der wint abe wæt, / swenne er in die boume schræt LvRegSyon
4288;
owê, ez kumt ein wint, [...] boume, türne ligent vor im zerslagen, / starken liuten wæt erz houbet abe Walth
13,17
MWB 1 80,50; Bearbeiter: Tao
abe walgen
swV.
st. Prät. GvJudenb .
‘herab-, fortwälzen’
abe walgot er den stein GenM
55,12;
der gieng zu dem grab, / den grozen stain wielger ab GvJudenb
2296;
walg ab dicz veͣslein [...]! HvBurg
6405
MWB 1 80,55; Bearbeiter: Tao
abe walken
stV.
‘durchprügeln’
mirst der rücke gewalken abe / und ich muoz einen arzet haben HundesNot
249
MWB 1 80,60; Bearbeiter: Tao
abe wallen
V.
‘herabfließen’, nur Part. Präs.:
er ward herzklich weinende von andaht, daz im die ab walenden trehen úber daz herz ab runnen Seuse
143,30
(vgl.
26,16.
18,8.
84,9 )
MWB 1 80,63; Bearbeiter: Tao
abe walzen
stV.
‘weg-, hinab-, herabrollen’
– intr.:
swaz man wurfe ûf daz dach, / daz möht niht gâhes ab gewalzen Ottok
30438.
– tr. (vgl. abe welzen swV.):
abe wielz er den stein Gen
1272;
den engel vuͦnden si da und den stein ab gewalzen PrLpz
49,9
MWB 1 81,3; Bearbeiter: Tao
abewanc
stM.
1
‘Ausweichen, Betrug’
2 in Funktionsverbgefügen
1
‘Ausweichen, Betrug’
ich erkenne wol den abewank, / ir mûwet ûch al âne nôt En
9662
2
in Funktionsverbgefügen
–
~ nemen
‘sich abwenden’
lieber weri mir, daz ich dich sehe gebaͮret uff ligen, denne keinen abwank in so getaner wise von gotte nemen Seuse
456,15.
–
~ tuon
‘zurückweichen’
in stürmen und in strîten tet ich nie abewanc RosengD
467,2;
‘schwanken’
der gaist ist schnel, das flaisch ist krank / und tuͦt vil manigen abewank WernhMl
8554;
(vom Schwert) ‘sich verbiegen’
er sties es in den stein, daz es vil lut erklang. / do tet daz swert reine nie kein abewang WolfdD
1663,2
MWB 1 81,9; Bearbeiter: Tao
abewaschære
stM.
zu abe waschen
2:
abewaskare [
ablutor
] dere sunten PsWindb
114,Oratio
MWB 1 81,22; Bearbeiter: Tao
abe waschen
stV.
1
‘etw. durch Waschen entfernen’
2 übertr. ‘etw. (Schuld, Sünde u.ä.) tilgen, löschen’
1
‘etw. durch Waschen entfernen’
er hiez mich iz [
hor
] abe wasken ze aineme se AvaLJ
94,4;
KvHeimUrst
609;
sô nim des pluotes unde bestrîch die schulter [...] dâ mit unde wasch daz pluot aver in drin tagen niht abe Barth
153,22;
nim frische ele vnd wasche in abe den slim mit kalter aschen BvgSp
18;
darnach wasch iz abe mit merwazzer SalArz
62,38.
– mit Ersparung des Obj.:
daz kraut [...] hât die kraft, daz ez abwescht und rainigt, wan ez rainigt die zend von irr unsauberkait BdN
383,16;
wan daz hönig entlœst und wäscht ab ebd.
293,25
2
übertr. ‘etw. (Schuld, Sünde u.ä.) tilgen, löschen’
duo chom er [Jesus] zuo Jordane, / getoufet wart er dare. / er wuosch ab unser missetat VEzzo
203;
KLD:Kzl
2:14,12;
die alden meintat ~
TrSilv
296;
nu si [Maria] vns den prunnen der genaden vnd der parmunge praht hat, da ze dem wir vnser svnde abe waschen sulen Konr
16,73;
PrOberalt
33,7.
–
daz si mit ir zæchern alles ir unrecht ab waschent PrOberalt
113,28
u.ö.;
uon div muͦzzin wir unsir missetât mit unsern zahern abwaschen Spec
44,10.
– subst.:
daz [Jordantaufe] er ein abeweschen hiez / kristenlîcher künde [adv. od. abs. Gen.] / von aller slahte sünde Reinfr
18034;
die [...] sündær, die zuo dem süezen wazzer des abwaschens irr sünd gênt und werdent gesunt BdN
242,9
MWB 1 81,24; Bearbeiter: Tao
abewaschunge
stF.
zu abe waschen
2:
so hast du von dem wasser die abweschunge der schulde PrEngelb
183,52
MWB 1 81,52; Bearbeiter: Tao
abewaʒʒer
stN.
‘abfließendes Wasser’
in dem abewasser dur den muͤli runse UrkFreiburgGr
13,207
(a. 1336)
MWB 1 81,55; Bearbeiter: Tao |