abeteilec
Adj.
‘geschieden von etw., einer Sache nicht teilhaftig’
do suften die abteiligen / unses herren irlosunge HeslNic
3540;
wer blibet dan ab teilic / der himelischen wunne dort, / werden war des propheten wort, / daz der mensche wirt heilic und iz vie HeslApk
5246
u.ö.; vgl. â|teilec Adj.
MWB 1 69,43; Bearbeiter: Plate
abe teilen
swV.
1
‘einen Teil von einem Ganzen trennen, absondern’
2
‘jmdm. etw. (gerichtlich, durch Urteil) aberkennen’
3
‘jmdn. (vermögensrechtlich aus dem Kreise der übrigen Berechtigten aussondern und) abfinden’
1
‘einen Teil von einem Ganzen trennen, absondern’
al der habe dritte teil / dî in zûval des sigis gab, / wart von in geteilit ab / und geantwortit Criwin sân, / der daz den gotin ouch vorbran NvJer
4114;
waz zu der sele gehorit, daz sal abegeteilit sin alzumale Parad
47,21
2
‘jmdm. etw. (gerichtlich, durch Urteil) aberkennen’
dem sinú erbe und sinú lant, / [...] und allir sinir richeit habe / wrden ouh geteilit abe / und sinim viende gegebin RvEWchr
30422.
30415
3
‘jmdn. (vermögensrechtlich aus dem Kreise der übrigen Berechtigten aussondern und) abfinden’
vnd ab ein man abget vnd lest kinder [...] vnd die von einander geteilt seyn, gieng derselben kinder eins ab [...] so sullen di abgeteilt kinder also gut recht haben zv dem selben anfallen, als der vngeteilten kindern eins StRPrag
64
MWB 1 69,49; Bearbeiter: Plate
abeteilunge
stF.
‘Abtrennung, Absonderung’
und vryheit der stat sullit ir gebin vumftusunt dy breite und dy lenge vumfundzwenzig tusunt noch der abteylunge des sanctuariums [
secundum separationem sanctuarii entsprechend dem für das Heiligtum abgesonderten Raum]
Cranc
Ez 45,6
MWB 1 70,1; Bearbeiter: Plate
abe tîligen, abe tilgen
swV.
‘tilgen, löschen’
swâ sîn sünde sî geschriben / und daz buoch noch ganz beliben, / die schrift heiz alle tilgen abe RvEBarl
14391;
daz ich getæte etewaz / dâ mit ich gote diente baz, / daz er die sünde tilget abe RvEGer
6629;
JTit
5387,4;
PassI/II
224,43;
Tauler
332,8
MWB 1 70,7; Bearbeiter: Plate
abetragære
stM.
‘jmd., der etw. wegträgt, entwendet’
ir rouber, ir abetrager, ir diube PrBerth
2:70,4
MWB 1 70,13; Bearbeiter: Plate
abe tragen
stV.
1
‘etw. heruntertragen’
2
‘etw. forttragen, fortnehmen, entfernen’
3
‘etw. fernhalten’
4 intr., ‘ein Ziel verfehlen, danebengehen’
1
‘etw. heruntertragen’
da schifften sy auß an di habe / und trugen iren kauff abe HvNstAp
15533;
hais schir ab tragen [von der Waage] / das chorn, die phenning und den wein HvBurg
6380
2
‘etw. forttragen, fortnehmen, entfernen’
uon scaze vn̄ uan golde / [...] des lac da ein vil michil magen. / der kuninc heiz iz abe tragen. / vnde beval iz sime kamerare Roth
417;
trôst seite im minne, zwîvel haz. [...] sus swebeten sîne sinne / in einer ungewissen habe: / trôst truog in an und zwîvel abe Tr
892;
vater mîn, wilt dû, sô / abtrage von mir des tôdes kelch JvFrst
3409.
3476;
si solten geben, ê dem lobe der kalc [die Schminke] würde abe getragen Walth
28,30
3
‘etw. fernhalten’
bedecke die czu vugunge [Pfropfstelle] mit miste odir mit leyme, das das wassir abe trage Pelzb
120,27
4
intr., ‘ein Ziel verfehlen, danebengehen’
der ritter [...] maset [zielte] mit beiden henden im off das heubt den schlag; und der slag trug abe und kam sim roß so schwinde off den halß das im der halß ab fuͦre Lanc
350,6
MWB 1 70,16; Bearbeiter: Plate
abe trennen
swV.
‘(Besitz) abtrennen, rauben’
sus nam er widir in den roub, / den sî hattin abe getrant NvJer
8367
MWB 1 70,37; Bearbeiter: Plate
abe trëten
stV.
intr. (tr. nur 5)
1 absol. ‘weggehen, weichen’ ; übertr. 2 mit Dat.d.P. (vereinzelt Gen.); 3 mit Gen.d.S. (in einigen Fällen ist auch Auffassung als Dat. möglich): ‘etw. aufgeben, von etw. ablassen, sich einer Sache enthalten’
4 mit Dat.d.P. und Gen.d.S. 5 mit Akk.d.S.: ‘etw. durch Treten entfernen’
1
absol. ‘weggehen, weichen’; übertr.:
daz diese nue lere uf steich / vnde man der alden gesweic / die vaste weich vnde abe trat PassI/II
228,62.
– mit Lokaladv. ‘von einem Ort weggehen, einen Ort verlassen’
wir sin wider geerbet / an unse alden wonestat, / da her Adam abe trat HeslApk
10022;
die sunne tut zwei wunder: / sie get uf und sie get under / und kumt wider an die stat / dar sie zum ersten abe trat ebd.
14712.
– mit Richtungsangabe an, gegen: ‘an, in Richtung auf einen Ort weggehen’
Nodam [...] der vinc dô dise sache an / ûzlesinde wol sechzic man, / und mit den hin abe trat [beiseite trat] / vorholnlîch an eine stat NvJer
19242;
nv quam er in die straze / vil ebene vf die selbe stat / da der wech abe trat [abzweigte] / gegen der herberge PassI/II
47,6
2
mit Dat.d.P. (vereinzelt Gen.);
mit persönl. Subj.: ‘von jmdm. abfallen, jmdm. abtrünnig werden, jmdn. verlassen’
den er rât ê gab, / daz si den brûdrin trâtin ab / und den touf vorsmêtin, / den sî intpfangin hêtin NvJer
8310;
do man in [Jesus] legete in daz grab / [...] do sie sin alle traten abe HeslApk
14725.
– mit sachl. Subj.:
Danyel, der da was hie / ein knecht gotis, der ie / ewic leben an im hat, / dem din [Daniels] sin nie ab getrat / an betende vil lieblich Daniel
5416;
hiemite gienc im sprechen abe. / die ougen er verkarte, [...] iamerlich als im gebot / die not, darinne er lac ouch tot, / wand im sin leben abetrat Pass III
213,89;
hierher?:
die stîge sint mir abe getreten, / die mich dâ leiten hin an dich MF:Reinm
31: 4,7
3
mit Gen.d.S. (in einigen Fällen ist auch Auffassung als Dat. möglich): ‘etw. aufgeben, von etw. ablassen, sich einer Sache enthalten’
do got die nuwen e gab / und die lute musten ab / treten der alt gewonten site HeslApk
8266.
8584;
brûder Jurjes was [...] meister an des meisters stat. / des amtes er nicht abe trat / biz daz meister Werner [...] nam / die meisterschaft an sîne gewalt LivlChr
6324;
und trat der bete niht ab, / unz er [...] die schult vorgab HeslNic
1365;
ein kunec sal eide abetreten / [...] weistu nicht daz missestet / daz ein kunic zu eiden get? Secret
1199
4
mit Dat.d.P. und Gen.d.S.:
wolt ir mir des treten abe [darin nicht Folge leisten] / ich ezze alleine ez vurbaz / von deme ich e ein teil ouch az PassI/II
276,16;
er vlêhete sêre unde bat, / der bete er im nicht abe trat [in Bezug auf diese Bitte gab er ihm keine Ruhe]
LivlChr
5772
5
mit Akk.d.S.: ‘etw. durch Treten entfernen’
einem schiltkneht wer [im Gedränge] liht ein spor / hie ze hofe abe getretten TürlArabel
*A268,23.
– übertr.:
des [Willehalms] selde iamerrich / tschvmpfentvͥr het ab getretten TürlArabel
*A199,9
MWB 1 70,40; Bearbeiter: Plate
abe trîben
stV.
1
‘hinabtreiben’
2
‘forttreiben, vertreiben’
3
‘etw. (Krankheit) austreiben, heilen’
4 von Rechtsverhältnissen: ‘aufheben, anfechten’
1
‘hinabtreiben’
seind nu der [aufsteigende] dunst warm ist an im selber, sô widerstêt im der kalt luft und treibt in snell und gæhlingen her wider ab BdN
77,6;
Tauler
44,28
2
‘forttreiben, vertreiben’
Thelogon [...] trat zv der porten baz / vnde stiez vnde dranc, / daz der torwart her vur spranc / vnde wolde in abe triben Herb
18346;
unde sol der schultheisse [...] hueten des kornes unde der snittere, ob ieman da si, der das korn nut muge gesniden noch gebinden, das er in abe tribe WeistGr
1,670
(a. 1320);
die boten [...] wolden nemen so hinabe / das heilictum Laurencii / [...] / do quam ein widerkraft vil starc / und began sie abetriben, / wand alda wolde bliben / Laurencius bi Stephano Pass III
51,33;
wenne di marctzit vergeht oder waz man [an Vieh] abetribet von dem marcte, so mugen di vleischower koufen ane vare StRFreiberg
246,8
3
‘etw. (Krankheit) austreiben, heilen’
aber do die werlt wart gewar / das Crist die maselsucht ab / und alle suche gar vortreib HeslApk
7674
4
von Rechtsverhältnissen: ‘aufheben, anfechten’
wir haben ouch das verlobt, dc disen eit vnd dise sicherheit nieman abe triben noch werben sol von dem babeste noch von geistlicheme noch von weltlicheme gerihte UrkCorp
N17,29;
daz der kavf ab getriben mochte werden oder anders bechrenchet ebd.
3314,17
MWB 1 71,31; Bearbeiter: Plate
abe triefen
stV.
‘herabtropfen’
nu mag ein man wol nemen war, / wi uzer hude slufet / der sweiz unde abe drufet Elis
10396
MWB 1 71,59; Bearbeiter: Tao
abe triegen
stV.
‘jmdm. etw. durch Betrug abgewinnen’
daz sebynde gebot ist daz: daz du nymande sullist stelyn adir beroubyn adir abetrigen syn gut EvBerl
149,30
MWB 1 71,62; Bearbeiter: Tao
abe trinken
stV.
‘jmdm. etw. wegtrinken’
ê denne mir der mîn gelt abe trünke, / ich trünke ê daz mir diu zunge hünke Renner
10217
MWB 1 72,1; Bearbeiter: Tao
abe|trinne, abetrunne
stF.
‘Abfall, Lossagung’
in dem anbeginne / der andrin abetrinne NvJer
15012;
brûdir Conrât [...] daz lant [...] gar betrûbit vant / von der abetrinne / des volkis ebd.
20700;
dâmit er [Gott] ûz der âchte / der aldin abetrunne / irlôste menschlîch kunne ebd.
21958
MWB 1 72,4; Bearbeiter: Tao
abetrit
stM.
– in der Wendung âne ~
‘ohne Widerruf’
biz daz versigelt und verschriben / wart nach haidnischem sit / daz stætlich an abtrit / solt sin Aglye / kuͤnc Walwans amye WhvÖst
2190;
der mir wolte staben / den ait, ich swuͤr an abtrit / daz ich slief und wachet nit ebd.
1135.
–
~ gewinnen
‘dahinschwinden’
[...] mir sint laz / wurden alle die gelit; / gar min craft hat abetrit / gewunnen vor den blicken / uz diner ougen ricken [Fesseln]
Daniel
6684
MWB 1 72,10; Bearbeiter: Tao
abe|troc
stM. ,
abe|getroc,
â|getroc
stN.
‘teuflisches Blendwerk’
knab, an iu lît wunders vil, / daz ir der natûre zil / alsô fruo brechet, / daz ir gêt und sprechet / als ob ir hêtet grâwen loc: / ir sît ez lîht ein abetroc [La. agetroc
]
Georg
3214;
dô sprach daz kindel wol getân / ‘her, ich bin niht ein abetroc [La. niht abegetroc
]
[...]’ ebd.
3219
MWB 1 72,20; Bearbeiter: Tao
abe trôren
swV.
‘abwerfen’
der rîffe iz [Obst] nefrôret, der wint iz ab netrôret, / diu hitze iz nedarret, nehein snê im newirret Gen
238
MWB 1 72,27; Bearbeiter: Tao
abe trossen
swV.
‘abladen’
dî kost, / dî sî dâ hatten abgetrôst [sic!]
NvJer
24457
(vgl. Johansson, NvJer.)
MWB 1 72,30; Bearbeiter: Tao
abe troufen
swV.
‘herabträufeln’
wenn daz honig zehant abtreuft in tropfen weis, daz ist sô guot niht sam daz zæh ist BdN
293,6
MWB 1 72,33; Bearbeiter: Tao
abetrülle
swM.
‘der Abtrünnige’
die [...] geloubic sint, / man frowen oder kint, / machet er mit marter grôz / aller marterære genôz, / oder abtrüllen, daz siu die helle ervüllen Antichr
569
MWB 1 72,36; Bearbeiter: Tao
abetrünnære
stM.
‘Abtrünniger’
der jungelinc [...] muoz mit rehte münch sîn unz an sînen tôt, oder er muoz gotes abetrünner sîn von êwen ze êwen SpdtL
104,14
MWB 1 72,40; Bearbeiter: Tao
abetrunne
stF.
→ abe|trinne
MWB 1 72,44;
abetrünne
Adj.
auch abturni.
1
‘treulos, abtrünnig, abgefallen’
2
‘flüchtig’
1
‘treulos, abtrünnig, abgefallen’
die engel abtrünnen Serv
287;
DvASchr
385,35;
die aptrunnen Israhele / verlurn lip unde sele, / daz si sich von ir herren zugen / und ir chnie dem apgot bugen StrKD
37,35;
vil lîeber schrîbære, / schrîp den selben nascher [Ehebrecher] an / für einen abtrünnen man Helbl
2,1006.
– präd. mit werden/sîn:
wîn und wîp machent unwîsen man / der got lîchte wirt abtrunne Priesterl
140;
daz in kurzer stunt / maniger abetrunn was worden / an kristenlichem orden Ottok
45231;
ich bin got ungenæme / und kriste widerzæme, / ich bin abtrünne gewesen LBarl
14308
2
‘flüchtig’
wirt die [der Mann, der den Bürgen gestellt hat] abturni, daz he sienin burgin nicht inloisit [nicht auslöst] , so sal di burgi also vili mi scultheizin leisti, alsi he geloibit heit Mühlh
99,17.
99,7;
StRNördl
8,20
MWB 1 72,45; Bearbeiter: Tao
abetrünne
swM.
abentrünne
Teichn , hierher?
–
‘der Abtrünnige, Abgefallene’
ich was ein abetrünne LBarl
8405.
10034
u.ö.;
Messya wær daz vil leit, / wuͤrde ich ein aptruͤnne Rennew
15953.
16172
u.ö.;
man sold in [
êbrechære
] drumbe swachen / als einen abtrünnen Helbl
2,987;
der ûz gevarn wære / dâ ze Lilenvelde [aus d. Kloster Lilienfeld] , / er [...] ist ein abtrünne ebd.
2,932;
ein abentrunn Teichn
259,69.
393,107.
– mit Gen.- oder Präp.-Attr.:
nu fliuh ich ábtrúnne der heiligun glóubo unde áller rehter wérchunge ci demo uile miltin barme der dîner álemahtigûn irbármide BambGlB
141,14;
manec gotes abtrunne, die gotes uerloͮgenent unde dem Antichristo uolgent Spec
145,21;
er sî ein abtrünne sîner ê Helbl
2,964;
des bischolfs abtrunne [Nom. Pl., die vom Bischof abgefallenen]
Ottok
37723;
ein aptrunne von der ewigen wunne StrKD
107,97;
[der Ketzer gleicht] eim abentruͤnn / ab dem glauben christenleich Teichn
564,3470
MWB 1 72,63; Bearbeiter: Tao
abetrünnec
Adj.
‘treulos, abtrünnig, abgefallen’
Lucifer / ein eingil abitrunnigir SuTheol
54;
wan wer gote begeben phligt / und uf di hantgetat sich wigt / [...], / der ist abtrungec algereyt Hiob
11830;
RvEBarl
14310;
Daniel
1363;
Cranc
Ez 2,3;
WernhMl
13362;
daz er [Ordensbruder] wil abtrvnnich werdin [
ut egrediatur de monasterio
]
BrEng
58;
win macht ouh di wisen abtrvnnec BrAsb
40.
– präd. mit einer Dat.- oder Präp.-Ergänzung:
daz ich im [Christus] aptrünnic ie / was RvEBarl
13897;
abtrunnic [...] / si wir dime gebote / worden Daniel
6270;
Mügeln
379,17;
wan sú vorten, daz si uss ire úpigen geselschaft abdrúnnig wurde Seuse
138,12;
dekein brvͦder, der aptrunnig ist von irem orden UrkCorp (WMU)
1651A,22;
HvNstGZ
5151.
– subst. :
nu fliuho ih abtrunnigiu dero heiligen glouba [...] ze demo filo milten barmi dero dinero almahtigen irbamidi WessobrGlBI
141,14;
dekein brûder sol dikeinen cristenen menschen heizen verrêtere oder abtrunnigen von dem gelouben StatDtOrd
59,7
MWB 1 73,19; Bearbeiter: Tao
abetrünnecheit
stF.
‘Abfall, Treulosigkeit’
wan di [Könige] der werlde alles leit / tun und di gerechtekeit / nicht halden [...], / set, daz heyzet abtrunnekeit / von kunclichen wirden gemeit Hiob
12857
(Auslegung zu 12852: „ir sit abtrunnege man”, vgl. Iob 34,18)
MWB 1 73,40; Bearbeiter: Tao |