armwîp
stN.
‘bedauernswerte, (abhängige?) Frau’
wie stâtz um disiu armen wîp [La. armwip ─ die Frauen im Spinnhaus betreffend] ? Iw
6267.
7317
MWB 1 363,28; Bearbeiter: Diehl
1arn
stM.
→ ar swM.
MWB 1 363,32;
2arn
stM.
‘Ernte, Erntezeit’
daz ist aue der ameizin geslâhte. so si indem arne an den ahchar gat. so gestinchit si [riecht sie] wa diu gersta unt der weizze ist JPhys
17,31;
MillPhys
125,2;
do er siu [Christus die Jünger] do hina sante, do sprah er, daz der arin michel ware, unte dero snîtare luzil wari. [...] pittit den almahtigen got, daz er senti di werhmanne in sinen aren [Mt 9,37f.
]
PrSchererB
168,17;
daz ist ergangen, do von Christes geburd warn dreuzehenhundert jar, dar nach in dem vier vnd zwaintzigisten jar des svntags in dem arn nach vnserm vrôwntach UrkEnns
5,401
(a. 1324)
MWB 1 363,33; Bearbeiter: Schnell
arnære
stM.
‘Tagelöhner, Erntearbeiter’
ich bin iezvnt niht wirdich geheizzen werden din svn. mache mich als einen vz dinen arneren EvAug
178,8.
178,4;
vnd si [Jakobus und Johannes] liezzen irn vater Zebedo in dem schiffe mit den arnern ebd.
77,18;
umb H., den Trawblinger, den arnaͤr BWB
1,587
(Rgbg. Urkb., a. 1342)
MWB 1 363,45; Bearbeiter: Schnell
arnebote
swM.
‘Bote, Fürsprecher’
herre sancte Petir, ich bite dich [...], daz du mir zi unsirme trehtine arnebote siest, daz min ser unde min not [...] in mandunge bicherit werde MuriGeb
96
MWB 1 363,52; Bearbeiter: Schnell
arnen
swV.
1
‘(sich) etw. verdienen; sich etw. einhandeln’ (mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz) 2
‘(für) etw. büßen’ (mit Akk.d.S.)
1
‘(sich) etw. verdienen; sich etw. einhandeln’ (mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz):
martires. dîe der mit íro selbes blûote hímilrîche árnôton Will
52,28;
da vone [mit seinem Martyrium] garnete er, daz er die himele offen sach Spec
26,6;
ich han garnet dinen zorn, / ê muz er uber mich chomen Rol
3050;
dû hetis garnit widir mich den êwigen tôt, wende dû mînen pilgerîm hâst irmordit PrMd(J)
347,14;
VMos
53,3.
– in der Wendung gearneter/gearneteʒ lôn
‘Arbeitslohn; verdienter, rechtmäßig zustehender Lohn’ (vgl. auch DRW 1,831):
uf swen man chlaget umb garntez lon, daz man mit dem swæizz verdient hat, der sol dem chlagær zwispil geben UrkCorp (WMU)
3452,10;
alle die den andern ir gearneten lôn vor behabent über ir willen, die sint zehant in der ruofenden sünden einer PrBerth
1:90,8.
– mit Übergang zu 2:
diu sêle danne [nach dem Tod] garnet / swaz der lîcham hât gefrumet Wernh
2710
2
‘(für) etw. büßen’ (mit Akk.d.S.):
du solt ez arnen; du gihest, ich sî verzagt NibB
2141,3;
dû garnest al mîn herzesêr Wh
80,17;
er muoz arnen den haz den er uns âne schulde truoc KvHeimUrst
1722;
ir arnent es das ir mich hut geunert hant Lanc
82,18;
dâ muoste er arnen daz gemach, / daz im in der stat geschach RvEBarl
5079.
– mit Akk.d.P.: ‘für jmdn. büßen’ (hier: für jmds. Leiden, Sünden büßen):
er [der römische Kaiser] hieze zevuoren die stat / dâ der hêrre gemarteret wart, / si [die Juden] arneten in vil tiure / mit swerten unt mit fiure Kchr
845;
si muozen iuh vil sêre arnen: / ich geriche iwer ougen [die sie euch ausstachen]
ebd.
14538;
swenne [du] dinen vater den zarten got mit dinen sünden erzurnest, der dich so harte hât gearnet PrSchw
1,107
MWB 1 363,56; Bearbeiter: Schnell
arnmânôt
stM.
‘Erntemonat, August’
augustus: arnomanot [La. ernemanot
]
SummHeinr
1:104,1125
MWB 1 364,27; Bearbeiter: Schnell
Arnolder
stM.
Anhänger des Arnold von Brescia (Häretiker):
daz sint ketzer [...] die sint geheizen Manachêi und Patrîne unde Pôverlewe unde Runkeler unde Sporer unde Sîfrider unde Arnolder PrBerth
1:130,31;
ähnl.
ebd.
1:402,16
MWB 1 364,29; Bearbeiter: Schnell
arnot
Subst.
‘Ernte’
diu des morgens choment / unde grozzen lon nement. / die habent sich gewarnot [vorgesehen] , / allen den arnot Hochz(HV)
416
(vgl. Anm.z.St.);
satio: seiunga. messis: arnot SummHeinr
2:89,26
MWB 1 364,34; Bearbeiter: Schnell
arnunge
stF.
1
‘Verdienst’ (zu arnen 1 ) 2
‘Bestrafung, Vergeltung’ (zu arnen 2 )
1
‘Verdienst’ (zu arnen 1):
das dach bleyb stende unvorserit [...] von der arnunge sente Johannis baptistin MarcoPolo
13,16
2
‘Bestrafung, Vergeltung’ (zu arnen 2):
do sprach der Allexander / zcu dem rouber wedir her / ‘din gelucke wil ich wandiln / und wil iz mit dir handiln, / daz icht dine bosheit / si dem gelucke uf geleit, / sundir der arnunge’ PfzdHech
187,23
MWB 1 364,39; Bearbeiter: Schnell
arnvëderich
stM.
‘Adlerflügel’
das dritti dier was ein lêbarte. / vier arin vederich her havite. / der beceichinôte den criechiskin Alexanderin Anno
14,2
MWB 1 364,47; Bearbeiter: Schnell
arnvëtach
stM.
‘Adlerflügel’
daz êrste tier was ain liebarte; / der vier arenvetech habete, / der bezaichinet den chrîchisken Alexandrum Kchr
537
MWB 1 364,51; Bearbeiter: Schnell
arnvlügel
stM.
‘Adlerflügel’
vier grose tyr irhuben sich uz deme mere [...]. daz erste was alse eine lewinne und hatte arenvlugil Cranc
Dan 7,3
MWB 1 364,54; Bearbeiter: Schnell
arôma, arômât
stswSubst.
‘aromatisch duftende Pflanze, Gewürz’ (pharmaz. Aromata); findet in Heilkunde und Kochkunst vielfältige Verwendung (u.a. zur Konservierung):
aroma unde balsme die sterkent die jugent Meissner
1:8,4;
der beste ruch / in suͤzzem winde quomen, / mit mirren, thus, aromen / gemischt Baldem
70;
du [Maria] apoteca rich, / mit aromat gezieret Frl
9:1,6;
balsame und mirt, / swaz edelen smac von arte birt / oder arômâtes namen ie gewan KvHeimUrst
1953;
rîchiu pflaster wol getiuret, / müzzel [wohl Mastix] und zerbenzerî [Terpentin] , / arômâte und amber was derbî Wh
451,22;
dô si den lîp [Leichnam Mariens] bereiten / mit rîchen aromâten / schône condieret hâten WvRh
14949.
12132;
vil schône man sîn [Herzog Albrecht] phlac / mit latwerje und triac / und mit aromaten rein Ottok
68325;
wer uff uns gegoßen / hete die sußen aromaten Minneb
3433;
HvNstGZ
3967.
– oft auch in der lat. Form:
in die selben schrîne dâ / hiez er tragen arômatâ, / mirren, balsem, alôê RvEBarl
1844;
zelt man ez zuo den edelsmeckenden dingen, diu man ze latein aromata haizt BdN
89,11;
an in streich man dar nâ / balsam und arômatâ En
8248;
KvHeimHinv
566
MWB 1 364,57; Bearbeiter: Schnell
arômâten
swV.
‘jmdn. (einen Leichnam) einsalben, einbalsamieren’
swaz Gyburge mâge ist hie verlorn, / die sol man arômâten, / mit balsem wol berâten, / und bâren küneclîche Wh
462,27;
si [die tote Schoysiâne] muose gearômâtet und gebalsmet ê schône werden Tit
21,2;
balsamen und aromaten / hiez sie [die toten Könige] der vogt von Baldag Rennew
24148
MWB 1 365,18; Bearbeiter: Schnell
arômâtic
Subst.
ein nicht näher identifizierbarer Baum bzw. dessen Frucht (ein wohlriechendes Gewürz?):
und der baum aromatich WhvÖst
1031;
ein baum der aromatic truͦg ebd.
1296.
– auch aromatie (mit Laa. aromatick, aromatig):
edel aramatie guͦt WhvÖst
955
MWB 1 365,26; Bearbeiter: Schnell
arômâtieren
swV.
‘jmdn. (einen Leichnam) einsalben, einbalsamieren’
in [seinen Vater Jakob] hiez [...] / Josep aromatieren / und condimentieren / mit edelm geselbe wol, / das was edels smackes vol RvEWchr
8328
MWB 1 365,32; Bearbeiter: Schnell
arômâtwurz
stF.
eine wohlriechende Pflanze:
den venchel und die minzen, / salveien unde ruten / wil ich dinem truten / gewande niht gelichen: / ich wil darzuo die richen / aromatwürze mazen KvWGS
594;
du [Maria]
[...] apoteke wünneclich, / der tugend aromatwürze dich / geblüemet hant ebd.
1314
MWB 1 365,37; Bearbeiter: Schnell
arp
swM.
‘Harpyie’ (Fabelwesen in Vogelgestalt mit menschlichem Gesicht):
von dem arpen. arpia ist ain vogel [...] der vogel hât ain menschleich antlütz BdN
167,28;
in der lat. Form:
wißt, arpia ein bilde / der vogel menschen hat Mügeln
362,1
MWB 1 365,44; Bearbeiter: Schnell
arraʒ
stM.
‘leichtes Wollgewebe’ (nach der Stadt Arras in Flandern benannt, vgl. NibB
1825,1 und Parz
588,20):
[bei Zoll- und Maklergebühren fallen an] von einem ringen tuch 4 h[aller]. von einem arrazz 2 haller NüP
227;
daz gest oder auslaͤwt [...] chainerlay gewant suͤllen verchauffen [...], es sey dann Hymberger [l. Lymberger, Tuch aus Limburg] , Arras und allez duͤnnes gewant StRMünch
409,21
MWB 1 365,49; Bearbeiter: Schnell
arre
stF.
‘Handgeld, Anzahlung zur Besiegelung einer Abmachung’
gibe ich einem man ein guͦt ze kouffenne vnde git er mir sin arre dar an vnd daz guͦt belibet in miner gewalt vnde wirt ez mir verstolen der schade ist sin SchwSp
106a;
von harre des chaufes SchwSp(R)
79,102
MWB 1 365,58; Bearbeiter: Schnell
ars
stM.
1
‘After, Anus’
2
‘Gesäß’
3 phras.
1
‘After, Anus’
culus vel podex: ars (vel after) SummHeinr
1:132,232;
anus vetula vel alter, alibi, posteriora hominis: ars ebd.
2:170,353;
welch ros hertslechtig ist, dem sal man eyn glundes ysyn als eyn spynnele czwischen dem arse unde czwischen dem czagele an dy wuste stechyn Albrant
3,36
2
‘Gesäß’
ir ars ist sinewel als ain stock [Holzklotz]
HvNstAp
4387;
die ers man in [den Tanzenden] ser wacken sach MeierBetz
290;
und [der Rosenkranz] sol auch den uber den ars niht hahen, er [der Bürger] sol in vorn an der seiten tragen NüP
141
3
phras.:
ir sît gelîch als ars und mâne [ihr seid völlig ungleich]
Walth
18,10;
ich sprach "solt ich âne kus / hinnân von iu scheiden?" / sî sprach ‘lose, ern weiz, wes ars er treit!’ [er kennt sich selbst nicht, schätzt sich völlig falsch ein]
KLD:UvW
36:3,6;
wol hin dem tiufel in den ars [Fahr zur Hölle!]
Stolle
20,14.
– in Sprichwörtern und sprichwortartigen Wendungen (meist mit fremdspr. Entsprechungen, vgl. TPMA 1,228-237):
an dem arse grindet die mat [am Arsch ist die Jungfrau räudig] , / wan sie sich nit ruren lat SalMark
341;
sehe ich eime den ars blecken, / wie sal ich den bedecken? ebd.
445;
wer sinen ars wischet mit kabe [Spreu] , / der wirt wenig rein dar abe ebd.
369;
des buches uberezzekeit / den ars zu willen forzen deit ebd.
539
MWB 1 366,1; Bearbeiter: Schnell
arsbelle
stF.
‘Gesäßbacke’
nates: arsbelle, quod in ipsis innitimur dum sedemus SummHeinr
1:132,232.
2:380,93;
[Hildebrant] lîf abir an den resen unde slûc im abe ein bein, / und slûc im abe ein arspel RosengP
449
MWB 1 366,28; Bearbeiter: Schnell
arsdarm
stM.
‘Mastdarm’
colus: arsdarm SummHeinr
2:250,04.24
MWB 1 366,33; Bearbeiter: Schnell
arsiure
M.
Windname (von ital. arsura
‘Glut, Brand’):
arsiure [Hs. arsúle
] von dem plane [von der Wüste, hier: der Sahara]
Tannh
13,72
MWB 1 366,35; Bearbeiter: Schnell |