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ABCDEF s.VGHIJKL
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a – abebrëchære, âbrëchære
abe brëchen, âbrechen – abe drumen
abe|ein – abe ertwingen
abe ervëhten – abegezogen
abegezogenheit – abe houwen
abehouwunge – abelæge
abe lantscheiden – abe lœsen
abelœsunge – âbentganc
âbenthan – âbentsunnenschîn
âbenttanz – aber|æhter
abe rechenen, abe rechen – aber|schâch
abe rücken – abe schieʒen
abeschiht – abeslac
abe slahen – abe stîgen
abestôn – abetragære
abe tragen – abe vâhen
abeval – abe wahsen
abe wæjen – abe weschen
abeweschunge – abe ziehen
abeziehunge – âbrëchære
âbrëchen – achter-, ahter-
achwent – ackervruht
ackerwërc – adellich, adellîche(n)
adelmuoter – âderslahen
âderstôʒ – affensmalz
affenspil – afterbier
afterblunder – aftermuoder
aftermûre – afterwort
afterzal – agleister
agleistervar – ahselrote
ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp
ahten – âhui
ahzec – alamande
alanc – alde
aldê – algorismus
alheit – allergotesheiligentac
allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet
allersêlentac – allwent
Alman, Almân – alp
alpha – al|tagelich
altære, altâre, alter – alters|eine
alterstat – altmæʒec
altmüede – alwaltecheit
alwaltende – ambahtære
ambahte – âmehte
âmehtec – ametiste
âmezûber – amt
âmügel – anderheit
anderleie – andorn
andouge – ane bereiten
ane bërn – anebot
ane botwarn – ane draben
ane dræhen – ane errâten
ane ersëhen – anegedenken
anegedenklich – anegeslaht
anegeslöufe – anegrîfunge
ane grînen – aneheftec
ane heften – aneinander
ane jagen – ane komen
ane koufen – aneleitrëht
aneleitunge – 2ane merken
anemerkunge – ane phîfen
ane phlanzen – anerüeftec
ane rüeren – aneschouwede
aneschouwelich – anesidel, anesedel
ane sîfern – ane sniudeln
ane snöuwen – ane springen
anespruch – ane strîten
ane stroufen – ane trëten
ane trîben – anevëhtigunge
anevëhtlich – anevluʒ
ane vordern – ane weigen
aneweigunge – anewîsunge
ane wonen – angelisch
angeln – angestnôt
angestsam – ankesmër
anlamin – antlæʒec
antlâʒen – antsmër
anttac – antwîch
antwürkæreknëht – apfelrîs
apfelrôt – ar
âr – arc|haft
arche – ardell
ardîse(n) – armbendec
armbouc – armiure
armlëder – arnebote
arnen – art
art – arzâtîen, arzedîen
arzâtîn – âsblâsende
ascalamus – â|schildes
aschlouch – aspentier
aspindê, aspindei – astronomierre
astronomus – atrament
atte, ette – avelen
âventiurære – â|witzec
â|witzen – âʒ|zît

   argument - armeclich    


argument stN. ‘Argument, Beweis’ [der Meister] lêre si [Schüler] denne ein argument / [...] / mit dem si gar sich selber triegen Renner 17569; wan uns was in diseme vlîze des argumentis niht zu swîgene den sûchinden EvBeh 8; Aristotyles [...], / der warheit durch argumente / gar wol hait erkennet Pilgerf 1618; obe ich durch argumente / die lude wolde dun verstan und wenen / das ein palast odir eyn muͤnstere / eyn kleyn notstalle were ebd. 2811 u.ö.

MWB 1 352,54; Bearbeiter: Diehl

argumentelîn stN. Dimin. zu argument: swenne die ein argumentelîn / gelernent larfen [stottern oder verschrieben aus laufen ?] oder zwei, / der driu doch gülten niht ein ei, / sô wöllen si meisters meister sîn Renner 16590

MWB 1 353,1; Bearbeiter: Diehl

argumentiste swM. ‘jmd., der sich auf Argumente, Beweise bezieht’ (vgl. LexMA 1,924 ‘argumentum II’), hier negativ ‘Pseudo-Gelehrter, der die richtigen Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt’ man vant bi armen auctoristen / vor tûsent jâren bezzer kristen / denne bî sûren argumentisten / [...] / die mit worten und mit listen / manigen gevangen ûz einer kisten / in ein ander kisten brengent Renner 8687

MWB 1 353,6; Bearbeiter: Diehl

aritmeticâ, arismeticâ Subst. ‘Arithmetik’ (als ‘Rechenkunst’ Teil der Mathematik im System der artes liberales, vgl. LexMA 6,381ff.): so ist diu viunfte [der artes] aver sa / geheizen aritmetica ArnoltSieb 34,10; Arismetica. / die selbe kuͤnst hat die wal / daz sie pfliget aller zal. / sternen und des meres griz / zelet sie an wider driz HvNstGZ 846; Ottok 38833; wie sich die zal gebirt, / wer an der lere si verirrt, / von arismetrica er wirt / bescheiden ganz der meisterschaft, / wie zwei uß einem gan, / wie viere fort ir steigen han Mügeln 284,3; aresmatica MinneR 481 821

MWB 1 353,15; Bearbeiter: Diehl

arke stswF. (stM. AristPhyll 388, vgl. 2.1); auch erich (vgl. 2.4). ‘verschließbarer Behälter, Kiste’ (aus lat. arca) 1 ‘kastenähnliches Schiff’ , meist die Arche Noahs
2 ‘Behältnis’
2.1 ‘Kiste, Truhe’
2.2 ‘Bundeslade’ ( arca foederis Nm 10,33)
2.3 ‘Sarg’
2.4 ‘Fischkasten, Reuse’ (meist umgelautet)
3 ‘Uferbefestigung’
4 übertr. (nicht immer klar zu scheiden zwischen Schiff und Behälter)
   1 ‘kastenähnliches Schiff’, meist die Arche Noahs: dô diu fluot fure wart unde diu arche stuont in monte Ararat Gen 714; vnd ertranc alles das lebentiges was, ane die, die div arche bevangen hete Konr 1,36; die waren glich den vogelen, die Noe us der arche hatte gesant Mechth 5: 23,131. der vogel sich des harte fleiz / daz er die cleinen arken / gezüge ab dem vil starken / wilden wâge unmâzen tief KvWSchwanr 253 u.ö.    2 ‘Behältnis’    2.1 ‘Kiste, Truhe’ an den selben stunden / hiez er im giezen ain arke, / michel unde starke. / diu arke diu was êrîn Kchr 7546; ob er tûsent marke / heizet in sîner arke / vil vaste besliezen Wig 67; gehúgde; dú ist bildung aller ding und ist glich aim schrin oder ainer arche PrGeorg 233,3; wi an deme boume odir in deme wynstocke wirt gemachit eyn icliche vrucht czu weren in eyner archin Pelzb 119,5; die paum wachsent gar grôz, reht als diu aich, und macht man guot taveln oder archen oder laden oder schrein dar auz BdN 338,16; ich gibe dir goldes zweinzic marc, / und vüere dich in mînen arc [an meine Schatztruhe] / und nim darûz, wie vil du wilt AristPhyll 388    2.2 ‘Bundeslade’ (arca foederis Nm 10,33): darin gi der ewarten tuͦre. da stunt inne ein arche. gelich eineme sarche VMos 57,22; die arke waz von golde rot HvNstGZ 1540; gelich / der hailgen arch minnenklich, / in der man behielt die zechen bott KvHelmsd 622; abr di andir nwe stift / in des gelubdis arche / recht als in einem sarke / sten ewiclichen blibet TvKulm 5463    2.3 ‘Sarg’ wan sarcos in kriechisch haizt ain arch BdN 462,20; legt man hie vor der grôzen herren cörpel in archen ebd. 478,18    2.4 ‘Fischkasten, Reuse’ (meist umgelautet): istud instrumentum [...] quod vulgariter ereich dicitur UrkKlostern 2,170 (a. 1258); de duplici piscina quarum una vocatur ærich WeistÖ 8:743 Anm. (a. 1282 kopial); daz niemant vischen oder æricht haben soll ebd. 8:868 Anm. 2 (vor 1318 kopial)    3 ‘Uferbefestigung’ unde an der arken ein mes bi der Bolzerin UrkCorp (WMU) N722,3; die arke in der Frucze 2DWB 3:230,23 (Jutz)    4 übertr. (nicht immer klar zu scheiden zwischen Schiff und Behälter): diu junge süeze künigîn / alsô zôch si gedanken în / ûz maneges herzen arken, / als der agestein die barken / mit der Syrênen sange tuot Tr 8109; ir wîplîch herze was sô guot, / ein arke für unkiusche fluot Parz 477,12; ich bin dez himels arke, / da daz himel brot inne lag HvNstGZ 7597; wie Jhesus [...] / ist uff gegangen [...] / mitt sines gewaren libes arche [leiblich] KvHelmsd 2793; eyâ, dû auzerwelteu edleu arch, ain arch der êren, ain arch der götleichen gnâden BdN 338,27; ein arcke voir onstede flut / ist van Brisseche her Otte MinneR 481 226 u.ö.

MWB 1 353,27; Bearbeiter: Diehl

arke Subst. ‘Bogen’ (aus lat. arcus): an bruggen ich nie besser werch / sach von gewelpten arken SHort 6459

MWB 1 354,21; Bearbeiter: Diehl

ärker stM. ‘Erker’ (aus afrz. arquière ‘Schützenstand, Schießscharte’, bis ins Spätma. v.a. Bestandteil von Wehranlagen): turme, zinnen, berfride, / mvren, erckere Herb 6195. 10467; diu [Stadt] was berüstet wol mit wer: / türne, bercvrit, ärker / vil âne mâze stuont der / ûf der mûre Wig 10740; daz hinnan nieman in der stat ze Costentze [...] dekainen fv́rschutz [Überbau] mache alde bûwe [...] vf die straze mit stvban, mit loͮben, mit gaͤdemern, mit vmbeloͮfen oder mit aͤrgern, ane den bv vf den túrnen UrkCorp (WMU) 2354,5,7. – übertr.: ir herren, di wile wir besitzen, / hie unses lebendes libes erker / und sint gevangen in vleisches kerker, / so muze wir vil anevechtunge / liden von der tubelischen zunge Brun 10721; mit leides seile sie mich zoch / gar hoch uff sorgen erker / und liez in trurens kerker / mich vallen in ein tieffes loch Minneb 1789. – Lit.: B. Keller, Der Erker. Studie zum mittelalterlichen Begriff, Frankfurt a.M. 1981

MWB 1 354,24; Bearbeiter: Diehl

ärkerlîn stN. Dimin. zu ärker: ein hohe mure gemaht von quoderstein / die umbevieng den garten rein. / ouch stundent umbe den garten fin / schöne türne mit erkerlin ParzRapp 339,17

MWB 1 354,44; Bearbeiter: Diehl

arl stswF. ‘kleiner Pflug’ (Beschreibung mit Abb. WBÖ 1,328ff.): iu ist bû wol bekant / nemt die arl in die hant BuchdRügen 1502; weder arlen noch phluoc / nutzen man dâ siht Ottok 41374. – übertr. (nur in Tirol): ‘Fläche, die ein solcher Pflug als Tagwerk bestellt’ decima ex una arula UrkSüdtirol 3,2:171 (a. 1280); in Seuers drey arel weingarten UrbTirol 124 (a. 1288)

MWB 1 354,48; Bearbeiter: Diehl

ärlîn stN. Dimin. zu ar: ein ieglich ärlin Martina 107,25

MWB 1 354,56; Bearbeiter: Diehl

arlinc stM. ‘kleiner Pflug’ (vgl. arl): ez wiͤrt alltag eysens mer / und nympt auch an der tewrung auf. / wann ich sech [Pflugschar] und arling chauf / so ist ez vertewrt gar Teichn 351,6

MWB 1 354,58; Bearbeiter: Diehl

arlizboum stM. ‘Kornelkirsche’ (vgl. Marzell 1, 1164ff.): cornus: arlizboͮm SummHeinr 1:180,143. 2:45,238; erlizboum ebd. 2:209,4

MWB 1 354,62; Bearbeiter: Diehl

arm Adj. (auch subst. in allen Genera) ‘etw. entbehrend’, ursprünglich ─ wie in der Paarformel arm unde rîche (vgl 1.6) ─ stärker politische und rechtliche Machtlosigkeit und Abhängigkeit, als Mittellosigkeit, Bedürftigkeit bezeichnend; die einzelnen Bedeutungsaspekte sind oft nicht klar abgrenzbar: wan darumbe han ich mich in ir gewalt gegeben, kindesch, arm, nakent, blos, versmehet Mechth 5: 25,26 1 von Personen
1.1 ‘Mangel an etw. habend’ (meist mit Gen., v.a. in jüngeren Texten auch präp. Bestimmung)
1.2 ‘gering, machtlos, abhängig’
1.3 ‘mittellos, bedürftig’
1.4 ‘unglücklich, bemitleidenswert’
1.5 ‘sündig, erlösungsbedürftig’
1.6 in der Paarformel arm unde rîche ‘jeder, alle’ (vgl. 2 HRG 1,299f.)
2 von Sachen ‘unbedeutend, minderwertig, ärmlich’
3 in Sprichwörtern (vgl. TPMA 1,181-224)
   1 von Personen    1.1 ‘Mangel an etw. habend’ (meist mit Gen., v.a. in jüngeren Texten auch präp. Bestimmung): der was lam und guotes arm RvEBarl 10063; nu bin ich aller fröiden arn SM:Had 14: 2,7; sælic sint die armen des geistes Eckh 5: 22,3; zehant man manigen tiuren / edeln kneht sach an in varn, / die des guͦtes warn arn WhvÖst 2224; unselge jüden, / arm an allen duͥden [Verstand] , / ware duͦt ir uͥren sin? MarlbRh 28,8; arm in dem geiste Eckh 5: 29,8; ich arme von allen tugenden Mechth 7: 25,2    1.2 ‘gering, machtlos, abhängig’ ich ne bin ne so arm man. / ine ware doch zvare / dar heime ein richer graue Roth 1980; die armen wurden dâ begraben, / und die edelen ûf bâre gehaben Wh 451,11; daz ist dar umb, daz die fürsten namhafter sint dann arm läut BdN 76,30; sie hetten unfreud, wann eyn die ander arm sah und vertriben großer eren Lanc 18,37; menscheit ist an dem ermsten oder versmæhesten menschen als volkomen als an dem bâbeste oder an dem keiser Eckh 2:18,3    1.3 ‘mittellos, bedürftig’ swe arm so ich si. / ich bin doch von minin magen vri Roth 1431; ob er vor sinem tode [...] so arme werde oder so notich, daz er nihtzniht mer enhab UrkCorp (WMU) 1517,35; ist aber der mensch arm vnd hat siner notdvͤrft niht PrBerthKl 1,50; die armen sculen ir armoͮt gedulteclichen tragen; darumbe enphahent si daz ewige lon Spec 141,7; der lepte heilicliche / guͦtis arm, niht riche RvEWchr 28012; ellende und arme ritterschaft / mit rîchen gâben er beriet KvWTurn 22; eim armen, daz in bat / des almuosens LvRegFr 971; die armen sint aleine gote gelâzen, wan nieman ennimet sich ir ane Eckh 3:365,2; herre, ja bin ich als arm, das ich nút habe Mechth 7: 11,7    1.4 ‘unglücklich, bemitleidenswert’ nû bedarf ich wol arme, / daz sich Vênûs mîn erbarme En 1405; ich bin ein armuͦ creatur, unselig und unfro Lanc 43,17    1.5 ‘sündig, erlösungsbedürftig’ v̓nser arme altvordern, die verlvren die gots hvlde vnde daz here paradis mit ir vngehorsam Konr 24,47; mit dem heiligen bluͦte ist der arm mensch erlediget, mit der tauf des heiligen christes ist er erwaschen PrOberalt 54,5; Got [...] gibt gelucke / [...] den armen dy ire sunde / hy gar innenclichen buzen Hiob 1842; ob es unsern herren icht sol erbarmen eins armen sundigen menschen Lanc 43,26. – oft in den Wendungen arme sêle und armer sündære: an iv sterbet die vil manigen svnde, die iͤr gefrumet habet wider got vnd wider iwer armen sele Konr 11,97; des bin ich armiu sêle verlorn / ern welle mir genædic wesen Wig 4665; das die arme sele nit ewiglich verdampnet sy Lanc 13,7. der arme suntare, / deme sin gewizzede daz saget, daz er gotes hulde niene habet AvaJG 9,6; so kan mîn armen sünders niemer werden rât SM:UvS 16: 1,10; wenne si ir genâd uns armen sündern her nider geuzet auf ertreich BdN 60,19    1.6 in der Paarformel arm unde rîche ‘jeder, alle’ (vgl. 2HRG 1,299f.): do chom got gegangen / unde lerte alle geliche arme unde riche AvaJo 23,3; dine frunt gemeine, / groz vnde kleine, / arme vnde riche, / alle gemeine gliche, / vater, mvter, wip, kint, / bruder, swester vnde die da sint Herb 10417; alle menschen, arm und rich PrOberalt 109,30; die amtliute, die burgere, edel vnd vnedele, arme vnd riche UrkCorp (WMU) 2529,6; dise vorgenanten gesetze suͦln halten arm unde riche in der stat zu Wirzebuͦrg WüP 7k,2    2 von Sachen ‘unbedeutend, minderwertig, ärmlich’ daz er [...] gervͦhte geborn werden in ainer armen stete, mit bosen tvͦchelinen gewindelt werden, in ainer armen krippe geleit werden Spec 34,8; Tristan ime dô geben bat / daz aller ermeste gewant, / daz man in der barken vant Tr 7421. 3996; diu truogen an ir lîbe / mit grôzen riuwen armiu kleit RvEBarl 1769; ir was joch under in genuc / die ez so arm bekanten [das ihnen zuerkannte Gut für so gering erachteten] / daz sie dahin niht wanten / ir ougen Vät 17309; ich sach einen armen man stan uf der erden, der was gekleidet mit armen lininen tuͦchen als ein arbeitende man Mechth 7: 11,3. dû hâst ein arme zuoversiht KvHeimUrst 492; nu hât ez aber arme craft Tr 13968    3 in Sprichwörtern (vgl. TPMA 1,181-224): – Arme werden vom Unglück härter getroffen: ertraͤt ein armer man ein huon, / er wurd gebüesset vaster zwir, / denne ein rîcher, gloubent mir, / ob er zehen ohsen naͤme / gar lîht er dâvon kaͤme Ammenh 5425. – Arme werden verachtet: des rîchen wort merkt man ze grunde: / in maniges armen mannes munde / verdirbet wort und witze vil, / sô sîn rede nieman hœren wil Renner 8721. – Gott liebt die Armen: und weiz ich doch benamen daz / ân allen zwîvellichen spot, / daz arme liute minnet got KvWPart 17642. – der Arme darf nicht faul sein: arm man sol niht træge sîn, / daz sprichwort wart dâ wol schîn Ottok 31132. – Reiche können arm werden: swie edel si sint oder swie rîch, / sô ist doch das gar mügelîch, / das si wol möhten werden arn Ammenh 4207. – Lit.: W. Schröder, Armuot, DVjs 34 (1960), S. 501-526; R. Ris, Das Adjektiv reich, Berlin 1971 (QF 40)

MWB 1 355,1; Bearbeiter: Diehl

arm stM. selten auch swM. ( ind nam [...] in sin armen / den kleinen Jhesum MarlbRh 42,35; und legten sie an den armen sîn HvFreibTr 4947 u.ö.; vgl. HvFreibTr , S. 114); auch arn ( er nam si an den arn SM:St 8: 2,4; MF:Wolfr 7:1,12; sin starker arn tet gros gewalt WernhMl 2359 ); im Pl. gelegentl. umgelautet ( BdN 274,28) ‘Arm’ 1 Körperteil von Mensch und Tier
1.1 konkret
1.2 übertr.
2 Ranke bei Pflanzen
3 Teil von Gewässern
4 Querbalken am Kreuz
   1 Körperteil von Mensch und Tier    1.1 konkret: die arm sint gemacht stark und piegleich geschikt zuo allen werken BdN 19,31; er strahte sich her unde dar, / daz houbet, arme unde bein Eracl 3139; so suͤllent sechse [...] ire hende legen auf des ersten arm [...] und suͤllent sweren MGHConst 4,2:1236,10 (a. 1312). – oft in Verbindung mit blanc: blichende kel, arme blanc, / schone hende, finger lanc Herb 2495; ir kinne, ir kel, ir goltvar hâr, / ir hend, ir arme blanch, / ir lîp, ir nas, ir ougen clâr SM:WvH 4: 1,10; sunder meil / ist sîn heil, swem von linden armen blanc / wirt umbevanc KLD:UvL 29: 3,14; MF:Wolfr 2:4,10. der krebz hât aht füez und arm und hât schær an der hende stat BdN 248,22; Isidorus spricht, daz diu egdehs ze latein lacerta haiz, von dem wort lacertus, daz haizt ain arm, wan si hât ärm ebd. 274,28    1.2 übertr.: ir sont Got vahen mit der hailgen minne und mit der hailgen vohrte, daz sint der selan arme PrGeorg 134,6; an miner sele arme Mechth 5: 8,8. 5:34,22; enpfahe mich denne an dem arem diner minne ebd. 7: 35,39; kunst ist ein senfte last, / wer sie in arm der tugent faßt Mügeln 271,2. – ausführende Kraft: merchet, ir ritere, waz wir iv sagen. ir birt ein arm der christenheit geheiscen, da uon daz ir si uon den uinden bescirmen scult Spec 141,24; set, der herre got wirt komen in sterke, unde sin arm wirt herschen Cranc Jes 40,10. – als Maßangabe: so hebit sich an widir bewisin der leytstern nicht eynis armis ho obir deme wassir MarcoPolo 66,12    2 Ranke bei Pflanzen: hopf. daz ist gar ain langez kraut und praitet sein arm auf die paum und auf die mauren, dâ pei ez wechset BdN 404,15    3 Teil von Gewässern: da sint die mere alsus genant: / ein arm heizzet Caspion, / vnde der ander Persion Herb 14247; damit si æinen arme der Tuͦnawe gelaitet habent auf ir mul UrkCorp (WMU) 1156,6; von dem mer fleuzt manig arm in manig stück des ertreiches BdN 101,7    4 Querbalken am Kreuz: die zuene arme [des Kreuzes] bezeichent, daz er alle dinc mit sime gewalte hat vnbeuangin Lucid 112,13; pei dem paum unsers herren kräuz, under des rehten arm stêt unser liebiu frawe gotes muoter BdN 180,27

MWB 1 356,49; Bearbeiter: Diehl

armbendec Adj. → carmbendec

MWB 1 357,37;

armbouc stswM. ‘Armring’ (vgl. armrinc): dextralia sunt ornamenta manus, que̜ ante manicam mulieres portant: armboͮga SummHeinr 1:331,232; armilla: armboͮc ebd. 2:178,01.17; er gab ir ze minnen zwêne ôringe / und zwêne armbouge ûz alrôteme golde Gen 980; manigin armbovc rot. / trogin sie gewirot Roth 1824; dô gap diu küneginne zwelf armbouge rôt / der Gotelinde tohter NibB 1322,2; zwên armboug guldîn / die streich er an den lîp sîn EnikWchr 11903; zwên armbougen guldîn / leit er an die arm sîn ebd. 23669

MWB 1 357,38; Bearbeiter: Diehl

armbrust stN. auch arenbrust ( StatDtOrd 106,27), armst ( HvNstAp 6056). ‘Armbrust’ di armborst und di phîle / tâten ime vil grôzen scaden SAlex 2262; mit armbrusten vf gezogen Herb 2591. 4270. 4739; mit dem armbruste / pirsen in die wilde / nâch vogelen und nâch wilde Tr 17246; sin minneklicher lip waz zertent an dem crúce alz dú senwe an dem armbrost PrGeorg 313,7; ain geschoz, daz von ainem armprust vert oder auz ainer schozpüchsen BdN 274,3; mit bogen und mit armbrusten und mit schlingen flugen die steyn und die pfile von den bogen und von den armbrusten als dick als der regen vellet Lanc 65,7. – übertr.: vier stralen, die schiessent alzemale usser dem alleredelsten armbrust der heligen drivaltekeit von dem gotlichen throne Mechth 2: 3,14

MWB 1 357,49; Bearbeiter: Diehl

armbrustære stM. ‘Armbrustschütze’ oder ‘Armbrustmacher’ (als Bestandteil von Personennamen): Abreth der arnbruster UrkCorp (WMU) N579,30

MWB 1 358,1; Bearbeiter: Diehl

armbrustschütze swM. ‘Armbrustschütze’ dar nâch fünfzec armbrustschützen sâ / zogten dêswâr schône dâ: / die fuorten ir armbrust alle enbor UvLFrd 246,25; man hiez bereiten ouf die wer / armbst schuzzen gegen dem her Dietr 3003

MWB 1 358,5; Bearbeiter: Diehl

armbrustschuʒ stM. als Entfernungsangabe: nach dem dritten tag soll er in geleiten ein armbrustschuss von dem hoff, welches wegs er will WeistGr 4,164 (a. 1343)

MWB 1 358,10; Bearbeiter: Diehl

arme stF. auch erme. ‘Armut’ wer inn das allter kumpt mit arm, / der wirt aller wellt zerparm / und leitt inn dem wintter todt Teichn 714,73; swer des nicht geloube, der sag von arme, so sag ich von riche JTit 424,4; mir ist liep hertzenlait, / mir ist erme als rich, / krump sleht als glich WhvÖst 19305

MWB 1 358,14; Bearbeiter: Diehl

arme swM. → arm Adj.

MWB 1 358,21;

arme swN. → arm Adj.

MWB 1 358,22;

armecheit stF. ‘Ärmlichkeit, Elend’ dv hast dine gnedicheit / vbir mennischen armicheit / baz irzeigit dan sichein ander Litan 773; er wolt mit siner armicheit / geleichen vnser menscheit, / dem doch waz vndertan / der himel Wernh A 3675; dû solt mit grôzer armekeit / in einem hemede hærîn / gân vür in als ein pilgerîn RvEBarl 668; in wirt geistlîcher armekeit / offenlîche danc geseit / vor al der welte angesiht ebd. 8821; si phlegent kiusche und diemüete / und lebent in solher armecheit, / daz si spîse unde kleit / nâch ir nôturft selten hânt LvRegFr 1028 – im Sprichwort (vgl. TPMA 1,198): ir herren wizzet sunder strit / daz dicke in richen vazzen lit / armicheit vnde vnvlat / vnde daz man grozen richtum hat / behalden dicke in armen laden / ez pflit ouch groze wisheit phaden / dicke in armer lute mut / swer da suchet riches gut / der sal das vas nicht sehen an PassI/II 309,12

MWB 1 358,23; Bearbeiter: Diehl

armeclich Adj., Adv. auch ermeclich. ‘ärmlich, gering’ daz man in in eineme wusten huse vinde / mit ermeclichem gesinde Elmend A 960; sît daz ich mich hete ergebn / in alsus ärmeclîchez lebn Parz 481,2; RvEBarl 15057. – Adv.: darum muͦz ich hie bestan / vnde ærmechlichen leben Wernh A 673; unde wrden bediv uz dem paradiso uerstozzen in dizze ellende, in dise wenecheit, do lebeten si notlîchen unt armeclichen Spec 92,17; [Jesus] knehtes bilde an sich nam / unde lebete armeclîche LvRegSyon 3082; der aller wunne froͤden git, / bewunden ármeclichen lit / in tuͦchen gar umehtig SHort 1540. – im Sprichwort (vgl. TPMA 1,209): qui parce seminat, parce et metet, der karklich seiet, der snidet oͮch ermklich, aber der rilich seiet, der samnet oͮch rilich Seuse 421,20 (vgl. armelich); mancher begert zu leben riche, / der doch muz leben ermigliche SalMark 400

MWB 1 358,41; Bearbeiter: Diehl