a – abebrëchære, âbrëchære abe brëchen, âbrechen – abe drumen abe|ein – abe ertwingen abe ervëhten – abegezogen abegezogenheit – abe houwen abehouwunge – abelæge abe lantscheiden – abe lœsen abelœsunge – âbentganc âbenthan – âbentsunnenschîn âbenttanz – aber|æhter abe rechenen, abe rechen – aber|schâch abe rücken – abe schieʒen abeschiht – abeslac abe slahen – abe stîgen abestôn – abetragære abe tragen – abe vâhen abeval – abe wahsen abe wæjen – abe weschen abeweschunge – abe ziehen abeziehunge – âbrëchære âbrëchen – achter-, ahter- achwent – ackervruht ackerwërc – adellich, adellîche(n) adelmuoter – âderslahen âderstôʒ – affensmalz affenspil – afterbier afterblunder – aftermuoder aftermûre – afterwort afterzal – agleister agleistervar – ahselrote ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp ahten – âhui ahzec – alamande alanc – alde aldê – algorismus alheit – allergotesheiligentac allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet allersêlentac – allwent Alman, Almân – alp alpha – al|tagelich altære, altâre, alter – alters|eine alterstat – altmæʒec altmüede – alwaltecheit alwaltende – ambahtære ambahte – âmehte âmehtec – ametiste âmezûber – amt âmügel – anderheit anderleie – andorn andouge – ane bereiten ane bërn – anebot ane botwarn – ane draben ane dræhen – ane errâten ane ersëhen – anegedenken anegedenklich – anegeslaht anegeslöufe – anegrîfunge ane grînen – aneheftec ane heften – aneinander ane jagen – ane komen ane koufen – aneleitrëht aneleitunge – 2ane merken anemerkunge – ane phîfen ane phlanzen – anerüeftec ane rüeren – aneschouwede aneschouwelich – anesidel, anesedel ane sîfern – ane sniudeln ane snöuwen – ane springen anespruch – ane strîten ane stroufen – ane trëten ane trîben – anevëhtigunge anevëhtlich – anevluʒ ane vordern – ane weigen aneweigunge – anewîsunge ane wonen – angelisch angeln – angestnôt angestsam – ankesmër anlamin – antlæʒec antlâʒen – antsmër anttac – antwîch antwürkæreknëht – apfelrîs apfelrôt – ar âr – arc|haft arche – ardell ardîse(n) – armbendec armbouc – armiure armlëder – arnebote arnen – art art – arzâtîen, arzedîen arzâtîn – âsblâsende ascalamus – â|schildes aschlouch – aspentier aspindê, aspindei – astronomierre astronomus – atrament atte, ette – avelen âventiurære – â|witzec â|witzen – âʒ|zît
|
appellieren
swV.
‘(an eine höhere Instanz) appellieren, (gegen ein Urteil) Berufung einlegen’
‘ich [Paulus] appeliere’ sprach er do / ‘an den romeschen gewalt’ PassI/II
263,42;
die riten appellieren / an den keiser alzvhant ebd.
43,31;
do was der bischof von Kolle, der appellierte [...] an den stuͦle zuͦ Rome ClosChr
50,24;
wir setzen, daz man alle die brûdere mit der iârbûze bûze, dî dâ wider ires ordenes gesezzede sich anderswâr berûfent oder appellîrent StatDtOrd
61,11.
85,4;
hinnan ich appellire / und zuͤhe ez fuͤr die minne. / di ist ein richterinne / billich in disen sachen HeinzelRitt
352
MWB 1 338,47; Bearbeiter: Schnell
Appenzeller
stM.
Name eines Tanzes (?):
kan aini tantzen springen / möcht mir an der gelingen / mit ir den appenzeller ich / am bett könd tretten waidenlich MinneR 11
35
MWB 1 338,60; Bearbeiter: Schnell
appetgrunde
stN.
→ abegründe
MWB 1 339,1;
applatys
Subst.
→ oblâtîsen
MWB 1 339,2;
aprille
swM.
→ aberëlle
MWB 1 339,3;
aprille, approlle
M.
→ aberëlle
MWB 1 339,4;
aquilôn
swM.
1
‘Nordwind’
2 übertr. ‘Norden’
1
‘Nordwind’
Altissimus [Gott] Luciferen mahte von vier winden: / er gap im Aquilônen art Wartb
Rs 27,7.
– i.d.R. in der lat. Form:
daz er küel ist sam der nordenwint, der ze latein aquilo haizt BdN
466,29.
80,2;
Seuse
451,15;
KvMSph
21,29.
– Nebenwind des Nordwindes:
als aber die zwêne [Auster und Boreas, Süd- und Nordwind] ir überschalles werdent în getân [...], als Aquilôn wirt ûz verlân, / und mit dem Zephirus, daz reine, süeze wirt diu zît Wartb(S)
157,11
2
übertr. ‘Norden’
drie was der porten [...]: / di eine gen den orten der werlt, die man da heizet meridjane, / diu ander het uz vart gen occidente, / diu dritte gen aquilone JTit
386,4
MWB 1 339,5; Bearbeiter: Schnell
ar
stM. (?)
→ ere Subst.
MWB 1 339,19;
ar
stN.
→
eher
MWB 1 339,20;
ar
swM. ,
arn
stM.
(st. vgl. HvFritzlHl , HeslApk und Herb )
großer Greifvogel, i.d.R. ‘Adler’ (vgl. auch adelar):
1 konkret 2 meist in Vergleichen, Metaphern und allegorischen Auslegungen, welche die zahlreichen positiven Eigenschaften aufnehmen, die dem Adler zugeschrieben werden 2.1 als Symbol des Evangelisten Johannes 2.2 sonstige Vergleiche und Metaphern, bezogen auf
1
konkret:
sô hüet ain gans allzeit und rekt den hals auf, daz der rauber, der ar, iht köm. diu gans erkent wol den arn vor dem geirn BdN
169,1;
der uogele di nu wan vleisch ezzen vnde daz rouben, also sperwer vnde hebeche, valkin vnde arn SalArz
39,17.
– in bildlicher Darstellung als Wappentier und Hoheitszeichen:
ain guldinen aren / furt er an deme schilte Rol
4220;
ein rôter strich mit wîzen arn / in golde zierte sînen schilt KvWTurn
940;
der helm was liehter dann ein glas. / ich sag iu, waz dar ûf was: / ein ar von gold dar ob swebt EnikWchr
16043;
Eracl
5007;
uf der lantzen flog ain ar [als Bannerzeichen]
WhvÖst
14691;
er sach andírnthalb den arn / von eíme scafte wedílín Athis
B 80;
vf die couerture, / riche vnd ture, / phellil vnde cindat, / arne, lewen dar in genat / vnde ander zeichen Herb
4442;
Athis
B 27
2
meist in Vergleichen, Metaphern und allegorischen Auslegungen, welche die zahlreichen positiven Eigenschaften aufnehmen, die dem Adler zugeschrieben werden
2.1
als Symbol des Evangelisten Johannes:
durch daz dutet her [Johannes] den arn, / wen der arn durch sine guft / swinget hoger in die luft / dan der vogele keiner tu HeslApk
8476;
daz dritte was gelîh einem vlieguntem arne, der gap urchunde, daz unser herre sweimet mit sînem gewalte ob aller geschefte PrStPaul
103,22;
der arn in die sunne set [...]
[ohne geblendet zu werden] . diz bezeichenet Johannen, / der sach vor allen mannen / in die gotheit HeslApk
8487;
Spec
119,19.
118,11
2.2
sonstige Vergleiche und Metaphern, bezogen auf:
– Sehkraft:
du solt haben eines aren oͮgen und merken und sehen dine undertane in gotte minneklich und nit arglich Mechth
6: 1,74.
– Flugvermögen, große Flughöhe:
sîniu wort diu sweiment alse der ar Tr
4722;
meht ich gefliegen als ein star, / so taet diu liebe, des ich ger, / und hohe sweiben als ein ar Tannh
10,25;
ze vröiden swinget sich mîn muot, / alse der valke envluge tuot / und der are ensweime MF:Reinm
7,5;
ähnl.
KLD:BvH
2:1,1;
die guͦten varent ze himele alse die aren, die vbelin vallint nider alse bli Lucid
138,25.
– körperliche Überlegenheit:
mancher ist an miner schar, / der gerne wer ein wilder ar Mügeln
232,7;
daz her von im wancte / als cleine vogele von dem arn UvZLanz
3305;
er muoste kumberlîcher varn / dan ein huon mit dem arn SpdtL
162,15.
– edles Wesen, herausragende Stellung:
o edeler arn, o suͤsses lamp [Gott] , o fúres gluͦt, entzúnde mich! Mechth
2: 2,17;
o Decius, der truw ein ar / und anger tugende geil Mügeln
351,17;
sô dû bist fridelîchin in dînen rîchin, / sô dû lîst, slâffest, dîn ougen newachent: / si firbernt dich gare, dû bist ir aller are Gen
2756;
daz ich gerne min guot. / same der edele arn tot. / wil teilin gelige. / armin vnde richen Roth
4984;
zu deme virden mâle sal her [der Mensch] glîcheit haben des arnes HvFritzlHl
201,15.
– Fähigkeit, sich (ähnlich dem Phönix) zu verjüngen:
daz des mannes iungent werde erniuwot also des aran JPhys
19,2;
so er [der Mensch] getoufet wirt. so ist er geiunget also der âre ebd.
19,15;
da sich der ar verjüngt in dinem [Gottes] brunne, / der in dich, ware sunne, / floug: unversert bleib sin gefider Mügeln
185,10.
112,11
MWB 1 339,21; Bearbeiter: Schnell
âr
Konj.
→ ode
MWB 1 340,25;
arâbesch
Adj.
‘arabisch, aus Arabien stammend’, meist zur Bezeichnung des Heidenlandes:
ich habe Roͮlanten erslagen. / des fruͦt sich imer mere / elliu arabiskiu erde Rol
6790;
der mir aldaz golt wage / uz arabisken richen ebd.
8775;
sîn halse was arâbensch ein borte geslagen Tit
137,2;
Parz
231,11.
– oft in festen Verbindungen, meist das Herkunftsland von Gold, Seide und Gewürzen bezeichnend (s.a. Arâbîe, arâbîn):
diu liehte Îsolt, / diust lûter alse arâbesch golt Tr
8262;
Parz
100,28;
NibB
366,1;
gummi arabicum haizt ain arabischer zaher BdN
369,6;
mirra Arabie haizt arabischer mirr ebd.
369,24;
die arâbîschen sîden, wîz alsô der snê NibB
362,1.
1825,3.
– geogr. Name:
und spricht Aristotiles, daz daz tier [Meerwunder] geporn werd in dem arabischen mer BdN
242,1
MWB 1 340,26; Bearbeiter: Schnell
Arâbîe
F.
(i.d.R. in der lat. Form Arabia)
‘Arabien’, oft zur Bezeichnung des gesamten Heidenlandes:
diz ist Libanus der in Arabien stêt, / dâ der Jordan ûz gêt VAlex
795;
von Arâbîe und von Tharsîs, / von Sabâ die künege wîs RvEBarl
2711;
BdN
355,21.
– in festen Verbindungen, meist das Herkunftsland von Gold, Seide und Gewürzen bezeichnend (s.a. arabesch, arâbîn):
als golt von Arâbe Tr
4895;
ein furspang von golde von Arabien Lanc
327,4;
daz golt von Arabya AvaLJ
26,5;
mit regen wazzer da mastic oder gummi uon arabia inne gesoten si SalArz
103,16.
91,48;
ein rôter pfelle von Ârâbî Wig
10903;
pfelle ûz Arabî NibB
576,3;
die truogen liehte pfelle geworht in Arâbîn ebd.
833,2.
– als Arâbî Name einer Stadt in Môrlant (überwiegend bei Wolfram):
ze Arâbîe und vor Arâbî Parz
15,21;
ze Arâbîa unt in Arâbî Wh
215,8
MWB 1 340,42; Bearbeiter: Schnell
arâbîn
Adj.
in der Wendung arâbîneʒ golt (s.a. arâbesch, Arâbîe) ‘Gold aus Arabien’
sîn wâfenroc der was sô guot, / daz er wol ahtzec marke tuot, / von arâbîneme golde Virg
34,3
MWB 1 340,60; Bearbeiter: Schnell
Arâbois
stM.
‘Araber, Bewohner Arabiens’
der kvnic da von morlant / mit den araboisen / vnde mit den turkoisen Herb
4491;
dô ich der arboyse lant / und den künec und des kint verliez Wh
102,14;
Tybalt der arâboys ebd.
153,18;
die stolzen franzoyse / vür riten die arâboyse ebd.
364,12
MWB 1 341,1; Bearbeiter: Schnell
Arâboisinne
stF.
‘Araberin’
diu arâboysinne / Arâbel Wh
86,9;
si waz div hoͤhste kuͤnginne, / von geburt ein Araboysinne TürlArabel
*R 5,35.
*R 204,26
MWB 1 341,7; Bearbeiter: Schnell
arans
Subst.
‘Orangenbaum’
von dem paum arans, der ze latein orangus haizt BdN
318,17
MWB 1 341,11; Bearbeiter: Schnell
aranser
Subst. (Pl.)
‘Orangen’
die nement die öpfel, die dâ haizent aranser von dem paum arans, der ze latein orangus haizt BdN
318,16
MWB 1 341,13; Bearbeiter: Schnell
ârant stM., erende
stN.
auch ernde, erne.
Angelegenheit, die jmd. (meist ein Untergebener) durchführt oder regelt, ‘Auftrag, Mission, Anliegen’ auch metonym. ‘(zu überbringende) Nachricht, Neuigkeit’
sîn hêrre hête in dare gesant umb einen michelen ârant Gen
992;
er sprach, er were es gerende, / daz im gut erende / zv werbende geschee Herb
13868;
sô sült ir fürbaz verstân, / wie der megede ernde was getân UvZLanz
5796;
di tochtir und di manne / gelobiten bi dem banne / daz si des vatir erne / volbrengin woltin gerne PfzdHech
343,3;
die frowe ginc dannen [von Jesus] mit liebin erinde Glaub
2209;
he [Constantin] ridit here zo lande / mit lieuen merande [La. lievem erande
]
Roth
2912;
‘bruder, nu bewise mich,’ / sprach er, ‘waz ist din ernde her?’ Vät
33813.
24947
MWB 1 341,16; Bearbeiter: Schnell
aravis (?)
stM.
(La. aranis)
‘ Adlervogel’ (?):
mich kann diu schrift auch wisen / daz der vogel aravis / in manigen jaren het ein ris / gefuͤrt dar, daz schone bluͦt / edel aramatie guͦt [das edles aromatic als Blüte, Frucht getragen hat]
WhvÖst
955;
ain vogel haizzt araphin, / den het ez [das Männlein] do gevangen ebd.
6840
MWB 1 341,33; Bearbeiter: Schnell
arbeit
stF.
1
‘Not, Mühsal, Leid; Anstrengung’
1.1 speziell Schmerzen, Anstrengung bei der Geburt, auch ‘Wehen, Geburt, Gebären’
1.2 bes. im Minnesang zur Bezeichnung von Liebessehnsucht und Liebeskummer 1.3 in Wendungen 2
‘Tätigkeit, Unternehmung’ (ohne dass der Aspekt ‘Not, Mühsal, Leid; Anstrengung’ im Vordergrund steht, oft nicht eindeutig von 1 zu unterscheiden) 2.1 metonymisch für Ergebnis bzw. Ertrag der arbeit 2.2 übertr. auf das Wirken Gottes
1
‘Not, Mühsal, Leid; Anstrengung’
dar umbe du manegen man daz liph / hast benumen vnde bracht in arbeid Roth
1080;
begriffet si also der tot, / newerdent si niht gebezzerot, / die sterbent in der tobeheit; / des choment die sele in arbeit Hochz
122;
von hvnger leit er arbeit ReinFu
K,643;
doch hienc er dâ unz an die zît / daz er vor in allen leit / laster unde arbeit Iw
4682;
nû ist iuwer arbeit / sæleclîchen an geleit: / iu hât erworben iuwer hant / ein schœne wîp unde ein lant ebd.
2779;
uns ist in alten mæren wunders vil geseit / von heleden lobebæren, von grôzer arebeit NibC
1,2;
sehen wie vruo im arbeit / und nôt ze rucke wart geleit Tr
2009;
mir wehset nû gelîche ein leit / der Anfortases arbeit, / der quâle von sîner wunden Wh
167,6;
vnd sol in vragen, ob er iht hab ain ehusvrawen oder gemahel, oder ob er [...] svst ieman gebunden sie, davon daz spital in arweit mvg komen SpitEich
5,17;
und vallen san in arbeit / des todes [Todesnot]
HeslApk
20083;
da dulde ich ungemach / von schlaffender arebaitt [durch einen Alptraum]
GTroj
21;
ich hân doch ie gehoeret / daz stætic jäger wilt in arbeit bringet Hadam
150,7;
Will
76,3;
HimmlJer
26;
RvEBarl
12462;
StatDtOrd
75,26;
SpdtL
151,19.
–
‘Anstrengung’
so ferre was sin lant, / daz er mit grozzer erbeit / in eime mande dar gereit Herb
4039;
lâzet alle giricheit / und habet imer arbeit / umbe daz himelrîche SAlex
7286;
das saf hilfet den, der mit arbeiten pisset Macer
9,6;
nieman hât ân arebeit / wîstuom, êr, grôz rîcheit Freid
92,7;
da er gekrencket ward an leiplichenn krefftenn und nicht mer geübenn machtt tägliche arbait HvHürnh
1,3
1.1
speziell Schmerzen, Anstrengung bei der Geburt, auch ‘Wehen, Geburt, Gebären’
die [Frau] schre mit michelen erbeiten, wen si waz groz [schwanger] , alse si ze keminaten solte gan Lucid
98,6;
[Raute] ist ouch den wiben guͦt getrunken, swen si des kindes in arbeiten gent Macer
8,3;
wan si gienc in arbeit / des kindes [...] / ir wart mit grozer swere we Vät
22519;
wirt daz kint lebendic geborn, unde hat diu vrauwe des geziugen [...] an zwein vrauwen die ir arbeit gesehen habent, daz kint behaltet des vater erbe SpdtL
115,14;
die frouwen, die den stein hânt, / sô si ze arbeite gânt, / die genesent wol deste ê Volmar
350;
diu künegîn gelac / nâch wîplîcher arbeit RvEAlex
1207
1.2
bes. im Minnesang zur Bezeichnung von Liebessehnsucht und Liebeskummer:
wande ich was vil ungewon / sô getâner arbeit, / als ich tougenlîchen trage MF:Reinm
28:6,4;
wes verküre ich denne ein arbeit, / diu mir liebet und doch lobelîche stât? ebd.
29:3,3;
gunnet mir der arbeit, / daz ich, vrowe, iu dienen müeze MF:Adelnb
1:2,2;
wâ möhte mir sô hôhe komen / mîn dienst und al mîn arebeit? KLD:UvL
3: 5,2;
an eine stat riet mir dîn [der Minne] rât / dienen vil schône mit stæter arbeit, / dâ mir ze lône geschiht niuwan leit ebd.
10: 1,6.
– oft in der Wendung: senendiu
~ , die leidvollen Mühen des Minnedienstes bezeichnend; gelegentlich als Oxymoron süeʒiu arbeit die Hoffnung auf Erfüllung miteinbeziehend:
wol ir, si ist ein saelic wîp, / jâ diu von seneder arbeit nie leit gewan MF:Hausen
17b:1,2;
diu minne treit [...] mit gedultekeit / liep in sender arebeit Marner
15,358;
dise redten von seneder arbeit Iw
71;
nâch senelicher arebeit / sîn herze was gebildet KvWEngelh
1938;
die senden arebait / die er in sinem herzen lait RvEWh
4135;
swer ouch die süezen arbeit / dur sî [Liebe und Schönheit] ze rehte kan getragen, / der mac von herzeliebe sagen Walth
92,30;
wol ime [meinem Herzen] des, daz ez sô rehte welen kan / und mir der süezen arbeite gan! MF:Reinm
10:2,6;
Neidh(HW)
37,29
1.3
in Wendungen:
–
sîne ~ verliesen
‘sich vergeblich bemühen’
hat er das durch mynen willen gethan, so hat er sin arbeit wol verlorn, wann ich weiß im keinen danck Lanc
635,21;
jâret sich aver daz kint vor, der herre hât verlorn sîne arbeit, wan daz kint engiltet es im niht SpdtL
216,12;
swer dumben herfet, der fliuset sin arebeit Wahrh
70;
min arbeit ist an in verlorn ReinFu
K,544;
Gen
383;
Iw
255;
Wh
216,30;
GrRud
G 30;
SM:Had
31:4,7.
–
verlorniu ~
‘vergebliche Mühe’
beide gebærde unde bete / die man in durch belîben tete, / daz was verloren arbeit: / wan er nam urloup unde reit Iw
3823;
das ir me fragent das ist verlorn arbeit, ich sag uch nit me Lanc
596,8;
daz was ein verlorniu arbeit: / als ichz ofte hân vernomen, / in daz lant moht niemen komen / ern hêt den gürtel Wig
1193;
MF:Reinm
9:4,5.
–
âne ~
‘mühelos’
die sult ir nemen ân arbeit Walth
12,21;
si gant ane arbeit als die vogele in dem lufte Mechth
2: 3,21;
si singent die warheit mit vroͤden ane arebeit ebd.
3: 1,110;
der grosse úbervlus goͤtlicher minne [...] vlússet iemer me ane underlas und ane aller hande arbeit mit also suͤssem vlusse ebd.
7: 55,7
2
‘Tätigkeit, Unternehmung’ (ohne dass der Aspekt ‘Not, Mühsal, Leid; Anstrengung’ im Vordergrund steht, oft nicht eindeutig von 1 zu unterscheiden):
die arbait unnd die pewegung vor dem essenn ist nütz HvHürnh
33,1;
dis chores ambt is, dat he minne, / dat he van minne suͤzlich brinne. / dit is sin werc, dit is sin arebeit MarlbRh
89,1;
pei der arbeit, dâ mit man die mandel süez macht, verstên ich die gaistleichen arbait, diu alle die pitterkait der rew und der puoz verkêrt in ain süezen der êwigen süezikait BdN
315,32;
zu des gebetes arbeit Vät
21143;
[der Hausbauer] enhouwete niemer den stein, noch entæte die arbeit dan durch daz hûs Eckh
5: 52,10;
alliu diu antwerk oder ander arbeit, sie sîn geistlich oder werltlich, die eht der werlte nützelich und êrlich sint, die sint gote löbelich PrBerth
1:562,22;
ackerliute oder ander liute die ze velde oder ze walde oder anderswâ sint, swâ der rehte mensche ist an sîner rehten arbeit, der vor êhafter nôt die messe niht gehœren enmac ebd.
1:503,34.
– Tätigkeit zum Erwerb des Lebensunterhalts:
iz enhôret nicht zu den munichen, daz si erbeiten umme ire nôtdurft lîplîche erbeit HvFritzlHl
91,24;
mit ir baider ærbait / gewunnent sú spise und klait WernhMl
4279.
4956
2.1
metonymisch für Ergebnis bzw. Ertrag der arbeit:
daz er dem lieben toten mîn / alsô zetrat sîn arebeit [Saat]
Helmbr
1139;
[die Mächtigen] netigent und trengent irre armen lúthe ueber reht und nemment in irre erbeit abbe ueber reht MerswNF
42,17.
–
‘Leistung’
wol hundert tageweide, wazzer unde lant, / was ir arbeite Kudr
599,2
2.2
übertr. auf das Wirken Gottes:
darnach sol gottes heligú arbeit lúhten unde schinen in únsere helige arbeit Mechth
7: 32,6;
do er [Gott] die vil heiligen arbeit an úns verlor ebd.
4: 14,29;
du [Gott] hast suͤsse arbeit in wunnenklicher unruͦwe ebd.
6: 16,21.
– Lit.: K. Wiedemann, Arbeit und Bürgertum, Heidelberg 1979, bes. S. 34-53
MWB 1 341,40; Bearbeiter: Schnell
arbeitære
stM.
‘jmd., der (für Lohn) arbeitet, Arbeiter, Tagelöhner’
wer sint die vischer? sich dc sint alle arbaiter die ume ier lîpnar und umbe ier spîse wúrchent und arbaitent PrSchw
2,142;
waz gesindez ist, alz chnecht, maid vnd arbaitter, vnd zins laͤut oder paͤwle˸aut RechtssA
B14,52;
Renner
18213;
wer auch die loͤn steiget [die Löhne erhöht] , also daz er dem andern sin gedingten erbeiter uzzer hant zuͤhet WüP
71,8;
also stet auch der edelen leben in den henten der arbaitter Schachzb
75,50;
derbiz brot deuwet sich trage. jdoch ist iz gut den erbeitern SalArz
9,32;
BdN
302,29;
PrBerth
1:271,17.
1:258,19.
– übertr.: jmd., der auf etw. hinarbeitet:
intwîchet von mir alle, erbeitêre der ungerechtikeit [
operarii iniquitatis
]
EvBeh
Lc 13,27
MWB 1 343,49; Bearbeiter: Schnell
arbeiten
swV.
1 intr. 1.1
‘schwere (körperliche) Arbeit verrichten, sich mühen, plagen’
1.2 in naturkundl. und med. Kontext: ‘an etw. leiden, Schmerzen haben wg. etw.’
1.3
‘arbeiten, tätig sein, einen Beruf ausüben’
1.4
‘auf etw. hinarbeiten, nach etw. streben’ (vgl. 3.5 ) 1.5
‘wirken, einwirken’
2 refl. ‘sich bemühen, Anstrengungen auf sich nehmen’
3 tr. 3.1
‘etw. (be)arbeiten, erarbeiten’
3.2
‘etw. (ein Handwerk, eine Profession) ausüben, ausführen, vollbringen’
3.3
‘(Tiere) bewegen, zur Arbeit einsetzen’
3.4
‘etw./jmdn. einsetzen, (stark) beanspruchen; jmdm./einer Sache viel abverlangen’
3.5
‘auf etw. hinarbeiten, hinwirken’ (vgl. 1.5 )
1
intr.
1.1
‘schwere (körperliche) Arbeit verrichten, sich mühen, plagen’
die aver da spat an den weingarten chomen des abentz und luͤtzel gearweit heten PrOberalt
48,13;
wir [Fischer] haben alle dise nacht geariweitet und enviengen nicht ebd.
131,30;
wann der mensch gearbait hât, daz er müed ist, sô slâft er auch gern BdN
8,31;
an dem puoch ze latein hât ain maister gearbaitt fünfzehen jâr ebd.
494,4;
dâ aribeiti Cêsar (daz ist wâr) / mêr dan cîn ihâr, / sô her die meinstreinge [sehr tapferen] man / niconde nie biduingan Anno
18,13;
ummesust habe ich gearbeit [...] ane nutz habe ich mine craft vorzert Cranc
Jes 49,4;
kumet czu myr alle dy do arbeiten unde dy besweret synt [Mt 11,28
]
EvBerl
14,23;
Hiob
9434;
Spec
133,19.
– in der Wendung bëten unde
~ :
von der swestern gelas, wie si betten und arbeiten soͤnt mit gotte Mechth
5: 11,2;
so auch
ebd.
5:Reg. 16
1.2
in naturkundl. und med. Kontext: ‘an etw. leiden, Schmerzen haben wg. etw.’
diu henn arbait vast in dem airsetzen und singet doch nâch der gepurt BdN
194,1;
swelch wip an der suche erbeit [Menstruationsschmerzen hat] , das si siu zu rechter zit nicht hat Macer
1,3.
65,11;
swelch wip mit einem kinde arbeitet [unter Geburtsschmerzen leidet]
ebd.
1,10.
39,11.
18,7;
ainer frawen, diu in der purt arbait BdN
462,30
1.3
‘arbeiten, tätig sein, einen Beruf ausüben’
so der selbe zv seinen tagen chumt, daz er arbaitent wirt UrkCorp (WMU)
3068,15;
daz sint alle die mit îsenînen wâfen arbeitent unde wirkent [...] daz sint goltsmide, pfennincsmide und ander smide PrBerth
1:147,8.
1:108,36;
si [Himmelsbewohner] ne arbeitent mit fuozzen noch mit hanten Himmelr
10,11;
wie mag ich [ungerechter Verwalter Lc 16,3
] nu tuͦn? ich mag nicht arbeiten, ich scham mich ze betteln PrOberalt
143,16.
– übertr.:
dú ungeruͤwige gotheit, dú iemer mere arbeitet ane arbeit Mechth
5: 26,12
1.4
‘auf etw. hinarbeiten, nach etw. streben’ (vgl. 3.5):
den prîs [...] / ûf den ich sus garbeitet hân RvEAlex
37;
nach der [Speise] die ewiclichen stat, / soldet ir nu arbeiten / unde uwer leben leiten Vät
20009
1.5
‘wirken, einwirken’
der vergift weis [die Natur des Giftes] ist, daz si über sich arbait, wan trift si den menschen an dem fuoz, sô kreucht si von stunt ze stunden in der andern glider stuck BdN
275,21;
alsô tuot der hailig gaist, der arbait vester in die sêl der jungen läut ebd.
71,32;
sô nu diu kelten vast arbaitt in daz wolken, sô entsleuzt ez sich in wazzer ebd.
81,27
2
refl. ‘sich bemühen, Anstrengungen auf sich nehmen’
do sente Egidius der guͦte / sich gearbeitet hete / dicke starke durch Crist Ägidius
1556;
ich seh wol das ich mich vergebens han gearbeit Lanc
258,23;
sie liezen varn kint unde wîp, / liute, lant, vriunde, lîp / und arbeiten sich sêre / nâch unsers herren lêre RvEBarl
4499;
herzetrut, also wil ich / durch dich gern ærbaiten mich RvEWh
6896;
swer da hin vert, der sol sich dar zuͦ erbeiten und vlizen, daz er daz urlige zerstoͤre UrkCorp (WMU)
26AB,22,24
3
tr.
3.1
‘etw. (be)arbeiten, erarbeiten’
alles das man clútteret [woran man herumwerkelt] und arbeitet sunder nutz und sunder not, das ist alles vor gotte tot Mechth
6: 1,89;
arbeitet ein herre [...] garten oder baumgarten oder ander guot SpdtL
215,15;
sit geheizzen ein voͮz [Fundament] der christenheit, wan ir allez daz arbeitet, des div christenheit lebet Spec
142,4;
daz man [...] arbeide mildecliche / mit den handen guͦde werc [im Gegensatz zu contemplieren
]
Elis
8428.
–
‘etw. bebauen, bewirtschaften’
vnd sollent daz selbe guͦt erbeiden vnd verrihten UrkCorp (WMU)
2564,19;
den [Hof] wir erbeiten vnd buwen ebd.
N798AB,4.
–
‘etw. anwenden, auftragen’
wer dar ubir [über Wolle, Tuch] dy varbe arbeite StRZwick
46.
– Bergmannsspr.: ‘etw. (eine Grube) ausbeuten, Bodenschätze abbauen’
man sol den erbstollen arbaiten tag und nacht WeistÖ
1:199,21
(1. H. 14. Jh.)
3.2
‘etw. (ein Handwerk, eine Profession) ausüben, ausführen, vollbringen’
alliu diu antwerk [...], die eht der werlte nützelich und êrlich sint, [...] die sol man arbeiten mit der triuwe unde mit der gerehtikeit PrBerth
1:562,24;
ouch sullen dy gewerken keinen man daz hantwerk lâzen arbeiten uber einen mânden StRZwick
62;
das ich aͤrbaͤte mine kunst / durch aller werder lúten gunst RvEWh
125
3.3
‘(Tiere) bewegen, zur Arbeit einsetzen’
swelich ros dy chelsucht hat [...] leg im ain rinch an den hals und aynen an dev brust und ariweit iz: so wirt iz gesunt Albrant
1,15;
arbeitet er ez [das Pferd] in wegenen oder in phluͦgen SchwSp
116b
3.4
‘etw./jmdn. einsetzen, (stark) beanspruchen; jmdm./einer Sache viel abverlangen’
dar umb sol der mentsche sinen lib arbaiten und kestigen PrGeorg
111,19;
so muͤst ich herze, muͦt und sin arbeiten JTit
2523,3;
den freut michel baz ein wip, / durch die er gut und lip / arbeiten und wagen muz StrKD
31,37;
ir entrunnet Pharaone, / der uch zu harte arbeitte HeslNic
1327
3.5
‘auf etw. hinarbeiten, hinwirken’ (vgl. 1.5):
durch welher hande wise / arbeitet ir die spise / die doch virtirbit und zurgat? [irdische Güter]
Vät
20006;
vnd sol ich [...] arbeiten an dez spitals schaden, daz ich in den vorgenanten wingarten zerloes vnd zerledig UrkCorp (WMU)
2850,32;
daz ich [...] daz arbaiten sol, daz mein pruͤder Gotschele den vorgenanten zehinten sol aufgeben UrkBrixen
275
(a. 1317)
MWB 1 344,1; Bearbeiter: Schnell
arbeithûs
stN.
‘Gefängnis, Verlies’
alsus ging Jeremias in das hus des kerkeres und in das arbeythus [
ergastulum
] und was dorinne [...] vil tage Cranc
Jer 37,15
MWB 1 345,45; Bearbeiter: Schnell
arbeitlich
Adj., Adv.
1
‘mühevoll, beschwerlich, angestrengt’
2
‘quälend, qualvoll’
1
‘mühevoll, beschwerlich, angestrengt’
min arbeitlich versuch / hat alhie daz erste buoch / in gots helfe vollenbracht PassI/II
154,59;
Martinus der heilige man / greif do selber dar zu / mit arbeitlicher unru / und woldez hus gebrochen haben Pass III
601,66;
idoch sint der [Marias] zweier leben, / ir minne, ir arbeitlich amt, / noch vil gerne beide ensamt / in eime der mit truwen Got / stete minnet Vät
20215;
dô fuor der massnîe vil / gein dem arbeitlîchen zil, / ein âventiur ze schouwen Parz
334,2;
Kreuzf
7009.
– bei Rudolf von Ems in der Wendung mit arbeitlîchen siten
‘unter großen Anstrengungen, Entbehrungen’
al dú wnder und die not / die si mit arbeitlichen sitten / hatin uf der vart irliten RvEWchr
11366;
RvEBarl
1643.
15527;
RvEAlex
5923.
8163.
– Adv.:
manic hundert mile verre si dar gevlozzen waren arbeitliche JTit
5754,2;
die rittêre [...] sich wâgten alsô / arbeitlich um ein cranc fûterstrô Kreuzf
3866
2
‘quälend, qualvoll’
durch der israhêlschen schar / sante got mit zorne dar / zehen arbeitlîchiu leit [zehn Plagen]
RvEBarl
2205.
5111;
die andern tôt / wâren von arbeitlîcher nôt Kreuzf
6322.
– in der Wendung durch arbeitlîchen muot
‘in der Absicht zu quälen’
daz si [die Frauen] durch arbeitlîchen muot / ir zuht sus parrierent / und sich dergegen [gegen das Liebesbegehren der Männer] zierent Parz
201,24
MWB 1 345,49; Bearbeiter: Schnell |