antlitze, antlütte
stN.
1
‘Gesicht’
2 übertr. ‘Vorderseite, Bildseite’
3
‘Anblick, Gegenwart’
4
‘Gestalt’
1
‘Gesicht’
der munt und diu nase und diu ougen und alliu diu gestaltnisse des antlites Eckh
1:266,5;
wil dû daz antluze unmâze scône machen, sô nim einer eselinne milch Barth
137,13;
an libe vnde an antlitze Herb
3179;
ir antlütze unde ir schœniu lîch Iw
1669;
si nam sîn antlüte in ir hende wîz / und truchte ez an ir munt SM:Had
4: 1,5;
wer gar ain sinwel antlütz hât, der ist ain tôr BdN
46,21;
[er] kêret den rücke der menscheit und daz antlitze ze gote Eckh
5: 112,5.
– in der Wendung von ~ ze ~
‘von Angesicht zu Angesicht’
dort wirt man in sehende von antlútze ze antlúze DvAStaff
491;
do die seligen die gotheit sehent uon antluze ze antlúze Lucid
123,14;
und sæhe die ane von antlitze ze antlitze Eckh
5: 16,7.
–
ein schin Godis der da irluchtit daz antlitze der sele Parad
24,16.
51,32;
der innewendige wille: des antlitze ist allezit zu Gode gekart ebd.
79,16;
so besihe ich das antlitze miner sele in dem spiegel miner súnden Mechth
7: 21,5.
–
‘Miene’
der pabis schiere antwurte / mit schoneme antlietze TrSilv
784;
er het ein froelîch antlütze LvRegFr
3171
2
übertr. ‘Vorderseite, Bildseite’
als der buͦchstab und das antlútz des insigels schinet in dem wahs, swenn es wol dar in wirt gedruket PrGeorg
17,35;
die da stunden mit witzen / kein [gegen] der sule antlitzen [Bildseite des Götzenbildes]
Daniel
1200;
daz der môn an den stucken dicker ist an seinem antlütz wann an andern enden BdN
65,24
3
‘Anblick, Gegenwart’
herre dv salt mih gesaten / mit din selbis antlize. / andirs ware uns unnvzze / alliz himelisches lon Litan
37;
chindelin, div vntauft von hinnan schæident, div mvzzen gotes antlutz enbern PrBerthKl
3,44;
damit habent si gewunnen / daz si gotes antlutze sehent / unt iemir frolichen lebent Rol
5131;
gar in unsers herzen gir / suche wir din antlitze Daniel
1413;
darumbe habent mich dine viende verworfen von irem antlúze als einen toten Mechth
5: 21,5.
–
daz ir iegelichez gê uor simme antluzze Spec
121,21.
121,23;
zv der genozzeschefte der heiligen engel fuͤr das antluz des almehtigen gotes chomen Konr
19,6;
er werde schiere nû besant / für mîn antlitze her KvWHvK
181;
dar nach solden sie in gen, / vor des kunges antlitze sten Daniel
178;
an sin aͤntlúte si sich bot RvEWh
4820
4
‘Gestalt’
daz er den mennisk sach verlornen, den er e gebildet hete nah sin selbes antlvtze Spec
22,8;
sin gotlih gewalt / nah sinim antlútze gestalt / ein menschin mahte RvEWchr
222;
da vor sach der gute Johan / Crist in den luchteren stan / glich menschlichen antlitzen HeslApk
7769
MWB 1 325,45; Bearbeiter: Diehl
antlitzen
swV.
Part. Prät.:
wan swâ die hûsgenôze sint / gantlützet [haben ein Gesicht, Aussehen] alse der tûben kint Tr
15094
MWB 1 326,33; Bearbeiter: Diehl
Antônjer
stM.
Angehöriger des Antoniusordens (Bruderschaft mit Schwerpunkt in der Krankenpflege, vgl. LexMA 1,734f.):
sô tuot mir ein Antônier / mêr genâden, swenne er kumt her, / ob sîn heilictuom mich bestrîchet / daz etlich siuche mir denne entwîchet Renner
5275;
uf irme huͦs [...] in der Anthonier gassen UrkFrankf
2,347
(a. 1333)
MWB 1 326,36; Bearbeiter: Diehl
ant|ouge
stF.
allez daz herie / der heiliger engele, / die in godes andouge [vor Gottes Antlitz] / stent von aneginne MarldA
92
MWB 1 326,43; Bearbeiter: Diehl
antphange
Subst.
→
2antvanc
MWB 1 326,46;
antræchec
Adj.
‘eifersüchtig’
[der Abt] sol niht sin [...] antrechich [
zelotypus
]
BrAdm
64
MWB 1 326,47; Bearbeiter: Diehl
antrax
M.
auch attraxate.
‘Karfunkel’
von dem carbunkelstain. carbunculus ist der edlist under allen stainen und hât aller stain kreft [...] und haizt der stain kriechisch antrax BdN
437,23;
ûf dem buckelhûse stuont / ein stein, des namn tuon ich iu kuont; / antrax dort genennet, karfunkel hie bekennet Parz
741,13;
Wh
377,1;
sin helme ist erziuget [...] uz einem stein, der heizet attraxate / [...] ein der beste / under allen steinen JTit
3013,2
MWB 1 326,49; Bearbeiter: Diehl
antreche
swM.
‘Enterich’
doch dunket sich manic man gar wîse, / der als ein antreche ûf einem îse / swanzieren vor tummen liuten gât Renner
2114;
die antreichen sint sô unkäusch BdN
169,18
MWB 1 326,58; Bearbeiter: Diehl
antreitære
stM.
‘jmd., der ordnet’
waz mage wir dannen sagen? / nihwan daz du, herro got, antreitære dere dinge, / ein herlich wunter bist Himmelr
5,23
MWB 1 326,62; Bearbeiter: Diehl
antreite
stFN.
‘Ordnung, Anordnung, Reihenfolge’ (überw. in frühmhd. relig. Texten, oft zur Übers. von lat. ordo):
si nemen alle sunderlichiv bvͦc von der buͦckamer div nah antraiti ganzlic si lesin [
per ordinem ex integro
]
BrZw
48
u.ö.;
da stet inne diu scone phalenze hohe inbor; / da umbe in glichere antreite zwelf turne Himmelr
3,17;
so si [die Ameisen] uz ir neste gent so gent si alle in antreite JPhys
17,3;
die wîte und die lenge, / die kürze und die enge / die hœhe, tiefe und breite: / daz hât dîn antreite / gemezzen und gerihtet, / geordent und getihtet Georg
5130;
vgl.
Wh
1,30;
waz die manige antreite sin, die 28v wir degeliche sehint Lucid
69,5;
(vgl.
waz die ordinunge betúte, die wir degelich begant ebd.
77,9)
–
dô garte sich der bâbes / in dem munster sancte Pêters / mit allem sînem antraite [dem, was der Ordnung nach dazu gehörte]
Kchr
7974;
TrSilv
327;
den himil, daran die sternnen stant / und ir antreite [festgelegten Weg] umbe gant RvEWchr
12551
MWB 1 327,1; Bearbeiter: Diehl
antreiten
swV.
‘etw. ordnen, zurechtmachen, bereiten’
dich minnent unde erent [...] driu riche, / [...], / dei du zeches unde antreites, enges und breites, als du wil Himmelr
2,7;
zwo hosen er an leite, / di waren gantraitet / uon golde unt uon berelen Rol
3320.
2723;
der sî oͮch îe antrâitente [in Einklang bringend] siniv chôse ze gotis urteile Spec
89,2.
– mit Ersparung des Obj.:
an dir, ewige vater, stet der gewalt. / dine werc, di sint manicfalt. / du scaffis vnde antredis Litan
43;
von angenge dirre werlde was unser herre antreitente, do er den armen mennesscen gescoͮf Spec
148,31.
– mit Dat.d.P.:
den trost den du, herre, gordnet unde gantreit hast [
quod parasti
] aller dirre welte Konr(Sch)
28,15;
do ladet unsern herren ain richer man ze huse unde hete im ain vil groze wirtscaft gantreit ebd.
198,35.
217,29
MWB 1 327,21; Bearbeiter: Diehl
antreitunge
stF.
‘Anordnung’
do [...] diu antreitunge des almehtigen gotis ervollet wart PrMill
525
MWB 1 327,38; Bearbeiter: Diehl
antrodrâgmâ
Subst.
ein silberglänzender Edelstein (vgl. andromant):
antrodrâgmâ Parz
791,8;
andromanda, oder androdragma [...] ist ain stain, der ist silbervar und ist gar hert, sam der adamas BdN
436,3
MWB 1 327,41; Bearbeiter: Diehl
antsage
stF.
‘Absage, Entschuldigung’ (nur in frühmhd. relig. Texten, vgl. antsegede):
duo die boten gisageten welich antsegi si habiten, / er hiez si nieht erwinten Gen
2913;
da muzen si gehirmen [ablassen] , / die hie ir antsage / mit ir spæhlichen rede / da vure bietent SüklV
604;
niht geneige herce min in wort der ubele ze unschuldigen die antsage [interl. zu ad excusandas excusationes
] mit suͦnten PsM
140,4
MWB 1 327,46; Bearbeiter: Diehl
antsæʒe
Adj.
‘furchterregend, wild’
der eine [Hund] was antlæze [l. antsæze
] / und vil harte ræze, / der ander senfte unde grôz / unde aller frevel blôz Hund
11
MWB 1 327,55; Bearbeiter: Diehl
antsæʒec
Adj.
‘furchterregend’
er wart sô antsæzic, / daz manneclîcher von im zôch / und man in schiuhelîchen flôch Reinfr
15704;
[er] was worden dô antsæzic. / sîn lîp was risenmæzic / gewahsen ebd.
23399
MWB 1 327,59; Bearbeiter: Diehl
antsegede
stF.
‘abschlägige Antwort, Entschuldigung’ (vgl. antsage):
uon diu inmach nieman niheine antsegede habin dirre brvͦluofte TrudHL
13,33;
duo die boten gisageten welich antsegi [La. ant segede
] si habiten, / er hiez si nieht erwinten Gen
2913;
multi enim sunt vocati, pauci vero electi [...] disiu rede diu ist leider ein vestenunge unde ein antsagede aller der die der welt unde dem tievel dienen wellent Konr(Sch)
45,21
MWB 1 328,1; Bearbeiter: Diehl
antsiht
stF.
‘Anblick’
daz üns nach imo und nach siner wunneclicher antsicht [...] mioze allezana ameron [muß immerfort verlangen]
PrWack
19,6
MWB 1 328,10; Bearbeiter: Diehl
antsmalz
stN.
‘Entenschmalz’
ob dir din fuze we tun, nim biboz, stoz si mit antsmalze und lege ez druber BenRez
20
MWB 1 328,13; Bearbeiter: Diehl
antsmër
stN. oder stM.
‘Entenschmalz’
swem di zen we tun, der nem heffen gutes wines und mische die mit antsmer und lege daz uf di zen BenRez
52
MWB 1 328,16; Bearbeiter: Diehl
anttac
(vgl. AWB 1,565)
stM.
als ‘Gegentag’ der achte Tag nach einem kirchl. Fest (Oktave):
tusschen hie inde sente Johannis ce middis suͦmere andage UrkCorp (WMU)
43AB,26;
dit is gescieht [...] antdages paschen ebd.
53,8;
uf den samsdach des antages na sente Petirs unde sente Pauils dage der heiligen aposteln UrkMoselQ
136,33
(a. 1325)
MWB 1 328,20; Bearbeiter: Diehl
antv-
s.a. enph-
MWB 1 328,27;
antvahs
Adj.
‘mit langem, offenem Haar’
da von ir [Maria] iezu kundig was, / daz si was nacket und hantvas Brun
10054;
diu frouwe [Sibylle] saz antvas / in einem betehûs, / als uns saget Virgiliûs En
2704
MWB 1 328,28; Bearbeiter: Diehl
1antvanc
stM.
auch anphanc, zu enphâhen.
1
‘offizieller, öffentl. Empfang’ , in der Regel mit Erwähnung einer großen Menschenmenge und/oder der Lautkulisse (Gesang, Musik u.ä; aufwändige Beschreibungen eines antvanges ggf. mit Rahmenprogramm vgl. 2
‘Empfängnis’
1
‘offizieller, öffentl. Empfang’, in der Regel mit Erwähnung einer großen Menschenmenge und/oder der Lautkulisse (Gesang, Musik u.ä; aufwändige Beschreibungen eines antvanges ggf. mit Rahmenprogramm vgl.
KvHeimUrst
84;
NibB
568,2.
583,3.
1305,4;
UvZLanz
5377.
9112;
RvEWh
14918
):
diu menege was grozlich, der antvanch was vile wunnechlich AvaLJ
108,3;
ze liebem antpfange man hôrte vrœlîchen scal NibB
247,4;
dô quam mit grôzer hers chraft / elliu himelischiu herschaft / zir vrouwen antvange. / man hôrte von ir gesange / manige süeze wîse KvHeimHinv
1027;
sus wart gein ir antphange / ein grôzer schal mit gedrange LvRegSyon
2949;
Ginovere [...] gab ze dem anpfange / mentel vil lange, / gezobelt wol unz an die hant UvZLanz
5735;
bereiten ime dô einen êrbæren antvanc. / si frumten spil und gesanc, / dô man im engegen gie KvHeimUrst
1293;
Tr
18624.
– bes. den öffentl. Raum, vielleicht die Menschenmenge hervorhebend:
si giengen, dâ si funden die zieren degene / in grôzem antpfange an dem hove stân NibB
1802,3.
– den protokollarischen Akt hervorhebend:
diu kuͤnigin hete geheizen / den byshof daz er gein im gienge / und mit anphange in enpfienge Rennew
32118.
11562.
– übertr. im Kampf:
mit bíttírín antphange / wart er íntphangín dicke Athis
E 86
2
‘Empfängnis’
den antvanc den diu maget tet / von dem engel sâzestet, / der was harte wunderlich, / von al der werelt sunderlich: / wan den diu reine maget emphie, / der hâte dâvor lange sie / geschaffen âne swære LBarl
2608
MWB 1 328,33; Bearbeiterin: Baumgarte
2antvanc
stM.
‘Gegengurt’ (oder anevanc
‘Zügel’ o.ä., vgl. ane vâhen 3.2):
die darmgurteln wâren sîdîn, / veste unde lange, / und die antphange [Laa. di hantphange, der anpfanc
] , / dâ mans ane gorde, / daz was ein tûre borde, und daz vorbûge / ein borde vil gefûge En
5282
MWB 1 329,1; Bearbeiterin: Baumgarte |