antheiʒe
Adj.
mit Gen.d.S. und Dat.d.P. ‘verpflichtet’
daz ir den vor genanten burchgrafen der selben tausent pfunde haller guͤlte also antheizze werdet, vnd in da mit ieriklich dient UrkHohenz
3,163
(a. 1347)
MWB 1 323,52; Bearbeiter: Schnell
antheiʒec
Adj.
mit Gen.d.S. (und Dat.d.P.) ‘verpflichtet, schuldig’
daz mîne broͮder des guͦtes, des si mir shuldig sint, suln anthaizzig werden, swem ich wil UrkCorp (WMU)
2356,36;
wan si der bet [...] wegen dem egenanten herren und sinen erben aͦntheizzig worden sind UrkFriedb
157
(a. 1346);
sich fuͦegt ains males das ich wart / anthaissig ainer bette vart MinneR 451
2
MWB 1 323,57; Bearbeiter: Schnell
antichrist,
endekrist
stM.
‘Antichrist’
er heizzet da uon antichristus, wan er ist wider dem heiligen Christe Spec
143,4;
in dem jungisten zite so nahet uns des antechristes riche AvaA
1,1;
ze den selben ziten so richsent der æntechrist, der getreuget alle dis werlt mit maniger wiz PrOberalt
13,34;
so muͤssent die seligen gemarteret werden, wan dem Endecrist ist denne in ertriche der groͤssost gewalt gegeben Mechth
4: 27,150;
ich wene nu ist anticrist / den heiden kumen zu helfe GrRud
Cb 17;
wes sûmestû dich, endecrist, / daz dû niht kumst, sît al diu werlt so gar schazgîtec ist? RvZw
134,1.
– übertr.:
swer wider sînen orden strebet / und niht nâch gotes willen lebet, / wizzet der ist ein endecrist Renner
4487
MWB 1 324,1; Bearbeiter: Diehl
antifene, antiphon
stswF.
‘Antiphon’ (vgl. LexMA 1,719ff.):
daz er in dir chilchvn inwedir din salmin noh die antifnun anvahe BrEng
24;
dar nach sazte Celestinus der babest, daz man antifenen sunge vz dem salter uor dem ewangelio Lucid
103,19;
die anderen dagecit [die kleinen Horen?] sint in sibene geteilit, in daz anegenge vnde in die salmen vnde in die antifen vnde in daz capitel ebd.
83,1;
zu der antiphonen media vita, sô man singet sanctus drîstunt, [...] sal man venien [kniefällig beten]
StatDtOrd
123,1;
[wir] lesen denne ein lange wile dri salmen, ein antiphone und ein collecte Tauler
338,3
MWB 1 324,16; Bearbeiter: Diehl
antifener
stM.
‘Antiphonar’ (vgl. LexMA 1,722ff.):
swer ouch in sînem antifener / rehte wil merken, wie dicke er / rüert und schrîbet einen sin Renner
23449
MWB 1 324,29; Bearbeiter: Diehl
Antipodes
Subst. (Pl.)
‘Antipoden’ (vgl. Hamm, Lucid., S. 180-182):
waz sprichest du von den lúten, die da heizent antipedes? der meister sprach: die erde ist rehte enbor, so sint die antipedes vnder vns vnde hant die fuͦze engegen vns gekeret. Lucid
45,8.
– als Ländername:
der getwerge künec Bîlêî / und sîn bruoder Brîans genant: / Antipodes hiez ir lant Er
2089
MWB 1 324,33; Bearbeiter: Schnell
antiste
swM.
‘Prälat’ (aus lat. antistes):
daz er ze Lunders zEngelant / ein concîlje leite / und dâ der pfafheite, / den witzegen antisten, / die gotes reht wol wisten, / sînen werren tæte kunt Tr
15305;
die wisen antisten / in den glauben predigten WhvÖst
18410;
alrerst begunden regen / sich die werden cristen: / layen und antisten, / kuͤnge, fuͤrsten, graven wert ebd.
17778
MWB 1 324,41; Bearbeiter: Schnell
antlâʒ
stM.
‘Ablass, Sündenerlass, Vergebung’ nur in relig. Kontext (vgl. abelâʒ):
mit den wortin sprechen wir iu antlaz. / in der warheit sage wir íu daz: / uor gote birt ir inbunten / uon allin werltlichen sunden Rol
3929;
wir sculn iz ê beruogen, vil wârlîchen beriuwen, / mit wârer buozze chomen zantlâzze Gen
570;
der hêilige schâchare gêrte antlazs an dem crv̂ce vnde wart sin gewêrt Spec
9,33;
daz wir immer sunde miden / und immer buze liden: / so wirt uns antlaz gigeben / und darnach daz ewige leben StrKD
107,81;
si [Maria] ist ein antlâz den riuwigen TrudHL
40,29;
Lucid
115,13;
BdN
217,26
MWB 1 324,49; Bearbeiter: Schnell
antlâʒære
stM.
‘jmd., der Ablass gewährt’
gib uns von obene antlazer antlaz [interl. zu effunde nobis desuper remissor indulgentiam
]
PsM
H 53,6
MWB 1 324,62; Bearbeiter: Schnell
antlæʒec
Adj.
‘sühnbar, lässlich’ (von Sünden im Ggs. zu Todsünden):
die fünf lüge sint tœtliche sünde. die drîe sint antlæzic PrBerth
1:285,26;
ez wirt antlezziger dem lande Sodomorum vnd Gomorreorum in dem tage des vrteiles wan diser stat EvAug
20,19;
daz dem armen sundære / diu burde wirt berch mæzzich / und wirt nimmer antlæzzich StrKD
129,218;
ist aber di schuld antlazzich, so schol di puezz darnach sein genaedich mier UrkKrems
38
(a. 1347)
MWB 1 325,1; Bearbeiter: Schnell
antlâʒen
swV.
‘jmdm. (die Sünden) vergeben, Ablass erteilen’
helt, nu antlaze du mir, / daz min sele icht prinne! Rol
6481;
antlazzit alle ain andir, ôb ir wârn antlaz uon gote hiute welt gewinnin Spec
53,16;
mit dienste si sich flizzen, / daz si in [ihnen] der unmâze / geruochte antlâzen Wernh
3690;
ir schulde si veriahen / unde baten in got antlazen Serv
2321;
barmherce [...] uerlihes, geantlazzest [interl. zu indulgeas
]
PsWindb
122,Oratio
MWB 1 325,11; Bearbeiter: Schnell
antlæʒlich
Adj.
‘sühnbar, lässlich’ (von Sünden im Ggs. zu Todsünden):
einlef pôtin, die wârn rein uor allin hoͮpthaftin suntin unde wârn iedoch niht alzogis âne sunte antlazliche Spec
52,27;
antlazliche sunte, der niemen in dirre werlt ane ist ebd.
90,16
MWB 1 325,20; Bearbeiter: Schnell
antlâʒnaht
stF.
‘Vorabend des Gründonnerstags’
von rehter minne seins güetigen hertzen gab er an der heilgen antlaznaht sein jungern sein heilgen leichnam AdelhLangm
63,1.
91,24
MWB 1 325,26; Bearbeiter: Schnell
antlâʒtac
stM.
‘Gründonnerstag, Ablasstag’
daz bezeichenet den antlaz tach. do uns got sin fleisk unde sin blut gab VMos
57,2;
PrSchw
1,12;
mit den worten trôste sie der herre an dem antlâztage nâch dem âbentezzen Eckh (Pf)
245,23;
aber dort am antlass tag / so hat got gar vil zeschaffen / mit den andern layn und pfaffen Teichn
636,32;
des babbes pann, den er jerlich chundet an dem antlaztage UrkCorp (WMU)
879Sa,17;
an dem antlasse tage in der marter wochen ebd.
421,26;
Konr
9,47
MWB 1 325,30; Bearbeiter: Schnell
antlâʒwoche
swF.
‘Karwoche’
und in der antlass wochen dann, / wann ander lewt, frawn und man / arm und reich ze kirchen gingen / und die heilikait enpfingen Teichn
636,17.
388,77
MWB 1 325,41; Bearbeiter: Schnell
antlitze, antlütte
stN.
1
‘Gesicht’
2 übertr. ‘Vorderseite, Bildseite’
3
‘Anblick, Gegenwart’
4
‘Gestalt’
1
‘Gesicht’
der munt und diu nase und diu ougen und alliu diu gestaltnisse des antlites Eckh
1:266,5;
wil dû daz antluze unmâze scône machen, sô nim einer eselinne milch Barth
137,13;
an libe vnde an antlitze Herb
3179;
ir antlütze unde ir schœniu lîch Iw
1669;
si nam sîn antlüte in ir hende wîz / und truchte ez an ir munt SM:Had
4: 1,5;
wer gar ain sinwel antlütz hât, der ist ain tôr BdN
46,21;
[er] kêret den rücke der menscheit und daz antlitze ze gote Eckh
5: 112,5.
– in der Wendung von ~ ze ~
‘von Angesicht zu Angesicht’
dort wirt man in sehende von antlútze ze antlúze DvAStaff
491;
do die seligen die gotheit sehent uon antluze ze antlúze Lucid
123,14;
und sæhe die ane von antlitze ze antlitze Eckh
5: 16,7.
–
ein schin Godis der da irluchtit daz antlitze der sele Parad
24,16.
51,32;
der innewendige wille: des antlitze ist allezit zu Gode gekart ebd.
79,16;
so besihe ich das antlitze miner sele in dem spiegel miner súnden Mechth
7: 21,5.
–
‘Miene’
der pabis schiere antwurte / mit schoneme antlietze TrSilv
784;
er het ein froelîch antlütze LvRegFr
3171
2
übertr. ‘Vorderseite, Bildseite’
als der buͦchstab und das antlútz des insigels schinet in dem wahs, swenn es wol dar in wirt gedruket PrGeorg
17,35;
die da stunden mit witzen / kein [gegen] der sule antlitzen [Bildseite des Götzenbildes]
Daniel
1200;
daz der môn an den stucken dicker ist an seinem antlütz wann an andern enden BdN
65,24
3
‘Anblick, Gegenwart’
herre dv salt mih gesaten / mit din selbis antlize. / andirs ware uns unnvzze / alliz himelisches lon Litan
37;
chindelin, div vntauft von hinnan schæident, div mvzzen gotes antlutz enbern PrBerthKl
3,44;
damit habent si gewunnen / daz si gotes antlutze sehent / unt iemir frolichen lebent Rol
5131;
gar in unsers herzen gir / suche wir din antlitze Daniel
1413;
darumbe habent mich dine viende verworfen von irem antlúze als einen toten Mechth
5: 21,5.
–
daz ir iegelichez gê uor simme antluzze Spec
121,21.
121,23;
zv der genozzeschefte der heiligen engel fuͤr das antluz des almehtigen gotes chomen Konr
19,6;
er werde schiere nû besant / für mîn antlitze her KvWHvK
181;
dar nach solden sie in gen, / vor des kunges antlitze sten Daniel
178;
an sin aͤntlúte si sich bot RvEWh
4820
4
‘Gestalt’
daz er den mennisk sach verlornen, den er e gebildet hete nah sin selbes antlvtze Spec
22,8;
sin gotlih gewalt / nah sinim antlútze gestalt / ein menschin mahte RvEWchr
222;
da vor sach der gute Johan / Crist in den luchteren stan / glich menschlichen antlitzen HeslApk
7769
MWB 1 325,45; Bearbeiter: Diehl
antlitzen
swV.
Part. Prät.:
wan swâ die hûsgenôze sint / gantlützet [haben ein Gesicht, Aussehen] alse der tûben kint Tr
15094
MWB 1 326,33; Bearbeiter: Diehl
Antônjer
stM.
Angehöriger des Antoniusordens (Bruderschaft mit Schwerpunkt in der Krankenpflege, vgl. LexMA 1,734f.):
sô tuot mir ein Antônier / mêr genâden, swenne er kumt her, / ob sîn heilictuom mich bestrîchet / daz etlich siuche mir denne entwîchet Renner
5275;
uf irme huͦs [...] in der Anthonier gassen UrkFrankf
2,347
(a. 1333)
MWB 1 326,36; Bearbeiter: Diehl
ant|ouge
stF.
allez daz herie / der heiliger engele, / die in godes andouge [vor Gottes Antlitz] / stent von aneginne MarldA
92
MWB 1 326,43; Bearbeiter: Diehl
antphange
Subst.
→
2antvanc
MWB 1 326,46;
antræchec
Adj.
‘eifersüchtig’
[der Abt] sol niht sin [...] antrechich [
zelotypus
]
BrAdm
64
MWB 1 326,47; Bearbeiter: Diehl
antrax
M.
auch attraxate.
‘Karfunkel’
von dem carbunkelstain. carbunculus ist der edlist under allen stainen und hât aller stain kreft [...] und haizt der stain kriechisch antrax BdN
437,23;
ûf dem buckelhûse stuont / ein stein, des namn tuon ich iu kuont; / antrax dort genennet, karfunkel hie bekennet Parz
741,13;
Wh
377,1;
sin helme ist erziuget [...] uz einem stein, der heizet attraxate / [...] ein der beste / under allen steinen JTit
3013,2
MWB 1 326,49; Bearbeiter: Diehl
antreche
swM.
‘Enterich’
doch dunket sich manic man gar wîse, / der als ein antreche ûf einem îse / swanzieren vor tummen liuten gât Renner
2114;
die antreichen sint sô unkäusch BdN
169,18
MWB 1 326,58; Bearbeiter: Diehl
antreitære
stM.
‘jmd., der ordnet’
waz mage wir dannen sagen? / nihwan daz du, herro got, antreitære dere dinge, / ein herlich wunter bist Himmelr
5,23
MWB 1 326,62; Bearbeiter: Diehl
antreite
stFN.
‘Ordnung, Anordnung, Reihenfolge’ (überw. in frühmhd. relig. Texten, oft zur Übers. von lat. ordo):
si nemen alle sunderlichiv bvͦc von der buͦckamer div nah antraiti ganzlic si lesin [
per ordinem ex integro
]
BrZw
48
u.ö.;
da stet inne diu scone phalenze hohe inbor; / da umbe in glichere antreite zwelf turne Himmelr
3,17;
so si [die Ameisen] uz ir neste gent so gent si alle in antreite JPhys
17,3;
die wîte und die lenge, / die kürze und die enge / die hœhe, tiefe und breite: / daz hât dîn antreite / gemezzen und gerihtet, / geordent und getihtet Georg
5130;
vgl.
Wh
1,30;
waz die manige antreite sin, die 28v wir degeliche sehint Lucid
69,5;
(vgl.
waz die ordinunge betúte, die wir degelich begant ebd.
77,9)
–
dô garte sich der bâbes / in dem munster sancte Pêters / mit allem sînem antraite [dem, was der Ordnung nach dazu gehörte]
Kchr
7974;
TrSilv
327;
den himil, daran die sternnen stant / und ir antreite [festgelegten Weg] umbe gant RvEWchr
12551
MWB 1 327,1; Bearbeiter: Diehl |