anehanc
stM.
1
‘Angehöriger, Verwandter’
2
‘Gefolgschaft, Anhängerschaft’
3
‘Begleitung, Begleiterscheinung’
4
‘Feuchtigkeit, die sich in der Nacht an Pflanzen niederschlägt’
5 rechtl. ‘zugehörige Liegenschaft’
6
‘Verhaftetsein mit der Welt’
1
‘Angehöriger, Verwandter’
ich bin nuͦ siech und kranck / und haun mængen anhanck, / weib und kint und ander maugen Teichn
510,52;
also sint och vier winde, unde het ieglicher zwene anhenge oder zwene knechte [ z.B. sind die anhenge des Nordwindes dessen Nebenwinde Nordost- und Nordwestwind]
MNat
9,25
2
‘Gefolgschaft, Anhängerschaft’
sît wâriu milte dir gebôt / sô manecvalden anehanc Parz
297,21;
dor noch quam [...] / diz rich und sin anehanc [Bewohner] / Dyonisio zu handen Hiob
6138
3
‘Begleitung, Begleiterscheinung’
di crefte sint ein anehanc und ein aneval des wesines der sele Parad
99,9;
idoch wart er [Adam] geswachet / van der sunden anehang HistAE
151;
wan der hoe got im herab / wazzer gab, da er getrank. / er starb mit gotes anehank [Beistand]
ebd.
3712
4
‘Feuchtigkeit, die sich in der Nacht an Pflanzen niederschlägt’
walt und ouwe, daz gevilde / hât bedecket rîfe und anehanc KLD:KvK
4:1,1;
îs und anehanc / hât der vogelîne sanc / gar gestillet in den welden Neidh
WL 25:2,13;
sne vnt anehanc Warnung
1929.
– mit Gen.-Attr.:
und so ez uz den luͤften / wirt nibeln und tuͤften / mit frostes anhange Minneb
4295;
der bliclîchen bluomen glesten / sô des touwes anehanc erliuternt MF:Wolfr
6: 2,2
5
rechtl. ‘zugehörige Liegenschaft’
das ich [...] den Swinberc mit sinem anhange besuͤhtes und unbesuͤhtes mit aller ehaft ie han gegeben [...] den erberen herron UrkCorp (WMU)
1870,20
6
‘Verhaftetsein mit der Welt’
dú sele gelichet sich ainer lichten flumvedren: so dú enkeinen anhang hat, so wirt si gar lihte [...] gegen dem himele hoh uf gefuͤret Seuse
309,21
MWB 1 244,31; Bearbeiter: Schnell
ane hangen
swV.
intr.; Präteritalformen sind nicht belegt (vgl. ane hâhen).
1
‘(an etw.) befestigt sein’
2
‘jmdm./einer Sache angehören, jmdm. anhängen’
1
‘(an etw.) befestigt sein’
disen brieff mit vnserm anhangenden jngesigel UrkCorp (WMU)
2299,22;
vnd sint zivg die, der jnsigel hie an hangent ebd.
N692
2
‘jmdm./einer Sache angehören, jmdm. anhängen’
also sint och vier winde, unde het ieglicher zwene anhenge [...] dise winde unde ir anhengende winde MNat
10,5;
Daniel
7725;
in welher wîse der mensche mac nemen, als im gebürt, zarte spîse und hôhiu kleit und vrœlîche gesellen, als im die anehangent nâch gewonheit der natûre Eckh
5: 255,6;
hangent den an die Gotte anhangent Tauler
50,21.
421,29;
ist der nicht ein arm man / dem ein siechtum hanget an Teichn
289,2
MWB 1 245,1; Bearbeiter: Schnell
1anehap
stM.
zu ane heben (vgl.
1anehabe):
sante Peter sprach [...] / daz er den anhap hede [den Anfang mache] / vnde got zv ersten bede MarHimmelf
857
MWB 1 245,16; Bearbeiter: Schnell
2anehap
stM.
zu ane haben 2.3 (vgl.
2anehabe):
als pald und er den pruder sach, / do was daz sein anhab [Vorwurf] / daz er die frawen schuldig gab Teichn
565,61
MWB 1 245,20; Bearbeiter: Schnell
ane harn
swV.
‘ansprechen, auffordern’
ein engil chom ze Bethlehem; / Joseben er anharte, / daz er daz kint bewarte Wernh
D 4811
MWB 1 245,24; Bearbeiter: Diehl
ane harpfen
swV.
→
ane
Adv., Präp. 1.1
MWB 1 245,27;
anehebære
stM.
‘Urheber, Anstifter’ (vgl. anehabære):
die schulde ze anden / unde rechen die gevære, / der er was selbe anhebære Ottok
67278;
nû ist ein frâge, ob ez den anhebern unde den sündern ouch geben werde? Eckh (Pf)
361,6
MWB 1 245,28; Bearbeiter: Diehl
anehebærinne
stF.
‘Urheberin, Anstifterin’
als digke fellet das fúrlosenne wip mit dem man in dotsúnde, wenne das fúrlosene wip ist sin ein ursache und ein anhebberin gesin MerswNF
51,30;
MerswKn
101
MWB 1 245,33; Bearbeiter: Diehl
ane heben
stV.
(mit sw. Prät. BdN 278,31 )
‘(mit etw.) anfangen; beginnen, etw. zu tun’ (teilw. Bedeutungsüberschneidungen mit ane haben)
1 intr. 2 tr. 2.1 mit Akk.d.S. 2.2 mit Akk.d.P. und Gen.d.S. ‘jmdn. veranlassen, mit etw. anzufangen’
3 refl. ‘beginnen’
4 in myst. Texten das Part. Präs. in der Wendung anehebende liut, mensche
‘am Beginn des myst. Weges stehend’ (vgl. ane vâhen 2.1 ) 5 subst. ‘Anfang’
1
intr.:
in sines vater wise / hvb er vil lise / an, vnde sanc ReinFu
K,511a;
swenn ich an hebe, sô hœret mir und alse ich hürne, als hürnet ir Tr
3195;
maniger hebt an und schreibt KvMSph
2,18.
–
‘seinen Anfang nehmen’
eya, du geistlicher man, / blibe swie der orden an / gehaben ist zum ersten! Daniel
2765.
– mit Gen.d.S.:
daz beide [...] / bî iren zîten huoben an / wîplicher fuor mit reiner scham HvBer
1469
2
tr.
2.1
mit Akk.d.S.:
die menschen, die daz niden an den füezen anhebent, daz si an dem haupt sölten anvâhen BdN
122,22;
sîn niuwez ambet huober an / mit vlîzeclîchem ruoche Tr
3564;
iedoch hân ich ain klain angehebt ze spinnen [erzählen] von der lieb an ainer andern stat BdN
278,31.
– mit Akk.d.P. und Akk.d.S.:
die zwêne ungevüegen man / die huoben in den strît an [begannen den Kampf mit Iwein]
Iw
6718
2.2
mit Akk.d.P. und Gen.d.S. ‘jmdn. veranlassen, mit etw. anzufangen’
swaz man ouch von den sîden / und von der woll gewürken kan, / der lêr wolt er sî [seine Töchter] heben an HvBer
1523
3
refl. ‘beginnen’
ein grimmer strit hup sich do an Herb
6350;
nu hebet sich ditz buoch an SpdtL
79,27;
hie hebent sich ane die gesetzede der brûdere des dûschen hûses StatDtOrd
57,1;
von den, der nam sich ze latein anhebt an ainem a, dar nâch an ainem b BdN
119,24.
– im Hinblick auf räumliche Erstreckung:
das ander vegefúr das ist [...] also gros, das es sich anhebet vor der helle munt und endet vor der himmelporte Mechth
6: 8,22;
die viertail des tyrkraizzes, die sich anheben an den vier puncten KvMSph
36,29;
daz ertrîch, / daz dû dort sihest sweben, / in dem wazzer an heben. [aufsteigen] / da solt dû varn ûf mit grôzer nôt EnikWchr
19526.
–
‘sich auf den Weg machen’
ze Rôm wil ich mich heben an EnikWchr
27275
4
in myst. Texten das Part. Präs. in der Wendung anehebende liut, mensche
‘am Beginn des myst. Weges stehend’ (vgl. ane vâhen 2.1):
dise begerunge ist drier leige in drier leige lúten [...]. die erste ist in anhebenden lúten, die ander ist in zuͦnemenden lúten, die dritte in den die volkommen lúte heissent Tauler
51,13.
29,29
u.ö.;
Eckh
5:211,11
5
subst. ‘Anfang’
in dem anhebende der messen Tauler
11,30;
dy ersten acht vers dy haben als ein aneheben von dem aleph [interl. zu versus incipiunt
]
PsMb
25(Glossar);
hetten sij die schuͤler nit bewarnet / und huͤtte sij [das Gedächtnis] yn nit ir anheben, / das sij wissent und gelernet haben [das seit dem Anfang bereits Gelernte]
Pilgerf
4816
MWB 1 245,38; Bearbeiter: Diehl
aneheftec
Adj.
‘einer Sache anhängend, zugehörig’ (vgl. anehaftec):
Symon prufte an sime sun / daz er wol strite solde tun, / wand er was starc unde creftic / dem gelouben wol anheftic Macc
6338
MWB 1 246,28; Bearbeiter: Diehl
ane heften
swV.
‘etw./jmdn. an etw. befestigen, festmachen’
er fûrte einen starken schaft, / vor nâ dem îsene an gehaft Kreuzf
5802;
chainen vergen ich nicht loben mag, / dw weil er swimmet auf dem wag, / untz daz er geheftet an / do daz scheff zu recht sol stan Teichn
14,5.
– übertr.:
daz liet ich anhefte / vf dine gnade [stelle ich deiner Gnade anheim]
Wernh
D 74
MWB 1 246,32; Bearbeiter: Diehl
ane heilen
swV.
‘jmdm. etw. heilend anfügen’
[Jesus] heilde ime daz [abgeschlagene] ore ane HeslNic
621
MWB 1 246,40; Bearbeiterin: Baumgarte
aneheime
Adv.
nur präd.; in Rechtstexten, ‘zu Hause’
wer in der statt anhaim [wohnhaft] ist DRW
1,659
(Neustadt a. D.; a. 1273);
wenne der puͤrge erloͤzet wirt [...] so sol [das] der jude den puͤrgen kunt tuͦn in aht tagen, ob er anehaime ist. wer aber er niht anhaime [anwesend] , so sol er im ez kunt tuͦn zuͦ seinem hause in derselben frist NüP
189;
die weil sein gelter anhaim ist, und ob der gelter darnach von dem lande vert StRMünch
372,20
MWB 1 246,43; Bearbeiterin: Baumgarte
aneheimisch
Adj.
nur präd.; in Rechtstexten (vgl. DRW 1,660), ‘zu Hause’
ist der wirt dinne niht oder ist niht anheimisch, verbiutet danne der waibel des gastes gut in der frowen munt [...] so sol der wirt [später bei Gericht] davon antwurten als ob er daheime gewaesen waere StRAugsb
221,30.
104,2
MWB 1 246,53; Bearbeiterin: Baumgarte
ane hëlfen
stV.
‘helfen, etw. in Gang zu setzen’
wer och dc, dc die knechte in den muͥlinon [...] als sumig wêrin gegen den muͥlinon, so sullen die muͥlimeistra selben da sin vnd den muͥlinon an helfen, dc da enkein bre̋stvͥ si UrkCorp (WMU)
3474,43
MWB 1 246,60; Bearbeiter: Diehl
anehëllec
Adj.
‘anhängend, verbunden’
mein sele czu gefuͤget ist und anhaͤlik worden [
adhaesit anima mea Ps 118,25
]
PsMb
26(Glossar);
ich pin anhelig der gezeugnus deiner gepot [
adhaesi testimoniis tuis Ps 118,31
]
ebd.
26(Glossar)
MWB 1 247,1; Bearbeiter: Diehl
ane hëllen
stV.
‘jmdm. nacheifern’
du sollst nicht wöllen anhelen oder nachvolgen dem es glücket in diser welt [interl. zu noli aemulari in illo qui prosperatur in via sua Ps 36,7
]
PsMb
26(Glossar)
MWB 1 247,6; Bearbeiter: Diehl
anehengelicheit
stF.
‘Verbundensein, Anhänglichkeit’
do muͦs die nature ir selbes verloͤigenen [...] in aller kleblicheit und anhenglicheit do si sich an vint, es sin die frúnt oder die mogen Tauler
377,11;
er wil ouch daz dy vuchtekeyt / des wazzers und der erden / sich wol glichen der werden / an hengelkeit zu Gote Hiob
2865
MWB 1 247,10; Bearbeiter: Diehl
ane hengen
swV.
‘etw. an jmdn. hängen’ (mit Akk.d.S. und Dat.d.P.):
so hancte ich ir einen schürliz an SM:Ta
3:3,5;
wenestu das dir henge an / groze bete Leviathan [dass Leviathan dich um Gnade bittet] ? Hiob
14935
MWB 1 247,17; Bearbeiter: Diehl
ane henken
swV.
tr. ‘jmdm. etw. anhängen, etw. an jmdm./etw. befestigen’
so haben wir [...] gegeben disen brief [...] besigelt mit vnserme angehenkten jngesigele UrkCorp (WMU)
2228,44;
hafte gote ane, sô henket er dir alle güete ane Eckh
5: 199,7;
ein götlich hilf, die der creatur vergebens angehenkchet oder gegeben ist [
inpensum
]
Gnadenl
3:M1,192.
– Phras.: der katzen eine schelle ~
→ katze
MWB 1 247,22; Bearbeiter: Diehl
anehêrre
swM.
1
‘Großvater’ (vgl. ane swstM.) 2
‘Ahnherr’
1
‘Großvater’ (vgl. ane swstM.):
dînen vater dû, hêrre, hâst erslagen, / der [Kinder] anehêrren, die ich bî dir hân getragen UvEtzAlex
3084;
dô diu kint hôchgeborn / in des bâbstes dienste heten florn / den vater und den aneherren Ottok
80484.
87539
u.ö.
2
‘Ahnherr’
nu habe wir sînes sâmen. / der anherre er ist gesîn Kreuzf
1031
MWB 1 247,31; Bearbeiter: Diehl
ane herten
swV.
‘auf etw. beharren’ (mit Akk.d.S.):
wiltu abir eweclichen zornen adir das anherten zu ende uz? [
perseverabis in finem
]
Cranc
Jer 3,5
MWB 1 247,39; Bearbeiter: Diehl
ane hetzen
swV.
‘jmdn./etw. hetzen, jagen’
ir moͤcht es gern gesehen haͮn, / wir hatzten ainen hirssen an / zehant do ir geriten wart Teichn
487,54;
swen in [einen Menschen] der tot myt synen hvnden hetzet an, / so wuorf er gerne von ym hyn die svnde Wartb
Rs 83,5
MWB 1 247,42; Bearbeiter: Diehl
anehin
Adv.
1 direktional ‘hin’
2 temporal ‘weiterhin, immerfort’
1
direktional ‘hin’
nach dem Feuchtenpach anhin an den Goͤlh UrkSteirG
66
(a. 1348)
2
temporal ‘weiterhin, immerfort’
szo moͤchten wy anhen faren / stelen, rouben in allen landen KarlElegast
431
MWB 1 247,48; Bearbeiter: Diehl
ane hœnen
swV.
vermutlich eher ‘anheulen’ (zu
1hœnen) als ‘verhöhnen’ (zu
2hœnen):
da mit traibt er mich mit sinen lemern under die wolf, der mich maniger grimiglich an zanet und veintlichen an hönet und schalglichen verspottet HvNördlBrf
52,45
MWB 1 247,53; Bearbeiter: Diehl |