ane bîʒen
stV.
1
‘eine Mahlzeit einnehmen’
2
‘anbeißen, abbeißen’ , übertr. ‘sich auf etw. einlassen’
1
‘eine Mahlzeit einnehmen’
in der burg da wir inn angebißen hant was ein ritter Lanc
579,5.
537,24.
561,4
2
‘anbeißen, abbeißen’, übertr. ‘sich auf etw. einlassen’
owe, got, wan hettin sú din nuwen ein vil klein enpfunden, wan hettin sú nuwen ein vil klein an gebissen! Seuse
449,15
MWB 1 224,60; Bearbeiter: Schnell
ane blâsen
stV.
1
‘jmdn./etw. anhauchen’
2
‘etw. durch Blasen (eines Horns) ankündigen’
1
‘jmdn./etw. anhauchen’
so diu leuin birit so ist daz leuinchelin tot [...] tene so chumit ter fater unde blaset ez ana so wirdet ez erchihit ÄPhys
1,18;
der per ist sô gar schelmig, [...] waz er anplæst [...] daz fault BdN
163,3.
– subst.:
wâ er [Drache] wont dâ verunraint er den luft mit seim âtem, [...] er hât ain tôtpringendez anhûchen oder anplâsen BdN
269,20.
72,17
2
‘etw. durch Blasen (eines Horns) ankündigen’
als die wahter pflegent auf den pürgen, die paideu naht und tag anplâsent BdN
290,18.
– Zu ane blâsen in Aufforderungssätzen →
ane
Adv., Präp. 1.1
MWB 1 225,3; Bearbeiter: Schnell
aneblâsunge
stF.
‘Anblasen, Anwehen’
von diner berefsunge herre, uon der anblasunge [interl. zu ab inspiratione
] des gestes dines zornis PsSchleiz
183
MWB 1 225,15; Bearbeiter: Schnell
aneblic
stM.
1
‘Blick (auf jmdn./etw.)’
2
‘das Aussehen, Äußere (von jmdm./etw.)’
1
‘Blick (auf jmdn./etw.)’
den läuten ze ainem anplick und zuo ainem schawen BdN
161,29;
[der Basilisk] tœt die läut neur mit seinem vergiftigen anplik ebd.
264,2;
alsô hât got in sînem êrsten êwigen anblicke alliu dinc anegesehen Eckh
5: 416,3;
da der mensch nach allem sinem muͦtwillen lebet sunder anderheit, ane allen anblik in vor und in nach Seuse
352,28;
[Christus] hies im raichen ein tüch. / fur seinen anplik [Blickfeld] er es hüb / und drukht mit paiden henden an, / das ein antlitz ward daran Hawich
1546.
–
‘auf den ersten Blick’
[ die Bienen] machent die obersten drei zeil lær von honich, dar umb, daz daz honig an dem êrsten anplick iemant hin zuo lad, der in schaden pring BdN
289,12
–
‘Sichtbarkeit’
der sterb werte als lang, als lang der stern anplik wert und ir samnung BdN
111,29;
der sunnen stern; der benimt im mit seinem schein seinen anplik KvMSph
36,9
2
‘das Aussehen, Äußere (von jmdm./etw.)’
von himel chom ein engel licht; / des amplick gab so prehenten schein / daz wir [...] alle vielen fûr tôt nider GvJudenb
2469;
von seinem [Christus am Kreuz] an plikch wol gar / was verswunden sein schon [Schönheit] für war Märt
4093
MWB 1 225,19; Bearbeiter: Diehl
ane blîchen
stV.
swa in daz fur ane bliche [wo auch immer der Feuerstrahl ihn traf] ; / so enkvnde ez im niht geschade Herb
1024
MWB 1 225,43; Bearbeiter: Diehl
ane blicken
swV.
‘jmdn./etw. ansehen, anschauen’
bliche sine vrische wunden an BenGeb
69;
dô er sich ûf gerihte / und sich selben ane blihte / und sich sô griulîchen sach Iw
3506.
– übertr.:
es [das Nichterkennen seiner Göttlichkeit] lit an der entgangung und verahtunge sin selbs na angeblikter wise [nach der Selbstbetrachtung]
Seuse
163,1.
– subst.:
und swen daz anblicken niht verwundet hât, des sêle ist von der minne gotes nie verwundet worden Eckh (Pf)
401,34
MWB 1 225,46; Bearbeiter: Diehl
anebliclich
Adj.
‘(an-)schauend, betrachtend’, (nur RvBib zur Übers. von lat. intuitivus):
wir svllen [...] sehen, wie dv̍ beschoͮde vnderscheiden si von gedanke, meditacivn, speculatiun vnd von anblichlicher bekennunge RvBib
54,16;
von der anblichlicher gegenwu̍rtiger bekennung [von unmittelbarer Erkenntnis]
ebd.
57,19
u.ö.
MWB 1 225,56; Bearbeiter: Diehl
ane bocken
swV.
‘provozieren’ (im Bild des mit den Hörnern stoßenden, stinkenden Bockes):
ein stinkender jüde, der uns an böcket PrBerth
1:323,13
MWB 1 225,63; Bearbeiter: Diehl
ane bockezen
swV.
Intensivum zu ane bocken:
nû sihst dû wol, daz ein stinkender jüde, der die liute an bokezet, sînen vîgertac baz êret danne dû PrBerth
1:270,25
MWB 1 226,3; Bearbeiter: Diehl
anebot
stN.
‘(Kauf-)Angebot’
ob ein kauf geschech in hasses weis, in zorn oder in gäch [übereilt] anpot [...] das sol nicht kraft noch rechten haben StRBogen
128
MWB 1 226,7; Bearbeiter: Diehl
ane botwarn
swV.
‘jmdn. verleumden, vor Gericht fälschlich einer Sache beschuldigen’
wer auch umb semeliche sache auf dem andern klagen wil, der schol sich wol ee vorsehen, das er in icht an potwar vnd welle im mit vnrechte seines ackers abgewinnen StRBrünn
221.
346
u.ö.
MWB 1 226,11; Bearbeiter: Diehl
anebôʒ
stM.
‘Amboss’
der in [den Diamanten] leite ûf einen anebôz / und næme einen hamer grôz / unde slüege ûf den stein, / ez wurre im harte klein Volmar
297;
wær ir herze ein anebôz, / sôst mîn klage doh so grôz, / daz ich wol genâde solte vinden SM:St
9:3,4.
– häufig in Vergleichen:
[sie schlugen auf Schilde und Helme] sam der smít tingelet uf den anbóz Rol
4118;
[der Kampflärm] ward so groß / als auff hundert anpoß / schmide slugen mit hemeren HvNstAp
12441.
– übertr.:
dô kêrte diu schar grôze / gein manegem anebôze / den der touf het überdecket [Christen, auf die die Heiden einschlagen]
Wh
404,10;
swer dich [Kreuz Christi] kan vüren, der gesiget uf aller vart. / eia, stolzer aneboz! Frl
2:17,8
MWB 1 226,17; Bearbeiter: Diehl
ane bôʒen
stV.
‘etw. (heftig) stoßen’
chêre dîn schef ze stette, / daz dich enmitten ûf dem mer / die sundern winde hin unt her / denne icht ane bôzzen Erinn
653
MWB 1 226,32; Bearbeiter: Diehl
ane brëchen
stV.
refl. ‘sich anmaßen’
aber das du dich an prichst ein kayser zu sein GestRom
55
MWB 1 226,36; Bearbeiter: Diehl
ane brieven
swV.
‘(urkundl.) festhalten’
swer sich hinze sime [Gottes] dienste gechert, der ist vil sælic, wan des namen haizet er ane scriben unde ane brieven da ze der himilisken Jerusalem [...]. da wider scribt unde brievet der vil ubel tievel alle die unde aller der namen da ze hellen an, die sinen willen getuont Konr(Sch)
187,37
MWB 1 226,38; Bearbeiter: Diehl
ane bringen
V.
mit Akk.d.S. (und Akk.d.P.) ‘etw. (an jmdn.) heranbringen’
1 konkret 1.1
‘heranbringen’
1.2
‘überlassen’
1.3
‘etw. in jmds. Besitz bringen; jmdm. etw. verschaffen, vererben’
1.4
‘etw. (ein Kleidungsstück) anziehen (können)’
2 übertr. 2.1
‘nahebringen, lehren’
2.2
‘etw. aufbringen, veranlassen’
2.3
‘vor jmdm. wegen etw. Klage erheben’
2.4
‘etw. begehen’
1
konkret
1.1
‘heranbringen’
div sculde die div naht anbrahte [interl. zu intulit
]
PsM
H 12,3;
interl. zu
ingessit ebd.
H 94,4;
hey Widehelm, nu wil ich dich / bringen an den liebsten funt / der ie von muͦter libe kunt / wart dehainem helde WhvÖst
6385;
gee ab vnd verliere alles das dyr zuͦfall anbringet Eckh
2:388,66
1.2
‘überlassen’
deu frauwe [...] vordert sogetan lehen, also si bischolf Berchtolt hiet anbracht von bischolf Rudegeren UrkCorp (WMU)
23,30.
– subst.:
der rât heizet ouch ein anbringen; als geschriben stêt ‘wilt dû volkomen werden, sô verkoufe allez daz dû hâst unde gip ez armen liuten.’ Eckh (Pf)
369,8
1.3
‘etw. in jmds. Besitz bringen; jmdm. etw. verschaffen, vererben’
ein rîchiu grâfschaft, diu ist sîn; / die brâhte in sîn vater an Wig
3672;
was dich dy vodern dein / ane habent pracht HvBurg
1551
1.4
‘etw. (ein Kleidungsstück) anziehen (können)’
ich nebringen [den Schuh] nimer an Roth
2075
2
übertr.
2.1
‘nahebringen, lehren’
sinen site vil lobebere / solder in ane bringen GrRud
γb 16;
den da zouch Ciron, / [...] / der brachte in manic dinc an: / von manheit larte er in vil Herb
6292;
mit weme hat er zu rate gegangen, der [...] in gelart habe den styg der gerechtikeit und der in anbracht habe di kunst und im gezeyget habe den weg der clucheit? Cranc
Jes 40,14
2.2
‘etw. aufbringen, veranlassen’
diser Lamech brochte an / zwei wip mit enandir han [
accepit duas uxores Gn 4,19
]
HistAE
245.
– subst.:
dan da sij inn ein felt waren kommen / von anbrengen [auf Veranlassung] zweier hertzogen frommen, / di da yn verbieden woldent / das ire, dar umb sij crieg haben soldent Pilgerf
2930
2.3
‘vor jmdm. wegen etw. Klage erheben’
dar uber hant die pecken vier man vnder in genomen, ob daz iemen prichet, daz die den purchgraven daz an bringen svln UrkCorp (WMU)
580,27
2.4
‘etw. begehen’
sint daz nit kaine untriwe si giturren anbringen [
ne aliquam fraudem praesumant
]
BrZw
57
MWB 1 226,45; Bearbeiter: Diehl
ane brinnen
stV.
1 intr. ‘(beim Kochen) anbrennen’
2 tr. ‘in Brand setzen’
1
intr. ‘(beim Kochen) anbrennen’
nym [...] eyn rureschit vnd rure is [das Kirschmus] stetlichin vs deme grunde, das is icht an burne Pelzb
133,17;
diu spîse muoz in dem haven anbrinnen PrBerth
1:432,11.
1:432,22.
– übertr. auf die menschliche Verdauung:
oder ist daz ez anbrinnet an den magen, sô muoz ez von dir siechen mit der suht oder mit dem biever PrBerth
1:433,21.
1:433,11
2
tr. ‘in Brand setzen’
kêre darûf dînen muot, / daz dû [...] erleschest daz fiwer, / daz dich ze næhste brinnet an Ottok
53535
MWB 1 227,23; Bearbeiter: Diehl
ane brîsen
stV.
‘jmdm. etw. anlegen, anschnüren’
zwô hosen wîz ûz îsen / hiez er im ane brîsen Craun
834
MWB 1 227,34; Bearbeiter: Diehl
anebrunst
stF.
‘Aufwallen’ (im Kontext der Temperamentenlehre):
nu ist die hitz ain anprunst der getürstichait und der kuonhait BdN
277,21;
zorn ist niht anders wanne ain anprunst dez plutes uͤmb daz hertze KvMSph
8,11
MWB 1 227,37; Bearbeiter: Diehl
ane buffen
swV.
‘verbellen’ (Jägerspr.):
ich ste zu rame sam ein wilt, / daz die hunde buffen an SSp
5,32
MWB 1 227,42; Bearbeiter: Diehl
ane burnen
stV.
→
ane brinnen
MWB 1 227,45;
ane bûsen (?)
swV.
→
ane bûsten
MWB 1 227,46;
ane bûsten (?)
swV.
‘etw. (Feuer) anzünden’
man bûste al umme vûer an. / die burc an manchen enden bran LivlChr
9601
MWB 1 227,47; Bearbeiter: Diehl
ænec
Adj.
nur präd. mit Gen.d.S. ‘frei von etw., einer Sache ledig, beraubt’; (vgl. âne 3):
dîn nábelo íst gedráter náph: nîeuvanne drínchenes ânig Will
113,2;
allir sorgín eníc Athis
A 25;
swer aber der gnaden enic / wirdet HeslApk
22092.
4653;
den ich ûz al der welte mir ze trôste hâte erkorn, / des muoz ich âne [La. ȩnig
] sîn MF:Reinm
16:2,9.
– in Rechtstexten: ~
wërden
‘etw. abgeben, weggeben’
iewelk man mach sînis rechten gûdes wol mit rechte ânich werden, ob her iz virkouft oder virsazt SSp
77,14;
vnd swenne si [...] das hus alde die hofstat oder die hofstette verkoͮfent oder versetzent oder swie siv ire aͤnich werdent UrkCorp (WMU)
2646,17.
531,6
MWB 1 227,50; Bearbeiter: Diehl
anedâht, anedæhte
stF.
anedâht selten (überw. in alem. Überl.) stM.
‘Denken an etw., Aufmerksamkeit, Hingabe’, im 12. Jh. Beginn der Verengung auf den relig. Bereich
1
‘Trachten, Bestreben’
2
‘Erinnerung’
3 im relig. Kontext 3.1
‘Hingabe (an Gott)’
3.2
‘Andachtsübung, gottesdienstliche Handlung’
1
‘Trachten, Bestreben’
er [Josef] bat mich [den Schenken] in gutir andæhte daz ich sin widir dich gedæhte GenM
83,17;
nû weistû vil wol daz, / daz niht enwas, / daz den tievel anvæhte / wan sîn eigen andæhte Aneg
2320;
sîn [Christi] herze enphienc ouch einen stich / umbe die bôsen andâht, / diu si bêde [Adam und Eva unter dem Baum der Erkenntnis] ane vaht ebd.
3115;
in manlíchír andacht / in den buhurt er rorte Athis
C 100;
in dem willen und in der andâht, daz er gerne sünde mit ir tæte PrBerth
1:514,17;
der arzet andacht ist daz si di lute sunt behalden SalArz
6,51.
6,30;
des hercen inneren andâht unde reinekeite StatDtOrd
73,8;
mit unser zweiger gemeinen willen und in der andath [Absicht] , [...] das men iemer me unser iargezit sol began UrkCorp (WMU)
N384,25.
–
‘Aufmerksamkeit’
ich wil die rede nicht lengen / [...] mit rechter andâcht dû daz vernim Erinn
696.
–
‘Sorgfalt, Fürsorge’
dâ sie dî siechen mit grôzer andâht underbrâhten unde der mit vlîze phlâgen StatDtOrd
22,20;
so sol man vns [...] da bestatten mit allen den eren vnd mit alle der andaht, als si ir ander brvͤder tvent UrkCorp (WMU)
513,15
2
‘Erinnerung’
wanne de vnstedicheit mensliker andacht en wech vluͦt mit der tit UrkCorp (WMU)
1091,41;
sich hatt zu der werlt hulden / so Gaweynen zu dienst braht / das sin mit guͦter andaht / ye zu̍ dem besten wart gedoht Krone
22023;
des andahtes sterne / wiset in die straze WhvÖst
2258
3
im relig. Kontext
3.1
‘Hingabe (an Gott)’
ein tagezit mit andaht gesprochen div ist bezzer denn zehen oder hvndert an andaht PrBerthKl
3,107;
mit andæhte si dô rief / hin ze ir schepfære Wh
100,26;
nû wis mit andæhte geil! / got hât dich hie wol geêret ebd.
459,18;
kinder, wesenliche andaht das ist ein gemuͤtlich anhangen Gottes mit einem bereiten gemuͤte, minnen und meinen alles daz Gotte zuͦgehoͤret, und das man sich innerlich Gotte verbunden habe und welle und meinen in allen dingen Tauler
84,15;
mit dem mvnde betten âne daz hercen andaht, das ist rehte alse kalte kolen blasen DvAStaff
104;
wolt got, daz si si spræchen mit andâht und süngen niht werltleicher lieder BdN
197,9;
von kintlichem andaht eins jungen anvahenden menschen Seuse
109,29
3.2
‘Andachtsübung, gottesdienstliche Handlung’
únser herre hern Moysen hiez machen [...] ain gotzhus [...] und begiengent die ewarten ir andaht da PrGeorg
237,15;
daz meniclich dâ [am Grab des Heiligen] næme / antlâz unde andâht Ottok
28288;
[er] sach ane, welhez gebet und andâht er erhœren wolte oder solte Eckh
5: 415,7;
daz geveze vollen clar / ist andacht, vasten, beten, / kuscheit, zur kirchen treten / uben barmherzikeit Daniel
395;
ein capell [...] da er sinem andaht nah bildricher wise moͤhti gnuͦg sin Seuse
103,15;
Tauler
18,33
MWB 1 228,1; Bearbeiter: Diehl |