a – abebrëchære, âbrëchære abe brëchen, âbrechen – abe drumen abe|ein – abe ertwingen abe ervëhten – abegezogen abegezogenheit – abe houwen abehouwunge – abelæge abe lantscheiden – abe lœsen abelœsunge – âbentganc âbenthan – âbentsunnenschîn âbenttanz – aber|æhter abe rechenen, abe rechen – aber|schâch abe rücken – abe schieʒen abeschiht – abeslac abe slahen – abe stîgen abestôn – abetragære abe tragen – abe vâhen abeval – abe wahsen abe wæjen – abe weschen abeweschunge – abe ziehen abeziehunge – âbrëchære âbrëchen – achter-, ahter- achwent – ackervruht ackerwërc – adellich, adellîche(n) adelmuoter – âderslahen âderstôʒ – affensmalz affenspil – afterbier afterblunder – aftermuoder aftermûre – afterwort afterzal – agleister agleistervar – ahselrote ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp ahten – âhui ahzec – alamande alanc – alde aldê – algorismus alheit – allergotesheiligentac allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet allersêlentac – allwent Alman, Almân – alp alpha – al|tagelich altære, altâre, alter – alters|eine alterstat – altmæʒec altmüede – alwaltecheit alwaltende – ambahtære ambahte – âmehte âmehtec – ametiste âmezûber – amt âmügel – anderheit anderleie – andorn andouge – ane bereiten ane bërn – anebot ane botwarn – ane draben ane dræhen – ane errâten ane ersëhen – anegedenken anegedenklich – anegeslaht anegeslöufe – anegrîfunge ane grînen – aneheftec ane heften – aneinander ane jagen – ane komen ane koufen – aneleitrëht aneleitunge – 2ane merken anemerkunge – ane phîfen ane phlanzen – anerüeftec ane rüeren – aneschouwede aneschouwelich – anesidel, anesedel ane sîfern – ane sniudeln ane snöuwen – ane springen anespruch – ane strîten ane stroufen – ane trëten ane trîben – anevëhtigunge anevëhtlich – anevluʒ ane vordern – ane weigen aneweigunge – anewîsunge ane wonen – angelisch angeln – angestnôt angestsam – ankesmër anlamin – antlæʒec antlâʒen – antsmër anttac – antwîch antwürkæreknëht – apfelrîs apfelrôt – ar âr – arc|haft arche – ardell ardîse(n) – armbendec armbouc – armiure armlëder – arnebote arnen – art art – arzâtîen, arzedîen arzâtîn – âsblâsende ascalamus – â|schildes aschlouch – aspentier aspindê, aspindei – astronomierre astronomus – atrament atte, ette – avelen âventiurære – â|witzec â|witzen – âʒ|zît
|
ane zünden
swV.
‘in Brand setzen, Brand legen’
– mit Akk.d.S. (und Dat.d.P):
daz in diu stirne / glostende werden, als si in sîn angizunt SM:Had
18: 1,10;
sô heiz ich viern enden / zünden an den sal NibA
2046,2;
Tauler
261,1;
übertr.:
frawen oder man, / die auch die mynne hab angezunt Minneb
4755;
beide wengel, ir munt / sin von rœti angezunt SM:Had
52: 9,9;
BdN
129,26;
ez was ir meiste pîn, / daz si die kasten und die schrîn / elliu lær dâ funden. / vor zorne si an zunden, / daz si niht ze nemen heten Ottok
31041
dekliniertes Part. Prät.:
diu flamm ist ain angezünter rauch BdN
71,14;
subst.:
wer vmb ein anzunden wirt begriffen StRPrag
123.
– intr.:
seht, do zunt Aglye / so vast in sinem hertzen an / daz er von andaht enbran WhvÖst
4200;
wo kelde ungehür / verleschen wil naturen für, / da ilet phisica zu stür / dem tier und zündet wider an Mügeln
291,4.
– mit Rel.-Pron.:
[Kometen] laßen sunder wan / den acker und den anger stan / unfruchtbar; des sich zündet an / oft hunger, sterben unde such Mügeln
264,7
MWB 1 312,20; Bearbeiterin: Baumgarte
anezündunge
stF.
‘das Anzünden’
al missehelung vnd anzundung [Brandstiftung] , alle mort, alle freuel StatTrient
121
MWB 1 312,41; Bearbeiterin: Baumgarte
anezuohangen
stN.
→ ane hangen
MWB 1 312,44;
ane zwieren
swV.
mit Akk.d.P. ‘jmdm. zuzwinkern’
junge mägde solten / sich stolzlîchen zieren, / ir gewant ridieren, / an die man mit einem ougen zwieren Neidh
SL 19:2,7;
mit libin zinzirlichen [zärtlichen] blicken / mich ane quiren [l. zwieren] vnde smiren vil dicke HeidinI
897 La..
– subst. und übertr.:
daz wîse ane czwiren, / waz haizet speculiren Syon
45
MWB 1 312,45; Bearbeiterin: Baumgarte
ange
Adv.
selten angen (s.u. 2; s.a. angel Adv.); in phras. Gebrauch auch adj. (vgl. 3); zu enge Adj.
1
‘dicht, eng’
2
‘mit ängstlicher Sorgfalt’ (mit einem weiten Spektrum von ‘bedrückt’ , ‘eifrig’ bis ‘peinlich genau’ ) 3 in festen Wendungen 3.1 jmdm.
~ sîn
‘jmdm. schmerzlich sein, jmdn. bedrücken’
3.2 jmdm.
~ tuon
‘jmdm. Schmerz zufügen, jmdn. bedrängen’
1
‘dicht, eng’
die heizen trehene vielen / gedîhteclîche und ange / über ir vil liehtiu wange Tr
1211;
hie mite twanc ers [Tristan Isolde] an sînen lîp / mit armen nâhe und ange ebd.
14479
2
‘mit ängstlicher Sorgfalt’ (mit einem weiten Spektrum von ‘bedrückt’, ‘eifrig’ bis ‘peinlich genau’):
dô dâht ich mir vil ange, / wes man zer welte solte leben. / dekeinen rât konde ich gegeben Walth
8,9;
vnde wold in habin durchstochin, / sinin liebin mac gerochin. / des dachter ime uil angin / vnde bot sich geuangin / daz er in nicht insteche Athis
B 3;
sô daz mit überkraft den man / beginnet sêre dringen an / und mit im hertet lange, / so gedenkt er im vil ange / wie er sich dâ vor gener RvEAlex
8140;
des houbetes wunden / besâhens oben und unden / ange unde jæmerlîche Tr
7183;
PrMd (J)
348,6.
– verstärkend: ‘gründlich, vollständig’
sôn blendet dekein blintheit / als anclîch unde als ange / sô geluste unde gelange Tr
17799.
18290;
sô wizzet ir wol ange [ganz genau] / daz iuch niemen vor im wert, / sît vor dem rîche unernert / der hôhe kunic ist beliben Ottok
17570
3
in festen Wendungen
3.1
jmdm.
~ sîn
‘jmdm. schmerzlich sein, jmdn. bedrücken’
Îsôten ande und ange / doch was, daz sie sô lange / des lieben spiles solde enpern HvFreibTr
1109;
daz klagte si vil sêre, / wand si gesach in nimmermêre. / ir was darumbe dester anger, / wande si was bî im swanger Ottok
2635;
[den Pferden] wart vil enge und ange, / wan si niht heten rûmes. / vil bluotes unde schûmes / dranc in ûz der hiute KvWPart
14446;
Tr
17842.
17837;
Brun
4843;
SM:HvT
1:2,3;
HvFreibTr
4790;
– hierher oder zu 1
‘jmdm. eng werden’:
in in slouf ein slange. / des im wart vil ange / in allem dem lîbe sîn WvRh
6677
3.2
jmdm.
~ tuon
‘jmdm. Schmerz zufügen, jmdn. bedrängen’
dem rîch tet ouch vil ange / marcgrâf Ott der lange / [...] mit unrehten zoln Ottok
101.
8103;
ir sturmen wart gar ungehure [...] und teten der burge vil ange Minneb
3025;
kein ding tet mir nye so ange. / min hercz lit in einer zange / von fremden quelendem leide MinneR 444
141.
94;
Brun
5477
MWB 1 312,53; Bearbeiterin: Baumgarte
ange
stSubst.
auch angel.
‘Bedrängung’
mit dienste si sich flizzen, / daz si in [Maria ihnen] der vnmazzen / geruͦchte antlazzen, / die si mit grozzen angen / an ir hieten begangen Wernh
A 3029;
dâ von uns leit zerstœret / wart, mir und manger schœner maget, / die wârn in sorgen ange Virg
301,8;
doch in des hungirs angele / nîmant dem andren bôt irbarm NvJer
24479
MWB 1 313,33; Bearbeiterin: Baumgarte
ange
swM.
vermischt sich mit dem Gebrauch von angel stM. (s.u. 2.3 und 3).
1
‘enge Umschließung’ (vgl. enge Adj./ ange Adv.) 2 Teil des Türgelenks, Türgelenk, Öffnungsweite 2.1 umschließendes (vgl. enge Adj./ ange Adv.) Gegenstück zum Zapfen ( angel stM.) des Türgelenks, hier eine Vertiefung im Boden und der Decke, in der die Zapfen lagern, um die sich die Tür dreht 2.2 in der Wendung unz an den angen die maximale Öffnungsweite bezeichnend (diese Verwendung erklärt sich am ehesten, wenn man von einer metonymischen Verwendung von ange 2.1 auf den Stein ausgeht, in dem sich die Aushöhlung als Lager für den Zapfen befindet (ein einzelner Stein neben dem Mauerwerk) 2.3 ohne eine klare Grenze zur Verwendung von angel (Zapfen, Haken) scheinen beide Wörter gelegentl. einfach das Türgelenk (vgl. angel stM. 3 ) zu bezeichnen 3 in der Bedeutung von angel stM. 3.1
‘Stachel’
3.2
‘Angelhaken’ übertr.
1
‘enge Umschließung’ (vgl. enge Adj./ ange Adv.):
von dir wart der umbevangen, / des kraft nieman kan erlangen, / den sluz dû in einen angen. / dâ wart er von dir gevar, / dô er in dir menschlich bilde / einte sîner gotheit wilde SM:EvS
1: 10,7
2
Teil des Türgelenks, Türgelenk, Öffnungsweite
2.1
umschließendes (vgl. enge Adj./ ange Adv.) Gegenstück zum Zapfen (angel stM.) des Türgelenks, hier eine Vertiefung im Boden und der Decke, in der die Zapfen lagern, um die sich die Tür dreht:
tuot er einen stôz, / diu tür vert ûz dem angen Iw
3297;
unt stîz die ture ûzze deme angin unt gienc dar în PrMd(J)
347,12.
– übertr.:
sun, dû solt dîner zungen phlegen, / daz si iht ûz dem angen var Winsb
24,2
2.2
in der Wendung unz an den angen die maximale Öffnungsweite bezeichnend (diese Verwendung erklärt sich am ehesten, wenn man von einer metonymischen Verwendung von ange 2.1 auf den Stein ausgeht, in dem sich die Aushöhlung als Lager für den Zapfen befindet (ein einzelner Stein neben dem Mauerwerk):
dâ von er ûf die porten / warf biz an den angen KvWEngelh
4301;
des charchæres tür, / diu stuont offen unz an den angen Serv
2715
2.3
ohne eine klare Grenze zur Verwendung von angel (Zapfen, Haken) scheinen beide Wörter gelegentl. einfach das Türgelenk (vgl. angel stM. 3) zu bezeichnen:
dar nach alle Troyschy tor, / der angen offen stünden vor [die vorher offen standen] , / wurden verspertt dur nott / umb des vil werden ritters tod GTroj
19248
3
in der Bedeutung von angel stM.
3.1
‘Stachel’
dú dritte nature dez binlins ist daz ez stichet mit dem angen den mentschen PrGeorg
325,18
3.2
‘Angelhaken’ übertr.:
der sich in daz paradisum want, / da er einen boum vant / dar inne zeinem angen Hochz
964
MWB 1 313,41; Bearbeiterin: Baumgarte
angel
Adv.
vgl. ange Adv.
‘mit ängstlicher Sorgfalt’
dâvon muost er sich angel / hüeten fürbaz / vor des herzogen haz Ottok
39577;
daz wart behuot als schône / als ze Reinse der krône, / als angel si des brieves huoten, / sô hart man vorhte den unguoten ebd.
91473;
Serv
2370;
HeidinIV
1466 Hs.
MWB 1 314,15; Bearbeiterin: Baumgarte
angel
stM.
1
‘Stachel, Dorn’
1.1 konkret 1.2 übertr. 1.3 im Sprichwort und daraus abgeleiteten Wendungen (TPMA 6,181f.) 2
‘Angelhaken, Angel’
3
‘Türangel (Dreh-, Wendepunkt, Gelenk)’ (vgl. ange swM) 4 Verlängerung einer Klinge zur Befestigung des Griffes, Heftes 5 Teil der männlichen Bekleidung oder Frisur (?) (oder zu 2)
1
‘Stachel, Dorn’
1.1
konkret:
ez sprechent auch etleich, daz der peinn [Bienen] kaiser kainen angel hab, dâ mit er stech BdN
288,30.
282,23
u.ö.;
daz honec in dem munde, / daz eiter, dâ der angel lît Tr
15059;
die dorn und die hagendorn die bezaichent die stunge und diu angele von den unser herre sprach zuͦ dem ersten menschen PrOberalt
140,8.
– auch ‘Nagel’
owe, da ist der angel nút vast in geslagen, er ist in nút vernietet Seuse
454,4
1.2
übertr.:
welch her nicht angels hat / und wib, kint, knecht an forchte lat Mügeln
262,1;
diu sorge ir angel / in mîn herze hât geschoben Wh
174,22;
dy mynne hett an im verspard / iren scharffen angel HvNstAp
1932;
der armütte angel: GTroj
13812;
der muͦs haben mangel / der da vergiften angel, / weltlichen trost und suessekait, / für Gottes trost ze hertzen lait SHort
2336;
des todes angel:
GTroj
10054;
DvAPatern
298;
schanden angel: Renner
10646
1.3
im Sprichwort und daraus abgeleiteten Wendungen (TPMA 6,181f.):
nû seht daz honec, swie süeze ez sî, / da ist doch lîhte ein angel bî Freid
55,15;
werlt [...] dîn lôn ist kranc, dû gîst den angel iemer nâch der süeze WernhSpr
29,2;
manec zunge sprichet süeziu wort, dâ doch der angel stichet dar ebd.
6,4;
iz solte kunige riwen, ob si [...] nach honige scharfen angel bieten JTit
2449,3;
sô müezet ir den angel tiuhen [schlucken] , als ir daz hünic dâ sûget PrBerth
1:216,35
2
‘Angelhaken, Angel’
ginch zu dem mer und wirf dinen angel dar in und den vische den du ze dem ersten vahest, dem tuͦ den munt auf PrOberalt
170,28;
swer âne wazzer vischet / mit netzen, riusen und mit angeln, / der mac wol vische mangeln Renner
22485;
ain regenwurm, dâ mit man die ängel äzt, sô man die visch wil vâhen BdN
310,5;
dô hâte ich von sender klage / einen brief, daran ein angil [Haken, oder zu 1.1: Nadel?] was, / den hieng ich an sî, daz was vor tage SM:Had
1: 1,10.
– übertr.:
diu gotheit was der angel, den verslant der alt slange AvaLJ
154,5;
/ daz was der angil unde der list, / daz geborn wart Christ Hochz
893;
der angel was diu gotes chraft, / da der tot wart ane irworgen MarldM
32
3
‘Türangel (Dreh-, Wendepunkt, Gelenk)’ (vgl. ange swM):
ein tür gât in einem angel ûf und zuo Eckh
5: 422,8
u.ö.;
die haizzen auch die angelzaichen [Kardinalzeichen, mit den Sonnenwenden] , daruͤmb, wanne als deu tuͤr in dem angel aufget und zuget, also verandert sich deu sunne und daz jar vorderleich in den vier zaichen KvMSph
48,12
4
Verlängerung einer Klinge zur Befestigung des Griffes, Heftes:
daz si [Zeugschmiede und Messermacher] ireu messer machen suln, daz di engel durch und durch di hefte und pinwerf gen NüP
137;
daz daz selbe swert / in dem angel ab bræste Ottok
77078
5
Teil der männlichen Bekleidung oder Frisur (?) (oder zu 2):
daz die man gend als die frawen / mit dem har und mit den klaiden, / [...] daz die fraw ein angel trait / und der man ein mantel raid, / daz e waz der frawen klaid Teichn
540,22
MWB 1 314,21; Bearbeiterin: Baumgarte
angelisch
Adj.
astronomisch-astrologische Übersetzung von ‘cardinalis’ (vgl. angelzeichen):
so muzzen wir underschaiden zwischen den zaichen, di da haizzent ‘cardinalia’, daz ist, di da haizzent ‘angelisch’, und den zaichen, di da haizzent ‘regiones’, ‘gegent’, oder ‘lannde’, wann dy angelischen zaichen haizzent zwai, da di sunnestend ynne geschehent und zwai, da dy nachtgeleichunge ynne geschehent Sphera
87,2
MWB 1 315,18; Bearbeiterin: Baumgarte
angeln
swV.
‘angeln’
Tristrant wêre der êrste man / der daz angelin î began Eilh(L)
4540.
– übertr.:
daz von ir schœn geangelt wart, / daz tougen plik niht enspart Krone
10918;
dîner [der Welt] valschen liebe wene / angelt fröude uf êwic sene Kreuzf
7628
MWB 1 315,27; Bearbeiterin: Baumgarte
angelruote
F.
‘Angelrute’
libertatum pro mensa eorum piscandi [...] cum instrumento, quod angilrute dicitur PreussWb
1,150
(PrUrk. I,532, a. 1305)
MWB 1 315,33; Bearbeiterin: Baumgarte
angelsnuor
stF.
‘Angelschnur’, übertr.:
ein angelsnuor geflohtin ist, / dannen du geborn bist: / daz was diu din chunnescaft. / der angel was diu gotes chraft da der tot wart ane irworgen, / der von dir wart verborgen, / sancta Maria MarldM
29;
Krone
1737
MWB 1 315,37; Bearbeiterin: Baumgarte
angelsnuorstap
stM.
‘Angelrute’
harundo: angelsnuͦrstab VocOpt
47.015
MWB 1 315,43; Bearbeiterin: Baumgarte
angelvisch
stM.
eine Fischart, die geangelt wurde:
hamio: angelvisch VocOpt
47.073
MWB 1 315,45; Bearbeiterin: Baumgarte
angelzeichen
stN.
astronomisch-astrologisch ‘Kardinalzeichen’, wenn die Sonne einen dieser vier Hauptpunkte der Ekliptik erreicht, beginnt eine neue Jahreszeit:
[ Widder, Krebs, Waage und Steinbock] haizzent auch die angelzaichen, daruͤmb, wanne als deu tuͤr in dem angel aufget und zuget, also verandert sich deu sunne und daz jar vorderleich in den vier zaichen KvMSph
48,12
MWB 1 315,47; Bearbeiterin: Baumgarte
angen
Adv.
→ ange Adv.
MWB 1 315,55;
angen
swV.
1
‘jmdn. bedrängen’ (mit Akk.) 2
‘sich bedrängt fühlen, sich sorgen’ (s.a. ange Adv. 3.1 )
1
‘jmdn. bedrängen’ (mit Akk.):
waz anget liebe gernden muot / sô sêre, sô der zwîvel tuot? Tr
13779;
dern darf dekeine sorge haben, / daz in der hagen iht ange, / sôr [sô er] nâch den bluomen lange ebd.
18069
u.ö.;
wand swie der bâbst vernæm diu mære, / daz sîn legat wær gevangen, / Ungerlant begund er angen / mit dem bann Ottok
24759
2
‘sich bedrängt fühlen, sich sorgen’ (s.a. ange Adv. 3.1):
– unpersönl. mit Dat.d.P.:
dem kunic darab angt Ottok
9037.
– mit refl. Dat.:
vor windes schuͦr / dorft sie [die Burg] ir wenig angen Minneb
109
MWB 1 315,56; Bearbeiterin: Baumgarte
1anger
stM.
1
‘ungepflügtes Grasland, Wiese, Weide’ (vgl. Bader, Rechtsformen, S. 112-119) 2 bildl., meist im relig. Kontext, oft für Maria, in der Regel in Verbindung mit bërn bzw. dem Reimwort swanger
1
‘ungepflügtes Grasland, Wiese, Weide’ (vgl. Bader, Rechtsformen, S. 112-119):
daz ich den anger datze Mauren han [...] gegeben den chorherren von Mosburch UrkCorp (WMU)
2903,42;
so sol der vorgenant hof [...] der frowen an dem anger sand Claren ordens [der Clarissen am Anger in München] sin ebd.
1809,39;
du tust alsam ein tummes swin, / daz vür den grünen anger nimt / die trüben lachen und daz hor Frl
13:13,5;
do er kam in des waldes tron, / uff ainen anger vil braitt / traib er sin hertt GTroj
2001;
Parz
565,3.
– übertr.:
ahi, wie blüt der anger miner ougen, / den ich für alle ougenweide han erkorn Frl
14:16,1.
– vor allem im Minnesang in mehrgliedrigen Ausdrücken zusammen mit walt, heide u.ä. zur Bezeichnung der Natur:
swaz blüete meie bringet, / swaz bluomen heide und anger treit KLD:Kzl
2: 9,16;
walt heid anger vogel singen sint verdorben von des kalten winters zît KLD:GvN
5: 1,1;
Neidh
SL 4:1,1;
vor süßikeit wurz, anger, krut erwachet, / kle, viol sich ufrichtet und erlachet Mügeln
257,9;
wan siht anger und den plân / beide sunder bluomen stân SM:KvL
20: 1,6;
Walth
51,35.
– Wiese, auf der gekämpft wird, ‘Schlachtfeld, Kampfplatz’
diu heidenschaft sich mêrte / ûf Alitschanz dem anger Wh
392,27;
den grunen anger maht er rot: / der haiden gelac so uil fuͦr im tot Rol
8205;
von dem anger er dô gie / in tieres wîs, alsam ê Wig
4855;
für Troye uff ainen anger braitt / ward ain aventür gelaitt, / daz nun ain turner ist genantt GTroj
13785.
1062.
– in Gemeinbesitz befindliche (Wiesen-)Fläche, meist als Versammlungsort, ‘Festplatz’
dô der liebe summer / ureloup genam, / dô muose man der tänze / ûfm anger gar verphlegen Neidh
WL 10:1,4;
alsô vlôs mîn vrouwe ir vingerîde. / dô sî den krumben reien ûf dem anger trat ebd.
WL 18:4,2;
ûf dem anger hebent sich die tenze SM:Go
2a: 3,3.
–
‘Hof’ (entspr. lat. atrium):
und dy grenitcze wirt von dem mere bis an den angir Ennon Cranc
Ez 47,17.
Ez 48,1
2
bildl., meist im relig. Kontext, oft für Maria, in der Regel in Verbindung mit bërn bzw. dem Reimwort swanger:
sancta Maria. / mersterne, morgenrot, / anger ungebrachot, / dar ane stat ein bluome MarldM
23;
ich [Maria] binz ein wurzenricher anger, / min blumen, die sint alle swanger Frl
1:12,20;
er sprach: du [Maria] selden anger! / din lip sol werden swanger HvNstGZ
1381;
wiße, edele suße Mynne / [...] du bist ein bernder anger Minneb
904;
da dy zway wurden ain. / der pernden freuden anger / ward gar schier schwanger HvNstAp
2251;
Clara der freuden anger / ward aines kindes schwanger ebd.
4072;
daz wazzer, / dâ von ir [Isolde Weißhand] ê wart nazzer / der brûnen bluomen anger, / der anger, der swanger / was der brûnen blüemelîn HvFreibTr
5969;
Artus der eren anger JTit
5953,2
MWB 1 316,4; Bearbeiter: Schnell
2anger,
enger
stM.
‘Dienst, Abgabe’ von lat. angaria:
die anger des salzwerkes gar / und die cronen, die man uns rich / brahte [...], diz allez wir wider geben Macc
5384;
aef eman guet ligen het in der apdien van Prume, dat neit anger noch zinsen engeve noch vronedage UrkMosel
1:1267,6
(a. 1298);
super quibusdam exactionibus seu juribus quae vulgariter enger nuncupantur DRW
1,644
(Anal. eccles.; a. 1292)
MWB 1 316,62; Bearbeiter: Schnell
3anger
stM.
‘Kornmade, Engerling’
curculio: anger SummHeinr(Ho)
45,8
MWB 1 317,7; Bearbeiter: Schnell
4anger
stM.
möglicherweise eine dissimilierte Form von angel stM. 3
‘Türgelenk’; wahrscheinlicher die Bezeichnung für den Stein am Boden, in dem sich der ange, die Aushöhlung für den Türzapfen, befindet (vgl. ange swM. 2; dafür spricht die mit den Wendungen in ange 2.2 verwandte, die maximale Öffnungsweite bezeichnende Lesart:
nu stet doch in dem anger die tür an dem gadem WolfdB
98,2 App.
Eine Bedeutung, die ebenfalls eher mit ange 2 als mit angel 3 verwandt ist, hat:
dar vmbe wurden wir deste zorniger vnd wolten in ir tor uz dem anger han gehebt UrkCorp (WMU)
902,24
MWB 1 317,9; Bearbeiterin: Baumgarte
ängerlîn
stN.
Dimin. zu
1anger:
er geleicht auch wol dem swein / daz ab schoͤnen angerlein / an ein poͤssew hulben [Pfuhl] gat Teichn
34,58;
da an stozzet ain ængerlin UrkCorp (WMU)
3280,40.
1358,26.
– übertr. für den ‘Schoß’
daz wazzer [...] hin ûf vil vaste spranc / hin an daz engerl alsô zart, / [...] aldâ die brûnen bluomen stân HvFreibTr
3779
MWB 1 317,22; Bearbeiter: Schnell
angerwîse
swM.
jmd., der sich beim Tanz auf dem anger hervortut:
hôher sprunge ist er ein angerwîse SM:Go
2: 3,11
MWB 1 317,30; Bearbeiter: Schnell
angest
stFM.
(selten N., vgl. 3)
‘Bedrängnis, Angst’
häufig in Wortpaaren mit nôt (vgl. angestnôt), leit, sorge
1
‘Bedrängnis, Furcht, Sorge’ , wobei angest im Mhd. stärker Notlagen und Bedrohungen durch konkrete äußere Gefahren beschreibt, als das im Nhd. mit a. verbundene allgemeine Gefühl der Beklemmung 1.1 ohne nähere Bestimmung 1.2 Angst um jmdn./etw. 1.3 Angst vor jmdm./etw. (haben) 2 in Rechtstexten: ûf iemannes ~
‘auf jmds. Risiko’
3 Glockenläuten zur Erinnerung an die Todesangst Christi (vgl. LThK 1,675) 4 in den Wendungen
~ machen ,
~ werden
1
‘Bedrängnis, Furcht, Sorge’, wobei angest im Mhd. stärker Notlagen und Bedrohungen durch konkrete äußere Gefahren beschreibt, als das im Nhd. mit a. verbundene allgemeine Gefühl der Beklemmung
1.1
ohne nähere Bestimmung:
sus rait er durch die grozzen / ungefuͤgen angest [der Gewitternacht]
WhvÖst
3477;
ia wonten si in deme wige / sam der lewe der da winnet / unt rechte zornen beginnet, / doch ir angest waren groz Rol
4117;
aim grôzen sündær [...], dem het unser fraw geholfen auz grôzen kriegen und auz angsten BdN
271,30;
so wir mit sichtum, mit anderen angsten bevangen sein PrOberalt
167,26;
not unde angest [interl. zu tribulatio et angustia
] funden mich PsM
118,143;
Konr
23,65;
gewinnet der man sorgin. angest. vnde gedanken SalArz
32,44;
got hât ze gebene / vreud und angest swem er wil Wh
259,27;
zwúschent irdenschen dingen und dir sol angest und vorhte sin Mechth
2: 13,3
1.2
Angst um jmdn./etw.:
– häufig mit Gen.:
vnd nemach her doch vuͦr gerichte nicht komen vnd klagen van vnkraft sines libes oder von angeste sines libes UrkCorp (WMU)
51,6;
di burcman sulen ane angest sin libes unde gudes vor den burgere UrkFriedb
65
(a. 1301);
der sich erbarmet uͤber den notigen, den ledigt got von allen sinen angsten des leibs und der sel PrOberalt
77,17;
das sie zuhauff schlugen mit den schwerten, das Claudas synes libes nye in so groß angst kam Lanc
32,15
u.ö.;
MF:Reinm
50:5,6;
grôz angest hân ich des gewunnen, / daz verblîchen süle ir mündelîn MF:Mor
32: 3,1.
– mit umbe:
mîn angest umb mîn kindelîn / dien mag ich leider niht verheln Tr
1552;
so er sele und libes / muz angest umbe ir minne han StrKD
31,45
1.3
Angst vor jmdm./etw. (haben):
– mit umbe:
der konig hett groß angst umb den stritt Lanc
264,12.
– mit von:
der konig was in großen angsten von dem weg den er hatt zu farn Lanc
5,37;
ir endörffent von synentwegen keyn angst haben ebd.
106,35.
– mit vor:
dort sitzet ein man, / vor dem ich grozen angest han Brun
9802;
daz man ane angest vor im si StRAugsb
93,23;
so bedarff din sele kein angst haben vor dem ewigen tode Lanc
249,16
u.ö.
– mit zuo:
habe ich angest dar zuo / und ob ich ez mit sorgen tuo KvHeimUrst
19;
da schuͤln wir angest zuͦ haben PrOberalt
119,10;
dâ müese ich angest zuo hân Iw
6638.
– mit Obj.-Satz:
ich han keyn angst das er mich döte Lanc
106,31;
ir dörffent kein groß angst han umb das uch Claudas uwer lant genomen hatt ebd.
131,3
u.ö.
2
in Rechtstexten: ûf iemannes ~
‘auf jmds. Risiko’
inde suͦlen iere den paicht antwuͦrden bit vͦnser kost inde vͦp vͦnsen angest in die stat van Kolne UrkCorp (WMU)
255,16
u.ö.;
guͦt, dat geste zo Coelne brenget up yren anxt ind coste
2DWB
2:1002,5
(AktenGeschVerfKöln, a. 1335)
3
Glockenläuten zur Erinnerung an die Todesangst Christi (vgl. LThK 1,675):
wer [...] das angest leit [läutet] , der git buesse SchweizId
1,337
(a. 1348)
4
in den Wendungen
~ machen,
~ werden:
do er sin liden trachte, / das im so angst machte WernhMl
8694;
der koniginne wart so angst das sie uber die Huͦmbre reyt Lanc
153,3
MWB 1 317,33; Bearbeiter: Diehl |