agleistervar
Adj.
→ agelstervar
MWB 1 121,12;
agraʒ
M.
aus dem Gallorom. (s. 2DWB 2,66f. s.v. agrasz, LEI 1,350).
‘saure Obstbrühe’
in kleiniu goltvaz man nam, / als ieslîcher spîse zam, / salssen, pfeffer, agraz Parz
238,27;
wilt du machen einen agraz. nim wintruͤbele [...]
BvgSp
32a;
nim holtzepfele vnd peterlin vnd bezzin [weiße Rübe] vnd stoz daz zvͦ sammene vnd druͤckez vz, daz die petersilie ein wenic zvͦ var. daz heizzet auch agraz ebd.
35.
– Vgl.
agreste
FM.
MWB 1 121,13; Bearbeiter: Plate
â|greifen
swV.
Bedeutung unklar:
des vater swert âgreifet ûf Hügelîn unt ûf des rîches haz RvZw
135,3;
die Erläuterung ‘greift fehl, gleitet ab’ (BMZ) passt nicht in den Zusammenhang (dazu vgl. Roethe, Ausg. S. 40-42)
MWB 1 121,22; Bearbeiter: Plate
agreste
F. oder M.?
vgl. mlat. agresta, it. agresto (Etymol.Wb.d.Ahd. 1,94; LEI 1,1374).
‘Saft von unreifen Weintrauben’
gip im [ gegen Durchfall] zu ezzene rephunre. uasant eies toter mit agreste oder mit margram saf SalArz
50,26.
– Vgl.
agraʒ
M.
MWB 1 121,27; Bearbeiter: Plate
agrimonîa
F.
‘Agrimonie, Odermennig’
Ypocras der schrîbet von der agrimonia Barth
139,22;
lat. flektiert:
ebd.
139,24;
Ipocr
29.
330;
SalArz
28,57.
36,48
MWB 1 121,32; Bearbeiter: Plate
âgunst
stF.
wie abegunst:
ir wille ist sunder âgunst EbvErf
2200
MWB 1 121,36; Bearbeiter: Tao
aha
Interj.
Reinhart was wol beraten, / da hatte er gebraten / ele, die smacket Ysengrin. / er dahte: »aha, ditz mac vil wol sin / ein teil gvter spise.« ReinFu
K,648
MWB 1 121,38; Bearbeiter: Plate
ahe
stF. (sw. Rennew )
‘Bach, Fluss, Strom’
hévigiv [gewaltige] uvázzer ne móhton írléskan dîe mínna: nóh dîe áha berúnent sîe Will
139,2;
di ahe [Paradiesflüsse] sint gewendet. in dev uîr ende VMos
6,5;
mich bedûhte [...] wie ich stuonte eine an eines stades reine. / dô giengen ûz der ahe siben chuo Gen
2026;
dar nâch reit der milde [...] gein dem furte hin dan, / dâ diu ahe von dem sêwe ran UvZLanz
7140
u.ö.;
min guͦt [...] mit allem dem das da zuͦ hoͤret [...] mit akern, mit wiesen, mit holze, mit velde, mit waide gebúwe und ungebúwen, mit ahe und aherúnsen UrkCorp
1870,18;
er begunde vaste umme sich slahen, / daz vieln in des meres ahen / die heiden von den grozen slegen Rennew
11518;
übertr.
mit des bluͦtes ahen ebd.
420
MWB 1 121,42; Bearbeiter: Plate
ähe
stF.
ein Ackermaß, Acker in der Größe dieses Maßes (vgl. WBÖ 1,116):
und underhalb auch 1 ähe achkers und ob dem hause auch 1 stuche achers UrbSonnenb
118;
item 1 ähe, leit unter Warberg; paut der Sweinörly [...] item 2 ähe, stossent an den weg [...] gen sand Laurentzen ebd.
MWB 1 121,58; Bearbeiter: Plate
ahebiunte
F.
‘Beunde (eingehegtes Grundstück) am Wasser’
in deme ban zuͦ Gertewilre vffe der ahebúnden ein agger, den siv koͮftent vmbe Sifriden von Heiligenstein UrkCorp
N150,7
MWB 1 122,1; Bearbeiter: Plate
ahei
Interj.
→ ahî
MWB 1 122,5;
aherunse, aherunst
stF.
‘Wasserlauf, Fluss’
der tobete so harte, / daz ern wielt witze noch chunst. / diche vieler in die aherunst [in fluvium Mosam]
Serv
3132;
min guͦt [...] mit ahe und aherúnsen UrkCorp
1870,18
MWB 1 122,6; Bearbeiter: Plate
ahganc
stM.
‘Wasserlauf, Strömung, Flussbett’
der marcrâve zôch zehant / gein dem wazzer Larkant / daz ors an sîner hende / bî maneger steinwende / unz in des wazzers ahganc Wh
59,25;
ouch hete mangen ahganc / Larkant, daz snellîchen vlôz ebd.
41,2;
swâ sô daz wazzer abschabet deme lande, daz hât der verlorn, des daz lant ist. brichet ez aber einen nûwen ahganc, dâr mite verlûset her des landes nicht SSp(W)
2:56,2;
der ahganc, ab her vertrûget [wenn er vertrocknet]
ebd.
2:56,3
MWB 1 122,11; Bearbeiter: Plate
ahî
Interj.
auch ay, ahei, ahiu.
Ausdruck des Schmerzes, der Bewunderung und des Verlangens, vor Ausrufe- und Wunschsätzen und in emphatischer Anrede:
ahî, wie kristenlîche nû der bâbest lachet Walth
34,4;
Hartman der Ouwære / âhî, wie der diu mære / beid ûzen unde innen / mit worten und mit sinnen / durchverwet und durchzieret! Tr
4622;
âhî vrou junge künigîn / sprach aber der truhsæze dô ebd.
9856;
ay ritter guot, waz mahtu sîn? Parz
123,21;
ay helfelôser Anfortas, / waz half dich, daz ich pî dir was? ebd.
330,29;
si sprechent ahie, wel ain win! RvEWh
9821;
ahî, solt ich die schœnen noch nach mînem willen schowen! SM:Ta
4: 1,5;
ahei, waz si freuden phlac / und allez ir gesint! Ottok
73074.
32725.
73283;
ahie HvFreibTr
1366;
ahiu ebd.
4476;
â hui! NvJer
18927.
– Vgl. Suolahti 1,46 und Rosenqvist 1,69
MWB 1 122,21; Bearbeiter: Plate
ahlês
Interj.
Zusammensetzung aus ach und lês ( →
lêwes
)
Ausdruck der Klage:
ahles welihes muͦtes die sint. die ir uorderen sone erent. so si mit rehte tuͦn scolten JPhys
25,6;
ahlês, ir frîen frouwen / [...] waz sol sich iuwer reiner lîp / genieten swære umb iuwer man KvWTroj
23276
MWB 1 122,39; Bearbeiter: Plate
ahorn
stM.
‘Ahorn’
platanus haizt ain ahorn und kümt von dem wort platos, daz ist ain kriechisch wort und spricht prait, wan der paum hât praiteu pleter BdN
338,9.
– Glossenbelege (zu platanus) bis ins 15. Jh. s. AWB 1, 69.
MWB 1 122,45; Bearbeiter: Plate
ahornboum
stM.
‘Ahorn’
von dem ahornpaum [Überschrift]
BdN
338,8.
– Glossenbelege des 13. Jh.s s. AWB 1, 69.
MWB 1 122,50; Bearbeiter: Plate
ahörnîn
Adj.
‘von Ahorn’
also nam herre Iacob alberin ruͦta vnd mandelkernin. vnd ahoͤrnin PrSchw_(St)
2,202
MWB 1 122,53; Bearbeiter: Plate
ahse, ehse
F.
1
‘Radachse’
2
‘Himmelsachse’
1
‘Radachse’
dannen hûb ih mih sân / [...] der werlt an daz ende, / dâ der werlt nabe stât / und der himel umbe gât, / alse umbe die ahsen daz rat SAlex
5495;
von der selben wart geslagen / die ahse von ysen an den wagen HvNstGZ
832.
– metonymisch, für ‘Wagen’
ez sol auch dehain burger dehains gastes guͦt niht fuͤren, ez sei danne eîn wagenman oder karreman der ez uf sin selbs ehse fuͤre StRAugsb
43,35;
NüP
106
2
‘Himmelsachse’
Antarticus, / daz ist nach der meister meyne / eyn stern und der achsen eyne / an der der hymel umme louft Hiob
13916
u.ö.;
seit nu der aht himel uͤmbweltzt, so weltzet auch der tyrkraiz uͤmb, der ain stuͤke des ahten himels ist, uͤmb der werld ahs KvMSph
30,29
u.ö.;
polus articus / gefestet an des himels achs Mügeln
287,8;
er [Gott] ist das wort, in dem sich went der speren achs ebd.
11,1
u.ö.
MWB 1 122,56; Bearbeiter: Plate
ahsel
F.
‘Achsel, Schulter’
1 eigentl. 2 bildl., bei der Bestimmung des Verwandtschaftsgrades 3 Wendungen
1
eigentl.:
dâ nâch tet er ime die ahselun, file gelîche gescaffen Gen
130;
er [der Heilige Geist] geruhte zallen ziten / in einer tubin bilide irschinen / vnde saz ufe den asselin dinen [Gregor d. Gr.] / zu allir diner getihte Litan
701;
über die ahsel was sîn breit / sehs dûmellen wît EnikWchr
9874;
als ein tote also bleich, / daz houbet im vf die asseln weich Herb
1516;
ir houbet ûf ir ahsel seic Tr
18188;
die schuldern sint den achseln zuo gesellt [...] dar umb, daz si daz flaisch vast halden auf den achseln BdN
19,13;
doch wizz, daz diu glider an dem menschen aigenleich achsel haizent und an den tiern haizent si püeg ebd.
19,30
2
bildl., bei der Bestimmung des Verwandtschaftsgrades:
kint habent die êrsten sippe unde stênt an dem êrsten und an dem næhsten lide an dem houbte, dâ die arme stôzent an die schultern, daz heizet diu ahsel PrBerth
1:312,20.
– übertr.:
~
von Kleidungsstücken:
die zieglat, pladige, pliat / uf die porten do genat / wurden um daz hoptloch, / vornen um die ermel och / und ahsel, muͦder, nate SHort
7001;
~
von Vögeln:
er [Adler] hebt seineu kint auf sein ahseln und lêrt si fliegen BdN
167,14;
ebd.
179,3;
~
der Berge:
wann aber die sunn ir bren / lat über der berge achsel dren Mügeln
257,6
3
Wendungen:
– seine
~ under etw. bieten, untersetzen:
so bútet got sin ahssele under unser búrden und hilffet uns unser liden tragen Tauler
397,25;
dîn ahsilun dû unter setzist sô dû unter burde swizzist Gen
2838.
–
über (die) ~ blicken, sehen:
dô blihte über ahsel der Guntheres man / nâch einem hergesellen, den er vil schiere gewan NibB
1758,3.
1937,2;
mit smielendem munde si über ahsel sach ebd.
447,2;
und si [Maria Magdalena] sweic und [...] sach wider und vür und über die ahsel und sach Jêsum Eckh
2:575,6.
– etw.ûf jmds.
~ legen:
wan si pindent swere bürde / vnd vntraglich. vnd si legent si vf di ahseln der menschen. aber mit irm vinger wellent si si niht wegen EvAug
56,4;
EvBerl
26,14;
vnd so er ez vindet so leget er ez vf sin ahseln mit vraüden EvAug
177,2;
EvBerl
106,34.
– etw. über, ûf (seine)
~ , ze ~ nemen:
si nâmen ein lachen hinten uber ahsale Gen
747;
einin palmen sie ober ir achslen nam Roth
2329;
er hæte getworn in einen nuos [Napf] / zesamen brôt und muos / und ûf sîn ahsel genomen KvHeimHinv
329;
ir sper si alle nâmen / ûf ir ahsel Wig
4844;
er nam daz schaf auf sein achsel PrOberalt
125,6;
die schilde wurden sâ genomen / ze ahsel dô man sî sach komen RvEGer
3628.
– etw. ûf der, über die ~ tragen:
die er [...] auf siner achsel wider getragen hat zu den ewigen genaden PrOberalt
124,38;
er nam zehant / daz verlorne schæfelîn / und truoc ez ûf der ahsel sîn / vrœlîche in sîn hûs hin hein RvEBarl
4334;
ein îsnîn stang veste, / di besten di ieman weste, / die truoc er über die ahsel sîn EnikWchr
9855
MWB 1 123,9; Bearbeiter: Plate
ahselbein
stN.
‘Schulterknochen, Schulter’
dô sazte er [im Ringkampf] sîn ahselbein / daz ez an jenes brüsten schein Er
9298;
den mantel wander in ein / und leitin ûf sîn ahselbein Tr
2560;
ich wart schône gereht, / hals, ahselbein und rücke sleht KvHeimUrst
596;
ist daz asselbeyn vorrucket [ausgerenkt]
OvBaierl
160,1;
bildl.:
alsus huop in bî sîner hant / diu gotes gnâde als si in vant / ûf ir miltez ahselbein / und truoc in [...] hein Greg
137
MWB 1 124,3; Bearbeiter: Plate
ahselhart
stM.
Spottname.
‘einer, der gern grob zur Antwort mit den Achseln zuckt’ (Anm. z.St. mit Bezug auf ahseln
Helbl
8,656, doch vgl. den folgenden Art.):
ahselhart, / daz ich dich hân, wol mich wart Helbl
1,1082
MWB 1 124,12; Bearbeiter: Plate
ahseln
swV.
wohl nicht ‘zur Antwort grob mit den Achseln zucken’ (Anm. zu ahselhart
Helbl
1,1082), sondern ‘verächtlich über die Schulter ansehen’ (Lexer mit Schmeller):
zeigt uns die rehten dienstman, / die welle wir ze herren hân, / und gebiett, als daz geschiht, / daz uns die andern ahseln niht Helbl
8,656;
vgl. auch BWB 1,67 ( ‘auf jmdn. herabblicken’)
MWB 1 124,17; Bearbeiter: Plate
ahselnote
stF., swM. (?)
Lied für einen Tanz (oder der Tanz selbst), bei dem die Schulterbewegung eine besondere Rolle spielt?:
wol sing ich des reien wîse / nâch der ahselnote lîse Neidh(HW)
18,19;
SM:Go
2a:1,10;
jâra jô, den ahselnotten / kan er wol ze prîse, / [...] hôher sprüng ist er ûf anger wîse ebd.
2a: 7,7;
Neidh(HW)
22,14.
– Vgl. NeidhWB, S. 2 und Harding, Dancing Terms, S. 88-90; Grundwort ist entweder
note
F. oder ein zu
notten
swV. zu stellendes Subst.
MWB 1 124,25; Bearbeiter: Plate
ahselrote
swM.
wohl Tanzname, vielleicht von einem gleichnamigen Saiteninstrument abgeleitet:
wol kan ich des reigen wîse / und ouch den achselrotten lîse, / nâch der gîgen tanze ich vil geswinde SM:Go
2: 1,10.
2:3,7
(nur in C überlieferte Variante zu
ahselnote
); vgl. Schiendorfer z.St.
MWB 1 124,35; Bearbeiter: Plate |