affenspil
stN.
‘Narrenspiel, Gaukelei’
ie als der unreine [Teufel] wolde affenspil da uben / unde daz herze truben / an der iuncvrowen gelust, / so machte si ie vor die brust / des heiligen kruzes zeichen Pass III
493,19;
armuot verdrücket witze vil, / kunst ân guot ist affenspil, / [...] guot âne kunst ist tôren glanz, / kunst mit guote treit êren kranz Renner
13402
MWB 1 109,30; Bearbeiter: Tao
affenspîse
stF.
‘kärgliche Speise’, hier wohl Fastenspeise gemeint:
ein siecher lewe ein effîn izzet, / mit der er sîner siuche vergizzet: / als soltu, siecher, in sünden tuon: / iz affenspîse vür ein huon / (daz ist wazzer unde brôt). / sô fliuhet dîn sêle der êwige tôt! Renner
19326;
vgl. affenvleisch
BdN
144,22;
ferner Dicke/Grubmüller, Nr. 400
MWB 1 109,38; Bearbeiter: Tao
Affental
stN.
‘Narrental’
swer lebet âne êre in vrîer wal, / der wirt den werden schiere unwert / und hûset in dem affental [La. in der affen tal
]
Winsb
45,7;
man sihet ez [Wild] gên dem Affental ûz waten. / wê im, der dan dem loufe / volgen muoz und des niht mac gerâten Hadam
444,5
MWB 1 109,45; Bearbeiter: Tao
affentaler
stM.
zu Affental:
mit hosen und hüeten manigerleie / hebt sich der Affentaler reie, / den manic tuomherre und stolz schuolêre / mit dorftummingen ungerne verbêre Renner
16498
MWB 1 109,51; Bearbeiter: Tao
affentanz
stM.
‘närrisches, unsinniges Zeug’
daz dirre werlde glanz / sî dürkel und ein affen tanz Renner
10328.
13418
MWB 1 109,55; Bearbeiter: Tao
affenvleisch
stN.
‘Fleisch vom Affen’
der leo febriert nâhent alle zeit mit dem viertägleichen fieber und sô begert er danne allermaist affenflaisches, daz er gesunt werd BdN
144,22
MWB 1 109,58; Bearbeiter: Tao
affenvuore
stF.
‘Torheit’
du hast din volc her geladen / zu voller affenvure Pass III
670,61
MWB 1 109,62; Bearbeiter: Tao
affenzagel
stM.
‘Schwanz des Affen’, übertr. ‘törichtes Handeln’
münches tanzen, nunnen hübescheit und affen [La. des affen
] zagel, / des meien rîfe und in dem ougsten starker hagel / mir selten wol behaget Marner
15,231.
– Redewendungen:
~ veil tragen, verkoufen, nâch affenzegeln varn
‘Torheiten begehen’
wenne affenzegel und esels ôren / tragent veil der werlde tôren, / von den wehset ein seltsên orden Renner
16163;
diu noch ir affenzegel tragent / veile und niht anders klagent, / denne daz si nimmer gesünden mügen ebd.
21089;
manic tôr von sînen friunden loufet, / der anderswâ doch niht verkoufet / sînen affenzagel als er gedâhte, / dâ sîn tumpheit in ûz brâhte ebd.
13835;
wil ez [
kint
] sîn fröude in daz alter sparn / und denne nâch affenzegeln varn, / sô hât ez übel an geleit / sîner jugent wîsheit und arbeit ebd.
14950.
– als abschätzige Bezeichnung für Personen:
waz sol ein wolf ze kôre, / her affenzagel, her schandendeckeblôz? Boppe
3:2,11
MWB 1 110,1; Bearbeiter: Tao
affenzît
stF.
‘Narrenzeit’
ich sach eins mâles in der affen zît / an einem kleinen sîden vaden / Rôme und Lâtrâne tragen / und einen fuozelôsen man / loufen für ein snellez pfert LügenrS
1
MWB 1 110,21; Bearbeiter: Tao
affinne
stF.
auch æffinne, effinne.
1
‘Äffin’
2
‘Narr; Heuchler’
1
‘Äffin’
diu affine habet ouch des tîeueles pilide JPhys
7a,1;
do alle tir waren komen / zu hove [...] / di effinne ouch trat an den ring Brun
5092;
ein siecher lewe ein effîn izzet, / mit der er sîner siuche vergizzet Renner
19323;
BdN
159,10.
– in Vergleichen:
der æffinne tut ein tore gelich, / der in ein geistlich leben sich / mit gutem willen zeuhet / und schire wider uz fleuhet / durch sin alte gwonheit StrKD
45,25;
durch den mantel [bildl. f. Heuchelei] bin ich [Frau Hoffart] dicke gewest / in großem stade und hohen eren gewest, / als eine effynne hohe gestiegen / und als eyne goͤdynne angesehen Pilgerf
8053
2
‘Narr; Heuchler’
er torscheiu æffinne, / wie æffenlichen im geschiht! StrKD
45,42;
blieb ich dann by uch stande, so were ich ein affin, und nit weiß ob ir gut sint oder böse Lanc
349,18;
effynne ich [Frau Hoffart] bin und affen sij sint / die mit dem mantel [Heuchelei] an getan sint Pilgerf
8055
MWB 1 110,25; Bearbeiter: Tao
Africâ
‘Afrika’
dú welt ist in drú geteilet. daz eine heizet Asia, daz ander heizet Europa, daz drite heizet Affrica Lucid
18,17;
MNat
1,11;
in dem land Africa BdN
156,16
u.ö.;
Alfrich uon Affrica Rol
5297;
Tr
5883;
Mügeln
24,11
u.ö.
– in der lat. Form:
alse der groz Alexander, der dú lant Asiam, Europam vnde Affricam gewalticlich hete vberwunden Lucid
148,3;
wie Africanus machte / zinshaftig Asiam, / Hispaniam und swachte / Karthago, Africam Mügeln
367,4
MWB 1 110,45; Bearbeiter: Tao
Africâne
swM.
‘Bewohner Afrikas’
zehen hundert er mit ime nam / [...] / unde fûr zen africanen / den Darios undertânen VAlex
639
MWB 1 110,55; Bearbeiter: Tao
Africaner
stM.
→ Afrikære
MWB 1 110,58;
Afrikære,
Africaner
stM.
‘Afrikaner’
vil sciere er sich besante / von lande ze lande. / Riuzen unde Pomerân, / Priuzen unde Pôlân, / [...] Affrikære [La. Affricaner
] kômen willeclîche / dem helede Dieterîche Kchr
14026
MWB 1 110,59; Bearbeiter: Tao
aften
Präp.
nur in festen Verbindungen aftendes, aftendiu
‘hernach’
–
aftendes:
einer tohter si genas, / die aftendiu [La. afterdes, afftendes
] ze snüer gewan / von Agrim herzog Stephan Ottok
2639;
aften des UrkHohenf
86
(a. 1343).
–
aftendiu:
Ottok
2639
(s.o.);
kunic Ruodolf in die schar sîn / die Stîrære nam / und swer mit im her nider kam / und ouch aftendiu von Swâben ebd.
15595.
17754
MWB 1 111,1; Bearbeiter: Tao
aften|dës
Adv.
→ aften Präp.
MWB 1 111,10;
aften|diu
Adv.
→ aften Präp.
MWB 1 111,11;
after
Adj.
‘hinter’
ein halbe frehte [Ackerstück] an aftern Lupfenheim velde; an voͤrdern Lupfenheim velde oͧch eine halbe frehte UrkCorp
N308,22;
als der wider an dem aftern tail krank ist und an dem vodern stark KvMSph
23,5;
der leo ist an dem vodern tail haizer nâtûr und an dem aftern tail kalter nâtûr BdN
144,32.
186,21.
187,32;
si hab diu aftern pain auf gerekt und lenger wan diu vodern ebd.
277,4.
–
‘geringer’
daz aftere lieht daz niscinit for demo nieht. / so scinit for imo daz guot, daz man imo den himil uf tuot Scoph
18,7
MWB 1 111,12; Bearbeiter: Tao
after
Adv., Präp.
auch achter.
1 Adv. 2 Präp., meist mit Dat., selten mit Gen., Akk. oder Instr. 2.1 räuml. 2.1.1
‘über ... hin, durch’
2.1.2
after wëge(n)
: ‘weg, fort; unterwegs, umher’ , in Verbindung mit Verben 2.1.3
‘hinter, hinter ... her’
2.2 zeitl. ‘nach, von ... an’
1
Adv.
– räuml., ‘hinten’ (vgl. auch
aftern
Adv.
):
der hayden umb daz hobett sin / fürtt ainen schlayer sydin, / der after uff daz rosse schlüg GTroj
10477;
ey doch volchde hie [l. ich
] in doch achter mede, / ouch wie balde dat men rede HagenChr
5578.
– Superl. mit aller-:
zo lest wart ich des greuen gewar / zo aller eichterst an der schar HagenChr
5567.
– zeitl., ‘später’
sie sancten sich in des sêwes grunt / unt chômen after [Hs. afer, Diemer liest aver
] ûz wider gesunt VAlex
838
2
Präp., meist mit Dat., selten mit Gen., Akk. oder Instr.
2.1
räuml.
2.1.1
‘über ... hin, durch’
nu wíl ih ûf stên unte wil ín sûochan áfter déro burg, in gázzon unte in strâzzon Will
48,3;
[Pharao] hiez in [Joseph] setzen ûf sîn gereite, after der burg bileiten [La. in der burch hin unde her leiten
]
Gen
2082.
373.
1596;
Falsaron unt sine man / fluzen after furhe Rol
4349;
dô die helide balde / gefûren after walde / alle wîle erre En
274.
4779;
daz daz bluot ûf schræte / und after dem werde wæte Tr
6930.
–
after (deme) lande(n)
:
die andern fuoren wîten irre after lante Kchr
332.
362;
Anno
14,4;
die heritin afder lanten ebd.
10,25;
man sal û dar umbe sprechen / laster unde scande / wîten after lande SAlex
3731;
dô worden ir vile gram / die hêren after lande [La. von deme
]
En
1921
u.ö.;
der pabes boten sante / witene after deme lande / zu den armen unde den richen GrRud
β 13
(ähnl.
TrSilv
581;
LBarl
821
); after lande rîten
Lanc
130,8;
als dick mere affter lande fliegent, das Lancelot der beste ritter were ebd.
297,20;
Pilgerf
7224.
10672.
–
after (dem) velde
:
do di siges helde / uersuchten after uelde Rol
6329;
si habent dine helde / gestruͦt after uelde ebd.
8370;
da Hestor sah das sie gespreit kamen affter dem feld Lanc
380,25
2.1.2
after wëge(n)
: ‘weg, fort; unterwegs, umher’, in Verbindung mit Verben
–
gân:
der wirt gie mit in after wege KvFuss
1906;
[Joseph,] der da gienc afterwegen / vnd vor leide waz vnvro PassI/II
34,1;
ouch alle frowen personen söllen uf die zit nit after wegen gon oder stohn, sunder sich heim machen StrassbP
30.
–
sich heben
‘sich auf den Weg machen’
hebe dich balde after wege Eilh
St,7362;
do nam ich zu mir hundert degen / und hup mich da mit after wegen Dietr
5559.
–
rîten:
Eraclîus reit after wege Eracl
2324.
–
slahen:
die Troiâr slûgens after wege / wol eine halbe mîle [schlug sie zurück]
En
8886.
–
tragen:
lât in uns after wegen / tragen NibB
2263,2.
–
varn:
ich wil after wege varen / gegen Ênêase dem Troiân En
8864;
nu bat der chunic die herren drî, / daz si after wege füeren, / die wârheit reht erfüeren KvFuss
1249;
MinneR 66
57.
–
vliehen:
dir ne gehulfe des nichein boge. / du ne mostis sin gevlogin. / zo aller vurdrist after wege Roth
1802.
–
vüeren:
die der urowen soldin plegen. / die uordin die criechen after wege Roth
3234;
[sie] fuorten si mit in after wege / ze Bethlehêm in die stat KvFuss
1132.
–
ziehen:
der zouch dur wunder after wege / vnde wolde gerne han gesien, / waz da were gescien Roth
3029
2.1.3
‘hinter, hinter ... her’
der da ging / sùchend widder vnd fùr, / jn den winckeln dar affter vnd vor der tür, / vnder vnd uf den tischen, auch vnder den bencken Krone
25377.
–
after rücken
‘zurück’
do sy die pile scharp vernamen, / balde sy aichter rugge traden HagenChr
4745.
–
nû ich dich gesehen hân nû wil ich frôlîchen sterben, / nû ich dich lâz after mîn Gen
2539;
aftir im ôt nicht inbleib; / alliz er iz mit im nam NvJer
12736.
– zum Anschluss eines Zieles, eines Zweckes:
Troiêri vûrin in der werilte / wîdin irri after sedele Anno
23,2;
hie nach kam der túfel aber und schos uffen mich mit fúrigen stralen; die schutzzen achter mich hellesche pine an libe und an sele Mechth
4: 17,22
2.2
zeitl. ‘nach, von ... an’
after tode gab er uns den lip, / des fleisches urstente, / himelriche imer an ente VEzzo
282;
after Noes lîbe in dem zehenten geslahte / dô wart geborn ein man geheizen Abram Gen
788.
3026;
aftir disime tranche. so gip ime tageliche gebratenv aiger ze ezzinne Ipocr
213;
after siben stunt siben jaren SiebenZ
75;
iz ist talanc after none ReinFu
K,660;
so enwil ich uch nymer me gedienen affter dißer nacht hint Lanc
54,19;
affter diser zit MinneR 444
103.
–
after dës
: ‘danach’
wie lange sint die werlt sal sten / after des, daz ist nicht kundic HeslApk
19829;
after des er [Jakob] iemmer hanch fur daz er mit deme engele geranch Gen
1545;
so siu aue wider chumit. so hat si uergezzen der eiere. unt nechumet after des dar nieht mere. si ist uile agezzil JPhys
24,12;
Spec
98,9;
BdN
231,16.
–
after diu
: ‘danach’
after diu do er [...] gecrucigot uuard, to raster in demo grabe trie taga ÄPhys
2,16.
8,6;
mit minnen si sich scîden noh niemer after diu sament gebiegen Gen
1588.
2631;
do si bewollen wart mit dem bluͦte des hiligen christes und mit sinem tode, after diu enhiezze si niht ‘Jerusalem’, si hiezze ‘Sodoma’ PrOberalt
7,39;
Konr
5,85.
11,45.
–
after mâle/mâles/mâln:
‘danach, seitdem’
[Jakobs Segen:] Benjamin, [...]. / zêrist dû dere âhtest die dû after mâlo trôstest. / die dû nû gerne flurist, after mâle dû si gerne nerist Gen
2969;
aftermâles StatDtOrd
52,31;
aftermalis PassI/II
247,60;
daz man aftermals ane kriec belibe UrkCorp
2293,8.
3131,35;
swaz ein pawman ab seins herren guͦt verchauft, daz mag der herr aftermaln nicht angesprechen StRMünch
343,16;
affter mall unczt herr / getarst chain wurm nymmermer / [...] / zu der stat chomen nachen Seifrit
1555.
–
after mitter/mitten tach
:
als after mitter tach quam En
7448.
7871;
wol unz an den mitten [La. wol biz after m.
] tach ebd.
11476.
–
after ein
‘hintereinander’
er sluc einen slac dar; / des wart genre wol gewar. / do sluc er zwene after ein; / also tet er da engein. / do sluc er dri Herb
5653.
11741
MWB 1 111,23; Bearbeiter: Tao
after
swstM.
zu after Adj.
‘Hinterteil, Gesäß; Anus’
iz was gewahsen einem kinde / sîn versen zuo dem after hinde / und vorne zuo der brust daz knie LvRegFr
4436;
EnikWchr
24094;
die vallent leiht nider auf den aftern, wan si vergezzent der künftigen sælichait und ergebent sich der erdischen üppichait BdN
119,13;
[...] guot für den siehtuom, der der krebz haizt, und ist den läuten an dem aftern und haizent in etleich daz veig ebd.
320,34;
daz der vogel sich selber säuber [...], alsô daz er des meres wazzer mit seim snabel in den aftern geuzet und cristiert sich selber ebd.
202,4.
168,19
MWB 1 113,13; Bearbeiter: Tao
afterâder
swF.
nur Pl..
‘Hämorrhoide’
die afternâdern, die ze latein emoroides haizent BdN
388,34;
der stain hilft den âfteradern, die zuo der mistporten niden gênt ebd.
464,20.
476,33;
daz plæen an den afternâdern ebd.
409,7.
391,25
MWB 1 113,26; Bearbeiter: Tao
after belîben
stV.
‘zurückbleiben’
manlich saz up sin pert. / so dede ouch Galie / [...] / si ne bleif da niet achter MorantGalie
713
MWB 1 113,31; Bearbeiter: Tao
afterbelîp
stN.
‘Rest, Übriggebliebenes’
di kinder sint worden vol / und teilten [...] / ir achterbleip [
reliquiae Ps 16,14] eren vil kleinen Brun
1004
MWB 1 113,34; Bearbeiter: Tao
afterbelle
stF.
‘Gesäßbacke’
wem aber der afterpell pain her für raichent, daz bedäut vil sterk und manhait. wem der afterpell pain klain sint, daz bedäut ainen liebhaber der frawen BdN
49,5.
ain iegleich tier vierfüezig hât ainen zagel. aber der mensch hât kainen sterz. iedoch hât er afterpell an des sterzes stat ebd.
117,36.
118,1
MWB 1 113,37; Bearbeiter: Tao
afterbier
stN.
‘Nachbier, Dünnbier’
si hiez im bringen schier / nâch dem kæse ein afterbier Schlegel
414
MWB 1 113,44; Bearbeiter: Tao |