astronomus
M.
‘Astronom, Astrologe’ (lat. flektiert):
der sunne [...] / muoz in sineme cursu / zewelf zeichen durech gan / [...] / daz vunten astronomii ArnoltSieb
27,16;
di sich vorsten [verstehen] uf das gestirne, astronimi MarcoPolo
62,30
MWB 1 382,41; Bearbeiter: Diehl
âsvogel
stM.
‘Aasvogel’
îegelichen az vogel Got / virbot in [den Israeliten]
[...] / und irloͮptin niht alleine / wand rehte spise reine RvEWchr
12872
MWB 1 382,46; Bearbeiter: Diehl
â|swîch
stM.
‘böse Absicht, Betrug’ (vgl. abe swîchen):
siner herbergen / her do aswiech tete. / dannen huͦb her sich ze stete / ê dan iz die lute bevunden Ägidius
1492;
si truogen in gelîche / mit valsche und mit âswîche / ir dienest und ir heinlîch an Tr
15078;
nicht wan vmb drei sache enmag der herre getaidingen seinem purger. ob er sich vertriwet gegen im oder ob er die purch da er purger ist, aswich [Verrat] tuͦt SpdtL(E)
Lnr 255
MWB 1 382,49; Bearbeiter: Diehl
â|swichunge
stF.
‘Ärgernis’ (zur Übers. von scandalon, vgl. ahd. âsuuih):
din brvͦdirn sol er [der Cellerar] gebin ir gesastvn spise zim imbis an alle twelvnga. dvr daz. daz inchein áswichvnge werde vndir inen BrEng
31;
[die Prioren] zvgont [erzeugen] in dim samnvnge aswichvnge. vnde machont mishelda ebd.
65
u.ö.
MWB 1 382,58; Bearbeiter: Diehl
â|swichungen
swV.
‘ärgern’
er spricht was der virdienot. der sinr ein din minstin aswichvngot [
scandalizaverint
]
BrEng
31
MWB 1 383,1; Bearbeiter: Diehl
â|swinc
stM.
‘Abfall’ (bei der Reinigung von Flachs, Getreide u.ä., vgl. swingen):
du wellest mich den retten, / so verdirb ich under swinnen, / dú man hort rúhelen und grinen / nach grúschen [Spreu] (den aswingen / zerganklicher dingen) SHort
4321
MWB 1 383,4; Bearbeiter: Diehl
æte
stM.
→ atte
MWB 1 383,10;
â|teilec
Adj.
‘einer Sache nicht teilhaftig’ (vgl. abeteilec):
dáz ér dér êuuegon remunerationis nîet âtêilig ne uuérde Will
145,10;
herregot nû mache uns gâr / in dîme namen heilich / unde aller sunden âteilich Kröllwitz
799
MWB 1 383,11; Bearbeiter: Diehl
âtem
stM.
selten swM. (z.B. Kchr 14493 , RvZw 73,8 , RvEAlex 14886 ).
1
‘Atem, Atmung, ausgeatmeter Lufthauch’
2 übertr. auf Gott, dessen âtem dem Menschen das Leben gibt oder nimmt; auch ‘Lebenskraft, (Lebens-)Geist (des Menschen)’
3 ohne Bezug auf Atmung: ‘Dunst, Lufthauch’
1
‘Atem, Atmung, ausgeatmeter Lufthauch’
der slangen âtem und ir hûchen ist [...] schedleich BdN
275,12;
siu besach den wîgant. / einen cleinen [schwachen] âtem siu bevant, / der im von dem munde gie UvZLanz
2134;
daz im der âtem stinke StatDtOrd
59,8;
rosige wangen, roter mvnt, / suzze ademe, zene gesunt Herb
2494;
sin athem der ußer sim mund ging der scheyn als rot als ein blut Lanc
35,11;
Mügeln
305,9;
HvBurg
4836.
– in Wendungen, die den Vorgang des Atmens bezeichnen:
der nasen nutz ist auch, daz der mensch den âtem zeuht durch die nasen BdN
11,29;
munt minen uf tet ich unde vîe den atem [interl. zu os meum aperui et adtraxi spiritum
]
PsM
118,131;
Minneb
5075.
– in Wendungen, die Kurzatmigkeit bzw. Atemlosigkeit sowie den Vorgang des wieder zu Atem Kommens bezeichnen:
Gawan bleib diewil stande und erholt sinen athem Lanc
446,30;
das wetter was heiß, und sin athem begunde kurczen ebd.
387,27;
und waren beide so kranck worden das ir slege nit groß waren, wan yn der athem kurcz was ebd.
446,26.
– als Luftstrom auf das Blasen von Instrumenten bezogen:
von aten wart da manic spil, / busunen crach, schalmien doz WhvÖst
18082.
– mit Übergang zu 3:
si behuoten sich auch, daz si niht über die siechen giengen, daz der vergift âtem und der tœtleich dunst iht in si gieng BdN
111,11
2
übertr. auf Gott, dessen âtem dem Menschen das Leben gibt oder nimmt; auch ‘Lebenskraft, (Lebens-)Geist (des Menschen)’
di ginadi uns got do virliz, / do er unsich sin adim in blis SuTheol
18;
daz ouch wir in sin [Gottes] rich muozzen chomen, / wan wir von im haben den atem Hochz
1088;
duo wuohs daz chint [Christus] edele, / der gotes atem was in imo VEzzo
198;
der herre got [...], der do odym gybet deme volke Cranc
Jes 42,5;
mit deme adem sinir lippen wirt er toten den bosen ebd.
Jes 11,4.
Dan 5,23;
niecheinis liedis her ne gewielt, / den adem her kvͦme behielt / in sineme libe Ägidius
1477;
her beual sinen reinen adim / zvͦ mines trechtines gnaden [...]. / do uirschiet der gotis schalc ebd.
1711;
[Christus ist] ze himel gevarn in einem zuge gottes atemes Mechth
1: 29,17;
swenne der lîchnâme sturbe, / daz der âtme ze den luften vuore, / daz flaisc wurde ze erde Kchr
13384;
des herzen odem Daniel
6692;
des lebens odem Hiob
12819.
– übertr. auf Luzifer:
der ubel âtem fuor in die nâteren Gen
316;
vor der helle munde, da ze allen stunden Lucifers atem mit aller pine us sclahet Mechth
3: 21,124.
– phras.: der heilege
~ als Übertragung von spiritus sanctus:
und der hailige adem entswebete ir [Maria] den lichnamen AvaLJ
7,2;
daz dritte ist der heilige atem, / der scol uns ouch genaden VEzzo
413.
403
3
ohne Bezug auf Atmung: ‘Dunst, Lufthauch’
auz pœsem luft und auz faulem âtem werdent priemen [Bremsen]
BdN
292,30;
dez paradises adem / mit suße sie hat behucht Minneb
1972.
– hierher oder zu 1?:
welch ros hertslechtig ist, dem sal man eyn glundes ysyn als eyn spynnele czwischen dem arse unde czwischen dem czagele an dy wuste [Weiche] stechyn: zo teylit sich der odym, dy wyle daz loch offen ist Albrant
3,36
MWB 1 383,16; Bearbeiter: Schnell
âtem|âder
F.
‘Luftröhre’
trachea: atenader VocOpt
1.091
MWB 1 384,18; Bearbeiter: Schnell
âtemblat
stN.
‘Gaumenzäpfchen, Kehldeckel (?)’
uvula: atenblat VocOpt
1.077;
epiglotis: atenblat ebd.
1.078
MWB 1 384,20; Bearbeiter: Schnell
âtemdroʒʒe
swM.
‘Kehle’
gurgilio: atemdroze VocBv926
3:439,3
MWB 1 384,23; Bearbeiter: Schnell
âtemen, ætemen
swV.
‘atmen, Luft einziehen und ausströmen lassen’
swer swere edemt oder kichet Macer
11,13;
daz daz kint niht ætempt in der muoter leib BdN
33,33;
[die Füchsin] ligit also si tôt si. noch neâtemot nieht JPhys
15,3;
diu frowe âtmen began Kchr
11904;
wann sy [die Seele] hicz geit vnd macht den leib atmend KvMSel
372;
und het gelauffen das er kam geettemen kuͦnt und kam ein wort gesprach Lanc
69,36;
sente Felix der wart zvͦ drin betehuͦsin der abgote bracht. vnd den abgotin edemite [hauchte] he under daz antlitz JenMartyr
60.
– subst.:
ǎn ǎtmen [ohne Atmung, ohne zu atmen] und ǎn aderschlag / fúr tot si [Maria] lange also da lag WernhMl
10115.
– Phras.:
ich nante ir wol in einem âtemen [in einem Atemzug; ohne lange nachdenken zu müssen] viere, / die mit entlênter wirde vuoren RvZw
73,8
MWB 1 384,25; Bearbeiter: Schnell
ætemlîn
stN.
Dimin. zu âtem, ‘Lufthauch’
herr, [...] din lob wil ich sprechen, die wile ein etemlin in minem munde ist Seuse
308,16
MWB 1 384,43; Bearbeiter: Schnell
âtemschal
stM.
‘gehauchter Laut’
daz wort treit der wint hin als einen adem schal PrBerth(K)
103
MWB 1 384,46; Bearbeiter: Schnell
âtemstanc
stM.
‘übel riechender Atem’
mir tet ir [der Aussätzigen] geselleschaft vil wê; / des mich von schulden wol betwanc / ir unvlât und ir âtemstanc UvLFrd
339,10
MWB 1 384,49; Bearbeiter: Schnell
âtemzuc
stM.
‘Atemzug, Atem, Seufzer’
emplastrum solitorium [...] machit die soͮzzen atemzvge Ipocr
284;
suspirium: ademzvc vel suffezvnga SummHeinr
2:489,01.47
MWB 1 384,53; Bearbeiter: Schnell
âtemzuht
stF.
‘Atemzug, das Einziehen des Atems’
[des Höllenhundes] munt vil wit / stunt offenen alle cit, / daz si des wol beduhte / daz iz bit einer adenzuthe / zein dusint wol verslunde / gewappender lude TundN
147;
da gestet der boge von vier furstlichen elementis, / dei uns temperent die atemzuht Himmelr
5,18
MWB 1 384,57; Bearbeiter: Schnell
atich
stM.
eine Holunderart, ‘Attich’ (Sambucus ebulus, vgl. Marzell 4,58f.):
atich ist heiz vnde trucken an dem andern gradu. vnde gelichet sich dem holer an siner kraft SalArz
91,21;
di da lutzel triben daz ist steinwurtz, [...] holer, atich, nezzelwinde ebd.
85,35;
emplastrum contra febres: nim dez atechis wrzen Ipocr
272.
218;
ebulus: atich VocBV947
540,55
MWB 1 385,1; Bearbeiter: Schnell
atichblat
stN.
‘Attichblatt’
nim attichpleter vnd reib die vnd nim indich vnd reib die dar [...] so wirt es schön plawe BairFärb
2,1
MWB 1 385,9; Bearbeiter: Schnell
atichstein
stM.
ein heilkräftiger Stein (?):
[es gab einen Disput] welchz habe die besten krafft, / geselleschafft oder mynne. [...] der von Winsperg sprach: ‘ez ist war, / minne ist der eren attichstein.’ / der von Fleckenstein sprach: ‘neyn! / geselleschafft ist beßer.’ MinneR 480
465
MWB 1 385,12; Bearbeiter: Schnell
ati|gêr, aʒi|gêr
stM.
‘Wurfspieß’
uon Tebeseline / di chomen uf di galine; / di furten alle atihgere / in ir hanten Rol
2647;
die vuorten tœtlîche wer: / starkiu sper von Angran. / man vuorte mit den vürsten dan / wol zweinzic vuoder oder mêr; / gabilôt und atigêr / truogen die sarjande Wig
10674;
acinax: aziger VocBV926
3:639,36
MWB 1 385,18; Bearbeiter: Schnell
atlanten
Subst. (Pl.)
‘Sternbild der Plejaden’
in dem ohsen stent die pleyades oder daz sibengestirn, und die selben stern haizzent die attlanten KvMSph
34,20.
34,21
MWB 1 385,25; Bearbeiter: Diehl
atmerinne
stF.
→
admirâtinne
MWB 1 385,29;
atrament
stN.
‘schwarze Flüssigkeit’ (aus lat. atramentum)
1
‘Tinte’
2 Eisen- und Kupfersulfat sowie deren Lösungen
1
‘Tinte’
ich schreib si [die Rede] in dis buch mit atrament Cranc
Jer 36,19
2
Eisen- und Kupfersulfat sowie deren Lösungen:
nym atrament unde stos daz mit bire unde guͤs ys deme rosse in den hals: so wirt ys gesunt Albrant
2,18;
nim daz gepulverte vnde daz gebrande bli vnde atramentum Ipocr
165;
OvBaierl
157,5
MWB 1 385,30; Bearbeiter: Diehl |