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ABCDEF s.VGHIJKL
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i – ie|besunder (?)
ieclich – iemerkæse
iemerkuo – iersch
iertes – iewëdersît
iewelich – ihten (?)
ihtesiht – îlunge
im – in
in – în bezûnen
în biegen – în brëhen
în brîden – inder(t)
in dës – inelende
în enthalten (?) – ingebër
în gebërn – ingesigelde
ingesinde – in guot
în gürten – în houwen
inhûs – în lâʒen
înlâʒunge – în lûchen
în luogen – inne halten
în neigen (?) – innergewant
innerhalbe – inniclich
innigen – în rüefen
în rüeren – inschrift
în sëgenen – în slahen
însleich – în springen
în spruʒʒen (?) – interpretieren
intestîn – în twingen
în ünden – în vleischen
învleischunge – înwander
inwaner – în wischen
în wîsen – ipocrisis
ipocrite – irhalp
irhære – irregunge
irrehaft – Ir|rîche
irricheit – îsenbû
îsendach – îsenkaste
îsenkëc – îsensacroc (?)
îsenschûfel – îserîn
îserkleit – isôpe
isôpensaf – îtelhant
îtelinc – itwinde
iu – îwînboum

   îszapfe - itewîʒ    


îszapfe swM. ‘Eiszapfen’ si [eine lederne Glocke] hangt an dem nagl, / daz ist ain eiszephe, / vnd klingt als ein hephe [Harfe (?)] Wachtelm (DVN) w,71

MWB 3,1 17,27; Bearbeiter: Richter

it- s.a. ite-

MWB 3,1 17,30;

ital Adj. îtel

MWB 3,1 17,31;

itâlisch Adj. ‘italisch, italienisch’, nur in der Wendung ~ rîche: her wart wonehaht / in itâlischeme rîche En 3629; sint het der kunech Ênêas / daz lant als ez gelegen was / alliu îtâlschen rîche / vil gewaldechlîche ebd. 13309

MWB 3,1 17,32; Bearbeiter: Richter

itekouwen swV. zu mnl./mnd. edercauwen/ eder- (ader-)  kouwen, s. DWB 14,1,2,1058 (vgl. iterücken ). ‘(etw.) wiederkäuen, nochmals kauen’ her [der Rehbock] edekouwet mit den andern Brun 3585. – allegor.: ir [Marias] zene uns allen vrouwen [erfreuen] , / si enbizen nicht, si edekouwen / und vuten [nähren] uns mit irme spone [Muttermilch] Brun 3035; daz ist di edele predigunge, / von der lere alt und junge / edekouwen der edelen schrifte sput [Nahrung] , / also daz vihe sin hou tut ebd. 11781. 3599. 11772

MWB 3,1 17,37; Bearbeiter: Richter

îtel Adj. auch ittel, ietel, ital, obersächs. auch aikl, vgl. 25Mhd. Gr. § L 116, Anm. 2; selten adv., s. unter 3.2 (evtl. auch Wigam (B) 2051 in korruptem Satz). 1 ‘leer; frei von/ ohne etw.’ (zum myst. Sprachgebrauch s.a. Hernández, Eigentum, S. 118 u. 125)
1.1 allg.
1.2 mit Angabe dessen, was nicht vorhanden ist
1.3 in best. Kollokationen
1.3.1 in Verbindung mit (Teil-)Synonymen (s.a. Belege unter 1.2)
1.3.2 von Händen (s.a. îtelhant )
1.3.3 vaʒ (s.a. unter 2.3 )
1.3.4 vom Herzen
1.3.5 vom houbet
1.4 im Sprichwort (zu TPMA 1,199ff. ‘Armut macht sorgenfrei’ )
2 zum Ausdruck von Nichtigkeit, Wertlosigkeit, leerem Schein (bes. aus christlich-moralischer Sicht)
2.1 ‘nichtig, bedeutungslos’
2.2 von Personen und ihrem Verhalten ‘töricht, oberflächlich, unvernünftig’
2.3 ‘unnütz, wirkungslos, vergeblich’
3 zum Ausdruck von Unvermischtheit und Ausschließlichkeit
3.1 ‘pur, unvermischt’
3.2 ‘ausschließlich, bloß, nichts (anderes) als’
   1 ‘leer; frei von/ ohne etw.’ (zum myst. Sprachgebrauch s.a. Hernández, Eigentum, S. 118 u. 125)    1.1 allg.: sac îtel oder vol SSp (W) 3:89; swi dikch si gesehen het daz daz grap itel waz PrOberalt 87,1; die armen er gesattet hât, / îtal er die rîchen lât [ divites dimisit inanes Lc 1,53] WvRh 3047; do begriffen si in [der die Abgabe eintreiben sollte] . vnd slvegen in vnd si verliezzen in eitel [ et dimiserunt vacuum Mc 12,3] EvAug 107,16; MarlbRh 76,13; [die Ameisen] tragint daz chorn zeloche. bigaginent in andere ameizen. sin nement in des chornes nieht. doch sí ital gen JPhys 17,5; Lilie 12,7. – übertr.: ein itele hoffenunge Elmend A 350. – subst.: wer überge die masse [nicht Maß hält] an der völle unnd an eitelm [ in pleno et in vacuo ] , an schlaffe und an wachen HvHürnh 27,11; Eckh 5: 29,12. 5: 30,8; Tauler 10,10. 305,23    1.2 mit Angabe dessen, was nicht vorhanden ist: – mit Gen.d.S.: daz er geriten quam dort her, / gewæfens îtel unde bar KvWHvK 557; sô müeste ich gar belîben / ir lônes îtel unde wan KvWTroj 22179; KvWTurn 787; vil herzen [...] / die der tuvel sinnes itel vant / und reiner andachte bloz HeslApk 13818; sô heizet ez [ die hôhe vart ] ouch îtelkeit, wan ez machet dich îtel aller der guoten gewizzene PrBerth 1:398,2; Eckh 5: 32,10; Tauler 179,6; JPhys 18,11. – mit Präp. ~ von etw.: minnet di minne icht me wan got, daz si nicht minnit durch got, so infullit got di minne nicht, mer si wirdit idel fon godis gnade Parad 32,35; ydel von warer bicht und von guten wercken Lanc III 174,1    1.3 in best. Kollokationen    1.3.1 in Verbindung mit (Teil-)Synonymen (s.a. Belege unter 1.2): itel unt bloz FabelCorp 22,213; das ellende ist noch ital und lidig, da ist nieman inne, und ist als luter in sich selber Mechth 3: 1,63; blôz, arm, niht-hân, îtel-sîn wandelt die natûre Eckh 5: 29,11; BdN 249,16    1.3.2 von Händen (s.a. îtelhant ): sine hende [sind] vil ytele der guͦten werken PrLpz 88,21; der vâlant / [...] gesach im îtel die hant / und daz swert zebrochen Er 9271; Exod 674. – in der Wendung (mit) ~ hant: unser deheiner sol mit itteler hant fuͤr in [Gott] chomen PrOberalt 77,4. 77,20; Spec 33,3. 33,5; hiemite wurden si [Bittsteller] vertriben / von im mit iteler hant Pass III 210,93    1.3.3 ~ vaʒ (s.a. unter 2.3 ): swem gotes minne nie besaz / den sin noch daz gemüete, / der ist der gnâde ein îtel vaz LobGesMar 4,11; an tugenden bin [ich] ein wiht / und vil gar ein itel vaz Vät 24673; ‘entlêhen ledigiu vaz’ [...] ‘îteler vaz entlêhen’ Eckh 2:223,11. 5: 28,5. – pejorativ eine Person bezeichnend (vgl. biutelvaʒ ): [Teufel klagen über einen Juden, der sich vor ihnen bekreuzigt hat:] o we, o we, ein itel vaz / hat sich geleit alhie und daz / ist versigelt unmaze wol Pass III 286,89    1.3.4 vom Herzen: ein munt von rîchen worten vol, / dâ bî ein îtal herze, diu cleident niht zesamne wol RvZw 117,5; din rede ist torecht / und get von itels herzen guft Pass III 182,38; die minne machet ital herzen vol Mechth 4: 19,17; PsM 5,10. vnser hus [bildl. für das herze ] sol nimmer itel werden vuͦnden PrLpz (L) 134,36    1.3.5 vom houbet: das heubt begunde im ytel zu werden, beide von gedencken und von ruwen [Trauer] und von dem das er der spise nit nuͦczet Lanc 466,25; da er diß getete, im wart das heubt so itel das er in unmacht viel ebd. 468,30    1.4 im Sprichwort (zu TPMA 1,199ff. ‘Armut macht sorgenfrei’): wan sprichit ain sprichwort in der scrift: ‘der ital úbir daz uelt gat, der gat singinde.’ also tuͦt der willicliche arn [arme] mensche. der gat vroͮliche vnde vnvorhtliche, wan er het nivt ze uirlierne PrGeorg (Sch) 4,137    2 zum Ausdruck von Nichtigkeit, Wertlosigkeit, leerem Schein (bes. aus christlich-moralischer Sicht)    2.1 ‘nichtig, bedeutungslos’ latiches same gessen gipt guͦten slaf unde vertribet bose troume unde itele Macer 14,6; wie bekvmbert ich noch bin. mit italen irdenschen vnd zerganchlichen dingen PrWack 91,167. 100,11; daz andir gebot waz daz: den namen dynes gotis den saltu nicht nennen czu keynen ytelen dyngen EvBerl 149,16; wan er daz itil lob virsmehit Dalimil (B) 19,17; Mechth 3: 14,6. – oft in der Wendung ~ êre (vgl. Lexer 1,1461 îtel-êric): rum daz iz itel ere Elmend A 1183. A 1193; im [dem Hl. Nikolaus] was zu itel ere we Pass III 8,62; [die Brüder sollen] sich hvͤten for aller hoͤfart. vnd for itel ere, hazze, gierigkait SpitEich 36,9; Vät 19214 u.ö.; Eckh 5: 213,3; Mechth 7: 7,43 u.ö.; HlReg 16,2; personif.: vrou Îtel Êre Widerstr 1317; so kumet danne bruͦder itel spot · vnd bruͦder cluterere · vnd bruͦder schimphelin [...] vnd bruͦder itel ere · vnd machent ein schal da gotes ere clein an liget SelbhReg 438,55 (vgl. Glr. z. St.)    2.2 von Personen und ihrem Verhalten ‘töricht, oberflächlich, unvernünftig’ si bîchten nicht [in der Fastenzeit] und haben nicht rûwe umme ire sunde und sint alsô îtel und alsô schalchaftic alsô bûzen [außerhalb] der vasten HvFritzlHl 101,29; nû hœret, [...] wie gar diu hôhvart einen wîsen man zer werlte machte ze einem îteln tôren PrBerth 1:399,12; Pass I/II (HSW) 885; HeslApk 2902; er wolde nimmer kumen dar, / swa man iteln schimft treib Vät 273; ruwet von der itelen tat! ebd. 3319. 4058 u.ö. – subst.: o we ich muz bekennen. / [...] / daz ich der iteln einer bin! Vät 151; sie namen vlizeclichen war / waz ich in itels wolde sagen ebd. 20983. 25266. ~ wort: diekein ûbel rede [...] an strîtworten oder îtelen worten [ rixis, vaniloquiis ] sal gên ûz dekeines brûderes munde StatDtOrd 48,37; so ain brvder nach complet mit mvͤzigen und ietelen worten crieget SpitEich 25,2. 25,5; schimpf rede unde itele wort Pass I/II (HSW) 14759. 23001; Pass III 252,88; Vät 21000    2.3 ‘unnütz, wirkungslos, vergeblich’ si [Bewohner des Himmelreichs] neruochent, waz der viant uzzerhalbe gechlaffet; / [...] / si nerchoment vone sinem itelen dozze Himmelr 3,24; daz sie des chainen schaden schulen han vnd daz diu ansprache vͤppich [rechtsunwirksam, überflüssig] ist vnd eitel UrkCorp (WMU) 1452,25; alle raitung [ omnes rationes ] [...] sullen nicht sein vnd eitel, vnd zw triegnus mag man versten daz sy sein geschehen StatTrient 190; diz swert, ir gotisrittere wert, / vûrt recht als Saul sîn swert, / daz nî îtel widirquam [ numquam revertatur inanis, vgl. II Sm 1,22] , / swâ iz sînen swanc hin nam NvJer 2476; mîn wort kummet nummer îtel heim [ non revertetur ad me vacuum Is 55,11] HvFritzlHl 106,4; was hilfet, das man ein ital vas vil bindet und das der win doch us rinnet? Mechth 2: 23,9. – subst.: unnd wissest du fürbas das der erlich got nichttes nichtt eitels gemachtt hat noch müessiges an den naturn HvHürnh 26,2    3 zum Ausdruck von Unvermischtheit und Ausschließlichkeit    3.1 ‘pur, unvermischt’ das waßer was so rot von yrm blut das es alles ein ytel bluͦt scheyn Lanc 475,14; Ottok 51423; der [ bach ] was îtal oele gar / reine, lûter unde clâr WvRh 3648; swymmit di birne [im Wein] , so ist der wyn ytil [rein] vnde pur Pelzb 138,9; wazzer mit wein oder mit ezzeich gemischt lescht den durst mêr wan eitel wazzer BdN 353,9; sîn houpt wolt ich dir widerwegen / mit liehtem îtelm vînem golt HvBer 6994; WüP 90,8. 92,6    3.2 ‘ausschließlich, bloß, nichts (anderes) als’ der visch hât kainen man seins geslehtes oder seinr nâtûr, ez sint eitel weip BdN 254,19; sô einer wil wænen, er habe ein guot tuoch, sô hâst dû ez zerzogen, daz ez deste langer sî, unde machest ein guot tuoch ze einem îteln hadern [Lumpen] PrBerth 1:146,24; man lebet itels brotes nicht [ non in solo pane vivit homo Mt 4,4] HeslApk 5980; der frouwen aber er verbot, / daz si dekeine ganzen brot / gebe armen luden me durch got, / wene idel stucke Elis 8036. 1753; des banier was, als ich ez las, / halp pavamin geroͤtet, / dar uf was golt geloͤtet, / daz itel rubin habt WhvÖst 14631; Vät 24535; Kröllwitz 1175

MWB 3,1 17,48; Bearbeiter: Richter

îtelære stM. jmd., der sich mit nichtigen Dingen beschäftigt: dise [ werltliche ] vrovde sule wir achten als ein vergyft. [...] owe tenzere. owe tvrnierere. owe alle ytelere. die gots gebot niht en halden PrLpz (L) 39,7

MWB 3,1 20,18; Bearbeiter: Richter

îtele stF. ‘Leere, Nichtigkeit’, bei PrWack 92,59 dem Begriff maht gegenübergestellt: herre ich bitte dich durch die turri [Dürre, Trockenheit] vnde durch die itale diner menscheit da dv herre durch mich hatost verzert din heilges bluot vnde dine menschliche math [l. maht ] als gar das dich dvrsti an deme criuce, das dvo ansehest die turri vnde die itali mines herzen vnde miner sele, das dvo geruochest mir zesendenne din senftes tov vnde dinen suizen regen [...] das dine wonunge moge sin in miner sele PrWack 92,59 u. 62. – hierher?: e die natur eitel lid [duldet] , e prech ain erein hafen von geprechen ains linsenkornes, ob der hafen als dike wer piz an den himel KvMSph 12,25

MWB 3,1 20,23; Bearbeiter: Richter

îtelen, îteln swV. 1 ‘etw./sich leer machen’
2 ‘leer werden’ (vgl. îtel 1.3.5 )
   1 ‘etw./sich leer machen’ si ist ein vaz der volheit, / daz nimant itelet mit krugen Brun 4217; also muͦs sich der mensche lossen vahen und italen Tauler 306,2. – mit Gen.d.S. ‘etw. frei von etw. machen’ [wichtig ist] daz ir úch italent und lidig machent aller geschaffener dinge und uwer selbes Tauler 308,22; daz der mensche sin selbes nút geitelt ist, so wenet der besessene mensche dicke das es alles got si das in ime wúrket ebd. 307,21. 306,16. – mit Ersparung des Akk.: der heilig geist hat zwei werk in dem menschen. das ein ist: er itelt. das ander: das er fúllet das ital als verre und als vil als er ital vindet Tauler 305,22. – Part.-Adj.: [der unreine Geist spricht:] . ich cher wider in min hus von dann ich vzgegangen bin. so chümet er vnd vindet ez geeitelte. mit pesem gereiniget vnd geordent [ et veniens invenit vacantem scopis mundatam et ornatam Mt 12,44] EvAug 27,21    2 ‘leer werden’ (vgl. îtel 1.3.5): das heubt begund im iteln von wachen und von vasten Lanc 596,31

MWB 3,1 20,37; Bearbeiter: Richter

îtelhant, îtelhende Adv. ‘mit leeren Händen’ alsus fuor er îtelhant / von sîme friunt LBarl 5245; wirn lâzens [die Boten] îtelhende / niemer wider gekêren Tr 7126

MWB 3,1 20,58; Bearbeiter: Richter

îtelinc stM. in der Etymologie von lat. concha ‘Muschel’ und cochlea ‘Wasserschnecke’ concha oder coclea haizt ain snek und ist ze däutsch als vil gesprochen als ain flächlink oder ain eitlink, wan sô der môn abnimt, sô werdent ir schaln flach oder hol und eitel [ conchae et cochleae hac ex causa vocatae, quia deficiente luna cavantur, id est evacuantur Isidor, Etym. 12,6,48 ] BdN 249,14

MWB 3,1 20,62; Bearbeiter: Richter

îtelkeit stF. s.a. îtellîcheit 1 ‘Leere, Leerheit’
2 ‘Nichtigkeit’ , christl. wertend für Vergängliches, weltliche Freuden
3 ‘Vergeblichkeit, Wirkungslosigkeit’
   1 ‘Leere, Leerheit’ singultus heyst der gischen [Schluckauf] vnde kumt itwenne von ober idelcheyt dez liuez [ lîbes ] itwenne van obrigher vulle des maghen OvBaierl 113,2; möhte und künde der mensche einen becher zemâle îtel gemachen und îtel behalten von allem dem, daz vüllen mac, ouch luftes, âne zwîvel der becher verzige und vergæze aller sîner natûre, und îtelkeit trüege in ûf biz an den himel Eckh 5: 30,7. 5: 32,8; Tauler 305,24. – jmdn. in ~ (ver-)lâʒen ‘leer ausgehen lassen’ zur Übers. von lat. dimittere inanem (vgl. Lc 1,53. 20,10f.): und di hungerigen hât her irfullit mit gûten und di rîchen gelâzin in îtelkeit EvBeh Lc 1,53; EvAug 125,16; do sazte er noch zv ainen andern chneht ze senden. aber disn slvgen si avch also. vnd taten in hin mit smacheit vnd verliezen in in eitelkeit ebd. 191,25. 191,23    2 ‘Nichtigkeit’, christl. wertend für Vergängliches, weltliche Freuden: es ist eitelchait aller eitelchait vnd alle ding sind eitelchait [ vanitas vanitatum omnia vanitas Ecl 1,2] . das ist: alle ding sind zergënkchleich vnd vnstët SchlierbAT (LS) 1,141. 1,146; VAlex 23; vil gar virliezen sie do / unnutze wort und itelkeit [belangloses, leeres Geschwätz] Vät 2441 u.ö.; di bat si ummer mere / mit druwelicher lere, / daz si nach ir bescheidenheit / uf geben uppege idelkeit Elis 2028. 2038; der [der beten will] sol den rúggen haben gekert allen zitlichen und usserlichen dingen und [...] von aller italkeit, es si kleider oder kleinoͤter Tauler 154,30; BrHoh 43; Pass I/II (HSW) 18041; Mechth 3: 21,59. 4: 18,45. wërltliche/ der wërlde ~ : die weltliche italkeit der herzen mit aller affechtiger gelust an allem dem das creatúrlich ist Tauler 235,6; Vät 41472; prufet ouch sinen zuchtigin kuschin mut, daz her siner fridelin nicht ensante sulch kleinote daz si zu wildekeit unde diser werlde itelkeit gereizen mochte Köditz 27,18; HvNstVis 275; Vät 32802. – Hinwendung zu Nichtigkeiten: der geistlîche ernst gêt den mittern wec zwischen der îtelkeit unde der ungeordenten trûrikeit unde haltet daz herze in andâht gên gote DvASchr 319,10; ob sî [angehende Ordensbrüder] des niht entêten [das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser lernen] unde daz durch ir îtelkeit versûmeten [ si vero addiscere neglexerint ] , sô sulen sie bûzen mit drîn tagen StatDtOrd 61,24; Mechth 5: 19,5; HlReg 15,1; Tauler 221,35    3 ‘Vergeblichkeit, Wirkungslosigkeit’ ditz volck eret mich mit den lebsen [Lippen] . aber ir herze ist verre von mir. aber in eitelckeit so übent [verehren] si mich [ in vanum autem me colunt Mc 7,7] si lerent lervnge vnd gepote di menschen. wan si lazzent di gepot gotes. vnd haltent di gesetzvnge der menschen EvAug 93,11

MWB 3,1 21,6; Bearbeiter: Richter

îtellich Adj. , -lîche Adv. adv. auch -lichen. ‘nichtig’ 1 ‘bedeutungslos, vergänglich’ (nicht an christlichen Werten ausgerichtet)
2 ‘vergeblich, wirkungslos’
   1 ‘bedeutungslos, vergänglich’ (nicht an christlichen Werten ausgerichtet): an die gotes ere / hiez er mit steter liebe in varn / und vlizeclichen sich bewarn / vor itelichen eren Vät 5687; TvKulm 4079; in rechter eynvalt innenclich, / mit demut und nicht ytelich Hiob 5012; di bosen, unholden / [...] itellichen als der wint / gar sichtelich sich ab strichen / und von gote hin dan wichen ebd. 12946; Mechth 6: 12,13; Pass I/II (HSW) 14794. – ‘leichtfertig’ ob er von uns hat vernumen / ein gebot daz itelich entgat, / daz heltet sines herzen rat / volkumelich vor ein gebot, / als ob ez in selbe hieze got Vät 2821; daz imant gotis namen unnutzlichen adir itellichen in sinen munt neme adir keine snode wort spreche Köditz 20,14. – ~ wort: der meister sine wort entpfie / als vur iteliche wort, / swaz er der hete alda gehort Pass I/II (HSW) 5111; schimpf und iteliche wort Pass III 7,45; unnutz unde iteliche wort Vät 25245    2 ‘vergeblich, wirkungslos’ ein kung ane kungrich / der hat den namen itelich PfzdHech 351,17; in deme ist godis gnade itilliche di icht me bekennit oder minnit dan got, daz he nicht bekennit oder minnit durch got Parad 32,38; und îtelîchen ûbin [verehren] si mich [ in vanum autem me colunt ] lêrinde di lêre und gebîtende di gebot der lûte EvBeh Mc 7,7

MWB 3,1 21,61; Bearbeiter: Richter

îtellîcheit stF. ‘Nichtigkeit’, christl. wertend für vergängliche Dinge, weltliche Freuden und die Hinwendung zu diesen (s.a. îtelkeit ): ‘vanitatum vanitas / et omnia vanitas.’ / daz quît: iz ist alliz ein îtelicheit, / daz di sunne umbegeit SAlex 25; die vogele bezeichen die hohmutigen die da vliegen mit den vluͦgelen des ruͦmes vnd der ytelicheit PrLpz (L) 56,34; wane ir sit irlost von gotis genaden. so sult ir im singen nvͦwen sang [...] iz ist ein vngelich sang den man singit zv tanze durch itelicheit ebd. 135,7

MWB 3,1 22,25; Bearbeiter: Richter

îtelmachærinne, -mecherinne stF. Frau, die Männer verführt: îtelmecherinne [...] machent manigez îtel aller der liebe, die ez ze gote unde ze sîner sêle haben solte PrBerth 1:337,22; daz sint meide îtelmecherinne, die sich pflanzent [schön machen] alle zît, wie sie einen dar zuo bringen, daz er aller sîner sinne nâch ir vergezze, unde machent es [...] mit rede, mit gebærde, mit gewande, mit tanzen unde mit sô getâner îtelkeit ebd. 1:337,25. 1:176,10 u.ö.

MWB 3,1 22,36; Bearbeiter: Richter

îtelschaft stF. ‘Nichtiges, Nichtigkeit’ der welte gnâde ist trügenhaft, / ir schœne zierde ein îtelschaft, / ir vinster lieht nicht liuhtet Tougenhort 678

MWB 3,1 22,46; Bearbeiter: Richter

îtelsîn stN. (?) îtel Adj. 1.3.1

MWB 3,1 22,50;

îtelunge stF. ‘Nichtiges, Nichtigkeit’ wan Job sine hoffenunge / nicht wante zu der ytelunge / noch zu werltlichem gelucke Hiob 7606

MWB 3,1 22,51; Bearbeiter: Richter

iteniuwe Adj. ‘wieder neu, ganz neu’ nu sult ir horen sunderbar / itniweu mære Rab 522,5; an dem vierden morgen ze hove si dô riten. / iteniuwiu kleider, ze wunsche wol gesniten, / truogen an die geste Kudr 430,2; ein iteniuwez herzenleit Neidh WL 32:5,12; ietweder lant verdarp / von der itniwen hêrschaft Ottok 12013; Mai 176,6; TrudHL 90,3. – subst.: du mowis mich allen disen tac / mit itenuwim mere / dan du ie getatis herre Roth 2135. – ‘immer neu’ er kunde geben guote ræte, / er was bescheiden unde stæte, / an rehten dingen iteniuwe, / er was gescheffec unde getriuwe LvRegFr 3196; swenne under vriunden geschiht / dekeiner slahte zornelîn, / sô ist triuwe ie dâ diu süenærîn, / vrisch und iteniuwe Tr 13071. – ‘wechselhaft, unbeständig’ sîn zuht diu was manicvalt, / er was stæte, er was getriu, / den vriunden sleht [schlicht, aufrichtig] , niht iteniu UvLFrd 9,2; zwiu welt ir, daz siz tæte [dass Frau Minne das tun sollte] , / daz si Tristanden nôte / zweier hande ŷsôte? / ez schuof ir untriuwe; / si ist gerne iht niuwe [La. iteniwe ] UvTürhTr 242

MWB 3,1 22,54; Bearbeiter: Richter

iteniuwe stF. ‘Unbeständigkeit’ sust kan ez [ spil ] alle untugent suchen, / saumen und stete iteneuwe, / argwan und afterreuwe Jüngl 327

MWB 3,1 23,12; Bearbeiter: Richter

iteniuwen swV. ‘etw./ jmdn. (sich) erneuern, wieder neu machen’ iargelich iteniwet er [die Schlange] sich unde lât sîne alte hût Spec 101,10; sich iteniuwete sîn kraft UvZLanz 2587; MillPhys 130,1; Tund 1026; Rol 1900; dô muost er im iteniwen [wiederholen] , / [...], / alle die geschiht mit rede, / diu dem von Brezlâ was geschehen Ottok 22203; swaz man in solde machen sleht, / an ir gewonheit und ir reht / bezzern unde iteniwen ebd. 14251; Wernh D 2696; SüklV 410. – bezogen auf die Erneuerung des Menschen durch das Erlösungshandeln Gottes: also er [Gott] uns vor worhte, / wil er unsich iteniuwen AvaLJ 211,3; von sinen veterlichen triwen / er [Christus] wolte vns itenewen Wernh A 4576. 2724; TrudHL 45,12; daz [Abendmahl] sal itenuwe / mit geistlicheme gebuwe / alle tage di cristenheit Glaub 1049; PrLeys 15,30; MillPhys 136,2

MWB 3,1 23,15; Bearbeiter: Richter

iteren swV. hier ittern. ‘etw. wiederholen’ von erst doch Helyu so vort / ittert hy etteliche wort / dy Job da vor gesprochen hat Hiob 12184; dorumme daz got czeymal spricht, / er ittert anderweide nicht ebd. 12406. 12400

MWB 3,1 23,33; Bearbeiter: Richter

iterücken, iterucken swV. auch mit ge- präfigiert ( BdN 115,22 ), nasalisiert intrucken ( DvAStaff 136 ). ‘(etw.) wiederkäuen’ (vgl. itekouwen ): in den vodern [Magen] legent si daz ezzen des êrsten unz ez dar inn derwaicht, sô nement si ez dann her wider und kewent ez dann anderwaid, und daz haizt ydrucken BdN 13,31 u.ö. (auch subst.); diu rechgaiz ist ain rainę uehe [Tier] , wande si wahsiu ougen hât unde gespaltene uuͦze hât unde iteruͦcket ir phruͦndę TrudHL 112,17; dâ von gebôt unser herre in der alten ê, swaz vihes niht idrokete, daz ez unreine wære PrAlbLesem 236; RvEWchr 12866; HeslApk 8429. – übertr.: die salmen er iteruchte, / als daz fuoter tuot daz vihe Serv 3274; hie zwischent sol si dv́ gottis wort kv́wen vnde in trvken mit deme gebette vnd svͤzzekeit dar vs mit arbeiten svgen DvAStaff 136; TrudHL 112,22

MWB 3,1 23,38; Bearbeiter: Richter

iteslich Indef.-Pron., Pron.-Adj. ieteslich

MWB 3,1 23,56;

itewîʒ, itewîʒe stMFN. auch ede- ( BrEb 7; PrHess 37,212 ); selten im Pl. ( PrOberalt 73,5 ); eindeutige Neutra nur als Übers. von lat. opprobium ( PsWindb 14,3; PsTr 38,14. 43,14. 77,72 ). 1 ‘Tadel, Vorwurf; Schmähung, Spott’
1.1 allg.
1.2 âne / vrî vor ‘tadellos, makellos’
1.3 von (körperlicher) Misshandlung ‘Leid, Qual’
2 ‘Schmach, Schande’
   1 ‘Tadel, Vorwurf; Schmähung, Spott’    1.1 allg.: ir red ist fluͦchen, itwis SHort 883; dú itewize muͤste gan / mit murmil in ir leide / uber die gebroder beide / [...] / si leitin gar die schulde uf sie RvEWchr 14111; zehant sy [meine Zunge] vil sere viel / in fluechen und in schelten; / mit itwicze begunt sy gelten / vil ungezogenleichen / und gar uncheuschleichen HvBurg 3858; die juden cherten allen irn fleiz / an spot unt an itwiͤz GvJudenb 1914; KvHeimUrst 1255; Tr 1491. 14119; mahtû der menscheit iht gefrumen / âne der gotheit idewiz [ohne, dass Gott dir etwas zum Vorwurf machen könnte] , / – an dem deil dich niht vergiz – / sô sal iz allez vollengân Erlös 747    1.2 âne/ vrî vor ~ ‘tadellos, makellos’ diu nase was wol geschicket, / [...] / die zene gar âne itewîz, / schœner dan ein helfenbein Flore (P) 6900; dü süsse fruchtt [gemeint ist eine Dame] on iettwisz, / an die gott laitt sinen fliss GTroj 8721; ûz in allen / ist er erwelt ân itewîz LvRegSyon 1929; PrHess 37,212; SM:UvS 28: 3,12 = RvZw 211,12. div maget w̌hse mit eren / an aller slahte itewîz Wernh D 1105; im wart gar rîche zûberiht / ein karrotsche, dar in ein kuniclich siz / âne armût itewîz, / als ez sîner wirde zam Kreuzf 6518. dâ saz frou Scham diu reine fruht / frî vor itewîze, / von der man seit daz ir genuht / für alle tugende glîze KvWKlage 11,2    1.3 von (körperlicher) Misshandlung ‘Leid, Qual’ dô tet er ir mit flîze / manig itwîze, / des laides nedûht in niht genuoch: / mit der vûste er si in den munt sluoch, / daz sie niene mahte sprechen Kchr 12336; wie sy grosse iettwisz / von hertten schlegen hett gedoltt GTroj 12736    2 ‘Schmach, Schande’ sin [Christi] dot nam uns von itwiz, / sin sterben waz der helle biz HvNstGZ 1951; die drye frowen und Paris / sachend der ritter ietwise GTroj 8338; sô chumt uns dû gotes chraft / [...] / unde genimt den itewîz von sînem namen, / daz wir unsich sîn nîmer geschamen JJud 931; WvRh 192; HeslApk 5054. – von Personen: bezzer ist, daz wir got in der vanchnusse dînen / danne wir daz leben vor durste verlîsen / unde wir ein itewîz werden / allem dem daz lebet ûf erden / sô wir unserû chint vor unsern ougen sehen sterben! JJud 889; jch bin ein worm vnd nit ein mensche, edwiz der lude [ obprobrium hominum Ps 21,7] vnd verwurfnisse des volkes BrEb 7; ich bin ein wurm, ein mensche niht, / ein itwîz menschen gesiht RvEBarl 2854. – im Zusammenhang mit dem Sündenfall: ich nu muoze schrîben / von ir [Maria] diu allen wîben / den [La. die ] itewîz hât benomen, / daz der tôt was bechomen / von dem êrsten wîbe [Eva] in die werlt Wernh 9; daz her [Adam] beiz den biz; / der wart ein ewic itewiz / al menschlichem kunne HeslApk 1702 u.ö.; Renner 185

MWB 3,1 23,57; Bearbeiter: Richter