i – ie|besunder (?) ieclich – iemerkæse iemerkuo – iersch iertes – iewëdersît iewelich – ihten (?) ihtesiht – îlunge im – in in – în bezûnen în biegen – în brëhen în brîden – inder(t) in dës – inelende în enthalten (?) – ingebër în gebërn – ingesigelde ingesinde – in guot în gürten – în houwen inhûs – în lâʒen înlâʒunge – în lûchen în luogen – inne halten în neigen (?) – innergewant innerhalbe – inniclich innigen – în rüefen în rüeren – inschrift în sëgenen – în slahen însleich – în springen în spruʒʒen (?) – interpretieren intestîn – în twingen în ünden – în vleischen învleischunge – înwander inwaner – în wischen în wîsen – ipocrisis ipocrite – irhalp irhære – irregunge irrehaft – Ir|rîche irricheit – îsenbû îsendach – îsenkaste îsenkëc – îsensacroc (?) îsenschûfel – îserîn îserkleit – isôpe isôpensaf – îtelhant îtelinc – itwinde iu – îwînboum
|
îper
stF. (?)
‘Ulme’
→
Îper
MWB 2 1968,28;
Îper
Subst.
‘Ypern’, durch ihre hochwertigen Stoffe bekannte Stadt in Flandern:
dô gap man im kleider an, / von Îper daz beste, / daz ieman dâ weste EnikWchr
22473;
Iper und Arraz / schrîten flæminge [als Schlachtruf]
Wh
437,14;
ŷper unde Gent Ottok
63783.
– als Bestandteil eines Wortspiels mit dem homophonen îper
‘Ulme’ (vgl. Marzell 4, Sp. 905f.) und dem homophonen Gegenpaar, der Stadt ‘Huy’ (Hoye) und ‘Heu’ (höue, Dat.):
ich wânde ein wîb von Iper haben funden, / dô ich êrst ersach die minnenklichen –, / nu swachet sî an êren zallen stunden, / daz ich sî ze Hoye wil gelîchen SM: UvB
4: 2,1
MWB 2 1968,29; Bearbeiterin: Baumgarte
îpersch
Adj.
‘aus Ypern stammend’
daz ist ginthisch [aus Gent] gewant unde ypirsch unde broslisch [aus Brüssel] gewant StRFreiberg
252,4;
swelch man hât ein stükke scharlachnes [Tuch] , der scol iz verschozzen [versteuern] vor sechs mark; ein geverwet tûch vor vier mark; ein iunk [neues] ypersch, ein pöpersh [aus Poperinge] , ein nebelsh [wohl aus Nivelles (Belgien)] , ein trîresh tûch vor zwû mark UrkZeitz
20
(a. 1322)
MWB 2 1968,42; Bearbeiterin: Baumgarte
ipnapp
swF.
eine giftige Schlangenart (vgl. MlatWB 4,1183 s.v. hypnalis):
von der ipnappen. ipnapis haizt ain ipnapp. daz ist ain slang, diu zeuht ir art von der slangen, diu aspis haizt [...]. diu ipnapp hât die art, daz si die läut peizt und hekt und dar nâch werdent die läut slâfend und sterbent mit dem slâf BdN
272,2.
272,5
MWB 2 1968,51; Bearbeiterin: Baumgarte
ipocrisis
Subst.
‘Heuchelei’ (vgl. MlatWB 4,1185 s.v. hypocrisis):
sus sprach er [Christus] sine iungern ane: / ‘gewarnet vor dem hefel [Sauerteig] stant, / den pharisey ab yn gelant, / daz ist ypocrisis genant [Lc 12,1]
EvStPaul
8182
MWB 2 1968,58; Bearbeiterin: Baumgarte
ipocrite
swM.
‘Heuchler’ (vgl. MlatWB 4,1185 s.v. hypocrita):
so sullet ir nicht trurek syn alse dy ypocriten, wen sy offenbaren er antliczce uf daz daz sy vastende schynen vor den luten [vgl. Mt 6,16]
EvBerl
18,24
u.ö.;
ein volc ist in der kristenheit, dem Got noch swinder vluochet: / ipocritê, / der büezen - schœne pharisêi! - nimmer Got geruochet. / sô wê in, wê, / sie tragen alle in irme herzen bitter gallen / und in ir munde honichseim Rumelant (R)
4:12,6;
PrHess
22,25.
53,274
MWB 2 1968,63; Bearbeiterin: Baumgarte
ipomites
stM. (?)
ein Fabeltier:
alsus sagt die krônike mir, / ipomites sî ein übel tier, / vür alle tier ungehûr, / grœzer vil dann kein ûr, / hinden ros, vorn ein ber: / der liute tôt ist sîn ger. / ez schiuhet vels noch den ronen, / ez kan ouch in dem wazzer wonen, / wenn ez sîn art des twinget / daz ez von walde ringet, / dar inne ez craft enphâhet UvEtzAlex
25560;
ipomites und starke würme / kâmen gegen in ze stürme ebd.
21513
u.ö.
MWB 2 1969,9; Bearbeiterin: Baumgarte
iquedir
Indef.-Pron., Pron.-Adj.
→
iegewëder
MWB 2 1969,18;
ir
Pers.-Pron. 3. Sg. Mask.
→
ër
MWB 2 1969,19;
1ir
Pers.-Pron. 2. Pl.
‘ihr’
(zum Sg. s.
dû
; vgl. auch das dualisch-pluralische Pron.
2ëʒ
)
1 Deklination und Form (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2 § P 18, 20-22, 27f., 33-36 u. WMU 2,945) 1.1 Nom. 1.2 Gen. 1.3 Dat. (Überschneidung mit Formen des Akk. iuch ) 1.4 Akk. (Überschneidung mit Formen des Akk. iu ) 1.5 Klitisierung (vgl. 2
5 Mhd. Gr. § E 21) 2 als Anrede einer Gruppe 3 als Anrede einer Einzelperson (ehrerbietend-höflich, aber auch distanziert; zur Sache Ehrismann, Ehre und Mut, S. 55-60 mit weiterer Lit.; vgl. auch duzen und
irzen
) 4 in reflexiver Funktion 4.1 Akk. 4.2 Dat. 5 zum relativischen Anschluss ‘(ihr,) die ihr’ (vgl. 2
5 Mhd. Gr. § S 115) 6 in Verbindung mit sëlp
1
Deklination und Form (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2 § P 18, 20-22, 27f., 33-36 u. WMU 2,945)
1.1
Nom.:
ir Herb
218;
iͤr Konr
1,20;
ie JenMartyr
37;
er Rol
1475;
her Roth
1979
1.2
Gen.
(Überschneidung mit dem unflekt. Poss.-Pron.
iuwer
):
iuwer KLD: Kzl
1: 6,14;
iwer Parz
239,29;
vver Roth
190;
ower Brun
499;
eur Konr
22,36;
uwerer Apostelgesch
2,38;
uwirre EvBerl
28,3
1.3
Dat. (Überschneidung mit Formen des Akk. iuch):
iu Eckh
5: 431,1;
vͥ Litan
727;
u Rol
837;
û PrMd (J)
350,2;
iuwe Gen
1945;
îuv JPhys
2,34;
eu BdN
491,22;
iuch KLD: GvN
48: 4,2;
evch ReinFu
K,1418;
vch Herb
2372;
uͮch Lanc
78,26;
huch Roth
1017;
ouch EvBerl
142,11
1.4
Akk. (Überschneidung mit Formen des Akk. iu):
iuch AvaJG
32,2;
iͤvch Konr
5,40;
uͤch WüP
106,5;
evh VMos
7,14;
iuh Eilh
R,3455;
íuuih Will
85,3;
iuwech JPhys
16,16;
uch Lanc
4,7;
ûh PrMd (J)
350,2;
ug MarldA
31;
ouch EvBerl
69,15;
iv Spec
6,16;
u GrRud
βb 14;
v Herb
2704
1.5
Klitisierung (vgl. 2
5Mhd. Gr. § E 21):
ruocht irs daz i’uch küssen sol Parz
83,15;
als ichz iu ’nbiute ebd.
208,29;
als iz [
ir ez
] da vor hat gehort Herb
2786;
von derr [
der ir
] hat vernvmen ebd.
13118;
nu suldi [sollt ihr] hoiri Mühlh
114,14;
guot man, wane gânder [
gand ir
] ? Priesterl
82;
herre, sælic sîter [
sît ir (: ritter)
] ! Helbl
8,342;
wes vrâget ir? iust [
iu ist
] doch wol kunt, / waz ich hie wirbe Tr
6256;
uindet in dort, da ivn [
iu in
] niemen genemen mac Spec
141,6;
wer gap iun [
iu den
] ritter wunden? Parz
138,30;
ich gan ius wol Eracl
593;
sage mir dâ mite durch waz got iuwez verbute Gen
326;
wie mîn herze hin ziu stât Tr
14772;
wir sprahen hin zuch beiden samt, / zuch herren Litan
958
2
als Anrede einer Gruppe:
diz mugit ir wol hôren VAlex
11;
der fride si mit úch! Lucid
101,23;
ewever [euer] werde menege / di erden sult ir besitzen VMos
7,10;
WüP
106,5.
– in Verb. mit explizierender Nominalphrase:
iuch zierent, / ir jungen, niht âne vlîz! SM: WvT
3: 1,12;
wol ir mine uil liebin Rol
87;
des biten wir sundere / vͥch heiligen marterere Litan
691;
vch romere ich genade mane Athis
Ac 44;
jir herren, da waren die barvuͦzen vnd die bredier in ein gewonheit komen UrkCorp (WMU)
902,39;
PrBerthKl
4,22;
Eckh
5: 115,17
3
als Anrede einer Einzelperson (ehrerbietend-höflich, aber auch distanziert; zur Sache Ehrismann, Ehre und Mut, S. 55-60 mit weiterer Lit.; vgl. auch duzen und
irzen
):
wir sulen uch [
herre
] alle sin under dan Roth
143;
durch daz nenne ich iuch vriunt min, wande ich iu chunt sol sin AvaLJ
124,3;
hort ir diz, her Ercules? Herb
264;
MF:Mor
34: 2;
Iw
125;
ReinFu
K,142
4
in reflexiver Funktion
4.1
Akk.:
fröit iuch, kint, der lieben zît / und der wunneklichen mære! SM: JvW
3: 1,7;
ir gehabet iuch hiute ubile, iz nezâme nieht adale Gen
1940;
nu nesumet iuch langer nieht! AvaLJ
68,1;
zwâr, ir solt iuch baz bedenchen SM: WvH
2: 1,5;
UrkCorp (WMU)
938,19;
JPhys
2,33
4.2
Dat.:
vürhtet iu nimê Tr
10588;
erfurhtet iu niht! KvFuss
1363;
lât iu lingen KLD: UvW
29:2,5;
lat iu balde zouwe Reiher
118
5
zum relativischen Anschluss ‘(ihr,) die ihr’ (vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 115):
wol iu iemmir liebiu chint, ir mit mir hie bint SüklMill
32,1;
nû gêt zvͦ ir iuncvroͮwen, ir dâ nie mit girde gekusten TrudHL
11,5.
11,6;
swie ir denne vunden werdet, ir ivch ervallet, ir ivch ertreinchet, swie getanes todes ir sterbet, so gnest ir an der sêle Spec
2,10.
– konditional (vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 168):
ir v̂f stêt, ir iv nider leget, so sult ir den heiligen gloͮben sprechen Spec
2,7
6
in Verbindung mit sëlp:
wie sît ir selbe genant? Iw
5495;
nv bewainet ivch selben vnde ander svndære Spec
37,12;
habt iwer selbes bezzer war UvZLanz
575;
swenne v selber ist liebe, / so sendet boten vnde brefe Herb
1205;
wann mir nymans als wol gerichten mag als irselbe Lanc
392,35.
468,18
u.ö.;
MemMori
79;
Tr
18400
MWB 2 1969,20; Bearbeiter: Richter
2ir
Poss.-Pron.
(3. Pers. Sg. Fem. und 3. Pers. Pl.)
Zu Flexions- und Schreibformen s. WMU 2,945f. und 946f.; zur Entwicklung des Poss.-Pron. aus dem Gen. der jeweiligen Pers.-Pron., hier → sie/siu, und der allmählichen Differenzierung durch das Aufkommen flektierter Formen vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2 § P 256-266.
‘ihr’, zur Angabe der Zugehörigkeit zur 3. Pers. Sg. Fem. oder 3. Pers. Pl. (s.a.
sîn
)
1 attr. 1.1 mit vorangest. Art. 1.2 mit al, dehein/ kein 1.3 mit sëlp 1.4 mit koreferentem Dat. (vgl. 2
5 Mhd. Gr. § S 92 Anm.; Behaghel, Dt. Syntax 1,634-639), evtl. vereinzelt auch Gen. mit pleonastischem Poss.-Pron. (Bartsch/ Marti, Parz. u. Tit. z.St. 87,7) 2 subst.
1
attr.:
ir schœne, ir güete, ir gebâre / hânt mich ze tôde verwundet SM: HvT
1: 3,1;
iz waren iriu tougen rain vor gotes ougen AvaJo
1,7;
du bis muoder ires heren MarldA
99;
diu wirtîn zir gaste sprach, / daz ir liep wær sîn komn Parz
24,14;
si blibe innerhalb irs huses oder iͤrr hofereite WüP
44,4;
Roth
145;
RvEWh
8136.
–
von ir(en) wege(n)
‘von ihrer Seite, ihrerseits’
wer ouch, dat si oue jman van jren wegen dat virbrechen, dat hie beschriuen is UrkCorp (WMU)
196,25;
wand ez dîe ebtischin von iren wege vnd irs clohsters wege vnde her Philips an vns hant verlân ebd.
N109A,21;
von ir wêgen ebd.
2671,39.
2746,19
1.1
mit vorangest. Art.:
si wantin, daz iz wari / der ir heilæri ÄJud
22;
owi des ir uil schonin libes Roth
1214;
div perhtel sunne / uertribe daz genibele / uz dem ir gesidele Wernh
D 3848;
SEzzo
51;
SuTheol
276;
VMos
78,5;
Rol
876.
1031;
eins tags sah sie uß zu eynen fenster und sah eynen yren mag Lanc
22,19;
die jungfrau furt sie zu einer ir niffteln huß ebd.
589,33
1.2
mit al, dehein/ kein:
do wart becheret sant Elena mit alle iͤr svne, mit allen iͤr tohter Konr
5,59;
si smekket ein unbegrifliche suͤssekeit, die ir alle irú lider durgat Mechth
2: 19,56;
Lanc
20,34
u.ö.;
dú einikeit, dú da wesen ist des ersten ursprunges, dú ist daz selb wesen ire aller drier personen Seuse
185,22;
Rol
1218;
VMos
48,18;
MF:Reinm
34a: 5,4;
die zouberêre mochtin sie nicht irweckin mit deheinin irin liestin PrMd (J)
351,12;
auch ist gesetzt [...] daz der hie gesezzen fleischlehter keiner under in [denjenigen von außerhalb] ste noch sie hindern an keime iͤrm kauffe WüP
85,5;
nichein uri herri Mühlh
132,15
1.3
mit sëlp:
dîe der mit íro selbes blûote hímilrîche árnôto Will
52,28;
wand ich noch einer salben hân / die dâ Feimorgân / machte mit ir selber hant Iw
3425;
vnser herre, der lie si an ir selb brode erchennen, das sich nieman an sin selbes tugent darf lazzen Konr
19,21;
Wahrh
175;
KLD:UvL
26: 1,4
1.4
mit koreferentem Dat. (vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 92 Anm.; Behaghel, Dt. Syntax 1,634-639), evtl. vereinzelt auch Gen. mit pleonastischem Poss.-Pron. (Bartsch/ Marti, Parz. u. Tit. z.St. 87,7):
da ergienc der orse schelmetac, / dar nâch den gîren ir bejac Parz
387,26;
er [Keie] was ir fuore ein strenger hagel, / noch scherpfer dan der bîn ir zagel ebd.
297,12;
ich klage ûf der minneklichen / ir wolstênden rôten munt SM: Tr
1: 3,4;
so sal men einir kuninginne / ir botin minnin Roth
2036;
des werdent schœner [Laa. schonre, schonen
] vrouwen ir ougen rôt, ir herze kalt, / swan si ir werden lieben man dâ weiz in mortlîcher nôt RvZw
106,5
2
subst.:
nû uarent si mit gewalte / hinne heim an daz ire [zu ihrem Eigen = in ihr eigenes Land]
Exod
3003;
di sibenden [die siebte Art tugendhafter Leute] uben tugent umme got lûterlîchen alleine, und des iren dinne [ihren eigenen Vorteil darin] nicht ensuchen HvFritzlHl
114,14;
Constantînus spricht, sei daz ain fraw sitz ob des holzes [Amomum, ein Ingwergewächs] dunst, diu werd gesunt, ob ir wê sei an der iren [wohl euphem. für die Genitalien] , und daz pringt auch der frawen ir gewonhait [Menstruation]
BdN
357,8.
117,13;
Er
2856
MWB 2 1970,35; Bearbeiter: Richter
ir-
s.a. er-, ur-
MWB 2 1971,43;
irch
stMN.
entlehnt aus lat. (h)ircus
‘Ziegenbock, Bock’ (vgl. EWA 5,152-154);
auch
erch Renner
16570.
1
‘Bock’
2
‘weiß gegerbtes Leder’
1
‘Bock’
wir hân noch viere [vier als Ersatz für die verstorbenen Pflugtiere] , [...] / ein moin [Hengst, Wallach? vgl. Anm.z.St.] , ein irch, ein hirz, ein rint – alsus die viere sint genamt. / der hæte wir ze einer phlüege genuoc, wan daz uns irch an lanken ist verlamet WernhSpr (Z)
10,11
2
‘weiß gegerbtes Leder’
herr, seht ir die wîten hüet / mit irhen underzogen? Helbl
3,369;
temper daz [Pulver] mit dem wîzen des eies unde strîchz an ein irich unde lege iz alsô uber daz wange an die âdere Barth
139,19;
swelch schuoler lernet über twerch, / dem füeget vil baz daz er wîze erch / mit hundes miste könde beizen Renner
16570;
eruum: irh Gl
3:626,30
(BStK926);
pellis fracta: irih ebd.
3:662,27
(BStK287);
weitere Glossenbelege aus mhd. Zeit s. AWB 4,1706
MWB 2 1971,44; Bearbeiter: Richter
irchær
stM.
→
irhære
MWB 2 1971,62;
irchelrieme
swM.
‘Lederriemen aus →
irch’
die hohen wirde niemen mit senfte mac erwerben. / man sol den erhel riemen sniden dem, der swache wil verderben JTit
2691,2
MWB 2 1971,63; Bearbeiter: Richter
irchvël
stN.
‘weiß gegerbtes Leder’
sô hetens [Pelikane] unden an der kel / wîz als ein irchvel / einen goder [Kehlsack] wît und langen, / den sach man hin ab hangen Ottok
96185
MWB 2 1972,3; Bearbeiter: Richter
irdenisch
Adj.
1
‘irdisch, auf der Erde existierend, der Erde zugehörig’
1.1 allg. 1.2
‘der Erde verhaftet, weltlich, vergänglich’
2
‘aus Erde/ Lehm/ Ton bestehend’ (hier übertr.)
1
‘irdisch, auf der Erde existierend, der Erde zugehörig’
1.1
allg.:
der ewige gottessvn [...]
[wurde] der ewigir magede svn, sancte Marivn, ane irdisgin vatir, vffindir erde, andeme ende dir werelte PrWack
3,27;
chôme engegen uns elliu irdeniskiu diet [alle Völker der Erde] , / wir verzageten an der christenhaite niet Kchr
8458.
7675;
die irdenschen hohsten berge moͤgent nit enpfan die offenbarunge miner gnaden Mechth
2: 26,28;
Lanc
48,7
1.2
‘der Erde verhaftet, weltlich, vergänglich’
wir sîn diu armeste krêatûre unde diu jæmerlîchste, sündec, irdenisch, vol untugende unde brœdekeit DvASchr
360,6;
der do fri ist von irdenschen gedencken, der henget sich an die ding die gottes sint Tauler
426,14.
231,2;
es [
lîden
] machet uzzer einem irdenschen menschen einen himelschen menschen Seuse
251,2;
o geistlich namme, was du edel bist úber allen irdenschen nammen Mechth
5: 11,3
u.ö.;
irdenscher schatz KLD: Kzl
16: 8,10;
irdensch guot SM: JvR
1: 9,1;
die irdentsche ere HvNstGZ
587.
–
die edel mosse [
des menschen gemuͤte
] do got so wunneklichen inne solte wonen, die ist also entreint und entsúvert und also [...] vol stinkendes dinges und irdenscher fuler erden und mistes Tauler
149,21.
–
~
dinc:
nu han ich dich gevraget irdenscher dinge, dú du sihest und hoͤrest, und begriffest ir nit; wie woͤltest du denne begrifen daz, daz alles ertrich und himel und alle sinne úbertriffet? Seuse
293,17.
293,23;
ich segene mich ane underlas in minem herzen vúr allú irdenschú ding und bitte dich [Christus] , das du mich vor inen behaltist ungemenget Mechth
5: 21,8.
2: 13,3
u.ö.
2
‘aus Erde/ Lehm/ Ton bestehend’ (hier übertr.):
in des [Gottes] wîsheit alliu dinc edellîcher schînent denne sie sint in in selben; alsô in dem guldînen spiegele sint diu dinc guldîn, diu doch in in selben irdenisch sint, sô man sie dar inne schouwet DvASchr
360,33;
ôwê! wie sol ez ergân / sô wir daz stahel [das stählerne Reich; das vierte der Weltreiche nach Dn 2] müezen lân / und daz irdensche rîch behabe? RvEAlex
15625
MWB 2 1972,7; Bearbeiter: Richter
irdenscheit, irdischeit
stF.
‘Verfallenheit, Anhänglichkeit an das Irdische’
so wirt menschlicher sin als gar versoͮffet und von irdenscheit ze einer geistlichen und engelschlichen glicheit verbildet Seuse
310,1;
so dez [die Reinigung durch das göttliche Licht] dem menschen in zit ieme werden mag, so im ellú irdeschheit ieme enpfellet, und daz untoͤdemklich kleit dez kúnftigen iemer werenden liehtes ieme wirt geeigent in einer verdrossenheit aller zitlichkeit ebd.
390,21
=
ebd.
472,4
MWB 2 1972,49; Bearbeiter: Richter
irdenschlich
Adj.
‘der Erde verhaftet, weltlich, vergänglich’
weist du, waz der sache was, / daz ich versmehete di palas / der irdenschlichen eren? Elis
7479;
si sulte keinen ruwen / nach zitlichen dingen han, / si solde ez alles varen lan, / versmehen sam ein krankes mist, / waz irdenslicher selden ist ebd.
6686
u.ö.
MWB 2 1972,60; Bearbeiter: Richter
irdic
Adj.
‘der Erde verhaftet, weltlich, vergänglich’
alse di himelesche [erg. Stadt] Jerusalem irhaben ist und gescheiden van deme ertriche, also sol der geistliche mensche irhaben und gescheiden sin van irdigen dingen HlReg
50,6.
–
diz [das Zu- und Abnehmen des Mondes] dutet irdichz gesprinc / unde bewegeliche dinc, / dar die stete cristenheit / uf mit beiden vuzen schreit HeslApk
16929
(oder zu irdisch? vgl.
irdisch gesprinc ebd.
9040
)
MWB 2 1973,3; Bearbeiter: Richter
irdîn, ërdîn
Adj.
1
‘aus Erde/ Lehm/ Ton bestehend’
2
‘der Erde zugehörig, weltlich’
3 dem Element Erde zugeordnet
1
‘aus Erde/ Lehm/ Ton bestehend’
der herre [König Archageloga, der aus einer Töpferfamilie stammt] phlag an allen haz / zcu nuczcin erdine vaz PfzdHech
264,12;
stecke sie [die Gans] in einen irdinen hafen, der enge si BvgSp
42;
dar nâch seiht man ez [den Sud] durch ain tuoch und tuot ez in erdein häfen BdN
340,5;
in kupfereinen oder in erdeinen kezzeln ebd.
480,35;
das vas, is si hulczin odir erdin Pelzb
132,35;
RvEWchr
35818;
RvBib
150,11;
Boner
77,8
u.ö.
– im Kontext der vier Weltreiche (Traumdeutung Daniels, vgl. Dn 2):
der kuninc Nabugodonosor gesach in sîme troume / ein bilde von der erden an den himel reichen, / dem was daz houbet guldîn [...] / die vüeze erdîn und îsenîn Rumelant (R)
4:1,7;
ein teil der vuze waren / von ysene vol varen, / daz andir teil irdin was Daniel
771.
830;
RvEAlex
15510;
Renner
9177.
9167
2
‘der Erde zugehörig, weltlich’
swie sie [Engel und Menschen] doch eben gliche varn / an eren und an werden, / jens geistlich und diz erden HeslApk
22594
3
dem Element Erde zugeordnet:
daz ertreich [...] ist gemischet auz den vier elementen: [...], war umb haiz wir ain erdisch dinch wäzeriger nâtûr, daz ander feureiner nâtûr, daz dritt lüftig, daz vierd erdein, seint si doch alleu auz den vier elementen sint gemischt? BdN
378,17.
303,1
MWB 2 1973,13; Bearbeiter: Richter
irdisch, ërdisch
Adj.
auch iersch (
PrSchw (St)
5,260
).
1
‘irdisch, auf der Erde existierend, der Erde zugehörig’
1.1 allg. 1.2 oft in übergreifender Perspektive ‘der Erde verhaftet, weltlich, vergänglich’ , teilweise explizit im Kontrast zu himelrîch/ himelisch o.ä. (s.a.
wërltlich
) 2 dem Element Erde zugeordnet
1
‘irdisch, auf der Erde existierend, der Erde zugehörig’
1.1
allg.:
ich [Gott] gibe ev [Adam und seinem Geschlecht] algeliche / dev irdishen riche / svasso an der erden / lebentiges werde / daz si dir allez undertan VMos
7,11;
ane we die reine [Maria] / gebar got eine. / sus wart er kleine / durch uns mensche unde erdesch gast Meissner
19:1,12;
der bâbest ist ein irdesch got / und ist doch dicke der Rômer spot Freid
151,23;
AvaLJ
48,2;
Parz
347,6;
UrkCorp (WMU)
93,11.
–
wer mich nuͦ hoͤr mit synnes or, / der spreche mir ein irdischen grus / der ußerwelten frawen suß [der als engelsgleich angesprochenen Minnedame] , / die da luchtet fur die sterner: / so gewert sie mich dez gerner Minneb
1683
1.2
oft in übergreifender Perspektive ‘der Erde verhaftet, weltlich, vergänglich’, teilweise explizit im Kontrast zu himelrîch/ himelisch o.ä. (s.a.
wërltlich
):
der synes schopffers willen thut der ist nit irdisch, er ist hymmelisch; wie sin lip off ertrich sy, so ist doch sin geist in hymmelrich Lanc
248,8;
swaz man toͮt in den irdisscen salen, daz wirt allez an uns in geistlichem gecimbere eruullet Spec
131,1;
mit der jrdischen zergænchlichen werlt elliv irdischev dinch vnstæte vnd zergænchlich sint UrkCorp (WMU)
1087A,29;
ertsche vreude MinneR 481
787;
Lucid
51,11;
StatDtOrd
24,2;
Eckh
5: 113,6.
–
~
dinc:
vil luͤte [...] suͦchent in ainem tail irez herzen got. mit dem andern tail so suͦchent si die welte. unde alliu ierdeschen dinch PrSchw
2,11;
daz sint die fuͤmf sinne die sich an irdischeu dinch verlazzen habent und goͤtlicher ding deheinn war nement PrOberalt
74,40
u.ö.;
UrkCorp (WMU)
N772,2;
PrBerthKl
5,79;
Mechth
6: 4,16
2
dem Element Erde zugeordnet:
welhez [
dinc
] aber gar swær ist und kalt und under sich zeuht, daz haiz wir erdischer nâtûr BdN
378,26;
der êrsten lai [die erste Art Wein] ist wäzrig und dünn, der ander erdisch und dick, der drit hât ain mitel under den zwain ebd.
351,32
u.ö.
MWB 2 1973,40; Bearbeiter: Richter
irdischeit
stF.
→
irdenscheit
MWB 2 1974,17;
Ire
M.
‘Ire, Bewohner Irlands’ (s.a.
Irlandære
):
do chom der helt Samson: / er sluͦc Scarpulon, / den chunc uon den Iren, / uil nahen sinem libe, / daz im daz pluͦt uz den ougen spranc Rol
5103
MWB 2 1974,18; Bearbeiter: Richter
irend
Part.Präs.
→
ern
MWB 2 1974,22; |