i – ie|besunder (?) ieclich – iemerkæse iemerkuo – iersch iertes – iewëdersît iewelich – ihten (?) ihtesiht – îlunge im – in in – în bezûnen în biegen – în brëhen în brîden – inder(t) in dës – inelende în enthalten (?) – ingebër în gebërn – ingesigelde ingesinde – in guot în gürten – în houwen inhûs – în lâʒen înlâʒunge – în lûchen în luogen – inne halten în neigen (?) – innergewant innerhalbe – inniclich innigen – în rüefen în rüeren – inschrift în sëgenen – în slahen însleich – în springen în spruʒʒen (?) – interpretieren intestîn – în twingen în ünden – în vleischen învleischunge – înwander inwaner – în wischen în wîsen – ipocrisis ipocrite – irhalp irhære – irregunge irrehaft – Ir|rîche irricheit – îsenbû îsendach – îsenkaste îsenkëc – îsensacroc (?) îsenschûfel – îserîn îserkleit – isôpe isôpensaf – îtelhant îtelinc – itwinde iu – îwînboum
|
irre vliegen
stV.
‘orientierungslos umherfliegen’
die tauben habent auch die art, wenn si ain irrvliegend tauben vindent, die nement si in ir gesellschaft BdN
181,6
MWB 2 1986,7; Bearbeiter: Hansen
irre vüeren
swV.
‘etw. (sich) vom rechten Weg abbringen, in die Irre führen’
diu [Diana] daz selten ie verliez / si nefüere zallen stunden / jagen mit ir hunden / über berge und über tal. / [...] / waz gotinne was daz wîp / diu sus irrefuorte ir lîp? LBarl
11234;
vinster ist der heiden sin, / si enhabent niht êren under in, / ir girde ist unredelich, / ir fleisch irrefüeret sich ebd.
7494
MWB 2 1986,11; Bearbeiter: Hansen
irrewander
stM.
‘Umherirren, in die Irre gehen’
sô lieplichez kôsen / heten si ensamt, / daz ir herz verklamt / wurden zuo einander / âne irrewander Ottok
90330
MWB 2 1986,19; Bearbeiter: Hansen
irric
Adj.
1
‘vom rechten Weg abgekommen, verirrt, orientierungslos’ , 2 auf einem Irrtum beruhend oder in die Irre führend, ‘irrig, falsch’
1
‘vom rechten Weg abgekommen, verirrt, orientierungslos’,
übertr.:
als diz wandel geschach / an der collecten, die er sprach, / do wart er von eime andern, / geheizen rechte wandern, / wand er in irrec dachte wesen Pass III
411,49;
Paulus [...] / wolde allen zwivel underslan, / den einec mensche dorfte han / und lichte irrec wesen also ebd.
549,9.
–
‘unsicher, zweifelnd’
die sarke waren rich, / von silbere und wol gelich / gemacht an meisterlicher art. / hievon er vor irrec wart, / welch dirre were oder der Pass III
47,94
2
auf einem Irrtum beruhend oder in die Irre führend, ‘irrig, falsch’
als die [...] fuͤre [l. fuͤren
] mit grossen swinden arbeiten einen unrechten irrigen weg, der ze mole vinster und vol nebels were Tauler
183,21.
–
‘vermeintlich, scheinbar’
Marcus ditz anders vur gît, / er gicht iz wêr ze terzezît, / daz im [Christus] daz krûze wurde gericht, / Johannes zû der sexte spricht: / ditz ist ein irric underscheit JvFrst
7887
MWB 2 1986,23; Bearbeiter: Hansen
Ir|rîche
stN.
‘Irland, die irische Insel’ (s.a.
Irlant
):
ich [Hagen] bin von Irrîche Kudr
124,3;
Kûdrûn mîne swester die hân ich gesehen / und ouch Hildeburgen, die maget ûz Irrîche ebd.
1339,3
u.ö.
MWB 2 1986,43; Bearbeiter: Richter
irricheit, irrekeit
stF.
1
‘Störung, Beeinträchtigung’ (in der rechtssprachl. Wendung âne alle ~
) 2
‘Verirrung’
3 Ort, an den man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’ , bildl.
1
‘Störung, Beeinträchtigung’ (in der rechtssprachl. Wendung âne alle ~
):
so sind dv́ vorgenanten gvͤter den brvͦdern vnd huse von Honrein lidig vnd lere wider gevallen, vmbekv́mbert an alle ansprache vnd irrekeit UrkCorp (WMU)
2841,17
2
‘Verirrung’
do gesah der starche degin / ein hovescherin, ein schoͤne wip, / dú hate ein minninchlichin lip. / zuͦ der gie er und lag bi ir / durh sinis muͦtwillen gir, / als in sin irrecheit lerte RvEWchr
20926.
20031.
20997;
kain wandel nieman bieten / mir kan, des ich mich nieten / welle in miner irrekait WhvÖst
11565.
– bes. Verirrung in Glaubensfragen:
Sebastianus ein ritter was, / an tugenden gar ein spigelglas, / [...]; / von im wart maniger gelost / von alles zwivels irrekeit Pass III
101,1;
uns entpfa der engel diet / ewiclich zu beschirme / vor allem ungehirme [Unheil] / tuvelicher irrikeit Daniel
5973;
nu bekeret balde uweren mut / von des gelouben irrekeit Vät
38195.
1950;
KvWSilv
1561;
RvEWchr
21213;
NvJer
2159.
1539.
–
‘Irrlehre, Ketzerei’
wolt ir uch scheiden / von der abgote irrekeit / und treten an die cristenheit, / so wil ich uch min riche geben Pass III
492,31;
aldarinne bleib die rote / und warte gotes willen, / ob er da wolde stillen / diz lant von der irrekeit Pass I/II (HSW)
40455;
so rihsenot diu irrecheit, so truret elliu diu cristenheit AvaA
6,5;
HeslApk
14149;
RvEWchr
20538;
aus heidnischer Perspektive vom Christentum:
daz mich dîn wîslîcher trôst / tuo von der irrekeit erlôst, / die mîn sun von der kristenheit / mit irreclîchem muote treit RvEBarl
11532.
8058.
–
‘Verlockung, Versuchung’
der werlte süeze, ir irrekeit / hât in ir stricke mich geleit / daz ich dîn veterlîch gebot / hân übersezzen, süezer got UvEtzWh
43;
RvEBarl
15422
3
Ort, an den man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’, bildl.:
waz touc diu friuntschaft wilde, / die man an vremde liute leit? / si stêt in aller irrekeit / und lît in ungewisser habe KvWTroj
8678
MWB 2 1986,47; Bearbeiter: Hansen
irriclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen.
1
‘irrig, falsch’
2
‘ziellos umherirrend, orientierungslos’
3 wohl ‘entlegen, fernab der Zivilisation’ oder ‘unzugänglich, versperrt’
1
‘irrig, falsch’
irrichlich ist iur geverte! Gen
2165;
daz furben [die Säuberung] lit an usgetribenheit alles des, daz creatur ald creatúrlich ist nach ierreklichem hafte und begirde und kumbre Seuse
390,8;
sus kan der liumet [Leumund] irreclich / hûs in den lüften halten KvWTroj
24748;
RvEWchr
14808.
–
‘unangemessen, unpassend’
er [der als Frau verkleidete Achilles] wart gemerket unde erkant / durch sîne unvrouwelichen site. / er trat als irreclîche trite / und was sô rehte getelôs [ungesittet] , / daz man die wârheit an im kôs KvWTroj
28246.
–
‘irrgläubig, ketzerisch’
di irreclichen lere / di di ubelen livte lerent VMos
38,9;
aus heidnischer Perspektive vom Christentum:
daz mich dîn wîslîcher trôst / tuo von der irrekeit erlôst, / die mîn sun von der kristenheit / mit irreclîchem muote treit RvEBarl
11534
2
‘ziellos umherirrend, orientierungslos’
diu minne fremder geste / belîbet selten veste / und ist vil gar ze wilde. / reht als des gastes bilde / sich hôher stætekeite wert / und irreclichen umbe vert / dan unde dar, hin unde her KvWTroj
22136;
sôst hie zewâre wandel an, / daz dirre hêrlîche man, / [...], / daz der als irreclîche / von rîche ze rîche / sîne nôtdürfte suochen sol Tr
10017.
–
der spiegel sîner ougen [sein Blick] / vil irreclichen umbe swanc KvWTroj
27731
3
wohl ‘entlegen, fernab der Zivilisation’ oder ‘unzugänglich, versperrt’
sîn hol [die Höhle des Zentauren Chiron] stuont irreclichen dô; / wand ein rûhez pfedelîn / ûz einem walde gie dar în / durch stûden und durch brâmen [Dornensträucher]
KvWTroj
5892
MWB 2 1987,23; Bearbeiter: Hansen
irrizen
swV.
→
irzen
MWB 2 1987,56;
irrôt
stM.
→
irrât
MWB 2 1987,57;
irrtes
Adv.
→
irres
MWB 2 1987,58;
irrunge
stF.
1
‘das Sich-Verirren, Umherirren’
2
‘Verirrung, Irrglaube, Ketzerei’
3
‘Störung, Beeinträchtigung, Hinderung, Widerspruch’
4
‘Unsicherheit, Zweifel’
5
‘Irrtum, Fehlurteil’ (vgl.
irretuom
3 )
1
‘das Sich-Verirren, Umherirren’
ob etswer hede / ein hundert schaf vnd eins gedrede / an irrunge uz der rehter pliht, [
et erravit una ex eis Mt 18,12] / lieze er die nune vnd nunzig niht / vf dem gebirge vnd suchen gat / nach dem, daz da verirret hat? EvStPaul
169;
ym dan / vil grozer freude ab ym [dem verlorenen Schaf] erstat, / dan er von nun vnd nunzegen hat, / den kein irrunge wart erkant ebd.
177
2
‘Verirrung, Irrglaube, Ketzerei’
ez stent vf vil valscher christi vnd valscher propheten. vnd gebent grozz zeichen vnd wunder. also daz di menschen in irrvnge ingeleitet werdent [
ut in errorem inducantur Mt 24,24]
EvAug
60,12.
74,22;
her [der Evangelist Johannes] widertreip virleige irrunge, di virleige meistere hilden HvFritzlHl
159,7;
so was die andere part alda, / die hiezen Arriani, / den was vil irrunge bi, / die uz dem gelouben tragen Pass III
242,42.
356,4;
und denne vallent sú in gruweliche irrunge Tauler
14,14;
BdN
217,25.
377,25.
HvNstGZ
3507
3
‘Störung, Beeinträchtigung, Hinderung, Widerspruch’
iedoch von dem winnde chöment irrung unnd mißlich fraise [
impedimenta et diversa pericula
] in dem mere unnd auf der erden HvHürnh
18,6;
ir [sieben Künste] suͤlt mir [personif. Weisheit] machen einen wagen / uf dem ich erde und mer / uber var an alle wer [ohne Widerstand, ungehindert] , / und daz er durch die himel dri / ane alle irrunge vertig si HvNstGZ
786;
Sphera
64,30.
– bes. in der Rechts- und Urkundensprache (vgl. WMU 2,950 und DRW 6,330ff. mit differenzierter Gliederung und zahlreichen weiteren Belegen):
daruber verzihe ich mich als gewaltes, aller irrunge, aller ansprach, die ich mohte oder kúnde gehan UrkCorp (WMU)
1859B,29;
vmb die irrunge der strazze, di man dez gotshouses leuten tuͤt ebd.
695,38;
[die gemeinde soll den einungern
] beholfen sîn, ob sie von ieman stôz [Streit, Konflikt] oder irrunge angienge von den vor oder nâch geschriben gesetzeden und einungen StRDinkelsb
101;
in der Wendung âne (alle) ~
‘ohne Einschränkung, Widerspruch’
ane alle irrunge vnde widerrede vnser vnde vnser erben UrkCorp (WMU)
215,2
u.ö.
4
‘Unsicherheit, Zweifel’
swenne disiu [göttliche] wîsheit mit der sêle vereinet wirt, sô ist ir aller zwîvel und alliu irrunge und alliu dünsternisse alzemâle abe genomen Eckh
1:18,5;
alsô tut der heilige geist in der vornunft; her scheidet von ir alle irrunge und alle valscheit und allen wân und allen zwîvel und durchfûrit sin in blôze wârheit, alsô daz si nicht irren mac HvFritzlHl
129,38;
LvRegSyon
974;
Parad
128,8
5
‘Irrtum, Fehlurteil’ (vgl.
irretuom
3):
wann nu der vorgemelt arttikel yederman nit wol verstentlich gewesen und deszhalb vil irrung entstannden ist, umbe daz denne sölicher irrikait deszhalb nit mer nott tuͦn werde, so hautt ain michle raut [...] die sache also gesetzt und geluͤttert StRAugsb
142,4
MWB 2 1987,59; Bearbeiter: Hansen
irsale
stF.
→
ursal
MWB 2 1988,57;
iruele
Subst.
‘Lauf davon!’ (wohl ungar. Imp., vgl. Anm.z.St.; s.a.
ierwolieren
):
niht lenger si beliben, / si spilten iruele, / fusto mingele Ottok
5625
MWB 2 1988,58; Bearbeiter: Richter
irzen
swV.
auch
igizin Anno
28,7;
iecin Kchr
520(La.)
wohl unter Einfluss der mnd. Form des Pron. gi, je.
‘jmdn. mit ir anreden, ihrzen’ (ehrerbietend-höflich, aber auch
distanziert; zur Sache Ehrismann, Ehre und Mut, S. 55-60 mit weiterer Lit.), vgl.
duzen:
Rômâre in [Caesar] dô wol enphiengen
– / si begunden irrizen [La. iecin
] den hêrren. / daz vunden si im aller êrist ze êren, / want er aine
habete den gewalt / der ê was getailet sô manicvalt Kchr
520;
Anno
28,7;
‘[...] / du solt niht mêre irzen mich: / wir heten
bêd doch einen vater.’ / mit brüederlîchen triwen bater / daz er irzens in erlieze /
und in duzenlîche hieze Parz
749,18.
– subst.:
daz ir an uns iht brechet mit irtzen nahe sippe, do von schulden / dutzen iwer
munt mir solde bieten JTit
1771,2;
mit irtzen si do beide ein ander hohen pris begunden meren ebd.
1772,4
MWB 3,1 1,1; Bearbeiter: Richter
îs
stN.
auch
ihs Flore (P)
7210(La.).
‘Eis, Eisfläche, Eisstück’
1 allg. 1.1 mit unbest. Art. 1.2 als Spezialität, in einer Auflistung von Delikatessen 1.3 übertr. 1.4 phras. 2 in Vergleichen (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 233f.)
1
allg.:
daz îs und der vil kalte snê / begunde si dâ müejen
KvWTroj
24114;
die ander wize [Höllenstrafe] ist
so groz frost, der einen fúrinen berc drin wurfe, er muͦste zuͦ ise werden
Lucid
128,2;
[Zweige waren] behenket mit tropfen, / mit yse lank
gezapfet Minneb
4315;
ê sich daz îs zerlâze Ottok
9683;
KLD:Kzl
14: 2,8;
TundN
410;
ReinFu
K,729;
JTit
438,2
1.1
mit unbest. Art.:
wie stæte ist ein dünnez îs, / daz ougestheize sunnen hât?
/ ir lop vil balde alsus zergât Parz
3,8;
er [Daniel mit seinem Zauberschwert] hiuw den
stein als ein îs StrDan
3994
1.2
als Spezialität, in einer Auflistung von Delikatessen:
uf den âbent, ouch den morgen / den herren wolt
er [der Sultan] besorgen, / den edelen Ludewigen;
/ [...] / wilt, zam, edele vische, / von Damassô edele
phlûmelîn, / rein îs, den aller besten wîn / und waz sô nutzes mohte hân / der
tugentlîche soldân Kreuzf
7812
1.3
übertr.:
alzehant smilzt mins kalden herzen is
MarlbRh
2,15;
er [der himmlische Wind der
Gnade] brichet isinú hertzen, er zerfloͤsset gefrornes is
súntlicher gebresten, er ernúwert die sele Seuse
452,17;
in tiefem wâge ûf dünnem îse / wünsche ich, daz dîn geverte sî, / dar ûf
dîn last swære als ein blî RvZw
64,9;
wir volgen ein ander in blinder wîse / und gên ûf zwîfel trôstes îse
Renner
3380
1.4
phras.:
–
(ûf) ~ bûwen (TPMA 2,440f.) ‘sich auf etw. Unbeständiges
verlassen’
→
bûwen
8.3.3:
Reinolt
1:2,16;
Stolle
7,6;
Rumelant (R)
8:6,1
(vgl. auch
uf dunnez îs, / daz von sunnen hitze / hin smilzet,
âne witze / er ist, wer dir [der personif. Werlt
] getrûwet, / âne vesten grunt er bûwet Kreuzf
7634
).
– jmdn. ûf ein ~ leiten
‘jmdn. aufs Glatteis führen, täuschen, betrügen’ (vgl. TPMA
2,441):
zû hant dô Myndowe [...] daz vernam, / daz in
die Rûzen [mit deren milit. Unterstützung er gerechnet
hatte] alle wîs / hetten geleitet ûf ein îs / (daz sult ir
alsô verstân: / daz sie in wolden eine [allein]
lân / [...]) LivlChr
6494;
durch waz / wiltu vurbaz / mich uf ein is hie leiten? Pass
III
682,80.
–
ûf daʒ ~ volgen mit Dat. ‘sich von etw. blenden, täuschen
lassen’
den [
süeʒen worten
] volget ich unz ûf daz îs: / der schade muoz mir belîben
MF:Hartm
9:2,9
2
in Vergleichen (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 233f.):
ez [das vom Himmel gefallene
Marienbildnis] waz gestalt als ein is HvNstGZ
1669.
1678
(vgl. WernhMl v. 3045ff.);
glas var als îs Parz
490,17;
sehent ze gelîcher wîs / alsô dicke daz îs [La. ihs
] , / sô ez smelzen beginnet / und von der sunnen zerrinnet, / alsô
zergienc und zersleif, / dô er mannes muot ergreif, / sînes zornes galle
Flore (P)
7210;
zewâre ez was in beiden / diu vreude alsô tiure / sam daz îs in dem viure
Greg
650.
– bezogen auf die Glätte und Schlüpfrigkeit:
swer mir ist slipfic als ein îs / und mich ûf hebt in balles wîs /
sinewelle ich dem [werde ich ihm rund, d.h. zum Ball (vgl.
Wilmanns, Walth. z.St.)] in sînen handen. / daz sol zunstæte
nieman an mir anden Walth
79,33;
diu ander liebe [d.i. betwungen liebe, die nicht
von herzen kommt] sliphic ist / alsam ein îs,
dâ her dâ hin Winsbeckin
32,10.
– bezogen auf den Glanz:
[die Steine waren] kristallen lûter als ein îs
StrAmis
1003;
ir halsberge was vil gût, / wîz lûter sam ein îs En
8795;
Wig
4363;
UvZLanz
8063;
stahel lieht als ein îs Ottok
76105.
7240.
– bezogen auf die Kälte:
er [ein Edelstein] ist kälter
danne ein îs UvZLanz
8527;
wâ von kumt mir diu hitze? / mir ist ûz der mâzen heiz, /
ich entstên mich wol, daz der sweiz / kelter ist, danne ein îs
Eracl
2985;
als ein stein also hart / vnd als ein ys also kalt, /
er [Priamos beim Anblick seines toten Sohnes
Hektor] was vz siner gewalt, / bleich vnde missefare
Herb
10499
MWB 3,1 1,18; Bearbeiter: Richter
îs|ar
swM. , îsarn
stM.
in Glossenbelegen, vgl. AWB 4,1734 s.v. îsarn stM. und 4,1741 s.v.
îsaro swM.
‘Eisvogel’ (s. Suolahti, Vogelnamen S. 10 zu dieser Übers. von griech.-lat.
porphyrio
‘Purpurhuhn’)
s.a.
îsenvogel
,
îsvogel
MWB 3,1 2,30; Bearbeiter: Richter
îsbein
stN.
hier eyspûen.
‘Eisbein, Hüftbein’
sed iegermayster habet de iure precordia, prust, caput et collum et eyspûen,
et captura cervi finitur Jagdpredigt
72;
s.a. AWB 4,1741 mit mhd. Glossenbelegen
MWB 3,1 2,35; Bearbeiter: Richter
îsbërle
stswF.
(wie Eis glänzende?) Perle (s.a.
waʒʒerbërle
):
da clappende daz gesteine / mit den isperlin cleine / an den vorebougin
[Brustriemen des Pferdes]
Roth
4588
MWB 3,1 2,40; Bearbeiter: Richter
îs|eich
stF.
in Glossen des 13. Jh.s (s. AWB 4,1741f.), ‘Stecheiche’ oder
‘Traubeneiche’
MWB 3,1 2,44; Bearbeiter: Richter
isel
swstF.
→
insele
MWB 3,1 2,46;
îsel
F.
in verschiedenen Schreibungen isilla, ihsilla, issel.
‘gefrorener, hängender Tropfen, Eiszapfen’ (s.a.
ichel
,
îskachele
); in mhd. Glossenbelegen, s. AWB 4,1474 u. 1743f.; vgl. auch E. Rooth:
Bezeichnungen für ‘Eiszapfen’, Stockholm 1961, S. 35–45
MWB 3,1 2,47; Bearbeiter: Richter
îsen
stN.
‘Eisen’ (s.a.
îser
)
1 als Material (Metall oder Erz) 2 metonymisch in verarbeiteter Form ‘(Gegenstand aus) Eisen, Eisengerät’
2.1 überwiegend für eiserne Kampfausrüstung 2.1.1 eiserne Waffen, Eisenklingen oder -spitzen (Schwerter, Lanzenspitzen u.ä.) 2.1.2 Rüstung 2.2 Fessel, Kette(n) 2.3 Prägestock für Münzen, Münzstempel 2.4
‘Hufeisen’
2.5 weitere Geräte und Gegenstände 2.6 erhitztes, glühendes Stück Eisen zur Vollstreckung von Gottesurteilen und zur
Peinigung 2.6.1 beim Ordal, Gottesurteil 2.6.2 zur Peinigung 3 in Vergleichen 3.1 auf magnetische Anziehung Bezug nehmend 3.2 auf das Schmieden oder die glühende Hitze des Eisens Bezug nehmend 3.3 auf die Veränderung durch Erhitzung Bezug nehmend (vgl. TPMA 2,444-446) 3.4 Sonstiges 4 in Wendungen 4.1
~ (vr)ëʒʒen als Ausdruck für Kühnheit, Verwegenheit, Wut (vgl.
TPMA 2,449, s.a.
îsenbîʒ
) 4.2
nôt brichet ~
nôt
1
als Material (Metall oder Erz):
kupfir, er und messinc, / golt, silbir, stahil, isin
RvEWchr
535;
daz ist nu daz sibend stuck des puoches, in dem wir sagen
wellen von dem gesmeid. wan daz ist sibenlai: golt silber gunderfai kupfer zin plei
und eisen BdN
474,5.
479,15;
Tubalkein [...] waz der erste man,
der ie smiden began mit isene vnde mit ere [Erz]
Lucid
16,10;
RvEBarl
10049;
da man daz isen grebit SalArz
20,9;
bein, îsen unde stein Wig
6958;
SüklV
796.
– mit Präp. in Angaben zum verwendeten Material (mite/ von ~
):
die snebile [Schiffsschnäbel,
Rammsporne] wârin wêhe [schön] unt
gût, sumilîche ubir guldit, sumilîche mit silbere bislagin, sumilîche gemâlt,
sumilîche mit messinge oder mit îsine oder andirs vil wole gemachit PrMd
(J)
353,20;
swaz man stark und vest wil machen, daz machet man von isen
PrGeorg
327,27;
ein túr [...], die was von
ysen wol dicke das sie nymand gebrechen enkund Lanc
211,36
u.ö.
– spez. als magnetisches Material (s.a. 3.1):
von dem lande comet der stein, der daz isen uf hebet. der
stein heizet magnes Lucid
29,1;
der magnes und der adamas [...]
daz eisen an sich ziehent BdN
429,15.
451,20;
Volmar
336
2
metonymisch in verarbeiteter Form ‘(Gegenstand aus) Eisen, Eisengerät’
2.1
überwiegend für eiserne Kampfausrüstung
2.1.1
eiserne Waffen, Eisenklingen oder -spitzen (Schwerter, Lanzenspitzen
u.ä.):
Ayax sich wol werte; / er sluc sin brun ysen / hine
gein Parisen Herb
13967;
ob man ime iht geschaden mohte mit swerten oder mit
isen Lucid
153,1;
in de wunden greif eins arztes hant, / unz er des
spers îsen vant Parz
480,6;
syn glene was wiß, der schafft was kurcz und groß und
starck, das ysen was wiß und sere schnidende und starck und scharpff
Lanc
125,9;
Wig
4570;
BdN
160,7
2.1.2
Rüstung:
[der Löwe] lief ouch sâ den gânden man / vil
unbarmeclîchen an / und zarte im daz îsen. / man sach die ringe rîsen / sam
sî wæren von strô Iw
5379;
Wig
5112;
hier under hiez ouch ime diu maget / ir knappen
Paranîsen / sînen harnasch und sîn îsen / wîz unde schœne machen
Tr
10048.
6688;
sô balde nie gemâte / die bluomen und daz gras ein
meder, / sô vaste er îsen unde leder / verschriet mit sîme swerte
KvWTurn
914;
Herb
6906.
2627;
Rennew
29973.
– Ringpanzer für Pferde (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,100f.; s.a.
îsendach
,
îsendecke
,
îserkovertiure
):
drivalt hiez verdecken sin ors der furste kuͤne, / mit palmat
uberstrecken und isen druf, daz dritt ein samit gruͤne
JTit
1254,2;
tiwer phelle lâgen / ûf den ravîten, / die man ze
beiden sîten / über daz îsen het gestrect Ottok
15751;
vgl.:
ûf iegelîchez
[Streitross] zwô decke geleit / von îsen
und von pfelle Wig
10898
2.2
Fessel, Kette(n):
mit isene liez er [Kaiser Trajan] in
[Ignatius] besmiden Pass III
163,21;
Pass I/II (HSW)
26240.
19539;
daz man in in ŷsen oder in kerkere lege
StatDtOrd
85,34;
in den isenen ligen Pass I/II (HSW)
19877.
–
in/ mite ~ binden
‘in Ketten legen/ mit Ketten fesseln’
gebunten in armuͦte unde isen [interl. zu vinctos in
mendicitate et ferro
]
PsM
106,10;
izn wurde dir nimmer vergeben, / die wile dv hetest
daz leben, / vnd mvstez sin zv allen stvnden / mit ysen gebvnden
ReinFu
K,1216;
ich muse unz an minen tot / mit ysen gebunden gan
StrKD
111,33;
KvWEngelh
6161;
daz ros wart mit îsine gebunden, / alse daz dâ tobit
zallen stunden SAlex
294;
vgl.:
dô ieglîch grîf fliegend wart, / dô wart niht lenger
gespart, / er [Alexander der Große, der sich von den Greifen in
den Himmel tragen lassen will] hiez einen sezzel schôn /
bringen und mit sîner krôn / zuo dem sezzel zehant / zwô stark stang, die
man vant / und an den sezzel guot / der künic dô vil wol gemuot / hiez
binden mit starken îsen [mit Eisen(-ketten?)
befestigen]
EnikWchr
19465
2.3
Prägestock für Münzen, Münzstempel:
er sant hin zuo dem grabær, / der diu îsen hêt
gegraben [graviert]
EnikWchr
25229;
schouwe, wes bilde sî, / daz mit gebræch gemachet sî / mit
dem îsen in den rinc Ottok
465;
alliz daz burneholz sal man koufin mit phenningen vnd mit shærvin
[Scherflein, halben Pfennigen] , die da sint
geworcht des jaris zv Erforte vffe deme jsine UrkCorp (WMU)
1161A,11;
StRNordh
3,63
2.4
‘Hufeisen’
swelich ros einn gespalten fuez hat, dem prich daz eysen ab
und slach den pallen auf Albrant
1,11
u.ö.;
Schyro [der Zentaur
Chiron] begunde im wisen / sin nüwen scharffen yssen
GTroj
16946.
1037;
daz edel ors lief vaste, / [...] / daz wilde
viwer glaste / von den isen, als ez diche tuͦt Rab
920,4;
Jüngl
1255
2.5
weitere Geräte und Gegenstände:
an deme gurtilbande / truc he [der Arzt]
manchirhande / isen in den stundin / zcu swerin und zcu wundin
PfzdHech
309,8;
SalArz
75,33;
er bedorfte daz
erdisen [Pflugeisen] / nimmir dar gewisen, / daz
isen dar in stæche, / den phluoch ez zebræche VRechte
151;
LobSal
116;
sô grab die wurzen, daz dû si mit dem îsen nine rüerest
Barth
150,25;
Macer
52,13;
WüP
76,3;
so sal man vs beydin stuckin des rysis das mark
behendiclich vs nemen mit eyme ysin Pelzb
127,3;
BdN
470,35;
Ottok
31183;
Konr
13,30
u.ö.;
der stain klingelt schôn reht sam diu glokspeis, wenn
man mit ainem eisen dar auf slecht oder mit ainem andern gesmeid
BdN
440,33.
–
die steyn waren groß und dick und waren mit vergoßen
ysen zusamen gebunden Lanc
174,22;
feilpulver, daz ist daz gemaln eisen, daz von der
feiln kümt BdN
479,23;
der selb adamas scheint sam ain new gefeilt eisen
ebd.
433,3;
rostiges eisen BairFärb
1,1;
WernhMl
861
2.6
erhitztes, glühendes Stück Eisen zur Vollstreckung von Gottesurteilen und zur
Peinigung
2.6.1
beim Ordal, Gottesurteil:
swie harte sich der muoet, / der daz isen gluoet /
unde ez danne hin treit, / [...], / ist er rehte
dar chomen / (daz han wir diche wol vernomen), / daz viur in nine brennet
VRechte
244.
257;
daz gerihte / zem glüejenden îsen Tr
15525;
[als Isolde] das glüejende ysen truog
TristMönch
1642;
Mühlh
112,5.
113,3;
Lanc
516,24.
– als Beteuerung ein glüendeʒ/ heiʒeʒ ~ tragen
wellen:
von liebe kan ich niht gesagen: mir wart so liebes
nie niht mêr; / des wolde ich ûf genâde gerne ein glüendez îsen tragen
KLD:GvN
8: 5,7;
wand sold ich unde kunde / den abt von Admunde /
an den selben sachen / unschuldic machen / unde der red entsagen, / ein
heizez îsen wold ich tragen / umb die kirchen dâhin / in einer zangen
für in Ottok
54896
2.6.2
zur Peinigung:
er hiez ein isen ergluen / und daz brengen vuwer
rot, / als im sin zorn do gebot Pass I/II (HSW)
29276;
sus liez er disen barvuz / uf daz gluende isen
treten ebd.
29281.
29287;
mit glugenden ysen brennen Martina
100,89
3
in Vergleichen
3.1
auf magnetische Anziehung Bezug nehmend:
den sun [Christus] der vater an
sich zoch / als daz ysen der adamas: / wann er von himel komen was, / also must
er wider dar HvNstGZ
4591;
wir sont och an únserm herren haften alz der adamas an dem isen
PrGeorg
327,26;
Seuse
427,7;
Eckh
2:74,5
3.2
auf das Schmieden oder die glühende Hitze des Eisens Bezug nehmend:
sam der smít tingelet uf den anbóz, / so daz isen ist
ingluͦte, / [so schlugen sie] uf schilte unt uf huͦte
Rol
4119;
dô sprungen fiures flammen / ûz helmen alsô grôze / als ûf
dem anebôze / die gneisten von dem îsen KvWTurn
797;
Lucid
128,8.
–
die zene ime [Cerberus] glûten / als daz
îsen in dem fûre En
3219;
vor ungüete / sin gîtic herze glüete, / als ein
heizez îsen tuot Ottok
11919;
sîn herze in êren gloste / alsam ein glimmund îsen
ebd.
60063;
daz îsen in der smitten / sô sêre niht englüejet / als vaste er wart
gemüejet / in der vil heizen senegluot KvWEngelh
5560;
KvWTroj
7755;
Pass I/II (HSW)
32129;
Lucid
151,4.
–
unsir herre belibet oͮch in vns alse daz fúr in deme isine
PrGeorg (Sch)
32,41.
32,42
3.3
auf die Veränderung durch Erhitzung Bezug nehmend (vgl. TPMA
2,444-446):
swaz vleischliches vnd vngeordentes an diner minne si, daz
sneite alles abe, so wirt din sel in got gewandelt als div wolle in der varwe
vnd als daz isen in dem viure PrBerthKl
7,71;
ich wil tuͦn als der smit tuͦt: / der wermt daz ysen in
der gluͦt / und wuͤrkt ez danne als er wil Rennew
29074;
die wîl daz îsen hitz ist vol, / vil bald man ez denn smiden sol
Boner
42,63
3.4
Sonstiges:
rehte als diu vîle / furbet [
‘fegt’, feilt] des îsens messe [Klumpen,
Masse] , / sus machet scharf und wesse [scharf,
spitz] / an freuden mannes lîp / diu vil reinen wîp
Ottok
33530
4
in Wendungen
4.1
~ (vr)ëʒʒen als Ausdruck für Kühnheit, Verwegenheit, Wut (vgl.
TPMA 2,449, s.a.
îsenbîʒ
):
ich bizze wol durch einen stein / ich bin sô muotes ræze, / hei waz ich
îsens æze! Helmbr
410.
1749;
hey, waz er îsens æze! Neidh
WL 29:4b,8;
daz der ungefüege man / îsen ezzen künde JSigen
15,6;
man iach, daz er vor grimme wol îsen vraeze Loheng
5726.
– vgl.
jâ wæn ich in wol ein îsen kiuwen Neidh
WL 14:6k,8
(oder als Kompos. →
îsenkiuwe aufzufassen?)
4.2
nôt brichet ~
→
nôt
MWB 3,1 2,52; Bearbeiter: Richter
îsenære
stM.
Bedeutung unklar (Erzarbeiter, Schmied oder Eisenwarenhändler, s. Nölle-Hornkamp,
Handwerkerbez., S. 234), nur als Bestandteil von Personennamen:
Hainreich der eysnær UrkCorp
1195,27;
frow Kathreye, Hainreichs havsfrow des eysnæris ebd.
1195,32;
Dietrich der ysner ebd.
2505,32.
3321,2
MWB 3,1 5,42; Bearbeiter: Richter
îsenbiutel (?)
stMN.
bair.; Bedeutung unklar, hier ein Familienname (anders Nölle-Hornkamp,
Handwerkerbez., S. 288):
drei visschhvob, di gehoernt den Eysenpæutelen zvo nach minem tod vnd niht ê
UrkCorp
2291,21;
der Stephan Eisenpeutel ebd.
2194,29;
her Chunrat der Eisenbovtel ebd.
N794,16
u.ö.;
der selbe marschalch / dem Îsenbiutel enphalch / und den
Ritzendorfæren, / daz si ze Judenburge wæren / mit zweinzic mannen werlichen
Ottok
56402
MWB 3,1 5,49; Bearbeiter: Richter
îsenbîʒ
stM.
‘Eisenbeißer’ als Ausdruck für eine kühne, verwegene Person (vgl.
îsen
4.1):
ze Bern wær du ein îsenbîz: / ze vliehen stêt dir hie der vlîz. / dîn schande
wil sich mêren Virg
692,4
MWB 3,1 5,59; Bearbeiter: Richter |